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Full text of "Volks- und Gesellschaftslieder des XV. Und XVI. Jahrhunderts"

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Deutsche Texte des Mittelalters 



herausgegeben 



von der 



Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften. 



Band V. 

Die Lieder der Heidelberger Handschrift 
Pal. 343. 



BERLIN 

Weidmannsche Buchhandlung 



1905. 



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Deutsche Texte des Mittelalters 



herausgegeben 



von der 



Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften. 



Band V. 

Die Lieder der Heidelberger Handschrift 
Pal. 343. 



BERLIN 
Weidtnannsche Buchhandlung 



1905. 



119703 



LInter den Liederhandschrifteii des 16, Jahrhunderts stefU nach Umfang und 
Bedeuhifig der Heidelberger Codex Palatinus 343 obenan. Den Sammlern des 
Wunderhorns war gleich ihren Vorgängenty die sich um den deutschen Volksgesang 
der Vorzeit bekümmert hatten, von dieser schönen und reichen Quelle nichts bekannt; 
sie dauernd erschlossen zu haben, auf dies Verdienst hat erst Görres Anspruch. 
Gewissermaßen als Ergänzung und Nachlese zum Wunderhom gab er 1817 heraus 
„Altteutsche Volks- und Meisterlieder aus den Handschriften der Heidelberger 
Bibliothek*', wobei Palatinus 343 seine HauptqueUe bildet, welche zu seinem Buche 
mindestens die Hälfte der Lieder beigesteuert hat. Aber Görres war in diesem Falle 
seiner Aufgabe nicht ganz gewachsen; gar zu deutlich verrät sich bisu?eüen sein 
Mangel ebensoselir an wissenschaftlicher Schulung wie an dichterischem Feingefühl, 
ebensosehr an philologischer Kritik wie an ästhetischem Takt. Eine deutliche Sprache 
reden allein schon die Liederanfänge, die der Palatinus nach seinen Lesungen 
bieten soll: 

S. 36 Hertzlieb thul mich erfreuen, | die fröhlich Sommerzeit . . . = Hs. Nr. 40 
Herizlich . . . 

S. 42 Ich hab mein Hertz zu Frauen gestellt . . . = Hs, Nr. 95 Ich hab m. h. 
zue friden gestelt . . . 

S. 61 Verhüllt hab ich mein Habermuß . . . = Hs. Nr. 76 Verschutt hab 
ich . . . Nr. 142 Ich hab verschutt . . . 

S. 123 Zurück muß ich dich lassen . . . = Hs. Nr. 139 Isprugkb, ich mues 
dich laßen . . . 

Ein paar auffällige Versehn aus dem Innepm der dem Palatinus entnommenen 
Lieder bei Görres mögen sich anschließen: 

S. 32 Ob es mögt ßnd seins Gleichen, | Sucht das Hirschlein mit ganzem 
Fleiße. — Hs. Nr. 33 ob es mecbt finden sein speiß, | sucht das hirschlein mit 
ganzem fleiß. 

S. 34 Harnisch und Pferd auch mit Allem — im Reim zu: fein (statt Hs. 
schönn) — Eb. Nr. 36 Harnisch u. pf. auch nit allein. 

5. 133 Tamar wurd gar verachtet, | Athie in dieser Welt, | da sie sich un- 
betrachtet | In Liebe hat gesellt | Zu Amor, ihrem Bruder . . . In der Hs. liest 
man sehr deutlich Nr. 145 Z. 65 u. 68 alhie und Ammon. Z. 70 kommt Amman 
noch einmal vor, und hier liest Oörres auch Amon. Soll man, um Oörres von dem 
Verdacht eines höchst lächerlichen und fast unglaublichen Irrtums reinigen eu können, 



VI 

für Z. 65 XL 68, mmol er Z. 70 richtig liest, zwei so schlimme DrtickfeJiler an- 
nehmen? Z>ei- Vormirf großer Nachlässigkeit müßte diesem Tatbestande gegenüber 
auch dann aufrecht erhalten bleiben. Indes, wenn man das Oberall unzulängliche 
Wesen dieses vielseitigen, aber kein abgegrenztes Wissensgebiet gründlich be- 
herrschenden Schriftstellers, desselben Verfahren und Arbeitsweise sonst und nicht am 
wenigsten in vorliegender Sammlung seiner Volks- und Meister-Lieder in BetrcuM 
zieht, wird man den bösen Ärgwohn nicht unbedingt abweisen können, als ob Görres 
ein eignes OeschuHsterpaar Amor und Athie aus der Hs. herausgelesen und solches 
unbedenklich zwischen Thamar und Ammon eingeschaltet habe, weil ihm diese Er- 
Ziihhmg der Bibel nicht gegenwärtig war. Nach solchen Proben tvird man sich über 
Fehler wie S. 9 abgeneyt statt abgemeyt (= abgemäht: Hs. Nr. 76), S. 136 schiffet 
statt schiffel (Hs. Nr. 32), S. 253 Fanas Weida statt Janas (Hs. Nr. 58) kaum noch 
wundem und sich damit aufhcdten wollen. 

Leider sind viele dieser fehlerhaften Fassungen, so wie sie von Götres geboten 
werden, in späteren umfangreicheren Sammlungen, wie denjenigen von Erlach, Mittler, 
Böhme, wieder abgedruckt worden, und nur wenige Forscher sind gleich UMand auf 
die Quellen zurückgegangen und haben stillschtceigend berichtigte Fassungen hergestdU. 

Eigens diese Handschrift für sich hat bisher niemand bearbeitet. Eine kurze 
Beschreibung ufid InhcUtsübersicht findet man bei Bartsch, Die altdeutschen Hand- 
schriften der Universitäts "Bibliothek zu Heiddberg (Katalog d. Handschriften, Bd. 1. 
1887) S. 96 — 1(X) Nr. 171. Die Quellenangaben und Nachweisungen darin sind 
recht mangelhaft und bisweilen geradezu falsdi. Fehler laufen sogar in der Wieder- 
gabe der Liederanfänge mit unter wie S. 99 Reiniges bild statt R einiges bild und 
dfenda gar Ich armes Roß bin ganz verirrt statt Ich armer Boß . . . 

Die Hs. besteht aus 179 schon bei der Anlage durchgezählten Blättern, wozu 
noch, eins davor, zwei hintenan, drei nicht mitgezählte Blätter kommen. 

Man kann ungefähr 16 ungleiche, meist jedoch zu 12 Blättern zusammengeheftete 
Lagen unterscheiden, wobei die mittelsten 2--4 Blätter einiger Lagen ausgerissen sind, 
wie manche noch verbliebenen Papierfetzen an den Heftfäden deutlich erkennen lassen. 

Das WasserzeicJien des Papiers ist ein vierteiliges Wappen, in dessen rechtwinklig 
zusammenstoßenden Abschnitten rechts oben und links unten oder umgekehrt je zwei 
dreizackige Wellenlinien und entsprechend in den beiden andern Abschnitten ein sechs- 
zackiger Stern im Kreis (oder ein Bad?) je zweimal enthalten sind. 

Die Hs. enthält von Bl. i« bis 143^ in ununterbrochener Folge Lieder, die von 
einem späteren Betiutzer des 19. Jahrhunderts flüchtig numeriert und vennöge Nicht- 
beachtung eines Liedes (11/12) nur bis 204 (statt 305) gebracht sind. Die Seiten 
143h bis 167^ sind leer. S. 167^ bis 176^ folgt ein Register, das die Lieder nadi Maß- 
gabe des ersten ohne Berücksichtigung der andern Buchstaben mit Bezeichnung der 
BlatbtaU ordnet. Die letzten Seiten von 176^ an sind leer. Die Seiten sind 29^1^ cm 
hoch, 19 cm breit Sie sind einspaltig in sehr ungleicher Höhe beschrid>en. 

Die Hs. ist in weiches, biegsames Schweinsleder gdmnden. Weder auf dem 
Deckel noch im Innern findet sich außer den Liedern irgend ettoas von Zahlen, 
Buchstaben, Verzierungen. Auch Sprüche, wodurch andre Liederhandsdiriften Beiz 



und Abwechslung erhalten^ fehk^i in dieBm" Mm' gwm^ nur hat sich vermhentlick 
zwischen die 8fe und Ott Strophe des Liedes Nr, JOS ein Spruch von 4 Zeilen ein- 
yeschlichen. Die Strophen^ die Ve$*se nicht so^ »ind abgesetzt und durch Zumdim- 
räume voneinander geschieden; zudem sind die Anfangsbuchstaben der Strophen 
durch Vef^schnÖrkdung und Größe hermrg^obenj doch ohne daß de etwa mit he- 
sondrer Sorgfalt zierlich ausgenmlt wären, Abkürzungen kommen vereinzelt vor^ 
abgeseheti von dem bekannten Verdoppelungsstrich über n und m ißt bisweilen -er 
durch einen aufwärts, -en durch einen abwärts geschxmmgefieti Bogen hegeichmt, einige 
Mals steid für das, was bei Weglassung des a nur d, vv mit einem vieBeicht fmch 
adter Schreibumj % darstellenden^ jedeti falls dem sofistiget^ z sehr ähniieheti Zeichen. 

Die Hs. zerfällt in zwei denn Umfange nach fast gleiche Tmle, deren zweiter 
mit Nr. 99 beginnt^ so daß der erste 98 (richtiger bei Mitzäklung von 11112 aber 99), 
der zweite 106 Nummern umfaßt Die beiden Teile det* Es* unterscheiden sich rein 
äußerlich zunächst durch abweichendeti Federzug, so daß man für Jeden änen be- 
sondern Schreiber annehmmi muß. Die Tinte des efsien ist blasser ah diejenige des 
zweiten Teils. Ferner ist im zwätm, Teile der Inhalt mäir zusammengedrängt als 
tm ersten, dessen 98 (99) Lieder W^j Blätter, wogegen die 106 Lieder des zweiten 
Teils nur öi> Blätter fidlen. Sowohl die Schrift ist weitläufiger als auch die 
Zfidscbenräume zwischen den änzelnefi Liedern und Strophen sind vid freigebiger 
bemesseti im ersten Teile^ wiüirend im zweiten die Sücksicht auf sparsame Baum- 
ausnutzung mweikennbar obwaüet^ Abkürzungen üllerdings noch minder oft vor- 
kommen als dort. Hödtst bmnerkenswefi hebt sich die zweite Hälfte dadurcfi ab 
und kefinzeichnet sich als ein Besonderes, daß in ihr die Lieder nach dem 
ersten Buchstaben geordnet sind. Da sie durch das ganze Alphabet von Ä bis auf Z 
gelangt, so lud man die Gewißheit, daß der Sammler seinen Plan in det* getroffenen 
Auswahl ungestört vollständig bis an's Ende durchführen konnte. In der vordem 
Hälfte trittf was bei der alphabetischen Anordnung nicht möglich war^ an einigen 
Stdlen das Bestreben hervor, die Lieder gruppenumse nach stofflichen Qesiditspunkien 
zu verteilen* Voiansteheti 11 geisUiche LiedtT, von Nr. 57 — ßü^ sind an einer Stdle 
me-hrere historisch-politische Lieder vereinigt. 

Die Zahl der IJedn^ vermindert sich um ungefähr ein Dtdzmid Nummerfi da- 
durch, daß mehrfach dieselben Lieder zweimal in gleichen ode^* ähnlichen Fassungen 
geböten werden: 7 in 6 Str> 94 die erste Str, davon^ — 17 und 193 in je S efit^r, 
Str. — 24 und 47 in je 3 entspr. Str, — ^ und 33 in je 3 e^dspr. Str. — ^i^ in 
3 Sh\ 162 Sir. ö—S ohne Kennzeichnung und Zählung eines besondern Liedes eine 
mllständigere Fassung. — 42 und 59 in je 4 etdspr. Str. ^ öl und 169 in je 
U enispr, Str, — 63 und 203 in je 8 entspr. Str. — 69 und 181 in je 3 entspr. 
Str. — 7o und 142 in je 3 entspr. Str. — 78 die 3 ersten Str. 204 vollständig in 
S Str. — 79 die beiden ersten Str. 151 vollständig in 3 Str. — 97 in 8 Str. 
186 in 7 Mt\ — (162J3 und 189/94 je zwei verschiedene Lieder mit gleichem An- 
fctngj — Die meisteti Wiederholungen sind eidstandenj indem der zweite Schreiber 
solche Lieder, die der erste schon gebracht hatte^ noch eimn<jd gaby teils^ um unvoil- 
Mmdige oder schlechte Fassungen zu ergänzen oder zu berichfigefh teils woM auch 



VlII 

aus ünachtMmkeit, Doch sind ir^nerkalb des ersün Teiles sdbst mehrere Lieder 
doppelt geschrieben (7 und 94; 24 und 47; 27 und 33; 42 und o9), ivas im zweUen 
Teüe mit keinem einzigen Liede geschehn ist. 

Wenn auch zwei Personen an der Niederschrift gearbeitet haben, so können die 
beiden Teüe doch weder örüich noch zeitlich weit atiseiiiander liegen. Sämtliche 
Lieder stammen aus der Zeit vor 1550, keifis der historischen bezieht sich auf ein 
späteres Ereignis, und für die meisten läßt sich das Vorkommen in der ersten Hälfte 
des 16. Jahrhunderts aus andern Quellen bdegen. Der Zwischenraum, der die beiden 
Hälften von einander trennt, kann schwerlich viele Jahre betragen; der zweite 
Schreiber kann unmittelbar den ersten abgelöst haben, und jeder von beiden hat 
wahrscheinlich in kurzer Zeit, vielleicht in wenigen Tagen seinen Teil nieder- 
geschrid>en. Setzt man als Entstehungszeit der Hs. 1560/5 an, so hat man mindestens 
für den Abschluß den weitesten Spidräum und die äußerste Chrenze der Möglichkeit 
zugelassen. Die beiden Teile stimmen in allem WesenÜichen, was Inhalt und Form, 
Sdireibung und Sprache bis in die kleinsten mundartlichen Eigentümlichkeiten hinein 
anbdangt, so gut zusammen, daß man den Eindruck vollkommener EinhdÜichkeit 
gewinnt. Das Game stammt also nidä nur aus einem auf höchstens ein paar Jahre 
zu bemessenden Zeitraum, sondern auch unzweifdhaft aus derselben Oegend und viel- 
leicht sogar auA demsdben Kreise. 

Die Lautverhältnisse der Hs. entsprechen schon fast ganz dem neuhochdeutschen 
Bestände, der sonach im folgenden überall zu Grunde gelegt werden soll. Kleine 
Besonderheiten scheinen meist nach dem südwestlichen Deutschland und ziwar in 
seinem nördlichen an das mittddeutsche Gebiet angrenzenden Teile hinzuweisen. All- 
zuweit von Heiddberg, ihrem jetzigen Aufbewahrungsorte, dürfte demnach der Ursprung 
der Hs. nicht gesucht werden. Von örtlichen und persönlichen Beziehungen und 
Anknüpfungspunkten, wodurch man die bisweilen etwas unsichem sprachlichen Merk- 
male besser stützen und etwaige Schlußfolgerungen sichern könnte, findet sidi in der 
Hs. nichts. Wenn für das damals überall verbreitete Lied Nr. 186 zwen Studenten 
zue Freyburg in der Statt als Urheber und Sänger genannt werden, so sind sie nur 
mißbräuchlich oder mißverständlich für zwen Hauer zu Freybergk einer altem 
Fassung, die sich in den Bergreihen findet, eingesetzt, und es kann aus der eineti 
Fassung ebensowenig auf den Ursprung des Liedes im badischen Freiburg, wie aus 
der andern auf den Ursprung in der alten sächsischen Bergstadt Freiberg geschlossen 
werden. Die Lieder als solche stammen aus allen möglichen Gegenden Deutschlands 
und bringen in jede Sammlung und Auswahl ihre mundartlichen Eigentümlichkeiten 
mit hinein, und sie stammen aus verschiedenen weit auseinanderliegenden Zeiten^ 
zum großen Teil noch aus dem fünfzehnten Jahrhundert, und führen altertümliche 
Wortformen und Ausdrücke mit sich, die sicii in Liedern um so hartnäckiger 
behaupten, als Metrum und Beim Änderung erschweren. Wie sich in keiner aus 
verschiedenen Bestandteilen zusammengebradUen Sammlung einer Zeit, zu welcher es 
eine allgemeingültige, feste Schriftsprache nodi nicht gab, überall Folgerichtigkeit und 
Übereinstimmung durchsetzen kann, so läßt sich von vornherein für diese Lieder- 
Sammlung noch viel weniger in sprachlicher Beziehung vollkommene Planmäßigkeit 



IX 



und Emlmilkhkeit voramseiien. Die TäÜtjkeit dw Sammler gegmülber ihreti in 
ffeschhssmm^ Form ihnefi nhetiiefertefi Vorlagen kann sich nur in einetn oberfiäch- 
Hühen Anfitrieh behmdetu Ihre mtmdartUeh€7i Befangenheiten uud Neiffwiffen tverdcu 
sich nicht sowohl in grnndsätilicher Diircharheitmiy ah in kleineti AußerUchkeitm 
verriden. Wie fem diesem Kreise das nif-derdenfsehe Sprachgebiet lag, zeigt besonders 
Nr. 160 f ein ursprünglich mederländisches Lied, welches der Schreiber gar niehi ver- 
standen hai. 

Wie die Sammlung ah Games von andern hüchdmitsvhen Schriftstüekm sieh 
unterscheidet and ihre Eigeidämlichkeiten aufweisff so lassen sich hei schärf er em 
Zusehn auch bei defi beiden daran beteiligten Schrdbem gewisse Besojiderheitefi wahr- 
nehmen^ die jedoch nur derartige mnd, wie sie sich ebeti stets bei verschiedenen 
Personen selbst bei gleichem Bildungsgange, ghicher Lebens fühnmgf in demselben 
Gesellschaftskreise f imter detiselben Bedinffiinge>i natnrnotwefidig htrausstelhn^ 

im ersten Teile sind bei Znsamfnenseizujigen die Bestandteile fost immer ge- 
m^ieden: herz lieb» herz aller liebste u, dgL Im zireiten Teile stehn die Worte 
nicht immer^ ahm* oft Eusammengesch rieben: herzHeb, herzallerliebste u. dgh 

Der Schreiber des ersten Teih verbindet flns h mit den vorhergefienden Buch- 
staben gewöhnlich durch mnefi starkgeknlmmtepij wellenförmigen Bogen, tcelcher dm* 
Form des Buchstabens C sehr ähnlich ist, eim (fcwohnheitj bei ffer es meist unmög- 
lich ist h und ch zu scheiden. Ob him^ nichts ah ein graphischer Schnörkel oder 
vieUeicht eine lautliche Unsicherheit zu Grunde liegtj dürfte schwer zu bestimmen 
sein. Damit in Zusammenhang steht es vidlefcht, wenn derselbe Schreiber mehrfach 
s und seh vertüBchselt und bloßes h für ch setzt* Besonders oft mid Formen von 
sehen und geschehen durcheinmider geratmf offenbar wegen des unmittelbar auf se- 
tmd sehe- nachfolgetiden h, das in der Flexion sich oft bu ch verdickt. So findet 
man s für seh in 8, Ä^/ gesichts; 9, 139 gesicht; 15, 5 gesiebt; 18, U gesach: 
*50, IH gesach; 5-/, 4B gesach; oÖ, 70 gesteh t; 6*5^ 28 gesiebt : 66 ^ ^) gesiebt — ge- 
sach; 92^1^1J^2S gesichts; 98^16 gesiebt; und umgekefirt seh für s in 18,41 
schehen; 37,2 geschehen; io^ 17 verschehen; 6*6'^ 16ß auffschehen; 68, B5 beschehen: 
82f 7 geschehen. Sdten kommen andre Wort^ dafür in Betracht: 1, 47 verseren 
für das altertümliche^ dmn Schreiber n:^ahrs€hei7Üidi nicht mehr geläufige verscheren : 
9,109 u7id 8n, 13 sein für sehein; 0^,6'-^ slacht für schlacht; 73, S2 vormissen 
für vermischen; umgekehrt nur^ wohl unter dem Einfluß des vorausklingefiden gleichen 
Änlaids im folgenden Wort, 21j 29 sehend! ich schmertzen statt sendlich. Wenn ch 
uhermaßig oft für h gesetzt ist, so tritt wieder dieses nach alter Schreibung mehrfach 
für jBfies ein: //, 11$ rehenschafft; 11(12, 3^> mib; 15 ^ 17 niht; 21 f 15 niht; 29^ 41 
inih II, s. w. 

Im zweiten Teile der Hs. kmnmt eitie VerwechBlung von s mid scli überhaupt 
nicht vor: h aber für ch tntt nur auf bei den beiden Pronmnina solher mul wellier, 
und zwar durchgehends, wobei man in einm* latälichefi Tatsache den Grund zu 
suckmi nifdd umhifi kmnef^ mrd: 103, 13 solher; 106, 26 soihs; 106, 55 solhs; 
106,112 solher; 106,135 solhes; 107, 13 so]hen; 107,30 soWis; tt 17, 4^J solhes: 
117, 15 solher; 117, 23 solhem; MK 8 welher; 1^4, 11 welhes u, s. w. Es läßt sich 



X 

annehmen, daß in dei' Mundart dieses Schreibers der Laut hitUer 1 in welcher 
und solcher gar nicht gesprochen umrde oder tmr äußerst schwach eu vernehmen war. 
Für a (= mhd. ä) steht in der Es. sehr oft o, doch seUener in der zteeiien 
Hälfte. In der ersten Hälfte laufen die Formen noch und nach für die Präposition 
beständig wie gleichberechtigt nebeneinander her: noch «. B. 1, 40; 3,26; 5,19 (u.s.w.); 
48, 21; 50, 15; 52, 13 (u. s. w.); 95, 18, 21, 22. Auch sonst zeigt sich Vorliebe für o: 
1, 41 los; 15, 25 loß; 8, 31 Ion; 18, 19 verlon; 22, 22 abelon; 22, 23 Ion; 27, 22 
und 53, 7 verlon; 54, 30 Ion u. s, w.; 1, 46 klor; 1, 67 roch; 1, 71 woffen; 2, 3 
jomerthal; — gethon 5, 15; 33, 10; 40, 1^; femer 49,8 underthon; 54, 14 thon; — 
7,36 moße; 8,9 besthon; 8,.55 widersthon; 40,44 slhon; 48,7 slhon; 8,23 mol; 

34. 16 zumol; — 8,41 erghon; 27, 20 verghon; 42, 28 gon; 53, 23 ghon u, s. w. 

— L% der zweiten Hälfte der Hs. steht noch nur einmal für nach wirf zwar im 
ersten Gedicht dieser Hälfte gleiclisam als Sachwirkung der ersten: 99, 72. Dagegen 
wird in der zweiten Hälfte do neben da ganz gleichberechtigt angewandt, tvälirend 
in der ersten Hälfte do nur selten (z. B. 49, 25; 52, 21) begegnet: 102, 12; 105, 16; 
106, 100; 108, 2; 119, 10; 123, 16; 124, 19 u. s. w. Nicht selten stellt auch in der 
zweiten Hälfte lo(h)n für lan = lassen: 125, 13; 126, 20; 131, 42; 155, 8; 159, 5; 
181, 4. Sonst findet sich o für a nur vereinzelt in der zweiten Hälfte: 117, 5 won 
(im Beim auf: khan); 124,20 u. 42 et wo; 153, 21 gethon (: cron); 154,4 groll 
(: Partzefal); 180, 2 spot (: not); 182, 20 won (: schon). — Gleich hier mag sich 
anschliessefi blo 76, 1; 90, 28. 

Umgekehrt steht bisweilen a für nhd, o = )nhd. ä, dieses auch öfter in der 
ersten als in der zweiteti Hälfte, so vor allem a(h)n(n) für ohne: 11, 23; 16, 16 
u. 16; 23, 22; 24, 11 u. 33; 29, 41; 41, 22 u. s, w. 11112, 2 wa; 24, 15 wa u. s. w. 

— 146, 44 stram; 179, 23 wa; 183, 21 ann u. s. tr. 

Sehr viel seltner findet sich a für nhd. o = mhd, o: so 72, 13 nach (= noch); 

74. 17 dannach u. ö,; nicht in der zweiten Hälfte, 

Neben auf steht in der ersten Hälfte nicht sdten, in der zweiten sefir oft uf(f): 
6, 18; 8, 52 u. 54; 11/12, 12; 14, 4; 40, 19; 43, 7; 4o, 13; 52, 31; 54, 34; 98, 27; 

— 103, 31; 104, 3; 106, 42 u. 44; 109, 1; HO, 6, 10, 30, 31, 32, 41, 47; 111, 6 u, 
16; 112, 2, 9, 39 u, s. w. Außerdem ist noch anzumerken u für au: 17,3 bruns; 
55, 60 u. 151 18 uß. 

Wie a und o schwanken auch o und u durcheinander, ebenfalls mehr in der 
ersten als in der zweiten Hälfte: sun (= söhn) 1, 26; 2, 13; 6, 38; 52, 68 u. ö. — 
sun (= sonne) 31, 40; 32, 41; 55, 85 u. ö, — khum (menj, khumbt u. dgl, 1, 68; 
3, 34; 7, 13; 10, 21; 20, 7 u. 19; 33, 29; 39, 5; 41, 5; 42, 52; 48, U; 54, 6, 13, 
22 u, s. w, — 10, 37 genummen; 11, 66 genummen; 40, 37 vernumen; 54, 20 
vcmummen u. ö. — summer 17, 2; 32, 3; 40, 2; 54, 1 u. ö. — wun(e) 23, 16; 
40, 15; 55, 87; frum 3, 24; 33, 30; 54, 11; su(n)st 25, 10; 26, 19; 29, 17 m. 33; 
35, 18; 50, 30 u. s. w. — In der zweiten Hälfte: su(n)st 104, 34; 124, 35; 132, 23; 
136,13; 150,16; 182,42 u. ö. — khum(men), khurabt m. dgl. 112,15; 123,10; 
139, 12; 171. 27 u. 29; 180, 2 n. ö. — k(h)un(d)l(en) 1&<, 21; 131, 6; 136, 30; 
153, 57 u. 0. — frum 168, 19; 178, 51 u. s. w. 



XT 



o statt mhd. u pndd mch nur einige Male in der zweiten Hlilfie: 100, l)i komcrs; 
//>/, 10 khommer; 162 ^ GÖ komer; 165, 62 komm er; 194^ 25 kommern; 166 ^ 42 
krommen; 132^ 17 onvorkert (i56\ IB unvcrkhert); — o ^att mhd. uo {nhd, u); 
/4ö, 45 gron; 190^16 gronet {vgL 100 j 9 grön); 157\30 thon; 178,54 magthom. 

Der l>iphthm%ff ai kommt im er&tefi T^äe seltm vor: 11, 61 ainß; 31, 10 ain; 
86^23 aidt; 36^24 aigen; 44,22 ai^en iL s. w. Viel häufiger trifft man dienmi 
Diphthong im eweiten Teile^ wobei stets nur altes mhd. ei dadurch hmekkrut wird^ 
nährend für nhd, ei = mhd. l nur die Schreibung ei gebraucht wird: 99 ^ 57 raizen; 
109, m fayle; 1Q9, 18 aierr; 110, 18, 26, 44 ich wais, haissen, pain; 116, 4 da 
waisl; 118^ 13 ay; 122,6 laider; 125, 4, ö, S kayserin, ayde, layden; 128, 12 ik 
15 taygen, taigen; 128,16 haid; 128,19 haisset; 129, 3 u. 14 laid, aigen; ML 2 
u, 4 herzenlayd, hochgemait; 133, 1 u. 134^ 17 ainigs; 134, 35 u. €() wais; 
/34, 53 kayserin; J35, 8 aid; 135, 28 ich rnain u. t^* n\ 

Was femer noch den Vokaltsmns anbetrifft, mnd keine sofisHgen weseniltchm 
t nt€}*schiede vou da* netthoehdeutschm Schriftsprache nachnttretsen. Doch verdient 
betnerkt 2ii werden, daß in der Hs. die Bezeichnung des Vmlmds noch sehr srhwan* 
ketid und unregelmäßig ist; ä ivird gncöhnlich durch e gegeben, ron o und n wird 
ein Umlaut selten unterschiedefr, ntmal in der ersten Hälfte, während in der zfveiten 
ein mitschiedfmer Fortschritt h im bei bemerkhar nmrt Bei der Bezeichnung der wit u 
oder ü zusammen yesetHen Diphthonge, denen mhd. omv, iuw, üw mi Grunde Hegt 
oder denen r folgt, besteht ein graphischer Unterschied zwiBcheti defi beiden 
Hälften i in der ersten findet sich dafür meist w und uw, dieses öfter ah jcneSf 
in der zweiten steht in den entsprechenden Fällen w und mit Umlaut w, wm 
in folgendem Ihiick stets i>i uw und üw aufgelöst ist Daß in damaliger Zeit im 
AnlaiU V ßir u, dagegen im Innmjt der Worte beim Silbettanfang u für v gesetzt 
umrde, ist hinlänglich bekannt; die^e rein graphischen Geimhdieiten sind ohne latd- 
liche Bedetüung, und es liegt kein Anlaß vm\ de7*€trtiges in genauem Abdruck zu 
verewigen. Es kann kaum ein Zweifel mdstehm, ob u oder v in einem bestimmten 
einzelnen Falle Konsmiant oder Vokal ist, und es empfiehlt sieh, im Neudruck 
für den Konsonanten stets \% für den Vokal stets u zu setsm. Da die Zachen f 
und Y schon damals oft denselben Laut bezeichneten, damals aber noeh mgar bei 
denselben Wortefi durcheinandergingefti, kommt auch für jetziges f in der Hs. bisu^mlen 
u vor^ so Nr. n5 Z 10 der graue =^ grave zwischm Z, 6 w, 2(J graffen» 

Schwieriger ist in einigen Fällen bei dmn andern Halbvokal i : j die Entscheidung 
zu treffen^ ob Vokal odm- Konsonant vorliegt Zwar überwiefjt vor a, o, u, tco der 
Jjüut sicher auch damals konsonantisch war^ die Schreibimg mit dem langen j, aber 
es kommen doch daneben auch Schreibmigen vor tüte geiagten 3, 27; ianimers 48, J; 
iungenoö, 6' u. ö7; y erjaget Ö7f 53 u, a. nu Es läßt sich also nicht sagest, daß zur 
Bezeichnung des Konsonanten stets das lange j getvahlt sei. Zur Bezeichnung des Vokals 
wird aber im Anlaut neben dem allerdings übermegenden \ ganz tmter schied slo$ j ge- 
braucht: ir und jr^ im und jm u, s. u\ Jnfolgedessm wird es bd ie und seinen Zu- 
sammensetzungen meist zweifelhaft bleiben, ob j den Vokal oder de^i Konsonnnteyi be- 
zeichnet, so bd jeder, jeglicher, jet^ft) oder jetzund(t) u. <l m. In beiden Teilen der 



XII 

Hs. kommt hei diesen Worten selten i vor, es überwiegt '], und bei dieser Odegenheit 
zeigt sich wieder zwischen den beiden Teilen ein graphischer Unterschied, indem der 
zweite Teil y, der erste j bevorzugt. Eine gewisse Neigung , das i : j vor e kotiso- 
nantisch aufzufassen, könnte man daraus entnehmen, daß ein paar Male jh dasteht. 
Unter solchen Umständen darf man in diesem Abdruck wohl nicht ohne weiteres j 
diberaü durch i ersetze)!, wo mlid. i sicher cokalisch dasteht, sondern wenn man 
keine laiUliche Möglichkeit verwischen wül, wird man gut tun, für die Schreibung 
■als Regel zu befolgen, daß, wo j Mtir Vokal sein kann wie vor Konsonanten, es 
als rein graphischer, bedeutungsloser Schnörkel fallen gelassen wird, wo es aber 
unzweifelhaft einen Konsonanten bezeichnet wie vor a, o, u, oder vielleicht bezeichnen 
könnte wie vor e, beibehalten wird. Das kleine i wird man ohnehin an keiner 
Stelle durch das lange j ersetzen. Fiir die Frage nach dem vokalischen oder kon- 
sonantischen Charakter des i : j vor e kommen aus der Es. in Betracht Stellen und 
Worte wie: 9, 210 je; 11, 45 jhe; 18, 16 je; 37, 2 jhe; 40, 33 ie lenger ie lieber; 
43, 10 ie; 45, 19 je; 49, 12 ie; 54, 55 ye; 91, 19 u. 34 jhe u. s. w. — 100, 13 ye 
lenger ye lieber; 103, 8 ye lenger ye mer; 107, 39 ye; 121, 9 ye lenger. ye bas; 
152, 20 ye (im Reim auf: die); 160, 30 ye u. s. w. — ,9, 154 jeden; IZ, 55 jeder- 
man; 40, 10 jederman; 66, 152 jederman; 77, 4 jede u. s. w. — 55, 24 jeglichs; 
61, 28 itzlicher; 66, 84 iglicher; 66, 85 ieglicher; 66, 99 u. 109 iglicher; 76, 40 
iglichs u. s. w. — 112, 7 u. 141, 28 yemand(t)s u. s. w. — 9, 15 ietzundt; 9, 118 u. 
IM ilz; 9, 145 jetz; 11, 3 jetzt u. s. lo. 43, 11 jetzundt; 44, 14 jetz; 44, 32 jetzt; 
46,2 u. 20 jetz; 47, 9 ietz; 49, 4 jetz; 50, 26 yetz; 53, 3 jetzundt; 54, 5 yetzundt 
u. s. w. 87, 4 ietzt; 87, 11 ietzundt; 95, 21 ietzett; 95, 22 u. 24 jetz. — 99, 
m yetz; 99, 126 jetz; 99, 153 yetz; 104, 25 u. 30 yetz; 104, 39 yetzunt; 105, 4 
yetz; 115, 10 yetz; 117, 19 yetz u. s. w. — Zu beachten sind noch die Schreibungen 
genem, gennem 36, 3; 76, 10. 

Was die Konsonanten anbelangt, so kommen die meisten Schwanlamgen inner- 
halb der Hs. soune die meisten Abweichungen von der neuhochdeutschen Schriftsprache 
hei den der Lautverschiebung unterworf^en Konsonanten vor, und auch hier wieder er- 
scheinen die Abweichungen viel häufiger in der ersten als in der zweiten Hälfte der Hs. 

d statt des gewöhnlichen i nicht nur nach 1, n, r, sondern auch im Anlaut und 
nach Vokalen oder Diphthongen: 

8s 16 halden; 9, 64 soldu; 11, 54 khunden; — under 17, 9; 22, 2 u. 23; 34, 
4H; 49, 8 underthon; — 21, 64 entgelden; 24, 6 werder; 32, 66 werde; 47, 3 
werde; ^, 6 werdere; 25, 25 u. 51, 5 hinder u. s. w. 

99,146 underlaß; 100,25 darunder; 101, 7 under; 109, 4 darunder; 131,33 
u. 34 under; 140, 16 u. 160, 40 under; 179, 36 underwindt; 112, 12 werder; 156, 25 
werde; 156, 29 werden; 160, 17 u. 33 werde; 139, 10 hinder u. s. w. 

1, 13 du = thu; Deufel 1, 23; 2, 5; 11, 70 {1, 72 Teifel; 5, 27 Teufel); 1, 31 
dragen; 21, 11 dragen; 44, 19 dragt; 47, 41 dragen; 1, 64 drenk; 4, 31 dickh; 6, 30 
duckhen; 24, 29 dickh; 4,33 daugen; 6, 14 duch; 6, 25 drieglich; 9, 163 misse- 
thadcn; 10,22 dreu; 11,17 dreuer; 29,49 dreu; 10,34 u. 35,32 dott; 11/12,22 
u. 27, 23 bedracht; 11/12, 30 dreiben; 24, 31 dreibt; 29, 21 dreib; 34, 48 dribests: 



XIII 

13, ä deur; 14, 13 drauwen; 44, 21 dreuwen; 14, 16 dugent; 18, 27 drauter; 23, 7 
dieflf tt. s. w. 

99, 108 u. 106, 147 bedort; 102, 52 dickh; dückh 104, 8; 119, 34; 177, 2; 
106, 69 du = thu (s. 1, 13); 166, 89 dueslu; 106, 109 dreib; HO, 38 u. 47 dannen; 
dochter 118, 16; 123, 26; 131, 83 n, 87; dapfer 124, 14 u. 30; 140, 10 u. 8. w. 

t für d: 8,10 lichten; 12, 1 meyten; 12, 16 ettel man; 29, 46 getruckhet^ 
62, 64 iL 60, 66 vertruckhen; 36, 7 thu = du; 40, 17 wellten {54, 23 weiden = 
Tradet-w); 50, 36 furter {58, 60 forderst); 58, 71 Thonau: 71, 12 trumb; 86,39 
winlen n, s. w. 

99, 54 truckhen; 108, 19 truckt; 116, 24 truckhen; 166, 42 truckt; 160, lii 
truckh; 165, 26 troest «. s. w. 

p für b: 2, 9 hept; 3, 28 u. 45 prun; 40, 13 prunnen; 5, 6 gepom; 7, 20 
gcpott; 9, 125 gepotlen; 11, 2 geprist; 11, 32 u. 31, 4 pluetl; 13, 27 pringl; 43, 38 
pringt; 49, 2 pringt; 16, 21 pitter; 18,49 zcrprochen; 19, 15 geprochen; 21, 17 
pesl; 36, 33 pesser; 37, 8 pas; 21, 75 plicdt; 47, 8 pliett; 23, 24 u. 33, 18 pill; 
24, 32 piß; 26, 1 weiplich bildt; 26, 12 m. 50, 11 weiblich pildt; 26, 32 pin; 38, 1 
pin; 47, 13 pin {47, 28 u. 43 bin); 29, 27 prin; 32, 40 pluemen; 33, 5 pruckhen; 
37, 3 u. 13 geperden; 37, 17 prauner; 40, 3 gepliet; 40, 13 prunnen: 43, 31 pleibe; 
46, 4 pei; 47, 36 u. 41 peses «. s. w, 

106,96 pracht; 110,44 pain; 112,35 pange; 114, 10 prauns; 116, 6 ploch; 
128, 12 pirn; 130, 22 precht; 131, 36 prünlen; 132, 9 pues; 133, 9 widerstrepl; 
153, 60 parfues; 156, 28 pranndte; 167, 5 print ; 161, 17 pitter; 162, 12 pier; 177, 23 
peut; 177,46 praut; 182,21 pergen; 186,18 päumelein. 

b für p: 31, 23 brangen; 35, 5 brieflf; 42, 34 blagen; 43, 7 baß; 62, 21 babsts; 
64, 27 boßen; 66, 6 babst; 66, 53 breiß; 66, 127 ubbigkeit; 70, 26 gebreist; 77, 10 
bochen; 174,4 bracht; 189,17 verbraßen. 

b und w: 5,5 anwegin; 22, 10 schawab: im Beim auf: grauw; 32, 15 taub: im 
Reim auf: au ; 32, 57 grab = grau; 93, 8 growe: zweifelhaft oh = graue oder = grobe. 

g und k: 36, 25 gluckh = klug? — 58, 29 kram; {58, 41 Krichisch Weissen- 
bürg); 77, 24 klicks; 80, 29 kar; {82, 13 Krichenland); 83, 26 kharten. — 110, 18 
vergaugelt; 46, 1 laggei. — 

Eis bleiben noch einige mehr vereinzelte sprachliche Erscheinungen hervorzuheben. 
Die Verkleinerung icird überall durch angehängtes -lein, an keiner Stelle durch das 
mitteldeutsche -chen bezeichnet, und zwar wendet der erste Schreiber nur aus^ 
nahmsweise daneben -len oder -lin an, wogegen im zweiten Teile der Es. -len und 
-lin mit -lein ganz gleichberechtigt erscheinen; ganz vereinzelt sind 32,59 wangel; 
75, 16 tröpfle; 165, 62 wengle; — somt 17, 15 bluemlin; 18, 42 brieffelin; 20, 15 
meidlen; 40, 44 bluemlen; 86, 2 lufiftlen; 86, 26 tropf len; 90, 6 bluemlen; — 100, 8 
gärtlen; 100, 18 mundlin; 102, 13 freüwlen; 103, 3 freuwlin; 103, 26 jungkhfreuwlin; 
103, 31 bliemblen; 105, 6 bliemblen; 129, 1 bluemlen; 108, 37 mediin; 119,lu,36 
medlen; 119, 43 mediin; 110,5 vögelin; 111, 8 vöglen; 111, 20 jungkhfreuwlin; 
7ii,^i liedlen; 119, 50 WedVm; 122, 16 Wedhn; 123, 41 Medien; 112, 22 heuWn; 
113, 16 euglen; 113, 20 eüglin; 119, 22 pfeiflin u. s. w. 



XIV 

Femer sind bemerkenswert Formen wie: mir = wir 1, 69; 20^ 4; 66, 105; 93^ 11; 
131, 23; 156, 68. Weglassung des t am Schluß der Worte besonders nach andern 
Konsonanten: 25, 4 dich(t); 52, 61 setz(t); 68,11 sich(t); 69,25 khen(t); 80, 15 
mach(t); 83, 15 krenk(t); 99, 34 dich(t); 108, 10 betrug(t); 131, 72 lieb(t); verdnedt 
nadi Vokal 55,29 gemeide: im Reim zu: felde. Verwirrung bei st und z. Scheu 
vor tst (oder dst) und zt: 1,8 halfts; i, 36 verletzts; 12, 8 zusprichls; 23, 26 ihuets; 
39, 8 thetz; 80, 8 leidls; 80, 11 machts; 81, 12 liebsts ; 95, 14 weichts; 18, 39 stiffl(st); 
108, 34 ergetz(est); 48, 8 seiflfs; 155, 21 beüts; 80, 9 w. 81, 21 darfs; 14, 9 u. 
39, 13 finstu; 27, 7 befinst; 1.9, 16 finst; 153, 31 finst m. s. w. Anders aufzufassen 
sind: selbs 3, 18; 71, 1; 101, 15; 131, 65; am lesten ende 5, 25 u. 6, 36 u. s. w, 
Auslassung oder Anghichung von n: 146, 12 hörrlin; 155,28 hüelin; 175, 22 n. 
26 gerlen; 55, 102 omacht; 183,2 tauset. 

Es überwiegt das oberdeutsche fer, fher, ver 4, 2; (9, 174 fern: tm Beim auf: 
Herr); 11, 44; 33, 28; 36, 3; 44, 13; 55, 3L 53, 54; 76, 72; HO, 17-, 112, 33 {im 
Reim auf: gern); 153, 28; 204, 41. 

Außei' manchen altertümlichen und später veralteten Worten finden sich auch 
einige aUe Wort- und Flexionsformen in der Hs.: 31, 35 sy ligent; 42, 46 u. 63^ 10 
sie thund(t); {60, 4 wir sthent); — Iei(d)t, leut, laid w. ä. = liegt 15, 17; 21, 56 u. 
63; 29, 30; 55, 117; 60, 12 u. 68; 72, 10; 76, 39; 77, 23; 84, 11; 112, 25; 113, 4 
u. 7; 140, 8 u. 9; 146, 6; 156, 12; 173, 25; 186, 27; leyten = legten 55, 28 (Schreib- 
fehler?); geit = gibt 40, 4; 71, 10; 163, 13; 173, 27 ergeüt; 66, 47 geseil; 66, 60 
seit. — Die erste Pers. Präs. auf n 66, 1 ich han; 70, 1 ich han; 146, 17 ich thuen; 
188, 26 ich gern; aber auch 131, 84 ich furchten ti. a. m. — Adverbialformen auf^en 
(stets -liehen) z. B. 56, 9 treulichen; 63, 5 herzlichen; 63, 29 taglichen u. a. m. — 
Imperativ zu sein: bis z. B. 56, 33 u, s, w. 

Wegen ihres Geschlechts mögen vermerkt werden: Masculina 1, 32 u. 154, 20 
last; 9, 111 Wollust; — gewalt 9, 176; 37, 22; 66, 9, 30, 37; 70, 30; 87, 16; — 
57, 33 pracht; — Fem. 61, 31 mittwoch; — Neutra 23, 24 pitt; 66, 58 fan; 204, 5 
gebert; — mensch 31, 14; 52, 48; 66, 4, 141, 143 u. s. u?. 

Die Füllworte sich und es, die bis auf diesen Tag im Volksgesanye mancher 
Gegenden üblich sind, kommen auch schon in der Hs. vor: 8, 4 wen sichs schon thet 
verwirren alle weit gar (an dieser Stelle durch das folgende schon wahrscheinlich 
beeinflußt); 34, 35 ringlein khanstus gießen; 61, 52 ein freyer landtsknecht ist ers 
genant; G7, 10 das ers erblindt; 95, 17 weichstus von mir, rechs Gott an dir {viel- 
leicht in Vorausnahme des folgenden rechs); — 102, 67 — 69 soltus, mein hört, ein 
schnödes wort, also durch mich erwerben; {106,1 hestus); 128, 24 so ichs über 
die beide khomme; 130, 17 krefftig soltus ringen; 155, 1 Ich bins ein armer reüters 
knab; 164, 9 hab ich sy mirs außerkorn; 166, 20 ich habs gewartet dein; {170, 27 
woU es); 172, 26 ein stolzer Schreiber ist ers genant; — 61, 54 er ist sich bey 
siben veldtschlecht gewest; 110,16 drumb sprach sich die atzel; 141,28 ligt sich 
yemandts hie verborgen; 153, 30 sprach sich der Jüngling guet; 156, 69 also redt 
sich das raine weih u. s. w. 

Entsprechend den für alle Mitarbeiter an diesem Unternehmen der Akadetnie 



maßffebmdeti LeiUatzmi hat bei Wieckrgc^e der Hs. in vorlmjmidem Nmdmch ah 
Hauptregel gegoUeny daß im aUgemeinefi der Buchstabrntbestand nach AföfflwhkeH 
gmchmii %ind jedmifalU unverändert bleiben soUtß, wo lautliche und sprachliciie Tat- 
saehefi zu Gmnde liefen oder icenigstefis liegen könntet^ Abgesehn von der schon 
erwähnten Auseinandersetzung ^wi^chen u und v, i and j beschrankt sich die Yer- 
einfachnng der Schreibart hiei' faU gans darauf, daß ck, tz*) fiach Diphthongeti und 
Konsonanten p some die planlose^ phonetisch und etymologisch durch nichts gerechtfertigte 
Häufung von Döppdkomonanten, bem^iders IT, nn, ti nicht nur 7iach Diphthongen^ 
tw und nadi atidetn Konsonanten, sondefm auch tu unbetont4m Silben aufgegeben 
ist. Das beigegebene Faksimile wird jene leidige Manier der Schreiher zur Genüge 
veranschaulichen. Darüber hinaus Änderungen vorzmiehnien^ ist vermieden it^orrfeti **) 
Auffällige Fonueriy seltsame Schreibungen mußten eben wegmi ihrer Eigenart, 
eben wed es darauf ankam, deti besonderen Charakter der Hs. zu schonen und nicht 
£u venvisehen^ unangetastet bleibmu 

Sonstige Bessenmgen oder Änderungen des Wortlauts finden nur bei mrklichii 
Sehrtibfehlern und gegenüber ganz unsinnigen Stellen Zulaß und auch dabei nur, 
wetm das Einzusetzeftde sich mit unzweifelhafter Sicherheit ergibt und andre Mög- 
lichkeiten ausgescidosseH scheine?i. 

Wetm es im Plane dieser Veröffentlichung Idgcj die Lieder in ihren ursprüng- 
lichen Fassungen herzustdlen unter Ideranziehung eines gfvßefi Apparates und untef* 
Afiwendung aller kritischen MitteL so böte vor allem das Metrum die beste Handhabe 
dazu. Bei den mmtm Liedern läßt sich das zu Grunde liegende Stri^hetischema 
genau festutelleny und Abweichungen davon in Keim oder Silbenzahl müßten als Ent- 
s^Unngen entfernt werden. Gr'6fiei*e Freiheit im Versbau besteht nur hei den wirk- 
lichen Volksgmängen^ deren in der Es. eine ve^'hältnismaßig bedeutetide, doch immer 
nur eine geringe Zahl vorhanden ist. Bei deti kunstmäßigeti Liedern, die hier me 
samt in dm Sammlungen aus dem lb\ Jahrhundert beträchtlich übenviegeHj ist Silbe 
für Silbe vorausbestimmt und festgelegt, durchaus dem Strophefischeina unterwarfen, 
Wie kihhstliehf Ja verkünstelt in jener Zeit, welche man als die Blütezeit des 
V(^ksgesange;^ bezeichnet, die Versiechnik vielfach war^ da^ bekundet mehr noch ah 
mreinjstlte Kunststücke nach Art von Nr, 29j 79^ 106, 151 oder gar 99 mit emer 
ifi?- (eigentlich 6^-) mtigen Strophe jene große Gruppe^ die jedem beim Ihirchlesm 
[«der auch schon beim Durchblättern wegen ihrer Einförmigkeii auffallen muß. Es 
*i$t eine Gruppe mn Liedern, deren Strophen überwiegend oder zum Teil aus ganz 
kurzen Reimpaaren zu je 4 Silben besteht Diese kurzen Reimpaare, die sich in der 
Lgrik damaliger Zeit unerträglicli breit machen und alles überuMchem^ sind ent- 



*) Diete Vereittfachung de» Iz, dm ülirigen» nach Diptithongen nkfit grade ttävfitf vorkotintii 
(lt,36 geitz; fJlJ^ ät n. 40 creuta; Sf9^ 58 rüitzen u. t* v^J^ dyrfte tü&lä unbedenklich mrgmommen 
tttrden, da »cfwn z aliehi in dieser ffs. nur die Affricata hedoitet, abgesehen von den zweifel/tafitn 
AbkSriungen du, ^^z^ itafür im \eudruck das^ wa& eingeiteUi «/ (iv^/. ohfn S, VII). 

/**) In der Verblendung den kleineren Spatinmst das von dem votiai SpaU'um streng ^u tcheiden 
die SeUer tich nur achtuer gewöhnen konnten^ »t'nd namentlich anfangs ein paar AhwtuJmngen troff 
der Vonekrift tmierffelaufen, ein Mangel, den man enischufditfen woUe. Roefhe.I 



XVI 

standen, indem die längst herrschenden Kurzzeilen vo7i 8 Silben oder 4 Hebungen in 
der Mtte zerhackt wurden, so daß die beiden Hälften miteinander in Reimbindung 
traten. Fast ganz aus diesen Reimen in mannigfachen Spielarten bestellen Lieder loie 
Nr. 10, 23, 25, 27, 43, 47, 50 u. s. w. Von längerer Dauer tmd bedeutenderem Ein- 
fluß sind von diesen strophischen Gebilden zwei gewesen, die auch in der Hs. mehrfach 
vertreten sind. Beide gehen auf dieselbe Strophe von 8 Zeilen zurück und sind aas 
ihr durch Zerlegung aller vier an ungerader Stelle befindlichen Verse oder nur zweier 
davon entstanden: lOzeUige Strophe s. Nr. 8, 45, 73, 75, 82, 87, 116, 183, 188, 
196, 202; lüzeüige Strophe s. Nr. 4, 11/12, 35, 67, 72, 74, 80, 81, 102, 152, 179, 
180, 182, 192. Diese beiden Strophen finden sich in der deutschen Lyrik vom Be- 
ginn des 16. bis zum Schluß des 17. Jahrhunderts ungemein oft, tcerden auch später 
noch bisweilen angewandt, haben in kirchlichen Gesangbüchern den Wechsel der Zeit 
und des Oeschmacks überdauert und ragen solchermaßen in die Neuzeit hinein. Eine 
13zeilige Strophenfonn, die sich aus Bestandteilen dieser Art zusammensetzt, hat 
Goethe benutzt in dem Gedichte: Es lacht der Mai ... 5 Str. Die neun erstepi 
Zeilen des Goetheschen Schemas entsprechen deti neun ersten des 12zeiligen, die vier 
letzten den vier ersten des 10 zeiligen Schemas in jeder Silbe; nur die Beimbindung 
ist mit Notwendigkeit verändert. Diese kurzen Verse, bei denen mit jeder vierten 
Silbe sciwn ein Reimivort eintrat und bei denen sich der Takt und Verston dem Ge- 
hör förmlich einhämmerten, mußten dazu beitragen, der natürlichen Wortbetonung 
gegenüber der bloßen Silbenzählung, die wohl übrigens kaum jemals von det* Wort- 
betonung unbeeinflußt sein konnte, vollends zum Siege zu verhdfen. 

Das für die meisten Gedichte der Hs. unzweifelhaft anzunehmende, ganz regel- 
mäßige Strophenschema soivie die durchaus fest vorgeschriebene Silbemahl der Verse 
läßt sich an vielen Stellen schon durch Streichung eines überschüssigen oder Hinzu- 
fügung eines felilenden e wiederherstellen. In der Dehnung und Zusammenziehung 
der Worte zu metrischen Zwecken war man damals viel gewaltsamer als in späterer 
Zeit, wie man auch dem Reim zuliehe die Vokale willkürlich änderte und ohne Bedenken 
die Worte zustutzte. Doppelformen wie beleiben neben bleiben, gelück hieben glück, 
genade neben gnade, gelauben, geleich, zoren, gheren, zum Teil noch sehr viel 
später erlaubt, hatten damals nichts Auffälliges; in solchen und älmlichen FiUlefi 
bietet die Hs. oft nachlässig die metrisch falsche Form, aber sie durch die richtige 
zu ersetzen, kann wohl dem Leser überlassen bleiben. Um des Metrums allein willen 
sind in diesem Dnick nur die Versenden dem Strophenschema gemäß riciüig gestellt. 

Davon, daß der volksmäßige Gesang des 16. Jahrhunderts nicht frei war von 
Künsteleien, legen auch die Akrosticha Zeugnis ab, die in der Hs. ebensowenig fehlen 
wie in irgend einer umfangreicheren Sammlung damaliger Zeit: 
49, Sag an, herzlieb 3 Str. Sa — b — ina. 

](X)\ Ach Jupiter 8 Str. Adam von F— (gewöhnlich 12 Str, Adam von F — ulda). 

107. Bedenkh, herzlieb 4 Str. Barb— (ara). 

116. Ee ich dich, herzlieb, verlies 3 Str. Eis — 

132. Für alle freud 3 Str. F— e— li-(x). 

133. Herz ainigs lieb 3 Str. He— le— na. 



XYII 



I 



145, Ich weiß kein mt jelzunder 9 S5tn Jörg Wae(h)ter. 

165. Kein lieb on leid wirt frniden 7 Sir. Eatarin. 

J74. Mag ich unglückh nil widerstan 8 Str. Ma — r(i)— a. 

176. Mach mich nit thumb 3 Str. Ma — ri — ^a, 

204, Zucht, eer und lob dir wonet bey 8 Str. Cristina, 

Da die »ich aus der Hs. sdbEt ergeim^^deti Hilfsmittel für die ganz unerläßlichefi 
B&^ertmgm umweifdhaft verdorbener^ simdoser Stelleti keine gmmgende Grundlage 
(ieten^ so ivar es m Übereinstimmimg mit den LeitsätBeti dieser Hefte ratsam^ 
ParaUdfassungen heranztiziehn. Für handschrifßiehe Ided^aamndimgenj deren jede 
für dch ahne ParcUlelhs. dmttM^ und in denen für jede Nummer eigefis der 
litm^arische Zmammenhang hergestdlt werden mufi^ ist eine Vereinfachung und Se- 
Bchränkung des beständig wechselnden kritischen Apparats besonders dringlich, Stamm- 
baume der Überlief erimg, die jeder mit vellstandigem kritischefn ÄpparcU versdienen 
Ausgabe vorangehen ^ müßten hier bei jedem einseinen Liede vorgelegt werden, u^- 
durch man einer verhundertfachten Arbeit gegenüberstände, deren Schwierigkeiten in^ 
üniAsdibare und Ungeheuerliche wachsen würden* IHe Vorschrift, wonach man Btdt 
bei diesen Ausgaben womöglich auf eine gute Faralldfassung beschränken solle , 
kommt solchermaßen vorliegendem Hefte sehr zu gute^ ja, macht sein Erscheinen 
überhaupt erst möglkk Dieser gegmiüber sonstigen Fardenmgeti der Wissenschaß 
mäden Vorschrift entsprechend stellt sich hier die Aufgabe so^ daß nach Möglichkeit 
für jede^ Lied aus der gewaltigen Masse der JJberliefenmg^ den gedruckten und 
handschrifÜichen, mmikalischen und rein literarischen Sammlungen some den un- 
zähligen Meitien Liederheftchen die nächstverwandte, zugleich aber besonders gute 
Par^klfassung heramzustichen war — eine Aufgabe, die bisher von keinem sdbst 
tmffrgr besten und sorgfältigsten Forscher auch nur annähernd in ähnlicher Weise 
durchgeführt ist 

Zur Vergleickung herangezogen sind vor altem die zahlreichen Berliner Hand- 
schrifteuj deren an sich und für diesen Zweck wichtigste drei nach äfinlichen Qe- 
siddspunkten, wie hier die Heidelberger^ nunm^r aügemäner zugänglich getnacht 
smd, und zwar: 

Mgf 752 V. J. 1568, 127 Lieder enthaltend, s. Zeitschrift f dmOscke PhiloL 
XXXV (1903) S. 507—532; 

Mgq em V. J. 1574, 76 Lieder enthaltend, s. Eupkorion VUI (1901) 8, 499—528; 
IX (m02) S. 21^42, S. 280—810, S. 621—6^. 

Mgf 753 V. J. 1575, IBO Lieder enthaltend, s. Archiv f, d* Studium d. neueren 
Sprachen CXI (1903) 8. 1—28, 8. 257—274; CXIl (1904) S. 1—24. 

Außerdetn sind von den Berliner Handschriftefi besonders nodi die mit den 
genannt^i ungeftifir gleichzeitige der beiden Herren von Helmstorff Mgq 402 (vofu 
Jahre 1569175) und dm viel ältere, jedenfaUs aus dem Anfang des 16. Mirhunderts 
herstammende, Mgq 718 u. a, m, berücksichtigt. Doch sind audi zahlreiche Hand- 
schriften andrer Bibliothekefi nach Bedarf gelegentlirh bm^utzt 

Hirn- mag darauf hingmmesen werden, daß in Goedekes Grundriß ufUer den 
zafdreichen Liedersammlungen des 16, Jahrhunderts, die darin gmannt und zf4m 



xvni 

Teil ausführlich beschrieben sind, aufier der kure erwähnten Es. Vol. HoUs, IP S. 28, 
als einzige handschriftliche Sammlung nur noch diejenige für Ottilia Fenchler auf- 
geführt wird, IP 8. 42, eiiie Sammlung, die neben den soeben genannten und viden 
andern kaum einen sdbständigen Wert besitzt und im Vergleich damit Überaus dürftig 
und kümmerlich erscheint, Birlinger in seiner Alanannia bringt sie sogleich im ersten 
Bande vorne an: I (1873) S. 1 — 59 (vgl. 224). Die wenigen Lieder darin sind 
noch dazu größtenteils in einem ganz trümmerhaften und wahrhaft kläglichen Zustande. 

Da schließlich die handschriftliche und mündliche Überlieferung selbst bei ganz 
volksmäßigen Liedern doch im letzten Gründe meistenteils auf Drucken beruht, so 
durften auch in diesem Hefte gedruckte Parallelen nicht zu Gunsten abgeleiteter und 
minderwertiger Handschriften ausgeschlossen werden. Die wichtigsten gedruckten 
Fassungen sind überall im folgenden sorgsam zu Rate gezogen, meist im Original. 
Von den Liedersammlungen aus dem 16. Jahrhundert sind bisher wenige vollständig 
im Neudruck erschienen; es kommen besonders in Betracht das Ambraser (so nach 
dem Aufbewahrungsort, besser nach de^n Druckort: Frankfurter) Liederbuch v. J. 1582, 
1846 als 12. Band der Bibliothek des lit. V. in Stuttgart herausgegeben wm Joseph 
Bergmann, ferner die Bergreihen, 1892 von John Meier veröffentlicht (Neudrucke 
deutscher Litteraturwerke H. 99/100), und ganz neuerdings Oeorg Forsters Frische 
Teutsche Liedlein, 1903 herausgegeben von M. Elisabeth Marriage (Neudr. H. 203/6). 
Leider konnten die sehr reichhaltigen literarischen Angaben der fleißigen Sammlerin 
für dieses Heft nicht mehr ausgenutzt werden, was immerhin zu bedauern bleibt, 
wenn auch innerhalb des hier vorgezeichneten Planes Vollständigkeit in der Auf- 
zählung der Quellen keineswegs einbegriffen ist. 

Hoffentlich wird in dieser Beschränkung das Heft andern Forschem wtUkommen 
und nützlich sein. Wenn auch allerdings die besten Lieder der Heiddberger Hs. 
besonders durch Uhlands meisterhafte Sammlung alter hoch- und niederdeutscher 
Volkslieder längst allgemein bekannt und verbreitet worden sind weit über die ge- 
lehrten Fachkreise hinaus — ein Abdruck der vollständigen Hs. bei fortlaufender 
Vergleichung mit sonstigen Quellen kann dadurch an Wert und Reiz nicht einbüßen, 
wenigstens nicht in historisch-philologischem Sinne. Denn auch das ist unssenswert, 
wcks dem einzelnen Liebhaber des Gesanges aus dem Liederschatze seiner Zeit besonders 
gefiel, was er ohne Rücksicht auf andre Zwecke nur' zu selbsteigner Lust aUein für 
sich aufzeichnete, was ihm bequem erreichbar und zugänglich war; und audi das 
äußere Oewand seiner Aufzeichnungen, der sprachliche, metrische, ja sogar der 
graphische Zuschnitt ist nicht gleichgültig und belanglos. 

Schließlieh wird das Verzeichnis der Liederanßnge, indem es die wichtigsten 
gedruckten und handschriftlichen Sammlungen vereinigt, für die (Gesamtmasse der 
Lieder aus dem 16. Jahrhundert einen festen und zuverlässigen Grundstock bilden^ 
an den sich Neues leicht angliedern und worauf sich getrost weiterbauen läßt. 

Friedenau, 80. Dezmnber 1904. 

Arthur Kopp. 



Die Lieder der Heidelberger Handschrift 

Pal. 343. 



* 

ff] [h] Ein schön 


geistlich liedf. ^^| 


1. Ich dank dir, lieber Here, 


du wirst mirs nit versagen, ^^H 


das du mich hast bewarl 


30 wie du verbeissen hast: ^^B 


in diser nacht geferde. 


das er mein sindt thutt dragen ^^H 


darin ich lag so hart 


und erloB mich von dem last. ^^| 


W ß tnit flnsternus ombfangen, 


^^1 


dar züe in grosser notth, 


5. Die hoffnung mir auch gibe ^^M 


darauß ich bin entgangen: 


die nit verderben ^^t^ ^^H 


halfts du mir» Here Gott 


35 dar zue ein christliche liebe ^^| 




zu dem der mich verletzts, ^^H 


2. Mitt dank wil ich dich loben, 


das ich im gutts erzeige, ^^M 


10 du mein Gott und Her, 


such nit darin das mein ^^m 


im himel hoch dort oben, 


und lieb in alls mich eigen ^^H 


den tag mich auch gewher 


40 noch all dem willen dein. ^^H 


darumb ich dich du bitten 


^^H 


und auch dein will mag sein: 


6. Dein wort los mich bekennen ^^B 


15 leit mich in deinen Sitten 


vor disen argen weit, ^^H 


und brich den willen mein. 


auch mich dein diener nennen, ^^| 




nit forchten gelt noch gewaJt, ^^H 


3, Das ich, Herr, nit abweiche 


45 das mich baldt mecht ab keren ^^H 


von deiner rechten ban, 


vor deiner warheit klor, ^^H 


der feindt mich nit erschleiche, 


wolst mich auch nicht verscAeren ^^| 


m 20 darmit ich ir mocht gan: 


von der Christlichen scharr* ^^M 


^ erhalt mich durch dein gutle, 


^^H 


^H das bitt ich Üeissig dich, 


[2*1 7. Laß mich den tag vollenden ^^M 


^H fürs Deurels tist und wuiten, 


m zu lob den namen dein, ^^^H 


^V darmitt er setzt an mich« 


das ich nit von dir wende, ^^H 


r 


ans endt bestendig sein, ^^M 


■ (ib] 4. Den glauben mir verleye 


behuett mir leib und leben, ^^M 


^^ 26 an dein Sun Jhesu Christ, 


dar zu die frucht im landt, ^^H 


^H mein sundt mir auch verzeie 


55 waB du mir hast gegeben ^^M 


^^ alhie zue disser frist. 


stell alles in deiner handt. ^^M 


u 


^^M 



I. IL 



8. Herr Christ, dir lob ich sage 
umb deine wolthatt all, 
die du mir alle meine tage 
60 erzeigt hast über all, 

dein namen will ich preissen 
der du allein bist guett, 
mit deinem leib mich speisse, 
drenk mich mit deinem bluett. 



65 9. Dein ist allein die ehre, 
dein ist allein der ruem, 
die roch dir niemant were, 
dein segen zue uns khum: 
das mir im fridt entschlaffen, 

70 mit gnaden zue uns eyl, 
gib uns des glaubens woffen 
vors Teifels listig pfeil. 



J9t.: 20. darmit jr mocht gen. 34. sost. 47. yerseren. 

Bern, 47. vencheren « auuehtießen, 

PMmen vnd QeistUche Lieder (Leipzig, VaL Babit) 1546 Nr, 18: 8. halflPsta. 13. Wammb 
ich dich ihn bitten. 20. damit ich jrr möcht gan. 32. vnd lös mich. 34. lest 37. jm gats. 
88. suche nicht. 42. für dieser. 44. nicht förchten gwalt noch gelt. 46. von. 47. verscheren. 
50. dem. 52. ende. 54. frftcht. 56. alls. 58. deiner. 59. mir diesen tage. 67. räche. 
69. wir. 72. fürs Teufels listige pfeil, Amen. 

Wackemagei, Kirchenlied 1841 S, 12 Nr, 290; III 1870 S. 56 Nr. 114; Böhme, AM, Lieder^ 
budi Nr. 643 (Str. i, 2, 7); Fischer, Kirchenlieder-Lesicon 8. 325. 



m 



[2.] Ein annder geistlich liedt 



1, Her Grott, las dich erbar- 



men 
und sei das heil der armen 
in disem jomerthal, 
wolst uns gnedig erhören, 
6 dem Deufel sein list weren, 
vor im bewaren all. 



2. Groß sorg, angst, nott und 
geferlichkheit, 
elent, schmerz und groß herzen leidt 
hept sich in der weit an: 
10 gedult gib uns darinnm, 
das wir deiner hilf entpfinden 
ehe wir scheiden daruon. 



3. Mitt deinem Sun Herr Jhesu Christ, 
der allein der Erlosser ist, 
15 hilf du Herr aller meist: 
wan wir v(m dannen faren, 
laß uns dein wort bewaren 
durch trost des Heiligen Geist 



H»,i 10. 4arin. 16. von fekU. 

Seb, Ocksenkhun, TahukUurbuch avg die LatOen, Heydelberg 1558 Bl. LVim 
not vnd gferligkeit 8. schmertz grofi. 10. darinnen. 11. deinr. 13. 
14. allein erlöser. 16. wir von dannen. 18. Geists, etc. 



7. Sorg angst 
Sun Jesom Chnst. 



III, rv. 



Ein annder liedt 



1, Der gnaden brun Ihul fiusen: 
den soll [3^] man trinkhen; 
o sunder, du solt busen: 
dir thuett Gott winkhen 
ä mit seinen gültigen äugen 
und rieht dir deinen fuß 
wol durch das wort des glaubens: 
Christus der allein helfen mueB. 



2, Dein thun Ist zwar zu nichten 
10 zum ewigen leben, 

aufChristumb muest du dich richten: 
der wirdt dirs geben, 
der hatt versönet den zor^ 
mit seinem teuren bluett, 
15 wir wern all verloren, 

sein leiden ist den glaubigen fftU. 

3, Du solt dir selbs nit trauwen 
zu tilgen deine sundt, 

auf menschen Iher nit bauwen^ 
20 Vernunft erdicht vil sindt. 
Sathan thuet dich anwehen, 
raocht er dich stürzen umb; 
das wort Gottes thuett nit schweigen 
und macht vil manchen sunder frum. 



s& 4. Mein seel die thuett ser dursten 
noch Gottes (3*»] stime 
recht wie ein geiagten hirschen 
zum kullen prune. 
Jhesus, thu mich laben 

30 mit deinem heilsamen safft, 
mein seil wirdt mir verzagen, 
sterkh mich mit deiner Gottlichen 

krafifl. 

5. Die solchen durst empftnden» 
die sollen kummen, 

35 die werden labung finden, 
den geist auch nemmen, 
wer glaubet an den Herren: 
ich mein an Jhesum Christ: 
wie uns die schriflft thutt leren, 

40 ein solliches wortlein sehg ist, 

6i Das Wasser thuet her quellen, 
von himniet geben, 
er speisset unser sele 
ins ewig leben, 
4& es ist der prun der gnaden 
und aller guettigkeit, 
wescht ab den sundigen schaden 
und gibt die ewigen selligkeit* 



Hm.: IS. zom. 16. gut fehii. 37. HerriL 

Bergr. 1574 II 27: L genaden . . , flieaien. 3* büseen. B. Cliriatiii allein dir hElffen mnB, 
12, dir geben. 13. vereänt den Eoren, 15. warn. 16. dem glaubigen gut. 18 u. 20. aünci 
22. möcht. 24^ fromb. 23. sum kUlen Brunne. 40. Bokbes, 45. Brunn der genaden.. 
48, ewig Böligkeit 

Wackemagel, Kirchenl. 1841 S. 578 Nr. 679 (vergL S. 851)-, III 1S7Ö S. 1120—22 
/Ä". 1292—95, Qoed^ce-Tttim. LkderL 8. 246 \ Böhme, AUd. LiederL AV. 133; Fächer, Ktrcher^ 
Ueder-Lejeicon S. 105* 



■ km€r-Le 

I [4^1 1, Bewar mich Her 

1^ und sey nit ver 

^^B Ton mir in meinen notten. 



[4.] Ein annder liedt. 



hilf das ich kin 
mit herz und sin 
den alten Adam theten, 
1* 



IV. V. 



der bey mir will 
stetz herschen vill 

mit manigfaltigen synden: 
10 las mich mit sieg 

in gewaltigclich 

durch dein wort überwinden. 

2. Ochsenkunlich 
vermeint er mich 
15 ganz graussam umbzustossen 
und jagt mir nach 
mit grim und räch, 
wan ich will ghen die strafen 
die du Her bist, 
20 Jhesu Christ: 

von dir las mich nit weichen 



ewiger stundt, 
dan kan der hundt 
mein seil nimer erschleychen. 

25 3. Verwirf mich nit, 

wan ich dich bitt 
umb hilf wider den raben, 
den bessen gast 
so rhue noch rast 
30 kein augenblickh kan haben: 
sein schmeicher dickh 
stoß Her zu rickh, 
sy megen mir nit daugen, 
schlag in von mir, 
35 reiß mich zue dir 

da ich hab Gott vor äugen. 



JSi,i 4. kin » konfie. 6. theten =^ töten, 10. nit sieg. 

Ochienkhun, TabukUurlntch 1558 BL LXXXI<^i 10. mit sig. 11. gwaltigklich. 13. OCHSEN- 
KVNUch. 31. Bchmeichler duck. 36. das ich HAB GOTT FVR AVGEN. 

HAB GOTT FVR AVGEN. 

Sebastian Ochsenkhan. 

Ende der Teutschen Lieder. 

Wackemagdy Kirchenlied IV 1874 S, 104 Nr. 164; Fücher, Kirchenlieder' Lexicon 8. 65. 



[4b] 



[5.] Ein ander liedt. 



1. Allein zu dir, Herr Jhesu 

Christ, 
mein hoffnung sthett auf erden, 
ich weiß das du mein troster bist, 
kein trost kan mir sonst werden, 
5 von anwegin ist nichts erkhom, 
auf erden war kein Mensch geporn 
der mir auß notten helfen khann: 
ich meff dich an 
zu dem ich mein vertrauwen hann. 



10 2. Mein sundt seindt schwer und 

übergroß 
und reuwen mich von herzen, 
derselbigen mach mich quit und loß 
durch deinen todt und schmerzen 
und zeig mich deinem Vatter ann 

15 das du hast genueg für mich gethon, 
so wer ich quit der sunden lo^: 
Herr, halt mir vast 
was du mir versprochen hast. 



V. vh i V 


3. Gib mir noch deiner barm- 


4. Ehr sey Gott in dem höchsten ^M 


herzigkeit 


thron, H 


20 den waren Christen glauben, 


dem Vatter aller gutte, ^M 


auf das ich deine sussigkheit 


30 und Jhesu Christ sein liebsten Son, ^M 


mog innigklichen schauwen, 


der unß alle zeit behuette, ^^H 


für allen dingen lieben dich 


und Gott dem Heiligen Geist, ^^H 


und meinen [5*] nechsten gleich als 


der uns sein hilf allezeit leis^, ^^H 


mich, 


damit wir ihm gefeilig sein ^^H 


25 am lesten end dein hulf mir senrf, 


35 in disser zeit ^^H 


thue mir behendt, 


und folgendt zu der ewigkeit. ^^^ 


denn Teufels lisl sich von mir wend. 


ende . , . sende. 30, Christi, 33. leist«, ^^H 


Hs.i 5, erkhoren. 16, loß. 17. veet 25. 


Ptaimen u. GeüÜ. Lader 154S Nr, 2ii 4, trost mag* 5. anbegin - . . erkom. 15. gnug. ^| 


16* so werd , . . Bunden los. 17, feat. 18, wes 


da dich mir vere prochen hait 22. möcht ^M 


25, end . . . send, 26. tbu, 27, des, 30. Christ eeim. 31, allzeit behüte. 32* Geiate. ■ 


33. albeit lebte . . . 


^M 


Wack^rmigßt, Kircheni, 1841 S. 183 ifr. 2ßö; III WO S, 174- m Br.20i—2QA\ Füeher S, 34. ^^B 


[6*] Ein ander liedt ^H 


1, In dich hab ich g ehoffet, Herr^ 


wider meine feindt, ^^H 


hilf das ich nicht zo schänden wer, 


der gar vil seindt ^^H 


noch ewigklich zu spotte: 


gegen mir uff beiden seilen. ^^H 


das bitt ich dich, 


^^H 


6 erhalte mich 


4 Du bist mein sterkh, mein ^M 


in deiner treu» Her Gotte. 


felß, mein hordt ^M 




30 und meine krafft, sagt mir dein w^ordt, ^M 


2. Dein gnedig ohr neig her zue 


mein hilf, mein heyl, mein leben, ^M 


mir, 


mein starkher Gott ^M 


erhör mein bitt, thue dich erfur, 


in aller noit ^^H 


eil baldt mich zu erretten, 


wer mag mir widerstreben? ^^H 


10 in angst und whe 


^1 


^^K ich lig und sthe, 


i& 5, Mir hatt die weit drieglich ^M 


^^H hilf mir in meinen netten. 


geriebt ^M 


^^H 


mit liegen und mit falschem dicht ^M 


^^ I6b] 3. Mein Gott und Schirmer, sthe 


Til netz und heimliche strickhe; ^^H 


^^_ mir bey« 


Herr, nim mein war ^^H 


^^f sey mir ein duch darin ich frey 


in dissem far, ^^H 


^^^ lö und riterlich moch streiten 


30 behuett mich für falschen duckhen. ^^B 



e 



VI. vn. 



6. Herr, meinen geist bevil ich dir, 
mein Gott, mein Gott, weich nit von 

mir, 
nim mich in deine hende, 
warer Gott 
35 in aller nott 

hilf mir am lesten ende. 



[e»l 7. Glory lob ehr und herlig- 

kheit 
sey Gott Vatter und Sun bereit, 
dem Heiligen Geist mit namen, 
40 die Gottlich kra£ft 
macht uns sigenhaflft 
durch Jhesum Ghristumb — amen. 



J7«.: 7. ohren. 8. erfor » herfür; vgL 9, 184 u. ö. 19 a. 80. hordt mein krafft. 
84. o fehä. 

. PMmm tf. Gfeütf. Lieder 1545 Nr, 8: 2. werd. 4. de«. 7. ohr neig HERB zu mir. 8. mein 
bei . • . herfttr. 13. steh. 14. ein borg. 15. mög. 16. mein. 18. an mir. 20. mein schilt, 
mein krafft. 24. mir. 25. trüglich. 26. gdicht. 27. heimlich. 29. in dieser gfar. 
80. bhüt mich vor falschen tücken. 34 O warer Gott. 35. ans. 39. heiigen. 41. mach 
yns sieghafft . . . 

Waehemoiiel, Kirchenked 1841 8, 207 Nr, 286; III 1870 S. 133 Nr. 170; Fi9cher 8, 409. 



[7.] Ein ander geistlich liedt. 



1. Ich hab mein sach zue Gott 

gesteh, 
der machts alles wies im gefeit, 
dem thue ich mich ergeben, 
mein seel, mein leib, mein ehr und 

guett 
5 erhelt Gott stetts in seiner hut 
hie und dort zum ewigen leben. 

2. Was alle weldt verloren acht, 
das erhelt Gott stetts inn seiner macht, 
wenß im gefeit zu wenden, 

10 ich bevelch mich in den willen sein, 
er wirdt mich als der vatter mein 
außfueren zue einem seligen ende. 

3. Was kan mich dan ankhummen 

vor nott, 
wan du mir beystest, du mein ge- 
waltiger Gott, 
15 was kann mir dan gebrechen? 
gib mir geduldt, den willen dein 
zuvergeben die mir zuwider sein. 



mein unschuldt wirst du wol rech- 
nen. 

[6'>I 4. du mein lieber Here Gott, 
20 erhalt mich stetts bey deinem gepott, 
darwider nit zustreben, 
du khanst wol helfen auß aller nott, 
waß mir zu sei und leib ist brot, 
kanstu mir alles wol geben. 

25 5. Jhesu Christ, mein höchste 

zier, 
laß mich kein gluckh noch ungluckb 

von dir 
in disser weldt abwenden, 
sterkh meinen gelauben durch dein 

genadt, 
erlöß mich von der sunden schadt, 
30 gib mir ein seliges ende. 

6. Der unß das liedtlein new 

gesang, 
ein arme sunderin ist sie genant. 



VII, VHL 



Gott wirdt sie nit verlassen, 
wer sein vertrau wen stell auf dich, 

oHer, 



35 dem wirdt sein unglickh nit zu schwer, 
Gott weiß wol zeit und mosse — 
der wirdt dich Bit verlassen. 



Hi.', 2. allen 11. mein fehlt 12* endt. 23, brot fehU. 37 m itreiahm. 
Nt. 94 unttn die erMe Sirof^e noch einfnal, 

1582 Ä 209: Str. I 2. er wirds wol machen. S. mich befehlen. 4. mein leib and &eeL 
5. das erhelt er stets. 6. dort im, // 4. ich geb mich, 5. Tater mein» 6, zum. /// {= H$. 4) 

1, Du mein lieber herr und Gott* 3. wider dein wort nit, 4* kanat mir helffen« 5. zu leib 
und seel ht gut, 6, das k ans tu mir wol geben. IV{= H*, 5) h mich kommen an für not, 

2, wenn ... du gewaltiger, S. mir doch gebrechen, 4. gedult in dem, 5, zu vergeben 
auch den feinden mein, 6. wirstu rechen. V (^? J9#< 5) 4. gnad, 5. behüt uns herr ror 
sünd und Bchad, 6, uns, VI 1. dia liedJem. 2. ein armer stlnder iat er genandt 3. jhii 
nit, 4. anff Gott den herrUi 6, er weis , , , massen, 

VgL 158 2 B 170 {Hi. 1574 Nr. 73 1 Eupharim 9, 629). 

Görres S. .331; Mutier S. 763 Nr, 1256; Ooedeke-Tätm. Ä 234^, Böhme, AUd. Lkderhuch 
Nr. 6$9; Liederhm III B. 860 Nr. 2165-, Wackcm, III S. 1071/2 Nr. 124S/8; Fächer, Kirchen- 
Üeder^L^kon S. 338. 



[8,] Ein annder geistlich liedt. 



1, Wies Gott gefeit, so gefeit mirs 

auch 
und laß mich ghar nichts irren; 
ob schon zu Zeiten beist der rauch 
und wen sichs schon thett verwirren 
b alle weit gar, 

weiß ich furwar: 
[7*1 Gott Wirts zu letst wol richten; 
wie ers wil hau, 
so tnueß besthon; 
10 sols sein, so seys on tichten. 

2. Wies Gott gefeit, ich zufriden 

bin, 
das übrig laß ich f hären; 
was nit sol sein, das stell ich dahin, 
GoU will mich recht erfaren 
i& ob ich auch will 

im halden still, 
wirdt doch wol gnadt bescheren, 
daran zweifei nicht: 
sols sein, man spricht, 
20 SO seys, dem kann man nicht wehren. 



3. Wies Gott gefeit, so gefeit mirs 

woll 
in allen meinen Sachen; 
was Gott versechen halt ein mol 
wer kandas änderst machen? 
25 drumb als urab sonst, 

weldt, Witz und khunst, 
hilft auch nit har auÖ raufen, 
mur oder beiß: 
solts sein, so seis, 
30 Wirt doch sein weg nauß laufen. 

4, Wies Gott gefeldt, wils ge- 

schehen Ion 
und mich darein ergeben, 
woli ich seim willen widersthon, 
so mueB doch bleiben kleben, 
36 gewiß und war: 

altag und jar 
[Tb) bey Gott seindt auß gezalet, 

drumb schickh mich drein, 
gescAichts, solts sein, 
40 bey mir seis außerwellet. 



VllL 



6. Wies Gott gefeit, so weis erghon 
in lieb und auch in leide, 
dahin mein sach will gestellt han, 
das sie mir sollen beyde 
45 gleich gefallen wol, 

darumb mich soll 
ja oder nein nicht schreckhen, 
schwarz oder weiß: 
sols sein, so seys, 
50 dan wirtt Gott gnadt erwegken. 

6. Wies Gott gefeit, da laufls 

hinauB, 
daruff laß ich vögel sorgen, 
ob mirs glickh heut nit kompt zu hauß, 
so wart ich sein uff morgen; 
55 bleibt unerwhertt 

was ist beschert, 
ob sichs schon thuett verziehen, 
mich nit drumb reiß: 
sols sein, so seyß, 
60 gefelts Gott, wil mein theil wol 

kriegen. 



7. Wies Gott gefeit, nichts weiters 

wiU 
von Gott noch sonst begeren, 
Gott hatt mein Sachen [8»] gestelt 

ein zil, 
die bleiben miessen weren 
65 das leben mein, 

drumb gib mich drein, 
auf guetten grundt will bauwen 
und nit aufs eiß: 
sols sein, so seys, 
70 wils Gott allein vertrauwen. 

8. Wies Gott gefeit, so nim ichs an, 
wil umb gedult in bitten, 

Gott ist allein der helfen khan, 
und wenn ich schon wher mitten 
75 in angst und noth, 

leg ghar in todt, 
so wirdt er mich wol erretten 
gewaltiger weiß: 
sols sein, so seys, 
80 ich gewin — wher nun wolt whetten. 



J5«.: 16. inn. 29. so fehlt. 35. die weil gewiß. 87. bey Gott P] bey Gott 89. ge- 
fliehte. 43 lk$i gestellt will. 62. begere. 

B^m, 64. die bleiben miessen weren auf Sachen tn 63 jni beziehn : die besUkn bleiben müssen. 
Vgl, 34 bleiben kleben. 

Wackemagel 1841 S. 470 Nr. 578; III 1870 8. 588 Nr. 651 nach einer ZOricher Handschrift 
0, J. 1562 in 8 entspr. Sir. Die S. 589 enoahnte Mutmaßung, wonach in der Überschrift zu einem 
aUeren Liede nicht „ Wils Oott* sondern „ Wies Oott* zur Bezeichnung der Weise gelesen werden müsse 
{8. 585 Nr. 649) leuchtet keineswegs ein; weshalb sollte nicht vielmehr das Lied „Wils Gott so ge- 
schichts**, Nr. 92 unten^ gemeint sein^ das in genau derselben zehnzeiHgen Strophenform gebaut ist 
wie diese Liederf 

Der 8, 589 genannte Sonderdruck beendet sich in der Königlichen Bibliothek zu Berlini 
Hymn. 3464 Zwey schiene | Newe Lieder, deß frommen | Johansen Friderichen von Sach- | sen, 
welche Er in seiner Gef&ngk- | naß gedichtet hat | Im Thon: | Mein Seel erhebt den Herren 
mein, 2c. | Oder: | Beschaffens Glück ist vnaersaumbt ^c. {ISteiliges Wappen. 4 Bl. 8^ o. O. 
u. J. Rucks, des letzten Bl. leer.) 

Das erste Lied. Wies Gott gefeilt ... 3. Ob mich z{L 4. vnnd wann sich schon veiv 
wirren. 5. All sachen gar. 10. ohn dichten. 11. zfriden. 13. sein, stell. 14. wöL 
16. im halten. 18. dran. 20. 8o seys, dem kan nichts wehren. 21. gfelts mir wol. 
23. Was Gk>tt fOrsehen hat ein mal. 29. Solls sein, So seys. 30. weyls doch sein weg m^ 
laofPen. 81. gschehen lahn. 83. widerstahn. 34. müst ich doch. 35. Dweyl gwiß vnnd 
waar. 87. aoßgezehlet 39 n. 40. geschechs, Solls sein, So seys bey mir erwehlet 41. wöUa 
ergahn. 43. gestellet. 44. beyden. 45. Gleich gfallen woll. 47. nit 50. denn. 52. draoff 



VIU. 



9 



]&ß ichg YÖglfin Borf^en. 53* nicht 54. auff. 55. vnerwehrt. 58. Dicht. 60. gfellti Gott^ 
meiü theyl wirt kriegen. 62. begereu. 63. Gott hat meint Bachen geteilt ein isyt. M. mfia^m 
werdeD. 67, hiU [!]. 6B. nicht. 72. Gedult nur bitten. 73. ista. 74 wann. 76. am. 
77. so wnrdi Er mich wol retten, 78, Gwalltiger weyß. 60. ich gwinna, wer nur wolt wetten. 
Das ander Lied. Ich habs gestalt, inne Herren gwalt , . . 5 zwölf m. Str, 
Eben diese beiden Lieder nach einem sehr ähfUichen Eineeidruck Hehn in der Handtchr^i def 
htidtfh Herren von Helmsiorff 1369/75 BL 22^—24^1 Zwaj schöne Newe Lieder, | des frommen 
Jehanst^n Frider- | leben von Sachsen, wel- 1 liehe Er in eetner Gefengkhnue gedieht- | et hat. | 
Im Thon: Mein Seel erhebt den Herren mein, ic. OderiBeachaäTeni Gluckh ist vnuersaumbt, le, [ 
Das Erst, | Wiee Gott gefeilt ... 6' nach VVorilaui u. Reätenfolge entspr. Str. Das annder Lied, | 
leb hab» gebtaUt | inns Herren gwalt . . , 4 Sir, SdUuß der zweiten Sirophe springt zur driUen 
übeTi so daß die^e fefdt außer dem der zweiten fälschlich heigefügien Kelirretm. 

Eine »piitere Bearbeitung des Ltede* ^ ^Vw Gott gefällt*^ ^ndet *^cA in folgendem Einteldmck der 
KtmigL Biblioiliek sm Berlin: Yd 7831 (Einband t?. J. 1566) St. 29t FÜnff Schöner | Chrbtlicher 
Lieder, anß Got- | tea Wort, FÄr betrübte hertEen | vnd andere junge Leut zn- t »amen ge- 
zogen, I Die Melodey findestn bey eim y^g- | liehen Lied Insauderheit verzeichnet. | .., 5| 
Gedruckt zu Eißleben, | durch | Ändreara Petri. | M,D.LSVL (8 BL S\) 

1. Wo sol ich mich hin wenden, in meiner groeeen uöt . * * 15 Mtbenz^ Str. Akrostichon 
„Wolf gang Waldner." 

2. Merck t aufF jr frommen Christen . . . 13 siebetiz. Str. %int^, Martinas Waldoer. 

3. Wie» Got gefeit ., * 10 nettnz. {nicht zehftM.) Str. Die Strophen 1 — ^ entsprechen bei starken 
Verichiedenheiten im IVorttuut nach Reihenfolge wie Gedankengang vorste^tendem Liede der Hand- 
Bchrift. Jedoch ist im Strophenhau die jedesmalige mbetde Zeile fortgeias&en^ so daß di& Fassung 
des Einz^drucki nach dem Schema verläuft: 

ab ab c e c c x 
H. 4 3 4 8 2 2 2 2 3 
E. m m m w m w 

In dm beiden leUten Strophen hebt sich der Name des Bearbeiters ab „WolfganguB Watdner 
von Taln*** Anfang und Schluß dieser Fassung lauten: 



L Wies Got gefeit / so gfelts mir auch / 
Vnd las mich gar nicht jrren i/i 
Ob mich z\x zeyteu beist der Hauch/ 
Vnnd wenn eich schon verwirren 

All Sachen gar / 

bringts mir kern gfahr/ 

Wies Gott wiJ han/ 

so muß bestan / 
Sols sein gscbecUe in Gotts Hamen, 

2. Wies Gott gfelt ich zu frieden bin/ 
Das vhrig las ich faren;/: 
Was nteht briugt gwin/ stell ich dahin/ 
Gott wil mich recht erfaren. 

Ob ich auch wil 

jm halten stil / 

Drumh zweiffei nicht/ 

sola sein / man spricht / 
So seya Herr Gott mit ehren. 




9. Wiea Gott gefeit / On allen schertz / 
Laß ich mira auch gefallen :/; 

FrAlich dabey ist doch mein hertz/ 
Gilt es denn nicht bej allen / 

Acht icha nit groß/ 

Nachred ist bloß / 

6ot lebet noch / 

Tertraw jm hoch / 
fiols aeiii/ so gschechs mit frewden. 

10, Wies Gott gefeit /An argen list/ 
Laß ich es auch eo walten;/; 

Das bitt ich aber Jean Christ/ 
Hoch bej dir laß mich alten/ 
Ein diener sein/ 
Hecht schaffen reiji / 
VON deinem Thron/ 
Tna Laß gunat hon/ 
Nach gnad thu alles enden. 
Anno 1566. 
' 13. J&nnarg. 



I 



M 



10 



VIII. IX. 



4. Ach Gott Vatter im höchsten thron ... 14 tUben», Str. 12—14 in Zeilen abgesetzt, 
AkraUiehon »Martin N— Waldner— Vo-n Steir." 

5. MerdL anff was ich wil singen , . . 13 fünf»* Str, Akrostichon «Martin Waldner^. 
Das erste Lied dieses Einzeidrueks gibt Wackemagd im dritten Bande S. 1055 Nr. 1227. 
Vgl noch Fischer, Kirchenlieder- Lexicon S. 388. 



[9.] Ein schon geistlich liedt. 



1. Ewiger Vatter im himmelreych, 
der du regierst ewigleich 
von anfang bis ans ende, 
der unß allsambt geliebet hatt 

5 und für uns geben in den todt 
sein aller liebsten Sone, 

der uns allsamt erlöset hatt 
die wir in warhaflftig erkhennen, 
er ist allein der ewig trost, 

10 davon wir uns thuen nennen, 
wer sein fueßstapfen folget noch 
und lest sich nicht erschregkhen, 
von der hell ist er erlöst. 

{8t>] 2. Es ist firwar ein enger weg: 
15 der ietzundt will ghen den himmel 

Steg, 
der mueß sich eben halten, 
das er nit strauchel auf der fardt, 
inn angst und nett, thrubselligkeit 
die lieb mueß nit erkhalten, 
20 er mueß sich verlassen ganz und 

ghar 
und Gott von herzen verthrauwen, 
die schrifft zeygt an lauter und klahr: 
auf Gott sol man vhest bauwen, 
Gott ist der fels, eckstein und grundt, 
25 der auf sein hauß thuett bauwen, 
kein windt stosts im nit umb. 

3. Der ist in Gott ein weiser man 
der sein haus wol bewharen khan, 
das im nit wirdt umb gestossen 
80 wol von dett menschen in der weit 



die nur nachstellen gutt und gellt 
und Gottes wort verlassen, 

jha das es bleibt in ewigkeit, 
hatt nimmer mher khein ende, 
35 der Herr gibt uns ein freundtlichen 

bescheidt, 
wir sollen von im nicht wenkhen, 
er ist der schätz in ewigkheit, 
and der in thuett erlangen, 
würdt haben die ewig freudt. 

[9»] 4. Zu diser freudt khan niemandt 

khommen, 
41 er muß von der wellt ganz Urlaub 

nemen, 
von allen creaturen, 
er muß sich Christo ganz ergeben, 
mueß im aufopfern leib und leben, 
45 die zucht Gottes erdulden, 

auf daß er werdt von sinden frey, 
und nimer dran gedenkhen, 
auf das er Gottes diener sey, 
kein tritt von im nicht wenkhen: 
50 sprich ich: ,mein Gott im himmels 

thron, 
halt uns in deiner liebe, 
das wir erlangen deine khron'. 

5. Gott spricht: ,daß will ich 
gherne thun, 
so du dich allein mein heltest nhun 
55 und liebest mich von herzen, 
waß du würst leiden von meinet 

wegen 



[X. 


1 


^^^^^^^^ H 


daß will ich dir yergelten eben 


95 


der vorigen ding er dir nicht gedacht, H 


und wenden deinen schmerzen, 




es sthett allein inn Gottes macht ^M 


ich will dich fieren in mein reich, 




waß du nit khannst erfüllen, ^M 


60 du soldt dich mit mir freuwen, 




so ist Gott threu, freundtlich und H 


ich will dich beh netten ewiglieh 




mildt, ^^H 


für angst und großem leiden; 




daß hatt er überwunden; ^^H 


jha wo ich bin, da soll du sein, 


100 


wildt du in freuden leben mit, ^^H 


die herlichkheit soldu sehen. 




bitt Gott zu allen stunden ^^^| 


65 in freuden bey mir sein/ 




daß er dich behuett für ungemach: ^^H 
so wirstu dich ewig freu wen ^^^H 


[9^] 6. Dammb so bilt in herziglich 




inn dingen die Gott schafft* ^^^B 


das er euch krafll und sterkh verleuch 






das irs mugent erdulden: 


105 


9. Kein mensch lebt hie auf H 


wen er straffet seine khindl 




erdterich H 


70 in der geduldt gar sanft und lindt, 




der unß die ewig freudt außpreidt H 


dar zue mit grossen hulden, 




die uns Christus wil geben, ^| 


^^^^_ daß in Gott threu und gewalt 




die hie leben noch dem willen sein H 


^^H^p 




und meiden allen bössen s^/iein: ^^H 


^^^^^ das sie in sollen erkhennen, 


110 


was uns hindert am leben, ^^H 


^^^ er will sie setzen inns Parendeiß 




daß ist der wollust disser weit ^^H 


^L^ 75 und nimmer mher darauß nemen — 




mit fressen und mit saufen, ^^H 


^^K das durch Adam verlorn war, 




die nur noch stellen dem guedt und ^M 


^^B halt unß Christus aufgebauwet, 




geidi, ^m 


^^H geziertt schonn und klan 




handtieren und Terkhaufen — ^^H 


^^B 


115 


Godt spricht, dasselbig werdt zer- ^M 


^^^ 7> Die klarheyt ist der ewig Gott, 




ghen, ^^M 


^^^ 80 der alle ding erschaffen halt 




und du muest rehenschafft geben ^^H 


^^B im himmel und auf erden, 




wie du für Gott wirst besthenn. ^^H 


^^H ja gönn und mon, als Brmamendt, 




^^^B 


^^H- die Stern wol an dem himniel sthendt, [^^^1 


10, Wer itz noch volgt der weldt ^^H 


^^P die preissen Gott den Heren, 




gemein, ^^H 


^^^ 85 die vogel in dem gruennen waldt 




er sey groß, gewaltig oder klein, ^^^^ 


^^^ mit iren hellen stimen 


120 


dem wirdt die thur verschlossen ^^^| 


^^H sie schreyen laut so manigfalt 




durch die Christus gangen ist, ^^^| 


^^H das in dem waldt thuett erklingen. 




wie anzeigt die heilig schrifft, ^^^H 


^^" ja alleß was da schweben thuett 




der mueß werden Verstössen; ^^^H 


K^ 90 im himmel und auf erden. 




wer itz nochuolgt dem Meister sein, ^M 


^^K zeigt an das ewig guedt. 


125 


wie er uns halt gepotten, ^M 
mueß von der weldt geschaffet sein, H 


E [lo*] 8- Gott spricht: ,ich schaff neu 




er was selber verspoltet, ^^H 


^^K himmel und erdt, 




wer sein fustaffen folget noch, ^^H 


^^B so du meiner warheit hast begerdt 




ist für der weldt verdampt^ ^^H 


^^^^^ und lebst noch meinem willen' — 


lao 


\ mith Christus leidet er schmach. ^^H 



12 



IX. 



11. Gott ist das licht mit seinem 

glänz, 
in aller warheit gudt \md ganz, 
thut wis die schrifft bezeigen; 
den er gerecht und warhafFt ist, 
135 dar zue braucht er kein argelist, 
so kan er auch nit liegen, 

den er selbst die warheit ist, 
die warheit wirdt er bleiben — 
was uns umb seinet willen geschieht, 
140 das will er alles auf schreiben 
biß auf den tag der herligkheit, 
wen er die weit wirdt richten 
mit gericht und gerechtigkhait. 



190 



[na] 12. Die werden in grosem 
schrecUien sein 

145 die jetz wollust auf erden hann 
verbracht noch jrem willen, 
die werden ghen in ewigkheit, ^^^ 

wurdt nichts dan angst und schmer- 
zen sein 
daß niemandt khan erstillen: 

150 ,die weil sie hie auf disser erdt 
kheins wegs noch meim gefallen 
meiner warheit haben angehengt, 
so will ich sie bezallen, 
einem jeden geben sein gewin, 

155 darbey wirdt man erkhennen 
das ich der Herre bin.' 

195 

13. Es nahet sich herzu die zeitt 
daß man in allen landen streidt [12«] 
den al mächtigen Herren, 
160 das man wurdt hören anfersten 
und über alle volkher ghen 
die nahendt und die ferne: 

von wegen irer missethaden 200 

die sie haben begangen, 
165 unnschuldig bludt vergossen hann, 
gepeinigt und gefangen, 
erwürgt, vertriben ganz und ghar: 



der ewig Gott wirdt das rechen 
woll an dem jüngsten tag. 

170 14. Der ewig und almechtig (Sott 
der hilft alzeit [ii^] auß groser nodt 
die seinen namen preissen, 
wenn er der ewig Gott und Herr 
in allen landen weidt und fem 

175 kan er all hilf beweissen, 

den aller gewalt auf erden ist 
allein in seinen henden, 
er sterkht wan er gnedig ist, 
all weit mueß inn erkhennen, 

180 ja wher in nit gepreisset hatt, 
den wirt er ewig straffen 
wol mit dem ewigen thodt. 

15. Wen man wirdt wider anf- 
ersten, 

das from und böß erfur thun ghen 
die gelegen sein ein lange zeite, 
die wurdt er stellen auf rechte handt 
die seinem namen seindt bekhandt, 
die andern auf linkhen Seiten, 
das urthel wurdt gesprochen 

schnell 
mit gar schrockhlichen worten: 
,ghett hin ir verfluchten in die hell, 
leidt ewig pein und marter, 
kompt her ir frommen in mein reich, 
da solt ir mit mir leben 
immer und ewiglich.' 

16. Darumb, mensch, schau wer 
du bist, 

brauch loider Gott kein arge list 
mit schimpfen noch mit scherzen, 
gedenkh und tracht im herzen wol 
wie du für Gott recht leben solt 
mit reinem keuschen herzen, 

gedult und lieb am aller meist 
soltu alzeit erzeigen, 
du seist reich, arm, klein oder groß, 



IX. 



IS 



205 dem Herren schenk dich für eigen, 
ja wo du schiäffst oder ghesl, 
wurstu von Gott dem Herren 
^l2^ all augenblickh getrost. 

17. Merkht auf, ir kinder Gotteß 

rein, 
210 ir seidtje von seinem fleisch undbein, 
sein bluedt hadt euch erworben 
da ir in sinden gefangen lagt, 



darumb sich Gott euwer höchster 

hordt 

hatt über euch erbarm bt, 
215 ja lauter in barmherxigkeit 

Ihedt von im endtspringen, 

den weg er euch zum leben bereidl, 

daß ir in soldt furchten, 

auß lauther guette er euch beweist, 
220 darum sey Gott der Herre 

in ewigkeyt gepreist* Amen. 




Ei.; 30. dem, 62. angst groß leiden. 78. kJare. 109. sein. 139. geiicht. 15^. Herr. 
159, Herrn. 184. böß fehlL 189, geprochen. 197. brauch Gott 207. Herm. 215. Druck 
MtaU in; lieb; meUeiehi su leim: lautere^ vUiletchit erbarmherzigkeit? 220. Her, 

Wackemagd III S. tHO — IGl Nr. 193 zwei Fas^ngen lu je 12 ^ Nr. 194 zwei Faumtngen su 
je IT Sir. Füeher^ Kirehenlieder^Lexic&n S, iBÖ* 

Fl. Bl. Ht/mn. 3SCiI Ein ach5n New | Geyatlleh 11 ed, zu sin- | gen in des Bern es weyß, 
Oder I in Hertzog Ernat weyse* {Büdchm, Am SMaßi) Gedruckt zft Nürnberg durch | Hans 
Güldenmundt. (4 BL S° o. J, Rückt, du entm und de» letzten BL leer.) Ewiger Vater . . . 
12 Sir. = Es. 1—10, 16, 17. 

Hymn. M73 Ein schun new Gejstlkh | Lied, zn singen, in des Beraers weyß, | oder in 
Herteog ernats weyß. | Ein Ander gejstlicb Liedt, Im thon« | Ich armes meydlein klag mich 
■ehr. {Biidcken. Am ScMuß:) Gedrückt zu Nfiruberg | durch Valentin | Nenber. (8 Bl 8* 
0. J* Rücke, de» ernten u. de$ letzten BL leer.) Bier mht das Lied eusammen mit „Ich armer 
Sünder klag mich sehr" 3 nenns. Sir, Das d<rfiir sur Beeeichnung der Weise herangezogene lAed 
j,Ich armes meydlein klag mich aehr*' s. He. i\fr. 138. An ersl&' Stelle tielti im Einzeidruck 
wEwiger Vatter im Himelreych" mit 17 Str. 

Bit Ver$e einä hier abgeietei und mii großen AnfangahuchMtaben versehn. Leearien: 

Sir. I 2. regierest. 6. Sune. 7, allsamb. 8. Wer jn warhafFtig erkennet 9. Er ist 

11, Ja wer jm selber folget nach. 13. wird er erlSst* // L edler Gott ein enger weg» 
2. Der jet^t wil gehen. 4. nicht atrauehelt anff" dem pfad. 5. Das ist durch trfibsall anggt 
vnd nobt, 6- nicht 7. Muß sich. 8. trawen. 9. Die geschrifft. 10. Man seit auff jn 
fast bawen, 12 ü. 13. Wer sein hauß draitff thut bawen | Dem atesta kein wind i^lcht vmb* 
/// 3. nicht werd vmbgstossen. A. Tonn menschen yotx in diser weit 5. Die wol leben in 
gut und gelt, 7. Das doch bleybetn 9. vna frenntlichen bescheid. 10. Von jm solln wir 
nit wenden. 12 u. 13. Vnd wer jn wird erlangen | Der hat die ewig frewd. 1 T 1. Zu der 
frend mag sun&t keiner kummen, 2. weit vrlank 5. Vnd jm. 7. Das er werd von den 
sflnden frey, 8. nach gedenckea. 9, Ja das. 10. jm thu wencken. IL Vnd sprich mein, 
13, Das ich erlang dein Krön, V 1. gern, 2. So dich wirat halten mein allein. 3. Vnd 
lieben von gantsem hertzen. 7. Vnd wil, 8. Vnd soll. 9. Will . , . ewigkleieh, 10, Vor 
angst vnd grossem leyde. 12. aoltu, 13, Genietsen der frewde mein. VI l. hertsigkleych. 
2. verleych. 3, Das jr es kfmd erdulden. 4, Wann er strafft hie die aeynen kindt. 7. vnd 
gnad beweyst. 9. Er wÜ vns setzen ins Faradeyß. 10. nimmer daranß. 11. verloren. 

12. erbawet. IS. Gelieret seh An vnd klar- 
VII (*== Es. 9) 1 n, 2. Kein mensch lobt nit anff erdereych | Der anB aprech die ewige 

freud. 4. Die hie thun nach dem willen mein. 5, schein. 6. zum leben. 7, Das iitt der 
Wollust in der weit. 9. nach stellen gut. 11. wird. 13. Wie du vor mir wAlst bestehn. 



1 



14 IX. 

VIII (»= Hs, 10) 1. Wer hie lebt nach der weit gemein. 2. gwaltig. 4. gegangen. 
5. Als vns anzeigt. 6. Er ward selber Verstössen. 7 u. 8. Wer aber nach dem willen 
sein I Lebt wie er hat geboten. 9. verachtet. 10. war. 11. foßstapffen. 12. Die weit 
wird jn verdammen. 13. Mit Christo leydt er schmach. 

IX (» Es. 8) 2. So jr . . . habt 8. lebt 4. Der voring ding wem nit gedacht. 

5. Allein es steht in. 6. jr nicht kftnd. 8. Der hat es. 9. Wolt jr. 11. Das er each 
bhftt vor vngemach. 12. Werd jr euch. 

X (» Hb. 7) 2. geschaffen. 7. Vi^gel. 9. schrien. 10. wald erklinget. 11. Ja was da 
lebt vnd schweben thut. 

XI («= Ha, 11) 3. gschrifft bezeugen. 4 n. 5. Sein wort besteht vnd bstendig ist | Inn 
jm ist kein betrag vnd list. 6. leygen. 7. Denn er selber. 8. Vnd warheyt wird beleyben. 
9. gschicht 10. wird er als. 13. grechtigkeyt 

XII (= Hs, 14) 2. in. 4. Denn er der eynig. 5. ferr. 6. Allein kan hilff beweyaen. 
7. gwalt der. 9. Er stercket dem er. 

XIII (es Hs. 12) 1. stan. 2. jetzt. 3. nach. 4. gehen in ewig pein. 5. Da wirdt 
groß angst. 8. nach meinem. 9. haben begert. 10. Nan wil. 11. Eim jeden geben 
seinen gewin. 12. Dabey sol. 18. Herre bin. 

XIV (=: Hs. 13) 2. inn aller weit den strejt. 3. Des . . . Herren. 4. Wird sehen, hören 
vnd verstehen. 5. vdlcker gehen. 6. ferren. 7. Missethat 9. Vnschftldigs blnt vergossen 
hat. 11. Veriagt, vertriben. 12. wirds. 13. jüngsten tag. 

XV 1, Wenn man wider wirdt anfferstehen. 2. Das fromb vnd bdß thut f&rher gehen. 
3. Die gelegen sein lange zeyte. 4. Die wird er stellen zur rechten band. 5. sein. 6. aaff 
die. 7. Das vrtheyl wird gesprochen schnell. 12. Non solt. 18. ewigkleych. XVI 2. Brauch 
gegen Got kein argen list 3. vnd mit. 4. Bedenck. 5. Wie man vor . . . sol. 7. Lieb 
in aller maß. 10. Herrn. 11. du ligst schleffst 12. Wirst du in Oott dem Herren. 
18. getrost X VII 2. Die jr seyt von seim. 4. In sftnden jr gefangen wardt 5. ewr. 

6. Thet vber euch erbarmen. 7. Ja laatter Lieb barmhertzigkeyt. 8. jm her. 10. soUet 
finden. 11. Anß seyner gut er enchs beweytz [!]. 12. Herre. 13. gepreyst Amen. 

Hymn. 3879 Ein sch5n Ne- | wes Geistliches Lied zu sin- | gen, Ewiger Vater im Himmel- 
I reich, etc. In Hertzog Ernst j Melodey. | Ein ander Geistliches Lied, | Im Thon: Ich armes 
Medlein | klad [!] mich sehr, etc. (Bädchen) Im Jahr, 1576. (Am Sdäuß:) Zu Leipzig, bey 
mir Nickel Ner- | lieh Formschneider. {8 Bl. 8\ Rucks, des ersten u. des leisten Bl. leer.) Nach 
Inhalt und Reihenfolge entspricht dieser EinjsMruck, bei zahlreichen Abweichungen im einzelnen, genau 
dem vorigen. Die Strophen des ersten Liedes sind nicht nach Versen abgesetzt und sind schon im 
Druck durchgezählt. 

Hymn. 3880^ Einzeldruck derselben beiden Lieder, entsprechend 3873 u. 79, aus 6 Blättern be- 
stehendy wobei das Titelblatt und wahrscheinlich ein achtes, leeres oder den Druckvermerk enthaltendes 
Blatt abgerissen sind, von den Liedertexten aber nichts fehlt. 

Hymn. 3886 Ein schdn Geist- | lieh Lied, Ewiger Vatter im | Himmelreich, In Hertzog Emsts 
Thon. I (Bildchen) Getrackt za N&mberg, Im Jar | M.DCI. (4 Bl 8^. Rucks, des letzten BL leer.) 
12 Str. entspr. 3861. 

Hymn. 8494, Druck von vierzehn geistlichen Liedern, vom verstümmelt, so daß das TitMatt 
und der vermutlich auf dessen Ruckseite stehende Anfang des ersten Liedes „Ewiger Vater^ fehU. 
Von diesem Liede steht hier die 12 strophige Fassung^ den andern Drucken entsprechend. Hierin sind 
auch Nr. 3 u. 202 d. Hs, enthalten- 

Yd 7829 (Einband v. J. 1554) St. 34 Ein New Gaist- | lieh Lied, Ewiger Vatter | im 
Himmelreich, }c Zö singen | in des Bemers oder Her- | tzog Emsts weyß. (Büdchen) Ge- 
druckt zu Augfpnrg, Durch | Hans Zimmerman. (4 Bl 8^ o. J. Rucks, des letzten BL leer. 
Druekvermerk am Schluß, BL 4«, noch einmat.) 12 Str. entspr. Hymn. 3861 u. s. w. 



IX. X. 15 

Yd 7831 (Einband v. J, 1566) St. 6 Ain New Geystlich Lied, | Ewiger Vatter im Himmel- 
reich, I zu Singen in Hertzog | Ernste weyfe. (Büddien. Am Schluß:) Gkdmckt zu Straa- 
bing, I durch Hannsen Burger. (4 BL 8^ o. J.) 12 Str. entspr, Hymn, 3861 «. 8. v>. 

Bergr. 1574 U 20 gUichfalU in 12 entspr. Str. 



[I2t>] [10.] Ein annder geistlich liedt 

1. Herr, ich klag i5 2. Herr, hilf mir, 

daß ich mein tag daß ich mag dir 

so hab verzerty stetts dankhbar sein 

leib sei beschwerdt, deß leidens dein 

5 darumb sich nhat in rechten schein, 

so frü wie spat 20 dardurch mir mein 

zu dir mein stim, herz khummen in reu, 

ach Herr, vemimb, das al deiner dreu 

zu dir ich schrey, er man ich dich: 

10 ich bitt: verzeich barmherziglich 

mein missetatt, 25 wolst mich gewhern 

ich bitt umb gnadt und von mir khem 

und nit umb recht: dein gottlich recht: 

du bist mein herr und ich dein knecht du bist mein herr und ich dein knechL 

3. Herr, laß mich 
30 nit ewigclich 

leiden in nott — 

dein schmach und spott, 

auch wunden rodt 

und bitter dott 
35 hatt mich erlost 

und mir den rost 

genumen hin, 

darzu ich bin 

gewest [13»] verpflicht, 
40 auch Her, nit rieht 

nach deinem recht: 
du bist mein herr und ich dein knecht. 



Hm.: 5. nhet. 6 fehU. 25. gewheren. 

Waekemagd III S. 1255/6 Nr. 1467-69', Fitcher S. 172. 

Berlin, Hymn. 6748 Ein schien New | Oeiztlich Lied, Herr ich klag, | das ich mein 
Tag, tc I Ein ander New Geistlich Lied. Der | Gnaden Prunn thut flieÜTen, Ln | Thon, Die 
PrOnlein die da tc. (Bildchen, Jenu am Brunnen dar et. Am Sdiluß:) Gedruck [I] zu Straubing, 
durch I Hansen Burger. {4 BL 8^ 0. J. Riick$. des ersten u. des kUten BL leer.) Wegen des ta 
diesem Einßeldruck zweiten Liedes vgl. oben Hs. Nr. 3. 



16 



X. XL 



HERR ich klag . . , Str. I 4—6 t^dtlich venert, Leib Seel beschwerdt, dardurch sich 
«nert. 8. Herr. 10. auch bit verseih . • . 

Str. II (= Ha, 3) 5. dein wunden rot 6. todt. 7. band. 8. vnd mir der trost. 
12. o Herr. 13. nach strengem recht . . . 

Str, III (=s Hs, 2) 1—4. Herr, hilff mir, das ich mit gir, dem leiden dein, stets danck- 
i>ar sein. 5. rechtem. 7 a. 8. hertz kompt inn rew, all deiner trew. 12. nit von. 13. dein 
gnedigs recht . . . 



IV, Herr dein Gleist, | den mir yerheist 
dein Göttlich mandt, | send noch zu stund 
meins hertzen grund, | dz recht werd kund 
dein bot vnd leer, | Gi^ttliche Eer 
hej mir erschein, | dardurch mir dein 
gnad kumb zu trost, | vnnd werd erlöst 
Ton strengen recht, 
'du bist mein Herr, vnd ich dein knecht. 



V. Herr ich gilff | zu dir vmb hilff 
in diser stund, | so jetz mein mund 
denn rechten grund | schwerlich thut kundt, 
vor angstes not | vnd bittem tod 
des Teufels list | mich treiben ist, 
zeigt mir die stat | meiner missethat, 
beut mir zu recht, 
Herr verlafi nit deinen knecht. 



E}in andrer, diesem sehr ähnlicher Einzeldruck derselben beiden Lieder Gedruckt zu Straubing 
durch Hannsen Burger: Yd 7831 St. 8. 

Goedeke 11^ 8, 33: Finch 1536. 

Bs. d Herren ». Helmstorff 1569/75 Bl, 4«, 2. Abt Qeiitliche Lieder Nr. 2 in 3 Str. 
II s= Pal. 3f III »> 2, sonst entsprechend. 



[IL] Das vatter vnnser in der weiß. Es seindt doch sellig. 



1. Ach unser Vatter der du bist 

im himmel, hör was unß geprist 20 
und was wir jetzt begeren, 
im geist und warheit ruefifen wir, 
b wie Christus lert, allein zu dir, 
darumb weist uns geweren: 

du bist der vatter, wir die kindt, 
du bist im himmel und wir sind l^^^\ 
im ellendt hie auf erden, 26 

10 darumb sich mit lieb und gnadt 

herab, 
das unser herz ein hoffnung hab 
durch Christumb sellig zu wer- 30 

den. 

2. Dein nam der heilig ist allein, 
sol auch billich von unB gemein 

15 allein geheiligt werden, 

das bitten wir durch Jesum Christ 35 
der so ein dreuer Mitler ist, 
unß hilfe auß allen geverden. 



darnach reiß hin das reich der weit, 
dein reich zuekhom welches dir gefeit 
von glauben und von leben, 
dein reich ist doch ein sellig reich, 
ahn sundt und schuldt des nit geleich, 
dasselbig wellest geben. 

3. Dein wil geschech, der unser nit, 
das ist auch unser ernstlich bith, 
die weil du bist der Herre, 
im himmel beschichts als wie du wildt, 
darumb sich auf uns, o Vatter milt, 
und unß dasselb auch lere; 

waß du nit wilt, daß ist nit guett, 
vor aus waß khombt von fleisch und 

pluett, 
das miessen wir bekhennen. 
Her Gott, so hilf zu volgen dir, 
das dein will geschech, der wol unß 

schier 
vonn unserm geiz entwhennen. 



^^^^^^P 17 ^H 


4, Ach Gott, wie brist so vil all lag 


vergeben und fridt mögen han ^^H 


unß armen, das ist auch ein dag, 


mit freunden und mit feinden, ^^H 


da wellest do unß geben: 


in lieb zue suchen deinen preiß, ^M 


40 dem leib nit vil, die noUurft bloß» 


wie dan wol zirapt noch vatters weiß ^M 


dem herien aber gnaden groß 


60 den rechten Gottes kindm, ^| 


auf dich also zue leben, 


^1 


das teglich brott gib unß, du Her, 


6, Noch thuett ainß nott und ^| 


den gei^ und sorg treib von uns fer. 


ligt vil dran ^| 


45 du khannst unß jhe wol speissen. 


das wir, Herr Gott, rhue mögen hann H 


du wollest dem fleisch sein wollusl 


im gewissen und im herzen ^| 


wher«, 


und beharren steif auf deinem wordt, ^| 


die seel mit deinem wordt ernem, 


66 es wirdt als creuz baldt haben ein ^| 


daran dein lieb beweissen. 


ordt, B 




auß genummen der helle schmerzen; ^| 


[14*1 ö- Zu dem so bitten wir umb hult, 


ach Vatter treu, so slerkh dein ^^H 


so Gott, vergib uns unser schuldt 


^^1 


und sovil grosser sunden; 


daß unß kein arges uberwindt, ^^^^ 


gib, Her Gott und Vatter treu, 


behiet uns alzeit vorm bessen, ^^^| 


daß uns al sundt von herzen reu 


70 es sei der Deufel oder weit, ^| 


und wir si lassen khunden; 


und was nit mit der warheit heldt, ^| 


66 gib daß wir auch frey jederman 


davon wolst unß erlössen. ^^H 
\U, 44. geiBt 46. whereD. 47. emeren. ^^^B 


Hm.: 6, gewern, 8. aind fehlt 45. unß fd 


m. Gocte« kindeti fehä. 


^^H 


Wackemagei 1841 Ä MO J^. 567; III 1870 5, 


, $09 Nr, $84. ^^M 


Volgent etliche vnd schö 


ne weldtltche liedter. ^^H 


(14»] [lK/12.] ^1 


L Wo sol ich hin, 


2> Von edler art ^^H 


wa sol ich herr, 


ein freulein zart ^^H 


wo soll ich mich hinkeren? 


15 hatt mir mein herz besessen, ^^H 


ach reicher Gott, 


ir zucbt und ehr ^^H 


s schickhe mir dein hilf 


erfreuwet mich sher, ^^H 


und thue mich weissen und leren; 


ich kan ir nit vergessen; ^^^H 


ich bin enzindt. 


vor aller weit ^^^| 


mein herz das brindt^ 


so sie mir gefeilt, ^^^| 


ich khan nit frolich werden, 


sie liebet mir an dem herzen, ^^^| 


10 das schafft allein 


wan ich bedracht ^^H 


die liebste mein 


ir tugendthafft, ^^H 


die ich hab uff disser erden. 


benimpt sie mir all mein schmerzen. ^M 




^^1 



18 



XI. XII. 



25 3. Inn stettigkeit 

bin ich bereit 
in irem dienst zu bleiben, 
kein falsche zun^ 
bö9 oder frum 
30 sol mih von ir nit dreiben; 
ir stettigkeyt 
mich hoch erfreut, 
sie liebt [15*] mir ob inn allen; 
darumb ist mein bith: 
35 verschmee meiner nit, 

laß dir mein dienst gefallen. 



4. Ich beger nit mher: 
Gott bewar ier ehr 
vor allen falschen zungen, 
40 Gott wel sie spam, 

in tugent bewam 
die hübsche schöne und viel fromme, 
vil glickh und heil 
das wuntz ich ir, 
45 nichts geringeres noch minder, 
Gott spar sie gesundt 
zu aller stundt, 
das ir kein ungefalle hinder. 



Hs.: 28 u. 29. zangen böse (vnd durdutrichen) oder frommen. 40. sparen. 41. bewaren. 
44. das fehü. 45. noch minder fehit, 48. hindere. 

Bern. 5. im Reim auf Gott wohl ursprünglich bat (bot) = Hilfe. 44. werd ir za teil? 

1582 Ä 82: Str. I 4 u. 5. Ach Gott mein Herr send mir. 10 u. 11. das schafft die aller 
schönste mein. // 5. erfrewt. 7 — 12. Jr schöne zier erfrewet mich, sie geliebet mir in dem 
hertzen, wenn ich sie ansich, so erfrewt sie mich, so benimpt . . . /// 1 u. 2. Ich bin bereit, 
in Stetigkeit. 3. dienste. 4 — 6. Keine falschen zungen aaff erden nit sein, die mich von jr 
sollen treiben. 7 — 9. Jr angesicht erfrewet mich, sie geiiebet mir vor andern allen, 10. das 
ist 11. mich. 12. last each meinen ... IV 1. Jch weis nit mehr. 2. dein ehr. 4 — 6. der 
falschen kleffer sein so viel, sie schaffen nicht viel frommen. 8. das wünsch ich dir, 9. das 
wüntsche ich dir von hertzen. 10. dich gesund. 12. das dir nit misselinge. 

Es. 1568 Nr. 94, 1575 Nr. 68 u. s. w. 



[12.] Ein annder weidlich liedt. 

1. Schönes lieb, ich mues dich [I6i>] 3. Schenes lieb, ich wil dich nit 
meyten, lassen 

ist alles der klaifer schuldt, lo die weil ich das leben hab, 

zue dir trag ich heimliche liebe, var hin dein weg und Strassen: 

herz lieb, trag mit mir gedult ich laß nit van dir ah. 



5 2. Die stundt thue ich mich freyen 
wan ich denkh, herz lieb, an dich, 
ein alte lieb wirt neuwe 
wen du mir freundllich zusprichts. 



4. Der uns das liedlein neu gesang, 
von neuwem gesungen halt, 
15 das halt gethan ein ettelman gutt, 
Gott geh im ein freys guetts jar. 



Hs.: 10. ich hab das leben hab. 12 fehlL 

Vorstehende Fassung bei Mone gedruckt im Anzeiger f. Kunde d. t. Vorzeit 7 {1838) Sp, 238 1 
Mittler 8. 541 Nr. 731. 



XII. XIII. 



19 



Gewohniich eine lanffere Fassunff tn flügenden Drucken: Yd 7821 Si. 11 = 54, Yd 9S72\ 
London HS 2 2 df 44 — j€ ^ nnand£r entsprevhendt Strophen, Dtxglmchen in Htmdichrifteni FeacÄ- 
fcriit 1592 1 Alemannia 1 (1S73) S. :i9 Nr. '2S — und m der Berliner Hs. 1575 Nr. 139 1 



1. Feinß tiek ich mtieß dich meiden, 
i^t ällm der kJeffer echutt, 
zn dir drage ich hei^lichs leideo; 
horz ieib, habe mit njir gedult; 
b mein herze das li|^htt gefangen 
eo hart nach deiner liebe^ 
zu dir ateit mein vorlangen, 
dti her£ einigem lieb. 

2« Mein herze das ist betrubel, 

tO verwundet bee in den dodt, 

dein liebe mich so hart übet, 

das sehaiFet dein mnndtlein rodt; 
det stunde dho ich mich freu wen 

webn ich dich^ feines liob^ anaehei 
15 eine alte liebe wert neuwe 

so du mir frauntlicb zusprichst* 



3. Feinß lieb, ich will dich nicht lABsea 
deweUe du das lebeut hast, 
fahr hen deine weghe und atraase 
20 da du KU Behauen liaat; 

mein leib der ist dein eigen, 
soll deir sein unterlbaen} 
du liebest mjx oben den allen, 
bist meines herzen eine kronn. 

25 L Feinfi lieb, halt mir deine trenwe 

de du mir vorheiesen hast, 

es wirt dich nicht gereuwen, 

rede ich ohne alles haß; 

ich schenke mich dir für eigen, 
30 das glaub du mir vurwar, 

du liebeat mir ob ihn allen 

in aller frauwen achaer. 



5, Das leidt dae aj gesungen, 

feinß leib, Jiu tausent guter nacht, 
35 zu dir kan ich nicht kommen, 

das habe ich woU bedacht — 
ach scheiden immer scheiden 

und wer hatt dich erdacht? 

haat mir mein junges herze 
40 ans freu den in trorent gebracht* 



Bm.i 9. betrüb. aS. und fehä. 

Vgl Ärckw f. d. Studium d. n^erm Spr. 112 [1904) S. 12. 



[13.J Ein annder liedt. 




1, Ach Gott, was sol ich singen? 
freiidt ist mir worden deur; 
fernet lebett ich in Sprüngen, 

das bueß ich alles heut; 
6 mit manchen seufzen herten 
verzer ich manchen tag, 
unfal ist mein geferte, 
wie wol ichs niemant clag* 

2. 'Gesell, du clagst dich sere 
10 dein ungefel sey [16"] groß, 

doch gelaub ich nwmhere 
das du seists so bloß 



von freundtlicher lieb verlassen, 
von schenen junkhfreiellein fein — 
15 wen im schein also where, 
so mneß die schuldt dein sein/ 

3. Mein lieb die hatt ein ende, 
vor der thier da stett mein schanz, 
darzue mein groß eilende 
20 halt mich nmbgeben ganz; 

das kan ich an ir wol merkhen 
das ich kein gnadt mher han^ 
mein sach will sich nhun schickhen, 
sie legt sich übel an» 

2* 



20 



Xllk XIV. 



36 4. Ach Gott, wie whe thuett 

scheiden 
dem jungen herzen mein 
und pringt mir grosses leyde 
und darzue schwere pein! 
vor Zeiten scheindt mir die 

sonne, 
30 jetz wilß leider nimmer sein, 
bin ich dan also verdrungen, 
so schlag das hellisch feur darein. 



5. So gesegen dich Grott mit 
treuwen, 
meins herzen [I6i>] ein deckelein, 
85 du magst mich immer reuwen 
biß in das ende mein; 

weil du mich thuest verachten 
ein weiblichs bildt so werdt, 
noch winsch ich dir ein freundlicheß 

lachen 
40 und alleß waß dein herz begertt. 



Es.; 11. nun. 32. darein fehU. 

Bern, Hi. 3. fernet im vorigen Jahre\ dem entsprechend 4 zu lesen heor im Reim auf denr. 
15. im schein ^ m Gewißheit, in WirkUchkeU; vgl D. Wb. VIII 2426 f. \ 10, 19 oben schon m 
ähnU^m Sinne. 34. deckelein d, t. „Docketein"; Püppchen, Liebling, 

Oörres 8. 71; vgl Es, 1568 Nr. 56: Ztschr. f. deutsche PhHohgie 35 {1903) 8. 519 \ AmaUa 
V. Oeoe: Z. f. d. PL 22 {1890) 8. 416\ Zwickau XXX, 5, 20 8t 37: Zwey schöne Lieder, 
Das I Erst, Ach Gk>t was sol jch singen, kortz | weyl ist mir worden thefbr . . . 



[14.] Ein annder liedt 



15 



1. Schonnes lieb, das mich er- 
freuwet, das muette vil leut, 
noch wil ich mich nicht iren lan, 
die weil ich verstau dein gunst und 

liebe, 
so bleib ich uff der alten ban, 
6 recht wie ich soß — 
du merkhest mich wol — 
gedenkh an mich 

alß ich an dich, ^^ 

m treuwen du mich suchest, so 
finstu mich. 



des widerumb gelt 
mit deiner hul(2, 
du dugent last 
der du vil hast, 

nit mache mich deiner liebe ein 
frembden gast! 



[17»] 3. Frolich erfreuet es mich wie 
lenger wie mher 
das ich in deiner liebe soll sein, 
vor andern allen 
bringstu mein herz in gevallen 



10 2. Bey dir dergleichen versiehe 

ich mich 
von dir zu thun, mein schonnes liebe, 
dan ich alle meine drauwen 
und freundtschafft zu dir stelle; 



25 mir leidt gar nichts daran 
wer mirs vergan, 

die weil ich dich, herz lieb, zu gna- 
den hann. 



Es,: 5. solle. 15. hulde. 23 n. 24 fehlen. 



XIV. XV. 



21 



Hi. t574 Nr, 59: 



l. Des ich mich erfrew» das muedt 

viel leudtf 
noch wil ich mich nit irrhen lahnn, 
dweü ich sehen ihr ganat und «hr, 
so pleib ich uf der alter ban, 
6 recht wie recht wie recht wie ich böU — 
du mirks mich woll *— 
denk hinder dich, denk hinder dich: 
MO Wie du mich 
gel&Bsn hast, also ^rindeitn mich. 



10 2. Deagleicheu doidt anch sn mir, 
mein frnndtliches liebr mit deiner lieb 
bleibt unverkehrt, 
der hofhongh ich alz ei t pleib zu dir, 
^u dir mein Üeb und gnmt sieh mehrt, 

15 ohn anderr all 
licht mir darahnn 
wer es mir v ergahn, 

wan ich mein lieb in frewden zu gnaden 

hau. 



3. Mir geliebt auch eehr wie lenger wie mehr, 
20 so ich in deinem dienat magh aein« 

in zucht und ehr mit hoeger beger 

mit trawen und fleis, herzallerliebste meinl 

mit deiner milt 

das weder gilt 
25 der tagen mit last 

der du yil hast, 

nicht magt mich deiner liebten einn fremder gaat- 



Hs: 8, BO fehÜ. 1$. zu dir fehlt. U fekiL 24. gehet. 

Dt€s Lied in erträgliche Form jsu bringen, erscheint fast untnogtich^ solange nicht andre Süft- 
fnittd bekannt werden. Die Strophenform iH wahncheinlieh ne^tnseUig naah dem Schimai 

ah ab c c d d d 
4 4 4 4 2 2 2 2 4 H. nur m. 

Dabei werden, wie sehr oft in diesen Formen o«« dem ifJ. Jaftrhundertj die Zeilen von 4 Hebungen 
gelegentlich durch ^wischenreime w* die beliebten kurxen RHmpaare zerlegt worden «tit, wovon die 
FoMunif der Handschrift v. J. 1574 in ihrer dritten Strophe {Z. l u. 3) noch unverkenfdmre Spuren 
aufweist. Wegen dieser Inkongruene in der Strophenform war das Oedichi von vorf^erem leichter 
der Zerruäung ausgesetM als GedicMe vm gleichmäßigem Vertbau. 



[15«] Ein annder hibsch Hedt. 




L Vil haß und neitt 
zue hoff ich ieidt, 
wie wol ichs nit verschulde, 
den ich weiß nit 
b warumbs ges^/dcht^ 
umb Gottes willen ichs dulde: 
der weiß mich recht, 
sympel und schlecht, 
wie wol ?erschraecht, 
10 und bin in groß unnbulde. 



2. Wem Gott wol wil 

in gheim und still, 
khan sandt Fetter nit wheren; 
ich frag nicht nach 
15 solch groser Schmach, 
sye reicht mir nur zue ehren; 
mir leidt niht drann 
das der hoffman 
mir nit vil gan, 
20 doch hab ich huldt meins herren* 



22 XV. XVL 



3. Den ich mit fieiß 
in ehr und preiß 
bisher gedient [17^] mit gefallen; 
nim mich nicht an, 
26 loß als für gan 

was sy von mir thun khallen; 
ich hoff zue Gott 
werdt meinen spott 
in hocher nott 
30 im nicht lassen gefallen. 



Hm,: 5. gedcht. 8. stTnepel. 

Fortier I (1552) Nr, 86: 6. gotts. 7 a. 8. grecht, simpel. 21. Dem ich. 23. gfallen. 



[16.] Ein annder schön liedt. 

1. Scheiden mich krengt 2. Ist mir mein junges herz 

so ich der lieb gedenkh bekhummert sher mit schmerz, 

die mir von dir widerfaren ist, alles woll durch den willen dein, 

ewig will ich dein sein, darumb ich sprich: 

6 herz einigs liebe, erbarm dich mein, 15 frölich ann dich 
wann khein getreuwer mensch auf khein stundt well an gedankhen 

erden nit ist: sein, 

das mueß verwegen mich ewig will ich dein bleiben, 

und soldt verlassen dich, [is*] o du mein schätz und edle krön, 

ist meins herzen ein grosse clag, so ich schon von dir bin, 

10 wie wol ich das kheim menschen 20 hastu mein junges herz, gemiet 
auf erden nit sag. und sin. 

3. Pitter ist scheidenß endt: 

aide, ich mich von dir lendt, 

ist meins herzen ein grosse bues, 

herzigs herz, ich dag 
25 das ich khein trost mher hab, 

ursach das ich mich von dir scheiden mueß, 

unvergessen bleib ich dein 

in lieb alß du bist mein, 

in treuwen dein wirt gedacht, 
30 aide zu hundert taussendt guetter nacht! 



H$.: 20. herti, aach off gemiet. 



XVI. XVII. 



23 



10 



Es, 1575 Nr. 133: 

1. Scheiden mych krenkt 
wenn ich der liebe gedenke 
die mich yann ihr widerfahren ist, 
ewigh will ich dein sein, 
herz aller liebste mein, 
kein getreawer mensch anf dieser erdeA 

nicht ist: 
maß nu derwegen ich 
und muß vorlassen dich, 
das bringt meinem herze eine grosse klage, 
wiewoll ichs keinem menschen auf dieser 
erden nicht sage. 



2. Ist mich mein junges herz 
bekümmert sehr mit schmerz, 
geschieht alles durch denn willen dein, 
darumb ich sprich 
15 das ich frolich 

ahne dich keine stunde im tage sein 

mach, 
herz einiges lieb, 
nach ehren dich stedes begib, 
halt dich in guther hoeth, 
20 so ist mein junges herze stedes woll ge- 

moeth. 



3. Ewig 

will ich 

dein pleiben, 

meinen schätz den will ich dir vorschreiben: 
25 wen ich schon von dich binn^ 

so hastn doch mein junges herze moeth und sjnn, 

nicht vergessen will ich dein 

in ehren als du bist mein, 

inn stediger liebe wirt deiner gedacht, 
30 adde zu hundert thansent guther nacht. 



[17.] Ein annder hibsch liedt. 



1. Wie schonn freidt sich der 

meye, 
der summer ferdt dahin, 
mir ist ein feinß bruns meidtlein 
gefallen in meinen sin; 
5 auf sehen tutht den äugen wol, 
wan ich an sie gedenke, 
mein herz wirdt freuden voll. 

[isb] 2. ^Die sonn sthett am hogsten, 
der mon ist under gangen, 
10 mein feineß lieb sol mich trö- 
sten, 
wie sol es im erghan 
im regen und im khalten windt? 
ach Gott, solt ich in suchen 
wo ich in im ellendt fündt 



15 3. Die bluemlin auf der heideii 
mit namen wolgemuett 
die laß fein lieblich wachsen, 
sin uns vortrauwren guett, 
vergiß nit mein stett wol dabey — 

20 Gott grueß mir ine in dem herzen 
der mir der liebste sey.' 

4. Mich thett mein feins lieb 

lernen 
wie ich im diennen solt — 
in züchten und in eren — 
25 dan anders verstundt ich ganz wol; 
ja waß heimlich liebe mag gethun, 
berumbt sich manicher seinß bue- 

lens, 
thuett im die leng kein guett. 



24 



XVII. 



[19«] 5. Und wan ich lig und schlaffe, 
30 so khombt mir mein feins lieb für, 

und wan ich dan erwache, 

so fert sie wider dahin: 

o whe raeins herzen ein grosse notth! 

yill lieber woldt ich sterben, 
36 vil weger wer mir der todt. 

6. Mancher thuett sich seins 
bullen ruemen 
des nachts bey dem wein — 
was gab sye im zur letze? 
von rossen ein krenzelein, 
40 das gruenet sich recht wie der waldt; 
wher ich bey meinem bullen, 
ich jungert und wurdt nit aldt 



7. 'Herz lUb^ ich will dich bitten: 
wo du bey gesellen bist, 
45 ^edenkh du mein in züchten, 
die wellt ist voller list, 
gedenkh des meinen in keynem 

wort, 
so will ich an dir halten, 
du bist mein högster hordt' 

50 8. Herz lieb, ich sol dir clagen 
mein kummer zue disser [i9i>] stundt, 
so hab ichs nit am tage, 
nun spar dich Gott gesundt, 
zu hundert taussent guetter nacht — 

55 es ist von ir gesungen, 
es ist von ir erdacht. 



H$,i 6. gedenck. 14. in fehlt. 18. vns vertranwen: geheuert m yortrauwren. 20. herts. 
28. die leng fehtk 40. der fehlt. 43. lieb fehlt. 45. denckh. 

Nr. 193; Sir, I 1. Wie schon frewt vns der Maye. 2. Sommer. 3. branns Megetlein. 

5. thuet. 6. an sich gedenckhe. // 1. Die Sonn stet sich amm höchsten. 2. ist ynderthan. 
3. feins . . . trösten. 7. wo ich jne im eilend find. /// 1. Blaemblin yf. 3. die laß vns 
feins lieb wachsen, 4. 8y sein far trawren g^et, 5. yergiß mein nit steet anch darbej, 

6. jnn jm hertzen. IV 1. leren. 2. dienet sollt. 3. züchten. 4. das ander yerstee zwar 
wol. 5. lieb mag gethan, 6 a. 7. berüembt sich mancher eins Baelen, thaet jm die leng 
kein g^et. V 1—3. schlaff, kombt . . . für, wann ich dann wider erwache. 4. er wider. 
6. ichs. VI 1. Baelen rüemen. 2. Nachtes. 3. was sie jm gab zur letze. 5. der wald. 
6. Baelen. 7. Ich jangt Ich ward nit allt. VII 1. Hertzlieb ich. 2. den gsellen bist. 

3. gedenckh du mein jnn züchten. 5. des meiner. 7. höchster hört. VIII 2. kommer. 

4. nw. 6. yon jme. 7. yon jm erdicht. 

Beide Fauungen der Handschrift sind entstanden durch Ineinanderschieben stoeier lAeder, die 
voneinander siunächst gane unabhängig sind. Der dritte Teil von Forsters Liedlein bietet unter Nr. 19 
und 20 diese beiden Lieder unmittelbar hintereinander. Die Strophen 2, 4, 6 der Es. entspreehem 
den drei ersten Strophen der Forstersehen Nr. 19, deren Schlußstrophe, wie bei verschiedenen Fassungen 
derselben Lieder oft geschieht, für sich bleibt. Die Strophen /, 3, 5, 8 der Hs. finden sich in Försters 
Nr. 20 an erster, fünfter^ zweiter und sechster Stelle wieder, so daß in der Hs. die siebente Strophe, 
bei Forster die dritte und vierte für sich stehn. 



Forster III (1552) Nr. 19: 

1. Der mon der stet am höchsten, 
dson hat sich unterthon, 
mein feins lieb ligt in nöten, 
ach Got wie sols jm gon 
in regen nnd in wind? 
wo soll ich mich hin keren 
da ich mein feins lieb find? 



2. Mein feins lieb wolt mich lehren 
wie ich jm dienen solt — 
in züchten und in ehren — 
das weiß ich selbs gar wol 
and kan aach noch yil mer, 
wer sich seins baten that rhümen, 
der hat sein kleine ehr. 



XV». 


XVIIL 2& ^^B 


3. Manchör geht zu seinem bulen 


4. Ach scheiden über scheiden ^^^H 


bey Iiechtea monen Bcheia — 


wer hat dich doch erdacht? ^^^H 


was gibt sie jtn zu lone? 


bast mir mein junges hen&e ^^^^| 


ein ro sen k reu le lein, 


anß freudt in trawren bracht, ^^^H 


ist pröner dan der klee, 


darzu in ungemach — ^^^H 


ich muB mich von dir scheid an, 


sej dir, schöna lieb, gesungen, ^^^^| 


tbnt meiDem herben wehe. 


ade au guter nacht ^^^H 


Fenter lll {1552} Nr. 2Öi 


^1 


K Wie schön blüt uns der inejen, 


L Wolt Gott ich Bolt jhr wünschen ^^^| 


der fiommer fert dahin, 


drey roien auf eim zweyg; ^^^H 


mir kt ein schön junkfrewlein 


solt ich auch trewiich warten ^^^^| 


gefallen in mein sin- 


auf jren graden leyK ^^^H 


bey jr da wer mir wol, 


wer meines harzen freudt ^ ^^^H 


wann ich nur an sie denke. 


ich muß mich %'on dir scheyden, ^^^H 


mein herz ist freu den vol. 


aide mein schöne meyd. ^^^H 


2. Wenn ich des nachts lag schlaffen, 


5. Zwey bKimblein auf der heyden ^^^H 


mein feina lieb komht mir ftir, 


mit namen wolgemut ^^^^| 


wenn ich als denn erwaehe, 


laß uns der lieb Qott wachsen, ^^^^H 


bej mir ich niemandta spür; 


seind uns für trawren ^ut, ^^^H 


bringt meinem herzen peyn — 


vergiß mein nit darbey — ^^^H 


weit Gott ich solt jhr dienen, 


grüß mir sie Gott im herben ^^^^| 


wie möcht mir baß geaein^ 


die mir die liebste aey. ^^^1 


3. Bey jr da wer ich gerne, 


6. Der liebsten solt ich klagen ^^^H 


bey jr da wer mir wol, 


mein leydt ^u diser stundt, ^^^H 


sie ist mein morgen sterne, 


so hab iehs nicht am tage, ^^^^| 


gfelt mir im herben wol. 


noch fipar dich Gott gesund, ^^^H 


sie hat ein rot^n mund, 


ade zu guter nacht — ^^^H 


seit ich aie darauf küaaen, 


sey dir achöns lieb gesungen, ^^^^^ 


mein herss wirdt mir gesund. 


&nß gutem mnt bedacht, ^^^H 


"■" —" ■— - j 


[18,] Ein annd 


er schön liedL ^^^| 


1. Ich bin 2ue frue geborm 


2, Sol ich nun von dir scheiden, ^^H 


das ich kein gluckh soll hann: 


gescÄach mier nie so whe ^^H 


ich halt mir auB erkhoren 


10 von grossem herzen leide: ^^H 


ein meidlein, das wil mich lan; 


ich beger nichts anders mher ^^H 


5 thuett mir in meinem herzen whe, 


dan das mich nem der bitter todt, ^M 


es ist mein grose sorge 


in allen meinen tagen ^^H 


^^B ich geseh sie nimmer mhe. 


■"""" i 



% 



iS 3» Bäiwoi amfili micii meiL -x ffin. büt' thiK ich. 

Idtaesilfla^ M Älne aa 'fissEr zAuiiiit; 

(las fsn»l ich äe ;^ j^BEsach: ifir süa micii 

ich. h^t miidL tiir eacspsiifsu cwcii nur 'Iesii milisn. 

ich zn dem flrBrimi :9iiacii: « -g^nmichhe fe: auch. SasaniSSBfc 
mB ^xach: 3ie wnit: micii wt wAiuiu ir 

jo ich aoit in tsesiL hflnawi aiit ltbzl 



atett an ütaeieia haniL s ^ mch Timfaifpwy omi feist. 



■L Wisai wiit ich cBr ccaarae i. Qsd lachss was^ ans bence« 

gaHo: 3ti^ mut auch ^eaDseht. rettt :ch her rnffifipm \9Bß{ &A — 

j5 all ftwmtttHffhaflt «fier ist schlecht; ia stifS^ ^mii hecBEai leiift:: 

janr stell: büi an. cham jungatKn togr 40 aim intt ich cScel in raius weib: 

gisoh mir was ich ifir sa^ & zmr dsn brTgflMtn schrahü 

IL *Oas wil ich tfami » ^hezan: 
Mitu hh»xi sw^S mt sann: 
46 behiett dich Sott cmt 'Scm^ 
das ist das ich -tir ^ur — 
da citt ich ^nm Joat linsten: m&u. 
ich meint vor ^ p itiKian. I01& 
mi^n hffl^ sait secpcochtHi sen. 



A.: L gRiuiBL. 7. mhaxe. >. ;rBSMuiL 41. jehuiiifii* 4kl. fw<wym- ^ ggn. 4^. ac^ 

Fl BL Td r^n SL^ m * ;^. ^ SamL Sar. A >T V!« ffiE^wsn» üäw« linte; Da» «aC 
^f»" > w4n?ks in lÜan. waadei. 3B. T^nm ml*- •hai Winorr itt unuc vdons vUbl Das ircB. 
Iiirf>H^?h hat Äeh s^ se&ifC. Da» ^ws%. luh bin iuBm ^bSmbbu 3:. JuaeA«^ 1 AC "^^ ol O. 
m. Ja ^ mT 4, Bf. ^mOmr. Sit Die hmtma. Ummr .m smalar -nmä ihätr Seat ümm Emst^ 
dhidb A Hk Sür. :*in m. :o4. — Zndum. ^iiwrfi TTX 7. J'/ ük >' Sdtamgr Lj^ifec tfmy 
Ertfbpic Lläft. J» jmait»' ättäm Bin ick «iaisa: «so«e«l Jnpohf mtmir Fi ^HtL^ .M tnütr 
Skäe Wt% mU iah mieli hmibsreii «. Siu ^r. :>^. 

Bk tSrS yir. r4f^t JtHmt f. fu Snr. 11:1 \ :.'^MÖ Ä r. «S«rr-9 Ä :i:. 

ÜüMi ^m. Mmwkämm^uv: Sbr. E l. iucad fvbinraii. X iut mir v4. 4i. -im. Ixui^ ^£» 
ksH^ bMi. •">. mTOMBu *). vnd 'ja ihtil «rnaei «nc«» T. iixfi j wwwii ^f« 
1/ X n. X Wji: ißh ^^wi ]r dies leiiavdffiu gwiffhagfe otir dEn wi«. i ▼or. 1. b«|BKt sin 
Miün« itii». S a&B. "). üiTiifni» T. hsjd üsh n^ en&er aadlL £LL L BSirva auoft wek 
mf% U^i^^nk lattfi: X ich 4ieh 7«. 4l oredwüiL. ?. mit mmiL ozs wühl. •!.. ach mhn, 
7. Mw^ mu fcftüa kaa. /^ Ka «ia ib ich dir a^w^n^ nta cn«:hc ^nu&i scte aa beb; 
fhifU U«^ Mll mich oic rlw^u jA lieh vmi (fia ösh &^ . «DB»yx fiA sk iast jan^ utaa ti^ 
dn mytk frOadclieher lehacia; . aiarek ^ waa ich >& »c. T I. Lth c&d occ n» ha^citm . 
'^. ^^tsmidc JÄ. ^ da«, 4l häc aur «ifiL 5. Ich »hnmah aidL u ja aoOMa hnat. 4L jr 
miMmßifWfmm^ ^/ I. Ladum iaa trard ▼aa diär«. ± tS bttmil ^ Tn m a hih e^. Ä. ga>> 
i H f p » <1l^ ^MCC du r»$ya«a «jik 7. brwflm aehrrh. VII l — ^L Lrk vilt <a duia Mra gvicr 
|MI, d» üoie k^rfa 2«rey|E§i haa. 5im bühds dseh Goa f^ va^^siL x 
tö» d«Hr iliihafSda aiya. T. aiTa h««ru w>\bc on 



XIX. XX. 27 



[19.] Ein hibsch liedt. 

1. Ach Gott, wem sol ichs klagen [21»] 2. Ich hett auf inn gebawet 

das heimlich leiden mein? 10 als auf einen herten stein, 

mein lieb ist mier verjaget es hau mich sher gereuwet, 

in frembde landt dahin, die lieb ist worden klein, 

mein lieb ist mier verjaget, kan ich an im wol spueren: 

scheiden ist mir worden khundt, er ist vol arger list 

ach Gott, wem sol ichs klagen? 15 und hatt an mir geprochen, 

mein herz ist mir verwundt. daran kein zweifei ist. 

3. Daran solt ir gedenkhen, 
ir jungen junkfrauwelein fein, 
an aller falscher khnaben trew 
20 und die ist warlich nit klein, 

dan sie sindt falsch im herzen, 
sindt aller untreu vol, 
mit schimpfen und mit scherzen, 
wie man sie haben soll. 



H$r. 11. hatt fehlt. 19 u. 20 sehr verdorben^ nit in diesem Zusammenhange störend. 

56 Lieder = Qassenh. Nr. 17; 65 Lieder Nr. 54; Qassenh. u. Reutterl. Nr. 67; Fortter V 38; 
Seandeüus 1578 Nr. 17 — immer nur d. erste Str. 

Hm. 1574 Nr. 51; 1575 Nr. 66 andres Lied. Vgl. Antw. Lb. 15U Nr. 142 {Eoffmann, Horae 
Belg. XI 8. 213). 

Qörres 8. 85; Goedeke-Titim. S. 60 (nur d. ersU Str. nach ScandeUus)\ Böhme, Liederb. Nr. 208 
{andres Lied Nr. 242); Liederh. II S. 298 Nr. 478 {andres Lied II 8. 703 Nr. 918). 



[20.] Ein annder schon liedt. 

1. Gott geb ir heindt ein guette 2. Nechten da ich bey ir was, 

nacht ir angesicht stund voller rette, 
bey der ich ghem weer alleine, [21b] sie den knaben freundtlich an- 

ein traurigs wort sie zue mir sprach: sach: 

'mir zwey miessen uns scheiden, 11 'das dich der liebe Gott beware 

b scheiden ist nit weit, vor schimpf und vor scherz, 

Gott weiß die zeit, und scheiden bringt schmerz, 

widerkhummen bringt grosse freude.* das bin ich innen worden.' 



28 



XX. XXI. 



16 3. Das meicflen an der zinnen 

stundt, 
fieng cleglich an zu weinen: 
^gedenkh daran du schennes lieb, 
laß mich nit lenger allein«, 
kum wider baldt, 

20 mein aufenthaldt, 

leß mich auß schwerem trauren/ 



4. Der khnab wol über die beide 

reitt, 
er warf sein rösslein herumbe: 
^gedenkh darann du schonnes lieb, 
25 wend deine redt nit umbe; 
bescherdt unß Gott das glickh, 
wendt nimmer zu rickh, 
ade meins herzen ein khronne.' 



H$.i 3. er. 9. stund fehlt, 15. Meindlen. 18. allein. 21. leß »- lös. 
Fonter III {1552) Nr. 17: Sir, I 1. So wünsch ich jr ein. 2. ich war. 8. Kein traang. 
5. Ich scheyd mit leid. 7. bringt frenden. // 1. Da ich am jüngsten bey jr was. 2. jr 
mündlein was vol rote. 3. Sie sach mich aach gar freondlich an. 4 dz sie mirs got behüte. 
5. Jr schimpf jr schertz, 6. recht trawren bringt schmertz. /// 2. hab kleglich. 3. da 
junger knab. 4. nit lang alleine. 5. ker. 7. löß mich auß schweren peinen. IV 1. Der 
knab vber die heyden rit. 2. sein rößlein warff er rumme. 3. daran mein feines. 4. dein 
redt kcr du nicht vmbe. 5—7. Beschertes glück, get selten zrück, ade ich far mein Strassen. 

V, Der vns das liedlein newes sang, 
von newen hat gesungen, 
das hat gethan ein freyer knab, 
ist jm gar wol gelungen. 
Er singt vns das, 
darzn noch baß, 
hats meydlein vberkommen. 
a. 1574 Nr. 46, 1575 Nr. 41: Archiv f. n. Spr. 111 (1903) S, 25 u.8.w. 
Wunderhom I (1806) S. 110; Oörres 8. 103; Simrock 8. 251; C. F. Becker, Lieder u. Weim 
(1853) I 8. 5; R. v. Liliencron, Volkslied um 1530 (National-LiU. 13) S. 325 Nr. 114 u.e.w. 



[21.] Ein an 

[22»1 1. Einiger trost, 

mein freudt ensprost 
da du erlost 
mein herz auß sendtlichem schmer- 
zen: 
5 gedenk an mich 

alß ich an dich 
ganz ewiglich, 
trost mich in deinem herzen; 
darumb wil ich 
10 ganz ewiglich 

ein E verborgen dragen; 

ach du mein schöne frauw, 
gedenkh und schauw 
deß klaffers gefer 
15 daß er unß leide niht vermer! 



nder liedt. 

2. Ir stett und vest 
verfueg das pest, 
wo ich nit west 
das dir zu sinne und muette were; 
20 'heimlich und still' 

wer ganz mein will, 
setz mir ein zill 
und gib mir weiß und lere; 
ja freulein zardt 
25 von hocher artt, 

wir haben dar nach zurichten, 
leist mir dein treuu; 
und nicht vemeu 
mein ^endlich schmer^^ — 
30 o frau, mit mir treib doch khein 

scher^ml 



I 



XXI. 



M 



3, Mir halt der tott 
verfueget nott, 
das clag ich Gott, 
mein lieb hatt sich verschnitten j 
35 noch denkh an mich 

als ich an dich, 
erwellett dich, 
du khanst mir [22i>I leidt wol ver- 

treyben; 
all mein gemiett 
40 mir teglich wiedt 

mit dir in freuden zu leben^ 
ob es schon feldt 
an barem geUt — 
das hab ich nicht — 
45 mein herz hatt sich zue dir verpflicht. 



4. Ich hab kein rue 
wie ich im thue, 
ich sag dir zue; 
in deinem dienst woldt ich ster- 
ben; 
50 nun thue mir khundt 

auß herzen grundt 
zue aller stundt 
ob ich genadt mege werben; 
ich bin ellendt — 
55 WO ich mich wendt» 

so leidt mein herz gefangen, 
ich habs verlorn 
und hab dich ausserkhom 
für aller weit, 
60 mein herz hatt sich zue dir gestelt 



5. Ob nun dein mann 
dich niemandt gan^ 
was leydt mir daran? 
&au, laß mich das nit entgelden! 
65 ist dirs zue muelt, 

es dunkht mich guett, 
wir sein behuett, 
ich wil dich warlich nit melden; 
mein höchster hört, 
70 sprich J23»] nur ein wordt, 

wir haben darnach zurichten; 
ob mir geling, 
nach dir ich warlich ring 
in meinem gemiett, 
75 mein herz alzeit in freuden pliedt. 



£f#.: 2, ein eproat. 27. trenwe. 29* BchendUch achmerUen. 30, öcHertEen. 62* kbant. 

FL Bl. Yd ISO! [v, Magier) 8t i4 (öjfm» BlaU): l. Eynicher. 2. entaprost- 3. da. 
4. sendlichein- II. tragen, 14. gefeiTi 15. vns beyde nit vermer, 17, best 19. w&a dir 
xü Bitm md mut were. 29. mein sendliclieii schmertz. 30. scberU. 34, veracheiden. 
35. gadenck* 37. 6rw51et dich. 39. gem^t 40, w^t, 43. param. 44. des. 46* tw. 
47. thn. 4fl, wölt. 53, mng erwerben* 55, mich hiu wendt, 57. verloren« 58. außerkoreti, 
59, für alle weit. 60. g«selt 62. gan. 63. dran. 64 dae nit entgelten, 73. ich ring, 
74, in meim gem&t. 75. pl^t. 

Herseihe Drvck noch einmal Yd 7803 (tJ, N.) Sl 60. 

Yd 8917 Ein achone tagweyß/Mit | gantzem eilenden bertzen/Eln ander /Ej- | nicher troat/ 
mein fre&d enteprnat 3C. (BMehm. Am Schluß:) Gedrfiekt zu N^Lmberg | durch Jobat Gut- 




30 XXI. XXIL 

knecht (4 Bl. 8^ o. J, Ruch, des ersten u, des letzten Bl. leer,) Das erste der beiden Lieder 
s. Nr, 56 d. Es. 2. Eynicher trost , . , 5 Str. entspr. Yd 7801 «. Yd 7803. 

Weimar^ Samtnelb. 8t. 3 t Drey schöner lieder, Das | Erst, Ach hftlff mich leyd vnd sehn- | 
lieh klag. Das ander / Eyniger | troat, meyn fread entsprost. | Das dritt / Ein 6chßlein | geil / 
yersucht sein heil. (Büdchen. Am Schluß:) Gedruckt zö Nfbrnberg durch | Kunegand Hergotin. 
(4 Bl. 8^ 0. J. Rucks, des letzten Bl. leer.) 2 in 5 Str. Das erste Lied s. Hs. Nr. 99 unten. 

Bern, Z. 15 ursprünglich wie Yd 7801: daß er uns beide nit vermer d. i. vermare^ ins Oerede 
bringe; der spätere Schreiber, der das nicht verstand, machte daraus: leide nit vermer, wobei mit 
Veränderung eines einzelnen Buchstabens ein ähnlicher^ sonst ganz annehmbarer Smn hergeetdU isL 



[22.] Ein annder liedt. 

1. Der verloren dienst findt man lo 2. Ich weiß mir ein kraut, das 

vil; heist schawab, 

der ich mich underwunden hab, krengt mir das junge herz für war^ 

noch sich ich wol das sie mein nit es wer nit ein wunder es macht 

wil mich grauw, 

und ich mein hoffnung zue ir hab; wen ich mein hoffnung zue ir hab; 

6 sie nimbt mir hin sy nimbt mir hin 

herz muett und sin, 16 herz muett und sin, 
waß zeucht sie mich? waß zeucht si mich? 

das ich wol sich: sich, der bin ich 

dan sie mich alzeit verachten thuett. den sie alzeit verachten Ihuett. 

3. Gesegne dich Gott, du schonne magt, 
20 laß mich nit [23i>J also scheiden ab, 
du hast mir mein junges herz erfreit, 
wie wol ich nit mage abelon, 

ich khans nit under wegen Ion; 
mein junges herz 
25 leitt pein und schmerz, 
bleibt alzeudt dein, 
ich will kheiner andern dienner sein. 



Hs.i 26. mein. 

Forster III 1552 (Nr. 73): 1. Verlorner dienst der sind gar vil. 2. han. 3. So merck 
ich wol, das mein. 4. kans doch nit ynterwegen lan. 8 u. 9. dz mein nit wil, ja der bin 
ich, den man albsejt verachten thut. 10. Ich weyß ein. 11 — 13. krenckt mir mein junges 
hertz fürwar, Wer nit wunder das ich würd graw, dann ich all hoffnung zu dir hab. 
.14 — 18. Wiewol sies nit erkennen wil, mein traurigs hertz in grossen schmertz, es ist kein 
Bchertz, ich förcht es sei meins ends ein zil. 19. Gesegn . . . mein reynes weyb. 20. nit 
scheyden von deim leyb. 21 u. 22. Du krenckst mir das junge hertze mein, vnnd machst 
das ich muß traurig sein. 23 — 25. Mit deiner lieb bezwingst du mich, laß mich erscheyn, 
der gnaden dein. 27. keinr. 

Es. 1568 Nr. 41 u. s. w. Oörres S. 86 u. s. w. 



XXIll. XXIV. 



31 



[23.] Ein annder liedt. 



10 



1. Auß herzen grundt 
bin ich verwundt 
noch dir, mein P, 
dir ist khundt eh 
die schwere pein, 
das herze mein 
verstrickhet dieff; 
ach P, ich rieflf 
zu dir umb gnadt; 
mags haben statt, 
wendt sendlich schmerz, 
freundtlicheß herz, 
hilf mir zue dir mit freidt und scherz! 



2. Für all auf erdt 
15 mein herz dein begertt 

zue lieb und wun: 
glick mir das gun 
zum neuwen jar, 
wan du mich zhwar 
20 umb fangen hast 

das ich khein rast 
an dich mag hann, 
ach P, nimb an 
mein freundtUches pilt 
25 durch liebes sitt, 

ich hoff du thuets es abschlagen nit. 



[24*] 



30 



3. 



35 



Mein holdtselligs bildt, 
biß nit so wildt, 
erzeig doch dich 
ein kleins freundlich 
gegen mir mit lieb, 
mich nit betrieb, 
mein herzigs P, 
laß mich versthen 
deiner lieb ein grundt! 
zu disser stundt 
gegen dir nit spar, 
glaub mir für war, 
und lebt ich hundert tausent jar. 



16. 
27. 



Hs.: 4. ehe. 11. Bchmertzen. 25. durckliebiste sitt. 39. tausent fehit, 

Bern. Hs. 25 liebes sitt (tcie Liehesbrauch) zu lesen entspr. unten 25, 32, 

A, V. Aich Nr, 13: 3. meyn b. 7. yersencket tüff. 8. ach. b. ich raff. 15. dein gerdt. 

in lieb. 19. mich gar. 22. on dich. 23. b. njm, 25. durch liebes sitt. 26. thnsts. 

holdselgs. 33. b. 34. laiß mich verstee. 35. deinr. 37. gen. 39. hundert tausent. 



[24.] Ein annder liedt. 



1. E du mein schätz, 
dein süsser schwatz, 
dein liebliche schön und 

ist mir so khundt 
das ich in grundt 



nit hab erkhennt khein werder frucht; 
deshalben mein gmiedt 
höchste in freuden bliedt 

zucht als jetz der mey 

10 und ist mein geschrey: 

dein dein an endt zu eren dein. 



32 



XXIV. XXV. 



2. E du mein hordt, 
es darf nit wordt, 
du bist mein wonn auf diser erd; 
15 wa du nit bist, 

daselbst nit ist 
mein khurzweil in verlangen sthett. 
o glück, lauf mit 
das Unfall nit 
20 mein freudt zersterr — 

mein geschrei hinfur 
soll sein: dein dein zu ehren dein. 



[24b] 3. E du mein trost, 
sich an du hast 
25 mein ganz gewalt, daß wider gelt 
mit gleicher prob 
und behalt dein lob 
alß ich dir dein, du schöneß bildt, 
Schlags klaffers dickh 
30 alß ich zu ruckh, 

mich dreibt nit ab 
piß zue meinem grab 
sein neidt, und denkh: dein dein an 
endt zu ehren dein. 



Hs.i 6. vund khein. 7. grondt. 14. wann aaff erden. 17. Ues: kert. 21. liinfar 
mein geschrei. 

Dasselbe Lied in einer sonst selir ähnlichen Fassung, nur mit enbeitertem Kehrreim^ noch emmai 
unten i^. 47 d. Es. 

Hs. 1568 Nr. 65: 1. H Da. 3. dein weiblich schon, vnnd hohe zachtt 4. ist mir kmit. 
5. im. 6. nahe (= nie) hab erkantt. 7. derhalb mein gematt. 8. blaett 9 a. 10. mey, ist. 
11. ohn endt in erhenn dein. 12. H Da. 14. won aaff dieser erdt. 15. wo. 16. daselb. 
17. kertt 19. dein vnfall nitt. 20. zerstuir. 21. hin far als hier, mein geschrei soll sein. 
22. ohn endtt in erhnn dein. 23. Du mein trost. 25. widder giltt. 26 u. 27. prob, laß dein 
lob. 28. dir traw da. 29. schlag kleffers tack. 31. threib. 32 u. 33. biß in mein grab 
sein nitt vnnd grin, dein dein ohn endt in erhnn dein. 

Oassenh. u. Reuüerl Nr. 81 nur d. erste Str. 



[25.] Ein annder liedt. 



1. P höchste frucht, 
all mein Zuflucht 
zu dir ich hab 
und laß nit ab 

5 biß es sich glickht 

und also schickht 
daß ich mein tag 
verstreckhen mag 
mit dir allein; 

10 sunst anderß khein 

auf erden, ich mein, 
mit gir und gunst 
den preiß behelt 
für all disse weldt. 



15 2. P höüichs bildt, 

freundtlich und milt 
erzeig dich mir, 
mein höchste zier 
und Zuversicht — 

20 wan ich verpflicht 

mich genzlich ghar, 
für eigen war 
ergib ich mich, 
deß ich dir versprich, 

25 nit hindersich, 

schau 

meins herzen aufenthalt, 
dein trey nit spalt. 



XXV. XXVI. 



3S 



[2öt] 


3. P freundtliches wort, 


30 


ainiger hört, 




brich an mir nit, 




haldt liebeß sidt, 




mein herz und sin 




ich üben bin 


35 


zu diennen dir 



40 



mit stetter begir, 
• •• ••• ••• 

das glaub du mir ganz, 
der eren ein kränz, 
kheins andern schätz begeren 
dich^ ich auf erden 
dan dir zu werden. 



ir«.: 15. P. beflicht baldt. 26 unvoiUtändig, 33. dein. 37 fehlt, 41. dich. 



[26.] Ein annder liedt. 



1. E weiplich bildt, 
wie reich und mildt 
dein lob erhieltt 
ob allen das auf erden ist! 
5 zierlich gemacht, 

vast hoch geacht 
und wolbedacht, 
auch aller menschen Ursprung bist, 
von lob so reich 
10 das dir geleich 

sich nichts erfindt 
das weiblich pildt ganz über windt. 



2. E weiblich zucht, 
du edle frucht, 
15 laß dich nicht frembdeß iren, 
und ob einer khem 
der sich annemb 
mich gegen dir verwirren, 
laß nit umbsunst 
20 gegen dir mein gunst 

und liebe sein vergeben: 
ob ich bin schlecht, 
doch bin ich gerecht, 
ich beger mit dir zue leben. 



[25i>l 3. E mein höchste krön, 
26 nimbß freundlich an, 

du hast mich ganz für eigen 
biß zu meinem endt, 
thu in ellendt 
30 deim dienner trost erzeigen; 
laß klaffen sein, 
ich pin der dein, 
setz in mich dein vertrauwen, 
dein weiblich gemiedt 
35 in rechter giett 

stett vest auf mich soll bauwen. 



Es,: 3. er hieltt ^ erhilt, d. t. jetziges erhaüL 
Deutsche Text« des Mittelalters Y. 



28. ende. 29. tha fehlt. 



34 XXVII. XXVIII. 

[27.] Ein annder liedt. 

1. Ach W, nit brich 2. Ach W, du bist 

durch klaffers stich auf erdt ohn argelist 

dein trew an mir, mein trosterin, 

gedenkh vor, mein zier, 15 und nim^t hin 

5 wie du mich gerecht von mir dein huldi 

alzeit dein knecht ohn alle schuldt, 

treulich befinst so wirdt mein herz 

in deinem dienst — vor grossem schmerz 

sol nun untreu 20 in leidt groß verghon; 

10 mir werden neu, doch trost ich hann 

so wirt erst groß mein leidt von neuw. du werdest mich nit also verton. 

[26a] 3. Ach W, bedracht 

daß ich dich acht 
25 vor alle weldt, 

mir kein gefeltt 

dan du mein ein, 

und ist nit nein 

stett lieb und treuw, 
30 darumb denkh nit schew, 

dich halt hernocA, 

mich nit verschmach, 
das dir khein ander biet den schacA/ 



ffs.: 4. dein. 15. nimbst. 16. holde. 25. alle fefiU, 30—32. darumb denckh nit 
Bchwenckh, doch haltt hertt nit verschmach. 33. Schacht. 

Nr, 30: 1. Ach E. 3 u. 4. dein ehr, mir denckh vor dein zier. 5 a. 6. mich, alzeut. 11. leyt 
von neuw. 12. Ach E. 13. ohn list. 15. vnnd nimmes hin. 16. hnldt. 19. schmertzen. 20. in 
leyt groß vergan. 22. also verlann. 23. Ach E. 25. für weldt. 27. mein rein. 29—32. stett 
übe vnd tren, drumb denck nit schey dich, haltt treulich mich nit verschmach. 33. scliach. 

Forster, Außbundl {1652) Nr. 54: 1, Ach h. 4. denck. 5. grecht. 12. Ach B. 13. on 
list. 15. nimmest. 20. in leyd vergan. 22. da werst. 23. Ach B. 25. für alle weit 
26. gfelt. 27. mein rein. 30 — 33. drumb denck nit schew, dich halt hernach, mich nit ver- 
schmach, dz dir kein ander biet den schach. 

[28.] Ein annder liedt. 

1. Was al mein tag erlebt mein so ist es doch khein wunder nit 

herz, das mich dein lieb so hart anficht, 

ist alleß gegen dissem erst ein scherz du bist mir die liebst auf disser erden, 

so ich mich . . . mueß scheiden 10 darumb ich mich zu dir verpflieht 

von dir, herzallerliebste mein, und bin des all mein tag gericht 

5 on dich khan ich nit frolich sein zu dienen dir noch deinem gefallen: 

so ich dich herz lieb mueß meiden; du liebst mir ob in allen. 



XXVIIL 



36 



2. So bewar dich Gott, mein 
schönne kheisserin! 
15 ich fhar dahin, herz, muetL und sin 
bleibt dir zu letz gegeben, 
ich wuntsch dir taussent guetter 

nacht, 
du hast mein herz in deiner 

macht, 
darzue 126^^1 mein ellendls leben; 
20 du hast mich ganz mit deiner 

krafft 
durchschossen, herliglich behafift, 
mich ganz und gar besessen, 
darumb trag ich ein traurigs ge- 

muelth, 
ich bitt dich durch dein weiblich 

guett 

25 du wellest meiner nit vergessen; 

du hast mir mein hetz besessen. 



3. frau mein Irost, mein 
höchste freudtj 
erst wirdt mein lieb gewendt in 

leidt, 
bey dir khan ich nit mher blei- 

ben^ 
30 hoffnung ernert mein herz allein, 
ich hoff daß ich werdt bey dir 

sein 
mein zeit und weil vertreiben, 
die hoffnung hab ich auch zue 

dir 
das du dein lieb , , , an mier 
35 von mir nit welest wenden; 

was wolt dein lieb auch zeichen 

mich, 
die weil ich begher so herzlglicb 
mein leben bey dir zue enden: 
und will von dir nit ab wenden. 



^ji.: 11. bin des fehU. 26. mir ein. 5L werdt Bein bej dir* 34. lieb und treu? 

Fl. BL Berlin ¥d 9108 Ein gchönee newes lied, \ Jn dem thoo, Die Sunn iat verblichen. | 
Ein ander Hed, Mein M. ich hab | dich außarweh etce. Noch | ein ander lied, genandt | Waa 
aH mein tag 1 erliedt mem hertz. (Büdchen, Am Sciitnßi] Gedmckt zu NÜjnnberg | durch 
Jobat Gutknecbt. (4 BL 8^ o. J. Rucks, deä letzten BL leer.) 1. leb weyß kein zeyt yetz- 
undeou s. ßs. Nr. 145. An driiter Stelle i 

Sir, I 1 n. 2. Was an mein tag erbt mein bertz, ist als gegen diaetn ernat. 3, weyl ich 
mich BO gar. 5 n. 6. ich kan kein atundt nicht frAb^eh aein, aeind ich. 7. Aach iBt. nicht 
Ü. da biat die frei^ndlichat ob allen, 10. dmmb hab ich. IL vnd bin dea alle. 12. zu thuo 
nach allem deim wolgef allen. 13 feh^. 

Str, II (^= Ih. 3) 1—3. Fraw mein troat vnd hficbste freud, erst ist gewendt mein 
lieb inn leyd, das ich bey dir nit darff blayben. 5—9. ich hoff gar bald die atand zn 
sein, mein zeyt mit dir zn vertreyben, Ali mein hoffnung hab ich allein zu dir, drumb 
mich dein lieb so hart anficht, vnd bo hertzltch thut bekrencken. 10 u. 11. Wat wii 
dein gnad dann ^eychen mich, sich ich. 12. mein junges leben bey dir 2U vollenden. 
13 fehlt 

Sir. III (tsi Hs, 2) L Bewar dich Gott du mein KeyBerin. 3. «ey dir »u der letz gegeben. 
L dir vil tauaent. 5. baat mich gantz in. 1—9. Da haat mir mein herti mit Venua krafft, 
durchachloaBeu vnnd hertilicb bebafftf anch gantz« 10. TrÖBt wo du kanat mein trauriga 
gem^L IL dich fraw durch. 12. mein nimmer vergeaaen. 18 fehä. 

Ikr»elhe Druck dir$el&en drei Lieder (Nürnberg^ J. Guiknechi o. J.) befindet »ich oMteh m der 
RatischäiMiotltek tu Zwickau, SammelL XXX, V, 20 SL UL 

VgL fvocA i21 nme Lieder 1534 Nr. BOv Goedeke, Grundriß 11^ S, 30. 



36 



XXIX. 



[29.] Ein annder liedt. 



[27A] 1. Mit allem sin 

bin 

ich behafft, 

das schafft 
5 in mir der liebe bunt; 
was ich fuiv kher, 

schwer 

es alles ist, 

und brist 
10 mir rat zu disser wundt; 

damit 

ich bitt 

und schrey: 

verzeich, 
15 herz lieb, dein gunst, 

al khunst 

ist sunst 
an mir verloren, mein lieblichs L. 



2. Nimb hin mein herz, 
20 scherz 

mit im dreib, 
verschreib 
dich ewiglich zu mier; 
wan ich als dicht, 
25 rieht 

ganz mein feur, 
ich prin 
noch dir meins herzen gir; 
alzeit 
30 so leidt 

mirs an 
und khan 
sunst nichts denkhen; 
lenkhen, 
35 schenkhen 

muß mich zue dir, mein freundlichs L. 



3. Khem nur die zeit 
weit 

vorhin dan! 
40 Verlan 

das mih macht freuden ann; 
immer ich harr, 
spar 

all mein lust 
45 biß brüst 

zu brüst getruckhet werdt schon; 
des gleich 
mein ich 
dein dreu 
50 sei neu 
alzeit gen mir, 
verlier 
verster 
mich nit, mein herzigs L! 



Es,: 10. Sehreibung jeweifelhaß: rott oder r&t, uxu auf eins hinauskommt. 25. richett. 26. lies: 
mein sin. 33. denckhen, denckhen. 38. weit fehlt. 42—44. herr sparaU. 46. schone. 
52. verliere. 



XXIX--XXXI. 37 

Förster I {1552) Nr, 46: 5. der liebe band. 8. es als ist. 10. mir rat za diser wund. 
14. verzeyh. 18. verlorn. M. 25. rieht. 26. gantz mein sinn. 35. sencken. 86. ich 
zu dir. M. 38. weit. 39. ferr hindan. 41. das mich macht frenden an. 42. Immer ich 
harr. 46. gedruckt werd schon. 52 — 54. yerlir, verstir mich nit mein hertzigs M. 



[30.] Ein annder liedt. 

[27i>] Ach E nit brich, durch klaffers stich, dein ehr 

3 Str. = J^. 27, 9. oben. 



[31.] Ein annder liedt. 

[28a] 1. Freiich so will ich singen, 3. Sy furdt von golt ain hare, 

frolich auß meinem muett, zwey braune eiglein fein, 

ich hoff mir soll gelingen: sy schiessen lieblich dare 
ich weiß mir ein edel pluett, 20 wol durch das herze mein, 

5 ain zarts junkfreielein, der tugent ist sy voll, 

dem dient ich alzeit eben, mit tugent ists umfangen, 

ob sie mir möcht gewerden, in ehren khanns wol brangen, 

ir dienner wolt ich sein. ir lachen sthett ganz wol. 

2. Ich bin ir holdt für wäre 25 4. Sy hatt ein leib, ist linde, 

10 gewessen ain lange zeit, weis wie ein harmellein; 

für all diße weldt so gare [2Si>] solt ichs in eren finden, 

hatt sich mir mein herz derfreidt; vergangen wher mir mein pein; 

wan ich sie han gesechen, sy hatt ein rotten mundt, 

khein mensch lebt nit auf erden 30 mit tugent ist umbfangen, 

15 das mir möcht lieber werden: nach ir stett mein verlangen, 

die warheit muest ich jhehen. freudt mich zue aller stundt. 

5. Ja fircht ich nichts so sere 

als nur des klaffers wort: 
35 sy ligent hin und here — 

glaub nichts, mein höchster hört, 

du tugenthaffter mundt, 

dein genat laß umbher fiiessen 

das ich dich mag umbschliessen: 
40 du bist mein klare sun. 



H*.: 1. ich fehU. 33. nicht 

Oörre$ S. 16. 

Es. 1574 JNr. 4: Euphorion 8, 514 in 4 Str. Bkmia 1545 II 80 nur d. erste Str, 



38 



XXXI. XXXII. 



Berjfr. 1531 («. 5.) Nr. 6 {Neudr. 99/100 S. 15) m 6 Str. E$. d. Herzogin Ämaüa van Oeve: 
Zt9ckr. f, deutsche Phäol. 22^ 411 Ich hoff, mir solß gelingen in 6 den Bergr. enttpr. Str. 

Em ebemo beginnendes^ im toeUem Verlaufe jedoch davon abweichendes vnd oms verschieden- 
artigen Feteen kümmerlich zusammengestappeUes Lied findet sich im Eimeldruek {Yd 7853 St 39). 
Vier Schöne Newe Weltliche Lieder, Hamburg 1614, worin vom viertm^ aus 6 neftnjeeäigen 
Strophen bestehenden lAede Anfang und Schluß lauten: 

1. Fr6Uch 80 wil ich singen / haben ein freyen mnht / ich hoff es sol mir gelingen / mein 
Sach wird werden gndt / mir ist in meinen Sinn / von Gott gevallen ein / ein zartes Jangfrew- 
lein / ich hoff sie soll mir werden / sie sol mein eigen sein. 

6. Wer ist der yns dith Liedlein sang / frey wol gesungen hat / das hat gethan ein Schu- 
knecht gut / zu Hamburg in der Stadt / sein Hertz im Leibe lacht / der diß Liedt hat erdacht / 
zu EHiren hat ers gemacht / einem hübschen zarten Jungfrewlein / zu tausent guter Nacht. 



[32.] Ein annder liedt. 



1. Mit lust reidt ich, 
da freudt ich mich 
der Summer zeit; 
des angers weyt 

5 stett lustigklei^ bezi^et, 
es hatt die heit 
ir winder kleit 
gezogen ab, 
ir reiche hab 
10 hatt sich darein massieret; 

mein herz in hochen freuden sthett — 

ich sich der planien knöpfe, 

da bey da sthett daß [29*1 grienne 

graß, 
daran da hengen tropfen; 
15 mit klarem taub 

hatt sich die au 
leblichen überzogen, 
mit gillen weiß, mit rossen rott — 
mein sin sindt tott, 
20 ich setz das mein gemiett 

inß maien guett, 
der hatt mich nie betrogen. 

2. In paurs reyß 
fierdt hochen preiß, 

25 in meiens krafft 



sein meisterschafft 
durch das härte holz außtringen; 
secht BXi wie . . . 

o\ß ••• ••• ••• 

wie lustiglich sthett uns das veldt, 
die wissen und der anger, 
35 manch edle frucht bringt uns der mey, 
das veldt ist worden schwanger 

mit schöner zieht, 

manch edele frlcht 
khan uns der mey wol bringen, 
40 er bringt uns vil der pluemen färb, 
der sunnen khlar, 

geben lichten schein 

den vögelein 
die vor dem waldt hersingen. 

45 3. Ich han der weit 
um kleines gelt 
gediennet lang 
mit meinem gesang, 
er ist mir noch gheschlichen — 

50 

55 der mich mit freuden machet alt, 
der mey hatt [29i>] mich betrogen, 
mein har das ist mir worden grab, 
mein ruckh hat sich gebogen, 



XXXIU XKXllh 



39 



meine wangel sal 
eo sindt mir worden schmal, 

ich schiffe! auf der erden, [rodt, 
raeine äugen die semdt mir worden 



das klag ich Gott 

das ich nit schon 
65 gediennet hann 

Maria der vil werde- 



Hs^: 5. lu&tigkleit beseinet 10. massierdt 15. taub = tauw. 19, ain fehlt 23. In 
pautnea? 24—26. preiß des meiens krafft, eeia? 27. mueti tringen? 28—32 d. i. der ganze 
zweäe SioUen tjusgeiassmij mdem der Schreiber von dem Z* 28 vorau9smet£enden me su dem wie 
Z. SS abirrte. 34. 4ie feh/t 46. ein. 50 — 54 d. i. d^^ game zweite Stoiien auch der driiten 
Stroi^te weggefaikn, 

Gürres S, IM. 

[33.] Ein annder liedt. 

1* Dort ferne vor griennem walde 25 4 Der jager mit den hunden 
sach ich mir ein hirschlein stan, wen der allein nit wher: 



Lhett sich bedu«ken gar balde 
wo es sein narung möcht ha/i, 
ö es liefif schnell über ein pruckhen, 
ob es mocht im glickhen, 
ob es mecht finden sein speiß, 
sucht das hirschlein mit ganzem 

fleiß. 

2* Wasbegegnet imaufdemwege? 

10 ein fei klein, war woll gethonn, 
wol auf dem selbigen steige 
tratt es zue im hindan, 
thett im als baldt gefallen. 
Hebt [30»] im ob den andern allen: 

15 *Gott grieß dich felkhlein rein! 
wie stestu hie allein? 

3, Zardt felkhlein auß erkhoren, 
ich pitt, vergiß nit meini 
mein dienst hab ich dir geschworen, 
20 dein eigen der will ich sein, 
mit mir hast du zu schaffen, 
in nichten will ich dicli straffen, 
ich will dir diennen zue aller zeitt, 
mit diennst bin ich dir ganz wol- 

bereidt. 



schafft alls des klaffers munde, 
khein weg wher mir zue ver, 
zue dir da woltlh ich khummen, 
30 du zarte, du schöne, du frumme, 
ich wollt dir dienen nach allen dei- 
nen ehm, 
waß dein junges herz thuett begem, 

5. Ich bilt dich inniglichen, 
meins herzen ein stheüigkheit, 

[sot] du wellest dich seuberlichen 
36 bewaren zu aller zeit, 
dein zucht und dein ehre 
daß die dir nit werdt verseret: 
darauf sei ganz wolbedacht — 
40 allde zue thaussent guetter nacht!' 

6. Das meidlein stundt an der 

Zinnen 

und sach zum fenster aus, 
in rechter lieb und treuwen 
warf sie ein krenzlein rauß 
45 von feiel und von rossen, 
von feüel, vonn grienem khle: 
*söl ich dich feim lieh loasenf 
meinem Jiemen dem geschieht gros weh* 

fh,: 3. thett sich gar baldtbeduckhen. 4. haben. 17. erkborn, 31. ehren. 32. be- 
geren. 35, eenberlich, 47 u, 48 fehkni vgl. 1582 A fi4: aol — Heb meiden, meinem ^ wehe. 

A. 1574 Nr. 49, 1575 Nr. 58 ti. s. w. 

Bikres S. S2\ Döring, Bergr, 2, 199; Miäkr S. 507 Nr. e6ß\ Böhmej JMd. Liederb. Nr, 44S\ 
Lkd^k in S. 460 Nr. 1652. 



40 



XXXIV. XXXV. 



[34.] Ein annder liedt. 



1. Feuflr über feuerl 

mir brenndt das herz im leib 
noch dir, herzallerliebster mein, 
das selbe du mir gl^ub, 
5 ich red es dir für wäre 
das du mir die liebste bist, 
lieb haben will ich dich gherne, 
aber nemmen khan ich dich nit. 

2. ^Wie khann ich dir das glauben, 
10 herz aller [31^] liebster mein, 

daß du mich lieb wolst haben, 
wilt mich eim andern lan? 

darbey khan ich erkhenneii 
das alB erlogen sich, 
15 du gibst mir vil der guetten wordt 
zumol im falschen schein/ 

3. Ach herz aller liebstes meidelein, 
laß ab von besem wan, 

du solt mir das gelauben 
20 das ich khein lieber hann: 

die weyl mein sach dann also 

sthett 
das ich dich nit nemmen khann, 
so rhatt ich dir in treuwen 
du wellest kheinen verschlan. 



25 4. 'Ach falsch und ungetreuwe 
magstu, herz lieb, wol sein, 
eß sol dich nit gereuwen, 
hab Urlaub, far dahin; 
ich hett mich deß vermessen 

30 du solst mir der liebster sein, 
den tag will ich erleben, 
du muest der viertte sein.' 

5. Ach herz aller liebstes meidelein, 
die klaffer L3ii>] han mich verfierdt 

35 mit iren falschen worden 
alß ich sy hab gehordt; 

noch will ichs michs nit irren lan, 
verzeuch mir noch ein jare, 
so weiß ich khein auf erden 

40 die ich für dich woU han. 

6. 'Ey gesell, du khannst wol 

schiessen 
und duckhen under dem huett, 
und khans^ wol federlessen 
und meinst eß nimer guett, 
45 und ringlein khanstus giessen 
und seiden reden war: 
ich mein, wer dichs liesse, 
du dribests noch ain jarr.' 



Es.: 1. Fear yber fear. 4. das selb das glaub dn mir. 5. ich red es dir /e&A, vgl. 1582 
A 70: ich rede es dir in der warheit 14. sich = sig, si. 16. falsch. 24. verschlagen. 28. f ar- 
hin hab yrlaab. 40. die ich fehlt, wol. 48. ynnd federlessen khansta wol. 44. mir. 

Bern, 32: du bist überzählig^ du mußt hintenan $tehn. Wie 3 den Kreis der Vollendung, den recht 
eigentlichen Abichluß darsidlty so 4 als darüber hinausgehend bisweilen in älterer Sprache das Überschüssige. 

Es. 1574 Nr. 29, 1575 Nr. 62 u. s. w. 



[35.] Ein annder liedt. 



1. herziges N, 
wie hoch mich das 

erfreiet in meinem herzen: 
dein treuwe lieb 
die ich stetts brieff 

in deinem lieblichen scherzen, 



die du gen mir, 
meins herzen gir, 

freundtlichen thuest erzeigen, 
10 darumb will ich 

ganz ewiglich 

von herben sein dein eigen. 



XXXV. XXXVL 



41 



2* herziges N, 
du weist wol was 
15 mein [32»] herz nach dir thuelt 

trac/i^en, 
daß alle freudt 
mir ganz erleit 
und thuetl sunst nicht niher achten 
dan dir zne dien« 
20 mit herz und sin: 

das solstu, mein schätz, wol glauben 
das ich mir dich 
vor alles reich 
der ganzen weit wil haben. 



36 3. herzigs N, 

ich bitt vermeß 
mein groß schmerzliches leiden 
das ich wurdt han 
wen ich solt st an 
30 von dir und dich muest mei- 
den : 
das wher ein nott 
daß mir der dott 
vil pesser wher dan leben; 
dasselb bedenkh, 
Sd von mir nii wenkh, 

die sach ich dir hab ergeben. 



Eil 7. tha. S fßhii, 9. freundtlich. 10, ich wilL 12. von heraen fehii. 15. tragen- 
19. dienen. 22. dicb fehU, 23. recht 24. wil hahm ergeben, SO. vor. 

Förster I U^rt2) Nr. i27: 1. hertzigß S. 2. des. 3. erfrewt. 5. dick brieff. 6, in deim- 
7» du. 8. meine hertien gir. 9. freundlichen. 10. darumb will ich. 12. von heiizen aein 
dein eygen. 13, hert^igs 5, 14. wee, 15. trachten. 17. erleid, 18. vnd tbu snnet 
nichta- 19, denn dir zn dien. 21. das Bolet mein schätz glauben. 22 — 24. das ich mich 
dich, vor anea reich, der gantzen weit wil haben. 25. S. 26. crmeß. 30. von dir. 36. der 
sich dir hat ergehen* 



[36*] Ein annder liedt, 

1. Ich weiß mir ein meidlein gar 4. Harnisch und pferdt auch nit 

hübsch und fein^ allein, 

bey im woll ich ghern schlaffen, darzuc auch stiffel und sporen: 

es wonet nit f lier von genem Rein, i6 das meidlein ist gar hibsch und 



zue fosse so wolte ich darlaufen. 



schönn. 



132^1 2. Acli Gott und wher der Rein 

so klein 
6 das ich innen meht erschwimmen, 
und wan ich an das meidlein ^edenftA» 
so mueß mein roslein springen^ ia 

springen. 



daß hab ich auß erkhoren. 



5. Gebunden hast du mir mein 

herz, 
desgleichen auch hendt und fueße: 
o gtickh, lauf mit und säum dich 

nit, 

20 thue sie mir herzlich griessen! 
3. Darumb so geb ich hämisch 

und pferdt, [33^] 6. Ich wil auch dir ganz mit 

10 darzue ein ungerischen gülden, begir 

das ich mit dem meldlein mecht lieb, gunst und ehr erzeigen, 

reden genueg auf meinen aidt ohn underscheidi 

nach meines herzen willen* gibe ich mich dir zu aigen. 




42 XXXVI. XXXVII. 

25 7. Liebs meidlein gluckh, ist es 8. Am letzen und da ich bei ir 

so laß es mich erfaren: [dein fueg, war, 

dich duckh und schmuckh, das 30 da bott sie mir zu drinkhen 

bett ist khurz — auß einem vergultten becherlein, 

der liebe Gott der wöl dich bewaren. thett freundtlich mich an winkhen. 



Hb.: 7. gedenckhe. 18. faeß. 

Bern, Z, 19, 21, 23, 25 Binnenreime, Z, 25 gluckh wohl = A%. Z, 27 die beiden 
Hälften ufohl umzustellen, wodurch man bessern Reim zu Z, 25 erzielt. 
Oörres S, 34; ühland Nr, 152-, Mittler S, 861 Nr. 1401. 



[37.] Ein annder liedt. 

1. Das ist die aller holdtseligst auf l33i>] 2. Nun woldt ich gliern wissen 

die ich jhe gesehen hann, [erden lo wer mir sie sehenden khundt — 
hübsch ist ir zucht, weiß und ghe- wer dan auß neit geflissen — 

perden — ob er et t was unrecht an ir fundt; 

die warheit ich reden kann: hübsch ist ir zucht, weiß und 

5 man findt nit ires gleichen geperden, 

in disser ganzen weit, ist alles an irer gestalt, 

im heiligen römischen reyche 15 anderß darf niemandts reden, 
mir keine nit pas gefeit. er thuett uns beiden gewalt. 

3. Sy hatt zwey prauner eiglein klare, 
darzue ein rotten mundt, 
der hatt mein junges herz umbfangen 
20 jetz und zue aller stundt: 

mein leib und auch mein leben 
stett ganz in irem gewalt, 
mein treu hab ich ir geben, 
sie ist meins herzens ein aufifendthaldt. 

Hs.: 2. geschehen. 3. ghepreden. 4. sol. 5. mant. 11. werdt. 24. ist feldt. 

Ochsenkhun, Tabulaturbuch 1558 Bl. LXXIIII<^ : / 1. Die aUer. 2. die ich noch nie gesach. 
S. Mit jhrer zacht vnd berden. 4. ich doch sag. 5. Es lebt nit jhrs geleiche. 6. in aller 
diser weit. 7. im gantzen Bömschen Reiche. 8. keine baß. // (= Hs. 3): 1 u. 2. eaglein, 
darzu. 3. Mein hertz hat sie gefangen. 4. gfangen zu. 6. steht als in jrem gwalt. 8. sie 
ist mein auffenthalt. /// (= Hs. 2): 1. So wolt ich gern wissen. 2. wer sie mir tadlen 
künd. 3. Wer schon mit. 4. ob man an jhr was fünd. 5 fehlt. 6. In aller jrer gstalt. 
7. mit der warheit kans. 8. er thue jr dann gewalt. 

Mone, Anzeiger 7, 239, Mittler S. 514 Nr. 677 (nach Mone) die Fassung d. Heidelb. Hs. Hier 
■das Lied noch einmal unten Nr. 162 Str. 5 — 8. Hs. 1575 Nr. 7 dieser zweiten Fassung entspr. 
4n 4 Str. 



XXXVII -XXXIX* 



43 



Zur Bezeichnung der Weist t, B, in Zehen Schöner Lieder, Das erste: E9 hett ein Meld- 
lein ein Reutter hold . . . Das vierJtr Ich Uab mir ein Edcla lieb aaßerw^^lt. Im Thon; Die 
all er haldeeilg auff erden . . . Augfporg, Mich. Manger 0. /. (Yd 7SöO SL 2.) 



[38.] Ein ander liedt 
3 



1, Wie wol ich Jetzt ganz ellendt 

pin, 
so für ich doch ein sielten sin, 
Hoffnung Ihuett mich erneren; 
was mir von Gotl bescheret ist, 
ö khan mir khein klaffer nit whe- 

ren, 

[34a] 2. Vyl falscher zungen neyden 

mich, 
das wirdt sie alles helfen nit, 
Golt ist Yon aller gieüe, 
dem ich mich ganz zu eigen gib, 
10 wirt mich allzeit behuetten. 



Wie wol mein herz bedrubt 
ist sher, 
der lieb Golt well eÖ zum besten 

khem, 
ich fhar dahin mit schmerzen, 
ich sich das ichs nit wenden khan, 
15 Gott Irost all betruebte herzen. 

4 'Verstu dahin und lest mich hie» 
waß tastu mir zue der letze da 
das ich mich leides mug trösten?^ 
alle lieb, treu und steltigkeit 
20 laß ich dir, feins meidlein, zu der 

letze da. 



Ä.; 12. kheren. 14. ich fehä. 
Ht, t5€S Nr. mi «1. #. w. 

1582 A. 27: Str* I 1 u, 2. Daa ich bo arm und elend bin, noch trag ich einen. // 1 n. 2, 
hassen mich^ es wird aie atseit helfen nicht St von grosser. 4 u. 5. dem ich mein sach he* 
fohlen hah, der wird uns wol hehüten. 

///. Und weren der kleffer noch »o viel^ 
so geschieht doch was Gott haben wil, 
Gott ist mein trost auf erdetj, 
so schwer ich doch bei meinem eyd, 
keine liebre sol mir werden. 
IV lu, S. Drumb ist mein hertz betrübet sehr, Gott wöl all ding xum besten kehrn. 
4. ich sehe. V 1—0. bir, was lestu denn znr letzte mir, damit ich mich mag ttösten? 
4 u. 5. die rechte lieb und Stetigkeit, las ich dir feins lieb zur letzte. 



[39.] Ein annder liedt 



L Recht gluckh von herzen [34b] 
winsch ich dir 
zu deinem hinfaren, 
mein junges herz das ferdt mit dir, 
halt dicii ganz ausserkhoren, 
6 dein widerkhumraen bringt freuden 

mir, 
an dir ist nichts verloren. 



2, Recht gunst von herzen bet- 
test u bey mir 
wen du mirs thetz erkhennen^ 
mein jungeß herz freitt sich in 

mir 
10 wan ich dich nur hör nennen, 
khein hoffart oder hochan muett 
thuett man an dir erkhennen. 



44 



XXXIX. XL. 



3. Recht gehorsam von herzen 
ßnstu mich, 
herz lieb, zu allen stunden, 
15 wan ich, herz lieb, dich nur an 

sieb, 
ist mir mein leidt verschwunden 
die weil ich selber sihe das khein 
untreu an dir wirdt erfunden. 



4. Recht gunstig von herzen will 
ich dir, herz lieb, 
20 das liedt also beschliessen 

mit bitt dich herzigs herzigeß lieb 
du wellest haben, ja haben khein 

verdriessen — 
damit zu guetter nacht 
und hundert thaussent griessenl 



Bi,: 6. an d; d mit Abkurzungshogen^ welcher gewöhnlich -er am Ende bezeichnet'^ tm dieier 
Stelle jedoch unMweifelhaft dir gemeint. Vgl Nr. 49 Schluß, 15. lieb an sihe. 



[40.] Ein annder liedt. 



1. Herzlich thuett mich erfreuen 
die frolich [35^] summer zeit, 

al mein gepliet verneuwen, 
der mey vil woUust geit, 
5 die lerche thuett sich erschwin- 
gen 
mit irem hellen schall, 
lieblich die vogelein singen, 
vor auß die nachtigal. 

2. Der guckguckh mit seinen 
10 macht frolich jederraan, [schreien 

deß abentz frolich reyen 
die meidlein wolgethon, 

spacieren zue dem prunnen 
pflegt man zue disser zeit, 
15 alle weit sucht freudt und wune 
mit reissen fern und weit, 

3. Es gruenen jetz in den weläen 
die bcwmlein . . . frey, 

die rossen uff dem felde 
20 von färben mancherley, 

ein bluemlein sthett im garten, 
das heist vergiß nit mein, 
daß edel kraut wegwarden 
noch guettem äugen schein. 



25 4. Hoch doben ein kraut wechst 

in der auwc 
mit namen [35^] wolgemuett, 
liebet sher denn schönnen frauwen, 
darzue holunnderbluett, 
darzue die rotten und weissen 
30 helt man in grosser acht, [rossen 
groß gelt darauß wir gelesset, 
schone krenz man daraus macht. 

5. Wan daß kraut ie lenger ie lieber 
an manchem ende bluett, 

35 bringt offt ein heimlich fieber 
wer sich darvor nit hiett, 

ich habe es offt vernumen 
waß diß kraut vermag, 
doch kan man darvor kommen 

40 wer was liebs braucht al tag. 

6. Deß morgens in dem thaue 
die meidlein grassen ghön, 
lieblich sich anschauwen 

die schönnen bluemlen sthon, 
45 darauß sie krenzlein machen 
und schenkhen es irem schätz, 
thun sy freundtlich anlachen, 
und geben im ein schmatz. 



XL, XLK 



45 



1* Nuen darumb lobe ich noch den soniiner, 
[36»1 darzue den meyen ^uell, 
51 der wendt uns allen khumraer 
und bringt vil frei dt und muettf 

der zeit will ich geniessen 
die weil ichs leben hab, 
65 und wenn das thuett verdriessen, 
der fall die stiegen hinab! 



ffs.: 1. B.9Tt3i lieb gebeaert in B.Qttzlich. 16. und weit fM/if. 17. weltten. 18. dia blnem- 
lein fein. 20. vem« 22. melunit. 41. Von morgen ac^ deß morgenne. 52^ emdrdt. 

iSS2 A 20: 2, fröliche. 5* lerch, 8. darzn fraw nachtigaL 9* seinem, 14, in dieser zeit, 
15 u. 16. all weit aucht fread wonne^ mit reiien fem und brett {1582 B 72 fem viid weit). 
17 u. 18, E» ^ünet In den weiden, die bawme blühen frey, 19, röÜlein. 20. von färben, 
23. edle. 24, mftcbt guten angenschein. 25, Ein kraut, 28. darsu die holderblüL 29. die 
weißen und roten rosen, Sl n. 32. man kan geld draus lösen, scböne krent^siein draus ge- 
macht. 33, Das kraut. 36. wer eich nit darfür hüt, 37. Ich habs gar wol Ternommeii^ 
39 u, 40. dem fürkommen, measig lieb alle tag. 41. Des morgens. 43. gar lieblieh aie. 44. die 
schön e blümleio schon. 45. davon aie. 46. Bchenckon sie. 47. den sie ao. 49. Daramb 
lob. 50. darzu die mejen zeit gut. 5L die wendet una. 52. und mut. 54. ieb pfenning 
hab. 55. und den ea, 56. falle. 

Mmiandus^ Neuwe außerletene Tetitscfte Qe§äng iS15 Nr. 4 WoJaufF gut Giell von binnen 
(vgl Hb. Nr, 197) Str. II: Ein kraut wechst in der Auen, mit namen Wolgemut . . . Sir, Uli 
Das kraut je lengr je lieber, an manchem ende blül . . , 

Meiiandtte i57ä Nr. 3 HerzUch thut mich erfreuwen die fröHch Sommerzeit , , . J Sir, ^ 
E». Str, 1—3. 

FL BL Berlin Yd 9091, 9695, Fe UM. 

Ba$d, Sar. 15 i St 44 Vier Hüpsehe | nüwe Lieder» Das erst, | Hertzlich thüt mich er- 
freuwen, I die frölieh Summer zyt, ac. Daa an- 1 der, Vngnad begär ich nit von jr, ic | . . , | | 
{Bildchen) . . . | | {Am Schiuß:} Getruckt zft Bemn, by | Samuel Apiario, | 1563. (4 BL S^) 1 in 
7 Sir. 2 -= Ha. Nr. G5, 

mrich, öaL KK 1553 Si. 52 Fünff schöne newo Lieder, Nürnberg, Lantzenberger 1610. 
1, Hertzlich thut mich eriVewen 7 Sfr. 2 = Ht. AV. 17 u. 193; 4 = Ha. Nr. 20, 

Ha. l5ßS Nr, 10 u.i.w. 

Öbrru S, 35 \ Miiiicr S. 507 Nr, 607 u, i, lo. 



[4h] Ein annder liedt. 



L Ach Gott, wie mueß ichs 
schickhen, 
wie mueß ichs greifen an? 
mein glickh ist mir entwichen, 
es wil kein furgangk hann; 

so das khumbtauß falschem herzen, 
auß lauter ubermuett, 
so thue ichs Gott bevelchen, 
ich hoff mein sach werdt werden guet. 



2. So mueß es mich gereuen 
10 das ich dir hab vertraut 

mein herz in ehren und in treu- 

wen, 
hab festlich auf dich baut: 

du werst mein herzen ein kröne, 
das zimmet sich also wol; 
15 an dir da thue ich spiren: 

dein falsches herz ist untreu voL 




46 



XLI. XLIL 



3. Nun was thuett dich dan helfen 
dein beser [36^] wankhler syn 
das du mich hast betrogen 
30 und geben feischlichen hin 

den klaffer an sein zungen? 
ist warlich an mein schuldt! 
so thue ichs Gott bevelchen, 
ich wils leiden als mit gedult. 



[42.] Ein annder liedt. 



1. Vil gluckh und heil 
ist niemant feil 

und lest sich nit betriegen, 

wem es vergundt, 
5 dem ist vonn stundt 

gar schnell und baldt zu fliegen^ 

und gibt im wol 

vil reichen zol 

das er sich mag 
10 bey nacht und tag 

unfals erweren, zehren: 

glick so reich, 
thun von mir nit kheren! 

2. Weich von mir ab 
15 mit schnellem drab, 

du gewaltigs unnfals reiten: 
seindt du mich hast 
mit schmerzen lost 
geengstige^ auf allen selten; 
20 das ist schier genueg — 

ich kauf dir schuch 
darin du baldt 
mit eilendts gewalt 
wandern magst von hinnen, 
35 dan ich ganz ho/f 

ein anders Zugewinnen. 



[37«] 3. Wiltdu die ban 

zue fueß nit gon, 
ich leich dir roß und wagen; 
30 wer ich dein queit 

vil guetter zeit, 
ich wils noch wol erjagen; 
schedlicher gast, 
du blagest mich fast 
35 mit deinem joch — 

was wildu noch 
ruemenß an mir er hetzen? 

o glickh so reich, 
thue mich unfalß ergetzen! 

40 4. Weistu nit wo 

du magst haben nie, 
ich wil dir ein wirdt bevelchen: 
im wilden waldt 
behausen solt, 

45 da findestu vil deiner gesellen; 
sie thund dir andt, 
seindt dir wol bekhandt; 
ein harter balk 
khan dich, du schalkh, 

50 baß dan ich ertragen: 
o glickh so reich, 
khum ehe ich thue verzagen! 



H9,: 6. fliehenD. 11. sehen. 12. o fekä. 14. Weich ab von mir. 19. geengstigest. 
25. hoffe. 50. tragen. 

Dautlbe Lied noch emmai Nr. 59 d. Hs.z 1. Viel. 2. niemanta. 3. sich niemants. 6. fliegen. 
11 n. 12. des vnfals erwheren, o gluck. 13. tha dich niht ron mir kheren. 15. trab. 16. ge- 



XLI[. XLIIU 



47 



walttigeB. IT« eeidt IS^ mit eehwerem last 19; geen^^tiget. 20. schon gung. 23. mit 
eillendta gewaltt 25. wen ieli. hoff. 27. Wiltu du, 28. zu fuß nil gan. 34. plagest, 
36. wiltu- 37, ruiüs an mir ergetjcen. 40 n. 41. wu^ magst haben rhne* 42, wirtt bestellen. 
44, behaussen, 46. thundt, 48. Ir hartter balckh. 50. ertragen, 52. thu. 

Bergr. 1574 II ßt 2. niemandts. 5. istB, 11. des vnfals ©rwereu* 12. o Glfjck. 13, thü 
nicht ¥on mir abkeren. 16. gewaltiges, 18. mit Bchweretn last 19. geenstiget. 20. sehon 
geaug, 23. mit eylens gewalt. 24. wandeln. 25. wann, 27, die han, 30. dann 
qneit. 34. plagst, 37, rhumß. 40 n. 41, w« magst, 42. bestellen, 48. jr harter balck. 
49 n. 50. Schal ck, baB. ertragen. 52. ehe dann ich. 

Vgl Niiderd. Litderh. Nr, 2fl: Jahrb. f. niederd. Sprach fonchung 26 {1900) S. Iß. Oome S. 15, 

Wdmar^ Sammdk 14, ß: fiO* Sl 2i Schöner außer | lesen er Heder. X. \ 1 VII glück vnd 
heyl, \ 2. Ach vnfals neydt. 1 3, Ich rew vnd klag. | 4, Ach werde fruclit | 5. Ach weyblich 
art, I 6, Wol kumpt der Mey. | 7, Man siclit noch wol, [ 8. Mich zwingt dar^u, | 9. Ein Thumier 
sich er* | haben hat, ) 10. So wÄnsch jch jr ein | g&te nacht. (Am Schluß:) Gedruckt zu Nürn- 
berg durch I Kunegund H ergo t in, {S Bl, >t^ o. J. Rucks, des ersten u. das kUte BL ker^ L Viel 
glück ... 4 £wöifjs, Sir, 2. Ach vnfals neydt . , . S sw'ötfz. Str. 3. Ich rew vnd klag , , . 
df z}tolfz. Sir. = H$, Nr, 152, 4, Ach werde frucht ... 5 zy^olfz, Str. 5. Ach weiblich art . . . 
3 zitantigz. 8tr. 6, Wol kumpt der May , , , <? acAf^. Sir, = Hs. Nr, WO, 7. Man Bicht ... 
Ü fünfz, Sir. ^ H$. Nr. 5i v. IflO. 8. Mich zwingt darzu . . , J achtz. Sir. 9. Ein thurnier . , , 
7 zwöifz. Sir. 10. So wiinsch ich jr ein gute nacht^ zu hnndert taueent stunden , , ,. 3 ^ehitM^ 
Sir. = m. Nr. !S3. Vgl, Goedeke m S, SO. 

Dksdhen zehn Lieder in derseiifen Reihenf'Jge ^iehn in dem Einzeldruck des Britiichm Museums 
tu Londons SammelL liöläa 48 Si. 12 1 Schöner auß- | erleßoer Lieder | Zehen. | 1, Vil glück 
vmi heyl | . . . | . . .7 | . • * | 10. So wünsch ich jr ein | gute nacht. {Am Scfduß:) Gedruckt zu 
Nurmberg | durch ValcntJu [ Neuher, [S BL S^ o. J. Rückt, des eritcn u. rfes ieitien BL ker^ 
Vorders, des kisien BL enift. nur den Dntckvermerk.) 



[43*] Ein annder liedt. 




1. Ach meidtlein rern> 

ich hab allein 
eigen mich dir ergeben; 

darumb ich will 
5 in gheim urid still 

dir zue gefallen leben; 

baß frey daniff 

das dir der khauGT 

nit reuwen soll; 
10 ie doch wie wol 

ich jetziindt scheidt 

mit schmerzen und leidt, 

so hoff ich doch 

es werdt mein noch 

vergessen nit: 
erbarm dich mein, das bitt ich dich. 



I37b] 



2. Mein herz das ist 
one argelist 

mit schmerzen gar urab geben» 
20 wan ich dein bin 

und sletts mein sin 

noch deinem willen streben; 
ich weiß kein zeit, 
mir ist zuc weit 
ein drit von dir, 
herz lieb, glaube mir: 
khein solchem schmera 
vcrschuldt mein herz 
durch liebes fall, 
liebfit mir für all 
und picibe der dein: 

ich wÜ und muß dein eigen seifu 



25 



30 



48 



XLIIL XLIV. 



3. Ganz kreffUglich 
befilch ich mich, 
35 reins meidlein, in dein gnaden, 
ich hoffe auch frey 
das ich der sey 
dem hinfaren pringt khein schaden; 
gedenkh an mich 



40 



alß ich an dich, 



halt fest und sthett 
wo einer dich heü 
umb liebe dein, 
biß wandeis rein, 
45 denk an meine treuu; 

on aüe reuw, 
verlaß mich nicAt, 
halte mir deine versprochne pflicht. 



H$,: 5. in gegen Still. 16. lie$: das ich dich bitt. 21. mein sin hier Flured, 27. solcher 
flchmertzen. 30. liebet 32 fehlt 42. bette. 43 — 15. ymb deine liebe denckch biß 
wandeis rein den an meine treuwe. 46 fehlL 47. nit 

Förster I (1552) Nr, 62: 5. in gheim ynd stil. 7. paß frey daranff. 8. das dich. 16. ds 
ist mein bitt. 18. on argen list 21. ynd setz. 25. trit 28. yersncht. 30. liebst. 82. ich 
wil ynd muß dein eigen sein. 35. feinß meidlein. 38. dein hinefart bringt. 42. wo einr 
dich bet. 43. nmb dliebe dein. 45 u. 46. denck an mein trew on alle rew. 48. halt mir 
deine yersprochene pflicht. 

Vgl. 1582 A 175, B 128; 121 Lieder 1534 Nr, 102 (nur d, ersU Str.); Bicinia 1545 II Nr. lOl 
{nur d. erste Str.)\ ütentlial, Lieder 1576 Nr, 5, vgl Qoedeke 11^ S. 51. 

Fl, Bl, Yd 7831 (Einband v, J, 1566) St. 63 Drey schöne newe lieder (o. 0, u. /.) 3. Ach 
Meydlein reyn. (Darin auch Nir, 168.) — Yd 7850 St, 18 Drey sch6ne newe Tantzlieder 
(o. 0, u, J.) 3. Ach Mädlein rein. — Fe 71 Fftnff Schöner newer Lieder, Nürnberg, 
Valentin Newber (o. J,), 3. Ach Meydtlein reyn. (Darin auch Nr, 82 u, 103.) — Je 3 der 
Ms, entspr. Str. 

Basel, Sar. 151 St. 56 Drey schöne Lieder, Das | Erst, Vor zeiten ward ich lieb ynd | werd. 
Das ander Groß lieb hat mich | ymbfangen. Das Dritt, Ach | Meydlein rein / ich hab | allein. 
{Bildchen. Am Schluß:) Gedruckt zn Straßburg am | Kommarckt bey | Chri- | stian Müller. 
(4 Bl. 8^ 0. J. Rucks, des ersten u. des leteten Bl. leer.) Ach Meydlein ... 3 Str, Da» ersU 
Lied dieses Einzeldrucks s, Nr. 53 d. Es, 

London 11522 df 31 Drey schöne neu- | we Lieder: Das erst, Mir ist | ein feins branns 
M&getlein 2c. | Das ander: Auff gnad so will ichs | heben an. Das dritt: Ach | M&ydlein 
reyn 2c. (Bildchen. Am Schluß:) Gedruckt zu Augfpurg, | durch Mattheum | Francken. 
(4 Bl. 8^ 0. J. Rucks, des letzten Bl. leer.) Ach Mäydlein . . . 3 Str. Das erste Lied dieses 
Einzeldrucks s. Nr. 168 d, Hs. Vgl. Berlin Yd 7831 St. 63. 

Hb. d. Herren v. Eelmstaif 1569/75 Nr. 23 in 3 entspr. Str. 



[44.] Ein ander liedt. 



1. Wolt Gott daß ich solt singen 
mit lust ein neuwes liedt: 
mir ligt in meinem sinne 
die mir im herzen liebt, 
b sie liebt [38»] mir sher in ehren, 
sher hoch über alles guett, 
ir treu thue ich begeren: 
thuett sie mich des geweren, 
so wher ich ganz wolgemuett. 



10 2. Ich glaub daß auf disser erden 
khein schwerere pein mag sein, 
geradt wo zwey herzen lieben 
die fher von einander sein; 
also ist jetz geschehen, 

15 herz lieb, in mir und dir: 
mag ich mit warheit jehen: 
ob ich dich schon selten shee, 
so wunß ich mich ofift zue dir. 



XLIV, XLV. 



49 



3. Drag^ gedult alleine, 

20 herzallerliebste mein, 
in dreuwen ich dirs meine, 
dein aigen will ich sein, 
und ob ich doch nicht habe 
ein statte wonung bey dir: 

25 mag ich mit warheit sagen: 
wan ich gedenkh all tage, 
Gott /tier uns zusamen schier! 



4. Der zeit schuldt thue ichs geben 
unser beidr groß [38i>] ellendt, 

30 der lieb Gott soll dein pflegen 
der alle ding zum besten wendt, 
also sey jetzt beschlossen 
unser beider lieb und treu, 
darin sey unverdrossen, 

35 hutt dich fürs klaffers genossen, 
so bleib ich alzeit bey dir. 



Hs.: 13. lieb. 16. sagen. 21. mein. 27. der. 86. dir bey zu lesen f 



[45.] Ein annder liedt. 



1. Beschaffens gluckh ist un- 
versaumbt, 
des mueß ich mich jetz trösten, 
es wirdt der weg noch wolgeraumbt, 
niemandt das glickh khan nötten, 
5 das ist mein bestandt, 

es hatt sein landt, 
thutt hin und wider streben, 
wo es hinwil, 
der hatt gutt spill, 
10 mag allzeit frölich leben. 



2. Beschaffens gluck verborgen 

llgt, 
niemandt das kan nit wissen, 
wo es hinwil, gar baldt uffbricht, 
darzue ist es geflissen, 
15 hilft manchem baldt 

aus nott und gewalt; 
der sichs nit thuett vergehen, 
dem eilt es zue 
spatt und je firue, 
20 das mueß ich jetz veijehen. 



[39>] 3. Beschaffens gluck bleibt unveijagt, 
die weit khan das nit wenden, 
noch wil ich sein ganz unverzagt, 
es wirdt sich alles enden 
25 woll mit der zeit — 

darauf ich beidt, 
es wirdt sich änderst schickhen, 
wills Gott undts glickht, 
so gehts mir wol, 
30 wil es sich änderst enden. 



Hg.: 17. yerschehen. 
änderst glickhen. 

DenUche Texte des MitteUdten V. 



daranff ich yerhar ynnd beidt. 28. Nes: undts sol. 30. Hes: 



50 



XLV. XLVI. 



1582 A 197 1 

1. BeschaflTens glttck ist anvenaompt, 
8ol anders mir gelingen, 
mir wird der weg noch wol geraumpt, 
kein mensch das glück mag zwingen 
5 das jhm beystandt, 

es hat sein rant, 
that hin and wider schweben, 
wems glttck wol wil, 
der hat gut spiel, 
10 mag allzeit frölich leben. 



2. Beschaffens glttck kompt nber nacht, 
der hoffnang tha ich leben, 
sey wo ich wöU, dasselb betracht, 
glttck wird von mir nit streben, 
15 dammb, mein hört, 

gedenk der wort, 
las dich kein arges anfechten, 
es kompt der tag, 
dir warlich sag, 
20 da findst mich ganz gerechten. 



3. Beschaffens glttck kompt alle tag, 
darauf mein herz thut bawen, 
daramb ich noch nit gar verzag, 
tha dem glttck yertrawen 
25 das all mein sach 

und angomach 
za frenden sich wird kehren, 
wo das geschieht, 
bin ich verpflicht 
30 mein lieb mit dir zu mehren. 



Finek 1536 Nr. 41 in 3 Str. 



J. 3. Be- 



JF7. BL Ye 508 Drey Sch6ne Lieder, Magdeburgk, durch Joachim Waiden o. 
schaffen glück 3 Str. entspr, 1582 A. {In diesem Einzeldruck auch Nr. 117.) 

London 11522 df 37 Drey Httpscher | newer Lieder. Das Erst: | Beschaffen Glfick 
ist vnuersanmpt, 2c. | Das Ander: | Es solt ein M&dlein frft auff stehn, tc | Das Dritt: | 
Vngnad beger ich nicht von jhr, sc. (Bildchen. Am Schluß:) Getruckt zfi Augfparg, | 
durch Mattheum | Francken. (4 Bl. 8^ o. J. Rücke, des letzten BL leer.) 1 in 3 Str. 
— 3. Lied = Hs. Nr. 65. 

Erk' Böhme, Liederh. III S. 558 Nr. 1776. 



[46.] Ein annder liedt. 



1. Ein junger laggei soll frölich 

sein 
und sol nit traurig sein — 
ich sach in nechten spatte 
pei einem feur stan; 
5 was hatt er an seiner handt? 
ein rodt golt fingerlein 
der liebste herre mein. • 



2. In weiß will ich mich klei- 
den, 
und leb ich nur ein jar, 
10 meinem hern zu leide 
von dem ich Urlaub hab 
on alle schulde: 
ich wils gedulden, 
ich erwirb filleicht noch hulde. 



XLVI. XLVII. 



51 



15 3. Mein herr der reilt spacieren 

offt in den gmenen waldt, 

da heret er hofßeren 

im khloster manigfalt: 

grien ist der waltt, die spiel sein manigfaltf 
20 die leit sein wolgestalt, 

meins hern lieb fraget gar baldt. 



Hm.i 12. ich on. 15, Bpaciem. 19 zweite Hälfte lu streichen. 21. li mä JhkürminffBbogtn 
für -er; herz^ hemf Der Sinn hldht m jedem Falle schwierig, 

Gurrei S. f65. 

Dies Lied ist abgtleitet und entstellt aus dem bekannten Mein Feinst leb iat von Flandern; 
N». 1575 Nr, €4 u. s. w. 



139^1 



[47.] Ein an n der liedt. 



Ip H du mein schätz, 
dein siesses geschwatz, 
dein werde schon und höctiste zucht 
ist mir so vil khundt 
& das ich in meines herzen grundt 
nie hab erkhennt khein werdere 

frucht; 
der halb mein gemiett 
in freiden pliett 
alß ietz der mey^ 
10 und ist mein geschrey 

daß ich, mein R, nur dein wil sein — 
du bist mein, 
ich pin dein« 
dein wil ich sein, 
15 an endl und ewig dein. 

2. R du mein hordt, 
es darf nit wordt, 
du bist mein freitt auf disser erdt; 
wo du nit bist, 
20 daselben ist 

mein kurzweil in verlangen kherdl ; 
darum, mein R, 
weich nit 7on mir, 



ich laß nit ab 
25 biß in mein grab, 

hiett dich ?or dem klaffer der vil 

sein — 

du bist mein, 
ich bin dein, 
dein wil ich sein, 
30 an endt und ewig dein. 

3. R du mein trost, 
sich an du hast 
mein ganz gewalt, daä ist gewiß, 
wer es nit erleiden mag, 
So dem winsch ich alle tag 

das herzen leidt und alles peses — 



geben uns guette wort 
40 und meinen es doch hardt, 

dragen [40*] uns ein peses herz in 
einem guettem schein — 
du bist mein, 
ich bin dein, 
dein wil ich sein, 
45 an endt und ewig dein. 



Ni.: 37 ü. 38 fehlen. 

Vgl. da£u Nr* 24 obenj wo dasselbe Lied noch einmal iteht^ doch mit kürzerem Kehrrnm fmd 
mtch sonst recht tcesentlii^ien Abweichungen. 

4* 



4 



52 



XLVIIL 



[48.] Ein ann 

1. Ich bin verwundt in iaromers nott 
wen ich gedenkh an scheidens pein 
das ich mueß meiden ir mundlein 

rodt: 
ach Gott, wie mag ich frölich sein 
5 das ich so gar den unnfal habe? 
was ich anfache, das wider wendt, 
daramb mueß mein herz in trauren 

sthon, 
ich seiffs und klage mein ganz ellendt 

2. Zue trost hette ich mir auss- 

erwellett 
10 ein trosterin die mir gefelltt, 
so khumbt unnglickh und wider 

wendts 
und schlegt mirs alles zue ruckhe — 
unfal, du ungetreuwer gast, 



H$. 1568 Nr. 31: 

1. Ich bin verwundt in jamers nott 
wen ich gedenk an scheidens pein 

das ich moß meiden ihr mondtlein rott: 
ach Gk>tt, wie mag ich frolich sein 
5 das ich so gar den unfall hab? 
was ich anfang, ist wieder windtt, 
des mos mein herz in traaren stahenn, 
ich sucht and clag and bins ellendtt. 

2. Zu trost hab ich mir außerweltt 
10 ein frewlein fein das mir gefeltt, 

so kompt der unfall und wieddor 

wendtt 
und stust mirs ganz zu rucke — 
och Unfall, du untrauwes kraut, 
was zeigstu mich in dieser weit 
15 das du mir nimbst die liebste mein 
die ich zu trost hatt außerweltt? 

3. Mein freundt, mein schätz, mein Zu- 

versicht, 
vergiß meiner nitt, das bitt ich dich, 
ich geb dir ganz das herze mein, 
20 das sali allein dein eigen sein 

und will auch lieben nach deinem beger, 
das sali ohn allen zweifei sein, 
geprist mus sein dein zucht und ehr — 



der liedt. 

was zeihest du mich in disser weit 
15 das du mich beraubst meins höch- 
sten schätz 
den ich mir zu freiden hatt aus- 

erwellett? 

3. Mein schätz, mein kindt, mein 
Zuversicht, 
verlasse [40i>] mich nicht, das bitt 

ich dich, 
ich gibe dir ganz das herze mein, 
20 zu eigen ich mich zue dir versprich; 
das ich will leben noch deinem 

beger, 
daran soltu kein zweifei han, 
gefireitt sol sein dein junkhfrauelich 

weiblich ehr 
in aller weit wo ich mich hin kere. 

Es. 1575 Nr, 105: 

1. Ich binß vorwundt in jamera nodt 
wen ich gedenk ahn scheidens pfein 
daß ich muß meiden ihr mundlein roth: 
helf Qott, wie magk ich frolich sein 

6 daß ich so gaer den ungefall habe? 
waß ich anfha, daß widerwendet sich bald, 
deß muß mein herz in trauren sthan, 
ich seufftze und klagh und bjn elend. 

2. Zu den frewden hab ich sie mich 

außerweit, 
10 ein trosterinnen die mich gefeit, 
nu kumpt ungluck und widerwendet 
und stotz mich gaer zu rugge — 
ach uDgefall, du untreweß krauth, 
weß zygestu mich auf dieser weit 
15 daß du mir vortreibest den hohesten schätz 
den ich mich zuvom hette außerkom? 

3. Mein kindt, mein schätz, mein tzu- 

versieht, 
vergiß meiner nicht, daß bitt ich dich, 
ich gebe dir ganz daß herze mein, 
20 ich will dartzn dein eigen sein, 

ich will auch thun nach all deinen begher, 
daß schall ohne allen zweifei sein, 
jha freigh schall sein dein weibleiche ehre 
in der ganzen weiden weit whar ich mich 

henkere. 



XLK. 



53 



[49.] 

1. Sag an, herz lieb, was schei- 
den thuett, 
pringt schweren muett 
und traurens vil, 
dein hinfart mir mein herz jetz 

krenkht, 
in leidt versenkht, 
daß klag ich sher, 
alß was ich han 
ist dir ganz underthon, 
vil glickh und heil ich dir wol gunn. 

[4i*] 3 

21 



Ein annder liedt 
2, 



10 2. Bey dir alzeitt 

das war mein freidt, 
nichts anders ie begertt ich im; 
dan dich herz lieb 
in treuen ieb, 
15 in statter treu 

finst mich ohn reu, 
herz lieb, nit wenkh, 
dein treu nit khrenkh, 
mein lieb und gunst ich dir für 
eigen schenkh* 



In allem landt findt man nit baldt 
dein liebliche gestalt — 
mein lieb und leidt 
hatt gar ein endt, 
und das erkennst von herzen wol, 
25 do ich dich an schaut, 
mein herz schrie laut — 
ade, mit leidt 
ich von dir scheidt. 

H$r. 4. hinfart hatt mir. 9. lies gan. 12. im] na? mir? 20. aller. 28. von d; d mt^ 
Abkwrzung$bogen\ an dieser Stelle sicherlich => dir. Vgl. oben 39, 6. 

In der Es. zeigt sich das Akrostichon ^Sa — 6— tna" unversehrt^ sonst ist der ursprungUcke Wort- 
laut sehr entstellt \ eine noch schlimmer verdorbene Fassung bietet 1582 A 17 2 1 



1. Sag an, herzlieb, was scheiden thut, 
bringt gros unmuth, 
macht trawrens viel, 
mein hinefahrt mich sehr bekrenkt, 
5 wers selb gedenkt 

im herzen sein, 
halt dich gar schon, 
ich bin dir noch unterthon, 
viel glttcks und heils ich dir wol gan. 



10 2. In aller weit find man nicht bald 
hiemmb im land 
jr schön gestalt, 
jr mttndlein rot, jr helslein weis, 
jr leib ist ziert 

15 mit ganzem fleis, 

darauf ich bawt, 
mein herz schreit laut, 
glück bringt die zeit 



die rote rößlein geit. 

20 8. Recht wie ich jm thu, mein herz es krenkt, 

mit leid versenkt 

in scheidens pein, 
wenn lieb durch leid hat ganz und gar ein end, 

wers selbs erkendt 
25 im herzen sein, 

ein schwere bus, 

wers meiden mns — 

aide, mit leid 

ich von dir scheid. 



54 XUX. L. 

Fl. BL Yd 9911 Zwey Schöne Lieder, Nürnberg, Valentin Neaber o. /. 1. Sag an Hertz 
lieb S Sir. entspr. 1582 A. 

7e 816 Vier Schöne Newe Lieder, Magdeborgk, Wilhelm Roß o. /. 3. Sag an Hertz- 
lieb 3 Str. entBpr. 1582 A. 

[50.] Ein annder liedt 

1. Trostlicher lieb 2. Phebe, dir gescÄach 

ich mich statt yeb auch also gach 

wie ich die lieb 15 do du eiltest noch 

und huldt erlang ein freileins zart Daphne der junkhfrau on gezam, 

5 dem ich mit fleiß die dir entgieng, 

in stiller weyß zu stundt anfieng, 

noch dien zue preiß, mit laub umbhieng 

sie heldt mir das ganz wider part: 20 und wardt ein schonnerlorberbaum: 

wer hett geacht dir nit mher wardt 

10 das solt sein gemacht von blattlein zart 

ein weiblich pildt dan nur ein kränz 

von sin und gemuet so fest und den du noch tregst umb ir lieb 

mildt? ganz. 

25 3. Ach wer ich der 

dem yetz nicht mher 
von der ichs geer 
[4ii>] möcht werden dan ein krenzlein fein, 
darzue ir gunst, 
30 dar mit umb sunst 

nicht als der dunst 
vergieng ohn frucht die liebe mein: 
erst wirdt ich trost, 
von pein erlost 
35 mein gemiet ganz ring: 

villeicht mir furter baß geling. 



Es.: 5. mit mit. 12. Hes: wildt. 13. gesach. 24. ynnb. 

OegUn 1512 Nr. 8: 2. stets ich mich üb. 3. wie ich erhttb. 4. erlangt eins. 8. so helt. 
9. gedacht. 10. gmacht 12. gmüt. mild. 15. do eiltest nach. 16. jungfraon angezaum. 
33. erst würd ich tröst. 35. gmüt. 36. fOrder. 

VgL Niederd. Liederb. Nr. 81: Jahrb. 26 S. 31. Dazu: Qassenh. u. ReuUerl. Nr. 20 (nur d. 
erste Str.). — Liedlein 1614 Nr. 18 {Lechner) in 3 Sir. 

Fl. Bl. Basel, Ün.-Bibl. Sar. 151 St 34 Drey Schöne newe Lieder, | Das Erst, Semlicher 
schmertz, | bekrenckt mein hertz. Im thon, | Tröstlicher lieb. Das ander, | Tröstlicher lieb, 
ich mich st&ts | f^b. Das dritt. Man | sieht noch wol wie st&t | du bist, }c. {Bildchen. 4 Bl. 8^ 
0. 0. u. J. Rucks, des ersten u. letzten Bl. leer.) Am Schluß: Lieb haben vnd nit gemessen. | 
Dz mftcht den tettffel verdriessen. 2 in 3 Sir. 3 in der Es. unmittelbar folgend: Nr. 51. 



U LL 



55 



Berlin Yd 7S21 St 34; Ye ^36 {dann owcA AV. 156 d. B§.), 

FrmkfuTi a. M, SiadtbUtL Amt Germ, L 522 St S5 They achflne newö Lieder, | Daa Erat, 
SeuHchef Bchmertz, bo- | krenckt mein hertz. Im thou, Tr6&t- 1 Heber lieb. Das ander, Trt^st- 
lich* I er lieb, ich mich atäts ^b. Daa | dritt, Man eicht noch wo! | wie stSt du \m%, 3e. 
{Bildchen, 4 BL ^'« o. 0. u. J. Rucks, dcM ersten u, kUien BL leer,) Jm Schluß: Lieb haben rod 
nit geDiesaen, | daa mAcht den tcüfel verdriesaen. T"^^. BaseL 

Weimar^ SammelL St 79 (Einzeldruck o. 2 Liedern) Ein schön new Jied, | Senlicher achmerta 
, . . I . * . J Mer ein schönes lied, Tröat- I lieber lieb , . ♦ | . * . || (Biidchm, Am Schhßt) Qedrücht 
durch Hana | Guldenmundt. (4 BL 8^ o* X Etkks. deä etilen «, da» ganze UUie BL le^.} 
2 tn 3 Sir, 

Zmckm, Sammelb. XXX, V, 20 St 28 Vier echoner lieder, Erffurt 1529- AUe 4 Lieder 
dieses Einzeldrucks enthält auch die Na. / = Nr, 104 Ach lieb mit leyd. 2 =^ Pontehender AV, SO 
Troatlieber lieb. S = Nr, 183 So wunseb ich yr ©jrn gutte nacht. 4 = Nr. 115 Erst hebt 
sich not vnd jamer an. 



[51.] Das annder liedt, 

L Man sieht noch vvol wie slett [42*1 ^^ Untreu trifft sein herren ghern, 
du bist, ich hab mir ein feins lieb ausserwelt 

so gar und ganz ohn allen list, noch ehm^ 

recht heltsl du dich, niht als du bist 

des freu ich mich» die untrefv ist — 

5 ich Yersthes wol^ — jha bindet sich, 20 wer weyß wers andern schwager ist. 



2, Ein spil für mich; wans tau- 

schen gut 
und untrey sein, so bist du niilt^ 
ich hoff der rankh 
wer dich nit lang» 
10 tausch weil du hast die wechsel 

bankh. 

3. Treibt mich von dir dein fal- 

scher syn: 
gewinst vil daran, du wirst wol in 
zu seiner zeit — 
ich har und beidt, 



6. Farhin, mein raetz» mit deinem 

tausch, 
ich hoff mir geling noch wol ein 

rausch 
mit einer auf erdt 
die mein begertt, 
20 zu seiner zeit wirtt ich gewerdt. 

6, 'Hab dank, mein Hennsel, mit 
deinem preLB, 
du hast gethann das best mit fleiß, 
als ich versthe, 
thutt mir nit whe, 



16 wher weyß wher noch den esel reitt. 3o bist mir ein gesell recht ohn das g/ 



Bm,i 16. herm. 19 fehlt 22. gelin. tausch. 

Doiadhe Lied noch einmal^ unten Nr. 169 : 2, so gantz vod gar ohn arge liTTt, 3 u. 4 achön 
böltstu dich, das* 5- veratee mich wol ich maina hinderaich. 6. für dich soes, 7. biatue. 
IL mir von. wanckhler eyn. 12; geneüatus tjI eo wirta wol inn. 14. ich wart und beut 
16. Wann Tntreuw trifft im heireii gern* 17* eine außerwölt £ue den em, IB u, 19. nit als 



'ä 



56 LL LIL 

du bist, die falsch ynd vntrenw ist 21. Meints. toosch. 22. Ich wolt noch haben ein 
gaeton rausch. 24. der ich. 25. ward ich. 80. gesell on das O. 

65 Lieder ^. 24: Sir. I 1. nnn wol. 2. recht gants vnd gar on argenlist 8. schon 
helsta dich. 5. versteh mich recht, meyns hindersich. // 1. dich, so. 8. hoff noch der 
ranck. /// 1. stoltzer sinn. 2. geneoßt sein vil, so wirstns inn. IV ('^ Es. 5) 1. taoBch. 
2. ich hoff ich sol noch han ein rausch. 8. einr. 4. die ich beger. V (» fft. 4) 1 n. 2. Wann 
yntrew trifft jm herren gern, hab mir ein ausserwelt noch em. 3 u. 4. Nit als du bist, die 
vntrew ist . . . Sir. 6 fehü. 

Forüer I €4 u. 69 in je 5 Sir. Meiland 1575 Nr. 21 in 3 Sir. 

1582 A 193 1 8. heltestu. 5. versteh es. 6. ftir dich, wenns. 7. bistn. 9. were. 
10. rausch. 12. wirsts. 16. seinen herren. 17. fein. 18. noch ehren nit. 19. als du 
denn bist. 20. wer des. 21. tausch. 22. geling. 23. ist eine auff erd. 25. wfird ich ge- 
wert. 28. verstehe. 29. thu mir nit wehe. 

Vgl 1582 B 150. 

Es. der Eerren v. Edmeiorff 1569/75 Nr. 14 in 6 Sir. 

Fl. BL Basel u. Frankfwi a. M. eusammen mii dem unmittelbar vorhergdtenden Liede d. Es. 
Nr. 50, in je 6 Sir. In dem bekannten Sonderdruck von 10 Liedern^ Weimar und London^ an 
siebenter SieBe mü 6 Sir. Vgl. Es. Nr. 42. 

Femer noch: Basel, Sar. 151 St. 53 Drej hübscher newer lieder/ | Das erst/ Auff fiftulen 
baw kejn eilen | soll. Das ander / Man sieht noch | wol wie st&t du bist | Das dritt / Wer sech 
dich fttr I ein solche an/2c. {Bildchen.) Schluß: J. F. S. d. i. Jacob Fröäch, Strafiburg, als 
Drucker. (4 Bl 8^ o. J. Rucks, des letzten Bl. leer.) 2 in 6 Sir. 

[52.] Ein annder liedt 

1. Es batt ein Schwab ein doch- 4. Und da sy in die Stuben 

terlein, kam, 

es woldt nit lenger diennen, da bott man ir zu trinkhen, 

siewolttnurrockhundmandel haben, die äugen ließ sie umbhergan, 
zwen schuch mit schmalen ryemen — den becher ließ sie sinkhen — 

5 du feins mein Elselein. 20 o du feines mein Elsselein. 

2. Wiltu rockh und mandel haben, 5. Do sassen drey gesellen gutt, 
zwen schuch mit [42i>] schmalen die spilten mit den wurflen, 

riemen, und wem die meisten äugen khe- 

so muest du nhun ghen Augfpurg ein, men, 

daselbst rottes goldt verdiennen — der solt beim Elsselein schlaffen — 

10 o du mein feynes Elselein. 25 o du feines mein Elsselein. 

3. Da sy nun ghen Augfpurg 6. Der aller jungst derunder in war 

kham der warf die meisten äugen: 

wol in die enge gassen, 'gehabt euch wol, mein schon junk- 

sy fragt noch dem besten wein frau, 

da ritter und kneht bey sassen — heindt wil ich bey euch schlaffen' — 

16 o du mein feins Elsselein. so o du mein feines Elsselein. 



LH. 



57 



[43*] 7. Und do sy uff der sydel 

saß, 
gar heimlich Ihett sy weynen: 
*so hab ich stolzer bruder drey, 
ein reichen valter daheimen^ — 
35 du feines mein Elsselein- 

8. *So hastu stolzer bnieder 

drey, 
ein reichen valter daheimen, 
so magstu wol ein meidlein sein, 
du schlaffst nit ghem alleine* — 
40 o du feines mein Elsseleiiip 

9. Der jüngst der under den 

brudeni war, 
der war der aller beste: 
*ach vatler, liebster vatter mein, 
so gib mir geldt in seckeF — 
45 o du feines mein Elsselein» 

10. Da er nun ghen Augfpurg 

kam 
wol in ein enge fassen, 
das erste mensch das er ansach, 
das war sein liebste schwester — 
ho o du feines mein Eisseleiu. 



11. *0 Schwester, liebste Schwe- 

ster mein, 
wie ist es dir [43^] ergangen, 
das dir der rock ist fornen zu kurz 
und binden vil zu langen* — 
U o du feines mein Elsselein. 

12. *Brueder, liebster bnieder 

mein, 
du redst mir an mein eere, 
und thedt mir das ein ander man, 
er must mirs widerkeren' — 
eo o du feines mein Elsselein. 

13. Er setz sie hinder in auf das 

roß, 
da kert sie im den ruckhen: 
'o bmeder, liebster bruder mein, 

hilf mir die schandt vertruckhen' — 
65 o du feines mein Elsselein* 

14< 'Schwester, liebe schwester 

mein, 
ich will dirs widerkeren, 
ich weyß ein reichen burgers sun, 
der begert dein zue ehren* — 
70 o du feines mein Elsseleim 



Ä,; 39. gber. 

Fl. BL Yd 9531 Ein newa Ued/Ea b«t ein | Schwab ein tdchterlein. {Bildi^en. 4 BL 8^ 
&. 0. u. J* Rück», d€§ eritm «- ki£$€n BL leer.) 

1. Es het ein scbwab ein töchteriejo. 3. muntel 5. dn fejnes mejn Elseleyn* 
6- Wilt dm rock vnd mantel haben* 10, dn fejnea meyii Elseleyn, IL Do sie na gen, 
12. engen. 13, sie fragt wol nacb, 15, o du feines mein Elaele^n. 16. Ynd do &ie. 
18. vnter gan. 20. dn foynei meyn Elselejn, 22. Würffein, 24. bey dem Elßlejn, 
25 «?w 20. 26- jöngst der vnter. 28. schöne junckfraw. 29. bejnt. 30. du feines meyn 
EJaeleyn, 31. Ynd do eie auff der Bidel saß, 32. da hüb sie an zn weynen, 33. hrüder. 
35 mt 30. 36. Hast du denn. 39. du schleffst nicht gern alleyne. 41. Der jüngst der 
Tnter den brüdern war. 46. Do er nu gen* 5L liebe. 59. müst. 6L Er eetsit sie hinter 
jn. 63. lieber, 66. liebste. 

XV. Vnd der vds dises Ltedleyn sang, | von newem bat gesungen, | das haben gethan 
drey Bitter gtU \ zu Angfpurg ist es erklungen, | o du feines mein Else lein. 

Ein dümä übiruMnitimmmder EinMldmck im Weimarer SammeHntnd, St 19. — Nieder d. Li&lerb, 
Nr. 122 {mi 

Görre$ S. IS7 {vgl ls^)\ ffoffmmn-Riehter, SeMeM. Voihl, {tS42) S. 173 Nr,92\ Erk-lrmer 
(18i3) H. V Nr. 12-, miand Nr. i?J7; Simrock S. //tf; MiUltr S, m/G Nr. 21819; Woifrtm, 
Na*sQui*che Volkä. $. S»^; Bohme^ Liedtrh. Nr. 51* Liederh. I 5. 425 Nr, 119, 




I 



i 



58 



UlL 



[53.] Ein annder liedt. 



[i4«] 1. Vor Zeiten was ich lieb und 

werdt 
die ich mir hett auserkorra, 
jetzundt halt es sich ghar verkhert, 
es ist alles an ir verloren, 
5 dan sie wil ein andern lieber hann, 
niemandt zweyen herm dienen 

khann, 
ein mueß man lieben, den andern 

verlon, 
darmit scheidt ich auch darvon. 

2. Hutt euch, ir jungen kna- 

ben, 
10 haltt euch in gutter hutt 
das euch die lieb nit zwinge, 
das ir mugt abelon — 
ein gutten muett, ein kurzes zil! 
nit glaubt den schönen junkfrauwen 

zu Til; 
15 es ist händt lieb, ist morgen 

leidt, 
das schafft ir stettigkeyt. 



3. Den falkhen kunnen sy strei- 
chen 
die weil wir bey in seindt, 
vil Sprichwort thun sy treiben 
20 als baldt wir von in ghen, 

verheissen vil und halten nur ein 

theU 
biß sie uns bringen ans narren seyl, 
den muessen wir bey in gefangen 

ghon 
die weil wir das leben bann. 

[441»] 4. Sye thun uns lockhen und 

singen 
26 biß wir in fliegen zue 

das sie uns thun bezwingen — 
die weil haben wir khein rhue: 
gleich wie man den kleinen waldt 
fogelein thnt, 
30 so pfeift man in sieß und macht 

ins gntt; 
wen man sy dan gefangen hatt, 
so schlecht man sy dan zue todt. 



5. Aide zue tausendt guetter naht! 

mein trauren hatt schon ein endt — 
35 hett ich dein un trey lengst er khent^ 

mein herz hett sich von dir gewendt, 

für war ich las gereuen dich, 

du betreigst ein andern als baldt als mich, 

dein untrey macht das ich dein nit acht, 
40 aide zue guetter nacht! 



Ht.z 2. aaferkoni. S5. dein vnnd trej. 

iS82 J 28 z 2. maßeriLom, 3 o. 4. jetzt hat es sich so guitz verkehrt, ist. Teriom. 
5 — 8. Denn sie hat ein andern lieber denn mieh, tireyen herren nicht kan dienen ich, der eine 
ist Heb der ander leid, damit ich von jhr scheid. 10. habt euch. 11 o. 12. last eoeh die 
liebe nicht zwingen, and lernet abelan. 13 a. 14. Ein gater mut ist halber l«b, glaubt nicht. 
15 n. 16. was heat ist lieb, wird mori^en leid, das macht jr onstetiglceit. 19. Sprichwörter 
kdnnen sie. 20. von jn sein. 21. Sie geloben viel nnd halten ein teiL 23. denn müssen 
wir ge&ngen gan. 27. nns ja beswingiNi. 90 n. 31. man pfeifiet jn s&fi, man machts jn 
^nt, nnd wenn sie denn gefisngen sind. 32. sie aO cn todt. 34. hat ein tsid. 37. Fürwar 
es wird gerewen dich. 38. dn betrengest ein andern so bald. 



LHI. LIV. 



59 



Diesei und dai fötgmde Lied vereinig der Einieiärvck Vd 996 f3 : Zwej bcIi5ii© Lieder, das | 
erate, Vor zejten was ich lieb vnd wert | Das ander, Mich bat erfrewt de» ( Sommerfl zeit 
Im Thon, 1 Es het ein meidlein, ae. {Bildchen. Jm Schluß:) Gedruckt zu Nitrnberg, durch | 
Valeutin Newber. (4 BL S^ o. X Rüüka. des letzen BL leer,) 1 in 5 d. ff», enüpr. Str. 

m. f674 Nr. 33 u. s. w. 

aOrre» B. 67; Mittkr [S. SI2 Nr. ß74) S. äl3 Nr, 676; Ootdeke-TiUm. 8. 39-, K Frhr. v, Mien- 
cron, VidkiL um 1530 (Nai.Lüi. 13) S. 258 Nr. 86 ; Böhme, Md. liederb, Nr. 21Ö\ liedtrK H 
S. 284 Nr, 46*2. 

[54.1 Ein an n der liedt. 



1. Mich hatt erfreut des summers 

zeit, 
der waldt halt sich belaubet 
und auch darzue der anger weit, 
meines bulen byn ich beraubet» 
5 yetzundt darf ich nymer ins hauß, 
wenn lieber kuinpt, muß leider auß, 
ein ander der gket ein und aus — 
wie mir, wie mir, 
ob ich möcht geraten ir. 

[is*] 2. Weil es noch in dem winter 

war, 
u ein eydt schwur mir die frumme: 
*keyn hebern man gewan ich furwar, 
von dir wil ich nit kummen' — 
yetz mcrkh ich wol warumb sies 
hall thon: 
16 sy hett nit vil zu legen an, 

jetzundt khan sie im wedel gan — 

wie mir, wie mir, 

ob ich mecht gerathen ihr- 

3» Der waldt ist hoch, die Stauden 

grün, 
20 das hatt sy wol vernummen, 
meint es wer gutt spacieren ghan, 
ist in den orden kummen 
da man in den weiden heldt hauß, 
darumb ist jelz mein buelen auß, 
25 sye bult ein junkhem, kert stell 

auß — 
wie mir, wie mir, 
ob ich mecht gerathen ir. 



4. Ann irem hauß klopfet ich an 
sam sie mich hett geladen, 

30 ich meindt sie solt mich einhin Ion, 
gutz herauß, hieß mich ein fladen, 
sy sprach mein buelen wer verlorn, 
sy hett ein andern auferkorn, 
das thut mir uff die schalkhin zom — 

35 wie mir, wie mir, 

ob ich möcht gerathen ir, 

5. Jetzundt weiß ich wol wer ist 

der 
den sy selber 145*») thutt nennen: 
wenn er kumpt auf sein hoches 

pferdt» 
40 thut er sich selbs nit kennen, 
er reit ghen Mugenhoff oder 

Schweynauw, 
sprengt hin und her, schreit wie 

ein sau, 
fiert hinder im sein liebe frau — 
wie mir, wie rair, 
45 ob ich möcht geratten ir* 

6. Es ist nit lang, do gescAach das, 
gieng ich fürs thor spacieren, 

das sy hinder ihm auf dem pferdt saß, 
er woltts ghen Schweinau fueren, 
50 ich docht er wer von hochem ge- 
schieht 
das sy mich so gar hett verschmecht: 
do war er auch nur ein hauß knecht — 
wie mir, wie mir, 



ob ich möcht geratten ir< 




1 1 



ä 



60 



LIV. 



65 7. Vor, wenn sye ye mit mir 

thett gan, 
ließ sie sich nit genuegen, 
wenns schon buener, vogel, tauben 

thet han, 
noch tbett sie mit mir kriegen, 
sy sprach, wen ichs nit ghem woltt 

thun, 
60 so west sy wol ein andern man, 
der woldt ir seiden kaufen an — 
wie mir, wie mir, 
ob ich möcht geratten ir. 

[46*] 8. Weil ich ir pfenning geben thett, 

65 kundts freundlich milt mir lachen — 

jetzundt, wen mein mül nimmer ghett, 

tbuetts mir den äffen machen; 

mih dunkht sie hab sich selbs ge- 

schmecht, 
ist worden in die sylber kammem 

gerecht, 
70 ich mein da man diesattel uff hecht — 
wie mir, wie mir, 
ob ich möcht gerathen ir. 



9. Der schalkheit sie ein canz- 

lerin ist, 
das khan ich wol erkhennen, 
75 in ir hatt sy vil arger list, 
noch wil ich sye nit nennen; 
wen ich umb gelt lieb kaufen sei, 
so wirt es sthen umb mich nit 

wol, 
steckhs in eim sackh wer wasser 

vol — 
80 wie mir, wie mir, 

ob ich mocht gerathen ir. 

10. Man hördt wie Salomon der 

weiß 
von frauwen wardt betrogen, 
Sambson fürt in der sterkh denpreiß, 

85 wardt auch von frauwen pogen; 
also laufen wir noch in der brunst, 
mancher meint er hab frauwen 

gunst, 
so ist 'nequam fallis' ir kunst — 
behalts dir, behalts dir, 

90 Jörg Graff scAenkht das gedieht ir. 



43. sein liebe sein liebe. 



64. thett 



46. gesach. 

Vgl. Hederh, II 



Et.: 7 fehU, 32. wem verloren, 
pfenning geben. 90. senckht. 

Bern. 41. Magenhof und Schweinaa sind Orttckaften im Nürnberger Gebiet. 
S. 773 Nr. 1018: Schweinauer Tanz. 

Yd 9953, Einzeldruck, der an erster Stelle das vorige Lied Nr. 53 enthält, enthält an zweiter 
Stelle diese Nr. 54 mit folgenden Abweichungen : 

Str. I 1. Sommers. 4. meins. 7. Ein ander der geht ein ynd auß. // 4. nicht 5. than. 
7. inn. 9. m6cht. /// 2. vernommen. 8. sey gut spatziren gehn. 5. Do. 7. stall. 
9. mScht. IV S. lan. 4. gntzt. 5. wer. 7. aa£P die Sch&lckin. V 8. kompt Pfer. 

4. nicht. 7. fftrt hinder jm sein liebe Fraw. VI 1. nicht, geschach. 3. hinter jm. 

5. dacht. 6. het so gar. 

VIL Heimlich hinach stund mir mein sin, ins Wirtshauß thet ich fragen. Do ich hinein 
kam warn sie hin, der wiert der thet mir sagen. Was sie beyde betten verthan, die snmm 
die traff zw^lff pfenning an, der knecht het ein pfand müssen lan, Wie mir, wie mir, ob 
ich m6cht geraten jr. 

VIII (7) 2. nicht. 3. v^gel. 5. than. 7. kan£Pen seyden an. IX (8) 6. kanmier grecht. 
7. Sättel auff hecht. X (9) 4. nicht. 6. stehen. 7. wassers. XI (10) 4. bogen. 5. pmnat. 
8 u. 9. Bhalts dir, bhalts dir, J6rg Graff schenckt das gedieht jr. 

Also fecht man die Affen. 

Über Jörg Qraff s. 0. Schade: Weimarisches Jahrbuch IV (1856) S. 417—452. Vorstehendee 
Lied fehü dabei. Vgl. femer Frh. v. Liliencron 3, 209 u. 212, Nr. 305/6-, Goedeke 11» S. 255. 



LV, 



61 



im 



[55,] Ein annder liedt. 



1. Khundt ich von herzen sinken 
ein hübsche tage weiß 
von lieb und biterem schmerzen: 
nun merkhen ufif mit fleiß 
5 wie es eins kunnigs toeliter gienng 
mit einem iungen graffen, 
nun hördt hupsch wunder ding! 



6, Die junkhfrau thett sich zieren 
in einen mantel weiß, 
ir brüst thett sie in schnieren, 
vermachts mit ganzem fleiß, 
40 auch sprach die edel Jungfrau schon: 
'kein man soll mich auf preissen 
dan eines graffen sunJ 



2. An ireß vatters hoffe 
manch edler ritter was, 
10 noch liebet ir der graue 
uff erdt für alles das 
was Gott durch sein weif hei t erschuff, 
heimlich auß betriebtem herzen 
thett sie so manchen rueff. 



7. Da sie kam zu dem brunnen, 
sie Tandt vil freudt und lust, 
45 sie dacht: Hch hab gewunnen» 
mein trauren ist verdust, 
auß aller nott wher ich erlost — 
o das ich sech herr reytten 
mein hoffnung und mein IrosU* 



15 3. *Herr Gott, sendt mir das glickhe [47i>] 8. Zu handt lieff uß dem walde 



das er mein herz erkhenn, 
löß mir auf bandt und strickhe, 
frau Venus edle mein* — 
wie der j unk frau wen im herzen was, 
20 also waß auch dem graffen 
alzeit ohn underlaß. 



51 ein grimme löwin her, 
die junkfrau lieff gar balde, 
sie floch von dannen ferr 
und kam so fer den selben 

üö im mandel ließ sie ligen, 
darauß kam nott und klapr. 



tag, 



4 Keins dörft dem andern offnen 
was im 147*] im herzen lag, 
ihr jeglichs thett sich hoffen 
25 ein seiden reichen tags 

der doch zue lest mit jamer kham: 
eins thett dem andern schreiben 
und leyten hin ir schäm. 



9, Die löbin gebar ir iungen 
wot uff dem mandel guett, 
der mandel war besprenget 
60 mit schweiß und rottem btuett, 
darnach die lowin wider gienng 
zu walt mitt iren jungen — 
do kam der jungling. 



6, Ein tag der wardt gemeide 

30 zu einem brunnen kalt, 
der lag fer in dem felde 
vor einem gruenen waldt; 
wer ehe kern zu des brunnen fluß, 
das solt des andern warten: 

35 also was ir beschluß. 




10, Do er den mantel fände 
65 besprengt mit blutt so rott, 
do schrau er laut zu bände: 
*D whe, mein heb ist todt! 
so sie mich nit gefunden hatt, 
sie hatt sich selber tödet, 
70 whe der grossen noth! 



62 



LV. 



11. Nun mueß es Gott erbarmen!' 
thet er so manchen rueff: 

*o whe o whe mir armen 
seidt daß mich Gott erschuff!' 
76 sein schwerdt das zog [48»] er aoß 

der scheidt: 
^kom mir zu meinem ende, 
Ifarie du reyne meydt! 

12. Wie hastu mein vergessen? 
wo ist das edel weib? 

80 handt sie die tier gefressen, 
so kost es meinen leib, 
ist sie dnrch mich gestorben hie 
iren leib wil ich bezallen' — 
er fiel auf beide knye. 

85 13. ^Gott gesegne dich mon und 

sune, 
deß gleichen laub und graß, 
Gott gesegne dich freudt und wune, 
und was der himmel beschloß!' 
sein schwerdt das stach er durch 
sein herz: 
90 'es soll kein weibes bilde 
durch mich leiden schmerz.' 

14. Da es wardt umb den abent, 
die junkhfrau widerkham 

zu dem brunnen glau/*en; 
95 kein todtlich herz vemam 
so bitterlich klag furwar, 
sie wandt ir sehne weiß hende, 
rauft auß ir gelbes harr. 

15. Die junkhfrau fiel da nider, 
100 gar oflfl ir da [48b] geschwandt, 

wen sie auf blickhet wider, 
ir omacht sie empfandt: 



das trib sie also dickh und yU 
biß an den hechten morgen — 
105 ir klag ich kurzen will 

16. Diejunkhfiauthett sich neigen 
wol uff den graffen schonn: 
'Gott gesegne dich erb und eigen, 
Gott gesegne dich kunigklich krön, 

110 deßgleichen feur, wasser, luffl und 

erdt!' — 
in dem thett sie uff springen 
und zog im auß sein schwerdt. 

17. Das schwerdt begundt sie 
stechen 

durch ir betriebtes herz: 
115 'Herr Gott, thue in mir rechen 
die ding zu bitterem schmerz, 
so es warlich am tage leidt: 
die liebe überwindet 
alle ding in diser zeit 

120 18. Hast du durch mich auf 

geben 
landt, leut, auch ehr und guett, 
verzeret hie dein leben, 
[49»] verreret hie dein blutt! 

du hast gemeint ich sey ermordt, 
125 da will ich bey dir bleiben 
ewigklichen hie und dort.' — 

19. Damit wil ich beschliessen 
die schöne tage weiß — 
Herr, durch dein bluett vergiessen 
130 gib in das paradeiß! 

das liedt schenkh ich einer junkfrau 

rein, 
durch sie wolt ich auch sterben 
uff erdt, möcht es gesein. 



Es.: 38. sie fdiU, 52. lie£P fehU. 73. ein o whe fehü. 94. glaabett 123. hie fehlL 
1582 A 253: 3. von liebe und bittem schmerizen. 4. mercket aaff. 5. tochter ergieng. 
12. beschnff. 14. gar manchen. 19. jangfraw. 23. jhn im. 24 u. 25. ein jeglichs thete hoffen, 
eina seligen reichen tag. 28. legten. 29. der war gemeldet. 31. fem. 33. der eh. 



LV. LVI. 



brnunena. S4. der iolt. 38. jhr brüst thet sie emechoiereD. 40. edle, 44, groa trend. 
47. bio ich* 48. o Gott dae ich her sehe reiten. 52, Heff gar, 53. und floch, fem, 
54, io weit. 55. jren matiteL 62, £um* 63« Jüngling, 65. beaprenget. 66. da schrej* 
63, da sie, 69. aelbe ertödtet. 73, o weh o weh. 74. beechuC 77. Maria da reine tnagd, 
79, edle, 84. er fiel nid er anfiF beide knie. 85, geaegeo. B7, geiegen, 9L nimmer durch 
mich leiden schmerts. 92. Da es was. 94. zu dem briinnen sich nahet* 95. ein, 96^ bitter* 
Ikhe. 97. achneewelBe, 93. ranC 99. darnidar 103. gesegen. 109, und königliehe 
krön. 112. aus jm* 115. Gott wölst nit bn mir rechen. 116. bitterm. 
)6ut, ehr und auch gut, 123, nnd ancii verzehrt dein blut. 126, ewiglich. 
133. möcht er gciein. 

Ms. 1574 Nr. 21, /575 ifr, iU: Archiv f. d. neuerm Spr, 112 {19fM) S, 3 u. #. w. 



119 all. 121. land, 
127. icbfi. 130. uns. 



[56.] Ein annder Hedt. 



1. ^Mitt ganzem elenden herzen 
klag ich mein schweres leydt, 
ich slhe in sorgen und schmerzen: 
ach wechler» gib mir bescheidt, 
5 hilf mir die sach besinnen 
das ichs fach weisslich an, 
das ich mit fueg wher drinnen 
das mein niemandl werdt innen — 
treulichen ich dir Ion.' 

10 2, Ein freyer wechter hört die mere, 
wie baldt er an die zinnen tratt, 
er sprach: 'wer klagt so sere? 
begerst meiner hilf und ralt, 
laß mich dein willen hören ^ 

15 darnach so rahl ich dir, 
sag was ist dein begeren? 
des wil ich dich geweren, 
seidt du getrauest mir/ — 

[is^j] 3. 'Wechter, nun höre mich eben, 
20 merkh auf was ich dir sag, 
mein trey wil ich dir geben, 
darzue was ich vermag — 
hilf mir heimlich verborgen 
in stil zu ir hinein, 
2ö das ich bleib one sorgen 
biß an des tages morgen 
bey der aller liebsten mein.' — 



4. *GeseU ich hör dein klagen, 
ich wil geweren dich, 

30 noch eins will ich dir sagen: 
gar eben dich versieh, 
ghe heimlich zue dem thore, 
biß nur weiß in der sach, 
thu mich und dich beware 

35 das uns nicht widerfare 
beiden groß unngemach*' — 

5, 'Wechter, noch deinem gefallen 
hast du erfreuwet mich, 

ih dankh dir zu thaussent malen, 
40 noch eins will ich bitten dich, 
gib mir die rechten kreiden 
das ich nit schlaff zu lang, 
mein herz das ist bey fryden, 
verschwunden ist all mein leuden, 
45 meiner lieb ein anfang.' — 

150»| 6* Inn freuden thetten sy leben 
die zwey die ganze nacht, 
Irauren was innen entwichen 
was inen beiden gescAach, 
50 holdt seliger lieb sie pflajen 
die zwey die ganze nacht, 
in grosser freudt sie lagen 
biß ane hub zu tagen, 
der wechter sang mit macht: 



64 



LVI. Lvn. 



65 7. 'Wolauf, mein gutter 
gutt Warnung ich dir sag, 
hutt dich für ungefelle, 
es nahet ghen dem tag, 
du solt dich freundlich letzen 

60 noch deines herzen lust, 
freudt solt du dich ergetzen 
und deinen willen setzen 
wen du herwider kumbst.' — 



8. *Wechter, du wilt mir bringen 

65 mein herz in grosse klag, 

nun hör ich wol an deinem singen, 
verkündest mir den lichten tag, 
wilt mir mein freudt erleiden, 
doch ist mein herz verwundt; 

70 wie geschieht uns allen beiden! 
mueß ich mich, herz lieb, scheiden? 
nun spar dich Gott gesundtl' 



Es.: 20. ich fehU. 49. gesach. 50. pflagten. 70. gesicht. 

Mffq 718 BL 10^: 2. layd. 4. wachter. bschaidt 6. Daß ich fach weyflich an. 
7. mit lieb sey. 9. trewlich wil ich dir Ionen. 10. Ain freyer wachter hört die mftre. 
11. paldt« 13. begersto. 17. das. 18. yertrawest mir. 19. Wachter nan hör. 20. was 
ich. 28. yerporgen. 25. pleyb. 82. Qang. 88. Biß weys in diser sach. 84. bewaren. 
37. Wachter nach meim gefaUen. 88. Hastu. 89. Danck dir. 40. eins das. 41. krenden. 
43. frewden. 44. ist mein leyden. 45, ain anefang. 47. Die zway die gantsen nacht 
49. Wie es in baiden ergieng. 50. Holtsaliger. 51 «= 47. 54. Der wachter gab in die 
krendt. 55. trautter gselle. 57. vor. 61. soltn. 63. Wen da her wider wilt komen. 
M. Wachter. pringen. 66. deim. 67. Verkundst. 70. gschicht. paiden . . . 

H BL Yd 7801 (v. Nagler) St, 49 (offnes BlaU) Ein tagweyß weltlich ... Mit gantsem 
«lenden hertsen , , , 8 entspr. Str. — Yd 8917 Ein schöne tagweyß / Mit | gantsem eUenden 
hertzen . . . 8 entspr. Str. In diesem Emzeldruek auch Nr. 21^ s. oben. 

Yd 8986 Ein hübsch Liede / Es | fleugt ein kleyns waldf5gelein. | Ein sch^^ne Tagweyß / 
Mit gantzem | eilenden hertzen / klag ich. (Büdchen. Am Schluß:) Gedruckt zn Nfumberg 
durch I Valentin Neuber. [!] (4 Bl. 8^ 0. J. RiU^. des ersten u. letzten Bl leer.) 2 in 8 entspr. 
Str. 1 in 7 siebenz. Str. — Yd 8991 Ein Schöne Tageweiß / | mit gantzem elenden hertzen. | 
Ein ander Lied / Von einem Jeger / | Inn einem newen thon. Es leit ein | Stat an jhenem 
Bein. (Bildchen. Am Schluß-:) Gedruckt zu Nürnberg / durch | Fridench Gutknecht. (4 Bl. 8^ 
o. J. Rucks, des letzten Bl. leer.) 1 in 8 enUpr. Str. 2 in 23 zweiz. Str. — Yd 8992 (entspr. 899 f). 
Ein Schöne Tagweyß / | Mit gantzem eilenden hertzen. | Ein ander Lied / Von ey- | nem J&ger. 
Inn einem newen | Thon. Es leyt ein Stad an | jhenem Rein. (Bildchen. Am Schluß i) Ge- 
druckt zu Nürnberg / durch | Valentin Newber. (4 BL 8^ 0. J. Rucks, des leUten BL leer.) 1 tu 
3 entspr. Str. 2 in 23 zweiz. Str. 

In der Liederhandschrift der Herzogin Amalia von Cleve geistliches Lied, wehAes als ümdichtung 
dieser weltlichen Tagew^se gelten muß: Bolte, Ztschr. f. deutsche PhiloL 22, 409. 



[57.] Ein annder schon liedt. 



Jö0i>l 1. Frisch auf in Gotteß namen, 
du werde teutsche nation! 
furwar ir solt euch Schemen 
das ir euwer gut lob ietzt laßt 
undergahn 



5 das ir lang habt behalten 
in ehren und ritterschaflfl: 
also geschach den alten, 
der lieb Gott soll sein walten, 
der verleihe uns sein gottliche kra£Ft 



LVIL 



65 



10 2. Eeiser Karl auB Hifpania, 
ein edler fürst auß Osterreich, 
er ist von keiserlichem stammen, 
wo findet man seins gleich? 
in züchten und in ehren 

15 ist er ganz wol erkhandt, 
darnoch thut er sich kheren 
wann er das reih sol mheren 
und aller fursten landt* 

3. Wach auf, du heiliges römisches 

reiche, 

so wan es ist an der zeit, 
ir fursten alle geleiche, 
rust euch zu disem streit! 
wan ir habt ausser welet 
ein keiserlich bluet, 

25 darumb so thut euch gesellen, 
thutt euch zusamen stellen, 
es wirdt euch alles zu guett. 



[51»] 4 Darumb so seindt gewarnet 
und seindt eins guetten muetts, 

30 er sey reich oder arme, 
das er sein vatterlandt behut 
für den türkischen hunden — 
sy füren ein grossen pracht, 
des gleichen hab ich niht funden, 

35 rede ich zu disen stunden, 
keiner ehr nemen sy nit acht. 

5. Geschieht es nit gar balde 
in einer kurzen zeit, 
so besorge icbs mit gewalte 

40 es werdt ein grosser streit 

von Welschen und von Teut- 

schen 
tn ganzer teutscher nation, 
ich rede das unverholen, 
daran sol niemandt schmollen, 

45 es mag nit änderst erghon. 



6. Darbey will ichs lassen bleiben 
wol itz zu diser zeit, 
mich verdreust ietzt weiter zu schreiben, 
es mocht sich einreissen zu weit — 
50 den verstendigen ist es gesagt, 
den andern frag ich nichts nach: 
wen einer wirt verzaget^ 
der ander gar veriaget, 
dem teutschen landt kompts zu schnack 



gichach auch. 9, d^ verloyh 

19. hcj^ligs Römisch Reyche. 

25. geetlen. 27. aU kommen 

36i eie acht. 37, Gaehicht» 

43. icha wiL 47* yetzund lc> 



E».z 54. SU gQtt 

F&rster III {1552) Nn 80: 4, ewr lob l&et. 6, ehm. 7. 
VB8. 10. Hifpanien, 12. stammo. 13. find. 17. wenn. 
20. wenn. 23, Wenn jr thot auserwelen. 24. Keyserlichee. 
ÄU gut 28. sey dt 20. seyd. 32. Vor den. 35. redt ich. 
39. besorg, 43. rod. 44 niemand e seh m ölen. 45. ergan. 
48. verd reust weyler» 50. iate. 54. zu echmaeh. 

Bertir. 1574 II f9 ebf. in fJ Sir, ftS Licffer o. J. Ar. fJS nur fL erste Sir. 

It BL Yd 9637 Em Bchöu New ] Lied, Frisch au ff in [ Gottes namen etc. | Ein ander Lied, 
Der Weite t bracht i^t hoch geacht. | Noeh ein Lied, Was wird es | doch, des wundert noch* 
{Bädcftinj einen Herold darst Am Sdtluß:) Gedrückt za Nürnberg durch | Friderich Gutknocht* 
(4 BL 8^. Bücki. des kUtm BL ker.) 1 in 6' der ff 9. enUpr, Sir. iMs dritte Lied s. ttnUn JVir. 192. 

QörreM S, 257 \ B. p. LUtencton, Die hist&r, VolhL IV S. l^ß AV. M9\ Volkd. wm 15 W S. 12 
Ai*. 4; Gotdeke-Tium. S. 268*, BBme, AHd. IkderL Nr. 398-^ LiederL II S. 99 Nr. 290. 
DttkiMch« Teile des Mlttekltera V. § 




06 



LVD. 



[u^I [58.] Ein annder liedt. 

1. Frolicb 80 wi) idi singen 
wol heoer za diser frist, 
wol Ton dem knnnig aoß üngon 
dar imscholdig gestcHiien ist: 
5 er war bey zwenzig jaren 
ein könig im üngerlandt, 
er war von edlem stammen, 
Inmig Lndtwig was sein name, 
ein konnig in Ung^n ond Behemer 

landt 



5. DerTorUisaambt sich nit lange, 
&r zog wol inn das feldt, 
mit hundert mol taossent manne 

40 kam er in das Ung«rlandt; 

Erichisch Weissoiborg wardt über- 
geben, 
stedt, Schlosser nnd die landt, 
die bischcrfr und die prelaten 
bab&i iren konig verathen — 

45 ist in imer nnd ewig ein schandL 



10 2. bn wardt kürzlich verhearatt 
ein frenlein was hochgebom 
von keiseriichem stammen: 
das Ihett den Ungern zom — 
man säumet sich nit lange, 

16 man furtt sie in das landt, 
' da gab man sie zusamen, 
Uaria was ir namen, 
ihr lob sthet weit erkandt. 

3. Die zwey lebten in fireudm 
30 biß in das fünfte jar, 

in fireundtschaffl und in ehren: 
das thett den Ungern zom — 
die Behmen und die Teutschen 
die [59*1 fienngen vil khurzweil an, 
86 das wolten die Ungern nit leiden, 
wolten iren konig vertreiben, 
sie halfen im khurzlich auß dem 

landt 

4. Einer heist der Janas Weida, 
der was dem konnig kram, 

ao dem Tuikhen er thett schreiben 
solt im hilf und beystandt thun 
den konig zu vertreiben, 
im helfen under die krön, 
darnach wolt er im geben 

36 bey alle seinem leben 

den tribut wol auß dem landt. 



[63^1 6. Es ghet gegen disem sommer, / 
gegen diser sommer zeit: 
die bodisen bort man krach^i 
im Ungerlandt so weit; 
60 stett, Schlosser waren eingenommen, 
darzu Petroworadey — 
das wolten die Ungern rechen, 
wolten mit dem Turkhen fechten, 
sie waren frolich bey d&ok weyn. 

65 7. Die Ungern saumbten sich nit 

lange, 
sie zogen wol in das feldt, 
ein Wagenburg thetten sie schliessen, 
auf schlugen sie ir gezelt, 
sie machten einen häufen, 

60 iren konig zue forderst daran, 
iren könig thetten sie verkhaufen, 
er mocht innen nit entlaufen 
konnig Ludtwig der junge kune man. 

8. Die scftiacht die was verloren — 
65 einer heist der Thummer Paul, 
der Türkh hatt inn geschoren 
ein platt ist nit zu schmal, \ 

Graft Jörg der wardt sein innen, \ 
des königs eberster war, 
70 auß dem [63>] feldt thedt er entrinnen, 
in der Thonau thett er schwimmen, 
also empfieng er seinen lohn. 



Bs.: 4. ist gestorben. 49. yngerlmngt 54. wejnc. 64. slaclit 



LVIIL 



67 



Bm-^. A^. 5ß (Neudr, 99/100 8.113): h Frölicli. 2, hewr. 3. künlg auß Hungera. 
6. künig im HuDgerlftDd» 7. Etamme. 8. künig. 9, ein Küog in HuDgem uud Bebtner land. 



28, Johann Weyda, 29. Küoig gram. 

eatimet, 42. stat »chldifier. 43 > und 
id. Es gebet. 48, bort man prumen^ 50. ein* 
6L Künig. 62, jn nicht, 63. Künig. 66, jm. 



13, Hungern, 23, Behem, 26, Künig, 27. halffn, 

30, thet er, 31, holff. 32. Künig. 35, aUein, 37, 
Preisten , 44. Künig. 45, iat jmmer. 
genumen, 58, jre gesselt, 60, Eünig, 
68. J5rg. 69, ders Künigs oberster. 

Vgl 1SS2 A IUI. 

Fl. BL 1« 27 99 Ein newer berg \ reyen von K6nlg Lud- | wig auß Voganif FrMich | so 
wil ich iingen, \ Ein ander new Lied, anß { der H^mer Uistori geflogen j { In Frawen ehren { 
Thcn. {Ziirkktsn* Am Schhß;) Gedni«^t zn Nürnberg, | durch Friderieh | Gutknecbt, 
(4 BL S* 0. /, Rüvh. des kUim BL leer.) 1 m 8 d. Hm. entspr. S^, 2. Titus ManliuB Tor* 
quaiufl, ein Senator %\k Rome , . , Mtüiergtsang i>on S Str. 

DUseiben beiden Lieder in ent^^echender Fassung enthüllen audi zwei Beflchen aus det Druckerei 
des Valentin Neuher £u Nümbergj Te 2800 und 2801, und mn Druckhefichen okm Nemming du 
Uriftrungsi Yd 2S0fL 

Zusammefi mit Nr. 149 der Hs. {*. unten) bietet eine allere^ in manchen Einzelheiten, s<f £, B. §<^wn 
in den Jnfangsißüfien bessere Fassung vorstehenden Liedes der Ein^eldruek Yd 2191 : Zwaj ScbAne 
lieder. Das 1 Erat von dorn Küuig von Vngem, [wie er vmbknmmen ist. Das ander, | Wol 
bewr zu diseru Meyen, in [ grün will ich mich klejden. (BUdchtn. 4 BL 8^ a. 0, u, J. Rucks, 
des ersten u. letzten BL ieer.) 



1, KlegUch so will ich heben an, 
gingen zu diser friet 
wol vonn dem Künnig vonn vngem 
wie er gestorben ist, 
5 er war bej vier vnd Äwaint^ig jaren, 
ein Künnig jm vngerland. 
Er was vonn Edlem stammen, 
König Ludwig was sein name, 
Ein Künig im Bechemerland, 

10 2. Kürt dich was jhm verheirat 

ain sartes Junckfrowlein, 

die was vonn Keyserlichem stammen , 

das walten die vungem nit Ion. 

Man räumet uieh nit lannge, 
15 man brachte gar bald ins tand, 

Do gab man sie zusammen, 

Maria waa jhr nami, [i] 

Ihr lob ist wejt erkandt, 

S. Sie lebten beyde in freüden 

20 wol jhnn das fünfFte jar, 
Ihr knrtzweyl znnertreyben 
jhm Vngerlandt, das ist war, 
die Peche m vnd die Teütschen 
fiengen vil kurtiswejl an, 

25 Das mochten die Vngem nit leyden 
jhren Herren ztiuertreyben 
Som hoff [l] wol &nf der paa. 



4. Dae mochten die Yngern nit lejdeD^ 

sie trachten frü vnd spat 
30 wie sie jhn w Alten vertreiben 

vnd g:iangen eina t^gs sü Ratt 

jhren Küuig zünert reiben, 

ain Kaiser inu Kriecbenlandt, 

Die Bisch off vnd Prolaten 
35 iiaben jhren Herren verratten, 

ist jrmmer ain ewige scband. 

5. Einer der heißt Janisch weydß, 
der was dem Künig gram. 

Er thet dem Türeken schreiben 
40 €r solt jhm beistand thoo 

Den Kttoig z^uertreyben, 

jhm helfen binnder die krön. 

Darum b w51t er ihm geben 

bey allem seinem leben 
45 Sein gnnnst wol abo schon. 

6. Der Türck saumbt sich nit lannge, 
Ehr kam gar bald jnns lannd, 

mit dreymal hundert tausent mannen 
kam er inns Vnnger lanndt, 
50 vonn erst erkriegt ehr Weyssenburg. 
Darnach Betra wardt sein, 
wie bald jhm ward aufgeben 
die krön, die was jhm eben. 
Wann sie was vorbin sein. 
5* 




68 



LVIII. LIX. LX. 



56 7. Der Türck ließ niderliawen 
Was jhm kam ynder die band, 
vil schöner meyd vnd fraweu 
f&rt ehr auß dem Vogerlannd, 
Der Weyda thet hertraben, 

60 gen Weyssenborg was jhm gach, 
sein Herren zu begraben, 
ist selber Künig worden 
Mitt Eeren, meinß hindennach. 

8. Das mochten die Vngcm nit leyden, 
65 sie zohen auf das feld, 

jhr Wagenburg thetens schliessen 

vnd schl^en auf jhr zoldt 

ynd schickten einen häufen, 

jhren Künig z&noran, 
70 Sic selten von jhm laufen 

vnd thetten jhn verkaufen 

Den junngen stoltzen man. 



9. Der schimpf der will sich inachen 
gegen diser Summer zeyt, 

75 Die büchseu hört man krachen 

jhm Vnngerlandt also weyt, 

Die mauren thetens brechen, 

8t5t, Schlösser namens ein. 

Das wollen die Vnngem rechen 
80 vnd wollen mit jhm fechten, 

Seyt Mlich bey dem wein. 

10. Das lied das hat ain enndo 
gegen diser Summer zeyt, 

der Türck der hat vorprennet 

85 Im Yngorlannd also weyt, 
so m^Q es Qott erbarmen, 
es geth über arm vnd reich, | 

Die jhm Vngerlandt sindt verdorben 
vnd seind also gestorben, 

90 Gott helf jhn inns himelreych. 



ZuBommen mit Nr. 61 d. H%, ist vorstehende Nummer in einem Sonderdruck der Batstckvi- 
bOliothek von Zwickau zu finden: XXX, V, 21 St. 7 {Einband v. J. 1546): Zwey Schöne newe 
Lieder. | Von dem König | Ludwig aus Hnngerrn | vnd der Königin, Auch wie der | Tftrck die 
Stadt Wien | belagert hat. {Biidchen, eine Krone darsL 4 Bl 8^ o. 0. ti. /. Bücke, des ieUden 
Bl. leer.) 1. Was wollen wir aber singen, wol hewr zu diser frist ... 8 Str. 

Weimar^ Sammeib. 14, 6: 60« St. 37 Ein newer Berg | reyen von Künig Lud | wig aus Vngem. 
Frö- 1 lieh so wil jch singen. | . . . (8 Str.) Nürnberg, K. Hergotin o. /. {2 Lieder im ganten enih.) 

Qorres S. 252; Qoedeke-Tittm. S. 292; B v. Liüencron, Die histor. Volkslieder der Deutschen 
in (1867) S. 562 Nr. 403; Volksl. um 1530 S. 26 Ar. 7; Böhme, lAederb. Nr. 392; Uederh. II 
S. 79 Nr. 276. 

Das Lied beeieht sich auf den Tod König Ludwigs von Ungarn in der Schladd von Mohace 
29. Aug. 1526. Der in der Heidelberger Es. Z. 28 erwähnte Janas Weida ist der Woiwode Johtmn 
(ungar. Jdnos) Zapolga; Z. 68 Qraff Jörg ist sein Bruder ^ der es mit König Ludwig hielt; Z. 65 
Thummer Paul bezeidtnet wolä Paul Tomori, Erzbischof von Kdocza^ gleichfalls eine Hauptstütze 
Ludwigs. Es. Z. 51: Petro-woradey, Druck: Betra wardt sein = Peterwardein. 

[59.] Ein annder liedt. Viel gluckh vnnd heil, ist niemants feil . . . 
4 Str. =^ Nr 42. Str. III Z. 3 ich leich dir [53b] roß vnnd wagen. 

[60.] Ein annder schon liedt. 



1. Jetzundt so woln wir sin- 
gen 
auß frischem freyem muctt, 
wil Gott, uns Wirt gelingen, 
wir sthent in seiner huett; 

es kompt in teutsche lande 
das junge edel bluett, 
keiser Karel genant, 
Gott geh im alles guett. 



[54a] 2. Teutsch landt soll sich jetz 

freuwen 
10 des edlen keisers zeit, 

das gutt wirt er verneuwen — 
der Turk zu felde leidt — 

was recht ist, wirt erloben 
der edel keiser gutt, 
15 er wirdt wenden sein toben, 
rechen der Christen blutt. 



LX. 


^^^^^^^f ■ 


3, Es ist war, niht erlogen 


haben gefüert groß kriege ^^H 


was alte gesungen han, 


und das reich groß gemert, ^^^| 


wir sein darmit erzogen; 


55 erlanget grossen siege, ^^H 


20 das kumnien soll ein man, 


als man es lesen hert. ^^H 


sein Schwert alwolt sol zwingen, 


^^^M 


zu ihm sol Zuflucht han 


8, Her Gott, gnedigleiche ^^H 


wer gtiettes ist verbringen — 


gib genadt, barm- [bbt] herzigkcit, ^^M 


das ist der keyser fronn. 


den forsten und den:i reiche ^^^| 


V 


60 verstandt und dein weyßheit; ^^H 


n 4. Gott hatt durch in geplaget 


weyl sie jetz seint beysamcn ^^^| 


seiner feindt untreu groß, 


zu Augfpurg auf dem tag ^^^| 


er ist noch unverzaget, 


zu ehren deinem namen, ^^^| 


sein Schwert das fürt er bloß, 


dein hilf in nicht versag! ^^H 


darin wirdl sich verschneiden 


^^^M 


30 wer guetts verachten will, 


C5 9, Solt diser tag verlruckhen ^^H 


die armen bringt in leiden 


ohn frydt und einigkeyt, ^^^| 


und schrei tt über das ziU. 


die warheyt nit furtrueken ^^^| 




die an dem tage leidt, ^^^| 


5. Er thutt nit wie tirannen: 


so wirdt Gott hefftig straffen ^^^| 


so es in glicklich ghett, 


70 die schuldig weren dran, ^^^| 


[541*1 alle weit wellens verpannen 


der keyser wirt verschaffen ^^H 


36 mit freuel und unnrath; 


das warheit f urgang hann. ^^H 


er will sein glickh zum friden 


^^H 


wenden und eynigkeit 


10. Bitt Gott, ir Jungen, alten, ^^^| 


in des reiches geltden: 


jetzsundt in d isser zeit ^^^1 


40 darzue ist er bereidt. 


75 er woU sein wort erhalten ^^^| 




durch sein gerech tigkeyt; ^^H 


6* Hifpani hatt uns geben 


dem Teufel wel er weren, ^^H 


vier frumraer keiser reich; 


mach seiner tickh ein endt, ^^H 


Carolus, noch in leben, 


das man sein wort mög hören ^^H 


nie fandl man sein geleich; 


ao durch alle reiches stendt ^^H 


45 uns wol helfen sein guette 


^^^1 


daß Gottes wort werdt erkhandt, 


11, Und das auch alle Strassen ^^B 


regier unser gerauette 


in dem heyligen [65^1 reich ^^^^^H 


durch auß durch alle land. 


werden sicher gelassen ^^^^^H 




von raub und mordt geleich — ^^^H 


7, Trayanum wol mit rhume 


S5 und ein guett regimende ^^H 


50 und Theodosum weiß, 


in teutscher nation ^^^B 


Alphonsum treuw und frumme — 


durch alle reyches stende — . H 


all sampt voll ehr und preiß — 


lob sey Gott im höchsten thronn! ^ä 


^j.: 12. fetdt. 39. geleiden. 48. ianndf». 


_ """'■' 1 



70 



[61.] 



LXI. 

Ein annder liedt. 



1. Ir GbristeDf lasts euch zu her- 6. Die landtsknecht schworen dem 

zen ghen reiche ein eidt: 

wie sich der Tirkh hatt under- [6eb] ^solt wir uns geben, es wer uns 



stan — 
es ist war und nicht erlogen: 
es ist drey hundertmol taussendt 

starkh 
6 für Wien ins veldt gezogen. 

2. Er zog bey eitler finster nacht 
ghen Wien wol für die werde statt, 
die buchsen hordt man krachen, 
ein burger wider den andern sprach: 

10 *der schimpf will sich machen.' 

3. Die burger gienngen zusamen 

in ein rodt — 
[5SA] wie baldt sie ein botteii auß santten 
zum kOnig und zum reich, 
man solt itttt hilf und beystandt 

tliun: 
15 ^den Turkhen wollen wir schla- 
gen.' 

4. Der könig den hotten wider 

zue ruckhsandt, 
er wüst ihn weder hulf noch bey- 
standt 
zuthun vom könig noch vom 

reiche: 
*erst wollen wir dem Turkhen die 
statt aufgeben, 
20 mit im wolln wir nit streiten.' 



leidt' — 
eß Sprung ein itzlicher zu seiner 

heleparten: 
*wollherr, woU herr, ihr frommen 
landtsknecht, 
30 des Turkhen wellen wü: warten.' 

7. An einer mittwoch das geseftach 
das man die fendlein schweben 

sach 
zu Wien woU auf der mauren, 
erst dhett der Turkh die fromme 
landtsknecht 
35 gar tapfer anne schauwen.« 

8. Bey dem Eetner thor hüben 

sie zu graben, 
da ließ der Turkh sein geschutz 

abghon, 
er nam sein keinen frommen, 
es ist sich manhes bidermans kind- 
lein 
40 in muetterleib umbkommen. 

9. Guus, Grems sein uns die stett 

genant, 
so zieh wir in das Ungerlandt, 
darin thun wir uns tapfer wheren 



45 



5. Es stundt ein landtsknecht 10. Man mischt uns den kalk 

wolgemuett: wol under den wein, 

*haltt ir die statt inn werder huett, das mueß der landtskneht trinkhen 

darzu in warhafftiger hande; sein, 
solten wir dem Turkhen die statt [57*] damit thun sie uns vergeben, 

aufgeben, also kumpt mancher landtsknecht 

S5 es wer uns ein grosse schände.' 60 im Ungerlandt umb sein leben. 



I 



LXI, LXIL 

11, Der uns disen reyen sang, 
ein freyer landtsknecht ist ers genant, 
er hatt so wol gesungen, 
er ist sich bey siben veldt schlecht gewest, 
5ö BS hatt im niht miß gelungen* 



71 



Hä.i 14. jm. 31, gesaelh 44 u. 45 fehlen. 55, gelingen, 

Zmammen mü Nr* S8 («* oten) in einem Sünderdntck zu Zwickau : Zwey Schöne newe Lieder, 
2. Ihr Chriaten laita each zn hertzen gan ,.,/(/ Sir. Jhuytichungeni 

1. gan. 4. er, 10. dar echimpf der wird stell machen. 11. in einen rath. 13. Reiche» 
14. aol ihn. 15, wol wir. 17 u. 13. er wAat ihn widder )AW noch l>e79taudt 2U thun, vom 
Mnig , . . 20. woJI wir, 23, werhafftiger, 24. soft wir. 3h geschach. 32. da man die 
Fenlein, 33. man er. 34. frummen, 3G, Kerner thor, 37. abgan. 33. fmmmen. 80. kindt, 
40. matter lejbe, 41—46. Gunif Krembs, sein vns die Stedt genanti so zihe wir in das 
Hanger] and darinn thu wir vns tapffer weren, man mischt vns den Kalch wo! yd t her den 
wein ... 49, kAmpt. 50. in Hunger! and. 54. bej sieben Feld seh] achten. 

Q^rre» S. 2r>-r, Liltencron, fnHor. Voihl. III {iSfU) S. ffO? Nr.4iS tme hochdetsische Fammg 
{nach der Heiddherger Hs. Einzeldruck nicht erwähnt) w- ein« medertL nach Dre lede, Lübeclc, 
ßAlhora 0, J. ti Str. Anfang u. Schluß: 



h Latet iuw Christen to herton gaen 
Wü Bik do Türke heft underdaen, 
Torwar, ys nicht gelagen, 
he y& wol dre mael hunderd dnaend man sterk 
For Wene jnt feld ge tagen . , . 



IL De uns dit nye ledlyn sang, 
ein framer lan^knecht ys he genant, 
he beft uns wol gesungen; 
he jB wol dre maeJ yn Ungerland geweet, 
alle tid ys weder kummen. 



[62,] Ein an n der liedt. 



1, Ach Colt» mich thutt Verlan- lbl^ 

gen 
nach dem der jetz gefangen, 
dem liebsten fürst en mein; 
das Ich in muß meiden, 
5 bringet mih herzlichs leiden — 
ach Gott, hilf ihm auß diser peini 



3. Ob er was hett verbro- 
chen, 
für war es ist genueg gerochen, 
15 lant, leut hatt man verderbt, 
den fursten abgefueret, 
mein herz damit gerhueret, 
der chur halt man ihn enterbt. 



2. Er ist ins keysers banden — 
mein Gott, thue es baldt wenden, 
dem keiser gib den muett 
10 das er rheht thue bedenkhen 
woher khumb disses zenkhen, 
dem fursten gib wider sein guett! 



4 Hoff aber es soll sich wenden: 
20 man spurt an allen enden 
des babsts falschen rath, 
damit der keiser gehetzet, 
Teutschlandt hatt er verletzet — 
das klag ich stett ganz frue und spatt. 




72 LXIL LXIII. 



25 5. Damitt will ichs beschliessen, 
hoff auch deß zue geniessen^ 
mein rueffen ist zae Gott, 
der well uns helfen allen 
nach seinem wolgefallen, 

30 uns ledig machen auß aller notth. 



H$.i 10. rfaobt ^ recht. 15. yerderbet. 17. gehaeret. 

Fl. Bl. Ye 3581 Drej schöne newe Lieder, Strasburg, Thiebolt Berger o, J, 2. Ein klag- 
lied der Hochgebomen Frawen Sybillen Uertsogin t& Sachsen, Chorf&rstin, ic Z. 3. Den. 
4 o. 5. Das ich jbn so maß meyden, bringt mir hertzliches leiden. 7. henden. 10. ers. 
11. kumpt 12. geb. 14. Fiirwar ist gnfig gerochen. 17. gerftret 18. jhn enterbt 
21. Bapstes. 22. den. 24. stehs (/. stets). 25. ich. 26. das. 28. w^\L 30. machen 
aller noth. 

Frankfurt a. M. Auei. germ, L 522 8t, 30 Zwey Schöne Lieder, 1551 o. 0. 2. Ach Gott 
mich that verlangen, | Nach dem der yetzt gefangen , . , 3 Str, (Durch Petmm Watsdorff.) 

Jfs. 1575 Nr. 24 ti.#.ir. 

Glfrres 8. 277; Ä. v. Uiiencron, histor. VoüuL IV 8. U5 Nr, 563 u. $. w. 



[63.] Ein annder liedt. 

[58*1 1. Zart schöne frau, 2. Dein rotter mundt 

gedenk und schau zu aller stundt 

wie mich dein lieb mich sher anficht, 

in statter yeb 20 mein herz das dicht 

5 herzlichen seer thuett krenkhen; taglich mit dir zu scherzen, 

kein rhue hab ich furwar glaub mir, 

so lang biß mich freundtliche zier, 

die euglein fein das du voral 

mit liechtem schein 25 in disem thall 

10 gegen mir freundlich thundt wen- mir liebst in meinem herzen; 

die haben mich [khen, herwider scherz 

so herziglich begert mein herz 

mit deiner lieb besessen, in freudt und lust taglichen, 

darumb schau an 30 weiter du aller 

15 was ich dir gon: schönests bildt 

dein kan ich nicht vergessen. von dir wil ich nicht weichen. 

3. Herz lieb, ich sprich: 
dein trey nicht brich 
35 an mir mit gwalt, 

in solcher gestalt 
groß zucht wurt dir zu gemessen. 



LXIII, LXiV. 



7a 



auch schon und werdt 

mit weiß und geberdt 
40 hast du das lob 

in solcher prob, 
an dir ist nichts vergessen; 
wie wol du hast 
mich hardt und fast 
45 SO herziglich gefangen, 

all weil und slundt 
[58tj] auß herz und grundt 

nach dir hab ich verlangen. 



H»A 10. freundlich ftkit. 30 u. 31. bemer: als ich rertraw, heraliebste firaw (nach Nr, 203). 

Nr. 203 Str. I L itetter. 7. bis ich. 8* dein Eüglein fein, 10. gegen mir freonttich 
tbuen winckhea« 12. so krefftigclich. 13» dein lieh hat mich besaßen, 14. hcr;ilieb echaunr 
an. 15* gan. 16. leh kan dein nit vcrgeBcOi 

// L Dein roter mond. 2. atund. ^. seer aoeicht 5. täglich mit dir schertzen. 
8. fnr all. 9, tbaL 10. Du liebcat nrir im hertzcn. 11—16. her widerfert Mein hertK be- 
gert In freüden vnd in ßchertzen Als ich vertrauw hartzlieate [I] frsuw, von dir will icb 
nit weichen. 

/// 2, trenw nit, 3—5, von mir mit gewallt znatraffon. 6 — 10. Schone franw vngewert 
Inn weia vnd geberdt hastu den preis in gantzem vbis, an dir ist niclits sastraffen. 
11 — 16, damit du hast on allen raset, mich hart vnd fast ymbfangeii, vfl hertKcn gmndt 
zne aller stund, nach dir stet mein verlangen. 

1SS2 A 2: / 5, hertzlich. 7. hia ich. 8* dein. 9. klarem. 10. gegen mich frennd- 
licb sehe wencken* IL Sie hat mich, 12. gantz krefftiglich. 13. dein lieb hat mich be- 
sessen. H. H<jrtz lieb schaw an* 16, deiner < , . nimmer vergessen. // 5. freundlich. 
8, für all. 9. fal. 10. liebest in. 11—13. ker wider bald, mein anffenthalt, in sclierz 
und auch dergleichen. /// 3. von mir mit gewalL 5. hast da gewalt zo. achafien. 6. schön 
fraw auff erd. 8. hastu. 10. nichts zu Btrnffen. 11 — 16, Dadurch du hast, ohn alle raatj mich 
hart und fflst gefangen^ zu aller stunde von hertzon grund^ tlmt mich nach dir verlangen. 

Hf, um Ar. U, 1575 Nr. 29; Archiv f\ d. neueren Ä//r. ifl {I9m) S, 22 u. *. w. Da^a 
Minier Ä 501 Nr- 654. 



[64.] Ein annders* 



1. Ade, mit leidt lo 

ich von dir scheidt, 
da durch mein herz 
in grossem schmerz 
all stuudt empfindt 
und ist enlzundt 15 

in Jammers whe — 
ade, ade! 
on dich lust mich kein freudt nicht 

mhe. 



2. Ade, gedenkh, 

dein treu nit krenkh 
und halt recht maß, 
vergiß nicht das, 
du weist wol was, 
dein trey mir leist 
als vor und ee — 
ade, ade! 
obn dich lust mich khein freudt nit 

mhe. 




74 



LXIV. LXV. 



3. Ade, mein freudt, 
20 wenn ich kein zeit 

so frölich ahn 
verdrieß mag han, 
das ist mir frembt 
and bin ellendt, 
26 in leidt ich sthe — 

ade, adel 
reiß mir kein faulen bossen 



mhe. 



H$,i 4. schmertsen. 

m. 1568 Nr. 102 u. $. w. 

OegUn 1512 M*. 18: Str. I 4. anseglich schmen. 9. keinr freudeo me. // {enUpr, A. 3) 
2. der ich. 3. za sehen an. 4. möcht. 5. mir gwent. 9, entspr. I u. IIL III (enftpr. 
ffs. 2) 5. als da wol weist. 7. hiiifür als e. 9 = 19. 



[65.] Ein annder liedt. 



[59*] 1. Ungnadt beger ich niht von 

ihr, 
hoff auch das mir 
die nit werdt zue gemessen, 
was muglich wer, bin ich be- 
reit 
5 in lieb und leidt 

ihr nimmermhe vergessen; 
mein leben lankh 
nim ichs zu dankh 
das sich die zart 
10 von edler ardt 

so freundlich hie 
und änderst nie 
erzeigett hatt 
als iren ehren wol anstatt. 



15 2. Eren reich und werdt ists er- 

kbandt, 
billich genannt 
ein krön weiblicher guette, 
ihr dattum gesetz allein darein: 
frum frolich sein 
20 auß adenlichem gemuette 
gezimmett ist, 
wie wol arg list 
seindt auf der ban, 
verdrieß möcht hann 
25 ab solcher freudt, 

das als durch neidt 
wurt zue gericht 
als mir und meinem häufen gc- 

serAicht, 



30 



3. Wo beurisch art eii hoff regiert, 

gefunden wirt 
gutts regimeut gar selten, 
der adel dardurch wirt veracht, 

als ich bedracht, 
muß sein gar offt entgelten; 



LXV, LXVI. 



75 



40 



ZU dissem fal 
es möcht ein mol 
yerkheren sich, 
wie wol ielz ich 
bin geschlagen aiiB, 
kher nit zum hauß^ 
ist klaffers schuldt — 
in iren dienst trag ich geduU. 



H*.: 14 aL 28. ßeaitht, 29. atu fthU. 32. der fthU. 

Ufß Lkdletn 1544 Nr* 19 1 3, Bolchs nit 4. ist bin» 6. dein njimnar zu. S. ioli zu. 
9. düB ich. 10. wojblicber art 1 1. erzeyget je. 14. als* 15 u. 16. Ehrentre^cb vnd 
werdt wird sie erkaDt, ynd biUich gnant. 18. Dein datom steht allein darein. 20. ginütte. 
2L Verborgen ist. 22. böß liet. 24*^26. yerdriesBen möcht naeb solcher schwer, das ab 
mit gfer. 27, wirdt 29. zu hoC 3L gut. 32. der adel wird dadurch ve rächt 34. muß 
ich. 35. ID. 36« es wirdt. 38. wie jetzt ich. 39. geehjagen. 40. darff nicht. 42. in 
jrem dienst, trag ich hsrUticb gedulL 

Hi. läßS An 30 H. I. fß. 



[fidi>] [66.] Ein annder Hedt Wie man den Turckhen 

hatt sollen streitten. 



1. Ich han gelessen ein coppey — 

merkh was darin geschribcn sey — 

für war es ist kein stempeney: 

ein Christen mensch das ander wil 

vertreiben ; 

5 Ei» Christen mensch das ander 

bindt, 
babst, keyser wider ein ander sindt, 
das freudt sich der Turkh so blindt, 
der thuett sich hoch und also mech- 
tig schreiben: 
Eylff hundert könig hab er in 
seim gewalte, 
10 in seinem dienst mit krefften manig- 

falte 

die im gehorsam sein zue seiner 

krön, 
drey thausent churfursten so kon 
die im allzeit seint underthon 
15 WO er sie darf in stürmen und 

streiten. 



2. Also schreibt er sich offenbar, 
uns Christen [60^] greusonlich für 

war — 
ich sprich also: es sey nit whar, 
er thues allein durch grossen uber- 

muette< 
20 Im gescAicht alß Luciper gegfÄach 
der Gott sein schopfer ubersach, 
darumb kham er in groß un gemach, 
mueß ewig leiden in der hellen 

gluite. 
Hoffart zoch Lucifer zu der helle, 
25 darnach wardt könig Meinrat t sein 

geselle, 
der also mechtig waß und un- 

ge^eme 
der sich gleich Gott seim schopfer 

maß, 
und dabey könig Kosteras, 
der auch zue Babiionen saß, 
30 mit seinem gewalt bezwang Jheru- 

saleme. 



76 



LXVI. 



3. Er nam das heilig creuze fron, 
er fuertz mit im ghen Babilon, 
zur rechten selten muest es sthon 
bey seinem stuel, sein abgott auch 

daneben. 
35 Er daucht sich kunig und keiser 

gar — 
das wardt Heraclius gewar, 
mit sein gewalt macht er sich dar 
und bracht den konig Kostras umb 
sein leben. 
Er todt den kunig Eostras und 
ein sone, 
[60b] darnach fürt er das creuz von Babilone 
41 hin ghen Jherusalem der kheiser 

werde, 
dabey so laß ichs bestan — 
merkh, könig Maximilian, 
thun als Herclius hatt gethon, 
45 wan du bist kunig und keisser auf 

erden. 



6. werder konig, thun darzue, 
der arge Turkh lat uns khein rhue, 
er greift unß an spatt und fru, 
groß ubermuett hatt er getriben 

lange. 
65 Zu Rodiß und an manchem ort 
hatt er getfion vil grossen mordt, 
in der Boleckhen lande dort, 
er hatt auch manchen Christen man 

gefangen. 
Der Turkh hatt manig taussent 
man erschlagen, 
70 vil Christen blut vergossen, hör Ich 

sagen, 
vil weib und khint verberget und 

vertriben; 
im acht und neunzigisten jar 
Im selben summer, das ist wor, 
der Turkh auch manchen man verlor 
75 vonn seinem hör die uff der wal- 

statt bliben. 



4. Ein mherers reichs zu diser zeit, 
Sibbila hatt von dir geseit, 
ein M sie dir zu dienst bereidt 
dasheiliggrab Zugewinnen über möre. 
50 Uns seit also des buches stam: 
Maria ist ein siesser nam — [6ii>] 

von der uns heil uff erden khara, 8i 
der selben gib ich billih breiß und 

ehre. 
Das -M« uns deut kunig Maximi- 
liane, 
55 demjctzsundt wirdtdie kheisserliche 

kröne, 85 
ich trau Gott im soll nit mißlingen; 
greift er die sach weißlich an, 
reckht uff das keyserlich fan — 
er hatt mengen [6i»l werden dienst- 

man 
60 die im zue hilf in notten all zu- so 

springen. 



6. Der Turkh sein arge list nit latt 
er greife uns an frue und spatt, 
dar zue gib ich ein weissen rhatt — 
nun hören zue wie thett man dissen 

Sachen: 
Wan man ein volkh zusamen brecht, 
sehs hundert tausent freyer knccht, 
herlesen schon geordnet recht, 
auß dissem ix)lkh wolt ich z^elf 
häufen machen. 
Iglicher häuf wer fünfzig taussent 

mane, 
ieglicher da muest haben ein fane, 
darzue zwölf hauptman frum und 

ausserkhoren, 
zwelf fenderich darzue erwölt, 
die all von hocher macht bestell, 
und wer sich da unnerlich hielt 
bey dissem volkh, der hett sein leip 

verloren. 



LXVl, 



77 



[62b] 



125 



7. An jedem fan geschriben da 120 
zwölf stuckh des Christen glaubens 

ja 
mit goldt buchstaben also klar, 
darin ein crucefix muest slhon gar 

eben: 
95 Das erucifix also geheur 
gebildet noch Christus figur^ 
des schopfers aller creatur 
und der uns allen seel und leib 
hat geben. 
[eta^l Iglicher hauptman geb sein volkh 

bescheidte: 
100 all morgen fme alda bey irem eide 
mit irem hauptman umb das baner 

knien, 
fünf Pator noster sprechen da 
und auch fünf Aue Maria 
zue lob Gel und unser Frau 
105 ZU der mir haben sollen ein ganz 

vertrauwen, 



130 



135 



8. Das Volk mueß sein bekleidet 

gleich 
mit rott weiß seh warst ganz Oste- 

reich, 
mit grauer färb dardurch ein slrich, 
ein rottes creuz must iglicher haben. 
110 Die Juden in der Christenheit 
die muesien da bey irem eidt 
das tuch versorgen bei der zeit 
damit ich wolt kleiden die freien 

khnaben. 140 
Die Juden wolt ich al darzu be- 
sehetzen, 
116 ir leib und guett muesten sie daran 

setzen, 
das kem zue hilf und steur dem 

gemeinen man, 
darzue gewin gar mancher lust 
und der sich an dem Turkhen rust 145 
mit buchsen, spiessen, armbrost 



damit man straETen möcht den sol* 

dane, 

9, Also das volkh wirt auß ge- 

sannt, 
griJfs an mit wherhaffliger handt 
den Turkhen suchen in seim landt 
jeglicher häuf in eins Zwelf Pötten 

namen. 
Das volkh muest haben den bc- 
scheidt; 
schwur meiden, spiel und un- 

keuscheit, 
zutrinkhcn, füllen, ubbigkeit 
wett ich in da verhielten alle sande. 
Und welcher diß gebott hie thet 
verschmachen, 
dem wolt ich Ion sein haubt ab- 
schlagen, 
kein guett noch gelt wolt ich für 

keinen nemen, 
ich wolt im haben streng gericht, 
es hilft khein guett noch adel nicht, 
dieb, morder, reuber, boßwicht, 
die bössen wolt ich dilgen und 
verdammen, 

10. Domit die sundt wirdt ab- 

gelon — 
merkh, lea»] konig Maximilian, 
wie ich ein anschlag hab gethon 
in meinem gedieht, nun merkh mich 

gar eben; 
Ein schatzsung wolt ich haben 

furwar, 
welchß mensch wer alt vierzehen jar, 
vermocht es fünfzig gülden zwar, 
daßelb mensch muest al wochen ein 
Pfenning geben. 
Wer hundert gülden werdt ver- 
mocht so reiche, 
der geb al wochen zwen pfenning 
Sicherleiche, 



78 



LXVI. 



von thaussent gülden zwenzig pfen- 170 All Strassen muest man freyen wol, 
ning haben [Qiß] wie man landt Strassen billih soll. 



furwar es deucht mich niht zuvil, 
al Wochen bar, kein ander zil, 
kein beiden weder stundt nodi weil, 
150 damit ich aufenhalten wolt die Treyen 

khnaben. 



11. 



Ein sollich Schätzung wolt 
ich han 
von geistlich, weidlich, jederman, 
vonn priester und edelleut alsant, 
das muest geben ritter und auch 

knehte. 
155 Die Schätzung muest man geben 

par 
zu hilf [63b] und steur an die zwelf 

schar, 
bapst, bischoff, apt, minch, alle gar, 
ein doster geb noch dem alles es 
vermöchte. 
Mönch closter der sein mher dan 
dreisig taussent 
160 ia die allein die Christenheit be- 

hausset 
an manchem ort so mechtig und 

so reiche, 
auch seindt der frauwen closter vil 
das ich sie nit all nennen will, 
wiewol sie miesten auch ins spil, ^^ ^ 
165 die Schätzung wolt ich außtbeilen 

geleiche. 



das niemandt geben dorf kein zoll, 
ganz frey geleidt an alle ordt ver- 
schreiben. 
All Strassen musten sein gar wol 
besetzet 
175 das niemandt wurdt an leib und 

gut geletzet, 
man mueß zue fueren aller handte 
zu hilf und steur in die zwelf her, 
mit speiß und trank und auch gewer, 
mit frey geleidt biß an das mher, 
180 biß das man brech dem Turkben 
in sein lande. 



13. 



185 



12. Aufsehen muest man haben 

druflf, 
wen man das gelt wirt heben uff, 
das man gleich theilt in die zwelf 



Damach wolt ich dem Tur- 
kben schem, 
ich wolt in straffen uff den khern, 
seins ubermuetts must er entbern 
den er getriben hatt so vil lange 

zeite. 
Sein ubermuett must im zer- 
ghen — 
merkh, khönig Maximilian, 
zeuch auß dein schwert der römi- 
schen khron, 
geschliffen scharpf zu seinen beiden 

Seiten. 
Thue dein gewalt und macht an 
Turkhen zeigen, 
190 so wirtt dir alle konig und fursten 

neigen — 
also hab ich das mein gesang vol- 

endet — 
ir herm merkhent alle bey: 
das halt gesungen Petter Frey 
zu lobe Gott und Marey: 



hauff, 
damit das volkh bcy einander möcht 195 die helf uns hie zu einem guetten 

. bleiben. ende. 

Bs.: 5. Eim. 20. geeicht, gesach. 49. mör. 53. ehr yddcI breiß. 55. krome. 63. an 
feMi, 75. bor. 83. wolckb. zwen. lOL xmdfehlL 128. weit = wölt 158. /te«: als? 166. Auff- 
scheheu. 181. scheren. 

Über Peter Frey «. Qoedeke, Qrundr. 11^ S. 264; Läiencron, hütor. VoOcsL III S. i Nr, 251. 



LXVIK Lxvni. 



79 



Ein anoder liedt. 



L Elenl bringt pein 
dem herzen mein 
das ich dich lieb mues meiden, 
mein herz schreit ach 
£ vor leidt der sach, 

der Uaffer mich tkid neiden: 
mit seiner macht 
hatt er mich bracht 
in trauren und grossen schmer- 
zen: 
10 das ers erblindt 

der mir das gundt^ 
das \^nsch ich im von herzen. 



S5 



2: 'Laß nit dnimb ab, 
mein stolzer knab, 
15 und kher dich nit an des klaffers 

geschwetze, 
bleib mein allein,' 
so spricht die rein, 
'ja du [65») ntifer welter schätze, 
khum her zu mir 
20 auß rechter begir, 

mein herz thiitt dein begeren» 
in eren dein 
so ml ich sein 
die weil ich hab das leben/ 



3. Mein holdtselligs bildt^ 
in eren mildt 
hast» mein herz besessen, 
kein stundt im tag 
ich für mein klag 
30 und kan dein nit vergessen, 
heimlich und still 
das wer mein will, 
herz liebster trost, bey dir zu sein; 
gluck, fueg und schickh, 
35 all angen blickh 

wintsch ich mich dir inns herze hinein. 



ffi.i 4, aeh fehU. 6. ihut mich felUt, 15. geechwota. 27. haat 

6^ Lkder Nr. 4Si 3, bo ick 4, scbreit ach. 6. der kläffer mich thnt ntiden. 9, \nä 
in Bchmertsen. 10, er. 11, der mim nit gündt 13. drumb nit. 14 xl. Id. knab, ker . < ^ 
ich IV atz. 1& — IB, Bleib alE^lt meini so apTich der reini} du schöner ausser welter Bchatz. 
20. mit gantzer gir. 21. thut Dach dir atrebon. 22 a. 23. Gantz eygau dein, wil ich etetz 
fteia, 25. Schftns lieblichä bild 27. haat du. 28. am tag. 29, ich treib. 31—33. Stets 
wer m^iD >vü, bei dir in still, noeb lust hertz lieb alzeit Euaein. 36, beitse mein. 

Für9ta^ I {iS39 tt. 0.) Nr. 92, III {iS49 u. o.) Nr. W in je 3 eakpr. Str, 

H$. 1588 Jfr. 97 ö, #. w. 



[68.] Ein ander liedl. 



1, Mein herz ist alles Iraurens 

darzu gar sher betrupt, 

druckhen der last kumpt gar da her^ 



vir ein narren bin ich geacht: 
6 reicher Goti, das klag ich dir, 
das ich die schonnst mu/ meiden^ 
das ist meins herzen verdrieß. 




80 



LXVIII. LXIX. 



2. Druck leiden mueß mein eigen 

sein, 
(Irauren [65^] muB ich tag und nacht, 
10 der schönsten der ich lang gediennet 

hann, 
die sich mich nimer an, 
das ist des falschen klaffers schuldt : 
Gott, mag ich das nit rechen, 
sie wirt mir nimer holdt. 

16 3. Ich hab den tag vor mer ge- 
lebt 
das ich was von freiden reich, 
kein freyer heldt uff erden nit was, 
lies ich gedunken mich: 
nun bin ich verlassen von aller 

weldt, 
20 mein herz ist in den todt gewöltt, 
wan sie mir so wol gefeltt. 



4. Nun weiß ich hulf noch rhatt 

darzue — 
o we mir armen elender man! 
der schönsten der ich lang gediennet 

han, 
25 die hatt mich darzue gebracht 
das bin ich hart auf den todt ver- 

wundt, 
und wher mich armen trösten will, 
der wardt kein halbe stundt. 

5. Das ich alzeit so traurig bin, 
30 das ist [66^] meiner treuwe schuldt, 

wann sie sich recht bedenkhen woldt, 
sie muest mir bleiben holdt — 
ach möcht es sunder den thodt ge- 
schehen, 
mein herz wolt ich aufschneiden 
35 und lassen ir in wendig begehen. 



H»,i 6. inast. 7. hcrtzscheD. 35. beschehon. 



Hs. 1568 Nr, 59: 

1. Mein hers ist alles traorens voll, 
•darza bin ich bedrofft, 

Areudtt und mnth ist gar darhin, 
fdr einen narren werden ich geeafft: 
och richer gott, das cli\g ich dir, 
das ich die liebste moiß meiden, 
brengt mir ein scliware pein. 

2. Traaren und leiden moß mein eigen sein, 
•darza bin ich bedru£Pt, 

die schönste der ich so lang gedienet lian, 
hatt mich darza gebracht, 
daß ist des falschen kleffer schuld tt: 
her gott, mocht ich daß ahn im wreghon, 
«unst wirt sie mir nymmer holdtt. 



3. Ich hab den tag woU ehr geliebt 
daß ich was freuden reich, 

kein Areier helt auf erden liebt, 

daß ließ ich gethunken mich: 

nhu bin ich verschmadet vonn aller weltt, 

daß licht mein herz in den thoitt gequeltt, 

biß daß eß mir besser gefeltt. 

4. Daß ich nhu so traurich bin, 
das ist meiner traurigheit schuldtt, 
und wan sie sich bedenken woltt, 
sie must mir wesen holtt — 

och mocht eß sunder den thott geschehen, 
mein herz woltt ich aufschliessen 
und lassens vonn binnen besehen. 



[69.] Ein ander liedt. 



1. Der Wechsel dregt, ist kein 
gutt art: 
wie lenger wie bas so merkh ich 

das — 
ir khent kein stette lieb nit tragen, 
darumb wil ich dich faren Ion; 



5 ^far hin, far hin' ist ganz mein sin, 
an deiner lieb ist gar kein gewin, 
es ist besser gescheiden den len- 
ger gebeiden: 
ratt ich auf meinen eidt — 
zu scheiden bin ich genzlich bereidt. 



LXIX. 


LXX. ^^J^BI^P 


V 


10 2. Ach leiden und meiden ist mir 


(66b] 3, Dem schimpf vogel wil ich nit 


1 


wol bekhandt, 


lenger sein — 


1 


merkhf lieb, wie nodt scheidt ich 


so ich hett dich genzlich ausserkhoren, 


■ 


von dir! 


da lieber kam, muest ich von dan, 


fl 


das halt dein falsche lieb gelhon, 


treuwen dienst hab ich an dir ver- 


JB 


die für war acht nit mher^ 


loren, 


^^1 


die untreu teilst du ganz mit mir, 


du schaffest mit mir dein argen list 


^^m 


15 das bin ich jetzsuntl worden gewar: 


do du der kanzler von bist, 


■ 


ehe lieber kam, do was ich wert^ 


25 den wer dich khen, der kauft dich 


1 


da liett ich was mein herz begert, 


nit: 


^H 


nun seit ir genzHch von mir ge- 


das ist . . , mein bericht — 


^^M 


kert. 


far hin, guett gesel, verseum dich nit! 
Q warlieit ein^meitent 


j 


HiA 1, wecheL 2j. dich nit khea. 26, i 


Dusjseihe Lkd nodi einmai unten, AV, ISt^ tbmfaUs m 3 Str. | 


^^H 


Qörres S. 6'9, 


1 


^M 


[70,] Ein annder liedt 


■ 


1. Darumb ich lang gehoffet han, 


sol eigen sein 


^M 


ist mir von Gott gegeben schon: 


20 das herze mein, 


^^M 


ein hochgebornne schon und mildt, 


das darf sie gar kein zweifei hau, 


^H 


dardurch ist mir mein herz gestilttt 


in lieb und treu, 


^H 


k der icti mich gar 


do ist kein reu, 


^^H 


ohn allen gefar 


ich bleib ir stett ohn abelon. 


^^M 


zu eigen geb; 

die weil ich leb, 
thu ich mih zu ir verpOfchten, 
10 in zucht und ehr 

ist mein beger, 
auch all lueln gemuett dohin richten. 


25 3* Adel ich von höchstem stam^ 
gebreist ist weit . < . ir nam, 
der ich doch geb ganz alles lob, 
sie hatt den rum in aller prob 
von leib und gestallt; 

30 in iren gewaldt 


1 


2. Ade all vergangene freitt! 


ergeh ich mich 


^^M 


ich hab nun mher ein ander bescheidt 


ganz ewiglieh, 


^^H 


15 der mir von Gott befollen wurtt, 


nim wol verguett an dissem theil^ 


^^H 


das ich mich . . , wie sichs [67*] ge- 


das ich begert, 


^^■i 


burtt, 


35 bin wol gewert: 


^^1 


an der allein 


Gott geb uns beiden gluckh und 


I 


ganz schon ond rein 


heilt 
. hau, Ich bleib, In lieb vund treu, do 


5 


Bma 10. ehren. lö. raich haltf 21—24 


iat kfiiii reu, Jx Stett 25. Uutaddicli? 26. weit und breit? D&men. 


^^1 


^""~ 


6 


5 



82 



LXXL Lxxn. 



[71.] Ein annder liedt. 



1. Mein selbs bin ich niht ge- 
waltig mher, 
allein deiner gnadt ich hoflEaung 

haby 
verpflicht ist mir mein herz ohn be- 
schwer, 
kein nngefell mag wenden ab 
5 mein gemutt von dir 

die weil ich spar 
die treuwe dein — 
ghe wie es ghe, 
so will ich stetts dein eigen sein. 



[67b] 2. Dein trost mir fradt und boff- 

niing geit 
11 und nimbt von mir als tranren hin, 
acht nit ob man schon uns trumb 

nridt, 
dan du hast in gewalt herz, muett 

und sin, 
darumb regier 
16 und nit verfier 

den diener dein — 
ghe wie es ghe, 
so wil ich stetts dein eigen sein. 



3. Halt vest, du mein holdtselliges bildt, 
20 las dich kheins wegs verfueren nit, 

bleib gegen mir stett fireundtlich und mildt, 
dan ich uff erden nichts anders bitt, 
dan ich hoff, gluckh 
sich zue uns schickh, 
26 vergis nit mein — 

ghe wie es ghe, 
so will ich stetts dein eigen sein. 



Hs.: 10. yimd VDod hoffnnng gibt 

Forster III {1552) Nr. 20: 1. gwaltig. 2. deinr ehr Ich. 3. ist dir mein herts mit 
•ehmertE. 4. kein mhl mag ydb trejben ab. 5. gmfit. 8. gehe wie es w5L 10. geyt. 
11. all trawren. 12. man yub dammb nejd. 13. da hast mein gmfit hertz. 14. Dmmb 
mieh regier. 17. gehe wie es wöll. 19. holdtseligs. 21. Halt dich gen mir freondtlieh 
ynnd mild. 22. von dir ich gar kein anders bitt. 23. Wann ich. 26. gehe wie es wöll . . . 

Vgi. FoTiter IV 37 {-39). 

1582 A 163 in 3 Str. 

Ochsenkhun Bl. LXXUI^ in 3 Str. {LXX<» ein andres Lied mit gleichem Anfang m 3 Str. 
Akrostichon: Friedrich -Dorothea.) 



[72.] Ein annder liedt. 

1. Ein zuchtiges biltt, 
schon, reich und mildt, 
hatt mir das glickh gegeben; 
(68*] zu diennen ir 

5 für aus uff erdt, 

nach irem gefallen zue leben 



wer mein begir, 
wie wol man mir 

mein wolfart nit will gunnen — 
10 leit mir nit dran: 

was Gott will han, 

wurt niemants weren kunnen» 



LXXIl. LXXIII. ^^^^^^P 83 M 


2. Nach will ich mich 


35 3. Wie wol unnfal ^^H 


bekümmern nit. 


sucht uberal ^^H 


15 mein lieb darumb nit lassen; 


ob er mich möcht verdringen, ^^H 


was mir nit bezimpt 


sucht fleissig zu, ^^^| 


Hocfi ist bmtimbtj 


hatt wenig rue, ^^^H 


das wil ich mich alzeit mossen 


30 er hoffet inn soll gelingen; ^^H 


in Zuversicht — 


der neit thutt vill ^^^^ 


JO untreu die schafft 


in disem spill: ^^^ 


das ich glickh mueß lassen walten 


noch will ich mich nicht besorgen — 1 


ob ich bei ir 


wer wider ehr nit thuett, ^^H 


auß herzen begir 


u darf keiner huett, ^^H 


möcht lieb und gunst behalten. 


....,._ 1 


Ilg.: 14. darumb bekümmern nit 17 fehlt 


[ti8b] [73.] Ein annder Iiedt. _ 1^1 


Ip Des splls ich gar khein glick 


3, Darumb ist es ein schwere ^^B 


nit hab. 


pein ^^1 


der unfal thut mir zoren, 


den [69^1 spillsacht hatt beladen: ^^| 


wie wol ich guet spil in henden hab, 


empündt ich jetz im herzen mein, ^^H 


noch ist es alles verloren: 


ghett mir auch selbs zu hannden ^^H 


fi was ich uff setz, 


25 das ich nicht khan ^^H 


ich wurf drey herz — 


mein Spillen lan, ^^H 


du herz wurf wider warten! 


und hab doch gar kein gefeile — ^^H 


da was kein blatt» 


an dissem ort ^^H 


weder herz noch rott, 


geworfen wart ^^H 


10 fegen mir in irer kharten. 


30 uff mein dreu herz zwu schellen. ^^H 


2. Wie wol sie doch in henden hätt 


4. Da kam frau Venis mit irer _^^B 


herz, schellen, gras und eichel, 


kunstf ^^M 


gar baldt sie schellen auß warfen 


wolt bas vermissen die kharten, ^^B 


thett 


so wolt ich ghern wie wols umb fl 


als mir zum narren zeichen — 


sunst ^^B 


n ein blatt mit graß 


irer gnaden lenger warten, ^^H 


bedeutet das 


35 ist aber verlorn, ^^H 


das sie kein lieb gegen mir thett 


Jupitterß zorn ^^H 


tragen, 


hatt mich mit unglickh droffen, ^^H 


noch wurf ich herz 


das ich mein Matt, ^^H 


und bedenk myt schmerz: 


drey herz ohn rott, ^^H 


20 ich sol villeiht kein glickh nit haben. 


40 so vergeblich hab auß geworfen. ^^H 



84 LXXIIL LXXIV. 

5. Darumb ist alles schon Terlom, 
den glickh batt mich verlassen, 
ich bin zue kheinem heil gebom: 
kundt ich mich spillens mossen, 
45 deucht mich das best; 

wen ich es aber west 
ir gnadt und huldt zue finden, 
wolts noch zur zeit 
verreden nit 
50 und solt ich kein spil nit gewinnen. 



Es,: 2. sorn. 7. wurff erwider. 35. verloreo. 36. in pitterß. 38 o. 39. ich nun hab 
mein drey. 41. shon. verloren. 43. geboren. 49. verretten, tt gebessert in d. 

65 Lieder Nr. 50: 1. nit han. 2. zome. 3. Hab ich gut spil inn henden schan. 4. alt 
verlorne. 7. thet hertz wurffs. 9. noch hertz noch radt 10. gen mir. 12. eycheln. 
13. schellen werffen. 14. mir zu eim. 15. von grafi. 16 n. 17. dz deatet das, sie mir kejn 
gmüt will tragen. 18. So wirff. 19. vnd denck. 20. ich soll keyn glück erjagen. 21. Noch 
ist es dem ejn. 22. hat vmbfangen. 23. Das denck ich itz. 24. vnd geht mir selbe zu 
banden. 27. vnd trag sein gar keyn gfellen. 29. mir gworffen wurdt 30. dreL 31. jr 
konst. 32. wolt mischen baß. 33 n. 34. Nun wil ich lenger wol vmb sonst, noch jrer gnaden 
warten. 35 u. 36. Eb ist verlorn, Jupiters zom. 37. vnfal troffen. 38—40. Das ich mein 
bladt, das hertz vnd radt, vergeblich hab verworffen. 41 u. 42. Nun hilfft mich doch als 
sehnen nit, dann. 43. heyl geschickt. 45 — 50. Es deucht michs best, noch wil ich fest, 
wiewol vergeblich harren, Ir diener sein, glück gib mir schein, ob sie mich schon tut 
narren. 

Forster I 86; Blumm u. AufiL 1602 S. 181 Nr, 186. 

Görres S. 59 \ Böhme, Liederb. Nr. 486; Liederh. III S. 556 Nr. 1773. Heyse, Bücherschau 
8. 158: M 3. 



[74J Ein annder liedt. 

1. Zart schönes weib, 2. Ich los nit ab, 

dein edler leib herz liebster schätz, 

hatt mir mein herz umbfangen, 15 darumb ich hab von dir muessen 

auch noch nit mher bey deinem leib [weichen, 

5 den zucht und ehr ich dannach bleib, 

bringt mir noch dir verlangen; nihts mag ich dir gleichen; 

zu aller zeit ach edles B, 

wintz ich on streit 20 nichts klag ich mher 

bey dir zue sein in freuden, in allem meinem leiden, 

10 ich schlaff oder wach, wan dich allein, 

in Ungemach: sunst anders khem: 

sie mag mir niemandt leiden. dich mag mir niemandt leiden. 



LXXIV. LXXV. 85 

25 3. Mein herziger trost, 
wer ich erlost 
[?()•] und möcht auch bey dir bleiben, 
kein lieberen schätz 
begert mein herz, 
30 mein schönste ob allen weihen; 
zu aller stundt 
wuntsch ich auB grundt 
bey dir zue sein in eren, 

ich schloff oder wach, 
35 in ungemach: 

dich mag mir niemandt leiden. 



Hb.i 8. in. 36. Ucb: weren? oder 83. in Areuden? 



[75.] Ein annder liedt. 

1. Verschutt hab ich mein haber 2. Wo sol ich aus, wem sol ich 

mueß, zue, 

das mueß ich offt entgelten, wo sol ich mich hin kheren? 

das ich nun alzeit fasten mueß, alles das ich immer thu, 

das geschieht mir offt, nit selten — das thu ich ihr zun ehren, 

5 ich armer man, 15 mein hab und guett, 

was hab ich gethon! kein tröpfle bluett 

mein gluckh hab ich yerspillet, will ich in mir behalten, 

herz, muett und sin o reines weib, 

ist gar dahin, noch deinem leib 

10 ist alles durch irent willen. 20 wil mir mein herz zerspalten. 

[70i>] 3. Gedecht ich nit so offt daran, 
es khem mir zu verweisen 
die untreu die du mir hast gethonn, 
die solt ich dir verweissen, 
25 und wher es doch 

nit scheltens wert 
als sich die brieff inhalten, 
so forcht ich doch 
es gesche mir noch — 
30 nun will ichs Gott lassen walten. 



Hm.: 7. liea: thet ich venpilen. 18 a. 14. ich Ihr thu das thu, dz tha. 
DoMdbe Lied noch einmal Nr. 142: 1. Ich hab verschfitt. 8. na allezeit 4. geschieht 
mir offt vnd seUten. 6. than. 10. alles dorch deinetwillen. 13. alles das ich inn mir thue. 



86 



LXXV. LXXVL 



14. dm tiioe ieh Ir Za Elirai. 16. tiopffeii. 18. o emigw weib. 19. nadi. 22. e 
24. Idi tollt dich niderreißeo. 26. lelielt«!. 28. ao hoff ieh dodi. 30. kn wanten. 

1SS2 A 170i 1. Ieh hab Tenehfitt 2. dM. 3. ich «keit. 4. offi und seltai. 9. ud 
«n Bein g«wiii. 10. deinel willeii. 13. und mlles wis. 14. dir xa dveii. 15 /dUL 
16. tropv6D. 

///. Laeheii mag ich nimmcnnehr 
wenn ne mich nü thnt troeten, 
so ftfirb ich sehen jar deet ehe, 
mein leiden ist am grösten; 
wie ich jm thn^ 
hab ich kein roh, 
hast mir mein hen gefangen, 
o reines weih, 
nach deinem leib 
steht mir mein gros Terlangen. 



IV{^E$,S) 21. so dick, 
wolt Ichs Gott lan walten. 
Es. i56H Nr. 34 u, $, w. 
Wrret 8. 61 «. $. w. 



24. ich solt dich niderreißen. 25. ja weiestn. 23. hoff. 90. so 



[76.] Ein ander liedt 



1. Ich weis mir ein blumlein 

bloe 
▼onn bimmelbloem schein, 
es sthett in gruener auwe, 
es heist vergiß nit mein; 
5 ich khondt es nirgent finden, 
was mir verschwunden gar, 
vor reif und khaltem winde 
ist es nimmer da« 

2. Ich weiß mir ein bluemlein 

weise, 
10 es sthet in gennem riett, 
von art so ist es kleine, 
es hdst nun hab mich lieb; 

es ist mir abgemeyd 
wol in dem herzen mein, 
15 mein lieb hatt mich verschme^, 
ich khan nit frölich sein. 

(71«] 3. Das bluemlein das ich meine 
das ist rosinarott, 
ist herzen trost genennet, 
20 auf dirrer beiden stett; 



sein färb ist im verblichen, 
der wolgemuett ist dur, 
mein lieb ist mir entwichen, 
verloren hab ich mein trost 

25 4. Ich weiß mir ein bluemlein 

weisse, 
sthett mir in gruennem graß, 
ist gewachsen mit ganzem fleisse, 
es heist nun gar schabab; 
das bluemlein mueß ich tragen 
30 wol dissen sommer lang, 
vii lieber wolt ich haben 
mein« bulen umbefang. 

5. Noch heuer gegen dissem 
sommer 
kumpt uns der liechte mey, 
36 bringt uns der blumlein wider, 
der färben mancherley, 

bringt unß der bluemlein wider: 
braun, weis, gelb noch der zeit — 
so leut in mir nit wider 
40 was ein iglichs bluemlein bedeutt. 



LXXVI, 1 


-XXVIL ^^^IP^^^ 


1 


[7ii>] 6, du herziger wolgemoelt, 


8, Der reif mit seinen Zeiten 


H 


wie orfreigtu mich so wol! 


verderbt vil blumlein zart, 


^^M 


kein bluemlein mir nie lieber wartt, 


ghett umb die klaffer schmeichlen 


^H 


zun eren ich dein beger, 


60 mit ungtreuwer art; 


^H 


46 ich beger dein ewig zu bleiben 


vil grosser Heb uff erden 


^H 


biß uff das ende mein; 


die [72»] itzsundt mus zerghen — 


^^M 


halt mich in deiner werde, 


was mir heuer nit mag werden, 


^H 


herzig lieb, vergiß nit mein! 


das wjI ich ein ander jar hann. 


^M 


7. Mein herz leidl groß kummer 


65 9. Herz lieb, du darfest nit den- " 


^M 


öo daß mein vergessen ist, 


khen 


^^^ 


so hoff ich uff den suramer. 


das ich von dir wil Ion, d 


^^M 


wol uff des meyes frist — 


an dir wil ich nit wenkhen, 


^H 


wan sich die reifen vergangen 


bey dir khan ich nit sein; 


■ 


und auch der kalte sehne, 


was ich gbem thett in treuwen, 


H 


6& von der aller liebsten werdl ich 


70 das schafft mein ungewin: J 


^fl 


entpfangen, 


herz lieb, nun halt dich stette, " 


^^M 


detts dem klaffer im herzen whe. 


wie fer ich doch von dir bin. 


j 


Hm,% 12. efl heifit fehlt, 13. abgemejL 1 


57 u- 59* ifes: Eeichen, achmeiehen? acbmeicher ich&n ohen 4, 31. 70. angewon. J 


^^M 


Görru S. 9-, Uhiand Nr, M] Böhme, Liederh. . 


Nr. Mä; Lüderh. II Ä m ifr. 387, 1 


H 


[77J Ein ander liedt, 1 


1 


1. Gnadt und gunst hoff ich, herz [72b] 2, Hoffnung die halt mich alzeit 


^B 


allerliebste mein, 


emhert, J 


^H 


von dir allein, 


bin ohne beschwert ■ 


^^M 


dergleichen soldu wider warten 


16 gewessen, dein zun ehren ich hab 


V 


sein, 


begert; 


■ 


ker dich nit an ein jede falsche 


dein weiß, gebert und gestalt mir 


H 


redt, 


so wo! gefeit. 


^H 


6 biß mir stett, 


hab ich zue Gott gestelt | 


^^M 


du siest doch leider wol wie es mir 


und dich herzallerliebste auferwelt; 


^H 


jetzsundt ghett: 


dan was Gott gibt. 


fl 


des klaffers mundt 


20 mir selbs vor allen dingen liebt, 


H 


uns beiden kein guetts nit gundt. 


des klaffers list wurt mir es nit 


H 


an seinem hals mueß es sich enden, 


wenden, 


H 


10 sein boehen, bellen, vU der argen 


sein krafft und macht im ganz und 


H 


dickh 


gar nit helfen mag, J 


^H 


ist unser glickh; 


es leidt am tag; " 


^H 


darumbf herzallerliebste, schlags 


was klicks ich hab, ist alles des 


^M 


zu ruckhl 


klaffers klag. J 
1 


j 



88 



LXXVn— LXXX. 



26 3. Sein zung darzu so sher geschliffen ist 
auf alle list, 
an einem falschen herzen im gar nichts brist, 
er weis wol was er thun und lassen soll 

oO ••• ••• ••• 

dem windt khan er den mandel henkhen — 
dem ich das liedt zue gefallen ver- [73*] teutschet han, 
85 khans wolversthon, 

den ich nit mein, den ghett es auch gar nit an. 



H$.\ 1. Hebst. 29—32 feMtn. 

[78.] Ein ander liedt. Zucht ehr ynnd lob ir wonet bey . . . 

S funfiehnz. Str. [7db] Str. III 1. Ich lafi in reden, was er will . . . Da$$eibe Lied nodi einmal 
unten Nr. 204 volUtandig^ Akrostichon auf den Namen: Cristina, m 8 Str. 

[79.] Ein annder liedt. Ich hoff es sey vast sher wol muglich . . . 

2 ttDontigg. Str. Von einer driäen Strophe nur die wieder durchetnchenen Worte: Ich hoff es sey 

vast sher wol muglich, daramb ! . [74*] Str. II 1. Ich hoff es sej fast sher wol muglich . . . 

Dasselbe Lied noch einmal unten Nr. 151 vollständig in 3 Str. 



[80.] Ein annder liedt. 



1. Kein lieb ohn leidt, 
schwer ich ein eidt, 
ist nie erfunden worden; 
die Heb ist blindt, 
5 ganz nihts besindt 

und macht ein schweren orden; 
kumbst du darein, 
du leidts groß pein 
und darfs doch niemants klagen, 
10 du krengst dich sher 

und macbts dir schwer, 
dein herz mecht dir verzagen. 

[74i>] 2. Lieb hatt kein mos, 
bringt neidt und has 
16 und mach vil schweren gedankhen; 
ghett er von ir, 
sie meint gar schier 
er werdt zu einer andern wandern; 



der gleihen thut 
20 in seinem muett 

so er sie meint mit treuwen, 

ersieht ir nach, 

im ist gar gach, 
groß lieb thutt sich vemeuwen. 

25 3. Lieb bringt leidt 

noch grosser freudt 
wer sich darein thutt geben; 
vor lieb und gunst 
ist kar kein khunst 
30 und bringt manchen umb sein leben 
der sich so gar 
in sorgen zwar 
die lieb lest überwinden, 
er hatt kein Tue 
35 nicht spatt noch frie, 

vor leidt möcht im geschwinden. 



Bs,: 18. Hes: wankhen? 31 reu. 35. nicht f^lt. 



LXXX. LXXXh 



m 



Fl, BL Yd 9570 Vier schöner lieder {o. 0. «. J.) 2, Kein Üeb mn lejd ... Z. 2^ ichi, 
8* leydfit 9. irnnd darff&t das niemaDd klagen. 10. krenckst. IL madis. 12. m<^cht 
13. m&B. 15- vnd macht yU schwerer gedancken, 18. wancken, 19. dorgleych er that. 
22. Behaute 25. briDget. 29. gar. 3L der Bich spar, SS. die liebe yberwindenD. 
35 o. S6. spät vnde fru, vor lejd m^cht er »terbeo. 

Frml^tirt o. .¥. StadibibL Samme!b. L 321 BL 77 Schoner Lieder drey, | Das Erst» | Keyn 
frefid an layd mag mir | widerfarcn. | Dae Ander. | Keyn lieb an layd, schwer | ichs eyn eyd. [ 
Dflfl Dritt I Die Snnn steht am h<>chsten^ { der Mond hat sich verbert. (4 Bl. 8^ o, 0. u. J. 
Rück», des ersten tt. dai letzte BL ieer.} 2 in 3 Str. 

Vgl, H9, 1574 Nr. 12-, Niederd. Lüderk Nr. SO i" Jahrbuch f\ nd. Sprachf. 26 {tBOÖ) S. 23. 

Qorrei S. 54. 



Ein ander liedt. 



1, Nach wülen dein 
gib ich mich dir allein 
in treuwen zue erzeigen, 

für alle auf [75*] erdt 
6 bis tu mir werdt 

und gib mich dir für eigen 
ganz in dein pflichte 
der Zuversicht: 
laß dir mein dienst gefallen — 
10 glaub mir furwar: 

in frauwen schar 
liebstä du mir ob in aHen. 



2& 



2. Bey deiner ^estalt 

winsch ich offt und baldt 
15 zue sein in lieb und ehren; 
da hetl mein herz 
freudt, Kist und scherz, 
recht lieb und Irey zu nheren, 
ohn allen verzug 
20 hilf, rhatt und schickh — 

darfs du dich nit besorgen, 
wan das glickh khera 
das ich dich nern, 
woU sein faey dir verborgen. 



3. Leben bey dir 
wer alzeit mir 
für alle freudt auf erden, 

beger offt der stundt 
darin dir kundt 
ao meins herzen gelieim mecht werden? 
dan itzsundt eÄ 
nach dem abe 
lieht mir der buchstab zutragen, 
dan dein lieb . . . 

8$ Sprach: 

es wirdt halt viere schlagen. 



Ä<; 31. ehe. 36, schlage. 

Oefftin 1512 Nr. 26i 1 u. 2, Nach willen dein mich. 4. ol. 10. dan glaub für war* 
12. libttu. IS. gstaU. 14 oft bald* 17. tust, frt'ud und scherz. 18. meren. 19. on aÜ 
Yerzick. 21, bedarf t doch nichts. 22, wo dfts. 23. daa ich dir guem. 24. würd sein bei 



90 LXXXL LXXXIL 

mir Terborgen. 28. ger oft 30. gheim. 31. jetst and e. 32. nacli abe. 33. xtragen. 
34. den dein lib aach. 35. und darauf sprach . . . 

H$. 1568 ^. 5 U.S.». 

Dk beiden Lieder ik. 81 «. 82 sowie Nr. 120 emAaUen mehrere Scmierdrucke^ deren emer m 
der H$, der beiden Herren van Hdm^orff {1569/75) abgeeekrieben isi und Nr. 29—31 darin ^ 
liefert hai: 

Yd 9299 Drey hfibeche Lieder, Das | Erst, Nach willen deyn, jch mich dir allwi. | Das 
Ander, Bosina wo war dejn | gestalt. Das dritt, Ehm werd 1 anff erdt, von tngent | schön tc 
{Am Schluß:) Oedmckt zu Nfirmberg durch | KOnigund Hergotin. (4 BL 8^ o. /. Ruck», des 
ereten u, leUten BL leer,) 

Zürich, Stadtbibl. SammOb, XVIII 2017 St 13 Drej schöne lie | der. Das erat: Nach 
wil- I len dein, ich mich dir, }c. Das | ander: Bosina wo was dein ge- | stalt, )c Das dritt: 
Ehm I werdt, auff erd. {Bildchen. 4 BL 8^ o. 0. u. J. Rücke, de» leUten BL leer.) 

XVIII 2017 8l 14 Drey schöne Lie- | der. Das erste: Nach willen | dein, ich mich 
dir, 7c Das ander: | Bosina wo was dein gestalt Das | dritt: Ehm werd auff Erd, :c 
{Büdehen. Am Schluß:) Qetrackt su Augfpurg, | bey Michael Manger. (4 BL 8^ o. J. Aüdb. 
des leUten BL leer.) 

Es, 1569/75 M*. 29-^1 Drey schöne Lieder. Das Erst, Nach willen dein, ich mich dir 
allein. Das ander. Bosina wo war dein gestalt. Das dritt Ehmwerd, auf Erd. 



(76b] [82.] Ein annder liedt. 

1. Rosina, wo was dein gestalt 2. Hett dich Virgillius bekannt 

bey kunig Paris leben, weil er bedacht zu schreiben 

do er den apfel hett in gewalt, von Helena aus Erichenlandt 

der schönsten solt em geben — ir zier ob allen weihen: 

6 für war glaub mir: 15 so hett er dir 

hett Paris dich vil mher dan ir 

mit deiner schön gesehen, der schöne zu gemessen, 

Venis war nit mit der du hast 

begabt damit, mich hart und yast 

10 der preis wer dir verjehen. 20 lieb habenlich besessen. 

3. Ich weys: hett Ponttius zu seiner zeit 
gesechen dich der gleichen, 
Sidonia hett muessen weit 
von seiner lieb entweichen 
25 und ander vil, 

darzue ich will 
er aller keine reuwen 

und freien [76»] dein — 
dein will ich sein, 
30 die weil ich leb, in treuwe. 



Hs : 7. geschehen. 10. dir vil höher. 18. vo. 27. er = ir. 



LXXXIK LXXXIU. 



91 



A* »* Aich Nr. 39 1 B. gwalt. 5. glatib ich. 8, wer nit. IQ, dir verjehen, IL Virgilius 
bekandt. 14^ zierd. 21. Pontus seiner seit, 24, von deiner, 26. damin b. 27. ir aller. 
28. frewen* 30, trewen. 

H». tSßS Nr. 28, 157i Nr. 34 u, t. tp, Zitchr. f. deutidie IWoL 33, 614, Dasui Mmtand 
tS7S i^, 13 m 3 Sft-, Mitäer S, SSB ifr. <f57, 

Fl. Bl Batet, Sar. Uti SL 42 {t^mtümmelt, 3 BL A ij, A iij, —; Tium. felilt; lUder, 4 an der 
Zahl, voüntändig): Jth ajrmer Boß, bin gantz verjrrt ß Sir* Ein ander hüpach Lied. Der 
Ynfal Tjtt mich gantz Ytid gar S Str. Das dritt Lied. Ro&ina wo was diu gestalt 3 Sir, 
Das Tierdt Lied» Keer wider glück mit frönden 3 Sir, 



[83.] Ein ander liedt 



1. Ach Gott, ich klag dir nieioe 

nott: 
ich bin verwundt biß in den todt 
und mir ist raissolungen, 
ich hett mir ein feins lieb auss* 

erkhoren, 
5 von im bin ich verdrungen. 

2. Er hell mich lieb, er hedt mich 

werdt, 
ich thett als was sein herz begert 
in züchten und auch in ehren — 
er hatt ein andere vil lieber dann 

mich, 
10 er hatt mich übergeben, übergeben. 

3* Was hilft dich, knab, dein 
falsche list, 
das du so gar der untrey bist! 
magesl nit uff mich ^ewarten! 
dein untrey hab ich lengst gewist, 
la krenk mir herz, muett und sin«^. 



[76*»1 4p Hett ich dein untreu vor pe- 

wist, 
deiner lieb hett mich nit gelust, 
du hast mir ofifl gelogen; 
far hin, far hin . < . 
20 du must mir aus dem herzen, ja 

herzen, 

6. Der sich uff einem distelbaum 

se^0t 
und sich uff junge khnaben ver- 
lest, 
der lest sich blinden leiden: 
art der lest von arte nit, 
25 unnkraut vsrill auß dem kharten nit. 

6. Ich hett mir ein apfel, war 
hübsch und rott, 
halt mich verwundt biß in den todt, 
noch war ein wurm darinwe; 
far hin, far hin, mein apfel rott! 
30 du must mir auß dem sinne. 



Em,: 15. kreok = krenkt, sin. 16. vor f^hU, 2L sehet 28. darin. 

aorr€9 S. m; Ukkmd Nr, 50; Hüfffnmn, QtMdkehL /fr. 125; Erk-Böhme, LtedcrL II S. 214 
Ä- 403. 

Hämmer mU dem Anfange Ach Gott, wem soll ich klÄgen mein leid; Hg. 1574 Nr. 50^ 1575 
Jfr, 99 u, 145 u, 9. w, 

AfQhw f. (f, nsuerm Spr. 111^ 271. Da^: Miükr S, ^06 Nr. 665-^ Ä, Frhr. t?. Mitncr&n, 
Voikti. «m 1530 {Naiiünul-Liii. 13} S, 225 ifr, 7^. 




92 



LXXXIV. LXXXV. 



[84.] Ein ander liedL 



[TT] 1. All mein gedenkh 

kber ich and wenkh 
noch einer zarten, ist seuberiich — 
wan ich sie an sich, 
6 so erfreidt sie mich 

in stetter begir, 
sie geliebt mir sher. 

2. O whe, o whe and ach 
der schweren sacb [rott! 
10 das ich maeß meyden ir mindlein 
sie leidt mir in dem sin, 
und wo ich bin, 
so bleibt bey ir 
herz, mutt and all mein begir. 



16 3. O do mdn tansent schon, 

mein höchste bon, 
da hast mein h»z in deiner gewaU; 

dein dienner will ich sein, 

herz liebste mein, 
90 die weil ich hab 

das leben mein. 

4. Ich sendt and dracht 
stetts tag and nacht 
das ich nit stetts kan bey ir sein; 
35 schweig, lieb und leidt, 

erwardt der zeit 
in stetter iiatt: 
mein will ist gaett. 



B$. i:^6S Air. 12: 
L AU mein gedenk 
ker ich ond wendt 
nach «ner »urt is soaeiüeh — 
wjui ich sei angesehen, 
5 so erfrewet sei mich 

in Stettiger boger, 
sie liel>et mir sehr. 

2. Ich sacht aod tracht 
bei tag nnd nacht 
10 das ich nitt stetz bei ir mag sein; 
sei ligt mir in dem syn: 
stets wor ich bin, 
noch ist bei ir 
all meins herzen boger. 



15 



20 



3. Da dnsent schon, 
da höchste krtm, 
da hast mein hers in d«ner gwalt; 
dein dieno" will ich sein, 
zart schönste mein, 
dweil ich haben 
das leben mein. 



4. wee ond wach 
der Bchwarer clagh 
das ich moß meiden ir mandlein roth! 
25 na schwigh, leidt ond meidt, 

verbeidt der zeit 
in stUttiger hoitt: 
mein will ist gaitt 



[85.] 

(77bl 1. Ich klag 
den tag 

und alle stundt 
das mein außbundt 
5 nit halt sein gesundt, 

der halben ich bin verwundt, 
mein herz leidt schmerz aus guet- 
ten grundt 



Ein ander liedt 
2. 



Wie mag 
ohn klag 
10 mein herz nur sein 

die weil groß pein 
sich meri darein? 
mein glickh, mer sc^in, 
das werdt getrost die herz aller 
liebste mein! 



LXXXV, LXXXVI. 



»3 



U B. Unglickh, 

dein dockh 

baldt voD mir wendt, 

thue das behendti 

mein groß ellenndt 
m zu guttem endt 

das wirdl durhs gluckh in freiden gewendt. 



ff«.: 1, guott 12 fehä. 13. sein. 

i2l Lieder 1534 Nr. 27 1 6 n* 7* deßhalb verwunde mem liert« üj leid aus gutem gmndt 
12 u. 13. eich mert dfireii), meiti Sonn mir Bchein. 14. die liebste meia. 21^ mit fr enden 
wendt, dnrch glüeck getendt. 

ffs. IS68 Nr. 7St ZtMchr. f. deutsche miol. 55, S24, ^ FL BL Yd 7S2J (Emhand v, J. 153B) 
Sl 33 Drey schöne uewe Lieder | Das erat / Ich klag den tag vnd alle stand . . . Nürnberg / 
Kunegund Hergotin o. J. 3 Sir. — Yd 926 i Brudisiück^ letztes Blatt eines Lieder heftcheru^ Rück-' 
aeiie ieer^ Vardergeite: Ich klag den tag vnnd alle stund , . . 3 entspr. Str. — Yd 9fiSl Drey 
Schöne Lieder/ | Das erst/ Ich armer Foß 2c. Da« | ander /Ißbruck ich mn(3 dich | läesen. Das 
dxit/lch I klag den tag viid | all© stnnd, {Bädchen. Am Sckhfii) Gedrückt äu Nürnberg j 
durch Frl derieh | Gntknecht. (4 BL 8° o. J. Rucks, des ersten u. letzten BL leer.) 3 in 3 entspr. 
Sir. Die beiden andern Lieder dieses Einzeldrucks in der Hs. Nr. f39 u\ täl. — Ye 466 Drejr 
schAne newe Lieder | Das Erst / Es saß ein Ewl \ vnnd span. | Das Ander / Es iBt ein Bchnee ] 
gefallen / hndelump. | Das Dritte /Ich klag den tag | Tnnd alle stnud. {Biidehen^ Eule heim 
Spinnrocken darsL 8 BL W° o, 0. u. J, Rücke, des ersten u. letzten BL ker.) 3 in 3 entspr. Str. 
— Frankfurt a. M. Fre^ag XXI 3U Drey schöner ] newer Lieder. Daa Eretei ] Von deinet- 
wegen hin ich hie /Herta/ 7c, | Das Ander: | Inßbruck Ich mül5 dich lassen /ich far/ ac. | Das 
Dritt: Ich klag den Tag vnnd alle stund / jc. {Bildchen. Jm Schluß:) Getmckt zu Angfpurg/ 
durch I Hichaelem Manger/ Mattheus | Francken nachkommen. (4 BL 8° o. J. Rucks, des 
lelßten BL teer.) 3 in 3 Sir. Die beiden andern Lieder dieses Einseidrucks in der Hs. Nr. 139 

u. ist;. 



[86.] Ein ander liedt. 



1* Der Summer ferl lins von hinnen, 
[78 •] die lufftlen sein Worten kaldt — 
mir liebt für all mein sine 
ein röslein, was wolgestalt; 
5 wie mecht ich das erheben 
für reif, für schuees frost! 
den Winter wolt ich es tragen, 
verschwunden ist alles mein klagen— 
wan sie ist wol behuett 
10 vor manchem dummen muett — 
o wie whe mir scheiden thutt 
Ton meinem röslein rotll 



2, Ich sähe mir in gruener auwe 
vil manches roslein stau, 

16 die lieblicli waren an zu schauen, 
von färben gemalet schon: 
da sähe ich under in allen 
ein roslein in dem thal — 
das thelt mir bas gefallen 

20 die schönste mit reichem schalle — 
bey den andern roslein stlion; 
wie baldt ich zue ir sajß 
nider in das grüne gras, 
von dem thau da wardt ich naß. 



S4 IXKXVL 

fi 3l I«Br ÜBE äsr äieSl nüä: i^rtaiBD. 4. W«käi 

OET trapTies iiaEnnhp zal. iPEsäi thnnilinti aa8 dm lindl 

«cumuL KsiäcsäC XDBEc iTKifiiD mH "^^ Tili' ngHTwiri Qiftyn v^dAcb« 

Tss steag Sem sactc^pftL 41* luu vbu «ts-Miibu« baidi 

Sil äs JL ^wwi 'vaJdi csiisL äi& mf äem fe^'>^ sann: 

J7^ ic^ inäsi jdk nfii sb ralrizi^'szi. itsrnäo' MiunAri ins öer BMyen, 

*ral dnrds dem Uee ba^rmrezL xs saüem wir uns flcu»«i , 

^itjffmnif äät wmt p^oäL 4i' ofs- srnmna' fErt teffidi diiwr — 

ert käi faäjäs biSu urer jdi nuns bokn ^ifweri 

ad dB moD &iiB Sd» ws& &k vss mem ben bf^pal: 

flimim pefki Her i«. kii bfd |tq8 freaäi auf dusstts- cniL 

5l Im khun snr Snr sn fron Testf — 
«fr vk baldt k^ nöA äarzoe* kfirl 

dB 5ci2 si£3D feöxs Bd> wesle. 

•ÖK v^s ITBS 3ZMS3X1S beneD be^. 

öfi fmät xi2 säe aDÖDe 

&£ eözKS- XBSK säum, 
» SHÖi tzmareD das was kkäxie — 

dk «cboDcsl die leb möaxt — 

£e ibor wurden anf prthar: 

<5?1 ward! idi eäogebii 

TZDji warät eszip&cDfvsi ^ar fviicscL 
«• das fneoksn wardl mir za IbocL 



Cir—iiL frBnoem re&EL 5ixr bk> 5ts< — i^ foiiat :^£.:: J.v^^f «. l. «aanr. £. &. ^ sc: 



■87.] Ein asder Medt. 

L Sdrv^r lax^kweylir kl xczr i&esn ^ was mesden kl — 

ses! acls wbe der &kt! 

»jdl Jdj xzDcb falb ^escbeiden k: ndr fir bm^ mH ddazKnes. 

Tcc äir. XD€SD scbaix und faocbsle des idi cffi kkp — 

Ireadt es ^cbeandt kein ta^ 

kitn sae kb, das kb BmS meideD, k< dem wirdl (tidadsl k 



LXXXVII. LXXXVUL 



95 



2, Wan mich ietzundt ein lange 

fardt 
in thraurens pein thutt setzen, 
mein einigs lieb, gedenk der wort 
domit ich mich thett letzen» 
lö mit was gestalt 

in deim gewalt 
ich mich dir hab ergeben, 
darumb ich sprich 
[n^ das ich ohn dich 

20 kein stundt mag frölich leben. 



3, Ach das ich dich, o herzigs lieb, 
die zeit in leidt mus mi^idenf 
so pitt ich dich: nit acht was man 

klafft, 
ich wil dir sthett beleiben; 
s& darmiit will ich 

beyelhen dich 
deinem ganz treuwen herzen, 
ohn zweifl frey: 
sey wo ich sey, 
30 dein wirdt gedacht in schmerzen. 



Hs.x 14. do ich. 26. be$A^i micb. SO. in memem hertzeD. 

^5 Lieder Nk iU\ 4. erst morck dz ieli muß leiden. 5. leiden. 7. wirt mir au lang. 
6. daa ich. IL dann micli itzund mein lange fart- 13. eüiigs E. 14. da mit ich, 2t. Vnd 
das iqIi dein edle freüntscba0't. 23. Ich bitt dich. 24. wil der dein. 26. mich. 27. deim 
gantien. 28. aweifeL 30. trag ich nach dir groß Bchmertzen. 

For§t^ I mi Meümd U75 Nr. L9; 1582 A 22^ B 74 — in je 3 Stf. u. m. ir, 

ffs. 1575 Nr. 89. 

G&rrea S, 51. 



[88.] Ein ander liedt. 



1. Vil untreu ist auf erden, 
darvor mich Gott behuet, 

ich wintzsch im das heimlich leiden 
der mir das wider riedt 
6 das ich mich solt von dem wenden 
der mir als guetts gunt, 
mein leben wurdl sich enden 
so ich in miest verlhonn. 



[softj 2. Darumb ich Gott will bitten 
10 das er mich baldt erher 
und alle meine gedankhen 
das ers zum besten kher, 

dan alle meine gedankhen 
die sthen allein zu im, 
16 sunst keiner auf diser erden 
sol kummen in mein sin. 



3. Lang zeit das ist nit ewig, 
das hab ich offt gebort, 
ich hoff noch zue erlangen 
20 als was mein herz begert; 

so schickh uns Gott das glickhe 
zu seiner gelegenen zeit, 
so will ich in nit auf geben 
in lieb und auch in leidt. 



FL BL Yd 7850 St. 21 Zwej Bcliöne ne- | we Lieder/ Da* erst / Mir Hebt | im gn^nen 
Mayn 3c. Hat seine eygen | Melodaj, Dae ander / Vil vn- | trew ist auff Erden /Im | Thon / 
Wie möclit ich | frfilich werden. (Bil<khenj Frau im Blumengarten äaTsieäend\ links oben die Buch^ 



96 



LXXXVIII. LXXXIX. 



$taben: LMAI|DNMB|I, — rechts unten T. W. Am Schluß:) Gedruckt zu Nfbrnberg/ 
durch I Valentin Fuhrmann. (4 BL 8^ o. J, Rüdes, des letzten BL leer.) 



1. Viel vntrew ist aufiP Erden, 
dauor vns Gott beh&t, 

wünsch jm das heimlich leyden, 
vnnd der mirs wider thet, 
5 das ich mich solt von jhm wenden 
der mir so gutes g&ndt, 
mein leben das wird sich enden, 
wenn ich jhn must yerlan. 

2. Dammb wil ich Gott bitten 
10 das er mich w^l erhören, 

vnnd alle mein gedancken 
w611 er zum besten keren, 
dann alle meine gedancken 
die stehen allein zu jhm, 
15 sonst keiner auff diser Erden 
sol mir kommen in mein Sinn. 



3. Er hat mein hertz getroffen 
der zarth vnd wolgemut, 
zu Gott da thu ich hoffen, 
20 mein sach solt werden gut; 
er leid mir allein von allen 
wol in dem Hertzen mein, 
sonst keiner thut mir gefallen, 
sein eygen wil ich sein. 

25 4. Langweilig ist nit ewig, 
das hab ich offt geh6rt, 
ich traw mirs wol zu erwarten 
vnnd was mir Gott beschert: 
beschert mir Gott das gl&cke 

30 zu seiner gelegnen zeit, 

den Knaben wil ich nit lassen 
zu lieb vnd auch zu leyd. 



5. Ach wer ist der vns das Liedlein sang, 

so Frey gesungen hat, 
35 das hat gethan ein betr&btes hertz 

wol an eim Abendt spat — 

es hats so frey gesungen 

auß frischen freyem muht, 

weinen hat es inn worden, 
40 wie wee das scheyden thut. 



21. von allen fehlt, 29. glück. 32. zu fehU. 

Nürnberg, Qerm. National-Mus, L 1728^: Zwey Schöne | newe Lieder /Das erst: | mir liebt 
im grünen Mayen / 2c. Hat sei- | ne eygne Melodey. Das ander / Vil | vntrew ist auff Erden / 
im Thon | Wie m6cht ich frölich | werden. (Bildchen. Am Schluß:) Gedruckt zu Nürnberg / 1 
durch Valentin | Newber. (4 BL 8^ o, J, Rucks, des letzten BL leer.) 2 in 4 achtz. Str. 

An erster Stelle steht in diesen beiden Drucken das berühmte Mailied Q. Qrünwalds mit je 14 Sir. 

Es, der Herren v. Helmstorff 1569/75 Nr. 42 in 2 Str. 

Oörres S. 95. 



[89.] Ein ander liedt. 



1. Ann dich hatt sich gebunden [80i>] 
mein herz mit stettigem eidt, 
die treu so werdt ir finden 
bey mir in ewigkeit; 
5 das wil ich dich gheweren, 
dan thue dich freundtlich zue mir 

keren 
aus gunst und rechtem bescheidt. 



. Ganz rein solt du dich hal- 
ten, 
beger ich zue aller stundt, 
10 damit uns nit zu spalten 

falsche redt aus klaffers mundt: 
so will ich khein andere pflegen, 
und solt mich auch begeben 
unglickh und grosse notth. 



LXXXiX, 


^ XC, 97 ■ 


15 3. Dir will ich lieb versprechen 


das laß du mich geniessen H 


die weil ich im leben bin, 


und thue mich freundlich schliessen H 


niein treu an dir nit zu brechen 


wo[ [si»l in dem junge herze 


das hab ich ein statten sin, 


dein. ^^^ 


wjl auch kein lieb nit sparen 


^^H 


20 SO lang biß ich dan fare 


5. Das liedt sey dir gesungen ^^H 


ans dissem etlendt dahin* 


30 zu thausent guetter nacht ^^^| 




von einem khnaben junge ^^H 


4 Freundlichs herz in ehren, 


mit fleiß ganz wotbedacht, ^^^| 


mir geliebt kein andere nit, 


das liedt will ich dir schenkhen, ^^^| 


mein tag bey dir zuverzeren 


darbey soltu meiner gedenkhen ^^H 


25 ker ich zue aller frist; 


35 wan ich nit bey dir bin« ^^H 


m.z 3. die fehlt. 25. ker an dmer SuUe = 


BarUch im Kutaivfj der Hetdeibtrgtr Hmd$€hriftm (/, B1) verweist für diete« Lied auf Qoedekes ^| 


Qnindriß £1^ S. ö7. Das dort v^zetckneie Lied am DedekindM Dodekat<mon {tSSS) NrJ^ beginnt: ^| 


An dich bin ich g«bundea, | jungfraw zart 


vnd rein . , > 4 achtz. Str, Akrmtichon Aim&. ^H 


Jußer dem ähniichen Anfang hat et mit dem Liede der Ms. nichts gemein. ^^^H 


[90.] Ein ar 


ider liedt. ^^^| 


1. Nach gruener färb mein herz 


3. Umb irent willen trag ich weiß ^^H 


verlangt, 


20 in meines herzen grundt, ^^| 


und da ich ellent was, 


mein herz das sthett mit ganzem ^^H 


das schafft der liebe ein annfang — 


fleis ^^H 


recht wie das gruene gras, 


noch irem rotten mundt, ^^H 


5 gesprosen aus eim anger weiß 


noch ir setz ich mein gedankhen hin ^^H 


mit manchen bluemlen klar, 


den tag und auch die nacht, ^H 


also hatt sieh ein ni eidlein fein 


25 noch ir so ghe ich manchen gang^ ^^H 


gebildet in das herze mein 


die zeit wirt mir nit zu lang ^^H 


zu dissem neuwen jar. 


wen ich sie nur sheen mag. ^^H 


10 2. Der rotten färb der hatt sie vill, 


4. Bio hastu, feins meidlein, von ^^H 


in der Isib] ijeb so brenndt mein 


mir 132«] begert ^^H 


herz, 


in rechter stetligkheit, ^^H 


und das sies nit erkennen will^ 


30 und wüst ich was dein herz beghert, ^^H 


das bringt mir grasen schmerz; 


das solt dir sein bereidt; ^M 


ich she es auch von herzen ghem 


darann soltu khein zweyfel haben: ^^H 


15 das ich wer bey ir allein, 


mit treuwen ich dich mein, ^^^M 


ich hoff sie soll schir 


ich wil in deinem dienst bestaun ^^^| 


ir junges herz kheren zue mir 


35 die weil das ich das leben ban ^^^| 


die weil ich eilend t bin* 


biß an das ende mein. ^^^| 


E$,: 5, geproBen, 17, sne mir kheren. 


DeuUebe Texte des Mltteljüterf V 


^^1 



98 XC. XCI. 

1582 A 57: / 1 n. 2. verlangt, da. 3. das ist der liebe ein anfang. 4. recht so dz. 
5. Entsprossen aus des meyens schein. 6. mit so manchen. 7. des hat sich ein jangfraw 
fein. 9. diesen. II (=» Hs. 3) 5. Damach setz ich all mein gedancken. 6. beyde tag. 

7. darnach gehe ich so. 8. nimmer zu lang. 9. sie schawen mag. /// (= Hs, 2) 1. Roter 
färbe der hab ich leider viel. 2. brent mir mein. 3. das sie das nicht. 4. sicher schmerz. 
5 — 9. Das sagt ich jr yon hertzen gern, ach möcht ich bei jr sein, ich hoffe das sie ja 
schier jr junges hertz kehr, wo ich im elend bin. IV h Blaw bistu lieb von mir gewert. 

8. wüst ich. 4. solte. 5. han. 7. dienste stehen. 8. dieweil ich das leben hab. 9. ans. 

5. Qrawe färb bringt mir pein 6. Gelber färb hat sie mich vennant, 

mit seufzen und auch mit klagen, da sie mir begegnet die seuberliche, 

also ich ein trüblichen schein ich sehe sie gern, hat sie erkant, 

in meinem herzen trage. das macht mich freudenreiche. 

Das sie solchs nicht erkent, Sie bot mir jren roten mund 

mein meiden bringt mir pein, meins leids [/. leides ich] vergas, 

mein herz jr manchen seußsen send, ich dankte jr zur selbigen stund, 

ich hoffe es werde schier ein end, mein herz in großen freuden stand, 

das ich bey jr möcht sein. da ward mein sorgen ein end. 

7. Schwarze färb mich erschreckt, 

es mns ein scheiden sein, 

all meine freude hat sich bedeckt 

unter jrem finstern schein. 

Gott gesegen dich lieb zu aller zeit, 

scheiden bringt mir die gröste pein, 

tag und nacht denk ich mit fleis, 

wo ich bin fem und weit, 

vergesse ich dein nimmermehr. 
ffs. 1574 Nr. 10, 1575 Nr. 52 u. s. w. 
Oörres S. 39; Mittler S. 524 Nr. 697. 

[9L] Ein ander liedt. 

1. Ach du heimliches leiden, lö darumb, herz lieb, so bitt ich dich 
wie krenkstu mich so hart du wölst nit vergessen mein, 

das ich dich, schons lieb, mus mei- so wol mag es nimer erghon, 

den! herz einiger trost, gedenkh daran: 

auf mich halt niemandts kein acht, kein lieberer mensch ich jhe ge- 
5 seidt das ich hab verloren wann. 



den herzallerliebsten mein: 
für war es thutt mir zoren — 
ich hett mir in außerkhoren — 



[82i>] 3. Das ellendt muß ich bauwen, 

21 du mein aufer weltter schätz, 

^ . ^, . , , . so solt es mich nit reuwen, 

der mem, der fem fhert gar dahm, ^.^ ^^^^^^^^ ^.^^^ ^^ j^^^^j 

mich wundert das ich so fröhch bin. ^^ ^j,^ ^^^ ^^.^^^^ f^^^„^ 

2. Mitjamer und auch mit Schmer- 25 das thutt mir im herzen whe, 

zen du wilt von hinnen faren, 

muß ich mich von dir scheiden, herz lieb, laß mich dich erbarmen, 

das ich auß grundt meins herzen ich förcht ich sehe dich nimmer 

erbarmen möcht einen beiden; mher. 



xci. xcn. 

4. Hett ich das gluckh und einen wuntzsch, 

30 nit mher wolt ich begeren, 

so beger ich weder gelt noch guelt» 
allein dein freundiiehs zue mir keren; 
so mag es leider nit gesein: 
jhe grossere liebi jhe schwerere pein! 

35 darumb muest ich in trauren slhenn 
und wirt mir mein leb tag nit verghen, 
seit ich dich, schons lieb, mueÖ faren Ihon. 



A.; 7* lorn. B eu streichen. 32- ker, 

Ht. 1674 Nr. 3: iL heimltcbs- 2, krenckestti. 3. feines hib. 4. niemandt achi* 
5« seindt. 6> die hertzallerilebate mein. 7. vurwar es mich zuraenn, 8 fsliii. 9. die 
mein die fein die fart dahin. // 2, Moe£S iah mich ach ei denn Ton ihr. 3. das sich vou 
gnxndt Beines hertzann. 4^ ein heidt. 5, femea lieb eo pitt^ 6, wo II es nimmer yergeasen 
mein. 7. bo woll kan oder magh es mir nit gahttn. 9. lieber. /// 3. Noch soll, i-awenn* 
4. krenckesthu. 6. thttedt mir im hertzenn wehe, S. der Hebe Gott wilt dich gespaerenn, 
9i ich froechte ich. IV L Het ich nn daa gluck vnd einen wünsch- 3. bgert. 4. dan 
allein dein frenndtlich zn mir kehren, 5, so kan oder magh es nit anders sein. 6. wie 
groesser leih wie schwerer pein. 7 — 9, därnm mein hertz in trawrenn muß stahn, VDod kan 
mir nimmer ? er gähn, dweil ich dich feine lieb muce fahren laen. 

FL BL Yd 785Ö St 2 Zehea Sehflner Lieder, Augfpurg, bey Michael Manger (o. J.). Das 
eibeüdt Lied, du vil heymlicha lejden, wie mÄChst mir mein Hertz so ichwer , , * 4 mk- 
ffletclie Sir. I su iO Zeilen^ deren achiei Ich het mir jhn «ußerkorea» II mu 8 Zeilen ^ Nt. 2; 
Z. 6 fehU, III 2u 8 Z. = Ih. 4; Z. 8 fehlt IV zu 7 Z. = Ei, 3\ Z. 6 u. 7 fehlen. 

Gorru S. ISO. 



[92-] Ein ander liedt 



1, Wjls Gott, so gescÄlchts, den 
reumen [83»] hab ich, 
den los dir, herz lieb, wol gefal- 
len, 
dan du allein der bist 
den ich ohn alle arge list 
6 lieb hab vor den andern allen; 
das glaub ohn reu, 
irags keinen scheu 
in züchten und in ehren; 
möcht es gesein, 
10 herz aller liebster mein, 

nit reiher wolt ich mich begeren. 



2* Wils Gott, so gescAiehts — herz 
lieb, ich bitt dich; 
las dir es ga« zu herzen; 
dan Gott allein der ist 
16 ohn alle arge list 

mit dem man nit soll scherzen, 
er beschert und wert, 
es gefal gleich wem es wolle; 
darbey laß ichs bleiben, 
20 dan du siehst 

das du mir bist der liebst, 
thue ich dich über meinen reimen 
schreiben. 
7* 



100 XCII-XCIV. 

3. Wils Gott, so gescAichts, herz lieb, dein will ich 

in ehren stetts bleiben, 
25 dann du allein der bist 

dem ich zue aller frist 

mein herz [88i>] gib gar für eigen; 

wen das erkhenst 

was ich dir gmidt, 
30 du liest dirs wolgefallen; 

damit du siehst 

das du mir bist der liebst, 

trag ich dir ein schwarzes kleidt zu gefallen. 



J7«.: 1, 12 o. 23. gesiebte. 13. gantz zu. 



[93.] Ein ander liedt. 

1. Gar herlich kam gegangen 2. Er hatt sich hart zerbrochen 

ein graff, war wol gethonn, dar alte growe man, 

er war nit schon empfangen, die junkfrauwen thetten sprechen: 
man sach in gar linkh ahn, lo ^was fangt der alt Joseph an? 

b man wolt sein nit, wol, man möcht mir wollen sein nit, mir möchten 

sein nit, sein nitt, 

damit schiedt er von dann. schafft in nur baldt von dann!' 

[84»] 3. Es thett in sher verdriessen: 
'ach Gott, was fang ich an?' 
15 er thett bey im beschliessen: 
'nun wil ich heime ghan, 
man wil mein nit, man mag mein nit, 
mein Maria mueß mich han.' 



Oörres S, 139. 



[94.] Ein ander liedt. 

Ich hab mein sach zue Gott gesteltt, 
der machts aller wies im gefeltt, 
dem thue ich mich ergeben; 
mein seel, mein leib, mein ehr und guett 
erheltt Gott stetts in seiner huett 
hie und dortt zum ewigen leben. 



Dasselbe Lied noch einmal vollständig in 6 Strophen oben Nr. 7. 



^^^^^^m 101 ^1 


[95.] Ein an 


der liedt* ^^H 


1, Ich hat» mein herz zue friden 


4, Weichstus von mir, rechs Gott H 


gestelt, , 


ann dir, H 


hab mir ein feins meidlein auferwelt, 


weichstus von mir, rechs Golt an dir H 


kein man soll toirs nit nemmen, 


noch seinem göttlichen gefallen — H 


und kum ich über die Ihaussent 


wie wol man findt vil schöner ^^H 


meil, 


khinndt, ^^H 


5 tröst mich Gott in meinem elende. 


20 liebst mir doch ob in allen, ^^H 


2. Ich gieng mir in ein stubelein 


5* Noch treuer sitt ist ietzett H 


klein. 


mein bitt, ^| 


darin [84^] das was die lieb allein, 


noch 185*1 treuer sitt ist jetz mein bitt : fl 


wolt frundüch mit mir khossen, 


du weist nit von mir weichen — H 


do bandt sie mir ein krenzelein 


wie wol es jetz die zeit nit geit ^^H 


10 von feil und rotten rossen* 


25 das ich kan bey dir bleiben.' ^^^ 


3. Ich nam den kränz an meine 


6- Wol auf, wol auf, geluckh und fl 


hant, 


heil! ■ 


ich gab ir mein treu zu einem pfandt: 


ich hab wol uberkhnmmen mein H 


von ir wolt ich nit weichen: 


theil — H 


*weichts du von mir, rechs Gott 


gluck zue, gluckh zue mit freuden! H 


an dir — 


hab mir ein feins lieb ausserwelltt, H 


16 man findt noch wol deins gleichen. 


30 kein man sol mirs nit erleiden* ^^H 

h. II S. 669 Nr, 8GB, ^^H 


GGrru 8.42-, Bokm, iAaderk Nr. 231-, UetUr 


Bersr. 1574 11 i! mä ähnlkfam Beginn ein an^e^ Ued. ^^H 


[96.] Ein an 


ider liedt. ' ^M 


L Herz einiger trost uf erden, 


2. Eins tags hab ich mich ver- H 


verlangen thuett mir in meinem 


messen, ^^H 


herzen whe, 


herz aller [B5^] liebste mein, ^^H 


verdrossen wil ihs werden, 


10 mit grosser lieb was ich besessen, ^^H 


kein trost ich hab auch nimer 


das schafft allein ir rotes mundlein H 


mher 


das freundlich gegen mir thuett H 


5 seit daß es mueß gescheiden sein 


lachen, H 


von Iren braunen euglein klar: 


ich bott ir ganz freundlich einen grus : H 


ein bösses kraut hatt mich, hatt 


ich hoEF mein Zuversicht sey noch, ^^H 


mich verdrungen ghar. 


sey noch nicht gar umh siists* ^^H 



102 



XCVI- XCVIL 



15 3. Das meidlein waß bedrubet sere 
auß lieb des jungen knaben fein, 
sy sprach: *far hin, das dich der 

liebe Gott beware 
weil du nit lenger bleiben wilt; 
von dir mueB ich mich scheiden 
20 so gar in schwerer pein, 

dan du nimbst mir mit dir das junge, 
das junge herze mein.' 



[86*] 4. Und wher ist der aaB das 

liedlein sang, 
von neuwem hatt gesungen? 
das hatt gethon ein edelman, 
26 em hubscher und frummer, 

er hats ganz wol, ganz wol bedacht, 
er hatts ganz wol bedacht, 
Gott geh im heindt vil hundert, yil 
hundert thaussent guetter nacht 



H$,: 11. rechtes. 

H$. 1568 Ik. 13 II. $. w. 

GSrra 8. 128. 



[97.] Ein ander liedt. 



1. Glucl&selig ist der tag 
der mir das glickh verkündet hatt — 
Gott hatt geholfen mir 
daß ich bin wider khummen zu dir. 

5 2. Ich dankh der stundt, 
darzu, feins lieb, deim rotten mundt, 
die antwort gabstu mir zue handt 
die mir und dir, herz lieb, ist wol- 

bkhandt. 



5. Halt stett ann Gottes wort, 
das bitt ich dich, feins meidtlein zart, 
bedenks wol, halt drey bey mir — 
20 wilß Gott, ich kum baldt zue dir. 



an 



6. Ach du mein edler schätz, 
an dich gedenkh ich tag und nacht, 
ich khan deiner vergessen niht, 
mein herz hatt sich zue dir ge- 

richt 



3. Die frag mich nit gereut, [87*] 7. Kern ich von dir 
10 wie wol doch sint [S6^\ vil bosser leut 26 und du, herzigs lieb, von mir, 
die mir das gluck vergunnen dun, so gib du deinen willen drein 

die miessen den schaden han. und laß mich dir befollen sein. 



4. Halt stett und rein, 
vertrau Gott und vergiß nit mein 
15 so lang biß Gott schickht die zeit 
die mich und dich, herz lieb, er- 

freudt. 



8. An dir verzag ich nicht, 
30 darumb hab ich dir das liedt gedieht, 
zu einem neuwen jar hab ichs dir 

gemacht 
und wünsch dir vil guetter nacht 



ffs.i IL yer-; sodann durchstrichen: khundett hatt {vgl. Z. 2); sodann: gannen; yergnimeii 
hier «= mißgönnen. 



1582 A 95: 

1. Selig ist der tag 
der mir dein liebe yerkttndiget hat — 
der liebe Gott hat geholfen mir, 
herzaUerliebste, zu dir. 



5 2. Ich bedanke mich der stand, 
darzu, schöns lieb, deinen roten mond, 
daraus du mir antwort gäbest bald, 
wie es mein junges herz von dir haben wolt. 



XCVII- XCVllL 



103 



3. Mkh diese frage nit gerewt, 

10 wiewol auch viel sind der bösen leut 
die uns solch glück doch gönnen nicht, 
schad nit, s^höns Heb, ob mire und dir 
auch geschieht. 

4. SchÜn hin ich nicht, 

das weietUf schöne lieb, sicherlich, 
15 doch seind wir einönder von herzen 

hold, 
die liebe geht für silher und rotes gald. 

5. So halt dich steht und fray, 
förcht Gott und he war dein ehr da- 

bey, 
bleib &om und getrew bey mir^ 
20 ich wÜ bald wider kommen zn dir* 



6, Ob ich gleich jetzund acheid von dir 
und du herz allerliehsfee von mir, 
fio weis ich doch das widerkomman macht 
das ich und du, schöns lieb, kein achei- 

den acht. 

25 7. So halt dich steht und frey, 

fBrcht Gott und he war dein ehr dabey, 
bis das der Uebe Gott ^hickt die seit 
die mich und dich, schöna Heb, in ehreu 
zusammen bereit, 

8, und der uns dieses Uedlein sang, 
30 ein frey er buch druck er Ist ere genau dt, 
er hats der allerliebsten zum newen jar 

gemacht, 
aide, achöns lieb, zu tausont guter nacht. 



A. UeS Nr. 69, 1S7S Nr. 3 u» #. w. 

Vgl. m, Nr- 185 ujUm, 7 Sir. 

DU beiden Berimer Handschriften v. J. i^68 u. 1575 enUprtc/ien sieh mit je 8 Strophen sowohl 
nach Reihenfolge wie Wortlaut recht genau. Sie sÜmmen auch £u der Heidelberger heiser als die 
Fmmng ^tm 158 2 A. Doch iieh» in der Hmdelherger die Stropimi der Berliner NandechrifUn m 
der Folge 1—3, 5—7, 4, 8, 

Hi. 1515 Nr.Si 



1. Salich ist der dach 
der mkh das gluck vorlenet hatt 
und hatt geholfen mir 
daß ich, herzlieb, byn kommen zu dir, 

5 2. Ich danke der stundt, 
darto deinem rosenfarueden mundt, 
die anthwurth gab sie mir zuhandt 
die dir und mir sein wol bekant. 

3* Der frage mich nicht gereuwet hatt, 
10 eß seind doch viell der boaeu leuth 
die mir sukh galuck vergunnet hau 
und mußena doch selbst schon wen ahn. 

4. Ob leb nicht byn stedeß bey dyr 
und du herselieb bey myr, 
15 so gyb deinen willen darin 
und laß eß Gott befbten sein. 



5« Bleib fromb und frey, 
fruchte Godt, beware dein eher dabey, 
beß daß Gott lehicket die zeit 
30 die dir und mir große freude gibt. 

6. Halt fest ahn Gotts wordt, 
daß hitt ich dich, mein höh est er hordt, 
bleib fromb und treuwe bey mir, 
ich will bald widerumb kommen zu dir. 

25 7. Ach du mein edler schätz, 
ahn dir gedenk ich dagh und nacht 
und kan deiner vorgeßen nicht, 
mein herz haet sich zu dyr vorpflichtt. 

8^ An dich vortzage nicht, 

30 darum b hab ich diß leidt gedieht, 

zu einem neuwen jhar gemacht, 

adde, heriilieb, tzu guder nacht. 



[98.] Ein ander liedt 



L Frolich bin ich auß herzen 
grundt; 
wan du, schöns lieb, bist frisch und 

gesundt, 



freudt sich mein junges herz; 
wanns dir wolgieng zue aller zeit, 
5 wher mir im herzen ein grosse 

freidt. 




104 



XCVIIL 



2. So es dir aber nit ghett 

wol, 
so ist [87i>] mein junges herz trau- 

ren vol 
und krenkht mir mein gemiet; 
wan dir mein trost behilflich wher, 
10 glaub mir khein weg wher mir zue 

schwer. 

3. In treuwen ich dich herzlich 

mein, 
auf erden sol mir kein lieber sein, 
kher dich, schönns lieb, zue mir, 
sprich mir von herzen freundtlich 

zue, 
15 so wirt mein herz gestelt zue rhue. 

4. Gese/^icht es nit, so gereuets 

mich 
das ich mich hab gestelt so freundt- 
lich 
gegen dir, schons lieb, alle zeit, 
mein ho£fhung ist dir heimgestellt, 
20 eins bitt ich dich, wans dir gefeit. 



5. Schonns lieb, die hoffnung 

zue [88A] mir liab, 
laß dich, schons lieb, von mir nit 

scheiden ab, 
glaub du den klaffern nit, 
sie reden vil auß haß und neidt — 
26 ich bitt dich: solcher geselschafft 

meidtl 

6. Wirstu die falsche zungen 

meiden, 
uff erden sol uns niemant scheiden — 
laß reden was sie wellen! 
und solt mir das mein freundtschaffl 

weren, 
30 wurdt ich mich wenig an sie kheren. 

7. Rhein andere mir baß gefallen 

thuett: 
sagt mir mein herz und eigen 
dein eigen wil ich sein, [bluett; 
auch bey dir sthen in angst und 

notth, 
36 biß unß scheidet der bitter todt 



8. Beut mir auch dein sehne weisse handt, 
[SS'»] mein herz setz ich dir zue pfandt 
das ich dich herzlich mein; 
so du mir von Gott bist bescliertt, 
40 will ich dich halten lieb und werdt. 



Hs.i 16. Gesicht. 

1582 A 81: / 2. so du. 4. Wenn dirs. 5. wer mir hertz lieb ein große freud. // 1 — 3. So 
dirs aber nicht gehet wol, macbstu mir mein hertz trawrens vol, and krenckst 4. Und 
wo dir. /// 1. hertzlieb. 2. mns mir kein liebere. 3. neig dich freundlich zu mir. IV 1, ge- 
rewts. 2. das ichs gemeint hab so hertzlich. 3. allzeit 4. sey dir. 5. so dirs. 
V (= ffs. 8) 1. mir deine. 2. hertz geb ich. 3. hertzlich lieb. 4. So du feins lieb mir bist 
beschert. VI {= Hb, 5) 2. las mich von dir nicht. 5. solche gesellen. VII (= Hs, C) 
1. Wirstu falsche. 2. sol uns schons lieb niemands scheiden. 3. sie reden. 4 u. 5. Und 
wenn mirs gleich mein freundschafiPt wolt wehren, würde ich mich wenig daran kehren. 

VIIL Mein herz dir ist ganz offenbar, 
glaub mir, schons lieb, denn es ist war, 
was ich jetzt singen thn. 
Ist dein gemttt wie ich gern wolt, 
so bist du mir von herzen hold. 



XCVIII. IC. 



105 



IX (= Hi, 7) 1. Kein auf erden mir. 2. da bist mein hertz nnd einiges blut. 
wil sein. 4. und dir beistehen. 5. bis mich yon dir scheidet der todt. 



3. ich 



X Glaub mir, schöns lieb, bis unverzagt, 
die warheit hab ich dir gesagt 
und dir mein herz bekandt. 
Ich kann dir geben keine schuldt, 
wenn ich gleich jetznndt sterben solt. 



XL Herzlieb, ich bit dich freundlich: 
erzeig dich gegen mir herzlich, 
thu mir auch offenbaren. 
Dein herz und gemüt mir nit verhalt, 
so du wilt, erfrewestu mich halt. 



XIL Also beschleust mein junges herz, 
halt es, schönes lieb, für keinen scherz, 
ich habs gedieht mit fleis. 
Ohn aller menschen hülf und rath, 
bewar dich Gott. 



Hb. 1575 Nr. 67 v. s. w. 



[99.] Ein annders lied. 

1. Ach hilf mich leid und sent- 
lich clag! 
mein tag 25 

hab ich kein rast, 
so fast 
5 mein her^: 

mit schmerz 

thuet tringen, 30 

ringen 
nach verlorner freud. 

10 Wiewol ich besorg es sey umb 

sonst 35 
mein gunst 
den ich imm trag, 
doch mag 
ich nicht 
15 mit icht 40 

verlaSen, 
haßen 
um umb lieb und leyd. 

Ich arme metz 45 

80 setz stets 

mein syn in gros gefar; 
zwar gar 



entbrindt, 

rint 

dise treuw 

neuw 

aus edler art; 

hart ward 

mir nie so wee: 

gee, stee, 

schlaff oder wach, 

gemach 

hab ich nicht; 

ficht, dich^ 

wie ich 

mich 

halt, 

baldt 

zu erwerben, 

erben 

sein gnad; 

mein schad 

und schu;er 

wer 

noch ein scherz; 

herz 

liebster gesell, 

stell 



106 



IC. 



wider her, 
50 ich beger 

nit mer 

dan dich 

freüntlich 

zu truckhen, 
55 schmuckhen 

an mein brüst, 
als etwo was deines herzen last. 



2. Mein kleglich bit dich raizen 

soll, 
wiewol 
60 mein schön ist dein, 
doch kein 
mit zier 
thuet mir 
gleichen, 
65 weichen 

mues sy meiner gunst. 

Schön nimbt von deinem wer 
ein endt, 
behent 
geschwindt freüd und muet, 
70 dann thuet 

die treuw 
noch reuw 
sich lenden, 
wenden 
[89*] aus der liebe brunst. 
* 
76 Zir, gunst betracht, 

lacht, wacht 
und liebt, eylt, sterkht, und kraft 
schafft, strafft 
80 und treibt, 

bleibt 
onverzagt, 
wagt 
alles ungevell; 



85 schnell, gsell, 

dasselb bedenkh, 

lengkh, senkh 

dein herzlich gir 

schier 
90 her an mich, 

sprich: ich 

bin dein; 

mein 

blüet 
95 wüett, 

will ergetzen, 

setzen 

dich aus pein, 

laß sein 
100 dein klag, 

frag 

weiter nit, 

bit 

eines ich 
105 dich, 

mein höchster hört, 

dein wort 

bedort 

mein syn, 
110 ich brinn 

yetz täglich 

kleglich 

ubermas, 
inn treuwen ich dich nymmer laß. 



115 3. All dienst an mir findest un- 

gespart, 
kein fart 
mich nie beschwerdt, 
wie hart 
sye ist; 
120 du bist 

der eren 
merew 
kan weiblicher zucht. 



IC 



107 



Ich eilend meyd ich bit dich eins, 
125 sonst kheins 

ich jetz beger: 
gewer 
das ich 
mög dich 
130 mit freüden 

weiden 
inn der liebe frucht. 

Gunst du mir das, 

bas was 
135 mir nie dieweil ich lebt, 

schwebt, strebt 

und facht 

nacht, 

tag und stund, 
140 grund 

deiner lieb zuhan; 

dan wan 

ich nimmer bleib, 

treib, schreib 
145 on underlaß, 

das 

hilft mich dein; 



kein weinn 

noch klag 
150 mag 

mir 

schier 

yetz verkheren, 

wören 
155 diß ellendt; 

gsell, wendt 

dich umb, 

kum, 

jag und eyl 
160 dieweil 

ich bin 

in 

lebens frist, 

sonst ist 
165 khein list 

der mich 

on dich 

mög sterkhen; 

merkhen 
170 ich das kan — 

mein herz dir aller eheren gan. 



Hi. : 5. hertzt 15. jr. 26. neuw fehlt, 29. nie fehlt. 34. dich. 43. schmertz. 76. zu. 
104 u. 105. Ich dich eines. 122 u. 123. merer kein. 124. eines. 125. kheines. 141 u. 142. 
zn-hand an. 148. weinen. 152. schier fehlt, 162. ins. 

A. V, Aich Nr, 22: {!) 7 u. 8. th&t rjngen, dijmgen. 10. bsorg. vmb snnst. 12. iem. 
14 n. 15. ich nicht mit icht 18. in ymb lieb noch leid. 21. in grosse gfar. 23. embrint. 
25 o. 26. djse trew, new. 29. mir nie so wee. 32. gmach. 34. dicht. 41. genad. 43. und 
schwer. 47. gsel. 50. ich ger. 54 u. 55. znschmucken, tnicken. 57. etwan was deins. 

(//) 64. geleichen. 66. kunst 67. Sch^n njmbt von kleinem we ein end. 69. gschwindt. 
72. nach rew. 73 u. 74. sich wenden lendenn. 76 n. 77. Zir ganst betracht, lacht, wacht. 
78. vnnd liebt, lebt, sterck vnd krafft. 84. alß vngefel. 103—106. bitt ich dich eyns, mein 
höchster hört 

(///) 117. mich nit beschwert. 118. wie ^ert. 122 a. 123. meren kan weiblicher zncht. 
124. Ich eilend meid dich bit vmb eyns. 125. sanst keyns. 130. in freiden. 141. deinr 
lieb zehon. 142. on won. 148 u. 149. keyn, weyn, noch klag. 150—153. mag mir jetz ver- 
keren. 162 u. 163. in lebens frist. 

VgL Ooeddte, Grundriß m S. 27-, 8. 26 Schöffer 1513, 

Finde 1536 Nr. 43 m 2 Str. — Iheinia 1542 Nr. 55 nur d, erete Str. — Foreter V Tenor 
Nr. 22, Vagans Nr, 20 nur d. ente Str, 



108 IC C 

FL BL Yd 7S21 {Emhamd v. J. 1539) 8l 2 Zwej schöne lieder. Das | ent. Von einem 
MtUner vnd Mfilnerin. | Das ander, Ach hilfT mich lejd sc (Bädcken. 4 BL 8* o. O. m, J. 
Rucks, des letzten BL leer.) 2 m 3 d. Es. aUspr. Sir. — Yd 9562 Ein hfipech new Hed ge- 1 
nant. Zucht eer vnd lob. | Ein ander hfipsch lied. Ach hilff | mich lejd vnd sentlich dag. 
(Biidchetu^ 4 BL 8* o. 0. «. /. Ricki. des letzte» BL leer.) 2 m 3 emtspr. Str. Das erste Lied 
s. Es. Nr. 204. — Wemar, Sammdb. St 31 Drej schöner lieder. Das | Erst, Ach hiklff mich 
leyd . . . Nürnberg, Konegond Hergotin o. /. 3 entspr. Sir. Darm an zweiter Stelle Nr. 21 d. 
Es. — Zwickau, Sammdb. XXX, V, 20 SL 14 Drey Schone lieder o. 0. u. J. 1. Ach hiUff 
mich leyd ...3 entspr. Str. ~ Aus einem Samme&ande der Darmstädter Eoßibliotkek nterkt Äddf 
Schmidt im CeniralbL f. Bi&lwtkAsw. 12. Jahrg. 1895 S. 125 einen Sanderdruck an, der asta einem 
offenen Blatte besteht und außer dem Uede Mag ich vnglück nit widerstan (Wadum. III S. 120 
Nr. 159; vgl. Es. Nr. 174 unten) die erste Strophe des Liedes Ach hnlff mich lejdt enthält 

Es. des Martin Ebenreutter von Würzburg 1530: Berlin Mgf 488 BL 330^ das Lied it^ 3 entspr. Sir. 

Es. der Eerren von Edmstorff 1569/75 Nr. 35 in 3 entspr. Str. — In der zweiten AbieOung 
dieser sdben Eandsehrift stdU als erstes von zehn geistlichen Liedern eine Umdichtung m geistlichem 
Sinne. 

Oegsäiche Lieder^ Leipzig, V. Babst 1545 Nr. 49 Ach hilff mich leid. Geistlich« Adam yon 
Fulda. 3 Str. 

Gorres S. 46; Wackemagd, KirehenHed 1841 S. 8U; II {1867) S. 1081/2 Nr. 1314/5 ; R. o. LUien- 
eron S. 167 Nr. 51. 

Bartsch, Beitrage z. Qudlenkunde d. altd. La. {1886) S. 366. 



[89b] [100.] Ein annders lied. 

1. AchGott, wie weethuet scheiden 15 3. Das blüemlein das ich meine 
aus meines herzen grundt! das ist von edler art, 

so trab ich über die beiden ist aller tugende reine, 

und trauwr doch zu aller stundt — sy hat ein mundlin rot^ 

5 der stunden seind also vil, ir hend sein hüpsch und fein; 

mein herz tregt heimlichs leiden, 20 wann ich an sie gedenke: 
wiewol ich oflTt frölich bin. wie gern ich bey ir wolt sein! 

2. Ich het mir ein gärtlen ge- 4. Sollt ich mich meins bulen 

bauwen verwegen, 

Yon feyhell und grönem klöe, als doch mancher thuet, 

10 der garten ist mir erfroren, sollt füeren ein frölichs leben, 

thuet mir in meinem herzen wee, 25 darunder ein letchtm muet: 
ist mirs erfroren bey Sonnenschein: so mag es leider nit gesein, 

ein kreutlein ye lenger ye lieber, gesegen dich Got von herzen: 

ein bläemlein vergiß nit mein. es mues gescheiden sein. 



Es.: 2. meines fehä. 14. mein nit IB. Ues: zart 25. ein leücht mit mnes. 
Forster III {1552) Nr. 18: I 1. wehe. 2. hat mir mein herts verwandt 3. dheyden. 
4. trawr zu. 5. stunden der seind. 6. heimlich. // 1. Het bawet 2. yon yeyl. 



C, CL 109 

3. ist mir zu frü erfroren. 4. thut meinem hertzen wehe. 5. mir erfrom. 6. kraut je. 
7. yergiß nit mein. /// 4. jhr mündtlein das ist zart. 5. jr euglein die seind hüpsch vnd 
fein. 7. so wolt ich gern bey jr sein. 

/F. Mich dunckt in all mein sinnen, 
vnd wann ich bey jr bin, 
sie sey ein Eeyserinne, 
kein lieber ich nymmer gwin, 
hat mir mein junges hertz erfrewt, 
wann ich an sie gedencke, 
verschwunden ist mir mein leydt 

V 1. Solt mich meins bulns erwegen. 2. als offt ein ander thut. 3. füm. 4. dazu ein 
falschen mnt. 5. das kan ynnd mag doch nicht gesein. 6. gesegn. im hertzen. 7. es 
soll vnd muß . . . 

FL Bl. Yd 9661 Ein Sch6n New Lied, | Ach Gott wie wee thut scheiden. | Ein ander 
Lied, Groß | lieb hat mich ymbfangen. | Noch ein ander Lied, | Vor zeiten was ich lieb | ynd 
werd. {BildtAen. Am Schluß-:) Gedruckt zu Nürnberg, durch | Friderich Gutknecht. (4 Bl. 8^ 
o. J. Rucks, des ersten u. letzten Bl. leer.) 1 in 4 Str. /, //, IV entspr. Es. i, 2, 4. III entspr. 
Forster IV. Vor zeiten s. Hs. Nr. 53, 

Wunderhom I {1806) S. 206; Qorres S. 43; Erk-Irmer ff. II S. 42 Nr. 43; ühland Nr. 67; 
Simroi^ S. 253; Mittler S. 534 Nr. 718; Qoedeke-Tittm. S. 70; R. v. LiUencron S. 355 Nr. 124; 
Böhme, Liederb. Nr. 262; Liederh. II S. 551 Nr. 746. 



[101.] Ein annders lied. 

1. Ach Gott, wem soll ichs kla- 2. Dannocht willich nit yerzagen, 

gen 10 ob ich gleich ellent bin, 
das ich ganz elent bin? zu Got will ich hofnung haben 

mein herz will mir verzagen der mir freud [90*] und glückh ver- 

wann ich gedenkh dahin, gunt; 

6 denkh an das heimlich scheiden — er hat ein garn gestellet, 

wee der großen noth! er hats gestellt zue hoch, 

des gschicht wol under uns beiden, lö hat er sich selbs darein gefeilet, 
vil lieber wer mir der todt. weis ers nit, so erfar ers noch. 

3. Dein treuw hastu mir geben, 
herzallerliebste mein, 
ein aid hastu mir gschworen 
20 du wölst keins andern sein, 

ein aid hastu mir gschworen 
du wölst keins andern sein, 
mein treuw ist an dir verloren, 
ich setz mein willen nit darein. 



ffs.: 6. .0 fehlt. IL Kes: tragen. 12. lies: vergün. 



110 



CI. CIL 



m. 1568 Nr. 38: 

1. Ach Gott, wem sali ich clagen 
das ich im ellendtt bin? 
mein herz will mir verzagen 
wan ich gedenk an sie, 

es gahett sich an ein scheiden — 
wee der großer noth! 
geschieht eß zwischen anß beiden, 
des erbarmen dich, Gott! 



2. Ach zarte junkfrawe reine, 
10 bedenk dein stettigheit^ 
in trewen ich dich meinen, 
mein herz ist dir bereit, 

auf dich han ich gebauwet 
wie off einen harten steinen grnndt, 
15 mich en kan keinen weib erfrewen 
dan, lieb, dein rottermundt. 



3. Nu mach ich auch woll sprecken 
und redden auf meinen eidtt, 
mein herz will mir zubrechen 
20 von liebden und auch vonn leidtt, 

ich hatt sie außerkoren, 
sie achtt eß werlich klein, 
mein dienst hab ich verloren — 



B8.: 5. ein fehlt, 21. sein außerkorenn sie außerkorenn. 23. Schluß fehU, 24 fehä. 
Vgl München, Cgm 810 (jetzt Mus. Mi. 3232) Bl. 125: ZUchr. f. deutsdie PhUol. 15, 105. 
Mone, Anzeiger 7, 240; Mittler S. 513 Nr. 676; Böhme, Liederb. Nr. 208\ Liederh. II S. 300 
Nr. 478 c. 



[102.] Ein annders lied. 



1. An liebs brüst 
nach herzen lust 

lag da mit armen umbfangen 

ein junger knab, 
5 nach herzen lab 

dorst in damit verlangen; 

das hat er vil, 

nach allem will 
ward im gar nichts versaget, 
10 keins leids gedacht 

die ganzen nacht, 
bis das es doher taget. 

2. Das freüwlen sprach: 
Mu schnöder tag 

15 willt uns vil freüden zerstören; 
herz lieb, lig still, 
das ist mein will, 
bis das wir thun erhören 



des Wächters stymm 
20 der uns mit grymm 

vil freuden thuet vertreiben, 

mit seiner sag 

verkündt den tag 
und bringt vil laid und leiden.' 

25 3. Er sprach: 'schön frauw, 
die zeit ist gnauw 
die wir noch für uns haben; 
bueler und dieb 
die nacht vast lieben, 
30 bringt inn vil manchen schaden; 
des tages glast 
bringt schaden vast 
denen so ligen bey weyben — 
wie mir ist wol, 
35 dannocht ich soll 

mich hynnen in zeit thuen schei- 
den.' — 



CIL CIII. 



111 



4. *0 edler bort, 

dein gschwinde wort 
möchten mein herz zerbrechen; 
40 ich bitt, bleib noch 

ein dein zeit doch 
bis der tag thuet herbrechen; 
der hundt nit bildt, 
die gans nit schult, 
45 die schwalben thun nit schreien, 
nach irem syt 
hört man sy nit, 
der wechter thuet slylschweigen.' - 



6. Darunib, schön frauw, 
denkh selbst mid schauw, 
man mir und dir daran liget, 
dein zucht und eer 
65 zwingt mich vil seer 

und macht vil hefiftig wigen; 
soltus, mein bort, 
ein schnödes wort 
also durch mich erwerben, 
70 das wer mir leid — 

bey höchstem eyd, 
vyl lieber wollt ich sterben.' — 



[90^] 5. 'Viel lieber ich wer 
50 dann dein beger 

stettigs bey dir an wenkhen, 
des klaffers dickh 
treibt böse stückh 
mit seinen schnöden gedenkhen, 
55 macht vil leüt irr; 

daßelb brist mir, 
kein mue sollt mich verdrießen 
zu dienen dir 
nach deiner gir, 
60 ich hoft wolt sein genießen. 



7. 'Mues es dann sein 
das ich mich dein 
75 zu diser zeit soll maßen, 
so bitt ich ser 
die widerkher, 
die wölst nit underlaßen — 
inn kurzer zeit — 
80 sonst mein herz bleibt 

in trauwren bis an mein endo, 
wann Gott und dein 
will ich ewig sein, 
bis mirs der todt thuet wenden/ 



Es,: 2. hertz ein. 9. versagt 12. er. 24. hdb beiden? und meiden? 
fehlt. 80. leit (= liegt) zu lesenf 81. endt. 

Qorres 8. 112, 



hört. 78. nit 



[103.] Ein annder lied. 



1. Aus argem wahn 
so heb ich an 
ein freuwiin zubeclagen, 
ich seäftz und dag 
5 das ich mein tag 

nie liebers hab verloren, 
das dag ich seer 
ye lenger ye mer 



das ich dich lieb mues meiden, 
10 bringt meinem herzen leiden, 
das dag ich dir, 
darumb, herzlieb, so hilf du mir. 

2. Hilf mir, herzlieb, aus solher 

noth, 
gib mir, herzlieb, dein treu wen rath; 



112 



CHI. 



15 es kombt mir vil 

das ich nit will, 
es kombt mir hart 
das ich erwart, 
es kombt nit her 
20 das ich beger; 

ich bin ellenndt und ganz un- [9i*] 

wert, 
villeicht es sich nit bald verkert, 
vor grossem leid so mues ich ster- 
ben. 

3. Gründe meine wort, 
25 jungkhfreuwlin zart, 

die weil ich dich mues meiden; 
klag sohnn und mond, klag laub 

und gras, 
dag alles das der himel beschlos. 



clag roßten fein, 
30 clag khleine waldvogelein, 

klag blQemblen uf der heide, 
klag auch der schone wolgemueth: 
ach Gott, wie wee mir scheiden 

thuet! 

4. Selbst will ich sein 
35 der tröster mein 

dieweil ich dich mues meiden; 
reut mich der weg 
und auch der steeg, 
mein treu wer dienst, dieweil ich leb; 
40 nun kans und mags nit änderst ge- 

sein, 
kanstu, herzlieb, nit halten mich, 
so wollen wirs lafien rauschen, 
kanstu wexeln, so kann ich tauschen. 



Es,: 9. maes fehlt, 17. er. 42. rauschen laßen. 

1582 A 162: 6. hab ich verlorn. 9. dich mus. 10 u. 11. bringet mir es schweres leiden, 
hertz lieb hab das klag ich dir, dammb so hilff da mir. 13. aus aller solcher noth. 18. des 
ich nit wart. 19 u. 20. es kompt mir nit her, des. 22. vielleicht das sich nit gantz verkehrt 
24. Grund. 31. hejden. 32. klag auch die braune wolgemut 33. wehe. 35. dein. 37. reut 
mich die müh. 40. Nun kan und mag nit anders sein. 43. wechßlen. 

F. Schabab bin ich [L Ich bin schabab] 
unwerder knab, 
han in das blat geschossen, 
leit mir nit dran, 
kom ich auf die bahn, 
das ich jetzt nach mus lassen, 
wenn es ist jetzt der frewlein sitt, 
zween ander hat sie auch darmit, 
dem dritten schlegt sies auch nit ab, 
das schafft das ich bin worden schabab. 

FoTiter V 12 {vgl. 4:i) Md, u. d. erste Str, Aletnannia I S, 49 Nr. 43, 

Fl. Bl, Ye 71: Fftnff Schöner | newer Lieder. | 1 Auß argem won . . . | 2 Mein feins Lieb 
ist von Flandern, tc. \ 3 Ach Mejdlein rein . . . | 4 Rosina . . . | 5 Wer ich ein wilder Falcke, 2c. 
(Büdchen. Am Schluß:) Gedruckt zu Nftmberg, | durch Valentin | Newber. (4 ßl. 8^ o, J,) 1 in 
6 Str, entspr. 1582. Vgl zu 2 Nr. 46, zu 3 Nr. 43, zu 4 Nr, 82. 

Basel, Sar. St. 46, verstümmelt (3 Bl, TUelbl. fehlt. Äij, Aiij, —). 1. Auß argem won so 
heb ichs an, ein Fröwlin zu beklagen . , . 5 Str. Ein anders Lied. Mir ist ein kleins Wald- 
uögelin, geflogen auß meiner band . . . 8 Str. Ein ander Lied. Ich schwing mein hom ins 
Jammerthal . , . 3 Str. Getruckt durch Samuel Apiarium. 1565. 

Qörres S. 73; Erk-Böhme, Liederh. III S, 457 Nr. 1647. 



CIV, 113 

[104.] Ein annder lied. 

1. Ach lieb mit laid, 15 2. Eilend, du hast 

wie hast dein bescheid mich streng gefast 

kleglich in kurz gespylt uff mich! inn senen und verlangen gros, 

ich het gemeint das all mein freäd 

h wer stets vereint zuruckhen leydt 

das lieb nit soll verwandlen sich; 20 und stee on alles trost ganz blos; 

nun hat ungluckh was fieng ich an? 

gebraucht sein däckh, vor weiser man, 

genomen hin, weis nit wollend, 

10 mein syn eilend; 

darumb betriebt ist harrt, 20 ich komm yetz wo ich wöll, 

mich reuwt die zart ist ungefell 

weiblicher art, stetz mein gesell, 

die fast schon, jung, liebblich und schaft die schön, jung, liebblich und 

fromm. fromm. 

3. Sentliches leid 
30 ist yetz mein weid, 

entpfrembdt ist meins herzens lust; 
was hilft mich das 
ich bey ir was, 
und [91^1 soll nun sein all freäd umb sonst! 
35 ganz schmerzigclich 

mues leiden ich 
betriebter man, 
ich kan 
yetzunt nit umbwenden zur freud, 
40 kein trost mich geit, 

seit das ich meid 
die hoch, schön, jung, liebblich und fromm. 



H§.: 26. mein, übergeschrieben vn. 40. keins? geit v&n geuden? 

OegUn 1512 Nr, 6: 2. bscheid. 5 n. 6. war stet^ vereint, daß lib solt nit verwandeln sich. 
S. tück. 9. es gnnmen hin. 20. on allen trost. 21 a. 22. was fang ich an yerweister man. 
34. umb sost. 35. gar. 39. nit umbwenden zu freud; yetzunt fehii und itt in der Es. ßUch- 
Uch eingeechoben. 40. keins trosts mich geud . . . 

Vgl Goedeke II » S. 26; S. 27 Schöffer 1513. 

Ochsenkhun 1558 Bl. LXXI^ in 3 Str. 

FL BL Zwickau XXX, V, 20 Sl 9 Schoner Lyeder fanff, Erffurdt 1529. Berlin Yd 9483; 
Frankfurt a. M. L 522 Sl 10, 

Hm, 1568 Nir. 58 u. $. 10. 

Wadtemageij KirdienUed 1841 S, 860\ Mittier S. 502 Nr, 657; Erk-Bohme, Hederh. III 8. 455 
Nr. 16U (verdruckt 14U). 

D0«tse]i6 Texte dee MlttoUlten V. 8 



114 



CV. 



[105.] Ein annders lied. 



1. Ach sorgen, du muest zu 
ruckhen stan, 
du bist zufrüe gekommen, 
der Winter hat mir leids gethan, 
das will ich klagen yetz dem sommer. 

ö 2. Hat dir der winter leid ge- 
than, 
dieselben bliemblen entspringen, 
und wer ein stetten buelen hatt, 
der mag wol frölich singen. 

3. Und wer ein stetten buelen 

hat, 
10 der halt inn lieb zu maßen, 

und wann es an ein scheiden 

gat, 
das er kan von im laßen. 



4. Auch als zuvil ist ungesundt, 
hab ich offt hören sagen, 

15 der bronn der hat ein falschen grundt 
do man das wasser ein mues tra- 
gen. 

5. Deß brunnen grundt den preis 

ich nit, 
er hat mich ofiTt betrogen, 
er hat ein andere lieber dan mich, 
20 hat mich gar offt betrogen. 

6. Auch suden nord und wester 

wind 
die hallten selten stille, 
und wann zwei herzlieb scheiden 

sollen, 
geschieht wider beider willen. 



Hs.i 20. hat mich, hat mich. 23. wann fehlt. 

Bei dUtem Lüde sind ausnahfnsweüe die Strophen schon in der ff$, durehgezäkU. 



1582 A 120: 

1. Winter, du mast nrlaub han, 
das hab ich wol yemommen, 

was mir der winter hat leids gethan, 
das klag ich diesem sommer. 

2. Diesem sommer nicht allein, 
die gelben blümlein springen, 
welcher ein lieben bulen hat, 
mag wol mit frenden singen. 

3. Welcher ein lieben bnlen hat, 
halt jhn in rechter massen, 

and wenn es an scheiden geht, 
mns er jhn fahren lassen. 



4. Zn wenig nnd viel ist nngesmid 
hab ich offt hören sagen, 

der brann hat einen falschen gmnd 
darein man das wasser mns tragen. 

5. Des brunnens des trink ich nit, 
er hat mich offt betrogen, 

was mir mein feines lieb hat zugesagt, 
ist ganz und gar erlogen. 

6. Der uns das liedlein new geeang, 
von newen hat gesungen, 

das haben gethan zween landsknecht gut, 
ein alter und ein junger. 



Vgl 1582 B 50. 

FL Bl Bcuely Sar, 151 St, 36 Zwey schöne newe lieder, | Das Erst, Winter du müst vr- | 
lanb han, tc^l . , .^l 6 Str. (o. O.u. J.) — Sar. 151 St. 37 Vier Hüpsche nüwe lieder {darin auch 
M-. 18 u. 164 d. He.) 2. Winter du mÄst vrlaub hsji . . . 6 Str. 

Hs. 1537: Weim. Jahrbuch i, 103 Nr. 7 in 8 Str. 

Oörres S. 45; üldand Nr. 48; Wunderhom IV (hrsg. v. Erk 1854) S. 13; Böhme, Liederbuch 
Nr. 152; Liederhort II S. 207 Nr. 395. 





CVI 


• 


^^^^^^v^iu» ^H 




[106,] Ein annder 


^H 


1, 


Ach Jupiter, hestus gewaJt 


3< 


'Auf deine wart gezimbt mir ^^^H 




so manigfalt 




^^H 




als etwe was erhöcht dein preis. 


40 


gesell, mit icht ^^H 




mein dag die füer ich manigfallt 




zu antworten an keinen ort, ^^H 


5 


inn der gestallt 




wann nieman^^f ist uf erd ver-^ ^^^| 




vor deinem thron cleglicher weis; 




pflich^^, ^^1 




mein bit 




werd ich bericht, ^^H 


[92*] 


wirt nit 




antwort zu thun wS alle wort; ^^H 




von dir gewent, 


46 


und mer ^^H 


10 


bebenci 




mein leer — ^^^| 




so erman Ich dir der gir 




du liest darvon: ^^^| 




da dich 




der Ion ^^H 




schwerlich 




der lieb ist traurigs eml; ^^H 




der liebes craft 


60 


gedenkh, ^^H 


15 


behaflFt 




bekrenkh ^^H 




durch frauw Diana zier; 




dich selbst nit fasst, ^^H 




hör, raerkh mein clag 




du hast ^^^1 




die ich dir sag, 




inn lieb nit leid erkhent; ^^H 




send hilf und trost ehe ich ver- 


5& 


solhs nit beger, ^^H 




zag! 




es brecht mir schwer, ^^H 
sonst ich verlur schäm, zucht ^^| 


20 2. 


Das herz in mir hat gam verserl 

mit seinem schwert 




und ehr/ ^^^ 




Cupido, der soo Veneris; 


4. 


Mein ainigs lieb, ich hoff dein ^^^H 




alles mein geblüet ist ganz verzert 




^^H 




und hart verkert, 




du nit an mir ^^H 


n 


her Mars in mir solhs üben ist; 


60 


als übel als du reden thuest; ^^H 




kein lab 




wan leib und guet ich ehe ver- ^^H 




ich hab 




trauw ^^H 




die mich enthalt, 




ee wann das ich an dir ^^H 




erkhailt 




wolt sehen deiner ehren verlust; ^^H 


30 


ist mir herz, muet und syn^ 




^^H 




umb hilf 


65 


kein frucht ^^^| 




ich giir 




die lieb mag hau, ^^H 




zu dir, mein trost, 




auch kan ^^H 




den rost 




nit bleiben ehr on schäm; ^^H 


35 


magslu mir nemmen hin; 




man hört; ^^H 




durch all deiner ehr 


70 


die wort ^^H 




höer mein beger: 




Anrioli ^^H 




tröst mich, ich hab kein trost 




noch nie ^^H 




nit mehr. 




50 Streng Querentiam ^^H 



116 



an. 



OBQIliydKD BGSD 

7f. ak dicb dae 



IID 



d!^ jdi Im der 



Sl ^EJBoflmmLr 




kt don be- 
eor — 
wäta mer? 

p vart belfeD fidi niti u^ 7. 
ob €s ^saA TJinBrh 



lE9b 

omu 'toot zfl 
IncU faoMw faiT 



•D 



zuefieboi Adi vie cA fpsdiidd. 
11^ docb 90 saut 

und wohl UD 

fö andi höett£D imdi: 
idi fikii, 
des* fmätz bnnf^t gros leid. 
Affi» 

also IS 

M ir dir vaMzL 



und Wttfirf 
ak sott iiä 

aik dn -«ra] 1^ 
nnOöfio: 
Tito 
abo 



dn 



Beb 



tiKtb 



HA hf 

tndL 



te. 



duiiii fisl 
Jdes 



IWi 



ice 



der firvitz mmtlie meid 
mit wee imd adu 
vie Itoen gfwtofh, 

£e 5ki»eHi pradit in «DfemadL' 

Ob kfa. mein faorL dkb wäter 

bitL 
M wimder mL 
fnm hA dsrcoe thoet zwingen 

XXQCiL 

doD BcfaöDe wee. gcbenit imd 

sitt 

do dn mich mit 
fciMDgai bxA gerattigdich: 

herzficb. 

betiieb 
nucfa Dil 90 seer, 

icb ger 
fDMd TOD dir, mem heO, 

dem hirt 

getst 



hüiHm lofan. 



19D Medeun xoA TcrinerL 
dromb icb iiit tu 
in disem spyi 
gewTmien iiocb Tcrfiera ttüL' 

8. FrenDtScber bort docbfst dich 



iid wann solbec nit w^r 

gesd^ehen oft rem fnnwesi bst: 
Grces bracbt mandieai bold inn 
abwer, 
dnrdi weibs gebr 
ber Herailes belropen xsL 
140 Adun 

der kam 

dnrebs we3i in noL, 
den todt — 
borest — er audi empfieng, 
14^ Sambdon 



ist von 
eim weib bedort, 

gjos mort 
Semiramts beging; 



150 soll drumb ich 

auch meiden dich, 
ich stirb vor leyd, glaub sicher- 
lich. 



H^A 10. 1>eheiid6. 18* dir: el&g: sag. 20« gaiu fäät, 34. troit; dafyg- rost jn ktm\ 
dkui in j^ietc^er Verbindung §chon iihe^ 10 S$ m*37. 36, ehre. 42, nimioer« y erpflichtet. 
48 fekU. 49. ende. ^9. du = tbn, 61. lie^i verlir. 64—66. kein zncht, die fmeht 
on lieb mag h&n. 75. meinen* 8S. &i:hafffc. 94. deDen. ^5. Siben, ein gemacb. 
na. Imnw. 126. Imu 136. on. 137. dire». 

^. ir. .^sbAiV^.4a: L betetn. 3. etwan. 4, tatuantfalt. 10. bebendt IL bo fehiL dick 
14. liebe. 16. dnreh Iräw deine zir. 19. ee. 20. gantz versert 23 u. 24. Als mein gepl&t 
iet gantz Terkert« md gar verxert 25. bet mars solcha in mir leben ist. 34. den roit* 
36. dein er. BS. ich hab nit trdfites mer, 42. niemandt. verpflicbt 43. bin icb, 
45. Tod wer. 4$* der Ion. 49. endL 54^ in lieb nie leid erkendt 58. Mein einigi ein^ 
59. ihn nit. 60. fto rbel. 61. e« verlir. 62. ee ich an dir. 63. deiner em* &I— 66. on 
ancbt, kein frucht, die lieb mag ban, 69 — 72. mein hört, die wort, anrioli noeb nie nam. 
73. Lucretiam. 75. die m^in. 76* was zeichst dn* 79« dein saBse wort irren mich 
nicht. 60. Ich set^ echon ob mir zimlicb wer. 82. als offt. S3 — &5. doch solt, 7nd 
wolt, ich bnten mich. 87. ät^ furwitz, 88. Sapbo. 93 — 95. in we vnd ach, als Diane 
gscbacb die Sichern bracht in vngemach. (Zu ie$en: Dina «toff Diane; Geichtckt^ von Stehern 
imd Dima i. M&tts I Kap. 34} 99* dein 8ch6n zocht weiß gep^rd vnd sitt 106. genad. 
107 n. 108. dein hert, gefert 110 — 114. mein leib, wnrd snnat dem tod zu teil, in solche not^ 
bracht &aw jsot, herm tristrant der vor leidt lag tot 110. bitet 120. in. 121. Dido. 
125. joles betört {loh, QäiebU deg fferkuks). 126. Eea. 130. verfort. 134. klagst. 135. sokhs. 
136* von ft-awen liit 137. Circes* 142^ durch weib. 144. Horreitea. 152. glanbs sicher- 
lich* Ei folgere noch 4 Strophen^ #o daß dm AkroiH^on Adam von Fulda voiiM^ndiff ie«rrf: 



IX. Ton herzen wer ich dir geneigt^ 
so sich erzeigt 
ISi dein herz als lanten fein dein wort. 

So ich in lieb mich gen djr eigt 176 

nnd ward ge^hweigt^ 
beging ich an mjr selbs ein mort, 
al ding 
leo gering 

lieb nberwindt, 180 

ist blind t, 
on forchtf bedenkt kein end, 
Thamar 
10§ ward gar 

verachtet bie, 1$^ 

das sie 
Amon in Heb erkendt, 

lieb bringt groB leidt, 
170 nach kurzer freid, 

iat Toller angst und sorcklichkeit, 190 



LoB ab mein trost von solcher klag^ 

ea ist am tag 
da« heb selten on leid zerget. 
Was tin gluck darin w&rcken mag 

ich mit dir trag, 
als Piramns mit Thißbe thet; 

furwar 

ich spar 

kein dinst an dir, 

iolt myr 
der todt drumb werden knndt, 

mejn hers 

vor achmerz 

jn lieb erdort, 

mein hört, 
mach mich durch lieb geanndt, 

Pontum um b floß 

matäch nnfal groß 
biß Sidani wardt sein geao0i 



118 



CVI. CVIL 



XL Dein wort, gesel, hat mich behafft 210 XII. Ach henigs hen, glaaba sicherlich. 



in solcher krafft 
das ich dir nit versagen wil. 
Lieb acht nit was ein yeder klafft, 
196 jr eigenschafft 

in weibes bild ist gar on zill, *21ö 

sich umb, 
ich kumb 
dir an dein arm, 
SOO erbarm 

dich mein, ich habs gewagt, 220 

so du 
mich na 
yerliest zoletst, 
205 du hetst 

eyn kleine er eriagt, 225 

herzliebster gpsel, 
nit von mjr stel, 
ich halt mich dein, ge wie es well. 



dein ja hat mioh 
in frend gesetzt aoß schwerer not 
£e ich wolt, lieb, verlassen dich, 

ee wiUigklich 
wolt ich mjr selbs welen den todt; 

ach fraw, 

verttÄW 

mir bessers zu, 

ich thu 
so schmaechlich nit au dir, 

gesel, 

kein fei 

ich an dir han, 

sich an, 
dein lieb wend nit von myr, 

ach einigs ein, 

dein red las sein, 
du bist die ich mit trewen mein. 



115 Liedkm 15U Nr.4 in 4 Str. Adam. 

Gaaenh. u. RetOterL Nr. 82 nur d. ersU Str. Schöffer 1513: Qoedeke II» S. 26, 31, 38. 

FL Bi. Yd 7801 {v. Nagler) St. 5 (offne$ Blatt)i Ach Jupiter hetst du gewait . . . 12 Sir. -- 
Yd 9201 Ein hübsch lied, | genant, Ach Jupiter. (Bildchen. Am. Schktß:) Gedrftckt za Nürn- 
berg durch I Hans Guldenmundt. (4 BL 8^ o. J. Rucks, des ersten u. letzten BL ieer.) 12 Str. — 
Yd 9206 Ein schdn Lied, | Ach Jupiter. (Biidchen. Am Schluß:) Gedruckt zu Kibnberg, i 
durch Friderich | Gutknecht. (4 BL 8^ o. J. Rucks, des letzten BL leer.) 12 Str. — Yd 9211 
Ein new lied, in dem thon | Zart schöne fraw, gedenck vnd schaw. | Mer ein ander lied. Ach 
Juppiter. (Bildchen. 4 BL 8^ o. 0. u. J. Aüdb. des letzten BL leer.) 1. Venus dein art hat 
mich vmbfangen hart . . . 3 Str. 2. Ach Jupiter . . . 12 Str. — Zwickau XXX, F, 20 St. 21, 
zum Lieder enthaltend, dieselben wie Yd 9211, o. 0. u. J. 2. Ach Jupiter . . . 12 Str. — Basel, 
Sar. 151 St. 55 Ein lieblichs schon Lied, | genant der Juppiter. (Bildchen. Schluß: J. F. S. 
d. i. Jacob Frölich, Straßburg. 4 BL 8^ o. J. Rucks, des letzten BL leer.) 12 Str. 

Berlin, Mgq 718 BL 24a in 12 Str. — München, üniv.-BibL Ms. 328 (mit Noten) BL 42 a in 12 Str, 

Wackemagd 1841 S. 842-, Bartsch, Beiträge zur Quellenkunde d. altd. Lit. 1886 S. 367. 



[931] 



[107.] Ein annders lied. 
1. Bedenkh, herzlieb, mein eilend 2. All mein hoffnung hab ich 



in 



wie gar on maß 
es mich thuet betrieben, 
dannocht noch 
hoff ich doch 
trauwren werd sich 
ganz willigclich 
irrgents ein mal 
on all Unfall 



gros, 



dich 



du werdest mich 
ein solhen thuen schetzen 
als ich wer 
15 dein liebster, 

dann warlich ich 
ganz innigclich 
dich thue lieben 
vor allen weibem, 



10 inn freuten thuen verkhercn. 20 thue mich laids ergetzen! 



CVIL CVIII. 119 

3. Beyß ich von dir und mir nit 4. Bistu mir hold, so thue dar- 

geschicht nach 

wie ich dann sprich, als sey dir gach, 

wert mein trauwren meren; hest lust mit mir zu scherzen, 

herzigs lieb, dann das R 

25 nit betrieb 35 mit großer 

den buechstab G schwer gedenken 

und auch das E, thuet bekrenkhen, 

wie du dann kanst dann auch das 6 

on alle angst lenger ye me 

30 solhs wol thun weren. 40 imm solhes wünscht von herzen. 



Hs.i 10. verkhern. 30. wem. 
Akrost, BAEB[ABA]. 



[108.] Ein annders lied. 

1. Der Wächter ruefft an den tag 
wol an der zjmnen do er lag: 
^woUauf, es mues gescheiden sein, 

und wo zwey herzlieb beyeinander sein, 
5 scheiden sie nit bald — 

es taget vast vor jhenem wald.' — 

2. ^Nun lig, guet gsell, und hab gemach! 
es ist vorwahr nit heller tag, 

der tag scheint durch die liechtestem, 
10 der Wächter, der wechter betrug uns beide gern, 
das sag ich dir: 
die mittemacht ist noch nit herfür.' — 

[93^] 3. ^Die nachtigall singt iren thon 
als sie vor langst hat gethan, 
15 darbey spürt man des tages schein, 
wollauf, es mues gescheiden sein, 

es taget fast, 
ich laß dir weder nie noch rasst.' — 

4. Sie truckt in freuntlich an ir brüst, 
so sy lagen nach ires herzens lust 
mit weißen armen umbfangen schon; 
si sprach: 'schOner buel, gehab dich wol! 

laß dir wol sein' — 
sie bot im ir rots mundelein. — 



120 



CVllI. CIX. 



25 5. Der guet gesell freudt sich der wort: 
^kher dich herumb, mein höchster horti 
du hast erfreuwet das herze mein, 
verschwunden ist mir all mein pein 
zue diser frist — 

30 sich, du mein herzallerliebste bist.' — 

6. Was zog er von der hende sein? 
von rotem gollt ein fingerlein: 

'sehe hin, buel, wol zue der letz 
damit du dich deines laids ergetz 
36 zue diser zeit' — 

damit schied er wol trauwrig über die haid. 

7. Das mediin schrie mit layd: 'ade! 
nun behuet dich Gott vor allem weel 
du bist meins herzens ein edler trost, 

40 gedenkh, herzlieb, mein eilend gros 
so ich erduldt — 
noch bin ich ime von herzen holdt' — 



ff$.: 80. mein fehU. 32. rotem fehlt; vgl 1582 A 60 Z. 20. 
Hm. 1574 JSIr. 40 u. s. w. 
Qorres S. 115 «• s. w. 



[109.] Ein annders. 



1, Dorrt außen ufif jhenem berge 
do steet ein rosen heckherlein 
geneiget zue der erden. 

[94*1 2. Ich lag eins mal darunder, 
5 do trauwmet mir ein schwerer 
wol zu derselben stunden, [träum 

3. Mir träumet wie mir were, 
wie ein allter grauwer matin 
in meinen armen läge. 

10 4. Wollt Got das es were 
das man siben allte menner 
umb ein jungen gebe. 



5. Also wolt ich den meinen 
mit einem scharpfen hagedorn 

15 wol zue dem markht hintreiben. 

6. Ich wolt in bietten fayle 
umb ein halbes weis brot 
und umb siben aierr. 

7. Das weis brot wolt ich essen 
20 bis ich meines allten maus 

schier thet vergeßen. 

8. Die eyr wolt ich braten 
bis mich Got eines jungen mans 
gar schier het beratten. 



B8.: 8. manne. 12. jonge. 18. vij. 



CIX. ex, 121 



1582 A 216: 



1. Gar hoch anf jenem berge 10 4. Und da ich nun erwachet, 
da stehet ein raatenstöcklein do stund ein altes grawes weib 
gewachsen aas der erden. vor meinem bett und lachet. 

2. Und da entschlieff ich unter, 5. So wolt ich das es were, 
5 da träumet mir ein seltzamer träum das man sieben alte weiber 

zu derselbigen stunde. 15 umb eine junge gebe. 

3. Mir träumet wie ich hette 6. So wolt ich auch die meine 
so gar ein wunderschönes kindt geben umb ein bratwurst 

bei mir an meinem bette. und umb ein seydlin weine. 

VgL 1582 B 119. 

FL Bl. Lcndan 11522 df 35 Ein schdns Lied / | von der alten Schwiger / vnd | jrer Schnur / 
sampt jrem Son | Heintzen / In seiner | weiß. | Ein anders Lied / von dem | Bautenst^ckelein. 
(4 Bl. 8^ 0. 0. u. J. Rucks, des ersten u. letzten Bl. leer.) 2. Gar hoch auff jenem Berge, da 
steht ein Bauten st6ckelein , . . 6 Str. 

Wand Nr. 291; Böhme, Altd. Liederbuch Nr. 245/6-, Liederhort II S. 699 Nr. 912. 



[110.] Ein annders lied. 

1. Der heher ist ein speer vogel, 
er spottet aller vögel ins gemeine, 
ich habs gehört, es ist also: 

der waydman geet uns, 
5 geht uns nach vögelin deine. 

2. Der heher uf den cloben trat — 
was helfen ine sein böse falsche lisste? 
der waidman in zu gasste bat, 

er sties in inn sackh 
10 den er ufF dem ruckhen hat. 

3. Des waren all die vögel fro 

und das dem heher was also ergangen: 
ach sammer Gott, ich guns im wol, 
er blies vil 
16 das in doch nit brant 

4. Drumb sprach sich die atzel: 'der ich het ein nest 
sover vor jhenem hage, 

ich wais nit wie ich es vergaugelt hab, 
mir ist so vil 
so aus meinem nest enttragen. 



1» ex. 

|Mb| 6. Die aier die darinnen lagen, 

die sind mir also dieblich abgestolen' — 
ja sanier Gott, ich gons im wclj 
des spetters haus 
S6 das steet in haifien kolen. 

6. Es wolt ein jungfrauw sparber fahen, 
da flog ir ein gugkhgauch auf ir netze; 

sy hueben auf, sie zogen auf, 
sie begund 
^ in ufT ir handt zu setzen. 

7. Da sie ine uferzogen het 
und also lieblich listig ufTerzogen, 

da flog der gugkhgauch — gugkh hin, gugkh dar — 
vor jenem wald; 
Wh da war die jungkhfrauw betrogen. 

8. Rs wollt ein her spaciern gan, 
da heg<>gnof im ein äff inn kurzweile, 
da ward der äff einer dannen gewar, 
darauf lief er 

40 alito mit groöer eyte. 

0. Kr liof die dannen uf und ab 
h\% in «lio no.^l nit longer wolten tragen; 
dn Hol dor nff oin großen fall, 
«»in prtin ontzwcy. 
4r. i\<\ dnrft or e;? niemant clagen. 

KV s> wot^ mir armes affelein 
dn«. ioli dio dannen <50 hocJi uff wolt steigen! 
tfov mnos ioli nun ein krüppel sein' — 
«f«M|i nit 7.M hooh. 
ro «!!) tn.'i|,!^^tn boy ehren bleyben. 

1 1 . Das lied haben un? die weisen gedieht 
vot» oin«M' jungen inngkhfrauwen 
dor ni«^ koin m«nn 7u maßen was, 
ilnnmdi not man ein narr 
^.^ \n\\ ireti arnn^i rnehen. 



ex* CXI. 



123 



Es, 1568 An U^: 

1. Der heger däi ii ein aparwer irogei, 
er Bpott allen andern vogeleiti an der 
ich hab gehört uad iat alBOi [heideD, 
ein weideman gueti 

5 reit au 11 nach yogeieui kleine, 

2. Tarquart auf den klawen tratt — 
wag helfen im sein falsche nucke? 

ein weideman guett in zu gaaleu batt, 
er staeh in in ein eaeke 
10 und bengede in auf den rugge^ 

3. Dbb weren alle Yogeiain fro 
das dem heger also w&a ergangen: 
öommer potz Veiten, ich gunnes im wo 11, 
er leichet doch viell 

15 das in doch nitt kan brennen. 

4. Der heger sprach: ^ein thummer 
war ich und flog in hagedorn, [gaat 
ich weiß nitt wie icha versehen hab 

das mir so yiell 
20 auß meinem nest sein getragen. 

5. Die eier die ich darinne hett 
die sein daraufl diefflich geatolen* — 
nu wo 11 hen! es ist well ehr geschehen 
das des apötters hauß 

25 stund t in heischen kolen« 

6. Efl woltt ein junkfraw spatzieren 

gaben — 
der bunte kuckuck ist in dem neste, 
sie meint sie hett ein falken gefangen, 
sie beguntt 
30 in auf ir handtt zu setzen. 



7. Do sei in woll ge^emmet hatte 
und hatt in so Üebliche ausgezogen: 
kuckuck kauwan!* so sagt ehr 
und itog hinweg; 
35 das megdlein hatt ehr bedrogen- 

8« ^Hett ich dich eben angesehen, 
deinen worten hett ich nitt gegleuhei' — 
"HU woU hin! eß ist woll ehr geschehen, 
sich oben zn^ 
40 so wirstn nitt betrogen. 

9, Eß woltt ein her spatzieren reiten 
ein so kurze kleine weile, 

do wardt ehr einer tannen gewar, 
darauf dar lieft* 
45 ein appelein umb die ^weiche, 

10, Ehr liefT die tannen auf und nyeder 
das sei die 2weig nitt mehr khundt tra- 
ge i fioU einen ubergrossen fall, [gen» 
ein bein enzwei^ 

50 sie durft das aemantz clagen. 

IL *0 wee ich armes appeletn 
daß ich dieaen ubermutt mns leiden J 
des miis ich nu ein kruppell sein' — 
steig nitt zu hoch^ 
55 so wirstn on schaden pleiben. 

12. Deiß lyedt haben uns die weisen 

bedacht 
vonn einer auaser massen schöner junk* 
und der nemant zu maß w^as, (frawen 
des must ein nar 
60 in irem armlein rauwen. 



FL BL Ye IMl Veer schöne Leder o. 0. 1611- 

Börrei S\ M*2\ Böhme^ Altd. Liederh. Nr. 111 \ Woikam Liederbuchi Eupharion 6\ 65 L 

Vgi Zischr. f, dsuiscJic Ffiüoi. 36, 52U, 

[95*] [111-] Ein annders lied, 

1. Der gutzgauch hat sich zu todt gefallen 
von einer holen weiden — 
wer soll uns disen somnier lang 
die zeit und weil vertreiben? 

ö 2, Das soll sich thun frauw nachtigal, 
sie sitzt uff einem zweige, 
sie singt, sie springt, ist freüden voll, 
wann andere vöglen schweigen. 




124 CXI. 

3. Mein buel hat mir ein brief geschigkt, 
10 dar inn da steet geschriben 

sy hab ein andern lieber dann mich — 
darauf hab ich yerzigen. 

4. Hastu ein andern lieber dann mich, 
das acht ich warlich deine, 

15 da sitz ich uff mein apfergrowes roß 
und reit wol über die beide. 

5. Und do ich über die beiden kam, 
mein feins lieb trauwret sere — 

laß farn, laß farn was nit bleiben will: 
20 man findt der schön jungkhfreuwlin noch yill. 

6. Der uns das liedlen neuw gesang, 
von neuwem hat gesungen, 

das haben gethan zwen reuter guet, 
ein allter und ein junger. 

Hm.x 15. pferdt: roß. 20. Umi noch mere. 

1582 A 38: 

1. Der gackguck hat rieh zu todt ge- 2. Ey das sol thon fraw nachtigal, 

von einer hohen weiden • [fallen die ritzt auf grünem zweige, 

wer sol uns diesen sommer lang sie ringt, sie springt, ist allzeit fro, 

die zeit und weil vertreiben. wenn ander waldvögelein schweigen. 
1582 A 196: 

1. Mein feins lieb ist hinweggeflogen 4. Mein feins lieb hat mir ein brieflf 

auf einen grünen zweige — darin so steht geschrieben [geschickt, 
wer wil mir die winter lange nacht 15 sie hab ein andern viel lieber denn mich, 

mein zeit und weil vertreiben? sie hab sich mein verziegen. 

5 2. Mein feins lieb hies mich nider 5. Das sie sich mein verzi^en hat, 

ritzen dammb trawr ich nicht sehre — 

an jre schmale selten, las reiten, las fahren was nicht bleiben 

sie sach mich aber die achsel an, wil, 

sie meint mein geldt im bentel. 20 der schönen frewlein find man mehre. 

3. Dieweil ich geld im bentel het, 6. Und der uns dieses liedlein sang, 

10 da ward ich werd gehalten, von newem hat gesungen, 

da ich kein heller noch pfenning mehr het, ^ das haben gethan zween schlemmer gat, 

hat rieh die lieb zerspalten. ein alter und ein junger. 

Vgl 1582 B 90 u, 153. 

115 Liedlein 1544 JNr. 30 tiur d. erste Str. 

BergUederhOMein {1700/10) S. 244 jW-. 235 Sir, 1 u, 2 entspr. 1582 A 38, B 90. 

Wunderhom III {1808) S. 111; Oorres S. 57; Wackemagel 1841 S. 858; Uhhnd i^. 13 u. 153; 
Simrock, Volksbücher 8 {VoUcsUeder) S.177; 9 {Kinderbuch) S.227; Mittler S. 446 Nr. 664/5 -^ 
Qoedeke-TiUm. S. 46 u. 156; Alemannia 12, 71; Lüiencron S, 266 Nr. 90; Böhme, AUd. Liederbmek 
Nr. 168; Liederhort II S. 301 Nr. 481. 



CXII. 



125 



[112.] Ein annders lied. 



1, *Die sonn die ist verblichen, 
der mon ist uf gegangen , 
die nacht die konibt geschlichen , 
frauw nachtigall mit gesange 
ö thuet süeßigclich ansingen' — 
sprach sich ein wechter zart: 
*so yemands hat verlangen 
und ist mit lieb umbfangen, 
der mach sich gar wot uf die fahrt.' 

10 2. Und das erhört ein geselle 
imm hage do er hgi 

^ach wechter, werder geselle» 
wie nahet ist es nun tag? 
wie soll ichs anegreifen 
u das ich khum vor liebes thür?* — 
*gar [95<>] heimlich solstu schleichen 
ee dann der haußhan tuet pfeifen, 
das man dich am tag nit spür.' 



3» Der wachter gieng verborgen 
20 do er die frauwen fand, 

er weckhet sie mit sorgen: 
^steet auf, freulin, zuhandtl 
neuwe mehr will ich euch sagen, 
da ist kein zweifei an, 
2b es leut ein hold imm hage, 
fürt sicherlich gros clage, 
es mag eur buel wol sein/ — 

4 *Ach wechter, liebster gselle, 
der mon gibt helles liecht, 

30 du solst der reden nit glauben, 
sie haben dich sicher gedeicht; 
der mich hat umbfangcn, 
der ist mir laider ferr, 
nach ime trag ich verlangen, 

35 imm herzen ist mir pange, 
mein äugen sehen in gem.' — 



5- 'Ach frauw, glaubt mir der reden, 
wann sie sind sicher war' — 
die frauw stund uff mit freüden, 

40 sy schwang ir gelbes har, 
ir leib war wol gezieret, 
gekleidet in eitel weis, 
vor freudan ir herz erquickhet 
da sie den gsellen anblickhet, 

45 sy umbüeng in mit ganzem vleis. 



Hi,: L gelang. 11. l&ge. 3L Tuith For$ter su Äet«em: bb hat dicb ionat gedeuclit. 



FüTsler Hl (1552) Nr.i2t 

L *Die mnn die wt verbuchen, 
die stem seint aafgegang, 
die Dacht die kommt geachlicheI^ 
fraw Dachtigal mit jrem gsang, 
5 der monn itt aufgegaDgen' — 
ret sich ein weehter gut: 
'^tmd welcher liat verlatigen 
und ist mit lieb iimbfaiigei], 
der mach sich bald auf die f&rt/ 



10 2. Und das erhört ©in geelle, 
der achrey dem wecbter zu: 
*acb wecbter^ traut geeellet 
gib deinen rat darzu 
wie ich das seil fingreyffen 

16 dae ich kern für die thürV* — 
^gar heimlich eokt da achJejchen 
ehe der wechter thet pfeyffen, 
daa man dich gar nicht spür.* 




126 



CXll. CXIIL 



3. Der knab trat anverborgen 
20 für jr schlaffkemmerlein, 

er sprach zu jr mit sorgen: 
'zart schönes janckfrewelein, 
new mehr wil ich euch sagen, 
da ist kein zwejffel an, 
35 es leyt sich einr im hage, 
der fürt ein schwere klage, 
es mag ewer bale sein.' 

4. Die junckfraw sprach mit sinnen: 
*e8 hat dich sonst gedeachf •— 

30 *der monn hat mir geschinen, 

die Stern han mir geleacht, 

der monn der hat geschinen, 

o zarts janckfrewelein, 

er ligt in grüner awe, 
35 sein leib ist jm zerhawen 

in grossen trewen zwar/ 



5. Die janckfnRr erschrack sehre, 
jr herz was lejdes vol, 

sie wolt kein freadt mehr hören, 
40 botschafft gfiel jr nicht wol, 

ein hembt thet sie ambschnüren, 

ein hembtlein das was wejß, 

den knaben sie erblicket, 

jr herz vor freadt erquicket, 
45 gert jn mit ganzem fleyfi. 

6. Der knab der thet sich schmucken 
gar freundlich an jre brüst, 

sie thet den knaben trucken 
mit jrm freundlichen kuß, 
50 der knab fieng an zu ringen 
mit der junckfrawen zart, 
der wechter an der zinnen 
fieng an ein lied zusingen, 
ein schöne tageweyfi. 



55 7. *Gesegn dich Gott im herzen, 
zart edles frewelein, 
du bringst meim herzen schmerzen, 
es mag nicht anders sein, 
von dir muß ich mich scheyden, 

60 zart edles frewelein, 

ich schwing mich über dhejden, 
in braun will ich mich kleyden, 
durch feyl und grünen klee.* 

Hb. 1574 Nr, 30 u. s, w. 

Qorres S. 96 u. 8. tc. 

Böhme, AUd. Liederb. Nr. 116\ Liederh, II S. 606 Nr. 806. 



[113.] Ein annders Hecht. 



1. Der liebe Gott der woU mein schönes lieb 
inn ehren und züchten behüetten — 
ich schlaff oder wach oder was ich mach, 
so leidt sy mir stets in meinem gemüete. 

5 2. Ich schlaff oder wach oder was ich mach 
oder was ich auch beginne, 
so leit mir die herzallerliebste mein 
doch stets in meinem senne. 



CXIIL CXIV* 



127 



[961] 3, Wo)l Gott icli sollt dise halbe nacht 
iO bey meinem schonen buelen sitzen! 
und wer der winler noch so kallt, 
vor freu den raüest ich schwitzen. 

4. Und wan ich an den tanze gee, 
so sehe ich mich nach ir ume, 

u ich laß mein engten rnmher gan 
ob sie auch irgent stnende. 

5. So springt sie vor mich an den tanz, 

leuchtet wie der helle morgen sterne, 
mein herz ist jung und freuwet sich seer, 
20 meine eüglin selien sie gerne. 

6. Vatter und mueter hab ich lieb, 
darzue all meine freundte, 

noch dannocht wolt ich sie fahren lahn 
und dich, schöns lieb, belvailten. 



FiA 4. g«müet. 6. begönne. 8. Sonne. 14 vmb. 16. &Ie de auch Ir gemüet ßtoendt. 
käme: ume su lesenf 18. morgen: glants: ateme, 
m. /574 Nr. VJ: 



1. N« segen dich Gott, mein ßchoenea 
woltt dicli «ud mich behueten! [lieb, 
ich schlaif ich wAch oder was ich mach, 
my licht mir inn dem herzen, 

5 2. XJnd wan ich dan zd dem dau2 aoll 
so sehen ich mich hemmme [gahnn, 

ob die herz allerliebitho mein 
ob aej dar nit enn attinde. 

S. 8o Bp ringt sei für mich ahnn den 
10 recht wie der morgenatern^ [danz 

mein herz ist Jungk nnd erfrewet sich, 
mein äugen sehen sey gerne. 
Hm. V, Rdffmbi^gs I5SSt NmiV. Smwenirs cPAUem. I (tSSO) S, 230 Nun wolt mir Gott mein 
feins lieb in züchten und in ehren behüten * . . 10 Str. 
Görru S. S8[ Erk- Böhme, Liederhort II S. 318 Nr, 497. 



4, Schwarze färb so dreget sey ahnn, 
schwarz so sehen ich gerne, 

15 mein herz iat Jungk und frewden voll, 

mein äugen sehen sey gerne, 

5, Mocht ich ein winter langen tagh 
bey der herz allerliebster sitzen, 

und wer der winter schoen noch ho kalt, 
20 Yonn frewden so moist ich schätzen, 

6, Mocht ich ein winter lange nacht 
bey der herzallerliebster kneeen, 

und wehr der sehne schoen knieea thieb, 
noch blueten uns die roesen. 



[114J Ein annders lied. 



1. Entlaubet ist der walde 
gen disem winter kalltt, 
beraubet wirt ich balde, 
mein feins lieb macht mich allt; 



5 das ich die schönst mues meiden 
die mir gefallen iktmtj 
bringt mir gros heimlichs leiden, 
macht mir ein schweren mueth. 



128 CXIV. CXV. 

2. Feins lieb, was last mir zur 3. Feins lieb, laß dich nit äffen — 

letze, der klaffer sind zuvil 

10 mein feins pramis megetlein? halt dich gegn mir recht gschaf- 

laß mich die zeit ergetzen fen, 

dieweil ich von dir mues sein; 20 treuwlich ich dich warnen will, 

hofnung thuet mich erneren, huet dich vor falschen zongen, 

nach dir so wirt ich krankh, darauf bis [96b] wolbedacht, 

15 thue bald herwider Veren, sey dir, feins lieb, gesungen 

die zeit wirt mir zu lang. zue hundert tausent gueter nacht. 



Es.: 6 fehlt. 15. kommen. 

65 Lieder Nr. 42: 4. meins liebe dz macht. 5. die schön. 6. die mir ge^Edlen thut. 
7. mir manchftltig. 8. mir fast schweren mat. 9 a. 10. Lestu mir nichts zur letze, schwartz, 
foraons, weiß meydelein. 11 a. 12. das mich die weil ergetze, so ich. 13. mafi mich. 15. keren. 
16. ist mir. 17. Sei weiß laß. 18. so vil. 19. gen mir rechtschaffen. 20. trewlich dich. 
22. sei. 23. schöne lieb. 24. zu einer gutten nacht. 

ffe. 1575 Nr. 42 u. $. w. Archiv f. d. neueren Syr. 111 (1903) S. 26. Anfangsttraphe des Liedee 
nodi m: 56 Lieder Nr. 52; Oassenh. u. Reutterl Nr. 2; Bidnia 1545 II 93\ MeOand 1575 Ik-. 37. 

Erk, Neue Sammlung III H. 1 (1845) S. 90 Nr. 83; Uhland Nr. 68; Hofmam, QeeeüachafUL 
Nr. 4; C. F. Becker, Lieder u. Weisen (2. Aufl. 1853) H. 2 S. 9; Simrock S. 265; MiUler S. 533 
Nr. 716; Goedeke-TiUm. S. 152; R. Frh. v. Liiiencren, Voiksl. um 1530 (Deutsche Nathnal^Litt. 13) 
ß. 194 Nr. 59; Böhme, Liederb. Nr. 257; Liederh. II S. 549 Nr. 7U. 



[115.] Ein annders lied. 

1. Erst hebt sich not und jamer an 
seit es nu mues gescheiden sein, 
ich sich das ich nit wenden khan, 
laß dichs erbarmen, herzallerliebste mein! 
6 tröst mich 

und sprich: 
'herzliebster gsell, 
her wider stell!' 
so freuw ich mich, sey wo ich wöll. 

10 2. Ist scheiden yetz so nahent hie, 
so eyl, herzlieb, zu trösten mich, 
setz mich aus pein und großer not, 
ich will auch nit verlaßen dich, 
ergetz, 
15 erletz 

dein diener schier, 
mach dich zu mir, 
wer weis wenn ich mer komm zue dir. 



CXV. CXVI. 129 



3. Kein hörtere bues ward mir nie khunt 
20 dann daß ich bey dir nit bleiben mag, 
darumb werd ich mit herz verwandt, 
eyl, einigs lieb, ehe ich verzag, 
nimm war, 
ich far 
25 von dir dahin, 

mein kayserin, 
glaub mir das ich ganz eilend bin! 



1582 Ä 195: 2. so es nun. 3. ja sich das ichs. 7. hertzallerliebster gesell. 10. Ich 
scheiden jetzt. 15. zu letzt. 16. den diener dein. 17. neig dich. 18. niemand weis. 
19. hardter. 20. seit ich. 21. bin ich ins. 22. hilff. verzage. 

Hß. 1568 Nr. 81: Ztschr. f. demische PhiM. 35, 525. Dazu: Fl, Bl. Zwickau XXX, F, 20 
St. 28 Vier schöner lieder, Erffurt 1529. 4. Erst hebt sich not ynd yamer an. Derselbe Sander' 
druck enthält aU erste» Lied Nr. 104, als zweites Nr. 50, als drittes Nr. 183 d. Es. 



[116.] Ein annders lied. 

1. Ee ich dich, herzlieb, verlies, 
geh mich zu tauset mal gefangen, 
ja wann man mich nur stelen hies 
dorthin du waist mein gros verlangen, 

5 schluegst mich ins ploch, 

so lit ichs doch 
und mochts vil kaum erbeuten; 
ach edler schätz, 
on keinen tratz 
10 laß uns bald voneinander scheiden! 

2. Lieb, treuw, gunst, ehr hastu von mir, 
freud, gluckh und lust des bin ich warten, 

ja ob ich [97a] schon nichts reden darf mit dir, 
so bin ich doch khein stundt von arten; 
16 das irrt doch nit — 

mein herz mues mit 
dir sein inn allen Sachen; 
laß murren wol, 
ich hoff ich soll 
20 noch freüntlich mit dir lachen. 

I>«ntadi6 Teste Am MmeUlten V. 9 



130 cxvi. cxvii. 

3. Sich selber drauf, mein herzigs E, 
ich weis sonst nit wem ichs clagen soll, 
damit uns glückh mit schanz bestee, 
mit truckhcn, schmuckhen, du merkhst mich wol 
25 do wahr all freud 

bey geschwornem ayd 
und mag mirs niemant erlayden, 
mach nur kein preng, 
das sich die sach vorleng, 
30 nur nein mit allen freüden! 



7. erbeatOD » erbeiten; d. t. erwarten, 29. yorlang. 

[117.] Ein annders lied. 

1. Ein weiblich bild mein herz umbfangen hat 
inn rechter lieb bis in den todt, 
dardurch mein gemäet und alles mein geblüet 
inn rechter lieb sich nach ir seenen thuet. 

5 2. So red ich sicherlich on allen won 
das ich zu dir nit komen khan, 
das mir mein herz vor trauwren nicht zerbricht, 
wann mich mein herzigs medelein so freuntlich anespricht. 

3. Mit jamer und ellendt ich gar umbfangen bin, 
10 mein herz, mein gemuet und all mein syn, 

ich gee oder stee oder was man zue mir spricht, 
das ich vor liebes dankhen nyemants recht bericht. 

4. herzliebster schrein, schleäs auf das herze dein^ 
schleus mich in dein schnee weis ärmlein 

15 inn solher lust gar freuntlich an dein brüst, 

so wirt das junge herze mein imm leib davon getrost. 

[97b] 5. In lieb ich ganz und gar umbfangen bin, 
mein herz, gemäet und all mein syn, 
yetz bin ich fro, dann weder wee noch wol, 
20 so denkh ich allzeit wie ich mich hallten soll. 

6. herzigs weyb, gib hilf und rath darzue, 
rath mir das besst wie ich ime thue, 
inn solhem schein das junge herze mein 
bey mir, herzlieb, dein rosenfarbes mündelein. 



CXVIU CXVUI, 



131 



sr5 7. Der rayeii ist gesungen zu trosl der liebsten mein 
und allen schönen jungkhfreuwelein fein, 
er ward gemacht do ich an sie gedacht, 
Gott geh dem feinen medelein vil tausent gueter nacht. — 
Nun ist es doch kein augenblickh, es wirt an sie gedacht* — 



ffi.: 14. weiB ärmlein weis. 15, Bolh — mit undetäHcher Ablesung ^ ^er? -en? -em? 
freantllcheD. 24 medelein. 25. liebste^. ^7. sie «n eie^ 2d tm Urekkem, 

iSS2 J i9S: I 1, bezwungen hat 2. Hebe* 3 u. 4. dardnrch Bich mein gemüte and all 
tneiß geblüte, in rechter liebe sie sich zu mir wenden thut. // L. Das red. 2. 2ur bertz* 
al]erliebBten- S. mein kÜhDes herti. zubricht 4. wenn sie mich also frenndlicb aneicbt. 

/// {^ Mi. €)i Hortzigos hertz gib biJff gib raht darzu, rath mir daa allerbeste und wie 
ich jhm thn, bey dir zn aein, hertzaHerliebate meiOf schleas auff dein rosenfarbea mündeteln« 

IV {= Hl. ¥\ \. Hertdge» berU, schleyB. 2. dein blancke arm el ein. 3. freundlichen an. 
4, für frewden wird mein junges hertss getrost. V {= H». 3) L In liebe ich gantz und gar 
entzündet bin. 2. mein bertz nnd gemüth. 3 u* 4* ich aing oder dicht oder was mau spricht, 
vor großen gedancken niemand recht be rieht. VI (^^ H$. 5) 1, In liebe, verbunden bin. 
2. und gemüth und alle. 3 u, 4. eine zeit frölieb die ander aeb nnd webe^ ieh beiienck 
alzeit wie ich dem feinen meidlein dienen wü. 

F//— X fehlen in der Hb. XI: 

Das lied das aej gesungen meinem feinen bulen allein 
EU Leipzig auf dem harten pHaeteretein, 

da ist das Hed gemacht, da ich an das feine megdlein gedacht, 
mein herz in meinem leibe vor großen freoden lacht. 

Fl. BL Yd 7B0i (ü. Nagltr) Sl t2\ Yd lüQi St 1S\ Yd nus. - Ye SOS Drey 8chSne 
Lieder, [ Das erste. Es war einmal ein Junger | Knab . . . | , . . | Das Ander, Ein Weib- | lieh 
bilt mein bertz bezwan- [ gen hat, etc. | Das Dridte, Beschaffen Gltck ist vnuersaumbt^ Im 
thon I Nach willen dein. {Bildcf*en, Am Schluß:} Gedruckt zu Magdednrgk [t] 1 Durch Joachim 
Waiden, Won- | haflPtig inn der Brandtatraasen. (4 BL S^ o. J. Rikks. des leiMien BL leer.) 
2 iti t i der Foxmng von i5H2 A enUftr^ Sir. Wiegen de$ driiten Lkd&t vgL oben H». Nr, 45. Nach 
wiUen dein *. Nr, SL — Zwickau, Sammelt. XXX, F, 20 Sl 29 Drey bobsche lieder, Erffurdt 
I52a 1. Ein weyblich bild meyn herta bezwungen bat — Be. 1568 Nr. 29, 



[118.] Ein annders lied. 

1. Es fuer ein man den Rhein aus — 
mit narren und esell« — 
er kam Tor einer frauw wirtin haus — 
mit narren und eselln — 
was eselln, was eseln, was narren und esel, 
was narm und esell 



Frauw wirtin» seit ir gewaltig %mA — 

mit narren und eselw — 
das ir den gast heut beherbergen wollt 

mit narren und eselln? 



!J 



182 



CXVIIL CXIX. 



3. Ja, so gewalltig bin ich wol — 
10 mit narren und eselln — 

das ich den gast heut beherbern will 
mit narren und eseln. 

[98*] 4. Die frauw die briet dem gast ein ay 

mit narren und eselln — 
15 die dochter briet ime «xij- und 2 — 

mit narrn und eseln. 

5. Der wirt der kam in das haus — 
mit narren und eseln — 
er jaget den gast zum fenster hinaus 
20 mit narrn und eseln. 



H$.i 2 a. 4. eseU. 5. wol fehlt. 6. esel. 8 a. 10. esell. 

Q9tre$ S, 141; Böhme, AM. Liederb, Nr. 479; Liederh. I S. 482 Nr. 148. 



[119.] Ein annders lied 

1. Ein medlen, ein medlen 
das ist gar hüpsch und fein, 
es thuet leckhen den löffeil, 
das mues ich laßen sein; 
6 darumb hab ich das lied gemacht 
das sie vorbas mein nimmer 

acht — 
sy lacht und sprach unhum. 



4 Ein pfeiflin, ein pfeiflin 
tregt sie an irem hals, 
das hat ir geben ein edelman, 
25 darumb ist sie so stolz; 

sie meinet sy woll kein schuester 

han, 
sy meint sie woll ein edelman han — 
sy lacht und sprach unhum. 



2. Zum tanzen, zum tanzen 
stet all ir gedanM, 
10 do hört man, do hört man 
den aller bessten schwang; 
und wann ir einer spotten thuet, 
sam sey er ir nit guet genueg — 
sy lacht und sprach unhum. 

15 3. Ein steine, ein steine 

tregt sie an ürer handt, 

der ist gefast in golde, 

darumb ist man ir holdt; 

sy ist von erbam leäten 
20 von brüsten und von heuten — 

sy lacht und sprach unhum. 



5. Zum tanzen, zum tanzen 
30 kan sie gar hoflich prangen, 

den höchsten vleis sie an sich legt, 
die schlüßel last sy hangen, 
sam sie hab ein edelman, [stan — 
ir dückh sollt doch niemant ver- 
35 sy lacht und sprach unhum. 

[98b] 6. Ein medlen, ein medlen 
das ist gar hüpsch und fein, 
sy hat ein wunder lange nas 
und trinkht auch gerne wein, 
40 und laß mirs hie und umbher gan, 
und wer das nit geraten han — 
sy lacht und sprach unhum. 



CXIX. 


■ 


■ 


^^^^^^ 133 1 


7, *Ey niedlin, ey medlin, 


60 


8 


L Und wer uns das li edlin fl 


wollauf rait mir ins feldt!* — 






sang, ^J 


45 'so nein ich, so nein ich! 




von 


L neu wem gesungen hat? ^^H 


du narr, du hast kein gellt, 




das 


hat gethan ein pfefTer still — ^^M 


du hast ein deines segkhelein, 




Got 


geh im ein fein guet jar! ^^H 


es geen doch kein drey heller 




er 


hats gar wol gesungen, ^^H 


drein* — 


55 


der 


lang hat in verdrungen — ^^H 


sy lacht und sprach unhum. 


■n. 


sy lacht und sprach unhum, ^^H 
52. pfefferetil jsur Bezeichnung einet kieinm ^^^| 


ffif,: 9, gedancklien. 38, wunde. 39. gm 


ßilenachenf Qe^enteii vm 55* der lang? 






■ 


Garru S. 62; Uhkmd Nr, 272-, Böhme, AM, 


Lüdetk . 


Nr. US-, LiBdtrk JII S, 504 Nt. 1707, H 


[120,] Ein annd 


ers 


^H 


1, Ehrnwerdl 


25 




wolbertig sitt, ^^H 


uff erd 






das glaub: ich bitt ^^^| 


und tugent schon, 






das glück h wol wöll ^^H 


ein krön 


lm\ 




vor ungefell ^^^| 


Ä weiblicher art, 






ir huetten wo2, ^^^| 


von der ich ward 


30 


das 


ir kein unnfall nit schaden sotL ^^H 


herzlich erfreuwt, 
zue welher zeit 






4 Halb theil ^^| 


ich wider kam 






^^H 


10 und sie micli freuntlich in ir erme- 

lein nam. 


35 




mein leben ist — ^^H 

kein frist, ^^^| 

all stund! imm tag — ^^H 


1 Will ir 






allein sie hab ^^H 


mit gir 






mein gemuet verwundt» ^^H 


und rechter treuw 






kein mmsch mich ^undi ^^H 


on reuw 






sonst machen kan, ^^^| 


15 mit stetter üb 


40 sie 


leg dann selbst ir aigen hilf daran. ^^B 


inn rechter lieb 
verbunden sein, 






5. Die wort, ^^H 


im herzen mein 
kheiner andern gedenkh, 






mein hört, ^^H 
treuwiich bedenkh, ^^H 


20 dann ich mich dir ganz für aigen 

schenkh. 


45 




nit krenkh ^^H 

das mein gemüet, ^^^| 
durch all mein guet ^^H 


3, Traut fromm 






schickh mir dein trosti ^^H 


darumb 






so Wirt erlöst ^^H 


m loben ist 






mein herz aus leid, ^^H 


on list 


50 das sich dein lieb nit von mir scheid*. ^^M 
8. keim Menicban nicht gesandt. ^^^| 


m,i 15. Heb. 23. jolobeo, 29. wöll* 3 



iä4 



CXX. CXXI. 



FonUr 1 (1552) ^. 107: 3. von tagent 0chön. 4. ich krdn. 10. das de mich sn jr 
am. 19. nit anders denck. 20. vnd mich jr gantE. 25. wolpertig. 29. jr bhfiten 
woL 30. ynfal schaden soll. 31. Halm teyl. 33. meins lebens ist 37. mein gmüt yer- 
wnnd. 38. kein mensch mich gsund. 40. jr hülff daran. 45. gmat. 46. dein gfit. 48. so 
wfird. 50. das deine lieh . . . 

Em. 1568 Nr. 42 «. «. w. Vgl ^. 81 oben. 



[121.] Ein annders lied. 



1. Ein freuntlichs augenwenkhen 
bringt lusst meines herzen beger, 
wan ich an die liebste gedenkhen, 
wie gern ich bey ir wer; 
^ sy ist mein trost uff erden, 
das änderst nit sein mag, 
die schönste ist außerlesen — 
ach, mocht ich bey ir genesen! 
sie liebt mir ye lenger ye bas. 

10 2. Wie schwer feilt mir mein 

leiden 
das ich von der liebsten mein; 
über alle die da leben 
soll sie mir die liebste sein; 
umbfangen und umbbunden 

15 hat sie mir das herze mein, 
sy rasst zu aller stunde 
inn meins herzens gründe, 
das zarte jungkhfreuwelein. 



3. neyder! der neider zungen 
20 betreffen das herze mein, 

laß mich der freuntschaft geniessen, 
schons lieb, ob es mag sein, 
und sollten mir zwey nun scheiden, 
stell dein gedankhen zue mir, 
25 und fuerstu [9^] über die beide, 
stetig will ich nach dir beidten, 
deßgleichen thue du wider zu mir! 

4. Kein mann mag mich er- 

freuwen, 
dann ich bin ganz trauwrig, 

30 dem ich yormals pflag zuegetrau- 
der hat betrogen mich; [wen, 

nu wolan, ich bin es zufriden, 
es mag nit änderst gesein, 
inn das beste will ichs keeren, 

35 vergessen mues ich leren, 
ich sete verloren spyl. 



Es.: 11. liebste, mos sein? otkr ich bin? 36. sens. 

Es. 1568 Nr.4 U.S. w. 

1582 A 94 m 4 Str. 156 in 7 Str.: I 1. Mit freundlichen sagen wincken. 2. meins. 
3. wenn, gedencken. 4. gerne. 5 n. 6. sie ist von solchem wesen, das anders nit sein 
nnd mag. 7. hab ich. 8. o Gott möcht. wesen. 9. sie geliebet mir. mehr. II 2. Uebsten 
mos sein. 3. all. 5 a. 6. and aach verbanden, wol in das. Z. 1 = Es. Z. 8. hertzen. 
Z. 8 = Ei. Z. 7 rast sie. 9. jungfrewlein. 

///. Sie hat zwey freandlich sagen, 
die leuchten recht wie die stem, 
die thet sie mir freundlich schießen, 
denn ich sie sihe gern, 
sie hat zwen rote wangen, 
die haben betrogen mich, 
nach jr trag ich yerlangen, 
sie hat mein herz umbfangen, 
ich seh sie von herzen gem. 



CXXI. CXXII. 135 

/F (=> Hm. 4) 1. Kein menBch. 2—8. denn ich bin trawriglich, die ich eins pflag sa 
freyen, die hat begeben mich, wolan ich mna es leiden, das anders nit sein und mag, ins 
best wil ich es kehren, vertragen. 9. nnd fähren. V (= Hs, 3) 1 — 3. Hertz lieb die falschen 
rangen, das anders nit kan sein, lassen ans keiner. 4. kan sein. 5. und sollen wir zwej 
nns scheiden. 6. von mir. 7 n. 8. so trab ich aber die heyden, stets wil aaff dich bejten. 
9. da anch za mir. 

VL Hertalieb wollest bedencken VII. Seafzen und fantasiren, 

die große schwere pein, darza ganz trawriglich, 

so sich von dir mas scheiden hab ich fOr ein manieren, 

das jange hertze mein; glaab es mir sicherlich, 

ich wil es dir bedeaten das machen die falschen kleffer 

das heimlich leiden mein, mit jrem falschen rath, 

so ich bin bey den leuten, die scheiden mich von meim balen, 

kan ich nit wol verbergen es sol sie noch wol rewen, 

das heimlich freyen za dir. des trag ich ein freyen mut. 

[122.] Ein annders Med. 

1. Ein neuwes lied hab ich erdacht, 
wollt Gott ich hets zum ende bracht, 
frölich so wollt ich singen, 

köndt ich bey der herzallerliebsten sein, 
6 wie kondt mir bas gelyngen, 

ja gelingen. 

2. Es kan aber laider nit gesein, 
darumb ist betriebt das herze mein 
und ist gar seer beschweret, 

so kan ich sie doch aus meinem herzen nit lan, 
10 und wer sie noch so ferren, 

ja so ferren. 

3. Die liebste vor allen ist sie genant, 
ir mündlen ist rosenfarb, 

sy hatt zwey rote weiße wangen, 
goltgeel und braun das tregt sie gern, 
16 damit hat sie auch mein herz umbfangen, 
ja umbfangen. 

4. Wer ist der uns diss liedlen sang? 
ein armer reäter ist ers genant, 

er hats so wol gesungen, 
wer er bey der herzallerliebsten mein 
20 da- [100«] heimen gebliben, imm hatt vor langst gelungen — 
er hett sie wol überkommen. — 



Es.: 10. ferm. 
Gerrit S. 65. 



186 



CXXIIL 



[123.] Ein annders lied. 



1. Es wollt ein jäger jagen, 
wolt jagen wilde schwein — 
was begegnet irom uff der bei- 
den? 
ein mediin in weißen cleidern, 
5 ein feins brauns megethlein. 



5. Da lagen die zwey die lange 

nacht, 
die weil was inen mit lankh, 
do spilten die zwey des guete, 
bis das erwachet die muetter: 
25 'ach dochter, du weckhest mich.' — 



2. Er gräest sie also freye, 
und ob sie sein buele wolte 

sein; 
sie sprach: 'von herzen gerne, 
ir seyt mein morgen sterne, 
10 khumbt hent, ich laß euch ein.' 



6. 'Ach muetter, liebste muetter, 
nun laß dein zürnen sein, 
die deckh war mir entgangen, 
ich muest sy widerumb langen, 
schweigt, mueter, und habt guet 

nie.' — 



3. Der knab der was so thumme 

nit, 
er nam der reden wahr, 
er klopfet also leyse 
mit seiner ganz stillen weyse: 
16 'standt uff und laß mich ein.* — 



7. 'Die deckh die dir entpfallen 



ist 



da schlag der jarryt zue! 
so hastu eingelaßen 
den jager uff freyer Strassen, 
35 den aller gotßliebsten dein.' — 



4. 'Wer ist, der do klopfet 
und mich nit ruehen lasst?' — 
'es ist der jäger imm manntel!' 
wie bald ine das mediin kann- 

dte, 
30 der jeger ward eingelahn. 



8. 'Hab ich dann eingelaßen 
den allergotßliebsten mein, 
des mues ich offt entgellten 
mit fluechen [ioot>] und mit schell- 
ten, 
40 ich armes brauns megedtlein.' — 



9. Der uns das liedlen neuw gesang, 
von neüwem gesungen hat, 
das hat gethan ein jäger, 
er reytt nit gern imm regen, 
4ö der narren find man noch vyel. 



Es,: 9. morgen stern. 19. kanndt. 22. nit fehlt 

1582 A 112 in 10 Str. I u. II entspr. Es, 1 u, 2; JV—VIJ entspr. 5—5; ///, VUI^X 
einerseits^ 3, 4, 9 andrerseits für sich, 

Lieder mü ähnlichem Anfang im 16, Jahrhundert öfter: Yd 9281; Niederd. Liederb, Nr, 63 (55); 
Oörres S. 183; Wackemagtl 1841 S, 841; ühland Nr. 104, 



CXXIV. 



137 



[124.] Ein annders lied. 



1. Ein freüwlin zart, 

ganz schon von art, 

mir treuw erzeigt, 

ist doch geneigt 
5 vil ander mer zu lieben, 

sy thuet dergleich 

als ob sie mich 

mit treäwen mein 

und sich allein 
10 gegen mir inn lieb thue üeben, 

welhes ich nicht acht, 

so ichs betracht 
wie falsch mit treuw vermischet — 

setz dapfer dran 
15 was ich mag han, 

laß frölich umbher wischen! 



2. In solher treuw 
lebt ich on reuw 
do ich was wildt 
20 und etwo spylt, 

khunt nie kein schanz gewynnen^ 
denkh noch wol dran 
das mancher man 
durch frauwen list 
26 betrogen ist, 

bin ich auch worden innen; 
ich find irs gleich, 
ist sie reich, 
villeicht kombt glückh mit freü- 
30 setz dapfer drann [den — 

was ich mag han, 
die mir niemants mag leyden. 



3. Es wer ein spott, 
brecht mich in noth, 
35 darzue umbsunst 

brecht groß Ungunst, 
solt ich sie darumb meiden, 
ob sie schon gegen mir 
aus rechter gir 
40 braucht falsdie lisst 

und untreuw ist, 
mues ich doch etwo leiden, 
ich lob sie drumb 
die sie macht fromm 
45 und kan den schalkh bedeckhen, 
wicwol mags sein, 
lies sie mich ein, 
freuntlich thet ich sie weckhen. 



Hß.i 8. meine. 13. vermiBcht. 16. wüttschen. 44. sie «= sich? 



138 CXXV. CXXVI. 

[125.] Ein anders lied. 

tioift] 1. Ein tage weis will ich singen, 2. Die tagweis ist gesungen, 

herz allerliebste mein, lo herz allerliebste mein, 
mir liebt vor allen dingen so scheinet mir die sonne 

die edle kayserin; imm hellen tage schein, 

5 das red ich uff meinen ayde: das ich sie mues fahren lohn — 

wer alle dise wellt mir leät ein berg 

under einem gezelt, I5 wol uberzwerg 

so möcht mirs niemandts layden. inn allen meinen Strassen. 

3. Die tageweis hat ein ende, 
herzallerliebste mein, 
so schreib ichs an die wende: 
20 ein K, ein M verstrickt, 
darauf setz ich ein kröne — 
wer buelen will, 
der halt sich gar styll, 
so Wirt es ime gelonet. 



Hs,: 4. kayserine. 12. helle. 
Mone^ Anzeiger 7, 241, 

[126.] Ein annders lied. 

1. Es taget an dem höchsten, 4. ^Nun erschreckhet nit so seere, 

es taget ann der hardt, mein wunderschönes lieb, 

und wer will heimlich buelen, lö ich bin dein getreuwer diener, 
der mach sich wol bald auf die farht. ich hab dich von herzen lieb.' — 

5 2. Dei^ sich will heimlich freyen 5. ^Bistu mein lieber diener 

aus ganzer stetigkheit, und wusst ich das vorwahr, 

der halt red mit dem wachter, mein herz wolt ich bezwyngen, 

der gibt ime den rechten bescheidt. 20 mein trauwren wolt ich lohn.' 

3. Es lag ein schöne jungkfrauw [loi^] 6. Do lagen die zwey die lange, 
10 inn irer cammer und schlief, die liebe lange nacht 

sie ward so seer erschreckhet mit weißen armen umbfangen, 

das sie der magdt ußrief. des morgens schyn der tag. 

25 7. 'Nun standt uff, ritter, balde, 
und es ist an der zeit, 
die vögell vor dem walde 
die singen widerstreit.' 

ffa.i 2. er. 12. yffrüefft. 13. Nan nit so erschreckhet seere. 14. schönes: weibe: 
lieb. 21. lannge Nacht. 

Bern. 25. balde wohl Adverb in heutigem Sinne, nicht Adjektiv zu ritter in der Bedeutung i kühn. 
Vgl unten 131, 86, 



CXXVI. CXXVII. 



139 



1582 A 4i: 

1. Es taget vor den oaten, 
der mond scheinet überall, 
and der da heimlich bulen wil, bulen 
der mas ganz frü anfstahn. [wil, 

5 2. Und der da heimlich bulen wil, 
der halt es in Stetigkeit, 
der halt es mit dem wechter, wechter, 
der gibt dir ein guten bescheid. 

3. Und das erhört die tausent schöne 
10 in jrem schlaffkemmerlein, 

sie erschrack von herzen sehre, sehre, 
bald sich der wechter blies. 

4 ^Erschrick du nicht so sehre, 
mein wunder schönes lieb, 
15 ich bin ein jOngling schöne, schöne, 
von herzen hab ich dich lieb/ — 

5. 'Bist du ein jOngling schöne, 
und wüst ich das fürwar, 
so wolt ich mein junges herz zwin- 
gen, zwingen, 
20 es mOste sein trawren lahn.* 



6. Und das erhört der wechter, 
hub an ein liedlein und sang: 
'ist mir in keinem jare, jare, 
kein nacht nicht worden so lang. 

26 7. Und es ist nacht geworden, 
es wird wol widerumb tag, 
es hat ein feines megdlein, megdlein, 
ein beyschlaflPen zugesagt. 

8. Das megdlein das ich meine, 
30 das ist gar hübsch und fein, 

und solt ich bei jhr schla£Pen, schla£Pen, 
das wer der wille mein.* — 

9. 'Ja solstu bey mir schlaffen, 
wer das der wille dein, 

35 dein trawren mustu lassen, lassen, 
ganz frölich mustu seyn.* 

10. Wer ist der uns dis liedlein sang, 
von newen gesungen hat, 

das haben gethan zween berckgesel- 

len 
40 auf Sanct Annenberg in der stadt. 



MoMj Anzeiger 7, 241. 
Hs. 1568 Nr, 112 u, s. w. 



[127.] Ein annders lied. 



1. Ein stundt vermag 
das jar und tag 
zuwegen nit mag bringen, 
darumb auch, glfickh, 
5 ich nit erschrickh, 

ich hoff mir soll gelingen 
inn kurzer zeyt, 
hoff sey nit weit, 
das unglückh wirt verschwinden 
10 und als mein layd 

das wirt sich freüd, 
bey dern ichs hoff zu finden 
wann mir der stem thuet zinden. 



2. Ein stundt vermag 
15 das ich mein clag 

zue ruckh mues . . . senden, 
darumb ich fafi 
mit dem compaß, 
das stundt glas thue ich wenden; 
20 wirt mir nit sonn, 

wart uff Johan, 
die zeit glogkh las ich schlagen, 
aus herzen grundt 
wart ich der stundt, 
85 darauf will ichs wagen 
und will auch nit verzagen. » 



140 CXXVll. CXXVllh 

3. Ein stundt vermag 
das ich erjag 
das glQokh uff meiner seilen, 
30 das wart ich gern 
und hoff der stem 
zint mir noch wol bey Zeiten, 
wie ichs ansah 
der stundt nah 
36 und hofnung zu erwarten, 
das vögelein singt, 
zeit rosen bringt, 
leg schon der schnee im garten 
und regnet es helleparthen. 



Es.: 12. dern » der 'ad'; vgl D. Wh. 2, 958. hoff fehlt. 16. maea ich senden. 
80. gerne. 31. Sterne. 33. ansabe. 34. nahe. 
Görree S. 84. 

[102»1 [128.] Ein annders lied. 

1. Es sollt ein medlen waschen gan 
ir hemdlen weis, ir eäglin dar, 

sy hört ein reüter singen, 
sie winkhet im mit ir schneweiJBen hand 
5 das er ir hälfe außwinden, 

wynden, ja wynden. 

2. *Ach jungkhfrauw, wolt irs mit mir gan 
und do die schone rößlen stan 

drauset uff jhener wysen?' — 
'ach reuter, weis du der rotten nit zuvil, 
10 es wirt mich sonst verdrießen.' — 

3. 'Ach jungkhfrauw, wolt irs mit mir gan 
und do die taygen pirn stan 

dort aussen uff jhener heyde? 
ach jungkhfrauw, wolt irs mit mir gan, 
15 so gib ich euch deren taigen, 

dertaigen, ja taigen.' — 

4. 'Über die haid so komm ich nit, 

es sey dann zuvor meinem muetterlen lieb, 
mein muetterlen will ich fragen, 
und haisset michs dann mein mäeterlein, 
20 so will ichs frölich wagen/ 



CXXVIII- 

* 


CXXX. 141 ■ 


5. *Ich bin bey meinem mueüerlen gewesen, " 


so hat sy mir den text 


gelesen: 


daheyraen soll ich bleiben. 


und so ichs über die beide kliomme. 


2h SO geschehe mir als andern weibern, ,i 


ia 


Weibern/ ^^^^1 


ja. 

H§A 4. jr mit jr, hando. ^^^^ 


T \rr M. MM^^^ ^^^^^^^^^^^^^^H 


m Lieder Nr. 30 nur d. erste Str,, Nr. 23 £ U^Ue Sir. ^^H 


Gorres S. IBO; Ühland iSÄ", UO; Simrock S, 112; Böhme, Lkderh, Nr. 59; Lkderh. I S. 2G0 fl 


Nr. 72. 


^^M 


[129.] Ein annders lied. ^^| 


1. *Ein blüemlen das heist mei- 


15 3. *Guet gsell, du sollt dich ^W 


den, 


freyen ^^^H 


des krenkht sich mein gemüeth^ 


gegn disem neuwen jar, ^^H 


soU ich dir laid vertreiben 


inn mein färb soitu dich cleiden, ^^^| 


so gar on alle sorg — 


solsts von meinetwegen tragen, ^^^| 


ö ach Got, was meiden thuet! 


solt haben ein leichten mueth — ^^^| 


vergiß mein nit stett woU dar- 


20 ey das dich Got beware^ ^^H 


bey, 


dein seel, dein leib, ehr und H 


du mein brauner wolgemueth/ — 


ßuethr — ■ 


lioiJb] 2, 'Wie khündt ich dein ver- 


4 'Wie khundt ich dir ver- ^^B 


geäen, 


sagen, ^H 


du herzallerliebste mein? 


du herzallerliebste mein? ^^H 


10 mein herz will mir zerbrechen 


die färb die will ich tragen ^^H 


so ich von dir mues sein. 


S5 . . . * . . von wegen dein, ^^^| 


darbey gedenkh du mein. 


will haben ein leichten muet, ^^H 


die lieb und treuw die ich zue dir 


wolt Got ich sollt stets bey dir H 


trag 


sein, H 


die soll ganz, A, dein argen sein/ — 


"'"""■■■""'" j 


Görru S, 88. 


[130.1 ^i^ annders lied. ^^M 


1. Eilend war ich ein weyle 


2. Feins lieb, laß mich genießen S 


inn dem jungen herzen mein, 


10 auch nun zu aller stundt ^^H 


mir ist worden zu theile 


das ich sey on alles verdrießen ^^H 


ein junges medelein, 


inn deinem dienst alzeyt bekunt, ^^^| 


5 der ich mich hab ergeben 


alls ich dir will zuetrauwen, ^^^H 


in irem dienst zusein, 


das glaube du mir fürwar^ ^^^| 


nach irem willen zu leben, 


ih ganz vesste uff dich bau wen, ^^H 


bis an das ende mein- 


du schön und seüberleüch. ^^H 



142 



cxxx. 



[103*] 3. Ere/flig soltus ringen 
in rechter stettigkheit, 
keer dich an khein verdringen, 
20 ich sey dir gleich noch weit; 
hörstu was von mir sagen 
das dir precht zweyfels an, 
ker dich ann keines falschen claffers 

sagen, 
du solst mir die liebste sein. 



25 4. Feins lieb, ich tbue dich fra- 
gen 
ob es auch in der warheit sey wahr, 
. ich dir komm aus den äugen, 
sollt meiner vergeßen sein? — 
'ach nein, das sollt nit sein« 
30 und warst du über tauset meil, 
keinen liebem wollt ich gewynnen, 
es sey dann der wille dein.' 



5. Ein wörtlin hab ich gehöret 
aus irem roten mundt, 
36 dardurch wirt mir zerstreuwet 
mein trauwren zu aller stundt, 
inn freuwden will ich leben, 
inn treuw ganz tugentreich, 
den trost hat sie mir geben 
40 die schone, die seüberleüch. 



H$,i 10. ach. 14 fehU. 16. Thae. 17. KrelTtig soltas rein geo. 27. komm dir. 35. Ue§ 



zerstöret. 



H$. 1575 Nr. 108: 



1. Elende, du hast keine weile 
ahm jungen fro herze mein, 
mich ist gewurden zu theile 

ein hübsch braunß megdelein fein, 
5 ich gebe mich ehr over 
in rechter stedigkeit 
nach ihrem willen zu leben 
beß an den ende mein. 

2. Junkfraw, laß eß mir geneiBen 
10 auch nu und zu aller stundt, 

ich byn in keinem yordreißen 
in deinem dienste boreith, 

so offt du mir vortrauwest, 
daß glove du mir vorwar, 
15 auf deine gnad will ich bau wen, 
du herzallerliebste mein. 



3. Junkfraw, ich thu euch fragen 
wie eß in der warheit magh sein: 
wen der keme ein gudt geselle auß eawem 
20 ob ehr vorgeßen solde sein? — [ogen 

'auch geselle, du bist alleine, 
und werstu über tausent meil, 
kein ander lieb will ich haben, 
daß wher dan der wille dein. 

25 4. Geselle, du bist mir trewe, 

ich weiß woll wher du bist, 

du hast mir auch bedragen 

und bist vuU argelist, 

von dir will ich nicht scheiden, 
30 daß gleube du mir vorwar, 

von dir will ich nicht scheiden, 

und levede ich tausent jhar.* 



5. Ich hab ein wortlein gehöret, 
auß einem zart mundtlein rodt, 
35 darauß so ist vorsturet 

mein traurent zu aller stundt, 

in frowden will ich leben 
in ehrem dienste schon, 
nach deinem willen will ich leben, 
40 du herzallerliebste mein. 



CXXX. CXXXL 143 V 


' Offenbar «i'nd in dieser ftumng der Bertiner Mm. die vier ersten Zeilen von Strophe 4 eiru " 


getchoben ; sie iUhn im Wider »pntch eowohi zu den vorhergehenden und folgenden Worten der Qeiiebten, 


die keinen andern zu liehen vnd avch dern ulhst tn 


meüesier Feme Befindlichen Treue m halten per- 


tpriehU ah auch namentlich in grellem Gegensatz 


^u der frohen ZuverMU, welche der Liebende 


darauf äußert. 


II 


[131.] Ein annders lied. ^^H 


(Ist gewesen ein herzogin ' 


?on Hechel burgs doehten ^^^| 


Die bürg beisi Stergerdt.) ^^H 


1. Es wonet lieb bey liebe, 


5. Sy gab im dem mantel zu be- ^^H 


darzue gros herzen layd: 


wahren, ^^H 


ein edle herzogine, 


30 den roch ann seinen arm: ^^H 


ein herzog, was hochgeraait — 


'nun farthin, jungkhfrauw edell, ^^H 


5 sie helten einander von herzen 


das euch Gott bewahr!' ^^^| 


• lieb 


sie kam under einen holen stein ^^H 


und kundlen vor großer huete 


als under ein grüene lynde, ^^H 


zusamen kommen nie. 


36 darunder ein prunlen was dein. ^^H 


2. Die jungkhfraw die was edel, 


6* Und diß erhört der zwerge ^^H 


sie gieng wol einen abentgang 


inn der holen do er was, ^^H 


10 vor ires vatters bürge 


ufhueb er sein füeße, ^^^| 


do sie den wechter fand: 


gar heim lieh schleicht er dar: ^^^| 


*ach wechter, Irit du her zu mir, 


40 ^ach junkhfrauw, ir sollt mit mir gan^ ^^H 


ich woll dich seelig machen, 


ich bin ein l>ot zue euch gesandt, ^^H 


dorfl ich verlrauwen dir/ 


ir solts nit fahren Ion,* ^^H 


[103^] 3. *Das Ihet ich also vil geren, 


7, Ab zog sie iren schlier, ^^H 


16 zart allerliebste jungkhfrauw fein, 


sie warf in uff eins baumes ast: ^^B 


so furcht ich also seere 


45 'nu sichstu, vil edler ritter, H 


den liebsten herren mein. 


das ich alhie was; H 


ich furcht so seer eurs vatters 


mich füert ein wilder zwerg da- H 


zom; 


hin — ^^^1 


so wann es euch mißelinge, 


ach reicher Crist von hime], ^^H 


das leben het ich verlorn,' — 


wie soll es mir ergan?' ^^H 


4. *Mir soll nit raisselingen, 


50 8, Er fuert sie zue seiner mueter ^M 


ich will nur vor den hag, 


wol in die höll hinein; ^^H 


und schlaff ich dann zu lange, 


'nun fuer sie balde . ^^H 


25 SO weckh mich mit deim gesange 


du schaffest uns gros jamer und ^^H 


und laß mich, wechter, zoe dir hin- 


^H 


ein, 


ehe skh die nacht noch vollendet^ ^^H 


dieweil so schlefl mein mueter 


56 drey mordt werden . , , ^^H 


dartzue der vatter mein.' 


vor großem . . leid,' ^^H 



144 



CXXXI. 



1104*] 9. Er nam sie bey der hende, 
bey ir schneweißen hand^ 
er füert sie an das ende 
eo do er sie funden hett; 

da hueb sich gross jamer und her- 
zen leid, 
do lag des edlen herzogen kind 
inn seinem schwerdt, was todt. 

10. Auß zucket sie das Schwerte 
65 und stach es selbs durch sich: 

'und hastu dich ermordet, 
ertödten will ich mich, 
es soll sich nymmer mer 
eines ritters kind ermorden 
70 wie . . . durch mich.' 

11. Der wechter an der zyn- 

nen 
heb uf ein lied, gesang: 
'mich daucht in tausent jaren 
noch nie kein nacht so lang 
75 als mich die hinacht hat gethan — 
ach reicher Crist vonn himel, 
wie soll es mir ergan?' 



12. Und diß erhört die muetter 
amm beth und do sie lag: 
80 'nun hört, vil edler herre, 
yemembt des wechters clag 
und die er hinacht hat gethan — 
ich fürchten unser dochter 
sey nit wolgethan.' — 

85 13. 'Nu standt auf, baußfirauw, 

balde 
und zindt ein kerzen liecA*!' — 
sie kam vor der dochter betthe, 
die dochter fand sie nit; 
do gehueb sich gros jamer und 
^ herzelaid, 
90 do lagen die edlen herzogin kinde 
in einem schwert versert. 

14. Man thet den wachter sue- 
man legt in uff ein tisch, [chen, 
man thet in dein zerschneiden 
95 recht sam wer er ein visch; 
das thet man als darumb 
das andere darann gedächten, 
sich hfietten furbas bas. 



Es.: 15. gern. 19. zorns. 42. fahrn. 49. mir fehlt; vgl Z. 77. 52. za rackhe? 
53 a. 54. du schaffest — peiu, du schaffest vns gros jame [!] vnd hertzenleid, ehe sie. 
Die Worte zwischen pein und ehe sind als OherschUssiger Vers oben im Text weggelassen; der 
Schreiber hat gedankenlos die Worte von Z. 61 vorausgenommen, 55. sein geschehen? 56. herzen 
leid? 58. hennde. 64. er das schwert. 70. nun gescheen? 83. Ir. 86. lied. 93. mag. 

1582 A 223 in 17 Str. I—IV entspr. Es. 1—4; V—VII für Es. 5; 7 fehlt 1582 A mü 
Recht; VIII = 6; IX u. X für Es. 8; XI— XIV entspr. 9-12; X Vu. X VI für Es. 13; X VII = 14. 

Niederd. Liederb. Nr. 73: Jahrbuch f niederd. Sprf. 26 (1900) S. 29. 

Fl. Bl. Berlin Yd 7821 St. 20; Yd 8968; Ye 514. — Frankfurt a. M. Sammelb. L 521 Bl. 35. — 
Weimar^ Sammelb. St. 25 Ein schöne Tagweis | Es wonett lieb bey liebe . . . Nürnberg, K. Her- 
gotin 0. J. 17 Str. — Zürich, Stadtbibl. Gal. KK 1552 St. 24 Ein H&bsche \ Tageweiß, von 
«ines Kö- | nigs Tochter vnd einem jungen | Ritter, Es wohnet Lieb bey | Liebe, 2c. | Ein 
andere schöne Tageweiß, von | eines Königs Tochter . . . 1 1 | (Bildchen) Ein ander schön Lied, 
Ich stund I an einem Morgen, }c. | 1613 — (Am Schluß:) Getruckt zu Basel, bey | Johann 
Schröter. | 1613. (8 Bl. 8^ Rucks, des ersten u. letzten Bl. leer.) 1. Es wohnet lieb bey liebe . . . 
17 Str. (Dahinter:) Lieb ist Leyds anfang, | Es steh gleich kurtz oder lang. 2. Röndt ich 
von hertzen singen, ein hübsche Tageweiß . . . 19 Str. 3. Ich stund an einem Morgen . . . 
7 Str. Zu den Liedern 2 u. 3 s. Nr. 55 u. 153 der Es. — Ebenda XVIII 2017 St. 5—7: Ein 
schöne Ta- | geweyß, von eines KÖ- | nigs Tochter. | Im Thon: | Es wonet Lieb bey Liebe, 2c | 
(Bildchen) \ Gedruckt zu Augfpurg, | bey Michael Manger. (4 Bl. 8^ o. J. Rüdu, des erttm u. 




CXXX!, CXXXll. 



letzten BL leer,) das ich künd von Hertzen, Biugen ein Bcb^ine Tageweyß , . , t9 Str, — 
Ein BchÖD Ta* [ geweyß : Von einee Küniga 1 Tochter, vnd einem jungen Eit- | ter, Auch vom 
Zwergen, :c. E« | wobnet Lieb bey Liebe, dar- [ zn groß hertzenleydt, {Biidchm. i BL 8^ 
0.0, u. / Rüch^ du ersten u. kizUn BL leer.) Es wohnet Lieb bey Liebe . . , 17 Str. — Ein ach^n 
Tag- I weyß , . » 1 1 [ Im Thon: | Ea wohnet Lieb bey Liebe, darKU | groß Hertzenleydt. 
{BUdchm.) Dieweil mein Herta thüt lieben, ein Edle junckfraw zart . . . SS Sir. — Zwickau^ 
Rat»scMAi6L XXX^ V, 20 Sl tO Ejn Schone tageweya, | Von eynes Ktinig» Tochter, vnd einem | 
Wechter, Im thon, ea wonet lieb bey | liebe, dart^u groß hertze leydt | Das ander. Kein fremd 
&n I Jeydj mag mir wider | faren. | M.D.XXIX. {Bildchen. Am Schluß:) Gedruckt zu Erffhrdt 
zum I acbwartssen Hörn, (4 BL S**, Ruch, des a-sien u. kuten BL leer.) 1. Es weuet lieb bey 
liebe , , . /7 Str. (2. Kein freud an leid . . . 3 Sir. Hs. 1^68 Nr. 83 u. $, «?.) 

Wunderhom II (iSÖS) S. 273\ Görre» S. 19 1\ Ufdand M:90{ Mütter S.9 Nr, 5, Goedek^ 
TiUm, S, 83 \ R, ©. Läiencrm S. 125 Nr. 37; Bohmty LiederL Nr. 19; LiederK I S. 304 Nr. 8$ u. 
S. Sit Nr, 88. 

VgL Hogmmm, Hota^ Befy. 2, 105 u. II, 234; WUiem (iS4S) S. 168. 



[I04b] 



[132.] Ein annders lied* 



1. Für alle freüd ufiF dtser 

erd 
hab ich mir ein schätz erweit, 
mein herz nichts liebers begert 
dann das ich ein weil bey ir 
5 sollt bleiben ein zeit; 

wie hart ich leyd 
das ich so lange von ir bin 
nnd bleiben mues, 
bringt mir schwere pues, 
10 noch ist bey ir herz, mnet und 

syn. 



2, Es ist onnoth und darf nit wort: 
sie ist mir die liebst die ich in treu 

^fewan, 
darzue meins herzens ein höchster 

bort, 
daran sie khein zweifei soll han, 
15 das trauw sy mir: 

ich bin der ir 
inn steter treuw ganz onverkert» 
wiewol man flndt 
vyl schöner kind, 
20 noch ist sie mir für alle die werdt. 



3* Lieb thuet mich zwingen also seer, 
die ich nach ir durch seenen trag, 
das ich sunsi keiner kurzweil ^ehr, 
man spring, danz, sing oder sag — 
SA bringt nur schwer, 

mich freuwet nichts mer 
wann das ich altzeit hoff und wart, 
komment zue ir 
aus herzen begir, 
30 mich freuwet nichts mer dann die wyderfarth. 



ff 8.: 7. lange Zeit. 12. sie mir die liebst, die Hebst, trenwent 23. melir. 24 a. 25. sag- 
koment xue Ir ans Lertzen begir: Bringt 

88 Ikder, Numh^g {J. v. Berg u, CT, Neuber) o. /. Nr. 40: 1. Fvr all anff diter erd. 
2. schätz anßerwelt. 3. Mein berte hat liebere nie begert 4. daa ich ein eeit bey jr «olt 



146 



CXXXll. CXXXlll. 



sein. 5. vertreiben mein zeit. 7. lang jetzt von jr sol sein. 10. noch (m der Wiederkobmg: 
doch) bleibt 11. darff hertz lieb nicht wort 12. wie wol da bist die liebet, die ich doch je 
gewan. 18. meines hertzen. 14. daran solt du kein zweiffei nicht han. 15. des vertraw. 
19. hertz lieb noch vil schöner kindt 20. noch liebst da mir fttr alle dise weit 22. mit sehnen, 
ä. wenn ich mich sonst keiner kortzweyl nit acht. 24. man tantz, sing oder apring, ja aber 
sing. 25 — 27. Das ist mir alles schwer, mich erfrewt hertz lieb nichts mer, dann das ich alle 
zeyt. 28. vnd komb za dir. 30. Mich erfrewt hertz lieb nichts mer, denn dein widerfart 

Airatüdkon: F— e— li(— x). 

E$. 1568 Nr, 82 u. $. w. 



[133.] Ein annders lied. 



zue 



. Herzainigs lieb, 

mich nit betrieb, 

so uns die zeit 

yetz widerstreit; 

sich do wol wie 

das kein mensch nie 

so seelig lebt, 

wie hoch er schwebt, 
Zeiten imm etwas wider- 



[105*1 

11 



15 



mein 



Lei gleich als ich, 
das bitt ich dich, 
drumb will ich 
nit abelan, 
nit irren soll, 
erkhens doch wol, 
was untreuw khan, 
dasselbig sich an, 
herz dir guets vor 



allen 



strept. 



andern gahnn. 



3. 



20 



25 



Nach solher schwer 
mein treuw heger 
inn hoflfnung wart — 
unfal uns gar — 
bin ganz verpflicht, 
so gar mit nicht 
ich von dir setz 
mit keiner letz, 
schier ich dich alles laids ergetz. 



Hs,i 10. Lebt 12. will ich = willig? kan zu ergämenf 18. gahnn =» gan. 19. schwert. 
20. bewert. 

Akrostichon: He — le— na. Die Verse sind merkwürdig durcheinander geworfen. Das zweite Reim- 
paar der dritten (Z. 21^ 22) muß mit demjenigen der zweiten Strophe (Z. 12, 13) den Platz tauschen. 

1582 A 36: 1 a. 2. Hertz einiges lieb, dich. 5. siehst doch. 6. mensch hie. 10. Leb. 
12 — 14. in hoffnung wart nnfal ans nicht, lang jrren sol. 17. dasselb. 18. für andern gan. 
19. schwer. 20. beger. 21 — 24. die dir voran, ohn abelan, stets ist verpflicht, fttrwar 
mit nicht. 27. frenndiich dich sicher alles leide ergetz. 

Ä. 1568 Nr, 33 u, s, w, 

Fl. BL Weimar, Sammelb, 14, 6: 60« St. 17 Drey hübscher Lieder/ | Das erst /Hertz 
e3migs lieb / bis nit be- | trftbt Das ander / Ist yemand hie der | sich frewt der langen nacht 
Das dritt | Weyß mir ein feynes megetleyn. {Bildchen. Am Schluß:) Gedruckt zu Ntbmberg 
durch I Kunegnnd Hergotin. (4 Bl, 8^ o. J. Rücke, des ersten u. letzten El. leer.) 1 in 3 Sir, 
Akrostichon: fle—le— na. Das dritte Lied entspr. Nr. 150 d. Hs. 



CXXXIV. 147 



[134.] Ein annders lied. 

1. Herzlieb, ich scheid aus herzen grimm, 

mit lauter stimm 
thue ich deiner lieb begem; 
herzlieb, sich an, merkh und vernimm, 
5 wo es sich zimm, 

so thue dich zue mir kern! 

mit deiner gewalt 

mich lenger behallt, 
unnfall hat mich umbgeben gar, 
10 seit mir die stundt 

ist worden khundt 
das ich mich scheid genzlich färwar, 
tröst mich, mein schon und dar, 
das ich mich scheidt genzlich färwar — 
tröst mich, mein schön und dar! 

2. ^Herzliebster gsell, mein trost wirt klein, 
15 wie ich gemein 

deßgleichen geschehe dir auch als mir; 
wann ich mich scheid, mein ainigs ein, 

last mich allein, 
erst ich enntbür meins herzen begir; 
20 mein syn und herz 

mues leiden schmerz 
bitzue deiner wider ker — 

es darf nit beth, 

ich bleib dir stet, 
25 das red ich dir bey treuw und ehr: 
vertrauw mir das und noch vil mehr!' 

[lOb^] 3. Herzlieb, zart schon und innigclich, 
wie hoch freüdt mich 
das du die lieb recht hallten wiltt, 
30 und das ich mich zue dir versieh, 
deßgleichen ich 
inn treuwen dienst dirs vergilt 
inn allem dem 
das wer genem, 
36 wo ich das wais, merkh und verstandt, 

10* 



148 CXXXIV. 

so bin ich der 
keiner andern beger, 
und bleib dir allzeit underthan, 
uff erd beger ich khein lieber zuhan. 

40 4. *Hab großen dankh, herz liebster gsell, 
als dann dein will 
sovil freuden von mir begert, 
und alles was ich vermag, ich dir zuestell, 
mein ungefell 
45 urab uns beide bezalet wirt: 

dann wirt erlost mein herz 
aus seenlicher schmerz, 
wann das geschee inn selber gstallt 
das du blibst steet, 
M) so hett ich nie erlebt 

größer freud so manigfalt — 
schaff und gebuyt an mir, du hast gewallt' 

5. Herzallerliebste kayserin, 
inn meinem synn 
55 dein trost mich seer erfreuwen thuet 
in allem dem das ich beginn; 
ich lieb und brinn 
inn feürs hitz, inn hohem muet, 
wiewol ichs doch 
60 für war nit wais, 

der stunden meiner widerfart, 
mues nu von hinn, 
dieweil ich yetzo bin, 
alltzeit ich deiner hulden wart, 
65 das red ich dir, mein schön und zart. 



Hs,i 20. hertz vnd 8711. 22. einer. 40. danckh großen. 56. begieng. 

Mgq 718 BL 6^: 1. Hertz lieb icb rueff von hertzen grym. 3. vnd tu deinr hilff be- 
geren. 4. Sich an vnd scbaw mich ains vemym. 5. ob es. 6. keren. 8. bhalt. 13. tröst 
mich mein aller schönst vnd klar. 15. So ich wol main. 16 u. 17. mir gschech des gleichen 
auch als dir, So dn dich schaidst. 19 u. 20. enpir. gir, mein gmuet. 22. so lang pis zu 
dir wider ker. 23. So hilfft kain pett. 24. pleib. 25. das glob (= gelob). 26. getraw. 
27. Hertz liebste zart vnd wqneclich. 29. dein lieb stet 30. für war ich michs. 31 n. 32. des 
gleich auch ich, mit trewem dienst dirß wider gilt 34. was dir ist gnem. 35. yerstan. 
36. pin. 37 — 39. kain anderß mer, ich pleib altzeyt dein vnderthon, aoff erd ger ich 
nit liebers zhon. 40—42. Hab grossen danck hertz liebster gsöll, njm hin vnd wöU, aU 
frewd died von mir haben wilt 43—45. was ich vermag ich dir das stöÜ, ob vngef511, noch 




CXXXIV, cxxxv. 



Tmb vnß pftide wurd geBtilt 46 — ^52. So wer mein hert£, erlöst von Behmertz, wann es g%* 
Bcbecb in sÖIHcher gstaJt, das du pleibet bie, lob bet nocb nie, eölicb frewd erlebt ao 
manigfalt, Bcha^ rnd gepult mir mit gewalt. 55« micb gantz^ 56. dem wai. 57 u. 58^ leb 
icb md prinn, in Yenns bit£ Tnd hochem mut. 59. ich. 60 n. 61. als vor vnd noch, nit 
waiß die stund meinr widerfart. 62 — 65. nymb von mir bin^ die wejl ieh pin, das icb 
altiejt der liebe wart, leb halt dich mein mein icbönete zart 



6. ^Machs wie da wild^ hertz UebBter mein, 
ich ger die Bein 
die willig tat was dir gefeilt, 
ob icb micb leid in Bökbem scbein, 

iet mir kein pein, 
dn piit der liebBt der micb entbelt, 

mein frewd Tnd wann 

ich niemantz gann 
atlbie auff erd an kainem ort 

wan dir allain, 

mein ainiga ain, 
habe nit darflir daB es sej wort: 
du piet vnd pleybet mein höcheter hort^ 



7« Eb plaipt dapej, mein ainigs bertE, 

herwider wert« 
trdBt ich in lieb dich des geleichf 
wan mir doch liebt dein frenntlicb Bcbertz 

f^ aUe ertz 
vnd alle frewd die lebt im reiah, 

da nem icb für 

daa ich pey dir 
vertreiben meobt mein zeyt vnd atnnd, 

ea mag nit sein, 

ich gib mich drein, 
bewar dich Got, mein rotter mandt, 
glück füeg vnl^ achter zu aamen geund« 



Jioe»] 



[135.] Ein annders Hed. 



1- Het ich viel gellt» 
so wurd ich werdt gehalUen, 
seyt ich keins hab, 
so ist die lieb zerspallten, 
6 frauw, zwischen mir und dtr^ 

die lieb die hebt sich schier, 
sy ist auch bald zertrennet, 
ich het ein ayd geschwom 
du bettest mich außerkorn, 
10 ee ich dich recht erkennet. 



2. Das ist ein lust 
das du kanst narren machen, 
es ist umbsonst^ 
ich mues dein altzeit lachen 
15 wann ich an dich gedenkfa, 

du kanst die rechte schwenkh 
die narren kappen zumeßen, 
die hastu mir gescbenkht 
und an mein hals gfehenkt^ 
20 ich kann dein nit vergeßen. 



3. Noch seind ir vyl 
die mir mein cappen wollen zerreißen, 
doch ehe ichs inn lies, 
ehe wollt ich mich mit inen schraeyßen; 
35 wirt sy mir dan entzuckt, 
von meinem hals geruckt, 
so mues ich sie laßen fahren: 
ich main es sey ein plag 
das ich mich all mein tag 
30 Tor narren aie khunt bewaren. 



ff9.: 10. erkennt 11. dein Inat? 



150 CXXXV. CXXXVL 

Hb. i5ßB Nr. 105 u, $. w. 

A. #. Akk Nr.i9: 1. wer ieh. 8 o. 4. So myr das feit so. 6. Heb erli&l». 9. h^ü. 
10. efkennet 11. dein loBt 13. Ymb smt 17. kappen meeeen. 19 n. 20. an meinen hab 
geheaekt. daa kan ich nit vergeeeen. 21—24. Ir synd noch viL woln mir mein kap aer- 
riaeea« jedoch ich wiL mich mit jn daromb beissen. 27. icha lawen. 90. vor narrn nit 
kan bewaren. 



[136.] Ein anders lied. 

1. Herzlich so wünsch ich mich bey ir 
. . . ze sein in freüden, 

die ich mir für alles guet beger, 
kein mensch khann mir sie erleiden, 
6 dann allein der todt 

und sonst khein not 
solt solhe lieb nit scheiden. 

2. Ob ich gleich nicht allzeit bey ir bin, 
daromb soll sie nit trauwren, 

10 ich lass doch bey ir herz, mueth und syn, 
rede ich on alle scheue, 

mein junges herz 

bleibt [106t)] gegen ir unverkhert 
in rechter lieb und treüwe. 

15 3. Der liebe Got wöll ir beschirmher sein 

und sie bewaren vor leide, 

mein junges herz leit schwere pein, 

wann ich von ir mues scheiden, 

der liebe Gott spar sie gesundt 
20 zu aller stundt — 

hilf uns bald widerumb zusamen mit freäden! 



Ba.: 11. Bcheuch. 14. ich. 
Ä. 1575 Nr. 2: 

1. Herzlich Wunsche ich mich bey ihr 2. Ob ich nicht allseit bey ihr aey, 

allein tza sein mitt freuwden, daromb schalsto, hersUeb, nicht troren, 
die ich vor aUes guden bogere 10 ich laße bey ihr herz, mueth und synne, 

kein minsche schall sie mir nicht leiten, rede ich ohne alles löghen« 
5 dan alleine der todt mein Jungs herz 

und sunst keine noeth bleibt stedes jegen ihr anyorkert 

schall solche liebe nicht schieden. in rechter lieb und treawe. 



CXXXVI— CXXXVIIL 151 

15 3. Der liebe Qott mtiße ihr beechuUer sein 

und sie be waren vor liede, 

ed briBget meinem bergen schwere peine 

d&ß ich mich Ton ihr mneli schieden, 
dammb epare sie Gott gesnndt 
20 zu aller atundt — 

hilf nits xusamende ndtt freuwdeo* 

[137.] Ein anders lied. 

L Yelz scheiden bringt mir 2. Unfall durch seinen neid 

schwer, lo hat solhe clag erdacht, 
und macht mich ganz traurigclich und schickt sich slettigclich 

das ich soll und mues von dir, das scheiden wüt vollhracht, 

die oflfl erfreu wet mich; dardurch trag ich gros leyden 

5 mit schimpf und auch mit scherzen und ist langweylig mir 

hat sie mir mein herz beward t, i5 das ich dich, schön, mues mei- 
erst werd ich krankh von herzen den — 
so ich gedenkhe der hinfart. o glücWiT das dag ich dir. 

3. Eomm mir mit trost zusteür, 
bedenkh des scheydens end, 
vil kurzweil wirt mir werden theur, 
20 so ich von hynnen ]end\ 
mit wißen mues ich scheiden, 
doch bleibt mein herz bey dir; 
glückh, schickh die zeit mit freüden, 

hilf uns zusamen schier! 

ff 9.1 2. gantz ja. U. ist feh/L 18. ende, 20. lennde. 

A^ V. Aieh Nr. 2i 2. mich traurigküch, 3. dai ich n-un «ol von der. 6. hat sie meyn 
gmüt bewart. 3. so ich gedenck der fart. IL vnd schickt die klegliöh rijt 14. vod iat 
laogkwyÜg rayr, 15, das ich die Bchöen aol meiden. 18. doch Bcheidene endt, 19. mir 
teuer. 20. lend* 21. mjt lieb so muß. 23* gluck bringt die %yi. 24, acheir. 
ffi. ISeS Nr. IG u. ». w. 

[lOT»] (138-1 Ein anders lied. 

1. Ich armes m edlen dag mich seet — 
wie soll mir nu geschehen, 
das ich den allerliebsten mein 
so lang nit hab gesehen^ 
b der mir mein zeit und weil vertreibt, 
sonst kheiner uf diser erden — 
wann ich gedenkh wie es im geht, 
mein herz in großen trauwren steet, 
der liebst mues er mir werden. 



H 



3 



152 CXXXVUI. 

10 2. Ach reicher Gott, gib im das gläckh: 

wo er reüth inn dem lande, 

bewar im seinen geraden leib 

vor layd und auch vor schände; 

das will ich immer dankhen dir 
15 tag, nacht und alle stunde, 

noch frey ich mich seiner widerfarth, 

du mein einiger trost, mein liebstes lieb, 

vergiß mein nit in treu wen I 

3. Er zog mit willen nit dahin, 
20 noch hat er mein herz vor aigen, 

vyl guets ich mich versyhe zu iw, 
treuw wil ich im erzaigen; 
kein falsche that hab an ime erkant, 
an seinem ganzen leibe, 
25 noch ist der knab so wolgemueth, 
vor in nemm ich nit dkheisers guet, 
der liebst mues er mir werden. 

4. Er zog dahin, es was mir laid, 
meins herzen außerkor^; 

30 inn meine färb ward er geclaid, 
wie er dahin thet fahren; 
sein Urlaub nemmen bringt mir schwer 
und macht mir großes trauwren, 
doch freuw ich mich seinr widerfart, 
35 du mein ainiger trost, mein liebstes lieb, 
vergiß mein nit imm herzen! 

ffs.i 21. EU ime versyhe. 23. : hab: hab. 26. dkheisers; d angeuUi {um des £u 
sekreibenf)y daraus dann k gemacht. Vgl Z. 24 des folgenden Liedes, 29. aoBerkom. 34 fehU. 

Forster III {1552) Nr. 31: 2. leyd geschehen. 6. sonst keinr auff. 9. wie kan ich 
frölich werden? 10. verleyh jm glück. 12. bewar sein leyb ftir vnfall duck. 13. bhüt jn 
vor leyd vnd schände. 14. des. 16—18. wann ich gedenck das jm wol geht, mein hertx in 
grossen freuden steht, mir ist der liebst aaff erden. 19. Er ritt mit meim willen nicht 
hin. 20. noch ist mein hertz sein eygen. 21. Als guts ich mich versihe za jm. 23 u. 24. Kein 
falsch hat er an mir erkand, an meinem. 25. es ist. 26. nichts. 27. sol er. 28. Er 
ritt dahin das war. 30. ist er. 31. wo that er nar hinfaren. 32. Sein vrlaab that mir 
bringen pein. 33 — 36. mir heimlichs rewen, doch frew ich mich seinr widerfart, mein 
eynger trost, mein höchster hört, vergiß mein nicht in trewen. 

Forster III {1552) Nr. 32 nur die erste Strophe: Z. 2. wie sol mir nnn geschehen . . . 

Es. 1575 Nr. 23: Archiv f. d. neueren Spr. 111 {1903) S. 20; dazu: Oehsenkkun 1558 
BL LXXIV^ in 3 Str, entspr. den 3 ersten d. Es. Dedekind, Dodekatonon 1588 Nr. 8 d. erste Str. 

Görres S. 125; Wackemagel 1841 S. 855; ühland Nr. 71; C. F. Becker, Lieder u. Wessen S. IS; 
Mittler S. 511 Nr. 672; R. v. LiUencron S. 359 Nr. 125 u. s. w. 



CXXXIX. CXL, 153 

[107b] [139.] Ein anders lied. 

1. Isprugkh, ich mues dich laßen, 3. Das median sprach mit 
ich far dahin mein straßen, schmerzen: 
ist wider meinen dankh; 'o wee, o wee meins herzen 

der mir mein bueln hat gnom- 15 das ich dich mues fahren lahn: 

men, hab ich inn all mein tagen 

5 den halt ich nit fum frommen, kein mensch nie lieber gehabt 

das jhar ist mir zu lang. dan dich, herzlieb, allein.' 

2. So fahr ich über die beide, 4 Der knab der stuend alleine: 
von meim bueln mues ich scheiden, 20 ^feins lieb, du sollt nit waynen, 
ich wirf mich dückh herumb, solt haben ein leichten muet, 

10 sehe hinder mich zu ruckhe ich will dich nit ufgeben, 

und wünsch dir, feins lieb, gläckhe dieweil ich hab das leben, 
bis ich wider zue dir khumb. und hett ich des kaysers guet.' 

26 5. Damit scheid ich von dannen — 

Maria und Sant Anna 

wollen mir hilflich sein 

inn allen meinen dingen, 

das sie mir nit mißlingen! 
30 Gott behüet mir die schönste kayserin! 



Hs.: 9. dückh = dick d. i. oft, vielmals, 10. nickh. 11. lieb fehlt, glückh. 18. alleine. 

Vgl. 1582 A 188, B 1^\ Forster I 36. 

Fl. Bl. Yd 9681 Drey Schöne Ldeder, Nürnberg, F. Gutknecht 0. J. {Darin audi Nr. 85 
u. 157.) Yd 9685 Zwey Schöne Lieder, Nünnberg, V. Neuber 0. J. (Darin auch Nr. 157.) — 
Basel, Sar. St. 48 Drey Hüpsche nüwe Lieder, Getmckt durch Samuel Apiarium. (BaseL) 
8. Inßbrnck ich muß dich lassen ... 4 sechsx. Sir. (Darin auch Nr. 168.) — Frankfurt a. M. 
Freitag XXI 311 Drey schöner newer Lieder, Augspurg, M. Manger 0. J. 2. Inßbruck ich muß 
dich lassen ... 4 Str. (Darin auch Nr. 85 u. 186.) 

Niederd. Liederb. 53 (50): Jahrb. f nd. Sprf. 26 (1900) S. 24. 

München (Cg. 980, 4^ Johann Ketzmanns von Nürnberg Hs. Bl. 278»: Isbruck ich muß dich 
lassen . . . (3 Str.) Descr. 8. Jun. 1552. 

Qörres S. 123; Mone, Anzeiger 7, 238\ fVackemagel 1841 S. 846-, ühland Nir. 69; Erk, Neue 
Samndung, Bd. III H. 1 (1845) S. 92 Nr. 84; Simrock S. 264; C. F. Becker I S.9; Wunderhom 
4, 235; MitOer S. 535 Nr. 719/20; R. v. LiHencron S. 349 Nr. 122 u. s. w. 

[140.] Ein anders lied. 

1. Ich ritt mit lust durch einen wald, 
do sangen die vöglein jung und allt. 

2. Sy sungen alß lang bis mich verdroß, 
do fielen drey rößlin in mein schoß. 



154 CXL. CXLL 

[108a] 3. Nun sag, nun sag, guet rößlin rotb: 
6 lebet mein buel oder ist er todt? 

4. 'Er lebet noch, er ist nit todt, 
er leut vor Münster inn großer noth. 

5. Er leüth zu Cöln wol ann dem Rhein, 
10 er schenkht den landtßknechten dapfer ein.' 

6. Guet Henßlin lies sein rößlin beschlagen, 
es soll in den hohen berg uflragen. 

7. Wie hoher berg, wie tieflfe thal! 
es ist schad das Henßlen sterben soll. 

15 8. Und stirb ich dann, so bin ich todt, 
so begrebt man mich under die rößlin roth. 

9. So begrebt man mich an dieselben statt 
do mir mein buel die treuw ufgab. 



Görre$ S. 157; ühland Nr. 150; Böhme, Liederb. Nr. 430; Liederh. I S. 618 Nr. 206. 



[141.] Ein annders lied. 

1. Ich bin durch freu Wiens willen [108^] 3. Er nam sie bey der hende, 

geritten so manche nacht, 20 bey ir schneweißen handt, 
nu sagt mir, schone jungkhfrauwe: er füert sie an ein ende 
was habt ir euch bedacht? wol über ein schmalen gang, 

5 ob ir mich wollet neramen, wol in ein cammerlein, was finster: 

so verheist mirs bey der zeit, do lag der hold und schlieff, 

ich soll und mues von hinnen 20 der wechter uff der zynnen 

— ja schöns mein lieb — — schön ist mein lieb — 
mir liebt kein anders wei6. den hellen tag uffblies. 

10 2. 'Geliebdt dir kein anders weybe, 4. *Ligt sich yemandts hie verbor- 

so geliebet mir kein anderer man, der erheb sich bey der zeit, [gen, 

so kher dich her zue mir! 30 und das man in nit spare 
das ich die schönste sey, wol bey dem schönen weib; 

das lob will ich behallten ich sich die morgen röte, 

16 dem allerliebsten mein den tag spür ich darbey, 

und wils mit recht behallten die deine waldt vögelein singen 

— ja schons mein lieb — 35 — ja schöns mein lieb — 
dein lauter aigen will ich sein.' darzue frauw nachtigall.' — 



CXLI-CXLUL 



5. *Ach freölin, ich hat mit euch 
gescherzet, 
ist mir von herzen leid, 
ich hab durch euch gelytten 

40 lieb und leid, 

so bin ich durch eurentwillen 
geritten so manche zeit, 
des sollt ir mich laßen genießen 
— ja schönes mein lieb — 
45 aide, ich fahr dahin. 




6. Wir zwey möeßen scheiden 
aus disem grienen clee, 
so geschieht uns allen beiden 
ann unserm herzen wee/ 
50 do kert er ir den ruckhen, 
er sprach nichts mer zoe ir, 
das freuwlen thet sich schmu- 

ckhen 
— ja sch5ns mein lieb — 
^ade, ich far dahin/ 



Hir. 5, wollet: habenn^ Hemmen, 9. weibe. 21. sie fehlt. 24. hold, 40 anvotUtändi^, 
46. zwe^^; mir: müeBan. 

15S2 A 184 t I 2 u. 3 gerieten manchen tag, &q bit bh euch edle^ frewleia. 5^ habt 
jr mich willen wxt nemen^ 6. veTbeiBeht. 7 — 9. ich boU vo^ hinnen reiten, o schönes 
mein lieb, mir geliebt ein andera weib. // 1—4* Geliebea dir andre weiber, so kehr dich 
weit von mir, nun sprechen sich die lente, das ich die scbÖoBte sey* 6 — 9, meinem 
feinen bulen alJein, ans frischem freym ge walte, ey echönea mein Heb, dein eigen sol 
ich »ein. /// {^= ffs, 5) 1. Zart fraw ich hab geschertzet 3—9. ich bin durch ewrent 
willen^ geritten so manche heyd, das «olt jhr mir »art frawe, alkeit genießen lan, thut 
ewer hertz an flach ließen, äcMeua mich darein, hertzall erlieb st e mein. IV (= E9, 3) 3. fiiret 
sie* 5. kämmerloin änster. 7. an. 8. o aehdnea mein lieb. 9. anblies. V (^ ff§. 4) 
h Liegt jemand. 2. der beb. 3. das jn die leut nit spüren. 5. morgen r5t her dringen. 
6. ich im thaL 7. kleinen, S. o schönes . . * Schhßntr. cf, Hi. fehlt. 

Ber^r. Nr, 461 Neudr. S, 97 in 4 Str. GS Lmdtr ifr. 20 in 3 Str. «, *. w. 

m. 1575 Jfr, 129 u, i, 10, 

Gdrret S. iSö? MiUler S. 14€ ifr, 158 {S. 8 Nr, 4 Keren^iein) u. #.10. 

[109*] [142,] Ein annders lied. Ich hab verschütt mein habermues > , , 

3 2ehns. Str, = Ar, 75. 



[143.] Ein annders lied. 
3 



1. Ich saß und was ein mal allein 
in einem stöbelam, 

do sähe ich zue der thür hinein 
die allerliebste mein :,: die aller- 
liebste mein. 



Gries dich Gott, mein feines 
lieb! 
10 wie stet unser sach? 

ich Sichs an deinem mundelein: 
dein herz leidt ungemach :,: 



5 2. Von herzen was ich nie so fro, [io9t>] 4. Dein mundlein ist verblichen, 
wiisst selber nit wie mir was, ist nimmer als roth als vor, 

ich gieng zue meinem feinen buelen, 16 do ich dich zum ersten mal lieb 
ich nam sie inn mein arm ;,: ich gewann, 

gieng. ist langer dan ein jar- 



156 



CXLlii. CXLiV. 



5. Und wer mir trauren helfen will, 
der heb ein finger aufl — 
ich sehe vil finger und wenig treuw, 
20 drumb so höer ichs singen uff. 

; Böhme, Liederb. Nr. 155-, Liederh. II S. 265 Nr. U7 u. $. w. 



Oörres S. 

Hb. 1574 Nr. 35: 

1. Nu f al du reif, da kalter sehne, 
fall mir of meinen foes, 

das medtlein ist nicht über hundert meilen 
nnd das mir werden mues, 
nnd das mir werden mues. 

2. Ich kam far lieblein kemmerlein, 
ich meint ich wer allein, 

da kam die herzallerliebste mein 
woll 2U der thoer hinein, 
woU 2u der thuer hinein. 

8. Gk)t gruesse dich, mein feines lieb! 
wie stehet unser beider sach? 
ich sichs an deinen brunnen augelein klar: 
du traegst groes unngemach, 
du trägst groes unngemach. 
Vj^. Euphonan 9, 280. 



4. Die sonne ist verblichen, 
ist nimmer so klar als vor, 

es ist noch nichts ein halbes jähr 
dar ich dich ihrst lieb gewann, 
dar ich dich irst Heb gwan. 

5. Was sol mir den mein feines lieb, 
wann sey nicht danzen kahn? 

fahr ich sey zu dem tanze, 
spot mein ein jedermahn 
das sey nicht danzen kahnn. 

6. Wer mir will helfen trawren, 
der recke zwehnn fingher auf! — 

ich sehen vill finger und wenigh trawren — 
ade, ich fahr darhin 
das ich so ellendigh bin. 



[144.] Ein anders lied. 



1. Ich ritt mir aus nach abentheur 
durch einen grönen wald, 
und der was ungeheuwre; 
darinn fand ich ein seuberliche magt, 
6 rößlen wolt sie brechen, 
het sie mir gesagt: 



2. Rößlen roth zue einem kränze, 
und wer ein lieben buelen hat, 
mag gar wol frölich tanzen; 
10 das hab ich armer reuter nit, 
mues reiten und rauben, 
stein wie ein dieb. 



3. Man soll durch schöner junkhfreulen willen 
zerstechen die speer, zerhauwen die schulten, 
15 man soll durch irentwillen 
wagen leyb und guet — 
Got geh ir tausent gueter jar 
die mich erfreuwen thuet! 



ff 8. 1568 Nr. 53: 

1. Ich reit mich einmall auf eventure 
für einen walt, was ungehuire, 
nnd dann so fant ich sitzen 
ein wunder schone magt, 
rosen so wolt sei brechen, 
das batt sei mir gesagt 
die wunder schone magt: 



2. Roßlein rott zu einem kränzen, 
und wer ein stättigen holen hatt, 
der mag woll danzen; 
das hab ich armer reuter nitt, 
des mos ich rauten und rauben, 
Stelen wie ein dieb, 
mein wunder schönes lieb. 



CXLIV, CXLV, 157 ^B 


3, Bauten und rauben is kein aehandef ™ 


des tbun die beate boffleut 




im Bruüschwigiache lande, 




drumb aoU ein fromer nian 


wagen leib und guitt^ 


sie ist mir in dem herzen 




die mirs gefallen thuitt, 


^^J 


ich Wunsch ir alles guitt. 


■ 


Vgl ZeiUchr. f. <kmche Ffiüoi. 35, 519. 


^ 


Qmru S, 90^ Mme, Ameiger 7, 318^ MitUer S. B81 Nr. UOO:, Erk- Böhme, liederhm III | 


S. m Nr. 1295 «. #. w. 


j 


[145.] Ein annders lied. ^^^ 


1. Ich weis kein zeit jetzunder 


4, Gar schön find ich geschriben ^^B 


die mich erfreuwen tuet, 


von Ponto dem ritter guet: ^^B 


mein freud ist mir verschwunden, 


30 gros wunder hat er getriben ^^H 


ich hoff es wer- [no*l de noch guel; 


bis er erlangt die guet, ^^H 


& wiewol ich trag verborgen 


Sydonia was sie genante ^^H 


groß jamer und herzenleid, 


die edle königin schon, ^^| 


ich hoff glückh komm bis morgen 


gross unfal sties im zuhanden ^^B. 


und erlös mich wider aus sorgen, 


35 ee dann er denn herzog durch rante H 


ich hoff einer bessern zeit 


zue Vanes wo! auf der ban. ^J 


10 2- Ob ich jetz schon mues leiden 


5. Was soU ich aber singen? ^^H 


so ich verschuldet hab, 


man find ir noch wol viel ^^| 


die allerschonste meyden, 


weihe die liebe thuet zwingen ^^| 


bringt mir ein schwere clag — 


40 bis zue des todtes zyl; ^^| 


die mich thet offt erfreyen 


den nenn ich ein mit namen: ^^H 


15 mit irem mundlen roth, 


PIramus ein ritter stolz, ^^H 


so ich gedenke irer treuwen, 


der umb sein leben käme ^^H 


mein clag thuet sich verneuwen, 


wol bey des bronnes strame ^^H 


ich klags dem lieben Gott. 


4th vor einem gronen holz. ^^H 


3. Richti Herr, in deinem reiche 


6. Ach Venus, edle koniginne, ^^H 


20 all die mir schaden thuen, 


was hab ich dir gethan? ^^H 


ich hoff ich wöll erschleichen 


du krenkhst mir herz, mueth und ^^B 


ein freudenreiche stundt 


synn^ ^^H 


die mich bringt wider zufreüden, 


das ich kein rue [iiot>] mag han, ^^| 


und lös mich wider aus noth, 


50 Cupido das kleine kindlein ^^| 


S5 ich trag senliches leiden 


lernst du mit schneller eyl ^^H 


das ich mich solang mues schei* 


das es mich ganz bezwingen, ^^| 


den, 


darzue mein herz durchdringen ^^H 


es wer mir lieber der todt. 


mit einem feurigen pfeyt. ^^| 



158 CXLV. 

55 7. Cato thuet uns beschreiben 8. Tbamar ward gar verachtet 

mit seiner scharpfen lisst: 65 alhie in diser weit 
ich sollt mein laid vermengen do sie sich unbetrachtet 

mit freud zue diser frist het gesellt 

und mich gar nichts bekrenkhen, zue Ammon irem brueder — 

60 sonder schlagen alles inn windt inn liebe ich da sprich — 

und haben ein leuchten muethe, 70 deßhalb kam Ammon in nöten 
nit trachten uf zeitliche güeter — und empfieng also den todten 

welhes alles die lieb uberwindt. so gar ellendigclich. 

9. Erlasch nit herzog Friderich, 
der khüene Schwab genant, 
75 do er erschoß ellendigclich 
drey tauben wol bekant? 
bey einem bach sie lagen 
und waren laider todt, 
erst fleug er an zuclagen 
80 und thet also verzagen 
inn seiner großen noth. 

J7«. : 20. unprungUch tbuent im Reim auf stondt 32. genant 38. schöne. 35. rant 
36. wol auf wol auf. 40. zue zae. 46. königin. 48. syn. 57. Uesi vertreiben m Rnm 
auf beBchreiben. 61. mueth. 62. He»i guete. 67 unvolUtandig. 79. sudagent. 

Fl. BL Berlin u. Ztoichou {Druck von 3 Ldedem, Nürmberg, J. Gutknecbt o. J. VgL oben 
Nr. 28): Ein schönes newes lied, In dem thon, Die Sunn ist verblichen ... / 1. Ich weyft 
kein zeyt yetzondenn. 4. werd. 5. ich klag. 6. mein jammer vnd grosses leyd. 7 n. 8. 
morgen, erldß. 9. einer vil bessern zoyt. // 1. schon yetz. 2. begangen hab. 3. schön- 
stenn. 5. Die mich stets thet erfrewenn. 6. mündtlein. 7 u. 8. mein klag thnt sich ver- 
newen, so ich gedenck jrer trewen. /// 1. Rech Herr. 2. thun. 4. ein seidenreiche stand. 
5 — 7. die mir hilfft wider zu freaden, vnnd wendet all mein not, mir geschieht engstliches 
leyden. 9. vil lieber wer mir der todt. IV S. Vil wanders hat er vertriben. 4 gewon. 
5. genante. 6. Königin schon. 7—9. groß vnfal wardt jm bekante, ee er den Hertsog 
dnrchrandte, sa Vannes aaff der Ban. V 1 u. 2. Was sol ich weytter singen, man findet 
jr aach gar vil. 3. thet bezwingen. 4. biß aaff. 5. Der ich einen nenn mit namen. 
8. brannens. 9. grünen holtz. VI 1. Königin. 2. gethon. 3. krenckest. synn. 5. Cupido 
das jange kinde. 6. inn. 7 a. 8. das er mein leyb bezwinget, hertz math vnnd sinn durch 
dringet 9. fewerin pfeyl. VII 1 a. 2. Catho der that mir nennen, in seinem. 3. Mein 
leyd sol ich. 5 — 9. Vnnd haben ein gatten mathe, so wfbrdt mir mein hertz gesandt, sol 
bleybenn in gatter hüte, nit achtenn aaffs zeytlich gatte, welches die liebe verwandt. 

VIII Hoffnung die thut emeren 

mein kranck vnd schwaches gemüt 

Ich hoff es sols verkeren 

Jupiter durch sein ght. 

Gegen Marti dem vil starcken 

der solches zu wegen bracht, 

hat mir mein freud zerspalten 

mit trawren manigfalten, 

der stettigs vmb vnfal tracht. 




CXLV, CXLVI. 



IX (= H9. Ä) 1 n. 2. Thatnar die ward veracbtet, wol hie, 3 u* 4. Ir hertz in byd ver- 
schmachtet, do aie aich het geaelt. 5. bruder trotte* 6. daa^ 7 u. 8* drnmm Amon kam 
in note, empfieng alao ^en todte. 

X {= Ih. 9) 4. TaubeD weyß bekandt. 6 u. 7. vnd waren geatorben todt, da fing, 
klagen- 9, so gar in grosser not. 

XL Rede ich anfiT meinen eyde 
vnnd hab dea guten bescbejd. 
Die lieb die bringt groß leyde 
ao gar nach ktirtzer frend. 
Circia thut wikt aufgieasen 
mit jrer groaeenn macht, 
da mit will iche beschlieesen, 
bit euch habt kein yerdneseen — 
Aide zu gutter nacht. 

Trost Gott alle betrübte hertzen. 

Die Jnfangsbuc^tabi'n d^ Strophen ergehen ah Akroüichon den Namen Jörg Wnehter. Damit 
nennt mch ak VeffmMcr des Liedes der bekannie Nürnberger Drucker ^ aus ^€i«fji Werkstatt auch 
Mahlr eicht Lieder heflchen hervorgegangen sind und welcher detrtnach in den Nachwetsungen zu den 
eimelnen Liedern als Drucker meitrfach erwähnt wird. In vorstehendem Gedicht prunkt er mit Lese- 
früchten aus der Bibd^ am antiker Mythologie und aus RiUergediühten^ Wegen Thamar %md Ammm^ 
ßgL das 2. Buch Safnuelis Kap, IS^ wegen Pontus und Sidonia vgL ßoedeke, Orundr. I^ S. 355^ ^ßS\ 
wegmi des Her^gs Friedrich tfon Schwaben Qoedeke 1^ S. 2^8 und neuerdings Deutsche Teste des 
MiUelalters H. L Herzog Friedrich aus Sehwi^en auch unten Nr. i54 E, 31 — 40 \ Pontius und 
Sidonixi auch often Nr. S2 Z 21—24. 

Qorru S. fSL 

[146.] Ein annders lied. 



1. Ich hart ein freu vvl ein clagen, 
furwar ein welblichs bild, 
ir herz wolt ir verzagen 
nach einem ritter mild, 
ö sprach sie das freiiwlein mit lüsslen: 
'er leüth mir an meinen brüsten 
der mir der liebste ist.* 

[111*] 2. Die 2wey die fheten rassten 
nit gar ein halbe stundt, 
10 der wechter ob dem cassten 
den hellen tag verkündl, 
er Ihet sein hörrlin schellen: 
'franw, weckhet euwren gsellen, 
wann es ist an der zeitJ — 



15 3, *So wolt ich gern weckhen 

den allerliebsten mein^ 

ich sorg ich thuen erschreekhen 

das junge herze sein; 

er ist meins herzens ein geselle^ 
20 er sey gleich wo er wolle, 

wie gern ich bey ime wolt sein.' 

4. Ach scheiden immer scheiden 
wer hat dich erdacht? 
du hast mein herz aus freuden 
25 inn trauren . . . bracht, 
du hast mein junges herze 
aus freuden bracht in schmerze — 
ade, ich fahr dahyn. 



ffi.i 8. theten fehlt, 27. in achmertzen bracht 
Bergr, Nr. S3 (Neudr, 99/100 S. 109): I 2. weiblich, 
frewlein mit liaten, 6. an den. 7. liebate sej. 



4. Jüngling milt. 5. da sprach daa 
// 1, die theten. 5* der thet 6. owern. 



160 



CXLVI. CXLVII. 



III 1. So darff jch jn doch nicht wecken. 3. jeh farcht jch ihn. 
das mejn. 5. hertzen gselle. 6. vnd sej er wo er wolle. 7. jm. 
IV u, V {fehlen in der H$.): 



4. sein hertz imd auch 



Der vns das liedlein newes gesang, 
von newem gegangen hat, 
das hat gethan ein gut gsell, 
Got geh jm ein feyn gut jar! 
er hats gar wol gesungen, 
wann er ist innen worden 
wie scheyden von liebe thut. 

VI (» H$. 4) 2. wer hat sich dein erdacht 3 u. 4. hast mir meyn junges hertze auß 
freuden in trauren bracht. 5 — 7. geschieht mejnem hertzen leyde von dannen muß jch 
scheyden aide zu guter nacht! 

H$. 1574 Nr. 38 u. $. w. Qörres S, 120 u. #. tr. 



Die zwey musten sich scheiden 
gegen dem Hechten tag — 
so schrey wir beyde leide, 
groß leid ynd vngemach, 
so schrey wir beide leyde — 
von dannen muß jch scheiden, 
meim hertzen dem gschicht we. 



[147.] Ein annders lied. 



1. Ich beut dir da, 
mein herziges A, 
ganz willig pflicht; 
doch nit gedenkh 

5 das solhes krenkh 

an eren icht — 
'verhüet, guet gsell! 
gros ungefell 
mir draus entstund^ 
10 wo ich begundt' — 

soll dan mein dienst nit angenem 

sein, 
au wee, herzallerliebste mein! 
so schrey ich dannocht: rumb, 
her ja rumb, 
16 bleib steet bis ich feerwider khumb! 

2. ^Mein schuld ist nit 
das ich deiner bitt 
kein genüegen thue' — 
ein anders ists 

20 des mir gebrist, 

du merkest wol wo; 
es ist doch kein, 
herzeinigs ein, 



was ich dir gönn, 
26 warumb nimbst nit an? — 

4ch darfs nit thun, das hörstu 

woP — 
au wee das ichs erleben soll! 
so schrey [iiii>] ich dannocht: rumb, 
her ja rumb, 
30 bleib steet bis ich herwider khumb! 

3. ^Laß ab dein clag 
und nit verzag, 
herzallerliebster freunde! 
leucht kombt die zeit 
35 das ich on neyd 

dein freüd entzindt, 
so ich on forcht 
und unbesorgt 
von dir mag han 
40 on argen wan' — 

so schrey ich dann: herzigs A! mit 

freud, 
au wee bringt mir dan gar kein leid, 
so schrey ich dannocht: rumb, 
her ja rumb, 
46 bleib stets bis ich herwider khumb! 



Ee.i 9. entstünde, 
argkh gewan. 



10. begundte. 15. ich wider. 33. freunde. 38. yngebeth. 40. on 



CXLVU. CXLVIll. 




Fonter 7 {f552} Nr. tlHi 1 u* 2* da, freundliches Ä. 5, dich solches bökrenck. 6. an 
ehren nicht B u. 10. mir daraaÜ entstlent, wfUin ich begint. IL sott. J3 u. 14. ich d&iui 
rumm her, ja rumm. herwider kumm. 17. deinr. 13. kein gnugen thuti. 19 u. 20 kt, das 
mir briet 2L inercket wol nti, 22. ist das doch klein. 23« eynigcs. 24 u. 25. das dich er* 
man, dtumb nimm es an. 20. das weista wol. 27, ich erleben. 28 q. 29. dann rtunmi her jft 
namtn. S3. hertz liebster freund. 36. dir freud erzint. 3S. vnd one sorg. 4L so aeheid 
ich hertzigi K, mit frendt 42. mir jet2 gar. 43 ti, 44. doch schrey ich rumm^ her ja rumm, 
bleib stet , . * 



[148,] Ein anders lied. 

1, Ich het mir ein buelen außerkoreOf 
der was mir ganz lieb und werdt 

inn zueilten und auch in ehern, 
wie es ir junges -Q. begert; 
5 ich het sie lieb und das ist wahr, 
die stund ich nit mag bey ir sein, 
das dunkht mich ein ganzes jhar. 

2, Schöns medlen, laß dich geauegen, 
ich bin zue dir gesandt, 

10 das glückh wir! sich wider amb 2ue uns fuegen, 
das jar ist mir worden so lang, 
das liebe lange jar ist mir worden lang genueg, 
khondt und mochte ich der zeit erwarten, 
mein sach möchte noch werden guet. 

15 3. Der falschen klaffer seind sovil 

gewachsen inn disem landt, 

sie schießen mir und dir sovil der falschen pfeyl, 

Got geb inn das ungefell! 

Got geb inen [U2»l der ungefell sovil, 
20 ja die so mir und dir und andern gueten gesellen 

reden an ir zuchl und eher! 

4. Viel eer und zucht wolt ich erzeigen 
dir, du schönes brauns medelein — 
von dir so mues ich mich yetzundt scheiden, 
25 ach du herz aller liebste mein — 

der Unfall hat uns den schaden gethan, 

aide, bleib du Inn freüden, 

inn großen trauwren so scheid ich darvon. 



A.: 1. AnßerkQrn. 3. Imi ehren, 

Bart^, AM. Eandichriftm^ S. 98 hmterht «« diutm Lkdei ^QedrucU im Liederbuch der 

Hätzkrin S. 85,' Dort findti man ein Li&f, weiche* olkrdings ebenso beginnt wie vorstehendes^ aber 
Dsiitaehfl Tute des Mltt«U]t«re Y. 11 



162 CXLVIII. CXLIX. 

aufitr der Anfangsßeüe weder im Gedankengange noch im S^ophenhau damit irgend etwas gemein 
hoL E$ besteht aus 5 fänfzeiligen Strophen^ wogegen obiges Lied siebenzeiUge Strophen hat. 



[149.] Ein anders Med. 

1. Itz zue disem mayen 2. Ich het mir ein freuwlin außer- 

grien will ich mich cleiden, ein ander hat rairs abgestellt; [weit, 
den liebsten buelen den ich hab, lo das schafiFt das wetter so unstet ist, 

der will sich von mir scheiden, ein liechter windt wedt mirs dahin, 

5 das schafft allein ir untreüw, zu letzt so kommbt ein regengus, 

ir wankhellmüetiger syn — der fuert mir alles dahin — 

hab Urlaub und fahr dahin. schafft das ich trauwrig bin. 

15 3. Ach Gott, was soll ich mich emeren? 

mein feins lieb hat mir Urlaub geben, 

und was ich nit gehaben mag, 

das mues ich mich laider verwegen; 

mit iren falschen worten 
20 hat sie an mich gebracht, 

ich hett sonst nitt daran gedacht. 



Forster III (1552) iV^. 33: 

1. Es naht sich gegem meyen, 2. Het mir ein samen außgeseet, 

grftn wil ich mich kleiden, den mir ein ander abgmeet; 

den liebsten bulen den ich hab, das schafft das weter ynstet, 

der wil sich von mir scheiden, ein leicht wind der mirs hin weht, 

das schafft allein jr yntrew, auch kam ein groß giisse, 

wanckelmfttig sin — fürt mirs alles dahin — 

hab vriaub far dahin. schafft das ich trawrig bin. 

3. Mein lieb thut sich yerkeren, 
hat mir vrlanb gegeben, 
was einer nit gehabn mag, 
sol er sichs leycht verwegen; 
mit jren falschen worten 
hat sie es an mich bracht, 
het sonst an sie nit dacht 

In Ye 2791 Zway Schöne lieder zusammen mit Nr. 58 (s. oben): 2. Wol hewer zu disem 
Mayen, jhn grün will ich mich kleydenn ... 4 Sir. Von den Varianten hebe ich hervor: 5 u. 6. das 
macht allain sein yntrew, sein wanckelmütiger sinn. 7. vrlanb ich. 8 u. 9. Ich het mir zu 
freädenn außgeseet, einn annderer hat mirs abgemeedt. 12. ein grosser giß. 15. Ach Qott 
wie soll ich mich ernem ... IV. Der vns dises liedlein sanng, von newem hat gesungen, 
das hat gethon ein bargers sun, jm ist nit misselongen, wann er ist jnnen worden, was 
scheyden f&rt von eim ordenn wol hewr zu disem jar. 

Weimar y Sammelb. 14, 6: GO' St. 16 Drey hübsche Lieder, | Das erst Wol hewr zu disem 
Meien, | in gr&n wil jch mich kleiden. | Das an- | der. Aide mit leyd, der jch on frewd. | Das 



CXLIX. CL. 168 

dritt. Von dem Junckfraw har. {Bädchen. 4 BL H^ o. O. u. J. Rucks, des ersten u. letzten Bl. 
leer.) I in 4 Str, Dem zweiten Liede dieses Einzeldrucks entsprechend beginnt, aber verläuft anders 
Nr. 64 d, Hs. 

Qörres S. 77; ühland Nr. 66; Wunderh. IV (hrsg. r. Erk) S. 231; Mittler S. 499 Nr. 648; 
Böhme, Liederb. Nr. 214; Liederh. II S. 200 Nr. 389. 

|ii2i>| [150.] Ein annders lied. 

1. Ich wais mir ein feins brauns mägetlein, 
hat mir mein herz beseßen, 

es kan mir ein feins kusermeülen sein, 
ich kan ir nit vergessen, 
6 sy gfellt mir aus der maßen wol, 
ir weis und geberd 
ist lobens werd, 
es zimmbt ir alles wol was sie thuen soll. 

2. Sy hat mirs heimlich zuegesagt 
10 sie wöll mein buele werden, 

hat mir mein trauwrigs herz erfreuwt, 
meins komers bin ich genesen — 
o glückh, vergib mir solhen lust! 
wann es bleibt recht, 
16 so wirt es schlecht, 

mein bitt wirt änderst gar umb sonst. 

3. Feins lieb, ich hab dich außerwölt 
und bin dein büelin worden, 

hat mir mein junges herz erfreuwdt 
20 und brent an allen orten; 

das clag ich dir, meins herzen begir, 
du hilf und schein, 
mein groß pein — 
herzlieb, sag mir ein herzlich zyl! 



Hs.: 6. geberde. 7. werde. 10. lies: wesen. 

1582 A 33: 1. megdlein. 3. ein krauserlein mauserlein sein. 5. gefeit. 6 u. 7. berd, 
ist goldes wert. 8. es steht dem megdlein wol, was ich thun sol. 9. mir heimlich. 10. bule 
sein. 13 — 15. Unglück vergang mit solchem lust, das bleib ich recht, so ist. 16. mein 
freud ist. umbsunst. 17 — 19. Freundliches hertz, mein anserwehlte, halt dich nach meinen 
werten, mein hertz hat sich zu dir geselt. 21—24. Das sag ich dir, aus hertzen begir, 
schrej ich zu dir, mein höchste zier, feins lieb setz mir ein gnediges ziel. 

Fl. Bl. Yd 7850 St. 20 Vier schöne newe Lieder, Straßburg, Thiebolt Berger o. J. 2. Ich 
weiß mir ein feins brauns Mägetlin . . . 3 Str. 

Weimar, Sammeib. St. 17 Drey hübscher Lieder, Nürnberg, Kunegund Hergotin o. •/. 
3. Weiß mir ein feynes megetlejn ... 3 Str. Derselbe Druck enthää Nr. 133 d. Es. 

II* 



5i^ CL. OJL 




^ ^ a. 




CLK CLIl, 



H». Nr. 79 von dcuKi^en Liede du beiden erstem Siropken noch emmal^ Le^artem: 10. tbiie. 
11, dATumb. 15. auff ir gan&dt. 23. dammb ich. 24. dir* 28 Q. 29 ^wetmaL 30. dammb 
ich bitt. 3L lost 32. an mir. 40. damtnb dae tcb* 

Ftfrtterl (15S2} Ar. 122 1 1. fast wol, 2, dnimm. 9. Tnd berd. IL dAranik IB. aorg. 
22. fjiat wol- £^. dnunb ich. 24^ tod dir nit weich. 26. seit vedriessen [!]. 27. dir bold. 
29* ja mt. 90. dammb ich bit. 31. last mich d£. 32. thti&t an mir. 33. an dir. M. Ter* 
trawen. 39. mil giiQtxem fleiS. 43. fast wol. 44. dmmb ieh. 47. freandHchs. 4S. mit 
gantiar gir. 49. gen mir. 50. iü. 51. darnmb, 52. für. 33. On als. 54^ gring. 
55. herttigs. 56. ak. 59. wann ich gedenck. 60. der freundlich schwenck. 

F^rxier IJJ {1552) Nr. i3, MotiM wie I 122^ nur: IL darin. 15. jr genad. 2L eej noch 
faet woi müglich. 29. hab nit 31. le«t. 42. sey f&st noch wol mügtich. 63. pej faat 
wol mfiglich. 

Qoedekt //* S. 2$ Sdk^^ 1513. 

M. Ebmre^Men B$. (USQ) Mff 4SS Bl. 325^ m S Sir, 



[152^] Ein annders lieci 



1. Ich reuw und clag 
das ich mein tag 
nit IJebers hab Terloren, 
Dach dem ich mir 
5 zu freüd, lost nnd gir 

ein [113h] feins medlen hab auf- 
das mich so hoch [erkoren, 
all stund und noch 
mit schmerzen thuet bekrenkhen — 
10 erbannet mich hart, 

ich leid und wart 
weß mich das glückh Ihut hedenkhen. 

U 



2. Dann unfal gros 
on freuden blos 
ib hat mich mit laid umbgeben, 
mit seiner krail 
in trüebsal bracht 
und trauwren auch darneben, 
das ich nun die 
20 mein herz het ye 

%Mm höchsten thun erfreuwen^ 
erst soll Verlan — 
wie Wirts mir gan? 
mein hinfartli thuet mich reuwen. 



3. Dardurch mein herz 
inn wee und schmerz — 
laß dich mein laid erbarmen 
und denkh an die 
treuw dienst und müe 
30 des diener dein inJ armen, 
das bit ich dich 
von herzen freuntlich 
du thuest mich defl geweren, 
und wollest nit 
a5 in ertan sltt 

dein diener thun verkheren. 



M»,i 4. mir f^tU. 35. in erlan »itt hede^m vidiekk; fiooA Jri emer M:hwankenden {htiweiiem 
umd wpHckvSrUieh tmgeßkrten) Erk. 36. den. 



166 



CLii. CLIII. 



A, V. Aieh Nr. 52: 4. ich mjr. 5. zu heud ynd gyr. 6. eyn lieb het aaß erkoren. 
10. erparm. 11 u. 12. ich peit vnd wart, biß mein gluck thüt bedencken. 14. an freiden 
plo8. 16. mit seiner macht. 23. yr gan. 26. tregt we. 28. denck doch die. 31. bit ich 
n&n dich. 32. von hertz. 35. in trewem sit. 36. dein. 

Förster I 121. Nteht tu verwechseln mit Ich klag und reu, Akrostichon Jesu: A. v. Aiek 
Nr. 15, Förster I 84. 

Fi. Bl. Berlin Yd 7801 Sl 15; Yd 7821 St. 26; Ye 22. - Zwickau XXX, F, 20 Sl 39. - 
Sonderdruck von 10 Liedern, Weimar u. London; vgl. Hs. Nr. 42. 

Es. 1575 Nr. 74. 

G&rres S. 37. 

[153.] Ein annders lied. 



1. Ich stuend an einem morgen 
gar heimlich an einem ort, 
da het ich mich verborgen, 
ich hört clagliche wor^ 

6 von einem freuwlen hüpsch und 

fein, 
sie sprach zue irem buelen: 
'es mues gescheiden sein. 

2. Gesell, ich hab vemomen 
du wölst dich scheiden von mir; 

10 wann willtu wider kommen? 
das solt [114*] du sagen mir' — 
'ach schone, das kan ich euw nit 

sagen, 
mein zuekonft thuest mich fragen, 
ich weis weder stundt noch tag. 

15 3. Ich mues in frembde lande, 
thuet meinem herzen wee, 
beut mir dein schneweis hende, 
ich gesehe dich nimer mee; 
nun gsegen dich Gott, meins herzens 

ein cron, 

20 Gott dankh dir deiner treuwe 
die du mir hast gethon.* 

4. Das freuwlein wainet seere, 
ir herz was laides voll: 
'nun gib mir weis und lere 
25 wie ich mich halten soll, 

ich will verlaßen guet und eehr, 



mit dir will ich von hinnen, 
khein weg ist mir zuferr.* — 

5. 'Du sollt dich wol gehaben', 
30 sprach sich der Jüngling guet, 

'du finst wol ander knaben 
die dir geben freüd und muet; 
denkh an dein allerliebste freundte, 
die dir solhs nit getrauwen 
35 und täglich bey dir sindt. 

6. Wir haben der lieb mit ein 
gepflegt 

gar heimlich frue undt spedt, 
du sollt dich mein verwegen — 
inn treuwen ich dirs rath — 
40 und solt es werden offenbar, 
so kembst du, lieb, zu schänden, 
das wer mir laid fürwahr.' 

7. Das freuwlen schreit: 'mort 

über, 

mort über alles leid! 
45 ein pfeil durdringt mein herz«, 
herzlieb, nit vonn mir scheid! 
ich streckh dir für alles das ich hab, 
und willtu lenger bleiben, 
ich halt dich jar und tag.' 

[114b] 8. Der gsell der sprach mit 

züchten: 
51 'den willen ich wol spür — 



clu. cliv. 




verthet ich dir dein guete, 
ein }har wer bald herfür; 
dannocht mues es Bescheiden sein, 
65 ich will dich freuntlich bitten, 
setz deinen willen darein** 



Kundt ich dich, herzlieb, schließen 

ein 
inn das jungd ber^e mein, 
wan ehe ich dich wollt fahren lan, 



ee wolt ich ewig parfues uff 
dprrnen gan. 

9; Da kert er ir den ruckhen, 
er redt nit mer zu ir, 
das freuwlen thet sich schmuckhen 

60 in einen winkhel schier, 

sie waynet das sie schier was lodt: 
der ists wol innen worden 
dem solhs zuhanden gath. 



Hi.: 4. wor* 45. hertz. ff int^ der achitn Strophe, Z. 5(?, *mcf I ipruchariige Zeilen fremden 
XlnprungE in doM Lied eingeschoben. 61. eie fehtL 

121 Lieder {mmherg, Ott) /554 Nr, (22—) 26 in 7 Str. enUpr. ffi, /, 2, i {t)ffL 7), S, 7 

/ 1 Q. 2. morgen heimlich. // L Hertz lieb ich. 2. du wölat von hinnen schier. 5. nun 
merck mein feins lieb wfti ich sag. 6 n. 7. frogen, weis. III Z, 1 — 4 enttpr. Hm, Sir. 4, 
Z.6—7 entipr^ He, Sir, 7 : 2. sein hertz wäb vnmuts voL 3. ao gib. 5—7. für dich ao aetz 
ich al mein hab, vnd wüta hie beleibeo, yerzer dich iar vnd tag. IV {^ N», 8} L Der knab 
ipracb ana aeinem muete. 2- dein willen, 3. Terzer. 4, hinfür. 5. darnach. V Z. 1 — 4 
tnitpr.Ifs. Str. 7, Z. 5 — 7 entspr. He. Str. 4: 1, Das frenleio schrey laut morte. 3. mich krenckin 
deine worte. 5^ — 7* für dich da setz ich gnt vud eer, vnd aoU ich mit dir »iehenj kaio weg 
wer mir za ferr. VL Da sprach der knab mit züchten, mein schatK ob allem gut, ich wil 
dich freuntlich bitteni schlag eolchs aua deinem muat, gedenck mer an die freunde dein, die 
dir kein arges trawen, vnd teglich bey dir sein. VIl (= Hi. 9) 2. er sprach. 5. es weinet 
daB sie schier verging. 6 u. 7. dia hat ©in Schreiber gesungen^ wie es eim Frewlen gieng. 

Bergr, Nr. 40: Neüdr. S. 83 in 7 der Fmmng f>. J. 1534 entspr. Str. 

HS LkdMn UU Nr. 73 m 5 Str. Bicinm 154^ I 95 nur d, erOe Sir. Sß Lieder Nr, H nur 
d, trm Sir. 1582 A 17ß, B 129 in ß 7 S^. 

Niederd. Liederb. 102 {87): Jahrb. f, nd. Sprf. 26 (1900) S. 3n. 

FL Bl Yd f Sät Sl3S\ Yd 9335-, Yd 9339-, Ye 29-, Ye 47ß (mederdeutMch). — Numherg, 
Germ. Nadonal-Mm. L 1731^ Drej Schöne Newe Lieder (o. 0.) 1642, Daa Dritte: Ich stund 
an einem Morgen ... 7 Sir. — Ziirich^ Qai. KK 1552 St. 54, drei Lieder enihaitend^ 3. Ich stund 
an einem Morgen . , . 7 Str. Darin aiich ifr. 55 u. 131 (Basel, Joh. Schröter 1613). — Mgq 718 
Bl 22^, gedrmkUB offnes BlaU, 7 Sir, 

A. Krouft 1587: Darmsladt, He. 1213 BL 7(}^ in 7 Str, 

Nicoiai, Jlmanaeh I {1777) Nr. 23 \ Wunderhom Ul {1808) S.U\ Waekem^ä 1841 S. 85Ö\ 
Uhhnd Nr. 70; ffoffmann, GeielhchafUi. Nr. 85 \ C. F. Becker, Lieder ti. Weüeii III {tS53) S 5; 
Mimer S. 13 Nr. 8\ Qoedeke-Tittm. S.91\ R. ^. Liliencrm S.343 Nr. 121-, Böhme, AM. Liederb. 
Nr. 2G9-, Liederk II S. 544 Nr. 742, 



[154.] Ein annders lied. 

1. Feh weis kein zeit die mich erfreuwt, 
und leben in sorgen als Partzefal, 
die er mit strenger wee erleid 
da im von erst verschwandt der groll; 



168 CLIV. 

5 mit höchster dag ist mir mein herz umbfangen, 
^ Satumus kreis 

mit seinem geschmeis 
macht mir, wans eins schlegt, ein erschrockhens leben. 

2. Ward ye mein gleich? das glaub ich hart — 
10 fürwar mein ungefell ist gros! 

der sonnen glast ist mir verkert, 
mit clag bin ich Trystrans genos 
da ime verkhöndt ward der schwarz [116*] segell, 
yil krenkher syn 
15 er do begin, 

als bald die glockh schlegt zwey aus rechter regell. 

3. Was clag ich mer? dann gewalt one schuld 
macht mich gedenken, synnen fast, 

aus hartem wee so leid ich geduld, 
so ich han doch großen überlast, 

ja Jupiters guet mag mich nit behalten, 

die dritte stundt 

thuet er mir kunt 
als Flordamur der ward in freüd zerspallten. 

25 4. Ich zweifei noch, das ich bin schwach — 

die vierte stund widerkere — 

Artus der hoch leut ungemach 

da im erschyn ein frembdes höre 

uff weitem feld, darab er het verdrießen, 
30 nach dem er sant, 

gros freud er fandt — 

Mars, thue mir mein khumer hie süeßen! 

5. Mein leben ist dem monne gleich, 
sein schein der wechst und wirt auch klein, 

35 des klaffers list dickh seret mich, 
die fünfte stund die leid ich pein 
als herzog Friderich . . . uß Schwaben, 
und er erlöst 
und sie macht los 
40 drey tauben weis in einer bach one leben. 

6. Mercurius, send mir dein hilf 
und kher den lauf zufreüden mir, 
aus hörter clag ich schrey und gilf, 
die sechste stundt ich freuden enlbiei, 



CUV, 

4fi die dag lert mich der ritter mit dem bockbe, 
ob irae was bues 

von hohem grues, 
den sant mir ein schönes weibes dockhe. 

7. Acb Venus frauw, wo ist dein rath 
50 darauf ich dir gedienet han? 

sich an und sc hau w wie es mir geet — 
will mich dein hilf also Terlan, 

die sibende stund mitt [ii5b] strenger qual vertrieben? 
hinlegstu mich, 
55 so wird ich gleich 

Hectorn dem höId, der muest vor Troya bleiben^ 

8. Ich dag und sag manch jar und tag 
stund, zeit und weil ich armer knecht, 

ich ruefF und sag bey nacht und tag ^ 
00 wolt mrr mein sach nit werden schlecht! 

ich hoff und trauw glückh thue mir widergellteUf 

wann all mein syn 

stet noch dahyn, 
den widerlauf wolt ich dann gern fast zellten. 

65 9, Wol hin nach freüd, ich harr uff won, 

ich lieben steet dieweil ich lebe, 

khetn lieb ich spar, ich will bestan, 

ob mir yetz gluckh nit widerstrebt, 

ich hoff und trauw mein werd nit lang vergeßen, 
70 in diser zeit 

hab ich mir nit 

in aller weit kein freud on dich vermeöen* 



169 



H 



Ema 4, groll = $r^. 15, ich do begin? 27* lent = fi5W. 37. der kOn twmmUenf 
44, liui entbir im Reim auf: mir, 45. bockh. 65» wone. 

Mgq 718 BL 5*: 2. Ich leb m Borg &)« Parcifal. 3. »trengem. 4. gralL 5. mit grosser 
klag, ymbgeben» 7 u. 8* mit aeiBem fraiß, tut mir ao we^ seh locht aine erechrockens leben, 
11. Der fiunnen scheii^ mir decket ward. 12 u, 18, pin ich Triatr&mß gnoß, da im verkündet 
ward der ichwartze Begeh 15, ich da begio. 16. anflf rechter regel. 17, gwalt on, 
18 — 20. Macht mich in Borgen ienen vaat^ in strengem wee leidt ich gedtilt, woll vmb den. 
2L Jupiter mag mit gut mich nit behalten. 25 n. 26, Ich ssweiffe! noch vnd pin des ich wach, 
die gerde stund her wider ker. 27. laid. 28, her. SO. m dem. 31. frid. S2. Marß hilfiT 
daa mir dein krafft tne knmer pnesaen. BS, Mein wesen ist dem monn geleich* S4. der 
selb der. 36 n, 37, stnnd leidt ich groö pein, als HertzoR Priderich der kön von Schwaben. 
38-*40. da er erkoet, ynd auch erlost, drey tauben weyfl ob ainem prunnen lagen. 42. wend 
deinen lanff. 44. die sec^jston stund ioh freüd enpir. 45. dem pocke, 4ti— 48. dem ward 
io suB auf hoehem griiB, denn jm da gab aiu achönes wejrh ain docke. 49 u. 50, Venus 



170 CLIV. CLV. 

Fraw wa ist dein ratt, daryonn. 51. nun merck vnd. gat. 52. dein trew. 53 — 56. die 
sibent stnndt tat mich mit gwalt vertreiben, lasta mich hie so gschicht mir wie, Hector dem 
held der must vor Troy beleiben. VIII %l IX fehlen. 
Görrea 5. 79. 

[155.] Ein annders lied. 

1. Ich bins ein armer reüters knab, 
ich hab verzert alles das ich hab, 

und all mein hab steet hinder dem wirt, 

ja vnrt, 
do dacht ich mir nach einem gueten 
6 wie ich mein hab brecht von dem wirt 
das er meiner armuet nit innen wlrdt. 

2. ^Ach wirt, ich will dich bitten schon 
das du mich wollest reuten lohn 

und reuten vor den Behemer wald, 

ja wald, 
10 und reflten uflf freuwer straßen — 
so will ich dich bezalen schön, 
daran soltu kein zweifei han.' — 

[iie«l 3. *Reut hin, reut hin, mein reuterlein, 
es kan und mag nit änderst gesein, 
16 bezal du mir den kuelen wein, 

ja wein, 
darzue die gebraten hennlin guet; 
wann du mich dan bezalet hast, 
so hab Urlaub, mein reüterlein!' — 

4. 'Ach wirt, ich will dich immer noch bitten — 
20 hab dir in deinem haus den ritten! 
du beüts mir vil der suessen wort, 

ja wort, 
bis ich mein gellt bey dir verzert — 
begegnestu mir uf der breiten beide, 
ich will dich bezalen aus der scheide.' — 

26 5. *Reuwt hin, reuwt hin, mein werder gast, 

du troest mir seere, ich achts nit fast, 

bezal du mir den kuelen wein, 

ja wein, 

darzue die versotne häelin guet; 

wan du mich dan bezalet hast, 
30 so hab Urlaub, mein werder gast!' 



CLV. CLVI. 171 



6. Die wirtin sach den reüter an, 
er deucht sich sein ein hoflich man, 
sy bot im ir schneeweiße handt, 

ja handt, 
darzue die gueten gülden roth, 
35 die hülfen dem gueten schlugker 
aus aller notb. 

7. Er nam das rößlen bey der handt, 
wie bald er sich inn sattel schwangkh, 
do thet es manchen hasensprung, 

ja Sprung, 
40 er khert sich gegen der frauw wirtin umb, 
die wirtin thet den reüter vasst loben, 
damit ward der falsch wirt betrogen. 



Hsr. 28. hüelin = htinlin; vgl 140, 12 hörrlin. 32. sich] sif 39. ja sprang fehlt, 
Görres S, 156; ühland Nr. 147; Böhme, Liederb. M-. 428; Liederh. III S. 184 Nr, 1297. 



[116b] [156.] Ein annders lied. 

1. Ich treu wer wachter trit daher 
und warne zwey mit meiner leer, 

die mir so seer beyolhen seind bey aide; 
der helle tag hat seins gezelt 
5 wol auf gericht vor all diß weit — 

nun huettet euch, ir lieben zwey, vor leide 
die hie so sendt entschlaffen setn, 

ich ermanet etwar mit schimpfe, 

ich warnet euch uf die treuwe mein: 
10 hüettet euch vor unglimpfe! 

wach uf, wach uf, dan es ist zeit, 

der helle tag so nahet leut, 

die Yoglen singen widerstreit 

dort niden ein dem hage, 
15 darumb ich euch thue warnen khundt 

und scholl ein hom aus meinem mundt 

inn diser stundt: 

es nahet sich dem tage, dem tage. 

2. Die red das freuwlin weckhen thet 
20 amm suessen schlaff, den sie do thet 

in rechter lieb mit liebes armen umbschrenket. 



172 CLVI. 

die frauw aus rotem mundt do sprach: 
*ach wecbter, du bringest ungemach, 
mit deinem gsang thuestu mein herz bekrenkhen.' 

25 der wechter sprach: *o werde frucht, 
es kombt von Oriente 
der helle tag mit seiner zucht, 
er leucht recht als er pranndte — 
weckh uf, weckh uf den werden gast 

80 und hilf iroe aus der sorgen last, 
ee in bescbeint des tages glast, 
das sein nit acht das yolkhe, 
das tauset laid gespnnnen witi — 
[117A] die yelder seind illuminirt, 

36 der Her gloriert, 

der tag dringt durch die wölken, die wolkhen.' - 

3. ^Ach heller und ach liechter tag, 

das dich niemant verbergen mag! 

du thuest gewalt an mir yil armen weibe' — 
40 die frauw den knaben umb beschlos, 

mit heissen zehem sie in begos, 

sy truckt in hart an iren zarten leibe« 
sie kust in mer dan tausentmal, 

der hold begunt zu erwachen, 
46 ir beider herz was hart verwunt, 

das kunt die lieb wol machen: 

'tröstlicher hört, manlicher hdid, 

mein herz das hat dich auferwölt 

vor all diß weit, zue dir gesellt, 
60 ein cron ob allen mannen; 

lastu mich hie in diser noth, 

vil weger wer mir der bitter todt' — 

ir mändlen roth 

erlaubt dem holden von dannen, von dannen. 

66 4. 'Es was kein lieb nie so gros 
die der liebe schlußel ye beschlos, 
des kleffers mundt bringt großer lieb zu leide; 

darumb so mues ich meiden dich, 
herzliebste frauw, so innigclich 
60 zue dir ich sprich: immer mues ich dich meiden.' 
do sie erhört des holden wort 



CLVK 

dm er sie wolte meidefi^ 

do schry die frauw; *mort über raortt 

wie soll ich das erleiden? 
65 manlicher höM, tröstlicher horf, 

nu sprich zue mir ein freunÜichs wort, 

erfrey uns beide hie und dort 

die weil mir miießen scheiden/ 

also redt sich das raine weib, 
70 *o hilf Gott, erst Ist es zeit, 

mein freüd ist weil, 

es ^eschach mir nie so leyde, so leyde.^ 




5. Die frauw allein do lenger la^, 

bis es wolt werden heller tag, 
75 ir laid was groß so imm herzen gründe: 
[117^] 'acb Got, das ich nit wünschen ma^ 

das es nimmer wurdt heller tag! 

so leg ich noch an liebes armen verbunden; 
der liebe feuer hat mich entzünt, 
so wann ich an in gedenkhe, 

mein herz hat sich zue im Terpflicht, 

von ime will ich nit wenkhen, 

ich will auch nit entbern dein, 

ich schlies dich inn das herze mein, 
85 du dunkhst mich wol ein kayser sein 

wo du bist bey den weihen; 

so will ich wol vertrauwen dir 

du kombst bald wider zu mir — 

duestu das nit schier, 
90 dannocht will ich steet bleiben, ja faleyben,' 



Wm, t Ö, leid< 7. aendt 12. nahet leut d i. nahe leit = nafte Hegt ZS. ges^nn. wfrt feJiii. 
42. leib. 47. bold. 48. herij /Wi/t aarerwolt 54. holden. U n. B2 fehkn, 65, troBt< 
lichep hört, manlichor hold. 72. leyd. &o leyde fehli, 75. grundt 79. des. 

FL BL Yd S977 Ein hftbich© T&gwey&i \ von eynom getrewen | Wechter, (Biidchen. Am 



Schluß t) Gedruckt au Nürnberg durch 
BL ktr,) 

1. leh trewer w echter tritt daher, 
für alle die weit. 6. dud hottend. 
schimpBfe. 9. wam. 10. hüttendt 
16. erichell. 
brente, 30. 



Velentin [!] Neuber. (4 BL S'^ o. /, Rikki. dt* letettn 



3. sein beim aide, 4. eeyn, ^5. wol anffgericht 
YOT laide. 7. so &tit), 8. ich meynt e« wer nnr 

11. denn* 12. nabe leyt 13. vögeL 14. inn* 
20. auß eüssem schlalT den iie da het. 23. briogat 26. kompt. 28. ob er 
jhm, 31. bescbeyn. 33> daa leydt für taueent leydt gespurt. 35. dort her 



gloriert. 37, vnnd auch, 38, niemande, 40. vmbeBchloe. 41 
43, Sie k^t ja offt an seynen mnngt [1]* 47* mancher heldt. 48. 



Jn yrobgos, 42. leibe. 
mein hertz dz, 49. ^r 



174 CLVI. CLVII. 

alle diß weit zu dir gesielt. 51. Lest da. 52. mir schier der todt. 54. dem kanben [mu 
streichen!] beiden. 55. Es ward kein liebe nie so groß. 57. klaffers. 59. minigklich. 
61 u. 62. Vnd do sie hört, des beiden wort, vnd das er sie wolt meyden. 63. scbrej. 
65. Tröstlicher bort manlicher heldt. 66. nun. freundtlich. 72. es gschach mir nie so leide 
so leyde. 75. gründe. 76. nicht. 77. wfirdt. 78. arm. 79. fewr. 82. Yon jm wirdt 
83. entperen. 88. da knmbst baldt wider za mir. 89. thost da. 90. dannocb will ich stAt 
bleyben Ja bleyben. 

Mein hertz schweygt vnd leyt. 

Biß glftck frewten geyt. 

Ye 536 Drey sch6ne neüwe Lieder | Das erst / Ein hüpsche Tagweiß / | von einem traawen 
W&chter. | Das ander / Tröstlicher lieb / ich | mich stäts ü^b. Das dritte / Ich | bin versagt / 
gegen einer | Magd /etc. (Bildchen. Am Schhifi\) T. B. S. [d, t. ThieboU Bergery Straßburg.] 
(4 Bl. 8^ 0. J. Rucks, des letzten BL leer.) Ich trewer w&chter drit daher ... 5 entspr. Str. 
Dahinten Mein hertz leidt vnd schweigt. 2. Tröstlicher lieb s. Hs. Nr. 50. 

Aus einem Sammelbande der Hofbibliothek zu Darmstadt gibt Adolf Schmidt im Centralblati für 
das Bibliotheksioesen 12. Jg. 1895 S. 126 die Fassung eines Einzeldrucks in 5 entsprechenden Strophen, 
wobei jedoch die 3 ersten Zeilen der dritten Strophe fehlen. 

Zwickau, Batsschulbibl. Sammelb. XXX, V, 20 St. 2 Ein hübsche Tagweis | von eynem ge- 
trewen Wechter. {Bildchen, Wächter auf dem Turm, ins Hom stoßend. 4 Bl. 8^ o. 0. u. J. 
Rucks, des letzten Bl. leer.) Ich trewer wechter tritt daher . . . 5 Str. 

Handschriftlich schon im Liederbuch der Clara Hätzlerin (1470/71): C. Haltaus, Bibl. d. ges. 
deutschen NationaULit. 8 (1840) S. 2 in 5 Str. entspr. d. Hs. (nur III = 4, IV = 3). Femer in 
der Liederhs. des Martin EbenreuUer von Würzburg (1530): Berlin, Mgf 488 Bl. 204^ in 5 Str. 
(fll u. IV «= 4 u. 3 in einem Abschnitt fortlaufend zusammengeschrieben). 

Qörres S. 117; Qoedeke- TiUm. S. 359. 



[157.] Ein annders lied. 

1. Ich armer boß bin ganz verirrt, 
wo soll ich mich hinkeren? 

ach Jupiter, send mir dein hilf, 
thue mich weysen und lehren — 
5 ich bin entzint, mein herz das print 
das ich nit kan entschlaflfen, 
das schaflft das aller schönste kind — 
schreit waflfen über waflfen! 

2. Schauw an die clag die ich yetz trag, 
10 ach Venus, durch dein guete, 

• styll mir mein herz in kurzer eyl 
das es nit also wüete, 

ich bin behafft mit liebes kraft, 
mit Adams ripp durchschoßen, 
15 ich jag den tag und auch die nacht 
und bin ganz unverdroßen. 



CLVII. 175 



3. Loß Jupiter, Venus! dein kind 
hat mich seer hart geschossen, 
wiewol dir die äugen verbunden [us»] sind, 
20 hast mich ungfer getroffen; 

spann dir und mir und drif die zeit 
durch deiner mueter ehre — 
wann das geschieht, so wirt mein schmerz 
inn gros freäd sich keren. 

25 4. Es ist doch nicht verwunder/ich 

das ich ein solhe liebe hab 

gegen dem allerschönsten kind 

als konig David hat gethan; 

do er ein weih vor ime sach 
30 . . . ir fües thon waschen, 

von stund ward er in der lieb entzünt, 

das kan ich wo! ermeßen. 

5. Dardurch mein herz wirt seer betriebt, 
wan ich von ir mues keren, 

36 kein andere uf erd mir also geliebt, 

sy kan mir freüden meren, 

sy ist die recht von weyb geschlecht, 

von guetem samen geboren, 

mich armen knecht sie nit verschmeöht, 
40 an ir ist nichts verloren. 

6. Kein lasster ist an irem leib 
von füeßen bis uff den scheitel, 

sie hat ein gang recht wie ein pfauw, 
ir eüglen kan sie leiten, 
46 sie hat ein gsang recht wie ein lerch — 
nicht weiter will ichs bschreiben, 
kein andre uf erd mir also geliebt, 
sie kan mir leid vertreiben. 



Hb.: 18. hast. 24. kern. 25. verwundert sich. 26. lieb. 34. kern. 36. frettd mem. 
38. gebom. 40. verlorn. 42. scheitl. 

Forüer III (1562) Nr. 75: 7 u. 8. das aller schönstes kind, ja waffen. 9. yetz für. 
10. o Venas. 15. den tag, biß an die nacht. 17. Laß mich Jupiter. 18. mich so hart. 
19. Wiewol daugen. 20. yngferd. 21. Spar mir vnd dir. 22. ehren. 23. wo das gesche. 
24. keren. 25. ist auch nit, yerwundert sich. 26. lieb han. 28. nit änderst hat König Danid 
gthan. 29 u. 30. Als er. sähe, wie sie die füß thet waschen. 31. in lieb. 33. fast betrübt 
34. keren. 35. Keine auff erd mir also liebt 36. frenden meren. 37. weybes. 38. stamm 



176 CLVII. CLVIII. 

geboren. 40. yerloren. 42. vom fuß biß auff die scheyteln. 45. wio Lorch. 46. schreyben. 
47. keine auff erd mir also liebt . . . 
Ä. 1568 M-. 75 u. «. tt). 



[158.] Ein annders lied. 

1. Ich leyd und meyd, ist nit [iisb] 2. Von tag zu tag wirt mir erst 

mein will, wee, 

inn einer styl], 15 wo ich hinker, 

das bringt meinem herzen pein; sich ich nit mer dan dein gestalt; 

darumb komb ich in Venus freud und auch muet fert gar 

noth — dahin, 

6 ey wer ich dodt, eilend ich gar bin, 

seit ich nit bey dir kan sein! vor großer dag so wirt ich alt; 

dann alle mein freüd 20 das schaflFt die flucht 

bringt mir erst laid, nach deiner zucht, 

die ich bißher gesehen han, die du, mein schätz, gefangen hast; 

10 darumb ich mich dan all mein begir 

so wonigclich stet stetigs zue dir, 

gegen niemandts nit darf merkhen 25 ja tag noch nacht hab ich kein rue, 

lan — mein herz leidt noth, gib rath dar- 

la/7 dir mein ellent zu herzen gan, zue, 

ach zu herzen gan. ach gib rath dartzue. 

3. Heimliche clag bis an mein end 
sich nimmer wcndt, 
inn stetigen treuwen steet bey dir, 
30 all mit begir bin ich entzündt, 
mein herz das brint 
inwendig in meins herzen grundt, 
vyl eilender zeit 
hilf mir aus not, 
35 mein herz altzeit an dich gedenkh, 
ich beger nit mehr: 
du bleibst die 
inn treuwen steet bis an mein endt — 
bis ich dich sich, bleib ich ellendt, 
ach bleib ich ellendt. 



Hs.i 13. last. Wiederhotfing ach sa herzen gan fehlt. 15. Uesi hingee. 27. Heimlich ich. 
34. Ue9i aas leid. 



CLIX. CLX. 



177 



[159.] Ein anders lied. 

1. Ir hel£Iin weis, ein kettlen dran, 
ir hende weis wie der schnee, 
ir brüst mit lust werinn ein bandt zufaßen; 
icb rüers nit an und babs nit getban 
und mues jetz Ion — 
mort, mort inn allen gaßen! 

[119*] 2. Acb Gott, acb Gott! was bupscher weißer peini 
schmal uff dem scbue — ey ey bab rue! 
es komm darzuel 
vor freuden muest ich lachen. 

3. Ach Gott, ach Gott! möchl icb ein deine weil bey ir sein, 
wer mir der winter nit zu kalt, 
auch nit zu warm, 
vor freuden mueste icb schwitzen. 



Hs, Schluß: lacnen .|' schwitzen. Zu der letzten Strophe vgl Nr. 113 oben. 



[160.] Ein anders lied. 



1. Icb bet mir ein stetigkb lifikin, 
das mir so wol bebagt, 

gekoren in mein synnigkin — 
was trauwens sie da bat — 
5 wann sie mich nun be^fifft, 
darumb mag icb wol schriffen 
untreuw von einem wiffen, 
wan sie ein andern bett. 

2. Zwey braune äugen traget sie 
10 so freüntlich ins gesiebt, 

damit veijaget sie 
truckh, leiden hindersieb; 
das ist lang zu ferne gedieht, 
es ist lang zu ferne geschriffen 
16 das sie mich soll begiffen, 
sie bat mirs außgericht. 

Deatiehe Texte des liittelAlten V. 



3. O werde sötte li/'i&in, 
dankb so/stu des wißen 
inn ein geschrifen briefgiklein 
20 sonder almasey — 
seer seilten bin ick bley, 
all wat ickb essen oder trinken, 
an die liebste dat ick denke 
die nu ein ander bat 

25 4. Wie soll ick nun genesen? 
ick Hg in schwerem verdries — 
von deinigken oder von wessen 
kan ick gewißen nit — 
icb weis wol wie sie beist 

30 die mir mein herz bat befangen, 
nach ir stet meins herzen verlangen 
die nu ein ander bett. 
12 



178 



CLX. CLXI. 



[119b] 5. werde sote liffikin, 
it dit urs dieners lohn? 

35 ein rinkh von aller trawen 
da wat dat beginnen schon — 
sterf ich in disem thun, 
dat da ein ander soll trauti;en 
die blumb hoffen allen frauwen 

40 all ander des himlischen thron! 

6. Ade! mag ich wol schriffen, 
ade! it mein amys, 
ickh soll betrogen blifen 
wie Salomon der weis, 



45 die schönste von Paris, 
Absolon der schone, 
schöne frauw, ein span die crone, 
fäert sie den höchsten preis. 

7. scheiden, bitter scheiden, 
50 wartzu bistu gemacht! 

der todt will uns verlaiden 

der also bitter schmackt — 

es mues gescheiden sein, 

schons lieb, sta mir zue spreckhen, 
55 dann ich mueth faren latten, 

dan ich far in die pein. 



Hs.i 5. sich, begrifft 11. verjagt. 17. sottellifpigkhin. 18. sonfltn. 38. traawren. 
47. Crono. 

AfUwerpener Liederbuch v, J. 1544: Hoffmann^ Eorae Belg. XI {1855) S. 147 i^. 98 mä starken 
Abweichungen, wwan bemerkenswert: Ic hadde een geBtadich minnekeD, | geen scoonder die daer 
leeft, I vercoren in mijn sinnekeiif | van rouwe mijn herte beeft ... 11. daer mede so 
veriaget si. 12. druck lijden int gewicht 13 u. 14. te voren. 20. al sonder fiintasi. 27. yan 
drincken noch yan eten. 28. ghevoeden. 34. Is dat 35. int eynde van v tronwe. 42. ia mijn 
aduijg. 49. bitterlijcke scheyden. 55 u. 56. ick yalle in desperaten, ic bliae al in die pijn. 

Mone, Anzeiger 3 {1834) Sp, 179 Abdruck nadi der Heidelberger ffs, u, Hinweis auf den nieder- 
ländisehen Ursprung des Liedes. 

[161.] Ein ander lied. 



1. Ich mues von hin, 
darumb ich bin, 
herz liebste mein, 
in schwerer pein, 
5 darzue in großem schmerzen; 
so ich betracht 
bey tag und nacht 
dein schone zier, 
lust und begier, 
10 darzue dein freuntlichs scherzen: 
so will mein herz 
vor leid und schmerz 
in rechter lieb und treuw zergan, 
furwar ich sag 
15 das ich mein tag 

uf erd kein mensch nie lieber ge- 

wan — 
scheiden ist pitter dan entzian. 



[120»] 2. 'Guet gsell, dein fart 
die krenkht mich hart 
20 das ich nit mag 

kein stund im tag 
ja frolich sein vor laide; 
wie soll hinfur 
geschehen mir, 
25 eilendes weib, 

so ich dein leib 
verlieren mues durch scheiden? 
so bitt ich dich 
ganz vleißigclich 
30 und las mich dir bevolhen sein, 
vergiß nit mein, 
das bit ich dich, 
halt mir ein stete lieb in dem her- 
zen dein — 
scheiden ist über alle pein.' 



CLXI. CLXII. 



179 



35 3. Jungkhfreuwlin werdt, 
mich reuwt uf erd 
sonst nichts dann du; 
so ich mich nu 
so gar mues dein verwegen, 
40 ich befilh mich dir 

die zeit hinfär, 
deßgleichen ich 
will bitten vor dich: 
Gott woll alzeit dein pflegen; 
45 uns ist die zeit 

kommen mit leyd 
das ich dich, feins lieb, mues vcrlan, 
beut mir dein mund 
zu diser stund, 
50 sonst mag uns nimmer werden 

bas — 
scheiden macht uns die eüglen naß. 



4. Ach weiblichs bild, 
tugentreich und milt, 
wie hastu mich 
55 so ellendigclich 

geschloßen aus deinem herzen! 
so hoff ich doch 
du werdest mich noch, 
die edle krön, 
60 nit gern lang lan 

ligen in solhem schmerzen, 
gefangen sein 
inn schwerer pein; 
darumb clag ich dir mein große 

noth, 
65 vil schwerer ist 

zue diser frist 
so ich yetz meid ir mundlein roth — 
weger wer mir der bitter todt. 



1582 A 166: 8. die schöne zier. 10. freundlichen. 11 n. 12. bo wil mir mein herz, für. 
16. anff erden kein liebere gewan. 17. bitterer denn der entzian. 18. gesel. 21. und tag. 
22. für. 25. weibe. 33. im. 37. denn du. 39. crwegen. 42. dergleichen ich. 43. für. 
44. dein allzeit. 45. nnd ist. 50. mag mir. 51. ein äuglein. 56. deim. 59. du. 60. nit 
gar. 63. ist schwere pein. 64. dmmb. 67. dein mündlein. 

Es. 1568 i^. 70 u. i. w. 



[192.] Ein anders lied. 

[120b] 1. Kehr wider, gläckh, mit freuden 
und wendt den Unfall von mir, 
das ich mich von der lieb soll scheiden, 
ach Got, das clag ich dir: 
5 wann ich bedenkh den anfang, 
so hat mein gluckh ein krebßgang — 
kher wider, gluckh, und machs nit lang! 

2. Mein herz hat vil erduldet, 
mein gemüet das krenkt mich seer, 
10 nit wais ich wie ichs hab verschuldet, 
mein seckhl ist mir worden lehr, 
vor pier und wein gib ich das mein, 
darumb kombt mein gellt inn die weit, 
der lieb Got weis wers gluckh behelit. 



12* 



180 CLXII. 

15 3. Wer do will buelen und praßen, 

der füll den seckhl mit gellt, 

dann bnelschaift raumbt die taschen, 

niinbt bald was ir gefeilt; 

wie bald sie spricht: 'laB fahren dahin! 
20 der narr der hat des gellts zu vil, 

erkauft mir was ich haben will/ 

4. Guet gesell, Jörnen dir deines gleichen, 
so geschieht dir eben recht, 
nimbst du dir sonst ein reiche, 
26 so muest du sein der knecht — 

wie bald sie spricht: *du narr, hast mir verzert das mein, 
stee auf, heiz ein, trag waßer hinnein, 
und alles des du hast und das ist mein.' 



1. Die allerholtzeligst und schonest uf erden 
80 als ich ye hab gesehen 

von schön, weis, zucht und geberden — 

die warheit mues ich jehen — 

wo iindt man irs gleichen 

inn diser ganzen wellt? 
35 imm ganzen römischen reiche 

ist keine die mir bas gefeilt. 

[121»] 2. Sie hat zwey eüglein die sind dar, 
darzue ein roten mund, 
mein herz ist ir ganz und gar, 
40 mein dienst zue aller stundt, 
mein leib und auch mein leben 
steet alles inn Gottes gewalt, 
mein junges herz dobey neben — 
ach! sie ist mein hofnung und aufenthallt. 

45 3. Nun wolt ich gern wißen 
wer mir sie tadlen khundt, 
mit neid so mues er ir sein geflißen 
der was strefflichs an ir find 
von schon, weis, zucht und berden, 

50 darzue von schöner gestallt, 

mit der warheit kans kein mensch anders sagen, 
man thct ir dann großen gewallt. 



CLXIL 



4. Schaid ich mich mit dem leibe, 
so bleibt doch mein junges herz stetigs bey ir, 

56 aide du Gottes megetlein, 
ich soll und mues von dir, 
der lieb Gott bewar dein jungen leib, 
kein Unfall stöB dich nit an, 
damit sey dem heben Got bevolhen — 

m aide, ich fahr dar?on. 



ff*,: 22, römam. 35, r6-^^ reich. 47. mitt weia: neid. 
B$. 1568 Nr. 2: 



L Ker weder, gluck, mitt 'freu den 
und jag ungef&ll vonn mir, 
groe nngluck muB ich leiden, 
ach Gott, das clag ich dir: 
5 wann ich bedenk mein anfangk, 
mein glnck das hatt ein krebeganck — 
ker wiederi gluck, und m&gs nitt lanck! 

2. Mein herz iflt aehr bedrubet^ 
mein gemutt dae kreuket mich aehr, 
10 wiewoll ich« nitt hab verecbuldet^ 
mein seckell ist mir worden leher^ 
Tnr wein und beer gob ich mein gelt 
darmitt mein gelt kompt in die weit, 
der lieb Gott weia wer daa jair das gluck 

hebelt. 



15 3. Der dar will bolen und braeaen, 
der füll sein buttell tnitt gelt, 
die bolBchafft reumet ei in die taachen, 
Bie macht wie irs wo 11 gefeltt, 
sie spricht: ^mein bole far darbin, 

20 der nar der hatt des geltes viell, 
er giltt mir was ich haben wüL' 

4< Halt dich zu deines geliehen, 
so geschiett dir eben recht, 
und nympato eine reicbe, 
35 Bo mnetn sein ir knecht, 

iie spricht: ^du nar Teraerest das 

mein, 
ithe auf, laß in, dreif auß die schwein, 
nnd was du hast das ist mein/ 



5. Das leedttein ist gesungen, 
30 ieder man es nttt gefeltt, 

vonn der bubcbafiTt ist ehr verdrangen, 

das macht; ehr hatt kein gelt, 

sein houl zerhau wen, sein mautell nitt guett, 

sein wambis ist ime zerrissen gar, 
35 das ehr zu dem bruns megdlein nicht komen darf 

B», iS68 Nr. 23 i>gl folgende Nr. 163. 

Zu dem m der Htiddherger Hs. ntchl besonders ahgueUten Lüde Die atlerboltzeligflt und 

sehonest uf erden v§L obm Nr. 37 d. Em. 

VgL noch Goedeke m S, 27 1 Schoffer 1513. 

ffi. ms Nr.li 



1. Die acboneste auf dnßer erdon 
die icb habe gesehen 
von zucbtf eher und scboneß geberde — 
die warheit die muefl ergehen — 
wbar vindt man ihres gleichen 
in der ganzen weiten weit? 
im ganzen heiligen romischen reiche 
kein megdlein mir beier gefeltt. 



t. Sie hact zwo falken ogelein klare, 

10 dartzü <nuen roten mundt, 

mein herz ist ihr ganz und gare, 
meinen dienst, herxlieb, zu aller stnndt, 
mein lieb und auch mein tebendt 
stehet alles in Gatte gewalt, 

15 mein junges herze darneven, 
Gott 10 mein hoffnungh und halt 



182 



CLXII-CLXIV. 



8. Iti wold ich gerne wißen 
offt sie jemandts tadellen konde, 
ob einer mitt neith were geflißen 
20 und ethweß strafflich ahn ihr wnste — 
von zacht, ehr and schönes geberde, 
dartza Ton schöner gestait, 
keiner kan eß mitt der warheit 

reden, 
hie dede ihr große gewalt 



25 4. Adde du aoßerwelts megdlein! 
adde herzlieb, ich mneß davon, 
scheide ich itz mitt dem leibe, 
so bleibet daß jange herze bej djr, 
der liebe G^odtt wirt uns beiden woU be- 

waren, 

30 kein ungeluck stoße dich nicht ahn, 
damitt weß dem lieben Gott befolen — 
adde herzlieb, ich mueß davon. 



[163.] Ein anders lied. 
1. Ker wider, glückh, mit freäden [I2ii>] 2. Mein herz tregt groß verlangen 



und jag nnfall von mir, 
ich mues mein feins lieb meiden 
wiewol ich trag gros begir 
6 zu dienen ir vor all uflF erdt — 
wie wol sie ist eim andern beschert, 
deßhalben mir mein herz wirt be- 

schwerdt. 



die zeit so manigfalt, 
10 ach Got, möcht ichs erlangen 
das ich ir weiblich gstallt 
möcht sehen ein deine zeit! 
uff erden mir nichts mer freuden 

geit 
wo sie mir yetz nit hilft aus laid. 



15 3. Wie bistu so gar verstrigket? 
das laß, herzlieb, nit schaden mir! 
wer wais wie es s\ch schigket 
das ich, herzlieb, mocht gsein bey dir 
und dir und mir kein schaden nicht brecht; 

20 ach herzigs lieb, nu merkh mich recht: 
on dich mich niemant erfreuwen möcht. 



Ä.: 14. nit fehü. 17. sie. 

Bergr, Nr. 55 {Neudr. 99/100 S, 112): 3. mein lieb muß jch yetz meiden. 4. und hab doch. 
5. dir für. 6. du bist. 7. derhalb mir wirt mein herz beschwert 8. hat groß. 9. zejt 
gar. 10. jch erlangen. 11. freund tlich gestait. 12. sehen an ein. 13 u. 14. aa£P erd mir 
nichts mer freuden geyt, wo sie mir yetzund hülff auß leyd. 15. Ob du bist hart verstricket. 
16. laß nicht. 17. ob es. 18 u. 19. das jch, herz lieb, bey dir möcht seyn und dir kejm 
schaden brecht. 20 u. 21. mein herziges A, nu tbu jm recht, für dich mich nichts gefrewen möcht. 

Foriter III 25; 1582 A 35, B 88 in je 3 entspr, Str, 

Es. 1568 Nr. 23 u. s. w. 

[164.] Ein annders lied. 



1. Liebplich hat sich gesellet 
mein herz inn kurzer frist 
zue ainer die ja mir gefellet, 
Gott weist wol wer sie ist — 
6 sy tregt zwey falken euglin dar, 
darunder ein roten mundt, 
der leöcht zue aller slundt. 



2. Für alles mein gemüete 
hab ich sy mirs außerkorn, 
10 sy tregt ein reines gemuete, 
ein ayd hab ich ir geschwom: 
ir steter diener will ich sein 
mit wißen underthan 
diewell ich das leben han. 



CLXIV. 


CLXV. IsT^^^ 


16 3< Sy gleicht sich einem engel. 


4. Mit Venus pfeil durchschoßen V 


die wunder, die schön, die rhain, 


das junge herze mein — 


ir haar mit goUfarb gsprenget, 


herzlieb, ich mues dich laßen, 


ir mundlein rolh wie robyn, 


2ö bringt meinem herzen pein, 


[122^] sy Iregt zwey falkheneüglin dar, 


ich mues und soll vonn hinnen schier, 


20 darunder ein roten mundt, 


meins bleibens ist nymmer hie, ^ 


der lachet zue aller stundL 


"-""■"""" J 


H$,i 13. wesen vnd vnderthan. 


Berp^, U3i {%. a.) Nr. IS (Neudr. 99fI0Ö S. 3g): ^^M 


L Lieblichen hiit ekh gesellet 


15 B. Ich gleich eie einem enget ^^^H 


mein hera ynn kurier friit 


die herz aller liebste mein, ^^^^| 


gegen einer die mir gefetlet; 


ihr her) ein kraaa als ein Sprengel, ^^^^H 


Gott weis wol wer sie ist — 


ibr milndlein roht rubein, ^^^H 


5 sie liebet mir ganz inmgleieb 


zwey blanke ermelein die sein «chmal, ^^^^1 


die hera aller liebste mein. 


20 da£u ein roten mund, ^^^H 


mit treuen ich eie mein* 


der lachet zn aller etund, ^^^| 


2. Wo! fnr de« tneiens blute 


4, Mit VenuB pfeil an durch achoMen ^^H 


hab ich mir sie anaerkom, 


das iunge hense mein — ^^^^m 


10 Bie erfrenet mir mein gemüte, 


echi^nes lieb, hab keinen yerdrisien, ^^^H 


meinen dienst bab ich ihr geschwom — 


2ö aetz deinen willen darein, ^^^H 


denn wil ich halten stetiglich 


geaegen dich Gott, mein ichönee Heb, ^^^H 


mit wiJkn unterthan 


icb Bol und mus von dir, ^^H 


die weil ich das leben hab. 


du ge&ichst mein nicner mehr, ^^^^ 


ffä. ms Nr. 7J5 IS74 Nr, 17; 1575 Nr. 92 


1*. $. w. Arcliiv f d, neueren Spr. tlL 2ß9. fl 


Dumi Büithtn^ t». p. d. Mogm S. i22\ Mülkr S, Sil Nr. 67L ^ 


Darmstadt, Hi, des A. Kroftft (1687) BL 8ß^. 


■ 


[165.] Ein annders lied. ^^| 


1. Kein lieb on leid wirt fun- 


10 2. Ach glückh, laß dich erbar- ^^M 


den, 


^^H 


das bin ich worden inn, 


mein clag und schwere pein, ^^| 


mein freud ist mir verschwunden. 


verlaß nit gar mich armen, ^^H 


krenkt mir herz, muet und syn; 


thue mir dein hilf und schein; ^^^| 


5 das Schaft das schone leiden 


mein herz das ist verwundet ^^^| 


das ich trag nacht und tag» 


15 durch ihr zart mundlen roth, ^^H 


das ich sie dammb mues meiden^ 


in Venus Sam entzündet, ^^H 


es geschach mir nie so leide, 


mit liebe so gar durchgrQndet — ^^H 


wiewol ichs niemanndts clag. 


hilf mir aus aller noth! ^^^| 



184 



CLXV. 



3. Tröstlicher hört ob allen, 
20 deine schöne weis und zier 

thuet mir so wolgefallen, 
darnach steet all mein begir; 
ir falkhen efiglein clare 
die ^ebengar liechten schein, 
26 roth [122^] goltfarb was ir hare, 
ir wengle weis und clare, 
ir mändlein das gleichet dem rubein. 

4. Ann ir ist nichts verges- 

sen, 
sie ist von edler art, 

80 ir schone ist nit zu vermessen 
so lieblich und so zart, 
solt ich ir lob recht sagen, 
wiewol ichs nit vermag, 
ich endts in keinen tagen, 

35 herz meidlen, vemim mein clagen, 
die ich inn dem herzen trag. 



5. Recht lieb und treuw inn 
hast dus altzeit an mir, [ehren 
nit mer thue ich begeren: 

40 iann alles falsch von dir, 
ob ich nit bin dein gleichen 
von gewalt und großem guet, 
ich will darumb nit weichen, 
ich mag genad erreichen, 

45 mein herz dich preysen thuet. 

6. Ich geman dich an die stunde 
do ich dich erst ersad^, 

dir ist auch noch wol khunde 
in eeren alle sach — 
50 ich bitt dich du wollest stets be- 
wol bey dem alten gesatz, [leiben 
ob ich nit stets kan bey dir bleiben, 
ich will mich darumb nit lassen 

vertreiben 
von dir, mein höchster schätz. 



55 7. Nicht liebers dan cfich uf erden, 

herz liebste kayserin! 

kanstu mir ye nit werden, 

so mues ich freudenlos stan, 

inn deinem dienst geflißen 
60 bis in das ende mein, 

damit will ichs beschließen, 

mein kommer mues ich büeßen, 

dein ist der gwyn mein. 



H$,\ 17. gar: ymb: durch. 23. dar. 24. begem. 25. bar. 34. tag. 35. clag. 
37. ehm. 39. begem. 40. dann. 47. ersähe. 49. aUs geschach zu iesenf 55. dan ich. 
Jkrostkhan: Katarin. 

Es. 1575 Nr, 13 in 7 Str. Akrostichon verwischt. I 1. Kein freuwd ohne leidt wirt erfanden. 
5. bringtt mir ein schweres leiden. // 1. Qelack laß dich erbarmen. /// 1. Trostleicher 
hortt oben alle. 5 — 9. Ihr schonen Ogelein klar, die geben ghar hellen schein, golttfarbe 
seind Ihre Hare, Ihr Wengelein seind wiß vnd klare, Ihr Munttlein ist wie ein rodt Robyn. 
/F (= Es. 6) 1. Ich ermane dich ahn die stunde. V {= Es. 4) 1. Ahn dir ist nichts vor- 
geßen. VI (= Es. 5) 1 — 4. Treuwe Liebe stedes in Ehren, soltu finden Hertzlieb bey mir, 
nicht Hebers wolte ich bogeren, legge du alle falscheitt von dir. 

VIL Nicht laß mich feinß Megdlein setzen 
all mein yortrawend umb sunst, 
thu mich meines leides ergetzen, 
nicht wende von mir deinen gunst. 



CLXV, GLXVI. 185 V 


daß ich dich lunortrawe, ^| 


punne dir godes 


^or allen. 


eß Wirt dir nicht 


gerouwen, 


geluck Wirt iich bald wen d od 


zu mir in ktir«er frist. 


P. ü. (i. ^e^#^, Biumm u. Außb. 1602 S. 146 Nr. läS Kain Heb ohn ieyd wirt fundeo . . - ' 


ß 5*r. 


■ 


im»] [166.] Ein anders lied. ^^H 


1. Lieb haben und meiden 


26 4. Ach du edler, brauner wol- ^| 


das ist ein schwere pein. 


wie freyslu mich so seer! [gemüet, ^| 


die falschen cläffer mich neiden, 


kein blüemlin ich nie lieber gewann, ^| 


es mag nit änderst gesein, 


inn eeren ich dein beger, ^| 


6 sy main mich zu verderben 


dein ewigs wesen ^^^| 


das junge herze mein, 


30 bis inn das ende mein, ^^^| 


wann claffen ist arbeit, 


behalt mich inn deim herzen, ^^^| 


es mag nit annderst gesein. 


herztieb, vergiß nit mein! ^^^| 


2. Ich gieng wol in ein wurz- 


5. Herzlieb, du sollt nit den- ^^| 


garten, 


^^H 


10 die weil ward mir zu lang, 


das ich will abelan, ^^H 


da dacht ich an die zarte 


U von dir wtl ich nit v?enkhen, ^^H 


mit großem . . . schwangkh; 


ich darf nit zue dir gan, ^^H 


ich warf mit rosenbletter 


als ich auch gern thette ^^H 


zue ir zum laden ein: 


wol nach dem willen mein, ^^H 


15 'schlafslu oder wachstu, 


so irren mich die leüte, ^^^| 


herz allerhebste mein?' — 


40 des falschen klaffers neid. ^^H 


3. *Ich schlaff nit, so wach ich 


6. Ich weil das niergents kein ^^H 


nit; 


claffer wer, ^^H 


redt sich das medlen fein, 


er hett ein krommen kragen, ^^H 


Hch hab so lang gestanden. 


dardurch durch baide backen ^^H 


20 ich habs gewartet dein, 


brennte löcher tragen — ^^H 


, , . • , * i , . 


45 frey dich, frey dich, schöns lieb! ^^H 


ich hab doch wenig rhuee, 


ich freuw mich deiner treuw, ^^H 


dein kan ich nit vergeßen, 


mein herz ist steet, die lieb ist gros, ^^H 


herzallerliebster buelJ 


es soll dich nit gereüwn. ^^^| 

20. deiBe. 21. ettmt daa nukgiiti wal ^t- ^H 


ffä.z 12 unvoMändig. 18. feine. 19 fehU. 


meßen? 26. secre. 32. hertss: ailerliebite i 


nem: lieb. 35, vnd dieweil. 48. gereiiwco, ^M 



186 



CLXVI. CLXVII. 



Ä. 1575 Nr. 144: 

1. Leyb haben and zu meiden 
bringet meinem herzen pein, 
das schaffet der kleffer neiden, 
de wolden nnß haben darein, 

5 sie gedenchen ans zu yordreiben, 
za yordreiben ganz and gaer, 
noch habe ich dich leib im herzen, 
das glaabe da m3rr ynrwar. 

2. 'Ach gatter geselle, sydtt wollgemodt, 
10 dn erfroawest mich so sehr, 

de blomelyn ahn der heyde gadt 
noch inne ist meyn boger, 

ich drage eine freuntliche leibe, 
leyb, amme den willen dyn, 
16 das glaube du meiner im beßten, 
herz aller leybster meyn.' 



8. Ich gynck mych in einen garten, 
der zeit wart myr nicht lanch, 
nach der schonen und zarten 
20 dede ich so mannigen ganck; 

ich brack ein kleynes blomeleyn, 
warp sie zum yenster ein: 
'ach schleiffstu, leyb, oder wachatu, 
du herz aller leybste meyn/ — 

25 4. 'Ich schlaiffe auch nit, ich wache, 

du feines knebelein, 

ich habe so lange gestanden 

gestanden, gewartet dein, 

mein herze leidet schmerze, 
30 yonn dir habe ich keine rouw, 

scheide ich dich übergeben, 

das wolde ich nicht gerne thuen.* 



5. Doch will ich nit yurzagen 
unde lassen ab, 
36 de henker solle inne plagen 
der nnß belogen hatt 

mit seinen yalschn zungen 
der ich gar weinich acht — 
sey dir, braunß mettleyn, gesungen 
iO zu tausent gntter nacht 

ffs,: 28. wartet deiner. 35. plagn. 38. acht. 

D(u m der Berliner Es. besser als in der Heidelberger gewahrte^ zu Gründe Uegemde Strophen- 
Schema stellt sich so dar: 

ab ab 

cd cd 

w m w m stets 3 H. 



[1231»] 



[167.] Ein anders lied. 



1. Mein fleis und mfie lo 2. 

ich nie 
hab gespart, 
alltzeit gewart 
dem herren mein 
zum besten sein, 15 

mich schigken drein, 
gnad, gunst verhofft — 
das gmüet zue hof das wendt 
sich oflfl. 



Geet hin und her, 

und wer 

nit kan 

sich kaufen an 

dem ort, der zeit, 

nach eeren streit, 

mues dannen weit — 

das thuet mir andt: 
mein treüwe dienst sein un- 
erkandt. 



CLXVII. CLXVIIL 



187 



3. Wenig dankh noch lohn 
30 darvon 

ich bring, 

man wi^ mich gring 
und ist mein zwar 
vergeßen gar; 
25 groß noth und gfar 

bestanden hab — 
was freuwd sollt ich nu haben darab? 



Ä.: 22. wingt. 

121 Lieder 1534 Nr. 40: 3. gspart 4. vnd alzeit gwart 9. doch gmüt 12 n. 13. sich 
kan, zn kanffen an. 18. trewer dienst bleibt. 19. Weng. 22. man wigt mich gering. 26. ich 
bstanden hab. 27. sol ich haben dorab. 

E8. 1575 Nr. 5 u. s, to. 



[168.] Ein annders lied. 



1. Mir ist eins feins brauns 

megedlein 
gefallen inn meinen syn; 
wollt Got ich mocht heut bey ir sein, 
meins trauwrens wer dahin; 
5 kein tag noch nacht hab ich 
khein rhue, 
das schaJBTt ir schön gestallt, 
ich wais nit wie imm furbas thue, 
mein feins lieb macht mich allt. 

2. Dem medlen ich gern dienen 

wollt 
10 wo ichs mit füegen khundt, 
darumb hab ich der neider vä 
das mirs nit werd vergünt, 

ich hoff sie Solls erfahren schier 
mit treuwen als ich sy main, 
15 uf erden ich mirs nicht wünschen 

wolt 
dann ich wer bey ir allein. 



[124«] 3. Dem medlen ich mein treäw 

versprich, 
beger auch änderst nicht 
dann das do frumm und erlich 

ist, 
20 darnach ich mich stets rieht; 

sollt all mein treuw verlorn sein, 
kränkht mir mein syn und mQet, 
ich hoff sie sols erfaren schier, 
mein sach soll werden guet. 

25 4. Darumb will ich dem mede- 

lein 
gesungen haben firey 
zu gueter nacht ein liedelein 
mit wunschung was dir guete sey, 
damit du auch gedenkhst an mich, 
30 wann ich von hynnen kom — 
bescher, glügkh, mag nit hinder- 

sich! 
ade mein schon und fromm! 



Hb,: 1. Megegdlein. 11 u. 12 fehlen. 14. maine. 32. fromme. 

ForUer III {1552) Nr. 68: II. Mir ist ein schöns branns meydelein. 2. mein sin. 3. ich 
solt heint bey jm sein. 4. mein trawren fttr da hin. // 1. meidlein. 2. wenn, fagen. 



188 



CLXVni— CLXX. 



8 u. 4. Daminb bab ieh der neider yfl, das mir nit wirdt Tergnnd. 5. erfuren bald. 6l wie 
icbs 80 trewHcb gmein. 7. anff erdt ieb mir nichts. 8. demi sein bej jr allein. III 1. mejd- 
lein. 2. ran ehm vnd anders nicht. 3. Als was doch. 5. Solt denn mein, verloren. 
6. vnd gmflt. 

/F. Dann was die falschen rangen thnn 
ist yetznnd an dem tag, 
ach da mein feins branns meidelein, 
hör zu was ich dir sag, 
halt dich mir stets in ehm allein 
wie ich dich berslieb mein, 
so bhelst da ganst mit diser kanst, 
das glaab mir meydiein rejn. 
V (= JGTf. 4) 1 a. 2. Damit meydelein , gsangen. 4 — 8. als gats wünsch ich d&rbey. 
Damit das sie gedenck an mich, wenn ich nit bey jr bin, so bhflt dich Gott im himelreych, 
aide ich £ar dahin. 

Fonier V 15 MeL u. erste Sir. Bicmia 1545 II 77 desgl. 

m. 1574 Nr. 52; 1575 Nr. 43 «. t. w. Archiv f. d. neueren Spr. lii (1903) S. 2f. Dasm: 
a F. Bedter, Lieder u. Weisen {1853) I S. 12-, Mittler S. 512 Nr. 673 u. s. w. 



L] Ein anders lied. Man sieht noch wol wie steet du bist 
6 fvnfs. Str. « Nr. 51. [124b] Str. V 1. Farhin mein Meints . . . 



[170.] Ein annders lied. 



1. *Mir ward verwundt 
meins herzen gnindt^ 

do mich mein lieb gesegnen thet; 

bey meinem ayd! 
6 kein größer laid 

mein weibliches herz erlitten hat' — 

sie sprach: 'wolan, 

mein liebster man, 
nun gesegen dich Gott mit freüw- 
10 darzue auch eehr [den' — 

mit großer schwer, 
mit großem laid thet scheiden. 

2. Sy sprach: 'alhie 
sitz ich recht wie 

15 ein deines turtlteüblen, 
verloren han 
ich meinen mann, 
ich armes, betruebtes weybelein; 



ach Got, ach Gott, 
20 hilf mir aus noth! 

soll ich also verderben? 
so bleibt mein herz 
on schimpf und scherz, 

bis ich inn sich mit freäwden. 



25 



3. 



Von himelreich 

der liebe Gott 
der woU es ewig gelobet sein, 

darzue so gar 

on allen [125«] spot 
30 bey dem vil allerliebsten bin; 

erfreuwet mich seer, 

wann ich in höer 
mit sein vil süeßen worten, 

darzue sein stimm, 
35 mich recht vernim, 

er liebet mir an allen orten/ 



Bs.: 16. verlorn hab. 17. mein. 30 u. 31. bin: ich: erfreuwet 



CLXXI. 189 



[171.] Ein annders lied. 

1. Mein ainigs A, mein höchster schätz, 
mein trost uf diser erden, 

du bist mir die liebst, das ist nit nein, 
nichts liebers soll mir werden 
5 wann du mein bort: 

vemym mein wort, 
das soitu, herzlieb, glauben mir, 
die werkh darbey, 
sey wo ich sey, 
10 mein treuw will ich erzeigen dir. 

2. Mein freäntlichs A, mein höchster bort, 
laß dich kein mensch verfüeren, 

ker dich nit an das kleffers gschwetz 
und thue mich bas probieren: 
16 so verheiß ich dir 

aus treuwer begir, 
ich hab dich lieb vor andern allen, 

deßgleichen für den heltest mich, 
so frey ich mich 
20 mit reichem schalle. 

3. Mein liebliches A, mein zartes weib, 
du hast mir mein herz umbfangen, 

bis an mein end nit von mir wendt, 
darnach hab ich gros verlangen; 
25 tag und die nacht 

ich stets betracht 
wo ich heimlich zue dir khumb, 
ich bitt darumb, 
schier zue mir kumm, 
30 verlaß mich nit, du mein guetigs A! 



ffa,: 3. ich. 6. mein wort es sein nit wort 

Fl, BL Yd 9126 Ein hübsch lied /Mein | ejnlgs A. | Ein anders /So wünsch | ich jr ein 
gntte nacht. | Ein anders lied / Ich hab | yerschüt mein habermaß / des maß. | Noch ein lied- 
lein / Lieb- I lieh hat sich gesellet / mein. | Item noch ein anders | liedlein / Ker wider glück 
mit fremden. {Am Schluß:) Gedrückt za N&renberg | darch Jobst Ghitknecht. (4 BL 8^ o. J. 
Rüdu. des ersten «. letzten BL leer.) SämtUche 5 Lieder dieses Einzeldrucks befinden sich in der Es. 
Vffl, Nr. 75f 163y 164, 183. An erster Stelle: 1. Mein eynigs A. 3. das ist nicht nein. 4. nicht 
6 a. 7. wort, das sind nicht wort, das. 13. Ker dich nicht an des klaffers schwatz. 14. mich 



190 CLXXL CLXXn. 

des prolneren. 17. ftr «ndere alle. 18 n. 19. för, da haltest miehy so frew icb mich. 
21. Mein Hebliehs. 25. Tag ynde nacht 26L so jr komb. 27. komb. 28. gikttigs A. 

Yd 9918 Zwej hfibsche Lieder/ | Das erst /Es ritt ein Bentter | wolgemnt | Das ander/ 
Mein eynigs A. | mein höchster schats. {Bädekem. Am S eh hß :) Oedmekt sa Nftrmberg 
doreh | Valentin Neaber. (4 BL 8* o, J. Bmek». da entm «. ktMtem BL her,) Mein einige A 
3 enitfr. S$r. 

H$, 1568 Nr, 96. 

Dies in aäen Fasnmgen Miark verdorbene lÄed iH noA dem Masaale» wehMMeä&gen Schema ge- 
baut, das tMtstdUy wenn man vom der moeOen Hälfte der aekUeXgen Qnmdstmphe den fanften und 
siebenten Vers aaeA metgembter Art in jene den damaligen Diektem überaus gelaufgen hureen Resm- 
paare zerlegt. Zugleich aber verrät siek in diesem Oedickt ein bedenkücker Mangd an Übung ca der 
poetischen Technik neben großer ünbehotfenheit in der Oedankenfukrung und im spraehOchen Aus- 
druck, so daß man von vornherein einen gans ungeschuUen und ungebildeten Verfasser antundunen 
und auf jeden Wiederherstellungsversuch su versiebten geneigt sein wird, weil schon die ursprüngliche 
Vorlage Schnitzer und NachloMigkeiten gewiß mekrfack aufgewiesen haben durfte. Doch lautete wohl 
die eweite EatfU der AnfangseeH e mein einigs ein im Reim auf nein^ der SMuß von der ersten 
ZeHe der sweäen Strophe schats im Reim auf schwatz, und in der dritten Strophe mag die dritte 
Zeile nicht von Anbeginn fälschlich durch Binnenreim serlegt gewesen und so die erste Zeile reimlos 
geblieben sein, sondern es mag ursprunglich dagestanden haben bis an mein «id stets bei mir bleib 
tsi Reim auf Z. 1 weib. Die Neigung su den kurzen Zeilen von je 4 Silben lag daausls alten zu 
sehr in Fleisch und Blut, jenes iberhäufte Reimgeklapper zu sehr im Ohr, als daß nicht bestastdig der 
ursprünglich vorschwebende Wortlaut und VerÄau dadurch beeinträchtigt sein sollte. 



(125h] [172.] Ein anders lied. 

1. Man sagt von schönen junkhfreülin viel, 
ir lob ich allzeit preisen will; 

so gar ein wunderschönes weihe — 
ir eer und guet, 
5 ir stolzer muet, 

wie möcht ichs überwinden? 

2. Ich lag eins mals in schwerer not 
als wer mir vatter und muetler todt — 
geschach mir nie so laide 

10 dan das ich mich 

so schmerzigclich 
von meinem feinen lieb mues scheiden. 

3. Eilend, du hast mich streng gefasst, 
nach dir stet mein verlangen gros, 

16 ellendt bat mich umbgeben, 
ellent bin ich, 
ellent krenkht mich, 
ellent nimmbt mir mein leben. 



CLXXIL CLXXIIL 191 

4. Noch wolt ich lieber eilend sein 

20 dann das ich solt verlaßen mein, 

mein treuw die ich ir verheißen hab, 

der reüler treuw 

ist war und stett, 

ir lieb bricht stahel und eysen. 

25 5. Der uns das liedlen neuw gesang, 
ein stolzer Schreiber ist ers genant, 
er hat gar wol gesungen, 
er ist schab ab 
und ganz und gar, 
30 ein reäter hat inn verdrungen. 



ffs,: 9. 80 laide nie. 25. gesang fdUL 
Förster III {1552) Nr. 52: 

1. Man singt von schönen jankfrawen 3. Da ich erwacht, war alles nmb 

vil, sonst, 

jr lob nnd ehr ich stetz preysen wil; ich was entzündet in liebes brunst 
der ich so lang gedienet han, 15 and 1yd darzn groß schmerzen, 
jr ehr und gut inr selben nacht 

5 nnd stolzer mnt lag ich and tracht 

hat mir mein herz gar gefangen. als leg sie mir an meim herzen. 

2. Ich lag eins mals in sehr grosser 4. Wie möcht ich nur mehr frölicher 

not sein 

als wer mir vatter and matter tod, 20 denn sehen die allerliebste mein, 
mein herz schreyt ymmer waffen, ja dliebst aaf diser erden, 

10 eilend krenkt mich, die ich yetzt han 

eilend bin ich, * die ist mein krön, 

eilend lest mich gar nit schlaffen. kein liebre sol mir nit werden. 

25 5. Wie möcht ich nar eilender sein 
dann so ich scheyd von der liebste [f\ mein 
yetzandt aaf diser erden? 
das sol nicht sein, 
ich hoff die reyn 
30 soll mir dennoch sehr wol werden. 

m. 1574 Nr, 5; 1575 Nr. 63 u. $, w. 
Oörres S. 70 u. $. u>. 

|126>1 [173.] Ein annders lied. 

1. Mein herz hat sich mit lieb 5 durch falschen haß und bösen neidt, 

verpflicht sein gOflftig schneid — 

zue dir, mich irt doch nicht glaub das ich dich darumb nit 

des klaffers dicht, kein unmuet leid, [meid, 

ob im sein herz zerbricht und wer er noch so geschigkht. 



192 



CLXXni. CLXXIV. 



10 2. Du bist meines gfallens ober- 

al 

nach wünsch und rechter wähl, 

freud one alle zal 

hab ich ann dir zumal, 

an dir doch kein mangpel ist, 
16 falsch red ist nichts, 

derhalb nit schaft des klaffers list 

zue keiner firist, 

man wais wol wer der claffer ist 



3. Was glückh ich ime nun wün- 
schen thue tmd gan, 
30 da gee den Schweizer an, 

sein untreuw kan 

nit unvergolten stan, 

erschemen wirt inn kurzer zeit — 

wie fast er schreit, 
26 an seinem blerr mir gar nit laid, 

es fehlt ime weit, 

mein herz sich dir ergeüt. 



H$.i 9. Ue9i noch so gscheid im Reim amf meid und leid. 15. Heu ist mist. 19. und 
feUL 25. Uid = leit d. i. Hegt 27. ergeflt == ergeit d i. ergibt 

OegUn 1512 Nr. 20: 2. aaeh nicht 4. sein hals. 5. haß, auch. 9. so gscheid. 10. meins. 
12 a. 13. frend one zal han ich von dir. 14. doch gar kein. 15. ist mist 16. des halh. 
18. wer er ist 19. Was glückes ich im wünsch und gan. 20. das ge. 23. wirts. 25. gar 
nichts leit 26. im. 27. ergeit 

Fareter I 78; 1582 A 149, B 14. 

Fl. BL Yd 7821 {Einband v. J. 1539) St 5 Drey schöner lieder/das | erst /Mein fleyß 
vnd mfte. Das | ander /Mein herts hat sich | mit lieh Yerpflicht Das | dritt/Wo ich mit 
leih I nit kämmen mag/ | da ist allUg. {Bildehen. 4 BL 8^ o. 0. «. /. Biieke. de* ereien BL 
u. da» kUU leer.) 2 in 3 entepr. Sir. Da» enie Lied ». oben in der H». Nr, 167. 



[174.] Ein anders lied. 



1. Mag ich unglückh nit wider- 

stan, 
mues hoffnung han, 
es soll nit allzeit weren; 
manicher treibt yetzt großen bracht, 
5 wirt hochgeacht, 
und gschicht mit deinen eeren; 
wann er die gnad 
von Got nit hat 
das er bedecht 
10 was ime gebrecht — 

alle ding thun sich yetzundt 
ver kheren. 



|126»>| 2. Recht will ich richten yetz 

mein sach, 
doch thue ich gmacb, 
hab eben achtung uf mein schanzen; 
15 thue nit der gleich wie es mich 

angee, 
doch wolverstee 
ich schalkheit und finanzen, 
die sie stets treiben, 
voll untreuw bleiben 
20 gegen irem herm, 

den reichen werden, 
sie selbst muessen danzen. 



CUCXIV. 

3. *Alles dings ein weil' ein Sprichwort ist, 
derselbigen frist 
25 ist noch wol zu erhellen; 
geduldt vi] Sachen uherwindl, 
sie seind zue geschwind! 
yetKund zue disen Zeilen; 
derhalben ich 
30 will leiden mich 

mit meinem herrn 
ganz willig und gern — 
glückh zue uf unser Seiten 1 




Mi*! 3. werden. 21* /i*«; de« reigen wem ii L wäliren, 

Fvrster I (L552) Kr. 6f in 3 Str. Akrostichon Ma— ri— a; ^ehr abweichend. — / t02i 2. doch 
boüauug hao. 3, weren. 4. ManehBr treibt jt^tind groasen bracht. 6. gHchicht als mit 
9. u. 10. gedecbt, waa jm entprecht. 11. al] diug thun sie verkereo. 12^ Bicbt wie ich 
wöll, yet« all mein sach. 13. so thu ich gmÄch, 14. wart eben meiner Bchantzen. 15. gleich , 
ale mich. 16, darbey versteh. 17. jr vntrew vnd ünantzen. 18. triebn. 20, gen. 21. des 
lejeti weren. 22* Doch mäasens selber tantzen. 23. All diDg. 24. der selben frist. 25. gut 
EU erpeTten. 27. so gschwind. 28. wollen nicht mich hülffe zu Eeyten. 29 u. 30. dArunib 
wii ich, aneh aUzeyt mich. 31 u. 32. herni, willig. 33. auff meiner eejten. 

Oas^enii. u, iUuit&ri Nr. 31 nur d. erste Sir, 

6iM. LtediT tt. Bioimen 1545 Nr. 11 ist -? Str. Akrostichon Marin. 

FL Bi. Ye 2811 Zwey schöne lieder/ein | geietüchfi Tnd ein weltllehs/von der Kfi- | nigin 
von Hungern, Das erst / in dem | tbon / Vngnad beger jch nicht. Das an- 1 der / im thon / Es 
wonet Heb bey liebe. {Bildehen, Am Schluß:) Gedruckt iii Nürnberg dureh | Qeorg Wächter. 
(4 BL S'^o. J: Rwckt. dm leisten BL ker.) L Mag jch vnglück nicht widerstan .,. S Str. Mari». 
Die heiden zur Bezeichnung der H'ewre herungeeogenm Lieder *. ffs. Nr. 65 i*. 13 f\ Georg Walter 
KerfetMer des LitdeM Hm. Nr, /4^. 

Ye 2815 Twe schöne Lo'|de/Van der ESniginnen van | Vngern/Frouw Maria vnde 
erem ] Gemahl Köninck Lndowicby Vnd© ys d&t | Erste ym Thone / Mach ick vnge- | lÄcke nicht 
wedderstan, | (Bildciten) | Noch ein schien Qeistlick Leedt / | Im Thone/Ach Godt wem j schal 
ickt klagen, (Am Scttkifit) Gedrücket tho Lübeck / dorch [ Johan Balhom. (4 BL S"" o. J. 
B\ick%. des l^len BL leer.} L Macb ick vngelüeke nicht wedderstan . , . 3 Ä>, Maria. 

Frankfurt a. M., AacL germ, L 522 St. 2^t Zwej hübsche newe liederj Straßbarg o. J. 
1. Mag ich vnglück nit widerstan . . . S Str. Maria- 

Weimar, Sammelb* Sl 3H Zwey newe lieder / das J erste / Gut Reyter bey dem weyne saö. | 
Das ander /Mag jch vnglück nicht | wider stan/güt hoffnnng bau. {Bildchen, Am Schluß:) 
Godmckt ^u Nürnberg | durch Kunegund | Uergotiu, (4 Bl. H^ o. / Hücks. des ersten u, Imten 
BL teer,) 2 in 3 S^. Maria. 

Lond&n 11522 df 15 Zwey newe lieder / Das | Erste / Künig ein herr ob allem reych. | Das 
ander / Mag jch vnglfjck nit wi- 1 deraian / gat hoffnung han. | Noch ein ander Lied / Gut 
Reyter | bey dem weyne saß. {Bildchen. Am Schluß-.) Gedruckt z\i Nürnberg durch | Georg 
^^' achter. (4 Bl. S<» o. J, Rucks, rfe« kUten BL leer.) 2 in 3 Str. Maria. / in 3 fünfzehn^. Sir. 
Akrostichon Kunlg Ludwig, 

VgL noch den xu Nr, 9U d. Hs. angeführten Sonderdruck der Dartastädier HofbiUioU^ und 
nocfi einen zweiten am demetlben Sanntelbande: Centralbiatt f Bibtiotheksw. 12^ 12$ «. 130. 

Detitictio T^t« a«Ji MltteUttem T. 13 



194 CLXXIV. CLXXV. 

fTtfdfccnMvel 1841 S. 844\ III 1870 S. 118—120 Ar. 156—159; C. F. Becker U S. 11\ GoetUke- 
TlMn. S. 202; & v. LOiemenm S. 28 Nr. 8; Böhme, Liederb. Nr. €37; LiederL lU S. 701 Nr. 1997. 

Über die 'Komigim Maria vor ümgam und die ihr sfigeeigmiem Lieder' kandeU BoUez Zteckr. f. 
d. AU. 35 {189t) S. 435/39. 



[175.] Ein anders lied. 

1. Mich badt ein jungkbfirauw seüberleich 
das ich ir ein wachtel fienge 
doheim in irem cammerlein 
und do die wachUn giengen. 

5 2. Und do ich in ir camerlein kam, 
ich fand der wachtein keine; 
ich lockht, ich klopft, ich widerlockht 
mit meinem wachtel beine. 

3. Mich bath ein jungkhfrauw seäberleich 
10 das ich ir ein wachtel finge 
doheim in irem bethelein 
and do die wachtein giengen. 

[127«] 4. Und do ich in ir bethlein kham, 
ich fand der wächtelen eine, 
15 ich locket, ich klopft, ich widerlockht, 
ich fieng der wächtelen eine. 

5. *Junkhfrauw, hab ich dankh verdient? 
die wachtel ist gefangen!' — 

*Ja, mein lieber waidman guet, 
20 dir seind aber noch zwo entgangen. 

6. Waidman, lieber waidman guet, 
du muest dein gerrlen stellen, 

die wachtl die du gfangen hast 
die hat noch mer gesellen.' — 

26 7. ^Junkhfrauw, liebe jungkhfrauw mein, 
mein gerlen ist zerbrochen, 
mir seind noch heüt zu halber nadit 
drey wachtel dardurch krochen.' — 



CLXXV. CLXXVI. 195 

8. ^Waidman, liebster waidman guet, 
30 das ist groß ungelückhe, 

khomm noch heut vor halber nacht, 
so wollen wirs wider strickhen.' 



Hs.i 2. fieng. 3. cammerleine. 8. wachtel beiior. 17. verdienet. 18. ist: verdienet: 
gefangen. 22 n. 26. gerrlen, gerlen » gernlenf Vgl 146, 12 hOrrlin; 155^ 28 hflelin. 
30. vngelAckh. 



[176.] Ein annders lied. 

1. Mach mich nit thumb, mein |i27i>] 2. Sicht dich darnach, ich laß 

kaiserin, nit ab, 

erbarm dich mein, das bit ich dich, und sollt ich kommen in große noth, 

jag mich nit aus dem herzen dein — i5 groß leiden ich durch deinetwillen 

alles guets ich mich zue dir ver- trag, 

sich, ufs letzst so leid ich gar den todt, 

5 als du wol weist so hoff ich doch 

in deinem geist du sagest ja, 

wie ich mich han ann disem ort 

gewagt daran 20 es wer ein mort 

mit geschrifllicher bit, wan es nit geschee, 

10 versag mirs nit, färwar man jhehe 

gedenkh daran on allen scherz: 

wie ichs im brief gemeinet han! das freuwien tregt ein steinen herz. 

26 3. All dise wellt ist kinderspyl, 
kein mensch uff erd ir gleichen mag, 
und weren der weiber noch sovil: 
mit der warheit ich sagen will — 
hilf, glückh, und rath, 
30 lauf nit zu spat, 

das ich zue ir 
mög kommen schier 
wie ichs beger — 
ein graf ich were — 
36 imm ABC 

der zehent buechstab thuet mü: wee. 



AkrotOehoH Ma— ri — a. 

13 ♦ 



196 CLXXVIL 

[177.] Ein annders lied. 

1. Nun schauw, mein giiickh, [m^] 2. HSluckh, hoer mich auch: 
wie hejrmisch döckh er ist dn ganch, 

die mitreuw voll — ein alter narr; 

du merkhst mich wol — ob ich dann spar 

6 stets gen mir treibt, so gros lid) an im 

kein stundt sie bleibt und darnach nimm 

bey mir in freäden; was er mir geit, 

der Teufe] tregt doch nit lang peut 

das ander jhar, bis ich den findt 

10 das nimbt sie wahr S5 dem idis bas gündt, 

und hat inn lieb; schad nit ein har: 

was ich ir gieb, er ist förwar 

das theilt sie aus, rin allter Hanns, 

mir thuet der graus — het ich des bans — 

15 drumb, glfickh, hilf mir drein oder so drumb, glückh, hilf mir ab meines 

draus! — mans.' — 

3. 'Ich hab gehört 

clag und anntwort — 

nu felds daran 

das du, guet man, 
35 mich glückh nit hast; 

drumb billich las 

als die fort wandern 

und sich ein andere; 

deßgleichen ir 
40 getreuwet mir, 

ich mein nit den, 

ir wist wol wen, 

dem sprecht nit nein — 

pein über pein! 
45 wer das glückh hat, der fuert die praut heim.' 



Hs.: 13. mit. 28. pent hier = beit, d, t. toorte, harre. 

A. V. Aich Nr. 61 1 1—3. Nv schaw mein glnck. wie heimlich duck, der yntrew vol. 
5. dreibt. 7. frend. 8 — 11. der dofel treit. als ander dar. der niempt sie war. vnd hat 
•ie lieb. 14 a. 15. mir ant der graaß. drumb gluck helff mir drin oder drauß. 18 u. 19. vnnd 
alter nar. ob ich schon spar. 21. dannoch. 23. vnd nit lang beytt 24. fund. 25. dem 
ich es gund. 29. branß. 30. darum b gluck helff myr ab des mans. 33. vnd leit nur dran. 
36—45. drum wil du last, fürbaß wandern. s6ch ein ander, deßgleich du fraw. mir aach 
so traw. ich mein mit dem. du weist woU wem. dem sag nit neyn. beyn vber beyn. wer 
glnck hat der f&r die braut heim. 



CLXXVIU 


CLXXVIII, 197 H 


Sätw S. t53. 


■ 


Btm. Zuersi spricht ein ungiucktichtr Ehemann und beklagt äck hei der Qiückig6ii%n\ dann ver- 


teidigt sich die Frau t/egen die Vorwürfe des Männrnt detien Lie&e ^ie nicht erwidern kann und von 


dem sie gern befreit sein mochte; darauf erwidert aU angerufene Schiedsrichterin dm GBck und gibt 


dem Manne den Hat, die Frau laufen zu lassen und «ich mne andre zu suchen^ desgtmhen der Frau^ 


getrost ihrent Herzen zu folgen und sich dem GtMten iJtrer WaAi nicht zu versagen* ^^^^ü 


[17Sb] Ein anders lied. ^^^| 


L Nu wollen wir beschau wen 


4 Ein kind hab ich getragen, ^^^| 


und also heben an 


ehe ich kam zu meinem mann: ^^H 


von einer magdt und frauwen, 


30 ich yetzund dir thun sagen — ^^H 


theten beyeinander slan; 


es weis noch niemandls darvon; ^^H 


6 die magt die waynet sere, 


do ich ihet widerkommen, ^^^| 


beiriebt wam all ir syn: 


verdingt mich in ein ander haus, ^| 


'verlorn hab ich mein ehre, 


mein mann meint ich wer fromme, ^M 


ich krieg sie nimmer mere, 


35 zue der ehe het er mich genomen, ^M 


ich gee mit einem kind/ 


ee ehr mich ganz lert aus. ^M 


10 2, Die frauw sprach: 4ch dich 


5. Das harrbandt thet ich tra- H 


frage^ 


H 


wan bistu kommen zu fall?' 


bis man den kirchgang thet; ^^H 


die mag! sprach: ich dir sage, 


da sich endet der tage, ^^H 


es geschach mir in eim staK — 


40 man mich füeret zu be^, ^^H 


an einem abentdanze 


do thet ich schreien sehre ^^H 


15 da machet er mich voll» 


und sprach: ^^wer ich darvon!'^ ^^H 


durch seine allofanzen 


da das mein man erhöret ^ ^M 


verlor ich meinen kränze, 


das mich reuwet mein ehre, ^^^| 


wie ich dir sagen soll* — 


45 fieng er zu waynen an, ^^^| 


[128b] 3. 'Die leng kanstn nymer blei- 


6> Sollt einer yetzund sagen ^^H 


20 ich gib dir ein guelen rath: [ben — 


ich het wider ehr gethan ^^H 


sprich^ dein vaüer Lhue dir schreiben 


und het ein kind getragen, ^^H 


und lig wol an dem lodt, 


das es erhöret mein man: ^^^| 


zeuch hin und hall dich besser 


50 es wurd sich änderst machen, ^^^H 


und bleib ein gueiweil aus; 


er holt mich ganz vor fr um, ^^H 


26 wann du dann kombsl herwider, 


die leüth macht er offt lachen ^^H 


dein kind leg elwo nider, 


wan er redt vonn den sachen ^^H 


ding in ein ander haus. 


wie er mir mein niagthom nam.' ^M 
8. mer. 10, frag. 12. sag. 13. at&Ue. ^^H 


Hb.: h Regiäter wir; wunder: befichawen. 


17. verlorn. 40. betthe. 4L eehre fthlL 45, 


er; ftDi sn. §3. dm fsMi. ^^^| 



19B 



CLXXDL 



CM« 



[179.] Ein anders lied. 



1. *0 wie lang 
bab ich gewart! 
ich meint dn sobt nit sein kom- 
kom beot za mir, [men — 
5 of tfane ich dir 

die thär wol inn dem garten, 
halt stilU hatt leis, 
damff leg dein Tieis 
das dn ntt werdst uberladoi; 
10 ob mann midi spur 

das ich Terlör 
mein weiblich ehr, das brecht mir 
schaden/ — 



35 



2. *0 einiges ein! 
dn bist die rbein 
IS die ich altzeit trag im berxen; 
tut mein es sey 
ein schimpf darbejf 
das ich dn andere thoe 



schen- 



wQtn als idi, 
90 so hastn midi 

m lieb gant überwunden, 

behalt du ja 

du waist wol wa, 
so wirt mein heix umUHinden.* — 



3. K) kleffers pfeil, 
wie seind sotO 
die mich aUzeit thun schiefloi! 
dann niemants zwingt, 
kein nutz nit bringt, 
90 das waßer das mues fließen; 
wef ist der man 
der ziehen kan 
eim yetlichoi Tatter sein kinde? 
das thuet der todt, 
36 mir ist nit not 

das ich mich solber Sachen underwinde.' — 



Es.: 9. mt fekü, 15. im hertzen trag. 17. darbej/eAlL 20. in lieb ganz /'«Aft. 33. kind. 
86. Toderwindt. 

Hi. 1568 Ar. 121: 



10 



Janckfraw. 
1. 'Ach Gott wie lang 

stehe ich im schwang! 
ich meint da wolst nit komen — 

kam hindtt za mir, 

aof tha ich dir 
dannitt nitt werdt Temommen; 

in stiller weiß ^ 

darann ker fleiß 
das ich nitt werdt aberladen, 

das man nitt spur 

das ich yerlair 



Der Jangelinck. 
2. 'Ach einiges ein! 
da bist allein 
15 die ich stets trag im herzen, 
nicht mein das sei 
ein schein darbei 
ob ich mitt dir will scherzen; 
wilta als ich, 
SO so hast da mich 

in liebden ganz aberwanden, 
Terhell aach das 
da weist woU imu, 



mein weiblich ehr, das bracht mir schade.* so ist mein herz in liebden gebunden.* 



CLXXIX. CLXXX. 



199 



Die Janckfraw. 
25 8. *Ach kleffers pfeil 

und der so fill 
die dich akeit thun Bcheissen! 
der ein der spricht, 
der ander jagt, 
30 das wasser thatt sich fleissen; 
wa ist der man 
der zehen kan 
eim andern seine kinder? 

kundtt irs, so thuitz, 
35 mir ist nitt nott 

das ich mich des anderwinde.* 



Der Jungelinck. 
4. 'Ach unfals nidtt! 
mus ich der zeit 
meins glucks alzeit erwarten? 
40 wiewoll zur stundtt 

mir wirt vergunt, 
stehet allein in Gottes handen; 
der dem wiederstrebt, 
nicht lenger liebt 
45 dan die blomlein auf dem felde, 
so baldt vergeitt, 
nemant vergeitt, 
das merk ein ieder gar eben.' 



H$.i 4. hindtt« A6«nt 23. So du woll weist. 44. liebt = lebt; vgl, zu Nr, 184 H$, 157 5 Z.25. 

Qantfih, u, Beutterl, Nr. 3 Ach Gott wie lang hab ich gewart, ich meynt du wolst nit 
kommen . . . nur die erste Str. — 56 Lieder Nr. 54 lieb wie lang steh ich im zwang, ich 
meynt du wölst nit kommen . . . ebf. nur d erste Str. 



[180.] Ein annders Med. 



1. 



mein 



scheidens not, 
kumbst nit zu spot 
herz und gemuet zuer- 
mit deiner gwalt [schrecken 
5 so manigfallt — 

schaiden in allen eckhen! 
wo mich umbsich, 
scheiden krenkt mich, 

scheiden sich thuet neigen; 
10 reit ich färs thor, 

schreib ich darvor: 

^glaub mir, mein herz dein aigen!' 

25 



[I29bi 2. freüntliches S, 
ich nit vergess 
15 was scheiden mir thuet zeigen; 
do wo ich bin, 
do schreib ich hin: 
^glaub mir, mein herz dein aigenl' 
es ist nit nein, 
20 darumb ich kein 

ja zureden sollt beschweren, 
und solt schön ich, 
glauben sicherlich, 
ein stund der flügen weren. 



3. Noch eines mich nert, 
das machts erwert — 
glaub auch muest sonst verzagen — 
ist dwiderfart; 
ach S so zart, 
30 solt ich dirs nit genueg clagen, 
so wirt gefreuwt, 
wiewol ich scheid, 
soll dich keiner übersteigen, 
und lebt ich zwar 
36 ja tausent jar, 

soll sein dein herz mein aigen. 



200 CLXXXi. CLXXXii. 

[181.] Ein annders lied. 

1. wexel, gesell, das ist dein art: 
wo lenger wo besser kanstu das — 
du will kein steile lieb han, 
darumb will ich dich fahren lohn; 
5 *fahr hin, farhin' ist all mein syn, 
an deiner lieb ist deiner gewyn, 
vil besser zu scheiden dan lang zu beiten - 
uf meinen aid: 
zu scheiden bin ich ganz bereit. 

10 2. Deines'/ liebens ich nit warten will, 
wann ein ander kombt, schafiFt sein gewyn; 
ich het dich lieblich außerkorn, 
treuwe dienst sein [130^] an dir verlorn, 
das schafft das du kein lieb erkenst, 

16 darzue bistu auch vil zu stolze; 
hett ich gethan nach deiner beger, 
so wer ich werd, 
ist zeit das ich mich von dir keer. 

3. Mir ist zue dir als dir zue mir, 
20 merkh, freundt, wie ich mich von dir keer, 
das haben dein böse list gethann 
das ich dich nit mer achten kan, 
das Schaft dein boßheit, deine arge list 
darab du ein canzler bist; 
25 wer dich kennt, der kauft dich nit — 
ich bins bericht — 
zeuch hin, gros lieb verseüm dich nit! 



H%r, 1. gesell: gesell: das. 

Dasselbe Lied noch einmal oben, Nr, 69, ebenfalls in 3 Str. 



[182.] Ein annders lied. 

1. R, einiges bild, das schaft dein zucht, 

inn eeren milt, o edle frucht, 

wie thuestu mich so gar krenkhen? das ich dein nit kan vergeßen, 

wann ich gedenkh lo wann du yetz mich 

b der alten schwenkh, so innigclich 

so will mir mein herz versenkhen; mit deiner lieb hasst beseßen. 



CLXXXII. CLXXXIII. 



201 



2. Einiges ein, 

dich ich yelz mein, 
15 das kanstu wol erwegen; 

mein schätz und hab, 
kein lieber ich hab 
yetz zu diser zeit uf erden; 
du weist auch schon 
20 on argen won 

das dirs mein herz nit kundt per- 
ich hoff auch doch [gen, 
es werd und noch 
bleiben ewig und nit ergan. 



|i30b] 3. Güetiges herz, 
26 on einigen scherz 

khundt ich dir yetz offenbaren 
meines herzens pein, 
wie ich dann mein 
30 ich werd wider zue dir fahren; 
will ich aißdann' 
das best ich khan 
dich der ding gruntlich entscheiden, 
ich bin dir holdt 
36 vor alles golt, 

mein herz gib dir ganz für aigen. 



4, Leben bey dir 
wer alzeit mir 
ein gros sonderlicher woUust, 
40 dann tag und nacht 

ich stetigs tracht, 
und ist doch alles gar umbsunst; 
wenn aber ich 
kondt wünschen mich 
45 in deine schneweiße armen — 
seidt doch nun das 
on neid und haß 
nit kan gesein, mües Got erbarmen! 



Ei,: 24. ergen «= ärger werden? 



[183.] Ein annders lied. 



1. So wünsch ich ir ein guete 

nacht 
zue hundert tauset stunden; 
wann ich ir lieb erst recht betracht, 
ist mir mein leid verschwunden; 
5 wann ich sie sich, 

so erfreuwt sie mich, 
sy hat mein herz beseßen; 
darumb ich ir 
mit steter begir 
10 und khan ir nit vergessen. 



2. Inn rechter treuw ist sie mir 

Heb 
der ich mein treuw hab geben, 
zu dienen ir mich stetigs [i3i>] üeb 
dieweil ich hab das leben; 
16 wann sie hat mich 

so gar lieblich 
mit irer zucht gefangen; 

keins menschen freüd 
mir sie erleitt, 
20 nach ir steet mein verlangen. 



202 CLXXXliL CLXXXIV. 

3. Ann alles falsch so will ich sein 
bis in meins lebens ende 
gegen der allerliebsten mein, 
von der ich mich nitt wende; 
25 mit seuftzen clag 

ja nacht und tag 
thuet mir mein herz bekrenken, 
darumb ich hoff 
sie werd mich doch 
30 inn ir herz versenkhen. 



H%,\ 13. zadiener. 21. Ann == an «» on, d. t. ohne, 23. gegen fehU. 

Fonter I (1552) Nr. 130: 3. So ich. 4. ist all. 5—7. Wenn, sich, erfrewt sie mich, 
hat mir mein. 8 n. 9. dramb ich in meinem hertzen brinn. 12. mein hertz. 13. jr, ich 
mich stets jeb. 20. nach der mich thnt verlangen. 21. On allen fabch wil ich da sein. 
22. biß an. 23. Gegen der aller liebste mein. 26. auch nacht 27. sie mir mein herts thnt 
krencken. 28—30. danimm hoff ich, sie werd doch mich, in jr hertzlieb versencken. 

Ochsenk/ntn 1558 Bl. 79b in 3 entspr. Str. Meüand 1575 Nr. 86 nur d, erste Str. u. e. «o. 

Es, 1568 Nr. 49 u, s. w. 

Das Lied ist nicht mu verwechseln mit einem gew&inUch ebenso, hier in der Es. midb befindUckemj 
aber anders beginnenden Liede, s. oben Nr. 20. 



[184.] Ein annders lied. 

1. Sy hat mir mein herz ge- 2. Wer mir unkhunt ir hulde, 
die raine, wolgemuet, [troffen, lo das wer mir sicher laid — 

zue ir so will ich hoffen, red ich uf all mein schulde 

mein sach soll werden guet; und schwer bey meinem aid, 

noch liebet mir die eine das ich bey allen meinen tagen 

wol inn dem herzen mein — irs dienens nie verdros, 

als ich sie . . . maine, 15 das thue ich vil armer clagen, 

ir diener wil ich sein. mein unmuth und der ist gros. 

3. Der hoffnung der ich lebe, 
sie hat mich offt ernört, 
will sie mir kein trost mer geben, 
20 vor leid werd ich verzert, 

vor alle freüd uf erden 



vil glückh und alles heil. 



Es.: 9. vrkhant. 22 a. 23 fehlen. 22. daran hat sie den theil? 23. des wünsch ich der 
vil werden? 



CLXXXIV. CLXXXV. 203 



H$. 1575 Nr. 16: 



1. Sie hatt mein herz getroffen, 3. Noch will ich tzn ihr setzen 
die reine ist wolgemaeth, herz, maeth and alle mein syn, 

zu ihr 80 will ich hoffen, ich hoffe sie wirt mich deß ergetzen, 

eß wirt noch allzeit gadt, 30 machte ich stedes bej ihr sein, 

5 sie liebet mir die reine stedigleichen bej ihr zu bleiben 

woll in dem herze mein, and nnmmer von ihr getan, 

sie ißet und die ich meine, mein nnmaeth maß sich wenden, 

ihr diener ich will sein. mein trorent maß sich Ihan. 

2. Wehr mich unkandt ihr halde, 26 4. Der hoffhongh der ich liebe, 
10 daß wher mich warlich leidt, die hat mich offt emert, 

daß red ich woll auf mein schalde wirt sie mich keinen trost nicht geben, 

and redes bej meinem eidt, so werd ich bald vorzert, 

daß mich doch alle meine thage and alle mein trost aaf erden 

ihres dienstes nie vordroeth, 30 daran hatt sie den theil, 

15 daß maß ich armer helt klagen daß wansch ich der allerschonesten 

meinen kammer and große nodt. viell glacks and alles heil. 

Vgl Archiv f, d. neueren Spr. 111 [1903) S. 16. 



[131b] [185.] Ein anders lied. 

1. Seelig ist der tag 
der mir solh glückh vergönnet hat 
und hat geholfen mir, 
herzallerliebstes medelein, zue dir. 

6 2. Ich dankhes der stund, 
darzue, schons medelein, deinen rothen mundt; 
die antwort gab sy mir so bald 
recht wye es mein herz nur haben wolt. 

3. Die fra^ mich nicht gereuwt, 
10 wiewol auch vil der bösen leüth 

uns solh glückh vergönnen nicht, 

schadt nicht obs gleich uns beiden geschieht 

4. Halt dich nach mir 

wie ich auch, herzallerliebste, nach dir, 
15 bis das do kombt die zeit 

die dich und mich, herzallerliebste, erfreuwt. 

5. Ob ich gleich nicht bin bey dir 
und du, herzallerliebste, von mir, 

so gedenkh das widerkommen hat gemacht 
20 das ich keins scheidens nie habe geacht. 



204 



CLXXXV. CLXXXVl. 



6. Hallt dich nur steet und frey, 
vor Gott bewar auch dein ehr darbey, 
bleib fromm und thue es auch treuw bey mir, 
ich will bald widerumb kommen zue dir. 

26 7. Ann dich, herzlieb, vermag ich nicht 
das ich des liedlen hab gedieht 
und hab dirs [132*] zum neuwen jhar gemacht — 
aide zue hundert tausent gueter nacht! 



H».: 9. fraaw. gereuw. 21. fromm gebessert in frey. 
Dasselbe Lied noch einmal in ähnlicher Fassung Nr. 97, s. oben. 



[186.] Ein anders lied. 



1. Von deinetwegen bin ich hie 
herzlieb, vernimm mein wort! 
all mein begir stet stets zue dir, 
daraus treib ich khein spot; 

5 laß mich der treuw genießen, 
dein diener will ich sein, 
thue mir dein herz aufschließen, 
schieis mich, herzlieb, darein. 

2. Inn meines buelen garten 
10 do schmeckhets alzeit wol, 

darinn sie mein thuet warten, 
mein herz ist freuden voll — 

die edlen rößlein brechen, 
dan es' ist an der zeit; 
15 ich hof ich wöll erwerben 
die mir im herzen leüt. 

3. Inn meines buelen garten 
do steen zwey päumelein, 

das ein das tregt mustaten, 
20 das ander negelein; 

mustaten und die sein süeße, 
und negelein die sein re/7, 
die geh ich meinem buelen 
das sie mein nit vergeß. 



— 25 4. Zue meines buelen seilen 
do stet ein gülden schrein, 
darinn da lefit beschießen 
dein herz und auch das mein — 
ach Gott, hett ich den schlußel, 
30 ich tcürf in inn den Rhein, 
er sollt mir nimmer beschlißen 
das jung frey herze mein. 

[132b] 5. Zue meines buelen füeßen 
do stet ein brünlen kallt, 
35 und wer des brunnen trunken thuet, 
der jungt und wirt nit alt; 

ich hab sein oflft getrunkhen 
so manchen stolzen trunkh — 
vil lieber wolt ichs kußen 
40 meins buelen roten mundt. 

6. Der uns das liedlen neuw ge- 
von neuwem gesungen hat, [sang, 
das haben gethan zwen Studenten 
zue Freyburg in der statt, [guet 
45 sy habens so wol gesungen 
aus frischem, freyen muet, 
sie seins wol innen worden 
was scheiden von der lieben thuet. 



Hs.i 22. vonn. resch. 29..8chlaßl. 80. rfief. 33. füeße. 




CLXXXVi. CLXXXVH. 

B^rgr. Nr. 47 [NeiidK99/iÖ0 S-98): I 3. all mein boffnnag setz ich zu dir. 6. dein »töter 
diener ich a»y. 9. dein eigen ich wil mm. 

II. Sie hf&ben une beide b^logan, 
dag weiBtu herzlich wol, 
das habea die falschen klefier gethan, 
die aeiod uns beiden nicht holt; 
wir wollen yns widder vorgelden 
du mein edeler echatZj 
erst wil ich dich Jiab haben 
dem kleffer zu neid und has. 

/// {^= Hl, 2] 2, do stehen viel edler dcbmack. S u. 4- wolt Qott, solt ich ihr warten, 
das wer meins bertzen krön. 7- ich traw eie wol zn erwerben. 8. mir am* / V (=^ H*, 3) 
2. stehen. 3. eine tregt« 4. ander die. 5. mnschkaten die. 6. die negelein die aeind 
fr lach, 7. meinen feinen bufn. 3. das er mein nicht vorgiat V (= ffi. ^) L füasen. 3. wer 
deB brünleins trincket 4. iunget. 5. doran» hab ich getnincken. 6. gar manchen. 7. ich 
mir wünschen. VI (^ Hm, 4) 1. Zu meines hnJen haupte. 2. do leid ein gtildener acbrctn. 
'6. darinnen do leit verschloeaen. 4. das iimge hertze mein. 5. wolt Gott. schlUssel. 
6. ihn wol yn. 7 u. 8. wer ich bey meinem feinen bulen, wie kond mir bas gcsein? 
VJI 1. Und der uns diesen Reyen sang. 2. so wol gesungen hat, 3. swen hauer. 4. zu 
Freybergk. 5. haben. 6—8. bey met vnd külem wein, darhey ist gesessen der wirttin 
töchterlein. 

GS Lieder, Nürnberg o. J. (vgl Güedeke 11^ S, iO) Nr, 2i m 3 Sir, Dauhmann, Lkdkm, 
Kfmg*perg 155S (vgl. Qoedike 11^ S. 40) Nr. *? rn 7 Str. * (Pteufi. Pro^nmolhlmter, andere Folge 9, 
IH.>6^ 265)', Seandeäu^ 1578 Nr. 12 nur d. erste Sir. 15H2 A 5G u. «. lo. 

FL BL Berlin^ Frankfurt a. 3L^ Zürich, Lotid&n u. s. iti, 

Vai. Botü Ha. 1526 {Nürnberg, Germm. Nationat-Muaeum) BL 160^ in ^ achtt, Str. 

Berliner N». 1574 Nr. 5h, 1575 JW. 5 t u. ». w, 

Nicolai, Mmanach 11 (1778) Nr. 7; Wttnderhorn / (iSOfi) S. 212\ Oörrei S. 91 ; Uhland Nr, 30\ 
a F. Becker III (1863) S, H (Die brunnen die da fließen . , . 7 Str.); Simrock S. 262 (Bei 
meines Buhlen Haupte . , . 5 Str.)\ Hof mann, Findlinge S. 116 (Wenn alle Wasser flies«en ,, * 
5 Str.)'^ MiMler S. 504 Nr. 6f;2, vgl. S, 565 Nr. 786; Goedeke-Timi, 8. 56-, Ä, t\ Liliencrm S. 2m 
Nr. 93; Rmch S. 94-, Böhme, LiederL Nr, 135; LiederL II S. 245 Nr. 428, vgl. II S. 283 JVr, 4$L 



[187,] Ein annders Hed, 



10 



1. Von edler art 
ein freuwien zart 
bistu ein cron 
der ich mich han 
ergeben gar — 
glaub mir für war: 
das herz in mir 
krenkt sich nach dir, 
drumb ich beger 
uff all mein ehr: 



2. Wie ich im thue, 
hab ich kein rue 
on dein gestallt 

15 die mich mit gewalt 

gefangen hat; 
herzlieb, gib rath 
des ich doch mich 
zue dir versieh 

20 inn hoffnung vil, 

nit mer ich will, 



hilf mir, ich hab nit trostes mehr. allein setz mir ein gnedigs zyl! 



206 



CLXXXVB* CLXXXVH. 



ri33>i 



25 



30 



3. Seit du die bist 
gen der mieh giöst 
nit braocfaen soll, 
das waista wol 
on allen sdien, 
will mir dein herz 
inn trenwen sein, 
daromb ich dein 
kein stondt imm ta? 
▼or iaid Und elag 
ans rediter lieb yergefien mag. 



Feintet l (/ii^) Mr. ^: 2. aaeh rein Tiid lart. 9. daramb ieh gar. la dein ekr. 
14. deinr gstah. 15. gwalt 23. der bist. 24. gen dir idi li^ 28. dir mcTii. 

VfL Fonter V 20 (Str. 1 m, 2\ 21 (mmr Str. i). 

n Bl, Yd 7801 SL 61-, Yd S^SS. — Zmidttm XXX, V, 20 St S, nmi Ued^ m. O. m. J, 
Z YoD edler tat, ^ St 31 Sdumer lieder drej, Erffort 1529. 3w Yonn edler art. 

Es. iSSS Nr. 22 9,9, w. 

Wmdkemmgd 1841 S. 8S1; C. F. Becker, Lieder «. Weieem {18S3) I S.4 u.$.w. 



[188.] Ein annders lied« 



1. Unfal will yetzond haben 

recht, 
das wili mich wol bedenkhen, 
stet gegen mir Til arme metz, 
yetz scheiden hat mir gewunkhen, 
6 das andt mich seer, 

o gläckh, verkher 
das scheiden ich nit mag daTon, 
dann sonst ich Terdirb, 
im eilend stirb 
10 wo mich nit tröst mein ainiges Y. 

2. Ob Unfall ye will Geben sich, 
so ich dich, mein schätz, mues 

meiden, 
den ich mir erwölet hab stettigc- 

lieh, 
das mues ich yedoch leiden; 
15 wann es mit g wallt 



hat sein gestaut 
darumb ichs so hart zu herzen 

nenime, 
ach höchster bort, 
mit einem wort 
20 trost mich, du mein herzigs Y! 

3. SoS es dann ye gescheiden 

sein, 
so woll es glückh doch wallten, 
so bitt ich dich, herz liebster mein, 
thue dich stet gegn mir halten; 
25 dann urlaub ich 

nit gern an dich, 
ob ich nit bald wer widerumb 
[133*1 kommen, 
so gedenkh du mein 
gleich wie ich dein, 
30 trost mich zuletzst, freuntliches Y! 



Es.: 3. Uee: knecht; öeeeUeehiertausch nicht eeäen im voOutüwäieke^ Oeearngt, 7. ich feklL 
10, 20 o. 30. Y? V? N? 21. So. 23. lie»: herxUeb«te, 



CLXXXVlil. CLXXXIX. 

F&fUtr I {1552) Nr.72i 2, das thut mich wol bedancken, 3, stets, armen kDecht 
4. d&DD scheiden wil mk winckeu« 7 u. 8- dz scheiden nit mein h^rtz zerklemi flunit ich«. 
10. mein hertiEigs M. 12. dfts ich mein oehaU* 13, ich erweit häb. 14 je doch. 17. dromb 
iehs gar hart su hertzen nymm, 20. trSet mich mein aller liebites M. 2L Sol es. 
22 Q, 23. walten j. Ich bitt dich alter liebste mein. 24. gen« 26. jetz ger an dieb« 27 u« 2S* ob 
ich so bald nit wider kem^ gedenek doch mein. SO. M. 

VsL Goedeke, Grundriß //* S\ 27: Seh§ffer 15 i3, 

Goedeke-Tiümann, Liederbuch ata d^ tß. Jah-L (1867) S. 5i (nach Forüer). 



[189,] Ein annders lied. 



1, Wo soll ich mich hinkeren, 
ich armes brüederlein? 

wie soll ich mich ernehren? 
mein guet ist vil zu dein — 
& als ich ein wesen han, 
50 mues ich bald darTon, 
das ich heur soll verzeren, 
das hab ich femden verthan. 

2. Ich bin zufrüe geboren, 
10 und wo ich heuwr hinkhomm, 

mein glückh kombt erst am mor- 
gen — 
hett ich des kayserthumbj 
darzue den zoll am Hheini 
und wer Venedig mein, 
lö so wer es als verloren, 
es muest verschlemmet sein* 

3- Mein guet will ich verbraßen 
mit schlemmen fme und spat, 
ich will den sorgen laßen 
20 dem es zu herzen gat; 

was hilft mich das ich spar? 
Tilleicht verlier ich.t gar, 
solt mirs ein dieb auß tragen, 
das reuwt mich noch ein jar. 

35 4. Die vogell laß ich sargen 
^egen disem winter kalU, 
will mir der wirt nit borgen, 
mein rockh gib im zu pfandt, 



die gippen auch darzue, 
30 so hab ich weder rast noch rue 
den abent und den morgen 
bis ichs gar verthue- 

[134»] 5» Drey würfel und ein karte 
das ist mein waffen frey, 

35 sex hüpscher freuwlen zarte, 
uff j etlicher seilen drey — 
ruckh her, mein schönes weib, 
do erfreu wst mirs herz im leib, 
wol m dem rosengarte 

40 dem schlemer sein zeit vertreib! 

6, Wirt, steckh an die Schweinen 
darzue die hüener jung! [braten^ 
darauf mag uns geraten 
ein frischer, küeler trankh; 

46 ach Witt, nu lang her wein 
und laß uns frölich sein — 
mir ist ein beut geraten, 
sie mues verschlemet sein. 

7. Ich henkh mein seh wert an 
dseiten, 

50 ich mach mich bald darvon, 
hab ich nit zureiten, 
zu fues so mues ich geen; 
es ist nit allweg gleich, 
ich bin auch nit allzeit reich, 

&5 der zeit will ich erwarten 
bis ich ein glückh erschleych. 



Hm,i 19. laöen soTgenn. 22, ich. 



208 CLXXXIX« 

Ber^, iSai («. d.) Nr, 27 {Neudr. 99/100 S.53): I 2. ich thames. 7. was ich sol heaer 
▼«neren. 8. fert // 1 a. 2. geporen, wo. S. kömpt mir erst morgen. 7. alles. 8. rana. 
/// 1—4 {fehlt in der H$,)i 

So wil ichs doch nicht sparen, 
and ob ichs als verzer, 
und wil darümb nicht sorgen — 
Gott beschert mir morgen mehr; 
was hülfs das ichs lang spar, 
vielleicht so verleor ichs gar, 
solt mirs ein dieb aastragen, 
es reaet mich ein iar. 

IV i — I {^sB H$. 3) 1. Ich wil mein gut verprassen. 3. und wil ein sori^en lassen. 
5 — 8. Ich nim mir ein eben bild bei manchem thierlein wild, das springt aofT breiter beide: 
Gott behüte ihm sein gefild! 

F- VII {fehUn in der H$.)x 

Ich sach auff breiter beide Kein grösser frend aaf erden ist 

viel manches blümlein stan, denn gnts leben han, 

das ist so wol bekleidet — mir wird nicht mehr za dieser ftist 

was sorgen darf ich den han? denn schlemen umb and an, 

wie ich gat nberkom, daza ein guter mat, 

ich bin noch frisch and lang, ich reis nicht sehr noch gat, 

solt mich ein not belangen, als mancher reicher bflrger 

mein herz wfist nicht darümb. noch grossem wacher that. 

Der gewint sein gat mit schaben, 
daza mit grosser not; 
wenn er sein rüe sol haben, 
so leit er als wer er tod — 
so bin ich noch frisch und iunck, 
Gott verlej mir viel der stund, 
Gott behüt mich iungen knaben 
das mir kein unmut kom. 

VIII (= H». 4) 1. Ich las die vögel sorgen. 3. mir der. 4. ich ihm bald. 5. ioppen. 
6. ich hab. 7. als den. 8. bis ich das alles verthu. 

IX (= H», ß) 1. Steck an. 3 u. 4. darauff so wird uns geraten ein guter frischer freier 
trunck. 5 u. 6. trag her den külen wein und schenck uns dapffer ein. 8. die mus. 

X (= ff$. 5) I. ein karten. 4. an iglicher. 5. kom her du. 6. du erfreuest mir mein. 
7 u. 8. solt ich heint bey dir schlaffen, mein herz das würd mir frey. 

XI (e=r ff$. 7) 1. Ich bind. 2. und mach. 3. hab ich denn. 4. zufusse mus ich gan. 
5. alzeit. 6. ich bin nicht alweg reich. 7. ich mus der zeit erwarten. 8. das glück er- 
schleich. 

Niederd. Liederb. 124 (110): Jahrbuch f. nd, Spr. 26 (1900) S. 40; dazu: 
Liedlein 1614 Nr, 60 nur d. erste Str, — Fischartj Oargantua, Kap,S „TVuncken Gespräch^: 
Neudr, S, 134: Wo soll ich mich hinkehren, ich dummes Brüderlein . . . 

FL Bl. Berlin Yd 9496, 9503, 9509. — Zwickau XXX, V, 20 Sl 26 Schoner Ljeder zcwey, 
Erffnrdt 1529. 1. Wo soll ich mich hinkeren . . . 11 Str. In demselben Einzeldruck auch Nr. 18, 
s. oben. — London 11522 df 52 Zwaj schöne | Lieder. Das Erst: | Wo soll ich mich hin 
keren, | ich thummes Br&derlein, }c | Das ander Lded. | Nar N&rrisch sein ist mein ma- | nier, 
die zubehalten ich, 7c. {Bildchen. Am Schluß:) Getruckt zu Augfpurg, durch Mat- | tbeos 



CLXXXIX-CXCL 




Wo toll ich 



11 achu, Sir. 



Francken Erben, (i BL S« o. /. RüeJu. des kiUm Bl leer,) 
Nur Närrisch nein , . . 11 dfx* Str, 

Nicolai, Älman(Uih II (1778) Nr, 14; n'^derhom FI (1808) S. 425 1 Whck&fiagä 1841 S. 849-, 
Ohiand Nr, 2lS\ Simfock S. 504^ Miider S, 821 J\^. 13S7i o, LÜktmon S. 217 Nr, 69 u. i. w. 



Ein annders lied. 
2 



[190.] 

1. Wol kombt der raay 

mit manch erlay lo 

der blüemblen zart 
nach irer art, 
erquicket das 
Terdorben was 

durch winters gewalt, i5 

des frey ich mich ganz manigfalt. 



Alles das lebt, 
sich yetz erhebt, 
des Vogels gsang 
welhes solang 
verschwygen was, 
auch laub und gras 
das gronel schon, 
derhalben ich nit trauwren khan. 



[lU^ 3. Und sonderlich 
erfrey ich mich 
heimlich und des, 
to ich wais wol wes, 

darvon man nit 
vil sonders spricht 
noch sagen soll — 
will uns glückh wol, so gets uns beiden wol 



fff.: 3. die. 

12 i Lieder 1S34 Nr, 5tf; 3. der plumleö. 4. nach seiner art. 7. 
ikh. 9. Mb das da lebt« 11* der Togelgsaag, 12, welchee vor lang* 
nit. 19. heimUchen dea. 24, wil es mir wol, so geta mir wol» 

Förster I (1^39 u, ö.) Nr. 66 in 3 entspr. Str. 

Bergr, 2574 II 2t in 3 entspr. Str. 

Fi. BL Weimar, SammelL St, 2 Schöner aufierleaeiier lieder. X, 
Hergotia o. I. 6. Wol itumpt der May . . . 3 Str. 

Londm, SümmelL 11515 a 48 St. 12 Schöner auüerleßner Lieder Zehea. Nibmberg, Valentin 
Neuber o, /, 6. Wol kuoipt der May . , . 3 Str, 

NicQhi, Almanach II Nr. li\ Q^edeke-Tütm. S, 154; Erk-Böhme, LkderL II S, 202 Nr*39L 



gwalt. B, das firewet 
16. derhalb ich auch 



Nümberg, Kunegtmd 



[191.] Ein annders lied. 

L Wach uf» mein lieb, und hör mein stimm ertdingen; 
mir liebt vor allen dingen 
der wahr allmechtig Got 
und auch dein werder leibe^ 
fi o adeliclis weihe, 
dein Innigkeit, dein liehe die will mich todten. 

D«Dliehä TtiU d«i Mlttalmlteis V. 14 



210 CXCL 

2. herziges lieb, willtu das nit erkennen? 
wie oft ich dich hör nennen, 

so erfreuwt sich mein gemüet, 
10 darzue sich ein figure 
inn derselben natura 
als ir gemüet ist geborn in meinem planeten. 

3. herzigs lieb, laß dir es geen zu herzen 
den jämerlichen schmerzen 

ib den ich im herzen trag; 
allein von deinetwegen 
wie ofift bin ich gelegen 
inn einem träum als het ich dich umbfangenl 

4. Do ich entwacht, was mir mein freüd entschwunden — 
20 als zue derselbigen stunden — 

ach Got, wes ist die schuld? 

ich weis nit umb iren handel, 

mir liebt ir [135«] zucht und wandel, 

dein weis und gebert, zue ir steet mein verlangen. 

25 5. herzigs lieb, vast soltu auf mich bauwen, 

wie du mir thuest vertrauwen, 

was du mir heimlich sagst, 

das soll bey mir beleiben, 

was du mir thuest verschreiben, 
30 das soll von mir kein falsche zung erfaren. 

6. herzigs Heb, vertrauw keiner falschen zungen uf erden,, 
gedenkh was draus mag werden 

ein innerliche clag; 
wo sich zwey mueßen scheiden, 
36 vil weger wer inn beyden 

der bitter todt, darvor uns Got beware. 

7. herzigs lieb, das hab ich dir gesungen, 
mir ist in allen zungen 

kein lieber mensch uflf erd, 
40 das lied will ich dir schenkhen 
und will mich guets bedenkhen — 
zu gueter nacht, du hast mein herz umbfangen. 



Hb.: 10. figur. 11. natar. 19. Do ich entwacht: do ich entwacht: was. 20. stand. 
30. erfarn. 36. bewaren. 




CXCl. CXC1L 



1582 A 55^ B 107 m je 5 Str. Foriter III 69 in 4 Sir. M. FraneL, Mmkal Bergkre^m 
1602 JVr. 16 in 3 Sir. 

Fi, BL Yd 7S21 {Einhttnd v. J. 1539) St 4 Vier schöner UedeT / Das | Erat / FreÄndtlicher 
gruß. Dm ander / Eid | dehBiein geyl. Dm Dritt / Wach au ff \ mein lieb. Das vierd / Nun 
grtQ I dich Oott m^in druBerlein. (Biidchen, 4 BL S^ o. 0. u. J. Rückä. du erHen u. de* ieUten 
BL leer.) 3, Wach auff mein lieb vnntl hör mein »tymm erklingen , , . I 4 u. 5. darnach dein 
werde liebe o adeüchee wejbe. 6> lieh. // 1. hertxes üeb will dm ee nit erkennen. 
2. so offt. 3. so freüdt 4 u. 5. fignre, als in der selbenn Datnre. 6. ist in. /// L hertzes 
lieb laß dir das geen zu hertzen, / V (^ Ha. S) h hertzea liöb, 2- ala du, 4. bleiben. 
6. daa aoU kein falsche zang Fon mir erfaren. 
falschen zungen auff erden. 2, darauf, 3 u, 4. 
lieb inÄßöen scheiden, 6* pitler. beware. 



V (^ Bi. 6") 1. Vertraw hertz lieb keiner 
ein jemmerliche klag, wo sich zwej herti- 



VII 



hertzea lieb, lajde will ich dich 
erget^en, 
wiewol will ich dich setzen 
inn masaen wie du wilt, 
in züchten vnnd in eeren, 
wa8 du thast von mir begeren, 
in deinem dienst 9oi sich mein leyb nit ipareti. 

5 u, 6. gute 



VL Ich hab kein raat noch rw ich klag 
dir dann mein lejden, 
das ich dich bertz lieh muß meydenn, 
das schafft Fraw Venus strick, 
hat mir mein herts ymhfang^nn, 
recht wie dea tagee morgen 
Terd ringe nn thut die edel morgenr^te. 

VIII {=^ ffs.7) 1 n. 2, bert^es lieb das lied my dir gesungenn, ich weyß in* 
will ich dir gedencken, zu gutter nacht vnd spar dich Gott gesnndt. 

Yd 9120 Vier achöoer Lieder/ Das f Erst/ Freftndtlicher grcB . . . | , . , | . , , Das vierdt/ 
Nun gr^ I dich Oot mein drnserlein. {BUdchen. Am Schluß:] Gedrfiekt zu Nl^renberg j durch 
Jobat Gntknecht. (4 Bl. S° o. J, Rucks, des ersten u. leitten BL Uer,) DiueLhen 4 Lieder^ dai* 
selbe Bildchen j in allem Yd 7S2J »o sehr ähnlich und entsprechend, daß wM für beide Heftchen die' 
teihe Druckerei vürausmatUen ist. 3. Wach anff mein lieb . . . 8 Str. I—III entspr. Es. l—3\ 
M*. 4 fehU im. Einzeldruck^ IV = 5, V = tf ; VI u. VII fehlen in der Hm. VIII = 7. 
VII 6. in deinem dienst sol sich mein lejb nit eparen, 

ZtPickati, RatssehuibibL XXX, V, 20 Sl 22 Drey Schöne Lieder / | Das erat / Wach anff 
meTn Heb Tnd h6r | meyn stjmm erklingen 3c, Daa [ ander / Nun grüß dich Gott | mein druser- 
lein. / Das drit | w erder mundt. {Bildchen, 4 BL 8^ o. 0. u. J. Rucks, des ersten u. teilten 
BL leer.) Wach auff . . . 8 Str, 

Formier III 69 Str. IV entspr. Hs. 4 t 

Do ich erwacht, was mir mein freud entschwunden — 
ach Got der jimerlichen stunden 
seid das mich Got beeehuffi 
ich weiß nit umb den handel, 
mir lieht jr xaeht nnd wandel, 
jr weiß nnd gberd, nach jr steht mein verlangen* 
Ms, iS7S Nr. SO in 5 Str. 



[192.J 

1< Was Wirt es doch 
des Wunders noch» 
so gar ein seltzanis leben! 
als yetzund ist 
6 all wellt 7oIl list, 

mit untreuw übergeben; 



Ein annders lied, 

guet wort, arg dickh, 
vjl grues, bös bluckh 
ist jetzund graein uf erden; 
10 eingunt keiner mer 

dem andern ehr, 
was will noch daraus werden! 
14» 



212 



CXCII. 



2. Will gluckh zue eim^ 
so gunt mans keim, 
15 man stellt im ein für dlugken; 
der rieht in aus 
wol nach der [135^] pauws, 
redt im nichts guets zuruckhen, 
vorlauft im den weg, 
20 all steig und steeg: 

ist yetz der brauch uf erden — 
yetzund nit mer 
dan nur jäher, 
was will noch daraus werden! 

25 3. Noch werden die 
zuzeiten ye 
von untreuw selbst geschlagen, 
wer nit ansieht 
was ime gebricht 
30 und will von andern sagen, 
von ime und dem, 
weis nit von wem: 
ist yetzund gemein uf erden 
ein solher lauf, 
35 nun schauw man auf — 

was will noch daraus werden! 



4. Wer jetz hat gelt 
in diser weit, 

den stellt man vom an die spitzen, 
40 tracht nit darbey 

wie fromm er sey, 
herfür mues er sitzen; 

gewallt, gunst und gellt 

den bracht beheit 
45 yetzund uff diser erden, 

an guet vii ehr 

gilt nimmer mer — 
was will es doch noch werden! 

5. So mues der schlecht, 
50 der fromm und gerecht 

alzeit dahinden bleiben; 
wer nit hat hab, 
ist yetz schabab * 

bey mann und auch bey weibem; 
55 Vernunft, kunst, witz 

gilt on guet nichts 

yetzund uf diser erden; 
wer guets hat vil, 
thuet was er will — 
60 was wils doch noch werden! 



[136*] 6. Wiewol die zeit 
nit außenbleibt 
weihe all ding verkÄeret, 

denkt niemant daran, 
65 nur merfortann 

ein yeder sein syn meret, 
bis das ims glückh 
alls weichet verzuckht 
alhie uf diser erden: 
70 da mues man schäm 

zum schaden han, 
es mag nit änderst werden. 



Ei.: 10. ein = en. 63. alldang erkleret 

121 Lieder 1534 iS^. (45 u.) 46 in 3 Str. Bicinia 1545 II 95 nur die er$te Sir. Forster 
I 24 in 3 Str. IV 40 Mel, u. d. erste Str. V 51 desgl. 1582 A 21, B 73 in je 3 Str. Dedekind, 
Dodekatanan 1588 Nr. 39 in 3 Str. 

R V. d, Aelst, Bhmm u, Außb. 1602 S. 172 Nr. 176 in 9 Str. 




cxcn. 



m. BL Yd 78S1 St. Si Drey Schöne Lieder, Straabing, H, Burger o. X 2, Was wird es 

doch ... B Str. 

Yd 9637 Ein ichdn New | Lied / Friach au ff io \ Gottes naraen etc. | Ein ander Lied / Der 
Weite I bracht ist hoch geacht. t Noch ein Lied / Was wird es | doch / dee wundera noch, 
{Büdchen, Jm Schiuß:) GedHickt tu Nürnberg dnrch | Ftidericb Gntknecht. (I BL 8^ ö. J. 
Rück». d€8 kl2^n BL leer.) L #. ol^m H$. Nr. 57, 

3« Was wird es doch , . . Z. 2. wunder. 3* gar. 9. gemein anff. 10. es g&ndt. 
15. einen f^ die lacken. 18- gate inn rücken, 19, die weg. 23. ja Herr- 29. jm- äO. wils. 
SL von gem. dS. gmein auff. 34. solchen. 39, yomen. 42. herfAr da muß. iG. On gat 
55. knnfit vnd wttz, 53. Wer hat gut vil. 60. was wil noch darauß werden. 63. welch 
alle ding verkeret. 64. an, 6S- als wird verzückt. 70. denn muß. 72. ea mag nicht 
anders werden. 



VIL Es ist der lanff, 

so man sieht drauff, 
75 in aller Weit gemeine. 
Vor binde rlist 
die Welt jetz ist, 

an ff" tngent acht man kleine. 
Het ich nur gelt| 
BO so wer ich ein Held, 

vnd fÄrgezogen auff erden. 

Nur aotchs man meldt, 
dem gelt n achateilt, 

wie kauB doch erger werden. 



85 VIIL Gelt ist die klag, 
daruon ich sag, 
gelt gett ist nur der handel- 
Wie man bey nacht 
vnd auch boj tag 
^ dem gelt nach mftge wandet, 
Het ich DUT gelt, 
achreit alle wett, 
nach Gelt steht^t ynscr begeren, 
Man thuet nichts 
95 nach gelt man 6cbt, 

wie kans doch erger wcj'den. 



IX. Man lau ff t, man rent, 
man reit, man sprengt, 
nach gelt stehen all jre sinnen, 
100 Im regen vnd schnee, 

auff land vnd see, 
wie man nur gelt mfig gewinnen* 
Man lest nicht ab 
biÜ in das grab, 
105 Gelt Gelt ist nur jr leben^ 
Gelt ist jr Gott 
fru vnd auch spat, 
wie kans doch erger werden. 

Fe 209 Drew schöne Lieder, a, 0. w. J, 2. Was wirt es doch - . , P Str, — Fe 4^7 Sfl« 
iede, 0- 0. u. J, 1. Wat wert ydt doch , . . ff Str. Sehlußahsaiz daiut Lath dy genÖgen, wat 
dy Godt föget . . . 12 Z. 

Wtimar^ Sammtlb. St 2ß Ein hübsch new Liede, Was wirdt es doch {9 Sir.). Nftrmberg, 
Eunegund Hergotin o. J. [2 Lieder im gafuen.) 

Mimcktn, Un,-BibL Drey Schöne Lieder, Augfpurg, M. Eamminger o, J. 2. Was wirt es 
doch . .. 9 Sir. 

Zwickau XXX, F, 20 St 24 Zwey schöne lieder o. 0. u. J. L Was wirdt es doch . . . 9 Sir. 

VffL n^h Hesfte, BücherschaiM S. 73 Nr. 1166. 

Ooedtkt-Tittmünn, Lkderbuch au» d. 16. Jahrh. S. 17 5 \ B. v, liHencron, Devf^cftes Leben im 
Volk^l. um läSO S. 9 Nr. ,?; Böhme, Altd. Liederbuch Nr. 487 h', Liederhori Ilt S. 480 Nr. 1678. 



814 



CXCIIL CXCIV. 



[l9Sm] Ein annders lied. Wie schon freuwt vns der maye, der somma* 

fert dahin . . . 

9 tkkmM. Sir. » Nr. 17. [1361»] Sir. IV 1: Mich thet mein foins Ueb leren ...Sir. VIII 5: sa 
hundert [187*] toasent gaeter nacht . . . 



[194.] Ein annders lied. 



1. Wo soll ich mich hinkheren, 
ich armes waldbrüederlein? 
untreuw thuet sich yetz meren, 
das krenkht das herze mein; 

6 Yorstatt ist mir mein claus, 
mein trost hab ich verlorn, 
der staub schlegt mir inn mein 
ich armer wo soll ich aus? [obren — 

2. So stee ich hie alleine, 
10 gedankhen thun mir wee, 

mein fireud ist wordra kleine 
uff mich und uff niemants mee; 
doch bleib ich waldbrueder vast, 
die weit ist untreuw worden, 
16 rotleit ist mein orden 
darinn ich zu rassten pflag. 



3. Hab Urlaub, falsche wellte! 
zue dem wald ich mich hinkher, 
uff schlag ich mem gezellte, 
20 krauth, wurzel ich mich erner 
bis das ich trost erwarb 
von einem medelein vil raine, 
Gott weis wol wen ich meine, 
wolt sie, so wer ich erlöst 

35 4. Auch seüftzen und kommem 
will mein geselschafl sein, 
das lied will ich ir schenkhen, 
der allerliebsten mein, 
damit sie sich ires leids ergötz; 

30 der zeit mues ich erbeiten, 
von hinnen mues ich reiten, 
mein herz schenkh ich ir zue der letz. 



H$.i 6. verlorn. 20. emere. 23. wan. 
Andrei Lied mU gleichem Anfang s. oben Nr. 189. 
Mgq 718 Bl. 21b: 



1. Wo 8ol ich mich hin keren, 
ich armes waltpmederlein? 
nntrew tatt mich yerzeren, 

zur stört sindt mir all mein pein, 
6 zu rissen ist mir mein klauß, 
ich hab mein lieb verlorfn, 
der Stab steckt vor dem thore, 
ich armer ich muß hinauß. 

2. So sten ich hie allaine, 
10 yil gedenken das tatt mir wee, 

mein frewdt ist worden klaine, 
nnn acht mein ganz niemantz me; 
das klag ich armes waltpmederlein — 
valsch ist die regel worden, 
16 mir liebet ser der orden, 
mein synn setz ganz darein. 



8. Hab nrlab, valsche weite! 
genn waldt will ich mich kern, 
darauf schlach ich mein zelte, 
20 kraut, würzen muß mich emem 
pis das mir kompt ain besser trost 
von ainem walt schwesterlein reine, 
ich waiß wol wen ich maine, 
ich hoff ich werdt erlost. 

25 4. So pin ich geraisig worden 
on stiuel und on schwert, 
mein futter sack hab ich verloroi, 
sy acht mein hewr als fert, 
sy hat mir den seckel geraumpt, 

30 das gelt hab ich verloren, 
das tutt mir leichnam zoren, 
sy hatt mirß daraoß erpflaombt 



CXCIV— CXCVI. 



215 



m. 



5. Noch will ich nicht verzagen, 
wie woll ich ganz ellendt pin, 
35 mein kntten will ich tragen, 
darein stett mir all mein synn, 
die regel ist mir nit hert, 
in ein klosterlein will ich mich geben, 
will fueren ain strenges leben, 
40 Unfall ist mein gefert. 

6, 27 u. 30. verlorn. 31. zom. 



Q&rru S. 78-, Bohme^ Liederb. Nr. 459b; Liederh. III S, 560 Nr. 1780. 



[137l>] 



[195.] Ein annders lied. 



1. Welt, er und rhuem 
das ist ein bluem 
der bald verdort, 
das götlich wort 

5 das bleibt allein 

inn ewig rhein, 
wiewol mans will vertreiben 
mit menschen kunst, 
und ist umbsunst, 

10 man mues es lassen bleiben. 



2. Wolfail sind lügen 
und menschen dantb 
damit man will 
das gottlich spil 

15 und auch zum theil 

der Seelen heyl 
in manchen weg verhindern; 
es mag nit sein, 
der götlich schein, 

20 lest sich dergstallt nit mindern. 



3. Und oflft verdirbt 
so darinn stirbt 
die göttlich schrift, 
und Wirt gestifft 

35 und uffgericht 

vil falscher dicht 
von menschen dannt erfunden; 
ein gotlos rott 
sich wider Gott 

30 zusamen hat verbunden. 



Es.: 3. den. 11 n. 12. lag: trag eu lesen. 28. red. 

[196.] Ein annders lied. 



1. Wie oflft feit uf mich neid 
und haß, 
dannocht kan ich mich tuckhen — 



wans regen wehr, 



mues haben scheäch, 
bis ich khum bas aus sorgen, 
ich schenkh nit gar, 
wiewol ich zwar 
10 der schuld ein weil mues por- 

gen. 



216 



cxcvL cxcvn. 



|18^] 2. Neidiger stich der leyd ich 

vyl, 
mit untreuw wol durcbspicket, 
als wenn beim tag abfliegen will 
ein eyl: wie bald sie erblicket 
16 der Vögel stutz, 

dan ist ir nutz 
nit besser dann zu fliehen, 

sonst wurd sie gezupft 
und aber gerupft — 
20 glückh mags wol besser fuegen. 

3. Also geschiebt mir manchmal 
gleich wie der armen eylen; 
wann es sich begibt inn gleichem 

fall 
das ich außflug bisweilen, 
25 mues ich leiden vil 

neidstych on zyl 
von mancherlay geflygel, 
färcht keins so gar 
als den am, 
30 der zerreist mir meine flügel — 



4. Und macht das ich mit Dichten 

kan 
mich in dise höhe uf schwingen, 
wiewol ich ime nichts laid hab gethan, 
thuet er mich doch hart zwingen, 
35 fleugt hoch ob mir, 

ich hofir gar schier 
werd er sich zue mir wenden 
und mich alBdann, 
dem ich guets gethan, 
40 inn sein gnad wider annemmen. 

5. Wann ich bin nit eylen ge- 
das alle vögell neiden, [schlecht, 
sonder fromm, schlecht und on ge- 
mein herz als arges meidet; [brecht, 

45 tregt wenig fär, 

wie ich wol spür: 
wer nit gelernt hat versetzen 
und khan allein 
nichts dann fromm sein, 
50 das thuen die herrn jetz leicht 

schetzen. 



H$,i 6. Ue$: Bchwer. 10. pergen. 12. darchspickt. 27. voon. 29. Aren. 50. thuebn. 



|138b] 



[197.] Ein anders lied. 



1. Wollauf, guet gsell, von hin- 
nen! 
meins bleibens ist nymmer hye, 
das ich bin worden innen, 
ist mir geschehen vormals nie; 

ich mues mich von dir scheiden, 
herzallerliebste mein, 
doch will ich dich nit meiden, 
ich will wol bey dir sein. 



2. Ach scheiden, du thuest mich 
krenkhen, 
10 wer hat dich erdacht? 
du hast mein junges herze 
inn gros leid und trauwren bracht; 
das ich mein ellendt mues leiden, 
das machst du schon und werdt, 
15 doch soll mirs niemandts wenden, 
dieweil ich leb uf erd. 



CXCVII. 217 



3. Ach schaiden thuest mich krenkhen, 
herz lieb, ich mues von dir, 
ich bitt dich mein zue gedenkhen, 
20 dein treuw sollt sein stets bey mir; 

mein trost ob allen weihen, 
wie wol ich von dir bin, 
noch will ich dein bleiben — 
ade, ich fahr dahin. 



Foriter III (1552) Nr. 35: 
1. Wol auf, gat gsel, von hinnen! 2. Zart fraw, ich bin ein schaler, 

schlag nmb and weyt hindan, 10 darza noch anbekandt, 
laß sagen was man wolle, von rechter art ein baier 

ich will dich ganz für eygen han, and lern eß mit der handt, 

5 will stet bey dir beleyben, kan wol schreyben and lesen, 

schafft deinem herzen rha, ghört einem baier za, 

von dir wil ich nit weychen, 15 der herbst ist abgelesen, 
wer wil ans schaden than? so han wir beyd kein rha. 

3. Ich scheydt mich mit dem leybe, 
laß jhr das herze mein, 
dem aller schönsten weybe 
20 das aaf der erdt mag gsein; 

ach wehe, da bitters scheyden, 
wer hat dich nar erdacht? 
hast mir mein freudt genommen, 
mein herz in trawren bracht. 

Forster III {1552) Nr. 65 1 

1. Wolaaf, gat gsell, von hinnen! 2. Ich kan nicht mehr gschweygen^ 

meins bleibens ist nimmer hie, 10 es glag mir nie so hart, 
der mey der that ans bringen das ich trag heimlich leyden 

den feyel und grttnen klee, gegen eim frewlein zart, 

5 vorm walt da hört man singen jr lieb hat mich ambfangen, 

der kleinen vöglein gsang, darza jr gat gestalt, 

sie singen mit heller stimme 15 das ich dich lieb maß meyden, 
den ganzen sommer lang. darza zwingt mich gwalt. 

3. Gwalt, da bist ein grosse pein, 
wehe der dich tragen maß! 
da übst gen mir solchen scheyn, 
20 mein leyd ward nie so groß; 

hat mir ein eyd geschworen 
sie wöl mir bleyben stet, 
sie wöl daran gedenken 
wenn sie ein ander bet. . 

ForsUr II IS nur d. erste Str. 

1582 A 54, B 106 etUspr. Förster III 65, 

Meiiand 1575 Nr. 4 in 3 Str. (/ = ForsUr III 65 Str. 1; II u. III ^ Es. Nr. 40 Str. 4 u. S). 



218 CXCVII. CXCVIII. 

Fl BL BerHn Ye 776 « Hey^e, Bücherschau S, 58 Nr. 941 «. $. 10. 
E$. 1574 Nr. 57 u. ». w. 

ÜUand Nr. 64; Wunderhom 4, 236] Mittler S. 534 Nr. 717 \ Qoedeke-Täim. S. 153-, R. v. LÜMm- 
enm S. 351 Nr. 123*, Böhme, Liederb. Nr. 260; Liederh. IIS. 556 Nr. 752, vgl. III S. 485 Nr. 1684. 



[198.] Ein annders lied. 

[139»1 1. *Wach uf, wach uf!' mit heller stimm 
sprach sich ein wachter guete, 
'und wo zwey herzlieb beieinander sein, 
die halten sich in huete 
5 das in kein arges nit widerfahr 
und in die sach nit mißlinge.' 

2. Der knab was cntschlafiFen gar, 
und schlueffen also süeße, 

die jungkhfrauw was weis, sie weckhet in mit vleis, 
10 weckht in mit einem kuße, 

sy kusst in freuntlich an sein mundt: 
'jetz get es an ein scheiden. 

3. Und der uns scheidet, das thuet der todt, 
der scheidt uns also herte, 

15 es scheid doch manches mündlein rot, 
darzue mein buelen zarte; 
o reicher 60t, durch dein güete — 
wie scheidestu uns zwey so harte!' 

4. Der knab wol auf sein rößlen sprang, 
20 er ritt gar bald von dannen, 

die junkhfrauw eylet im binden nach, 
gros leid sties ir zuhanden: 

'reitest du hinwegkh, 

mein herz thuet nach dir synnen.' 



Es.: 15. rot fehlt. 23. herz lieb, and einzusetzen? 
Yd 7801 (v. Nagler) Sl 7t {offnes Blatt): 

1. 'Wol anff, wol aaff!' mit heller stim 2. Der knab der was entschlaffen schon, 

rat vnns der wachter k&nne, entschlaffen also syesse, 

^d welcher bey seinem bullen leyt, die fraw was weiß, wackt in mit fleyfi, 

der mach sich baldt von dannen, wackt in mit einem knfie, 

also rat ich dem werden gast, knst in lyeplich an seinem mondt: 

dx er sich von danen thie schayden, ja 'yetz mieB mir vnns bayde schayden, ya 

schayden.' schayden. 



CXCVUI. CIC. 219 

3. Wol aaff, wol aaff, mein feines lieb! 5. Als bald die fraw die red erhört, 
der vogel singt mit schalle, gar hayß fieng «y an zu wainen: 

ynd lyg ich hie vnd ist es tag, 'ferst da da hyn vnd last mich hie, 

weckt vns fraw nachtygalle, vnd last mich hie allaine, 

fraw nachtygalle verkttnt vns das, ferst da da hin, vnd last mich hie, 

wir seilen vns darein geben, vergeben, ver- so hat es kain rechte masse, ja masse.* 

geben.' 

4. Der knab wacht auff, sach ann den 6. Die fraw wol aafi der decke sprang, 

^Si (S^^ eyllendt vnnd gar balde, 

gar seer thet er erschrecken: wol vnder ain fenster sy sich schwang 

*ach da mein allerhöchster schätz, vnnd hört den wachter balde: 

m&ß ich mich dein verwegen, 'o wachter g&t aaß freyem mut, 

muß ich dich meyden vnd faren lan, wendt mir mein sendtliches layde, ya 
wa findt ich deinß geleichen, geleichen?* layde.* 

7. Der vns das liedlein hat gemacht, 
von neuem hat gesangen, 
dz hat gethan ein gut gesell, 
ein frischer vnd ein yunnger, 
er hatz der liebe zh dienst gemacht, 
zu ir kan er nit kamen, nit kamen — 

vor den falschen zangen. 

Oorres S. 111; Böhme, Hederb, Nr. 101; Liederh, II S. 598 Nr. 798. 

[199.] Ein annders lied. 

1, Wann ich des morgens früe uf stee, 
zue meinem lieben buelen ich gee, 
so kombt mein herz lieb und wünscht mir ein gueten morgen. 

Ii39i>] 2. Ein gueter morgen ist bald dahin — 
6 ich wünsch meim buelen ein steten syn, 
darzue ein freies gemüete. 

3. Hett ich ein buelen als mancher hat, 
ich wolt im aufbinden sein gelbes bar 
mit eitell brauner seiden. 

10 4. Ich wolts im auf binden inn rotes gollt, 
ich bin meim buelen von herzen holdt, 
ich kont ir nit holder werden. 



121 Lüder 1534 Ar. 67 u. 68 nur d. erste Sir. 115 Liedlein 15U Nr. 14 desgl. 

Andres Lied mit ähnlichem Anfang Ye 581; Yd 7850 St 7 u. s. w. 

Vgl. saarer winter, da bist kalt 1582 AS7, B 175; Niederd Liederb. Nr. 18; Antw. Liederb. 
1544 Nr. 10 u. s. w. 

Qörres S. 110; ühland Nr. 42; Mittler S. 516 Nr. 682/3; Böhme, Liederb. Nr. 154 u. 204; 
Liederh. II S. 288 Nr. 466 u. II S. 305 Nr. 485. 



220 



CC. 



[200.] Ein annders lied. 



1, Wer wolt ir nil von herzen 16 

sein holdt 
und freüden mit ir haben? 
so stet in zucht wie du dann solt — 
macht kurz weil vil uns knaben; 
5 dardurch das gemäet 20 

inn freäden wäet 
und lebet on alle sorgen, I^^ 

der mirs nit gunt 
aus herzen grünt, 
10 allzeit mues er erworgen. 

2. Bist eren werdt, holdseliges 25 

kind, 
freuntlich mit weis und berden, 
darumb das wild und seltzam ge- 
sind 
zu willen dir soll werden, 30 



lauten und gesang 

mit tanz und mit gang 
kurzweil und freüd ze machen, 

mit allem vleis 

frefindtlicher weis 
was dienen mag zun Sachen. 

3. Wann ich dein zucht und lob 
beschreib, 
zue übel sols nit keren, 
und will er böses mit dir treiben, 
geschieht dir alles zu ehren; 

dein schön gestalt 

hat mich mit gwallt, 
darzue so hart drungen 

das mir von statt 

ist gangen satt, 
darnach hab ich gerungen. 



Bs.i 8 u. 9. mirs: vnd: aus. 
Ea, 1575 Nr. 113: 

1. Wher wolde dir in ehren nicht 
sein holt, 
kurzweil und frewde mitt dir machen? 
so stehet doch dein zucht wie du wnlt — 
mache mir kurzweil, du jungeß herz; 
5 dardurch mein gemueth 

in frowden woeth 
und lebet ohn alle den sorgen, 
wer dir nicht engundt 
auß herzen grundt, 
10 all zucht muß sich ahn dem vorbergen. 



22. kern. 24. ehrn. 27. hart hat drungen. 



2. Du bist eheren wertth, du holt- 
saliges kindt, 
freundlich mitt weise und gebere, 
darumb, du holtsaliges kindt, 
zu willen dein sali werden 
15 mitt luden und gesangh, 

mitt dauzen und mitt gangh 
kurzweil und frewd mitt dir machen, 
mitt allem fleiß 
freundleicher weiß 
20 waß denen magh zu den Sachen. 



3. Daß ich dein zucht und lob beschreibe, 
zu dem ärgsten salstu mir daß nicht keren, 
ich muß doch freundschafft mitt dir treiben, 
daß geschut alle zu deinen ehren; 
25 deine schone gestalt 

die hatt mich mitt gewalt 

so hoich und harte betzwungen 

daß mir von stunden ahn 

ist gegangen also — 

30 nach dir hab ich offt gerungen. 



Hs,: 13. kindt durchgestrichen, dahinter: freund t. 
Oassenh, u. ReuUerl. 0. J. Nr. 8 nur d, erste Sir, 



CCI. 221 

[201.] Ein anders lied. 

1. Wiewol Unfall sein muet wil han, 
so will ich doch nit verzagen; 

wer Gott zue einem helfer hat, 

der mag es wol dapfer wagen, 

6 dann wer dem vertrauwt, 

hat wol gebaut, 

kein feind wirt in veijagen. 

2. Soll ich dan dran, kan nicht darvon, 
so mues ichs geschehen laßen; 

10 der liebe Got, dem ich alzeit vertrauwet han, 
der weis aber noch zyl und maßen; 

wie es nun dem gefeilt, 

hab ichs gestellt, 
ey der wirt mich nit verlaßen. 

15 3. So komm geduld, du edles kraut, 

und hilf mir überwinden; 

wer in seinen nöten zue Got dem hem schreit, 

der wirt auch trost befinden; 

bey meinen jungen jam 
20 hab ich bereit oft erfam, 

das zeug ich vor allen menschen kinden. 

[I40i>] 4. Unfall, Unfall, du wildes thier, 
wie thuestu dich gegen mir sperren! 
zeitlich ehr und guet das behalte doch dir, 
36 vergönn mir nur Gott meinen herren; 
dan das ewige guet 
macht rechten muet, 
das sey mein trost uf erden. 

5. ^AU ding ein weil' man sagen thuet, 
30 das hab ich gar ofFt vernummen, 

und der Gottes seines herm erwarten thuet, 
das glückh wirt auch noch kommen — 
damit far nun 
alles mein trauwren dahin: 
86 nach dem regen scheint die sunne. 



E$.: 20. erfaren. 25. herrn. 26. das das. 82. Uesi des glückh. 
Qörrei S, 82, 



222 CCD. 

[2D2.] Ein annders lied. 

1. Was mein Gott will, das ge- 2. Gott ist mein trost und zu- 

schdi allzeit, Tersicht, 

sein will der ist der besste, ein nfenthalHong meins lebens, 

zü helfen den er ist bereit was mein Got will, das nur geschödit, 

die an in gkaben fesste, will idi nit wi- [i4i^ derstreben; 

5 er hilft ans not^ 16 sein wort sagt zwar: 

der getreawe Gott, all mein bar 

er liebt die weit ans maßen, hat er mir selber gezelet, 

wer Got vertranwt er haet and wadit 

und herzlich baü¥rt, treowlich tag und nadit 

10 den will er nit Terlaßen. so das mir nichts widerfiEÜire. 

3. Noch eins, Herr, will ich bitt«i dich — 
du wirst mirs nit T^sagen: 
wann mich der böse geist anficht, 
las mich, Herr, nit Terzagen, 
sö so hilf und wehr, 

ach Gott, mein Herr, 
durch dein heiligen namen; 
was du sagst, 
das holstu, mein Herr, 
zo darauf sprich ich frolich amen. 



FL Bl. Hfmn, 5020, drei Luder e/UkaÜendj Närnberg, Friderich Ghitknecbt o. J. 2. Was 
mein Got wiL 

Eymm, 5034, drei Lieder endkaäemd, Aagfparg, Valentin Schönigk o. /. 2. Was mein Gott will. 

Bywm, 5681, furnfwäm Lieder enthaltend, NOrnberg, Valentin Fuhrmann o. J. 7. Was mein 
Gott wiL 

ffymn, 6824, neun Lieder enthaltend, Eialeben, Url>an Ganbisch 1568. 6. Was mein Gott wH 

Eymn. 8494, viersehn Lieder enthaltend (Berliner Exemplar ohne TildblaUl, o. 0. m. J. 8. Was 
mein Gott wiL 

Eymn. 8703, vier Lieder enthaltend, Basel, J. Schroter 1606. 4. Was mein Grott wil. 

Td 7830 St, 13, drei Lieder enthaltend, NOmberg, Valentin Newber o. /. 3. Was mein 
Gott wiL 

Td 7830 St. 35, drei Lieder enthaltend, Nttmberg, Valentin Newber o. /. 2. Was mein 
GoU wfll. 

7d 7831 Sl 41, drei Lieder enthaltend, Nflmberg, Valentin Newber o. J. 2. Was mein 
Gott wil. Dieser Drude ähnelt eehr dem vorigen Td 7830 St. 35, ohne dawtk identisch tu sein. 

Td 7831 St. 14 Nefin schöne Geistliche Lieder, Begenfporg, Hanns Borger 1566. DojuMch 
Hymn. 6824. 

Das Sechste lied. Was mein G^tt wil da gscheh allzjet . . . Str. I 2. sein wil ist der 
aUer beste. 6 n. 7. der frome Gott, er tr6st die weit mit massen. 9. fest aoff in baat. 
II L trost mein. 2. Mein hoffiiag [!] ^nnd mein leben. 3. das mir geseheh. 5 n. 6. Son wort 
ist war, den alL 7. er selber hat 9 o. 10. stets f&r vns tracht, aoff das Tns gar aickta MileL 



CCII— CCIV. 223 

///. Dammm wil ich armer s&nder von diser weit, abscheyden in Gottes willen . . . 

IV (s= Ha. 3) 8. Wenn. 5. bilff vnd auch wehr. 7. zn ehren deinem Namen. 8—10. Wer 
das begert, der wird gewert, dranff Sprech ich fr^lich AMEN. 

Vgl noch Hegae, BäehenehaU S, 67 JNr. 1071 = Eymn. 8494; S, 69 Nr. 1096 = iTywii. 5020. 

Wackemagel 1841 S, 579 Nr. 683; III (1810) S. 1070/1 Nr. 1240/1; B&kme, Hederb. Nr. 640; 
Liederk III S. 700 Nr. 1996; Füdker, Kfrekemüeder-Lesieam S. 335. 

LUderk». v. Reifembergs {1588): Archiv f. d. »meren Spr. 105 {1900) S. 278. 



[203.] Ein annders lied. Zart schone firauw . . . 
3 seehjgehta. Sir. « Nr. 63. Sir. II 11. her [1411>] widerfert . . . 

[204.] Ein annders lied. 

1. Zucht, eer und lob dir wonet bey — 

ganz frey 
on alle reuw 
bin ich verpflicht zu dienen ir; 
6 sy hat fürwar das feinest gebert, 

beschwerdt 
und hilflich mert 
sich herzlich clag und sendtlich gir; 

seit ich nun weis zuekonftig noth, 
10 kein rot 

uff erden mich helfen mag — 
es ist amm tag, 
erhör mein clag 
die ich stelz trag, 
15 thue gnad, mein glückh, ee ich verzag. 

2. Recht als ein wild kein Temunft hab, 

gar ab 

mein schätz und hab 
durch scheidens gewallt verlaßen wirt, 
20 dardurch mein [142«] kranks und schweres herz 

on scherz 
unseglich schmerz 
mit seäflzen yil im eUendt firt; 

ich glaub kein fireäd sey mir bescherdt — 
25 Terkert 

sich nit mein schmerzlich wee, 
wie ichs nn dre, 
gee oder stee, 
gleich wie der schnee 
30 ich armer bueb im laid vergee. — 



224 CCIV. 

3. ^Icb laß in reden was er will — 

inn still 

mich treibt sovil 
sein herzlich leid mer dann ich dag; 
35 mir was vor nie mein herz so wundt, 

die stmid 
ist mir wol kunth 
mein schwere pein die ich stets trag; 

glückh, durch dein hilf not wirt gewendt 
40 behendt, 

sover er selber wolt 

mein gros Unschuld 
durch mein geduldt 
wenden in huld — 
45 hilf schier, mein glückh, thue was ich sollt!' — 

4. Schaffen nit vil ir sueße wort, 

so hart 

und seer bedort 
ist in mir mein herz, muet und syn; 
50 ir gunst thet sich ofiTt verkeren, 

ehren, 

albot meren 
will ich ir preis, wo ich nur bin 

und fahr dahin, ellendigclich 
55 scheid ich 

in disem jamerthal; 

forcht bringt Unfall, 
die weit ist holl 
und untreuw voll, 
60 ich weis nit wie ichs versteen soll. — 

5. 'Thue was ich wöll, so ist mein gunst 

umb sonst, 
die große prunst 
der treu wen lieb muet mich schwerlich; 
65 mir geschieht unrecht — bey meinem aid! 

mein [I42i>] zeit 
on alle freüd 
vertreiben mues, den lohn hab ich — 

mein alte treuw bedenkh, gesell, bas 
70 und laß 



CCIV. 225 

mich bleiben ewig dein! 

in guetem schein 
vertreib mein pein 
und laß mich sein 
75 bevolhen dir, erbarm dich mein!' — 

6. Ja, frauw, dein red mein herz fasst äebt, 

nun liebt 

und unmaß betriebt 
dein tugendt gros mich armen brueder, 
so du waist daß ich on argen won 

lieb han 

dich höchste krön 
und stets bewar dein zucht und ehr, 

dann all mein freud inn deiner güet; 
86 ich bitt — 

verstee mich eben recht — 

ich bin ganz schlecht, 
darumb ansecht 
getreuwen knecht 
90 und uns beide nit weiter schmecht. — 

7. 'Nit laß mich gen dir verhetzen, 

letzen, 

auch nit setzen 
kan mich von dir keines menschen list; 
96 ach werdes gläckh, erbarm dich mein, 

verein 

solh schwere pein 
durch dein guete als from du bist; 

o mein herzallerliebster gesell, 
100 ich stell 

mein trost und heil inn dich: 

ich meins treüwlich, 
mein lieb an sich, 
bit herzigclich, 
106 dein aigen bin, glaub sicherlich!' — 

8. 'Ach gsell, nit glaub, ir treuw sich an! 

obschon 

sein gewoftlich lohn 
traurige lieb erzeigen thuet, 

DMtMh« Texte dM MIttelAlton Y. 15 



226 CCiV. 

110 darumb nit dein gemüet hinlenkh, 

bedenkhf 

OD not nit krenkh 
dir selber, hab ein gueten muet; 

dergleichen du, zarte schöne frauw, 
115 anscbauw 

sein dag und schmerzlich pein, 

dein herz verzein, 
khein frembden schein 
nit laß darein! 
120 treuw ist seltzani, drumb ballt sie einl^ 

Hb,', 27. dee. 35. vor mir. 37. wil. 55. ich fehU. 58. scholl; holl nach OegUn emge^eUt-, 
heiter vieUeicht tholl? 104. bit fehU. 108. geworlich. 

AkrogUehon Cristina. 

Nr. 78 d. Hb. Str. i—3: 1. ir. 5. feinst. 7. höchlich. 8. klagt, vnnd senlich gir. 
11. yff erdt. 12 u. 13. es leidt am tag, vemim mein klag. 15. sendt gnadt mein gludLh, 
ehe ich verzag. 20. vnnd traorigs hertz. 27. wie ich nun de. 29. die sehne. SO. ich 
armer im leidt yerghe. 35. vor nie. 37. wol kandt. 

OegUn 1512 Nr, 39: 1. ir wonet bey. 5. feinst 7. nnd höchlich. 9 o. 10. nat, kein rat. 
11. anf erd. 19. gwalt 20. schwirigs. 27. dre. 33. trttbt. 35. nie. 37. wol. 47. anhört 
55. scheid ich. 58. ist holl. ßl. ich wil. 65. gschicht. 69. gsel. 71. bleiben dein. 72. in 
gut erschein. 78. anmaß trübt 84 euer gut 86. verstet 90. schwecht 94. keine. 
98. deine gut 99. gsel. 104. bit herziglich. 108. gwönlich. 110. darumb las nit ab, dein 
gmüt hinlenk. 113. dich. 114. zart schöne. 120. halt dich sein. 

Qoedeke, Grundr. 11^ S. 26; S. 27 Schöffer 1513. 

Forster I 30 die ersten 5 Str. V Vagans 21 nur d. ersU Str. Bicinia 1545 II 96 nur d. 
erHe Str. Oassenh. u, Reutterl. Nr. 74 ebenf. 

Fl. BL Yd 7801 (v. Nagler) St. 73: Czucht eer vnd lob . . . ^ Str. — Yd 9559 Schöner 
lieder zwey/das | erst/ Zucht eer vnd lob. Das ander /Mich | wundert seer/ye lenger ye 
mer. {Bildchen. 4 Bl. 8° o. 0. u. J. Rucks, des ersten u. letzten Bl. leer.) 1 in 8 Str. -^ Yd 9562, 
9tßei Lieder enthaltend'^ das zweite s. oben Nr. 99. An erster Stelle: Zucht eer vnd lob . . . S Str. 
— Akrostichon Cristina stets unversehrt in diesen cichtstrophiyen Fassungen. 

Wackemagely Kirchenlied 1841 S. 861. 

Ähnlich une beim Liede Nr. 177 wendet sich auch in vorstehendem ein Paar, diu in seinen 
Liebesnöten keinen Rat weiß, an die Glücksgöttin^ die nach Anhörung beider hier wie dort in der 
letzten Strophe ihren Sdiiedsspruch fälä. Das OlOck wird als Vorsehung und Schicksal in diesen 
Liedern mehrfach angerufen und kommt als allmächtige Göttin fast gleichwertig neben dem kirchlichen 
Gott zur Geltung — eine heidnisch niedrige Vorstellung, die dem Seelenleben des Volkes einen dumpfen^ 
dOstem Hintergrund hinzufügt. 



Wortverzeichnis.*) 



ab Jhräp. 65, 25. 

abentdanz 178, 14. 

abentgang 131, 9. 

abschlagen, haabt 66, 130. 

abstellen 149, 9. 151, 35. 

abwaschen 3, 47. 

aff(e) 54, 67 (den äffen ma- 
chen). 110, 37. 38. 43. 46. 

äffen 114, 17. 

albot 204, 52. DWb. /, 215. 

allergotBliebst 123, 35. 37. 

allofanzen 178, 16. 

andt 42, 46. 167, 17. 188, 5. 

anfechten 202, 23. 

angreifen 112, 14. 

anklopfen 54, 28. 

anlegen 54, 15. 

anschlag 66, 138. 

ansingen 112, 5. 

anwehen 3, 21. 

apfergrowes roß 111, 15. 

argelist 9, 135.197. (19,14.) 
27, 13. 43, 18. (54, 75.) 
65, 22. 66, 76. 69, 23. 
92, 4. 15. 181, 23. 

art, von arten 116, 14. 

atzel 110, 16. 

aufbinden 199, 8. 10. 

aufenthalt 20, 20. 25, 27. 
37, 24. 162, 44. 

aafen(t)halten 66, 150. 

(a)ufenthaltang 202, 12. 

anfpreissen 55, 41. 



angen, die meisten angen 
werfen , beim Würfelspiel 
52, 23. 27; aas den angen 
kommen 130, 27. 

aagenbliek(h) 67, 35. 117, 29. 

augenwenkhen 121, 1. 

ausbandt 85, 4. 

aosleren 178, 36. 

ausrichten 192, 16. 

auswinden, van der Wäsche 
128. 5. 

ave Maria 66, 103. 

b vgl. auch p. 

backen, löcher durch baide b. 
166, 43. 

baner 66, 101. 

bar 21, 43. 66, 148. 155. 

bedeckhen, den scbalkh 
124, 45. 

behausen 42, 44. 66, 160. 

beherber(ge)n 118, 7. 11. 

behilflich 98, 9. 

behuett 21, 67. 86, 9. 
I beiten, beiden, erbeiten, ge- 
' beiden ti. dgL 45, 26. 51, 14. 
! 66,149.69,7.116,7.121,26. 
; 174, 25. 177, 23. 181, 7. 
! 194, 30. 
I berden 162, 49. 

beschetzen 66, 114. 

beschlagen, sein rößlein 
140, 11. 



beschließen 55, 88. 103, 28. 

156, 56. 186, 27. 31. 
beth » Bitte 134, 23. 
benrisch 65, 29. 
bezalen aus der scheide 

155, 24. 
biderman 61, 39. 
bitzue (= bis £uf) 134, 22. 
bleiben, kleben bl. 8, 34; 

weren bl. 8, 64. 
blerr 173, 25. 
bley Adj. = froh 160, 21. 
bockh, ritter mit dem bockhe 

154, 45. Vgl. Namenverjs, 

Gauriel. 
hoffen 160, 39. 
boß Subst. 157, 1. 
boßen ^ Possen 64, 27. 
boßwicht 66, 134. 
brennte löcher durch baide 

backen 166, 44. 
brunst, laufen in der br. 

54, 86. 
bueb 204, 30. 
buechstab 176, 36. 
büelin 150, 18. 
buelschafft 162, 17. 

c vgl. auch k. 

canzler(in) 54, 73. 69, 24. 

181, 24. 
casten 146, 10. 
chur 62, 18. 



*) Bei dem geringen Alter der Bandschrift und der meisten in ihr enthaltenen Gedichte schien 
ei ratsam, nicht, wie dies sonst in diesen Texten zweckmäßiger Brauch ist, dem Wortverzeichnis den 
normalen mittelhochdeutschen Lautstand zu Gründe zu legen, sondern getreu der hsl. Orthographie zu 
folgen. 

15* 



228 



WortrermaJchnk. 



127, 18. 

crestmr 9, 42. 
enicifix 66, 94. 95. 

d vgl amek t. 

dmntb = Tamd 195, 12. 27. 

danxen 174, 22. 

dar ab 167, 27. 181, 24. 

daiTon, wer ich d. 178, 42; 

kan nicht d. 201, 8. 
dattnm 65, 18. 
dea 106, 127. 
deck(h) SmitL 123, 28. 31. 
deckdein 13, 34; i^ docke. 
dichtSa68/.6,26. 173,3. 195,26. 
dick (dfickh «. dgl) » oft, 

«db-55, 103. 139,9. 154,35. 
dieblich HO, 22. 
dingen (sich yerdingen) in 

ein ander haos 178, 27. 33. 
djrtelbaom 83, 21. 
docke 154, 48; 99L deckelein, 
doist 102, 6. 

dran, soll ich dan dran 201, 8. 
dre, wie ichs na dre 204, 27. 
doch = T\ieh 6, 14. 
dnrchgründet 165, 17. 
dnrchapicket 1%, 12. 

eck(h)e 180, 6. 

eckfltein 9, 24. 

ehe, zo der ehe nemen 178, 35. 

eichel, beim Kartenspiel 73, 12. 

einheizen 162, 27. 

einreißen 57, 49. 

enthalten 106, 28; vgl. auf- 

enthalten, 
entpfrembdt 104, 31. 
entscheiden = bescheiden, 

dich der sach gnintlich 

entsch. 182, 33. 
enttragen 110, 20. 
entwachen 191, 19. 
entwhennen 11, 36. 
entzian 161, 17. 
entzücken 135, 25. 
erdterich 9, 105. 
erfar 6, 8. 9, 184. 
ergen 182,24. 



erhal 86, 30; erhilt 26, 3. 
erhören 112, 10. 131, 36. 

178, 43. 49. 
eria = erler 152, 35. 
erieben 147, 27. 
ermanen, deiner dren erman 

ich dich 10, 23. 
ermessen 157, 32. 
erschleichen 1, 19. 4, 24. 

145, 21. 189, 56. 
erschwingen 40, 5. 
eistaien 9, 149. 
erw^en 182, 15. 
erwert 180,26; v^ nnerwhert. 
erworgen 200, 10; vgl 9, 167. 
esel, den esel reiten 51, 15; 

gesell ohn das g 51, 30. 
ejKe) 196, 14. 22 «. «. ». 

fiük(e), den fialken streichen 

53, 17. 
fiOken eoglin 164,5. 19. 165,23. 
fiül, kommen zn f. 178, 11. 
Msch SmUL 183, 21. 
fiui(e) 66, 58. 85. 91. 
hr SmUL 6, 29. 
lederlessen 34, 43. 
fei(e)l, feüel, feyheU 33, 45. 

46. 95,10. 100,9. 
fenderich 66, 87. 
fendlein 61, 32. 
femden, fem(e)t 13, 3. 189, 8. 
figur(e) 191, 10. 
finanzen 174« 17. 
fingerlein 46, 6. 106, 32. 
firmamendt 9, 82. 
fladen 54, 31. 
fleisch und bein 9, 210; fl. a. 

plaett 11, 32. 
flogen, der flügen weren 

180, 24. 
fragen, nichts nach fr. 57, 51 ; 

vgL 15, 15. 
freudenlos 165, 58. 
frenndtschafft = Sippschaft 

98, 29. 
freyen = frei machen 66, 170. 
fron(n) 60, 24. 66, 31; fron 

Teste 86, 49. 
f&egen, mit f. 168, 10. 



14. 162, 47. 



fimtreeken 153,47. 
UMragen, wmmg 196, 45. 
I&rwits 108, 87. 92. 
fnefistiqileB, fiartatfea 9, 11. 
128. 

gang, im Etmae 1^22; gang 

wie ein pfiuiw 157,43; tanz 

nnd gang 200» 16. 
gebrecht 196,43. 
gefifft 106,106. 
gefelle 73, 27. 
gefer 21, 14. 
geferte 13, 7. 
gefiiasen 45, 

165,59. 
gettygd 196, 27. 
gelegoi, an aeiner gdegenea 

seit 88,22. 
gdeidt, frey 66, 179. 
gelfen 106, 32. 154, 49. 
gemach 99,32. 108, 7. 174, 18. 
gemein, dem gunmneo maa 

66,116. 
geoem 134^34. 
genüegen thnn 147, 18. 
gerecht in die ajdberkam- 

mem 54,69. 
gesatz 165,51. 
geschmeis 154, 7. 
geschrifdich 176, 9. 
geschwinden 55, 100. 80,86. 

99,69. 
gesegnen 55, 85. 87 it. s. ■•. 

100.27. 170,3. 9. 
gesell recht ohn das g 5], 30. 
gesellschaft 96, 25. 194, 26. 
gesind 200, 13. 
genden 104,40. 
gezelt 58, 58. 125, 7. 156, 4. 

194,19. 
gilf s, gelfen. 
giUe 32, 18. 
gippe 189. 29. 

glast 102, 31. 154. 11. 156, 31. 
glockh = Uhr 154, 16. 
glorieren 156, 35. 
gloiy 6, 37. 
glackh zno 174, 33. 
glast SmhsL 187, 24. 





WortTerzeiebnifl. 


229 ■ 


goltfarb 164, 17. 165,25. 


berzmeidlen 165,35, 


1 kr«bßgang 162, 6. V 


gottae megetleiii (Gottes oder 


betzen 62,22; c^. verbetzen. 


kreide, kreud© =» lomiTt^^ 


gotefl? vgl. allergotßliebet) 


hilflich 204, 7. 


StkkM^Qri 56, 4L 


162, 55. 


binder, all mein hab tlet 


kriegen = bekommen 8, 60; 


grEi9,^'m KarimtpUll^i 12, 15, 


binder dem wirt 155, 3. 


^ sanken 54, 58. 


graQS 177, 14. 


Binder Bicb 25,25. 51,5. (160, 


kromm, kragen 166, 42. ^^^j 


groueenlich 66, 17. 


12.) 168, 3L 


krüppel 110, 48. ^^M 


griea dich Gott 143, 9. 


boebgeacbt 174,5. 


kuaermenlen 150, 3. ^^^f 


gröU = Or^ 154, L 


bocbgemait 131,4. 


^^^1 


gBprenget,mitgoltfftrb 164, 17* 


boffieren 46, 17. 


lab 102, 5. 106, 26, ^^H 


guckgnckh 40,9; giigkhgauch 


i hofücb 155,32. 


laden 166, H, ^^H 


110,33; gützgaach 111, L 


hüelin 155,28, 


laggei 46, 1. ^^B 




bald, mit großen buiden 9, 71. 


langen, widerumb l 123,29; ^^H 


haberroueÖ 75, L 142,1. 


hnndt = Teufd 4, 23; turki- 


her 1. 139, 45. ^^M 


hag 110, 17. 112, IL 25. 131, 


sebe blinde 57, 32. 


lauten und ge«ang 200, 15. ^^^| 


23. 156,14. 




lecken den }öffe\ 119, 3. ^M 


bagedoro 109, 14. 


icht 99, 15. 106, 40. 147, 6. 


lendenn. 16,22.99,73. 137,20. ■ 


halb theil 120,31. 


Ülaminiren 156,34 


lercb, gsang wie ein lerch ^H 


halten 153, 49. 


inn(en) werden 20, 14. 51, 12. 


157, 45, ■ 


handd 191, 22. 


56,8, 58,68. 124,26, 153, 


letz(e) 17, 38. 28,16, 38,17. H 


baDd(eii), bu 55, 50. 66. 73, 


62. 155, 6. 165, 2. 18ö, 47. 


20. 103,33, 114,9. 133,26, ■ 


24. 97,7. 112,22, 145,34. 


197, 3. 


194, 32. ■ 


153*63. 198,22. 


innerlich {ik^i jemerlich?) 


tet2en, sieb 56, 59. 87^ 14. H 


bandtierca 9, 114. 


191,33. 


204, 92. ■ 


har aaßraufon 8, 27; ecbad 


Innigkeit 191,6. 


Heb, in 1. und ancb in leide ^M 


nit ©in bar 177,26. 


innigklichen 5, 22. 33, 33. 


8,42;lQ.leidt49,22. 65,5. ■ 


har{r)bandt 178,37. 


inwendig 68, 35. 158, 32. 


Hebe lange jar, da« 148, IL ^M 


bardt ^ WM 126, 2. 




liebes arm 156, 21. 78. ^| 


barmdam 31, 26. 


jäher 192, 23. 


HebeBfall 43, 29. ^^M 


banenspTQiig 155, 39. 


jarryt 123.32; t^t ritt. 


liebea kraft 157, 13. ^^M 


batiBhan 112, 17. 


jeben, rerjeben u, dgi. 31, 16. 


Hebe« Pitt 23, 25. 25, 32, ^^^| 


baue knecht 54, 52. 


44,16.45,20. 82,10. 162,32. 


liebbabenHeb 82, 20. ^^H 


beber 110, 1. 6. 12. 


176, 22. 


Unkb anäebn 93, 4^ ^| 


beide, blüemblen uf der h. 




löeher, brennte, durch baide ^M 


103, 31. 


k t^L Quck c* 


backen 166, 44, ■ 


beiden, einen beiden erbarmen 


kernen liecbt 131, 86. 


löffel, lecken den I, 119, 3, H 


91, 14. 


kettlen 159, 1. 


lugkeu, stellen in dl 192, 15. ^^1 


heindt, bent, binacht 20^ L 


kballen 15, 26. 


^^H 


52,29.53,15.96,28, 123,10. 


kind,gebD mit einem k, 178,9; 


magthom 178, 54* ^^^H 


131, 75, 82. 


niderlegen 178,26; tragen 


manücb 156, 47. 65. ^^H 


heleparten 61, 28; und regnet 


178, 28. 48. 


markht 109, 15. ^^H 


OB hellepartben 127, 39. 


kinder epyl 176, 25, 


inai5«n, sieh 72, 18. 73, 44, ^M 


bennjin 155, 16. 


kirch^ng 178, 38. 


^^M 


berle&en 66,82. 


klopfet 123, 13, 16; ogL an- 


masBieren 32, 10. ^^H 


herz, scbeUen, gras und eichel 


klopfen. 


met£ 51, 21. 99, 19. 188, 3. ^^M 


73, 12. 


knöpf, bei Btumm 32, 12. 


mindern 195,20. ^^H 


berdg 35, 1, 39, 21, 76, 41. 


kragen 166, 42, 


mist 173, 15. ^^^M 


107, 21 147, 2. 4L 163, 20. 


kraut; gedojd, du edles kr. 


mittemacbt 108, 12. ^^^| 


191,7. 14 ti. #. V. 


201, 15. 1 


morgenrdte 141, 32. ^^H 


herziglicb 63, 12, 45. 


kränz yerlieren 178, 17, | 


morgenetem 113, 18. 123, 9, ^^H 



230 



Wortreneielmk. 



Bort /11I07. 155, 4S. 44. 15«, 

68. 159, 6. 
BfÜ 54,66. 

mumn 8, 28. 116, 18. 
Bostaten 186, 19. 21. 

nach einem gneten 155, 4. 
nachtigal, gem. fran nachtigal 

86,28. 108,13. 111,5. 112, 

4. 141, 36. 
narren kappe 1S5, 17. 
narren sejl 53, 22. 
naat «. neet 
natoi(e) 191, 11. 
negeiein 186, 2a 
neid stjeh 196, 26; vgi. 196, 11 

neidiger stjeh. 
nein, and ist nit nein 27, 28; 

das ist nit n. 171, 3; es ist 

nit n. 180, 19. 
nest, Ar. jv nast » ast 

110,42. 
netsen 86, 25. 
niden 156, 14. 
ttiergents 166, 41. 
nodt Jdv. 69, 11. 
ndtten » mSÜffem 45, 4; = 

nötig $ein, missenf 110, 54. 

ochsenknnlich 4, 13. 
omaeht 55, 102. 
ongesam «. nngeseme. 
onnoth 132, 11. 
ordt = Emde 11, 65. 
Orient 156, 26. 

p 9gl auch b. 

par «. bar. 

paradeiß, parendeiß 9, 74; 

55, 130. 
parfnes off dornen gan 153, 

56/57. 
patemoeter 66, 102. 
pans, nach der p. 192, 17: 

DWh. 7, 1612. 
pfaow, gang wie ein pf. 157,43. 
pfeffer still? 119, 52. 
pfeifen, vom Hahn 112, 17. 
pfeiflin 119, 22. 
pier = Bier 162, 12. 



pim = Bimm oder Beermf 

128, 12. 
planet 191, 12. 
planie 32, 12. 
platt SwhM. 58, 67. 
ploch 116, 5. 
porgen 196, 10. 
preng 116, 28. 
probieren 171, 14. 

qoit, qoeit 5, 12. 16. 42, 30. 

rabe ^ Temfei 4, 27. 

ranch 8, 3. 

rauschen laaaen 103, 42. 

regengns 149, 12. 

reiten and raoben 144, II. 

reißm, sieh drnmb 8, 58. 

reisen 99, 58. 

refl (resch) 186, 22. 

reyen Vh. 40, 11. 

riemen, schob mit schmalen 

r. 52, 4. 7. 
riett ambm. 76, 10. 
ring «gering 50,35. 151,54. 
ringlein giefien 34, 45. 
ripp, darehschossen mit 

Adams r. 157, 14. 
ritt 155, 20; vgl jarryt. 
robjn 164, 18; 165, 27. 
rosenbletter 166, 13. 
rosen heckherlein 109, 2. 
rost, hin nemen den r. 10, 36. 

106, 34. 
rotleit 194, 15. 
rot weiß schwarz 66, 107. 
rupfen 196, 19. 

sackh 110, 9. 

sag S^htt. 102, 22. 

aal Adj. 32, 59. 

sam 54, 29. 119, 13. 33. 131, 95. 

sattel 54, 70. 155, 38. 

sau, schreit wie ein s. 54, 42. 

schabab, schawab 22. 10. 

76, 28. 172, 28. 192, 53. 
Schach, bieten den seh. 27, 33. 
schad, es ist schad 140, 14. 
schaffen, von dannen seh. 93, 

12; Ton derweldtsch. 9, 126. 



sefaalkbeit 174^ 17. 
seham mm aebadeo 192, 7a 
schänden, werden so ach. 6^ 2. 
•Chans 13, 18. 116, 23. 124, 21. 

174, 14. 
schein, im seh. 13, 15; hUf 

und seh. 165, 13; ffgL 10, 19. 
Scheitel, von Aeßen bis stff 

den seh. 157, 42. 
schelloi, beim Kartempiel 73, 

12. 13. 30. 
scheUen Vh. 146, 12. 156, 16 

(schöU). 
schiffel S2, 61. 

schult, die gans seh. 102,44. 
schimpf 61,10. 156,8. 179,17; 

schimpf und sehen 20^ 12. 

170, 23. 
schimpfen und seheraen 9, 198. 

19, 23. 137, 5. 
schimpf Yogel 69, 19. 
schlagen, vom der ükr 81,36. 

127, 22. 154, 8. 16; inn 

windt schL 145, 60; yon 

untreu geochL 192, 27 (cyJL 

51, 16); uff schlag ich m«n 

geselte 194, 19. 
8chlem(m)en 189, 18; t^. ^ 

schlemmen. 
schlem(m)er 189, 40. 
schlacker 155, 35. 
schlfissel, der liebe schL 

56. 186, 29. 
schmatx 40, 48. 
schmecken = rieckem 186, \y). 
schmeicher 4, 31 ; vgL 76, 59. 
schmeyßen, sich 135, 24. 
schmollen 57, 44. 
schmucken 18,33. 36,27. 9^, 

55. 116,24. 142,52. 153,59. 
schneid, gafftig 173, 6. 
schneweiß 18, 34. 55, 97. 9^, 

36. 117, 14. 128, 4. 131, 58. 

141, 20. 153, 17. 155, 33. 

159, 2. 182, 45. 
schnieren 55, 38. 
schon, das schone leiden 

165, 5. 
schrau = 9ckrie 55, 66. 
schuester 119, 26. 



156, 



1 


Wortirerzeichuis, 


231 S 


Bchwager 51, 20. 


t tfffL auch d. 


verbraten 189, 17. V 


schwalbe 102, 45. 


tageweiÖ 55, 2. 128. 125, 1, 


verdammen 66, 135, 


»chwaU 24j 2. 


9. IT, 


verdingeo, sich 178, 33; vgL 


BchweiD, wilde achw. 123, 2; 


taigen 123, 12, 15, 


dingen. 


Schweinen braten 189, 4L 


text, lesen den t. 128, 22, 


verdrieß 64,22. 66,24. 68,7. 


schwer Suhl 106,37. 137, L 


thier, iinfall du wildea th. 


160, 26. 


ach wetzer 17a, 20. 


201, 22. 


verdringen 13, 3L 72, 27. ^ä 


schwitzen, vof freüdeo 1 13, 12. 


thron 5, 28. 9, 50, 60, 88, 


83, 5, 96, 7. 119, 55. ^^H 


aeck(e)l 52, 44. 162, 11. 16; 


106, 6. 160, 40. 


130, 19. 172, 30, ^^H 


BegkheleiB 119, 47. 


tirann 64% m. 


verdrucken 52, 64. 6Ü, 65, ^^H 


»egel, Bchwarz s* 154, 13. 


tratz S^ifii, 116, 9. 


verdust 55, 46. ^^^^| 


Beiden reich («elden nicht =■ 


tribnt 58, 36, 


vergaugelt HO, 18* ^^^B 


selten, sondern tfon Beide 


troest, du = dr&hm 155, 2ö. 


vergeben = vergifUn 61, 48. ^H 


= ßaelde) 55,25; vffl 145 


tninkh 186, 38. 189, 44 


vergiß mein nit 129, 6. (138, ^M 


FL BL Str. iU Z. 1. 


tnckhen, sieb = ducken 196, 2. 


36). H 


send(t)lich =4tJmlich 21, 4.29. 


Inrtltettbkn 170, 15. 


vergiB nit mein 17, 19. (33, 18). ^M 


23,11, m,h 104,29, 156,7. 




40, 22. 76, 4, ^^M 


204,8. 


übergeben 58, 41, 83, 10. 


verguett 70, 33. ^^H 


■eren 154, 35. 


192, 6. 


verbergen 66, 7L ^^^B 


»etzen, er aetst an mich 1, 24. 


nbergroÜ 5, 10. 


verhetzen 204, 91; vgl. betien« ^^H 


sidel (aydel) 52, SL 


uberk(h)ummen (ommen) 


verhindern 195, 17. ^^^| 


aigenb«fft ö, 4L 


95, 27. 122, 21. 


verho£fen 167, 8, ^^H 


ailberkammem 54, 69. 


uberkden 179, 9. 


verjehen a. jehen. ^^B 


eiinpel 15, 8, 


nberlaat 154, 20. 


verlaufen (vorlaufen) 192, 19. ■ 


sparber HO, 2a 


uberatetgeD 180, 33. 


vermachen 55, 39, ^H 


spe Adj. HO, L 


uberKwerg 125, 15. 


vermeren ^ vermflren 21, 15. ^M 


aperren, Bich 201, 23, 


umbbunden 179, 24. 


verreden 73, 49, ^^^H 


BpiUaacht 73, 22. 


umbefang 76, 32. 


verreren 55, 123. ^^^^M 


apitze 1Ü2, 39. 


umbscbrenket 156, 2L 


verscberen l, 47. ^^^H 


atahel und ejBen, lieb bricht 


ander wegen Ion 22, 23. 


versehla(ge)n 34, 24. H 


fit. u, e, 172, 24. 


anderwinden, sich 22, 2. 


verschlommen 189, 16. 48; ^M 


atatt, von at. 200, 28? vor at 


17i*, 36. 


v^L ichlemmen, ^H 


194, 5. 


unerwbert 8, 55; tgL erwert. 


veracbneiden 60, 29; ver- ^^H 


staub ach legt mir In mein 


uügefelUej 11/12, 48. 13, 10. 


schniUen 21, 34. ^^H 


obren 194, 7. 


56,57. 71,4. 99,84.104,26, 


veracb reiben 191, 29. ^^^H 


iteif beharren 11, &4. 


120, 28. 147, 8. 148, 18. 19. 


verschulden 145, IL ^^^^| 


steig nnd ateeg 192, 20. 


154, 10. 


verschütten 75, 1. 142, 1. ^^H 


stempeney 66, 3. 


nng(e)fer 157, 20, 


verseUen 196, 47. ^^^^ 


steür, kommen zu st. 137, 17. 


ungezeme, on ge^am 50, 16. 


veratrecken 25, 8. ^^^H 


stiege 40, 56. 


66, 26. 


vertentsebet 77, 34, ^^H 


strefflicb 162, 48, 


unglimpf 156, 10. 


vertbun 153, 52. 189, 8. 32. ■ 


Btnbe 52, 16; atübelein 143, 2. 


nnhulde SuhU. 15, 10, 


vertruckhen s. verdrucken, ^M 


stackh, böae 102, 53. 


unhum 119, 7. 14 u. «. w. 


verwegen, sich 16, 7. 100, 22. ■ 


Studenten 1S6, 43. 


unkhnnt 184, 9. 


149, 18, 153, 38. 161, 39. ^^B 


stuelejn in irem hersen 


unmaß 204, 78. 


verwtmderlich? 157, 25. ^^H 


18, 21. 


unmuet 173, 8. 184, 16. 


verzeinen 204, 117. ^^H 


atundtglaiJ 127, 19. 


unnrath 60, 3Ö. 


verzeren 89, 24. 106, 23. ^^H 


«turmen und streiten 66, 15. 


unsegücb 204, 22. 


verzigen 111, 12. ^^^H 


Btutz 196, 15. 


un vergolten 173, 22. 


verzuckht 192, 63. ^M 


süeßen Vb, 154, 32. 


anverholen 57, 43. 


vierte, der 34, 32; vßLBl, ^ H 



232 



Wortveneiehnis. 



Tisch 181, 95. 
▼oll maehen 178, 15. 
Tording 151, 58. 
vorUufen «. verlaufen. 

Wachtel 175, 2. 4 u. s. w, 
wachtelbein 175, 8. 
Waffen nber waffen 157, 8. 
wagenbarg 58, 57. 
waidman 110, 4. 8. 175, 19. 

21. 29 u. 9. w. 
wald bmederOein) 194, 2. 13. 
walBtatt 86, 75. 
Wandel 43, 44. 191, 23. 
wankhehnäetig 149, 6. 
wecheelbankh 51, 10. 
wedel, gehen im w. 54, 16. 
wee, weder wee noch wol 

117, 19. 
weger 17, 35. 156,52. 161,68. 

191, 35. 
wegwarden 40, 23. 
weide 111, 2. 
weisbrot 109, 17. 19. 
we](d)t;,aUe 7,7. 8,5. 60,21.35. 
wenken 9, 36. 49. 35, 35. 49, 

17. 63, 10. 76, 67. 84, 2. 

102, 51. 156, 82. 166, 35; 

vgl, aogenwenkhen. 



wer? (von deinem wer — 

wee?) 99, 67. 
werhafftig 66, 122 ; wahrMchem- 

Uch auch 61, 23 für war- 

hafftig. 
weeen SvbiL 189, 5. 
wetten 8, 80. 
widergelten 24, 25. 154, 61; 

vgl 14, 14. 
widerlaaf 154, 64. 
Widerpart 50, 8. 
widerstreben 6, 24. 154, 68. 

202, 14; vgl 7, 21. 
widerstreit 126, 28. 156, 13. 
wigen 102, 66. 167, 22. 
wUd Subst. 204, 16. 
wind(t), schlagen inn w.145,60. 
winder kleit 32, 7. 
winkhel 153, 60. 
wöUend 104, 23. 
wolbertig 120, 25. 
wolgema(e)t(h) Subtt, 17, 16. 

40, 26. 76, 22. 41. 103, 32. 

129, 7. 166, 25. 184, 2. 
woniglich 158, 11. 
wunder 145, 30. 164, 16. 

192, 2; Wunderding 55, 7; 

wanderlang 119, 88; wun- 
derschön 126, 14. 172, 3. 



wnnachung 168, 28. 



a Af^ei 8a, 28. 
wursgarten 166, 9. 



seher 156,41. 

leitglog^ 127, 22; vgL 

glogkh. 
leitlich(e) gfiter 145, 62. 
selten 154, 64. 
serschneiden, dein, recht sam 

wer er ein visch 131, 94. 
! sieht 32, 37. 

sil(l), über daa sill schreiten 

60, 32; Zakbmgitenmm 66, 
; 148. 

j simlich — gesiememd 106, 80. 
soll am Rhein 189, 13. 
suchten, in 17, 45. 57, 14; mit 

sfichten 153, 50. 
suekonft 153, 13. 
suekonftig 204, 9. 
supfen 196, 18. 
susamen geben 58, 16. 
suspringen 66, 60. 
SU wegen bringen 127, 3. 
swar » waMkaft 202, 15. 
swelfpotten, die 12 Apomd 

66, 124. 



Namenverzeichnis. 



Absolon 160, 46. 

Adam 4, 6. 9, 76. 106, 140. 

157, 14. 
Adam von Falda, AkroiHehon, 

Vf, V. Nr. 106. 
Alphonsns 60, 51. 
Ammon 145, 68. 70. 
Anna, Sant 139, 26. 
Artns 154, 27. 

ADgfparg 52, 8. 11. 46. 60, 62. 
Anriolns 106, 71. 

Babilon 66, 29. 32. 40. 
Behemerland 58, 9. Behemer- 

wald 155, 9. 
Boleckhen 66, 67. 

Cato 145, 55. 
Circe(8) 106, 187. 
Cöln 140, 9. 
Cnpido 106, 22. 145, 50. 

Daphne 50, 16. 
David 157, 28. 
Diana 106, 16. 
Dina 106, 94. 

Elselein 52, 5. 10 u. s. w. 

Flordamnr 154, 24. 

Frey, Peter, Vf, v. Nr, 66 

(Z. 193). 
Freyborg 186, 44. 
Friderich, Herzog^ der kühne 

Schtoab 145, 74. 154, 37. 

Qmtriel von Montabd^ der rit- 
ter mit dem bockhe 154, 45. 



Graff, Jörg, fy.ü.i^.54(Z.90). 
Grems = Krems 61, 41. 
Gans, Ortschaft 61, 41. 

Hans, Hensel, Henfilin 51, 26. 

140, 11- 14. 177, 28. 
Hector 154, 56. 
Helena 82, 13. 
Heraclins 66, 36. 44. 
Hercoles 106, 139. 
Hifpania 57, 10. 60, 41. 

Jales n= lale 106, 25. 
Jason 106, 29. 
Jerusalem 66, 30. 41. 
Johan 127, 21. 
Jörg, Graff J. 58, 68. 
Joseph 93, 10. 
Isot ^ Isolde 106, 113. 
Ispragkh 139, 1. 
Juden 66, 110. 114. 
Jupiter 73,36. 106, 1. 154, 21. 
157, 3. 17. 

Karl, Kaiser 57, 10. 60, 7. 43. 
Kosteras 66, 28. 88. 39. 
Krems s. Grems. 
Krichenlandt 82, 13. 

Lucifer 66, 20. 24. 
Ludwig, König von Ungarn 
58, 7.63. 

Maria 93, 18. 

Maria, Himmelskönigin 32, 66. 

55, 77. 66, 51. 108. 194. 

139, 26. 
Maria, Königin von Ungarn 

58, 17. 



Mars 106, 25. 154, 32. 
Maximilian, Kaiser 66, 43. 54. 

137. 186. 
Mech eibarg, Überschrift sm 

Nr. 131. 
Medea 106, 130. 
Meinratt 66, 25. 
Mercurius 154, 41. 
Mfinster 140, 8. 
Mugenhoff 54, 41. 

Ochsenkhan, Vf. v. Nr. 4 

(Z. 13). 
Oeeterreich 57, 11. 66, 107. 
Ovidius 106, 120. 

Paris 82, 2. 6. 160, 45. 

Partsefal 154, 2. 

Paul, Thummer, cL i, Tomori 

58, 65. 
Peter, Sant 15, 13. 
Petro-Woradey 58, 51. 
Phebe 50, 13. 
Piramus 145, 42. 
Pont(i)us 82, 21. 145, 29. 

Querentia (Lucretia?) 106,73. 

Bea 106, 126. 

Rhein36, 3. 5. 118, 1. 140,9. 

186, 30. 189, 13. 
Rodiß 66, 65. 
Rosina 82, 1. 

Saffo 106, 88. 
Salomon 54, 82. 160, 44. 
Sambson 54, 84. 106, 145. 
Satumus 154, 6. 



234 



Namenveraeichnis. 



Schwab 52, 1; 8^ Friderich. 
Schwemaa 54, 41. 49. 
Semiramifl 106, 149. 
Sibflla 66, 47. 
Sichern 106, 95. 
Sidonia 82, 23. 145, 32. 
Stergerdt, Übertckrift mu 
Nr. 131. 

Thamar 145, 64. 
Thedo8(i)iu 60, 50. 
Thonaa 58, 71. 



Tito = Dido 106, 121. 

TrajanoB 60, 49. 

Triatram 106, 114. 154, 12. 

Troja 154, 56. 

Tarkh 57, 32. 58, 30. 37. 

60, 12. 61, 2. 15. 66, 7. 62 

u. $. w. 

Ungern: Nr. 5S u, 61. 

Van(n)e8 145, 36. 
Venedig 189, 14. 



Venus (Venia) 55, 18. 73, 31. 

82, 8. 106, 22. 145, 46. 

154,49. 157,10. 17. 158,4. 

164, 22. 165, 16. 
Virgilios 82, 11. 

Wächter, Jörg, Drucker, Vf. 

V. Nr. 145 (AkroMtickam). 
Weida, Janas 58, 28. 
Weißenborg, Krichiach- 58,41. 
Welsche 57, 41. 
Wien 61, 5. 7. 38. 



Verzeichnis der Anfänge 

zu den beiden Liederbüchern vom Jahre 1582 

Ambraser: 1582 A Berliner: 1582 B 

zu den Berliner Handschriften vom Jahre 1568, 1574, 1575 

und zur Heidelberger Handschrift Pal. 343 fol. 



Ach du lieber stallbruder mein 

Ach da heimliches leiden 

Ach £ {bezw, W) nit brich 

Ach Gott, ich klag dir all mein leidt — $. Ach 

Qott, wem soll ich 

Ach Qott, ich klag dir meine nott 

Ach Gott, ich thn dich bitten 

Ach Gott, mich thnt verlangen 

Ach Gott, was soll ich singen 

Ach Gott, wem soll ich klagen mein leidt . . 
Ach Gott, wem soll Ichs klagen, das heimlich 

leiden mein 

Ach Gott, wem soll ich(s) klagen, daß ich im 

(/W. ganz) elend bin 

Ach Gott, wem soll (schall) ichs klagen, daß ich 

so traurig bin 

Ach Gott, wie ist mein boU so wilt 

Ach Gott, wie lang steh ich im schwang {Pal. 

O wie lang hab ich gewart) 

Ach Gott, wie muß ichs schicken 

Ach Gott, wie wee thnt scheiden 

Ach herz, du mnst verbrennen 

Ach hilf mich leid und sentlich clag 

Ach Jungfrau soll ich mit euch gan {1582 A : Jung- 

freulein soll ich) 

Ach Jupiter 

Ach lieb und {1568 u. Pal, mit) leidt, wie hast(u) 

dein b(e)8cheid 

Ach megdlein {Pal, meidtlein) rein, ich hab allein 

mich eigen dir ergeben 

Ach mutter liebste mutter mein {1574 Hördt 

moeder) 

Ach sorgen du muest zu ruckhen stan {vgl Winter 

du must Urlaub han) 

Ach trauren so mues ich tag und nacht . . . 
Ach Unfall schwer und sehentlich pein .... 
Ach Unfalls neidt, so lange zeit hab ich mennige 

stund erduldet 

Ach unser Vatter, der du bist im himmel . . . 



Lieder 
15 

A 


hüeher 
82 
B 


Hm 

1568 


BerHne 

ndsckri^ 

1574 


r 

fien 
1575 


Heiddh. 
HttHdschr. 
Pal. 343 


85 






3 


(145) 


91 
27,30 

83 


102 




56 




24 


62 
13 


79 


183 




50 


99,145 




109 


25 


38 

57 
121 


51 


66 
17 

130 


19 
101 

179 
41 
100 

99 


76, 111 


181 




30 




106 


6 


58 


58 




38 


104 


175 


128 








43 


65 






1 
23 


59 


105 


1 
! 
1 
i 


91 




33 






1 








11 



238 



LiedenreneiehiiiB. 



Ach W nit brich — $. Ach E nit brich . . . 

Ach Winter kalt 

Ade, ich mos mich scheideiif ade ich mos darrann 
A(l)de, ich mos {besw. muß ich) mich scheiden 

ana traoriglichem mnt 

A(l)de, mit leidt ich yon dir scheidt 

AÜ ding ein weil auf dieser erd 

All mein gedenk ker ich nnd wendt 

All mein gepens thoit mir so wee 

Alle mein jnng leben das hat sich non ergeben 

{1582 Ä 105: das alle) 

Allein an dir Herr Jesu Christ 

Alles wirt verkert 

Allhie aof dieser Straßen da wont ein megdlein 

fein 

An dich hat sich gebunden mein hers 

An dich kan ich nitt frewen mich — «. Ohn dich 

An llebs brüst 

Auf erden lebt ihres gleichen nicht . . . . • 

Aus argem wahn 

Aus gutem wahn 

Aus herzen grundt 



Liederhmeker 

1582 

A B 



25 



169 
177 
126 



105,247 



106 



162 



Bedenk herzlieb mein elend gros 

Beschaffens glück ist unversanmpt 197 

Betracht und acht was scheiden macht .... 

Bewar mich Herr 

Bomej, bomey, ir Polen .152 

Brinnende lieb, da heiße flamm 110 



Ciagen, Cleglich «. dgL s. Kl. 
Cunts, steh auf und gang hinder die nasen 
Cupidinis krafft hat mich verwandt . . . 
Cupido triumphant 



234 



I 



229 



(27) 



Darumb ich lang gehoffet han |, 

Das alle mein jung leben — «. Alle mein j. leben ' (105) 

Das flog ein blau fueß aus wilder art . . . . . 55 

Das hum hum sein und wöUens doch nit sein 

Das ich so arm und elend bin — s. Ob ich schon 

arm u. e. bin 

Das ist die aller holdtseligst auf erden — «. Die 

Schoneste auf dieser erden ^j 

Das mftgdlein trägt einen strohut auf . . . . |l 
Dein(e) gesund mein(e) freud(e) du mein einiger |i 

trost j|68,151 

Dein lieb durchdringt mein junges (/.5 ^8 eilendes) | | 

herz i 205 I 165 92 



77 



87 
130 
169 



44 



46 



33,38i 



154 



BtfÜMtT 

1568 I 1574 1575 



61 
68 



I 

' 47 
i 67 



I 102 

i 

120 



(89) 



107 



85 



109 



(174) 



185 



16 



j BeuUb. 



44 



91 



21 



(27) 

64 

84 



89 
102 
108 
23 

107 
45 



134 109 I 55 

i 



43 



96 
110 



118 



(45) 



35 



70 



(37) 



Liederverzeichnifi. 



239 



Deiner gedenk icb offt und viell 

Der gnaden bmnn thnt fliesen 

Der gucknck {Pal, gutzganch) hat sich zu todt 

gefallen 

Der heher {1568 heger) ist ein speer {1568 spar- 

wer) vogel 

Der liebe Gott der woU m. seh. lieb in ehren 

n. z. behüetten {1574 Nu segen dich Qott) 

Der maenet stehet an der hogesten 

Der mond der scheint so helle 

Der müller auf der nider mühl 

Der reif und auch der kalte schnee {1574 Nu fal 

du reif) 

Der Summer fert uns von hinnen 

Der tag wol durch die wölken drang .... 

Der ungefall hat getroffen mich 

Der verlor(n)en dienst und der sein(d) (Pai. dienst 

flndt man) vil 

Der wech(8)el dregt ist kein gutt art .... 
Der Wechsel (wezel) gesell das ist dein art . . 
Der wechter der blies {PaL Wächter ruefft) an 

den tag 

Der wechter verkündiget uns den tag .... 

Der winter will uns dwingen . 

Des ich mich erfreu das muet viel leut {Pal. 

Schonnes lieb das mich erfreuwet) .... 

Des spils ich gar kein glick nit hab 

Dich als mich selbst herzlieb allein 

Die große liebe zwinget mich 

Die leute {1575 lüde) (die) machen sich spitzig 

auf {1575 uf) mich 

Die Schoneste auf dieser erden, die ich habe 

gesehen 

Die 8onn(e) (die) ist verblichen 

Die untreu jez beschwert viell frommer leuthe 

auf erden 

Die weiber mit den flöhen die haben ein steten 

krieg 

Doli und töricht (1575 Dull u. töricht) (und) 

nimmermehr klug(k) 

Dort außen uff jhenem berge 

Dort ferne vor grienem walde — #. Ich sach mir 
Drei gesellen in einem weinhaus saessen — $, Es 

saßen drei gesellen 

Du mein schätz (PäL 24 E du m. seh. — 47 R 

du m. seh.) 

Dweil umbsunst ist alle kunst 



\\ Lieder 
15 
A 


buchet 
82 
B 


Ha 

1568 


Berliner 
ndtchrifUn 
[ 1574 1 1575 


Heidelb, 
Handschr. 
Pal. 343 










117 


3 


38 


90 


115 






111 
110 


78 
115 


6 




19 
6 


65 


113 


122 
179 


52 
133 




66 


126 
112 


86 


101 


42 


41 




1 


22 
69 
181 


155 
60 


22 
179 




40 


54 
15 


108 


43 
40 


177 
92 


114 


59 
56 


49 
125 


14 
73 


58 


167 




36 


7 
53 

132 


37 
11^ 


213 












125 


3 


65 
50 


(31) 


18 


109 
(33> 

24,47 



240 



Liedenreneiclmis. 



LUdetimeker 
1582 

A • B 



K da mein sehats — 9. Do mein sehatE . . . 

E weiplich bildt 

Ehe ich auf erd geboren wu 

£(1i)e ich dich berelieb verlies 

Ehr(en) werd(t), Aof erd, von togend schon . . 

Ein k freuodlkb, »chön und lieblich 

Ein blflemlen das heist meiden 

Ein boler mos sich leiden fill 

Ein dorf io einem baoren saß 

Ein faoler bäum, der verholen steht 

Ein freolin zart, gans schon von art, mir treo 

erseigt 

Ein freondliches aage(n) (Mit freundlichen aogen) 

(lu) (mir) winken 

Ein junger laggei soll frölich sein 

Ein knab an einem morgen spacieren wolt er gan 

Ein knab auf dieser erdeti 

Ein kOrblinmacher in eim dorf in Schwabenland 
Ein libeer (läppischer) man, der stersen kan . . 
Ein medlen, ein medlen das ist gar hüpsch and 

fein 

Ein megdlein fein ist bei mir gesein 

Ein megdlein maß ich meiden 

Ein (braans) megdlein sagt mir freondlich za 
Ein megdlein weiß mit ganzem fleiß hat mich 

mein herz besessen 

Ein mal 1er ist gesessen zu Basel an dem Rhein 

Ein neaes lied hab ich erdacht 

Ein atediger beger — «.In stettiger beger . . 
Ein itundt vermagf das jar und tag zuwegen nit 

mag bringen 

Ein tage weis will ich singen 

Ein wecbter gut in seiner hut ruft an den lieben 

morgen 

Ein weiblich bild mein herz bezwungen hat (Pa/. 

umbfangen bat) 

Ein weiblich bild micb aneficht 

Ein züchtiges bildt 

Einiger tiOHt, mein freud ein sprost 

Eine batirea eobn hett sich vermessen .... 

Eii](B)mala ftle ich spatzieren ginck 

Eine mala gen Linz ich kam 

El(l)end(t) bring(e)t pein dem (jungen) herzen 

mein 

£lend(e) du hast keine weile {Pal, Eilend war ich 

ein weyle) 

£ntlaub(e)t ist (uns) der walde 



141 

168 
73 



75 
115 



235 
93 ' 39 



l,156{23,36 

I 



240 

157 
46 

221 



; 190 

26 
8,143 



BtrUmer . Heidetb. 

HamdMdtriflm \Hamd»ekr, 
1568 1574 1575 \ PU. 343 



42 



123 



54 



24 

9 



84 



131 



(12) 



I 
j. 

j! 47 

ji 198 

j, 

1 232 



99 
158 



122 



16 68 



29 



119 



97 



95 



122 



32 

106 
42 



(24) 
26 

116 

lao 

129 



124 



71, 124| 121 
46 



119 



122 



127 
125 



117 

72 
21 



67 

130 
114 



Liederverzeichnis. 



241 



Entsandt mein gemuitt ist nahe ir guitt . . . 
Erenwerdt — $. Ehrenwert 

Erat hebt sich not und jamer an 

Ee fleugt ein kleines waldvögelein 

Es fuhr ein baue? ins hah 

Ea fuhr ein man den Rhein aus 

Es gingetk (sich) ans ewo (zwej) ge8piele(n) . . 
Es hatt ^in Scliwab ein dochterlein, es wolt nit 

lenger dienen 

Es hett ein Schwab ein töchterlein, halt die 

kanne feste 

Es hett ein Schwab ein töchterlein, krause mause 
Es hett (hat) ein student ein medtlein liefF . . 
Es hing ein Stallknecht seinen zäum gar hoch 

an einen tannenbÄum 

Es ist auf erde» keiu schwerer leiden .... 

Es ist kein glaub auf erden 

Es ist mir ein kleines waldvögelein geflogen aus 

meiner band 

Es ist viel wanders in der weit 

Es ist weinigh treu {1568 Wenig trauw ist) auf 

erden 

Es jagt ein jäger {1568 jeger) wol(l) gemut(t) . . 

Es reit ein reuter jagen 

Es reit ein weidman mit sorgen 

Es saßen drie gesellen {1574 Drei gesellen in e. 

weinhaus saessen) 

Es sollt ein medlen wasoKen gan 

Es sprach sieh ein wird es dochterlein — $. Nun 

laß uns frisch u. fr. sein 

Ee steht ein bäum in Oesterreich 

Es taget vor dem hohlen stein 

Es taget vor dem osten {Pal, an dem höchsten) 

Es taget vor dem walde 

Es war ein mal ein junger knab 

Es war ein mal ein echni^der man 

Es war ein mal ein ungeratens kind 

Es war ein wacker megdlein wol gethan . . . 

Es wohnet lieb bej liebe 

Es wolt ein (gut) jftger jagen 

Es wolt ein janger geselle dee morgens früh 

aufstehn 

Es wolt ein megdlein wasser holen {1675 Ich 

weiß mir e. haselen str.) 

Es wolt (ein) gut fuhrman in Elsaa üahren . . 
Es wolt gut Jäger jagen $, Eb wolt ein j. j. . . 
Es wundert recht mich armen knecht .... 
DeaUche Text« des MitteUatert V. 



Liederbücher 




Berliner 




Heidelb, 


1582 


Handschriften 


ffandschr. 


^ 


B 


1568^ 


1574 


1575 


Pal. 343 


r 




86 








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160 










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51 










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2 






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244 




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1 








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123 


150 












100 


41 






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239 


184 










(112) 




90 









16 



242 



LiedenrerMekiiM. 



Liederbücher ßerlmer 

1S82 Hamdedtriftem 

A B 1568 1574 J 1575 



Heiddk. 
HmnHeekr. 
FU 343 



(18) 



Ewiger Valter im himmelreieh 

Ej wie (to) gar freundlich, lieblich erseig(e)etii 

dich 49,248 101 

Feine lieb, ich maeß dich meiden {FaL Scbonne 

lieb ich mnee dich meiden) 

Feo(e)r eitel {PaL ober) fea(e)r brennt mir mein 

hen im leib i 70 24 

Frend nnd mnt ist gar dahin 182 138 

Freondlich mitt ogen wenken — «. Ein freond- 

liehet aoge 

Freundlicher art do haat mich hart mit deiner i 

lieb beaeaaen 

Freundlicher held 51 103 

Friach anf in Qottea namen, da werde tentache '' 

nation 

Friach, frölich and frej, nicht frech dabey . . , 124 , 132 
Friaeh ond frOlich ao willen wir aingen . . . . |( 
Friach anveraagt hab ich*B gewagt — t. Ich hab's 

gewagt, da achOne magd 

Frölich bin ich aaa herzen grand(t) j 81 125 

Frdlich §o wil (ich) aingen, frölich aas freyem 

{Pol meinem) mat 

Frölich »o wil ich singen wol hear za dieser i 

fnst ! 107 

Frölich §o willen wir singen, schU dein weib !| 

amb den kop i 48 

Frölich and frey, nicht stola darbey — s. Frisch, , 

frölich and firey 

Frölich wöln wir singen, kein traarigkeit nit 

pflegen 210 171 ! 

Für alle fread auf dieser erd hab ich mir ein 

schätz (aas)erwe]t i 82 

Fahrleat die han ein gaten mat ; 134 

Far Zeiten — s. Vor zeiten i 

i I 

€ibiaz lastig — s. Gar lustig ; 1 

Qar herlich kam gegangen ein graff, war wol i I | 

gethan n i 

Qar hoch anf jenem berge da stehet ein raaten- | ' | 

streachelein > 216 j 119 



Qar lastig {1574 Ganz lastig) ist spaciren gehn 

Qehabe dich wol zn diesen zeiten 

Qesang das will ich heben an 

Glückselig ist der tag — s. Selig ist der tag. . 

Gnad and ganst hoff ich herz aller liebste mein 

von dir allein 



108 I 

I 

133 i 



29 



eo 



70 



139 
62 

(124) 



11 



67 



(11) 



135 



9 

12 
S4 



98 
31 
58 



132 



93 



(97) 
77 



LiederverEeicbniB. 



243 



Gott geb ir heindt ein gaette nacht — t. So 

wttnsch ich ir ein gute nacht 

Qott gnad dem edlen keyser also frommen . . 
Gred steh auf und stoß das fenster anm köpf 

hinaus 

Groß lieb hat mich ambfangen, hera alderliebste 

mein 

Groß lieb hat mich ambfangen, zu dienen einem 

freulein fein 

Gnt gesell and da mast wandern 

Gaet Henßlein über die heidt aßreidt — «. Traut 

Henslein 

Gatt lieb laß dich gedenken, das ich nitt bei dir 

mag sein 

Heimlich thet ich spacieren zauber allein . . . 
Helff — «. ffilf 

Her Gott las dich erbarmen 

Herz allerliebstes frewelein, zu dir führ ich mein 

klag 

Herz einiger trost auf erden {1568 Herzlicher 

trost) 

Herz einiges lieb, dich nit betrüb 

Herzlich thut mich erfreuen die fröliche sommer 

zeit 

Herzlich (so) wünsche ich mich bey ir (aUein) 

zu sein in (1575 mit) freuden 

Herzlicher trost auf erden — «. Herz einiger trost 

Herz lieb du bist mein bort 

Herz lieb ich scheid aus herzen grimm .... 
Herz lieb mochte ich stedes bey dyr sein . . . 

Herz liebstes bild, beweis dich mild 

Hett(e) ich sieben wunsche(n) in meiner gewalt 
Hett ich yil gelt, so wer ich wert gehalten . . 
Hilf Gott, das ich moß meiden meiner lieben 

roeder mondt 

Hilf Gott, laß mich erhalten die ich außerkaren 

hab 

Hilf Gott, was schall ich syngen, untreuw nimpt 

die averhandt 

Holtseheligs weib 

Hördt moeder — «. Ach mutier 

Hört zu ir lieben Christen leut 

Hort tho, wat ich will singen 

Ich armer boß bin ganz verirrt 

Ich armer man, was hab ich getban 



Liederbücher 


i 


Berliner 


_ 


Heideib. 


1582 


Handschriften 


Handschr. 


A B 


1568\ 


1574 \ 


1575 


Pal, 343 












(20) 


222 












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250 




40 


(20) 
2 
25 




2 


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(13) 


76 


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70 


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120 






100 





244 



LiederreneichniB. 



Ich armer sünder klag mich seer 

Ich armes f&rstlein klage mein leid 

Ich armes megdlein {Pal. medlen) (be)klag(e) 

mich sehr 

Ich beut dir da, mein herziges A, gans willig 

pflicht 

Ich bin darzn {PeU, sne ft'ue) geboren, das ich 

kein gelacke sali haen 

Ich bin durch freoleins willen geritten (so) 

manchen tag {Fai. manche nacht) .... 

Ich bin ein armer reute rs knab 

Ich bin ein jeger nnversagt 

Ich bin schabab, mir ist nit jach 

Ich bin so lang gestanden — «. Ich hab so lang 

gestanden 

Ich bin so lang gewesen 

Ich bin versagt gegn einer magd 

Ich bin yerwnndt in jam(m)er8 not(t) .... 
Ich bin zne finie geboren — «. Ich bin darzu 

geboren 

Ich bins — t. Ich bin 

Ich dank dir lieber Herre 

Ich erfröawe mich einer abend stände .... 

Ich gieng bey eitler nacht 

Ich gieng für einer fraa wirtin haas 

Ich gieng mir ncchten abend heraus 

Ich ginck mit last durch eineu waldt .... 

Ich hab dich heralieb auÖerwelt 

Ich hab groeß leid und ungemach 

Ich hab mein herz zue friden gestelt .... 

Ich hab mein sach zue Qott gestelt 

Ich hab 80 lang geiaget 

Ich hab(e) so lang(e) gestanden, ich stund in 

sorgen groß {1575 in s. st. ich) 

Ich hab verschütt {PaL 75 Verschütt hab ich) 

mein habermus 

Ich haben die zeit woll ehr gesehen — «. Ich 

han die zeit 

Ich habs gestelt so weit ins feld 

Ich habs gewagt, du schöne magd {1568 Nr. 20 

Ich habs gewagt frisch unverzagt) .... 
Ich han die zeit wol gelebt, war ist sie nu ge- 

faren {1574 Ich haben) 

Ich han gelt^ssen ein coppej 

Ich hatt ein stodig rnedlcken 

Ich hatt mich ftiiÖorkor(e)n ein feins lieb wol- 

gethann 



Liederbücher 
1582 

A B 



243 



184 



92 



258 
187 



259 
238 
153 



209 



90 
170 

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14 
104 



187 



59 



140 



144 



182^ 

18 



170 

5 

94 

21 ! 



BerwMT 

Handschriften 

1668 1574 1575 



76 



31 



34 



66 



18,20 



117 



11 

39 

73 
13 



(15) 

15 
16 



Heiiklb. 

Bamdmskr. 

PkiL 343 



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129 I 141 
! 155 



48 
(18) 

1 



95 
7,94 



75, 142 



40 



66 



Liederverzeichnis. 



245 



Ich het(te) mich underwaDden xn dieDon eim 
frealein fein 

Ich het mir ein bnelen aoßerkoren 

Ich het mir ein stetig lifikin 

Ich het mir färgennmmen zu dienen stetiglich 

Ich hoff es sey vast seher wol mttglich .... 

Ich hört ein ft'eulein {1575 horde ein kammer) 
klagen 

Ich hört ein wasser raaschen 

Ich kam darher gegangen, die zeit wart mir nitt 
langk 

Ich kan nicht gnugsam schelten die ontrenw 
dieser weit 

Ich klag den tag and alle stand 

Ich lach der schwenk 

Ich lafie leicht ab — «. Ich steU leicht ab . . . 

Ich lejd and mejd, ist nit mein will 

Ich mas von hin 

Ich nam {1575 weiß) mir ein megdlein von acht- 
zig jaren 

Ich reit ein mal aaf eventare (Pai. Ich ritt mir 
aas nach abenthear) 

Ich reit ein mal spatzieren 

Ich reit ein mal za Braanschweig {1575 Bnsch- 
wert) an (aas) 

Ich reit mir aas karzweile f&r einen grünen 
wald 

Ich reit (ritt) mit lost darch einen wald . . . 

Ich rea and klag, das ich mein tag nicht(s) lie- 
bers habe verloren 

Ich sach (mir) far einem walde ein feines hirsch- 
lein stan 

Ich sach se nechten spade ga^r heimlich off 
einem orth 

Ich sag ade wir zwei wir massen scheiden . . 

Ich saß and was ein mal allein in einem stübelein 

Ich schall (schell, schwing) mein hom in(s) jam(m) 
ertha](l) {1568 richtiger: jamers thon) . . . 

Ich scheid von dir, kompt nit von mir .... 

Ich schweig and maß gedenken {1568 Zn wem 
sali ich ged.) herz allerliebste mein .... 

Ich schwing mein hom — s. Ich schall mein hom 

Ich sing and spring and was ich thu .... 

Ich stell leicht {1568 leidtt, 1575 Ich laße leicht) 
ab von solcher hab 

Ich stand an einem morgen heimlich an einem ort 

Ich trener wachter trit daher 



Liederbücher 


Berliner 


1 Heideib. 


1582 


Handschriften \ 


Handeckr. 


A B 


1568 1 


1571^ 


1575 1 


Pol. 343 








42 


77 ; 


148 
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28 
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146 


189 


146 


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(79) 


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49 


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206 


166 


53 
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1 


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106 


45 


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129 








153 
156 



146 



LiederversMchiiis. 



Ich yorkOnd each neue mftre and wolt jr dieventAn 

Ich wart der seit and glucks erbeit' 

Ich weiß ein blttmlein hfibsch and fein .... 

Ich weiß ein graffen tdcbterlein 

Ich weiß kein seit die mich erfreat 

Ich weiß kein seit jetsander 

Ich weiß mir ein blomgen, ee etat an groner 

beiden 

Ich weiß mir ein blamlein bloe 

Ich weiß mir ein edle kejrserin 

Ich weiß mir ein feine Weberin 

Ich weiß mir ein hma bratmi megdelein, hat 

mir mein herz beseaeen 

Ich weiß (mir) ein frealein hübsch and fein . . 
Ich weiß mir ein haselen streachlein — «.Es 

wolt ein megdlein wasier holen 

Ich weiß mir ein hübsche gräserin 

Ich weiß mir ein megdlein (meidlein) gar hübsch 

and fein, bey im wolt ieh gern fichlafiPen . • 
Ich weiß mir ein megdlein (ist) hübsch and fein, 

das wolte mein stedige treawe sein .... 
Ich weiß mir ein megdlein hfibsch and fein, hüt 

da dich 

Ich weiß mir ein megdlein (ist) hübsch and fein, 

sie hat ein rote« müDdelein 

Ich weiß mir ein megdlein von achtzehen jaren 
Ich weiß mir ein megdlein von achtzig jaren 

— - «. Ich nam mir ein megdlein 

Ich weiß mir ein Btolze mülJerin 

Ich weiß mir ein wunderschöne magd 

Ich weiß mir einen garten 

Ich weiß mir noch ein jungkfran fein .... 

Ich wii mich gan yerhoegen 

Ick wil za landt außreiten 

Ich zempt mir einen fa^ken 

Ich zeunt mir nocbten einen zäun 

Ick bins bedroyet, konts anders sein 

In dich hab ich gehoffet Herr 

In druck und schmerz mein junges herz wirt nu 

ohn schuld t gequelt 

In feariß hitz brent mir mein herz 

In herter clagh für ich mein zeit 

In Stettiger beger {1674 Ein stediger) .... 

Ir Christen lasts euch zu herzen gan 

Ir helßlin weis, ein kettlen dran 

Isbrack (Pal. Isprngkh) ich mu(e)8 dich lassen 
Ist dieß nicht schwär verdreiet 



Liederbücher 




Berlmer 


Heide&. 


1582 




Handgd^. 


^ 


B 


156S±i574 1575 


PiaL 343 


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32 



188 i 146 



12 



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128 



61 
159 
139 



Liederverzeichnis. 



247 



«f e lenger ich gedenke ahn dich herzliebeter mein 

Jegen diesen yastel abendt 

Jet2(t) scheiden (das) bringt (mir) schwer {1568 

Och scheiden, 1575 ttz seh. 15S8 du brenges) 

J(e)tz(t) wnrtt mir kandt verlangen 

J(e)tz(t) zne disem mayen grien will ich mich 

deiden 

Jetzundt so woln wir singen aoß frischem freyem 

muet 

Johannes Pocatias schriebe 

Jang schön von art, lieblich and zart .... 
Jangfrealein sol ich mit euch gan — t. Ach 

jangfraa 

Kan es doch nit anders sein, das ich dich feinß 

lieb muß scheiden (/. meiden) 

Kehr wider glück mit frenden 

Kein freud ohne leidt wirt erfanden — s. Rein 

lieb on leid 

Kein größer {1568 besser) fread auf erden (nit) ist 
Kein lieb {1568 freudt) o(h)n(e) leid(t) mag mir 

(nit) widerfa(h)reD 

Kein lieb c(h)ti(e) leid(t) schwer ich ein eidt ist 

nie erfunden worden 

Kein lieb {i->7.5 fread) o(h)n(e) leid(t) wirt 

(er)fuudeu 

Kein last hab ich, des freu ich mich 

Kein trost auf erd ich haben mag 

ELlagen thu ich dich herz alderleibste, hör merk 

meines klagens bescbeldt 

Kleglich (/. Kittglich?) so hab ich mich ganz 

aiißerwelt, die mirs gefeit 

Kand(t) ich von herzen singen ein hübsehe tage- 

weis (1575 O daß ich konde) 

Kand(t)8chaft mit dir ich begeren bin .... 

liaeß tza gelack mit freuwden, wendt mir mein 
noeth, darin ich byn 

Lieb {1575 Leyb) haben und (zu) meiden das ist 
ein schwere pein {1575 brenget meinem herzen 
pein) 

Lieblich hat sich gesellet mein herz in kurzer frist 

Lastlich so hab ich mich aoßerwelt meines herzen 
ein ewigen krön 

Mach mich nit thumb mein kaiserin 

Mag ich nngefell auch erweren nitt 

Mag ich Unglück nit widerstan 



Lieder 
15 
A 


bücher 
82 

B 


Ha 

1568 


BerUnet 
ndschri^ 
[ 1574 j 


'ten 
1575 


Heidelb, 
Handschr, 
Pal. 34S 










123 












78 




12 


64 


16 
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8 


137 

149 
60 


241 












203,249 


163 










(111) 








147 




35 


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2,23 




19 


162/3 


42 


176 


122 




(13) 




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48 


48 
13 


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160^12 
186 


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115 


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17 


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4 

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166 


19 


71 


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44 


17 


92 


164 

176 
174 



248 



LiederyerseichDis. 



I Liederbücher 

■) 1382 
' A B 



Bfan sieht noch wol wie stet du bist 

Man singt von scheidens hartem wehe .... 

Man singt {Pal. sagt) von schönen Jungfrauen vil 

Mein alter man der nimpt sich an 

Mein einige A mein höchster ach alz 

Mein elend thut sich vonnehren 

Mein feine lieb ist hinweg geflogen 

Mein feins lieb iat von FlaDdorn 

Mein feins lieb stund in sorgen 

Mein fleiß und mühe hab ich nit gespart (Pal. 
ich nie hab gespart) 

Mein gemiith entzündt m Venus flammen thut 
mir im hersen umbtreiben 

Mein gemüth und geblüt das ist dir hold . . . 

Mein gemüth und geblüt (1582 blüt) ist gar 
entzündt 

Mein hene das funket flammen aus rechter lieb- 
den gloett 

Mein hen hat sich mit lieb verpflicht .... 

Mein hen ist alles traurens voll 

Mein hen thut sich erfreuen cur herz allerliebsten 
mein 

Mein herzigs lieb, ich mich stetz ieb nach dir in 
allen ehren 

Mein hoffnung Imb ich ganz gesetzt 

Mein junge zeit ficht stets nach freud .... 

Mein man der ist in krieg gezogen 

Mein selbst bin ich Di(cb)t gewaltig mehr . . . 

Mein syn hab ich an ir gelecht 

Mein syn sein tnir enthogen 

Mein synnekens seint mir durchtogen .... 

Mein synnekens seint mir versturet 

Mein tag kein zag bt^in gesellen wae 

Meinem Godt will ich vertrauw^iti 

Mich badt ein jangkhfrau seüberleich .... 

Mich hatt erfreut des summers zeit 

Mich wundert zwar vom frauen haar, wo es sein 
krafft hat genommen 

Mir ist ein feins brauns megd(e)lein gefallen in 
meinen sinn 

Mir ward verwundt meins herzen grundt . . . 

Mit allem sin bin ich behafft 

Mit einem bedruefden gesangen ich stedigh kla- 
gen mues 

Mit freuden hanthieren 

Mit freundlichen äugen winken — s. Ein freund- 
liches augenwinken 



193 

75 
52 



150 

118 
104 



196 I 158 
77 121 



Berliner Heiddb. 

Handtekrifien \ffandMdn; 



1568 1574 



19 



96 







1 

i 


5 


57 


1 



63 



149 



219 



143 



24 



110 



14 



185 : 141 

194 I 151 

132 ' 

163 , 



i 145 



110 
59 

101 



9 

52 
47 
46 



I '^ ! 



I 



(156) ' (23) 



1575 i P^ 343 



63 



111 

64 
83 



127 i 

140 

25 



51,169 
172 
171 



137 



I 52 I 43 



64 1 
69 ' 



167 



178 



I 175 
1 54 



168 
170 

29 



(24) 



. Liederyerzeichnis. 



249 



Mit ganzem elenden herzen klag ich mein schwe- 
res leidt 

Mit kommer schwer hat mit so (gans) sehr (gar) 
groß nnglttck ombgeben 

Mit lieb bin ich nmbfangen, herz allerliebste mein 

Mit last reidt ich, da frendt ich mich der sammer 
zeit 

Mit last thet ich aaßreiten durch einen grünen 
wald 

Möcht ich feins megdlein stets bei dir sein — 
$. Schöns lieb möcht ich 

Möcht ich gnnst han bei dir das kan ich nit 
yerstan 

Möcht ich herz lieb bei dir geeein — «. Schöns 
lieb möcht ich bei dir gesein 

Möcht ich vergessen lerhen — ». Weß sali ich 
mich emeren 

Möcht ich vor traoren heben an 

H ach grfiner färb mein herz verlangt .... 
Nach lost hab ich mir aaserweit dich meines 

(1568 die fraa meins) herzen ein trösterin 

Nach willen dein 

Nechtlicher zeit sich etwan geit im schlaff das 

ich versöhne mich 

Nie größer lieb mir za banden kam 

Nie noch nimmer so raawet mein gemath . . . 

Na(n) fall da reif, da kalter schnee 

Nan grüß(e) dich Qott mein feines lieb .... 
Nan grüß(e) dich Gott mein mfindlein rot . . . 

Nan hab ich aU mein tag gehört 

Nan heb ich an za singen aas frischem freyem mat 
Na(n) hör, na(n) hör zartz frewlein fein . . . 

Nan ist es noch ein wahres wort 

Nan laß ans frisch and frölich sein [1568 Nan 

wollen wir; 1574 Es sprach sich e. wirdes 

dochterlein) 

Nan lond ans frisch and frölich sein and unser 

pfaff ist voller wein 

Nan merkend itzand jung and alt von einem 

Freyhart 

Nan merket aaf was ich each sing von ebentear 

Nan schaa mein glttckh 

Na(n) schein da liebe sonne — «. Schein ans da 

liebe sonne 

Na(n) sogen dich Qott mein schönes lieb — 

«. Der liebe Gk>tt 



Liederbücher 




Berliner 




Heidelb. 


1582 


Handschriften 


Handechr. 


A 


[ B 


1568 


1574 


1575 


PaL 343 












56 


87 


126 


26,87 




101 




88 


8 




27 


93 


32 


50 


102 










(154) 


(20) 










190 


147 
191 


(125) 
(39) 




31 




57 


10 




10 


52 


90 


4 


173 


72 








3 


55 


5 


22 


37 


81 


183 


139 










191 


148 


84 
37 








62 


180 




35 


57 




72 


114 


1 






208 


168 










45 


97 


15 








127 






8 






260 














186 


36 


26 






131 












139 










140 






(44) j 


177 








(19) 







250 



Liedenreneidiiiift. 



\UederMeher 

i582 

Ä B 



Na(n) wende, na(D) wende ongelficke yon mir 

— «. Ob ich schon «rm o. elend bin . . . 
Non wil ichs aber heben an von dem DanheiiB«r 
Na(n) wollen wir beschauen and also heben an 
Nun wollen wir frisch and frolich sein — «. Non 

laß ans 

Nan wolt (wölt) jr hören neae mir, es ist ein 

seosack kommen her 

Non wolt (wölt) jr hören neae mär, vom pox- 

baom and vom felbinger 

Nan wolt (wölt) jr hören, so wil ich each singen 

Nar n&rrisch sein ist mein manier 

Ny {1568) — «. Nie 

O haaren knecht, las die röslein stan .... 
O daß ich konde von hersen singen ein dagewjß 

— t. Kondt ich von herzen singen .... 
O falsches herz, o rotter mandt, wie hasta mich 

bedrogen 

O Herr ich klag daß ich mein tag so hab verzert 
O herziges N wie hoch mich das erfreiet . . . 

O reicher Qott im höchsten saal 

saurer winter, da bist so kalt 

O scheidens not kambst nit za spot 

O Venus, dein art hat mich umbfangen hart . . 
O Venus noet, wie krenkstu mich so hart. . . 
O weh(e) der zeit die ich verzert hab in der 

buler orden 

O weiblich bildt, wie reich und mildt dein lob 

erhelt 

O wexel — s. Der Wechsel 

O wie lang hab ich gewart — «. Ach Gott wie 

lang steh ich im schwang 

Ob ich schon (Wie wol ich — Daß ich so) arm 

und elend bin 

Ob mir groß ungefell schwerlich betrübt, das 

muß ich leiden ganz duldichlich 

Och scheiden du brenges mir schwer — «. Jetzt 

scheiden das bringt mir schwer 

Ohn dich (1568 An dich) kan ich nicht (nit) 

freuen mich 



224 



I 142 

•i 231 

i: 188 

!' 164 



Berlmer \ HHddb, 

EmuUekriftm \Bamdsekr, 
1568 i 1574 } 1575 j fU 343 



(146) 



178 



(36) 



9 


61 


27 


225 






37 


175 




211 


172 





(115) j 



10 
35 



180 



62 



29 



81 I 



lU 



27,227 



79, 174 



P höchste frucht, all mein Zuflucht . . 
Papirs natur ist rauschen 

B du mein schätz — s. Du mein schätz 

R einiges bild inn eeren milt 

Recht gluckh von herzen winsch ich dir 



34 I 86 



245 



104 



66 



61 



4oJ46 



(ISl) 

(179) 

38 



I 



30 



(16) I 

i 

89 I 



I ' 



U7> 
182 
39 



LiederyerzeichDis. 



251 



Recht ist das man in aller noth Eaflacht Sachet 
za dem liehen Godt 

Recipe das hlaa vom himmel 

Reich Oott wie sali ich clagen, wie sali ich da- 
gen mein nott 

Reif ah, reif ah, da kalter sehne — s. Der reif 
and auch der kalte sehne 

Resch and hehend der pfarherr sprach .... 

Rosina wo war (1568 war was) dein g^talt . . 

HtLg an herz lieb was scheiden that 

Salig ist der tag — «. Selig ist der tag . . . 
Scheiden mich krenkt, wenn ich (PaL so ich) der 

Ibbfe) gede»k(e) 

Scheiden thnt mich sehr kränken 

Schein ans da liebe sonne (1574 Na schein 

da 1. s.) 
Schön bin ich nit mein höchster hört ... . 
Schön blomgen gent ins herz geprent ... 
Schön flenßlein — 8. Traut EeDslein .... 

Schön and zart, von edler art 

Sch5n(e zucht and geberd, kein sach aaf erd 
Scböna (SchonneB) lieb das mich erfreuet — 

#, Des ich mich frea 

Schöne lieb ich bin dir trea and holt .... 
Schöne lieb ich maes dich meyten — «. Feins 

lieb ich maß dich meiden 

Schöns lieb mOeht ich bei dir (ge)Bein (Möcht 

ich feins megdlein n, fL) 

Schons leiff wo heffetu mich so gar vorlathen 

Schwer langweilig ist mir mein zeit 

Sehnlicher «chmerz bekrenkt mein herz . . . 
Selig (Salig, Salich, Glückselig) ist der tag, der 

mir dein liebe verkündiget hat (solch glttck 

verg. hat a. ft.) 

Sich klagt der vollen brüder orden 

Sie acht mein nit aas übermat 

Sie hat (mir) mein her« getroffen 

Sing(e) ich nftt wo II, das ist mir leidt .... 
So will ich doch einen gaten mat haben . . • 
So wünsch ich jr ein gnte nacht, bei der ich 

war alleine (PaL Gk)tt geh jr heint e. 

gnte n.) 

So wünsch ich jr ein gnte nacht zn handert 

taasend standen 

Sonst kein ohn dich erfreaet mich 

Steh ich allhie yerborgen die finster lange nacht 



1 Lüderbücher 


i 


BerUner 




Heidelb 


, 1582 


Handschriften 


Handsch 


A B 


1568 


11574 \ 


[J575^ 


Pal. 341 








136 




254 


7 


43 
(66) 






144 












174 


123 


28 


34 




82 


172 

ii 


116 
34 


(69) 




(3) 
133 


49 
16 


1 
66 


112 




44 


60 




181 

1 
1 


137 
(43) 


108 
74 


54 


20 




11 

1 

i 


63 


99 






(U) 
(12) 


67, 154 


20,135 


125 




61 
82 




22 


74 






89 


87 


192 


149 










95 


40 


69 




3 


97, 185 


130 












178 


131 


17 




16 


184 


26 


78 






98 




13 


65 




46 


41 


20 


10 


62 
15 


49 




39 


183 


114 


12 











252 



LiederverzeichiuB. 



Stettig du bist die höchste krön, die ich in meiDem 

herzen trag 

Störtzenbecker und Qödeke Michael 

Sy {Pal, S43) — $. Sie 

Tag and nacht leid ich groß not 

Toll and töricht — «. Doli and töricht .... 
Trauren da bist mein eigen all gebleben . . . 
Traaren mas ich tag and nacht and tragen gros 

verlangen 

Traat {1582 B Schön, J574 Gnet) Henslein über 

die heyden reit 

Tröstlicher lieb ich mich stets üb 

Vmb (Von) deinetwegen bin ich hie . 

Und wölt jr hören singen, singen ein neues lied 

Unfal will yezund haben recht 

Ungnad(t) beger ich nicht von ihr 

Tenos du und dein kind 

Verlangen, verlangen, gy thaet meinem herzen 

pine 

Verschatt hab ich mein haber mueß — t. Ich 

hab verschütt 

Versturt hab ich mein habermuß — «. Ich hab 

verschütt 

Vi(e)l gluck man spricht hat neider vi(e)1 . . . 

Vil gluck und heil ist niemant feil 

Vil haß und neitt zue hoff ich leidt 

Vil untreu ist auf erden 

Vinum quae pars? verstehstu das? 

Von deinetwegen — «. Umb deinetwegen . . . 
Von edler art, ein freulein zart, bistu ein krön 
Von einem mönch hab ich oft gehört .... 
Von hinnen muß ich scheiden, bedrovet seind 

all meine synn 

Von rechter schön {1575 recht schöner) und 

lieblicher art 

Von ttppiglichen dingen so wil ich heben an 
Vor lieb brennt mir mein herz im leib — *. Feuer 

eitel feuer 

Vor {1575 Für) Zeiten war ich lieb und wert 

l^ach auf mein herz in freuden und laß dir woll 

gesein 

Wach auf mein hört, vemim(b) mein wort . . 
Wach auf mein lieb und hör mein stimm erklingen 



Liederbücher 
J582 

A I B 



Berliner 

Handechriflen 

1568 I 1574 I 1575 



Beidelb. 
ffamdeekr. 
i BtL 343 



215 



199 , 156 



45 



103 
44 

56 
158 



96 



43 

96 

108 



53 



27 



127 



111 



30 



124 



(34) 



1 ^^ 

136 


67 


22 


91 
129 


127 




(70) 

28 


80 




23, 202 
55 


162 
107 





20 



58 



74 



33 



51 



150 



116 



I 26 



107 



102 



46 



85 
97 
50 



50 

186 

188 
(15 



(75) 



42, Ö9 
15 

HS 



187 



53 



191 



Liederyerzeichnis. 



253 



Wach auf meins gemüts ein trösterin .... 
Wach auf meins herzn ein schone, zart aller 

liebste mein 

Wach af wach nf mit heller stimm sprach sich 

ein Wächter gaete 

Wahr seidt ir na mein lieff 

Wann ich des morgens früe nf stee 

Wan(n) ich gedenk der stount das ich mons 

schejtten 

Wammb die mönch in holzschah gehn .... 
Warumb solt {1575 scholdt) ich nicht frölich sein 

Was al mein tag erlebt mein herz 

Was mein Gott will das gescheh allzeit . . . 

Was wird es doch des wanders noch 

Was wollen wir aber heben an, ein neaes lied 

za singen . 

Was wollen wir aber heben an, ein neaes lied 

za singen 

Was wollen wir aber heben an, von einem reichen 

kargen man 

Was wollen wir singen and heben an, das beste 

das wir gelemet han 

Was wdllen wir singen and heben an, (und singen) 

von einem fränkischen edelman 

Welt ehr and rhaem das ist ein bluem .... 
Wenig traaw ist aaf erden — «. Es ist wenig 

trea aaf erden 

Wenn (Wann) mein stündlein vorhanden ist . • 

Wer balen wil, halt masse and ziel 

Wer wolde dir in ehren nicht sein holt {PaL We/r 

wolt ir nit von herzen sein holdt) .... 
Weß sali (schall) ich mich erfreawen kegen 

diesem winter kalt 

Weß sali ich mich emeren, ich werdt gehalten 

so kort 

Wha {1568) - s. Wo 

Wie hastu mich so krefftiglich mit deiner lieb 

ambfangen 

Wie möcht ich {1575 kan ich) frölich werden 

Wie offt feit af mich neid and haß 

Wie schön blüht ans der meye 

Wie sitzen wir hie so stille schweigen .... 

Wie sült ich frölich wesen 

Wie wol ich arm and elend bin {PaL jetzt g^nz 

ellendt pin) — «. Ob ich 

Wie wol anfall sein muet wil han 

Wies Qott gefeit, so gefeit mirs aach .... 



Liederbücher 
1582 

A 1 B 


Berliner 

Handschriften 

1568 11574 [ 1575 [ 


Heidelb. 
Handschr, 
PaL 343 


167 


56 


100 


68 
75 




198 
199 


137 












251 








6 


28 
202 


21 


73 








192 


180 


136 










98 












116 


9 










61 


19 






55 


195 


257 


189 


(116) 








252 




39,93 
77 




113 

> 
119 


200 


80 








134 


196 


30 


32,82 


118 


37 


47 


17, 198 


161 






7 






(227) 




(66) 


(61) 




(38) 
201 

8 



254 



Liederyerseichnifl. 



WilhelmoB von Nassaue bin ich von teatBchem 

^ Wut 

Willig and tren ohn aUe reu ich mich ergib 
Wils Gott, 80 geschichts, den reomen hab ich 

Winter du must urlaub han 

Wo mach ein man sein leben losten .... 

Wo 8ol(l) ich hin, wo soll ich her 

Wo 8ol(l) ich mich hinkeren, ich tnmmee (Pal. 

armes) brüderiein 

Wo soll ich mich hinkeren, ich armes wald- 

brttderlein 

Wol auf geluck dich zu mir ker 

Wol auf gut gesell von hinnen 

Wol auf ihr frommen vom adel gudt .... 

Wol auf mit reichem schalle 

Wol kombt der may 

Wolt Qott das ich solt singen 

Wolt mich der wechter wenken 

Wor ich mitt dem leib nitt khommeu mag . . 

Yets (PaL 343) - *. Jets(t) 

2art schöne frau, gedenk und schau .... 
Zart schönes weih, dein edler leib hatt mir 

mein herz umbfangen 

Zu Augspurg es geschehen ist vor jaren im 

reichstage 

Zu singen steht all mein begehr von einer königin 
Zu wem sali ich gedenken — s. Ich schweig und 

muß gedenken 

Zucht ehr und lob ir (dir) wonet bej .... 



Liederbücher 

1582 

Ä I B 



146 

48 

120 

82 
97 



54 



1 
100 

50 

155 



106 



Berliner 

Handschriften 

1568 I 1574 I 1575 



35 
94 



135 
226 



54 



63 
64 



14 



(1) 



57 



68 

81 

87 



29 



BeidM, 
Hamdackr, 

/W. 343 



92 

11 
189 
194 
197 



190 
44 



63,203 
74 



78,204 



Druck von O. Bernstein in Berlin. 



Deutsche Texte des Mittelalter: 




Deutsche Texte des Mittelalters 



herausgegeben 



von der 



Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften. 



Band VI. 

Elsbet Stagel, 

Das Leben der Schwestern zu Töß. 



BERLIN 
Weidmannsche Buchhandlung 

1906. 



Das 

Leben der Schwestern zu Töß 

beschrieben 



von 



Elsbet Stagel 

samt der Vorrede von Johannes Meier und dem Leben 
der Prinzessin Elisabet von Ungarn. 



Herausgegeben 
von 

Ferdinand Vetter. 



Mit zwei Tafeln in Lichtdruck und einer Nachbildung der Platte 
des Farstengrabes von TöB. 



BERLIN 

Weidmannsche Buchhandlung 
1906. 



Inhalt 



EinleUung VII'-XXVI 

EUbet Stageij Das Leben der Schwestern zu Toß, 

Vorrede Johannes Meiers 1 — // 

Vorrede Elsbet StageU i2— /tf 

/. Ita von Wejsztkon 17 

IL Ita von Sulz 20 

IIL Eisbei ScheffUn 22 

IV. Margret WÜHn 25 

V. Mezei SidwiMn 28 

VI Bell von Liebenberg 29 

VIL Offmya von Münchwü 32 

VII L Margret Finkin 33 

VIII^, EUbet von der Mezi 35 

VIII^. Ita von Tungen 35 

IX, Qutte von Schonenberg 35 

X. Margret von ZOrich 36 

XL Anna von KUngnau 36 

XIL BeU von Wintertur 40 

XIIL EUbet Zoinerm 41 

XIV. BeU von Sure 41 

XV. Kalharina Ptetin 43 

XV L Margret von Hünikon 43 

XVIL Mezzi von Klingenberg 45 

XVII'. N. N. von KHngenberg 46 

XVIIL Anna WansaseUer 46 

XIX. Eine eilende Schwester 47 

XX. Willi von Konstanz 48 

XXL Gertrut von Wintertur 48 

XXI'. Elsbet von Jestetten 49 

XXII. Adelheit von Frauenberg 50 

XXIIL Sophia von KUngnau 55 

XXIV. Mechthilt von Stans 60 

XXV. Jüzzi Schuäheißin 69 

5CX VL Ita SuUerin 79 

XXVIL Elli von Elgau 82 

XXV UL Bdi von Schalken 83 

XXVnia. Ricki von Schalken 84 



VI 

Stirn 

XXIX. BeH von Lüiubaßh 84 

XXX, MechthiU van Wädenswä 85 

XXXL Adeiheä van Lindau 85 

XXX IL EUbetBechUn 86 

XXXIIL Ekbet van CeUinkan 90 

Beschluß Johannes Meiers, mä dem Leben der MuUer des Seusen 95 



Leiten Elisabeis von Ungarn . 98 



Namenverzeichnis ^23 

Wortverzeichnis 125 

Berichtigungen und Nachträge 1S3 



Einleitung. 



jiflsbet Stagels Tößer Schumternbueh samt der Legende der PrinBessin Misabet 
von Ungarn ist uns in folgenden Handschriften übErliefert: 

l Ö: Stiftsbibliothek zu St. ßolhn, Hs. Nr. 603 (vgl [Gustav Scherrer] Yer- 
seicknüs der Handschrißm der StißsbibUüthek von St. Oallen^ Halle 1S75^ S. 193 f)^ 
XV, Jh.^ Papier, Klein- Folio : 37 cm hoch, 20 cni breit ^ zweispaltig beschriebener 
Baum 22jl3^(2 cm zwischen den äußern Umrahmmgdinien^ innerhalb deren jede 
Spalte durch besondere bis an den Band hinansgäiende Umralimungslimen eingefaßt 
ist. f>ie sechs Schriften mystischen Lihalts^ die (nach Greith) erst im 17. Jh. bu 
diesem Bande vereifiigt wordeti sind, stammen von mindestens nvei verschiedenen 
Händen: von der einen sind auf gleichem Papier unser Schwestembuch — ah 
Nr, 111 dss Bandes — sowie (we7ngstens in der Hauptsache) Nr, IV und V (s. u.) 
von einer andern auf anderem Papier Nr. 1, II und VI geschrieben. Jenes Papier 
weist als Wasserzeichen einen Blumenkorb (?), ditMs einen großen roh umrissenefi 
Ochsenkopf, Am Schluß von Nr. II sind die Seiten 153—163 leer gelassen. Mit 
S. 163 schließt eine Papierlage urul damit ursprlmglieh auch das erste Heft misrer 
Sanimelharidschrifif auf dessen letzte Seife unteti eine migeühte Hand des XIV./XV. Jhs. 
einm halb abgeschnittetten Vermerk: 'äch gott wie kan vnd mag jxh fröchlich sin * . / 
eingetragen hat. Mit iS, 163 (Nr. III) beginnt eine nem Lage und Hand und seilen 
oben zwei Einrahmungslinien ein, die für diese Hand bis & 443 die Regel bilden, 
während die der Nrn. I, II und VI stets nu^r eine anbringt. Nr, IV b^innt fnit 
S. 369 noch innerhalb einer Loge, die von S. 347 bis 370 reicht. Hinter S. 443 
scheint lediglich anfällig der Schluß der Lage mit dem von IV j^usammenzuf allen: 
der Text von V schließt dort mit nur ^/^ Spalte freien Eaums unmittelbar an IV 
an; doch beginnt hier die bloß einfadte obere Einratmmng und zugleich eine engere 
Schrift (aber wohl desselben Schreibers), die so bis S. 399^ unten reicht, trorauf bis 
Ende von V wieder alle Kennzeichen dar Hand von III und IV einsetzen, deren 
Aufhören S. 571 abermals mit dem Schluß einer Lage (S. 548 bis 571) und dem 
Beginn einer netwn (S. 572— 695) , sowie der Nr. VI, zusammenfälU ; zugleich be- 
ffinnt hier nieder die Hand von I IL Sicher haben also einst Nr. III IV V einm 
Band für sich gebildet, der noch jet^t durch Lagemchlüsse gegen I II einerseits und 
gegen VI andrerseits abgegrefizt erscheint und den offmd^ar vor drr Vereinigung ein 
Leser besonders mi beziffern begonnen hat (mn I bis 150^ bezw. 145, s. u,). Der 



YUl 

Einband besteht am Holz, bezogen mit gepreßtem Leder des 17. Jhs.; der Hucken 

trägt einen aufgeklebten Zettel mit dem Titel: Liber afceticus. | item vitae Monialifi | 

in Thös, & in Dieffen- | hofen germanicfe. 

Der Band enthält außer unserm Büchlein folgende Schriften: 

(vorher) S. 1 — 144^: (I) Die vierzig Myrrhenbüschd (Allegorie des Leidens 

Christi, nach Scherrer avLch vorhanden in München, Cgm. Nr. 853 und 4716, und 

— ehemals? ~ in Straßburg), von einem andächtigen geistlichen Herrn und Vater 
Johannser Ordens zu Straßburg (wie er geheilTen mit finem namen, das han ich 
nit funden in dem exemplar vnd och wie lang es fy, dz weißt gol der her wol 
der alle ding waift — mille mille mille deo gracias); 

S, 146 — 152^: (II) Leben der h. Ba (Oräfn von Toggenburg, Klausnerin zu 
Fischingen im XIL Jh.); 

(nachher) S, 369^ — 441^: (IV) Leben der h. Margareta von Ungarn, Prediger 
Ordens (Tochter Bela's IV., Dominikanerin auf der Insula der Hasen bi der dunow 

— S. Margareten-Insel bei Ofen — , gd>. 1242, gest. 1271; Litteratur bei Scherrer), 
Hiezu als Anhang S. 441 — 443^ mystische Andachten, Anfang: ihs lert dif 
fei b er | Dis ift wie du | din v'sumnus | mit lob folt erfül | len vnd wider brige 
ge got II Vnfer lieber | her lert Sät | Trutten wie ain me | fch fin verfumnus | mit 
lob fölt gege I jm erfüllen, worauf 3 'Laudat^ feigen; 

S. 444—671: (V) Schwestembuch von Dießenhofen (vgl Greühs Mystik im 
Predigerorden S. 295—298, 346—356. Überschrift: Dis ift von dem wirdigen 
geiftlichen klofter Diefenhoffen das von recht heilTet Sant Eatharinatal by DiefTen- 
hofen vnd ifl prediger ordens; Schluß: Hie hat dif buch j von den fälgen | Schwöllren 
des I Cloriers Sant j Kaiherina Tal | by DielTenhoflFen [am Rand: pdg' orde] 
ain end jn dem | Jar do mä zalt [das Weitere fehlt]); 

S. 672 — 684: (VI) Legende von dem heiligen Biscliof Ludwig (wovofi eine 
Kopie des XVII. Jhs. in Einsiedeln Nr. 694 und 695; eine andere von 1845 auf 
dem Wiener Staatsarchiv, vgl. Scherrer a. a. 0.). 

Das Vorsetzblatt des Bandes enthält folgenden Eintrag des ersten Benutzers in 
neuerer Zeit, des nachmaligen Bischofs von St Gallen Karl Greith: 

Codex iste facile autographus et unicus in iis saltem quae moniales in Toeß 
speetant maximopere est aestimandus quippe qui illustrandae Theologiae et rei 
niysticse Alamannorum ab anno 1250 — 1350 apud nos florentis plurimum inservit. 
Quem in finem eodem usus est sseculo XVII P. Heinr. Murer in suo opere Hel- 
vetia saneta et novissimis diebus eum examinavit D. C. Greith Decan. can. et off. 
In S; Gallo die 14. Novemb. 1860. 

*Facile autographus' stütet sich wohl auf den Schlußvennerh S, 684, dessen 
Endbuchstaben Greith auf 'Schwester Elsbet StageV deutet; es lieißt aber d&rt deut- 
lich von einer Hand des XV. Jhs.: Gedecket durch got j der fchriberin S. R. S, 
nicht *S. E. S' (rtjl. Scherrer S. 194); auch könnte damit mir die Schreiberin von 
Nr. I 11 VI, also facht die der Stagelschen Schrift (III) bezeichiiet sein. 

Unser Tößer Schivesternbuch, Nr. 111 des jeteigen Bandes, umfaßt samt 



IX 



dem Leben Elisahets von Ungarn die SS, 163^ — 36&^\ Davon sind die Seiten bis 
eum Beginn der Legende der Elisabet von einer etwas jüngerti Hand — mit 1 bis 

150 — besmiders beziffertf doch mit einem Spnntg von 62 auf 67 , weshalb ich 
i. J. 1&7G die SS. 63 (älter 67) bis 144 (älter 149) neu bezifferte; ein Neuester hat 
södunn die Seüemähhing des Elisabefeiilebens gleichwohl auf Gnmd der unrichtigen 
Bezifferung — mit 151 bis 189 — fortgesetM, woran ich nicht weiter habe ändern 
wollen. Danehen geht durch den ganzen Band die wohl erst £um Zwecke der 
Katalogisierung vorgenommene Seitenzählufig vm^ 1 bis 684 her. 

Die gleichmäßige, aber etwan derbe Band (s, die Schriftnachbildung) weist rote 
Anfangsbuchstaben und Überschrifteti der Kapitel^ rote Unterstreichungen der Zitate^ 
rote Strichelungen der Sat^anfangsbuchstahen auf. Auch die Kommata sind rot ein- 
getragen; sie machten nach dem Plane dieser Ausgaben der Lachmannischen Inter- 
punktion Platz. Von Bilderschmuch findet sich lediglich S. 61^ und 62*" (alte Zlädung) 
ein dekorativer Zweig, mit roter Tinte je in einen freigelassenen Raum des Textes 
hineingezeichnet; dasselbe einfache Motiv ist auch 31"^, 45^, 47^, 95 \ 136 ^^ 184^ 
gur Fiilhmg freibleibender Bäume verwendet. 

Greith gibt nähere Nachrichten über die Hs. des Tößer Schwestembuches in 
'fKaihölischeJ Schweizer Blätter für Wissenschaft und Kunst', Ä Jahrg. (1860), 
65^77; 137— 151 ;399 — 416 C Heinrich Suso und seine Schule unter dm Ordens- 
schwestern von TSßj bei B'interthur, im 14. Jh.'; vgL desselben ^Deutsche Mystik 
im Predigerorden\ Freiburg 1861): sie ist geschrieben im KatharinmUoster zu 
St, Oallen, zur Reformatiotiszeit nach Noüenberg und Wil gerettet^ im 18^ Jh, der 
Stiftsbibliothek vo7i St. Gallen einverlmht, nachdem sie offenbar bereits mit den Schriften 
I II VI zusammengebunden war. Eine Abschrift ward 1492 zu Gnadental erstellt 
und nach dieser 1628 ein weiteres Exetnplar einfältig dem alten nachgeschrieben 
durch Schwester M. Katharina DuUiger von Luxem des Konvents zu Hermehchwil 
(nach Greith, der über diese Hs. keine weiten^ Nachrichten bietd). EifW Ver- 
kürzung sclmni die Einsiedler Hs. 694 (17. JL) zu sein. — Gute Auszüge bei 
Greith, Kathol. SIL 139 ff., 399 ff. und in desselbe^i Deutscher Mystik im Prediger- 
ordett 363 ff. Ch^eiih setzt (Kath. BIL II, 75 ff., 150 f) die Abfassung des W^kes 
auf Grund eigener Angaben Elsbets in die Zeit zwischen 1.350 und 1360, 

Vor Greith sind eine Anzahl der Biographieen gedruckt worden von P. Heinrich 
Murer (Kartäuser zu litifigen), Helvetia Sancta, Luzern 1648, S. 358 ff,; Ausg, 1751, 
S. 328 ff. Meist auf seinen Mitteilungm beruhen die Erwähnungen der geistUäwn 
Schule zti Töß in: Hottinger, Helvetische Kirchengeschichte (1707) 11, 33 f 61L 
833; J. C. Fussli, Staats- und Erdbeschreihtmg (J771), 1, 102; Nengart, Episcopatus 
Constmitiensis U, 324; Mone, Quellensanwdung IV, 14 f.; Meyer mn Knonan, Der 
Kanton Zürich I, 276 (Eliscfbeth von Elggau), II, 400 (Kloster Töß); Burgener, 
IMvetia Satwla 1, 157 ff. u. ö.; Th. v. Liehenau, Geschichte der Ritter mu Baldegg oo; 
F. E, V, Mfdine^i, Helvetia saera II, 196; Schcrer, Heldeti und Heldinnen des chrisi- 
lichefi Glmibens; Mötikofer, Bilder aus dem kirchlichen Lebeti rfcr Schweiz 109 ff^ 
Später ts s, n. S. XV f 



2. Ü: Stadtiribliothek (Leopold' Sophien- Bibliolhek) tu ObTÜngen, Hß. Nr. 22, 
XV. Jh., Papier, Kl.- Fol., zweispaltig, gekannt bereits von Denifle (laut briefl. Mit- 
teilung von P. Gabriel Meier), zuerst benutzt und verglichen von Dr. K. Bthlmeyer 
in Tübingen. Sie zeigt auf dem Vorsetzblatt folgenden Vermerk (vor der InhaÜs- 
angäbe): Difcs bftch gehördtt zu S Catterina das man nemptt Zofingen in der 
ftadt Goftenz prediger orden. 
InhaU: Bl. 1—2 leer. 

„ 3^ — 20* Gespräch zwischen Christus und der minnenden 
Seele, in Versen. Anfang.*) Vnsser herr spricht zft der gespdncz 

Wer mir czft [so] in min rieh welle kume, Der sol sin crucz vff sich nemc 
Vnd soll mir das trulich nach tragen Vnd der weit by zitt absagen So spricht sy 
Ach lieb' herr ich weit dir gern nach volgen sin So yerret mich die fröd 
ynd die iugent min . . . 

Schluß /3* unten]: Ach zartt' her vn vatter min Nun wil ich gancz di aygen 
sin An dinem crücz beger ich zft sterben Das ich dich ainiges gftt mug er- 
werben Ame 

[3* oben ff. ein längeres Gedieht gleichen Inhalts, das auch die BAnsiedler 
Suso-Hs. (710), Bl. I—XXI (mit Bildern) enthält und das mir Herr Dr. Bihl- 
meyer außerdem in Hss. zu Karlsruhe, 15. Jh. (Katalog von Längin S. 66), und 
zu Donaueschingen, 16. Jh. (106, Bl. 1 — 40), nachu^t**) ; wir geben hier nur einige 
Anfänge und Überschriften wieder]: 

Diss ist von ynsserrö here iha fpi vnd von der minenden seil die sin ge- 
machel ist. 

Sy sprach hie wil ich schlaffen gon vnd die sorg dem heren Ion (Raum 
für Bild)' 

Sy splrach]: Ich leg mich an min bettly gut her ih'us hab mich in sin' hüt . . . 
/5*/ vor einem freien Baum: Hie weckt vn haist er sy vff ston 

vnd zft d' metty gon 
ebenso: Hie will er sy nit gnftg Ion essen 

won er furcht sy werd vergessen 
ebenso: Hie will er mit d' rftlen kestge Ire lib 

dz sy dest' mind' in der weit belib 
ebenso: Hie will er sy***) lemenn vn blenden 

dz sy die hell nit mug geschenden 2c 
ebenso: Hie will er sy leren vss den czechen botten reden 

gar eben vn darnach lebe 

♦) Die gesperrt gedruckten Stellen bedeuten rote Schrift^ die fetten Buchstaben rote Initialen, 
rote Strichelvng oder Unterstreichung. 

♦♦) Ein Bruchstück des Gedichtes ist gedruckt in Mones Anzeiger VIII (1839), 334 ff. Ein 
verwandtes Gedicht bei Bartsch, Die Erlösung, Ar. XI, S. 218 ff., vgl. Einl. S. XXXV ff. Außerdem 
vgl, Mones Anz. 1834, S. 40; Von der Hagen und Büsching, Grundriß S. 44ii (K. Bildmeyer). 
***) Die beiden Worte fehlen Hs. 



16'J 


[7"] 


17'] 


[9'J 



XI 



/5*7 mr einem freien Raum: Hie will er sy nit Ion spinnen 

Noch vil ziltlich gut gewinne 
[10*^] ebmsö: Hie wisl er kjt vff gcschaidenhait 

won sy ist iren fründe ain grosses laid 
[11^] ebenso: Hie will er sy hencken 

das sy von im nit rnng gewencken 
[ll^J ebmiBo: Hie gitt er ir ain minn Lranck 

das sy von im mug tÄn kainen wanck 
[12^] ^emo' Hie loffet er ii* bald nach 

dz sy die weit im nit fach 
[13^ J nach einem freien Baum: Hie verbiergl er sich vor ir 

Das enczündet werd ir begird 
[13^J vor einem freien Rawm: Mitt der mine strall schüsset sy in 

Das wil sy han für gewin 

Das er yr aygen müsse sin jc jc. 
[14^] Aen»o: Hie wil sy in*) binden vnd zwingen 

Das sy in nach ir mug bringen 
[15^] ebenso: Hie will sy nitt silber noch golt 

Sy wil nun iren heren gilt 

der ir allain git fröd vn müt 
flS^J ebenso: Jez [?] machett er ir das saile spil 

Das er ir abgewinnen wil 
[16^] ohne einen freief^ Raum: Hie will er sich laussen küssen 

Tfi sy syn haimlichait Ion wissen 2C 
[J6^] vor einem freien Mmum: Hie wil er ir zt runen ain worlt 

Das ist ir nücxer daü aller eziltliclicr hord 
[17 ^J ehmo: Hie will er ir vor truraen vn springen 

Das sy belib by irl sinnen 
[IT ^] ohne einett freien Baum: Hie wil er ir vff seczen ain krön 

Milt der sy besiezen mag den ewigen Ion 
[19**] eifmso: Hie sind sy kum vber ain 

vnd wend nun alle ding han gemain 
Schluß [IB'^J: her zft dir stat alle min sinn 
Hiff [so] mir och dahin 
Da mä diss alles vor dir tftt 
Vnd du sigest in so richem mit Amen 
Tnsser her spricht zu der minnende sei Frow sei wend ir disputier© . , . 
Schluß fäO'']: Do sprach vnsser he' ir band mfch vbeVeit Wer beslatt 
vncz an das end d* wirit behalte. 

Es folgte noch auf S. W', das Exemplar SeuBeSy und m^ar ^is Ml^J der 
Prolog, bei Dmiifie, Seme /, Ä 5 — 10; Anfang: 

•> ejr by Ml Be. 



XII 

Diss ist der (|)]ogtis diss bftchs vnd die vored dess diene's der EJwige wlse- 
hait[?] Darin gar vil trost vnd vnd'wissung funden wirtt Aines yetliche gaist- 
lichen menschen tc ihüs 

In dissem Exempellar stond gesehribe vier g&ty büchlin . . . 

Schluß [21^]: aine richtige weg zft d' aller höchsten sälikait Hie vachett 
an das erst tail diss bftches das da haissett d' sfiss || Hierauf der Text des Sensen- 
lebens, bei Denifle S. 13 — ^1; \\ Anfang: Es was ain predger; || Schlufi: [90''] . . . 
sin göttliches antlitt werdent schowowe [so] Am 

Nun sölt hier nach ston der Ewigen wisehait (wischait?) buch So habent 
wier es süss als wol vnd g&t geschriben in vnssef dost' dara ist es hie vnder 
wegen beliben zft schriben (es fehU also der Teoct bei Denifle W5 — 504). Hierauf 
3 Spalten leer; von 91^ an der Text des dritten und vierten Buches, bei Denifle, 
Seuse, zweite Abteilung; Anfang: Hie vachett an das dritt bftch von inne'licher 
gelaussenhait vn von gfttem vnderschaid der ze haben ist in ve'nünfftikaite Ecce 
ein veritatam [so] dilexisti . . . 

[102 ^J Hie vachett an das vierd Bftch Disse 1er ist vss gelessen vss den 
gemaine brieffe . . . 

Begna mudy . . . 

Schluß [125^]: . . Dess helf ^ns gott d'vatt' g. d. s. vn g. d' hailig gaist Arne. 

[126 leerj. 

[127^] Von dem wirdigen geistlichen Gloster döss von ire haiigen gftten wessen 
tugentrichen vn gaistlichen wessen So sy mit aller gaistlichait vnd hailikait vol- 
bracht habent vor czitte || Estote perfecti usw.^ entsprechend unserm Teai des Tößer 
Schwesternbuches, mit Einschluß des Lebens der Prinzessin Elisabet; Schiuß 

[183^ unten] : erhören wil. 

Es folgt das Leben der h. Margareta von Ungarn, entsprechend der auch 
in O auf das Tößer Schwestembuch folgenden Legende, Anfang: 

Von d' haiigen wirdige junckfrowen Sant Margrethen ains kungs dochl' 
von vng' ir legent vn hailigs leben stät hie nach. 

Schluß [202<']: Deo gras. 

3 Bit. leer; hinter BL 205 Lage^ischluß, neues Papier und andere Hand (die 
durch den Rest des Bandes hindurchgeht); dann 

BL 206"* — 242"^ die in G nach dem Diessenhofer Schwesternbuch stehetide 
Legende von deni Bischof und König St. Ludwig (bis 242^), 

243^ — 284"^: Traktat von den vierzig Mirren büschely, der in O den Band 
eröffnet, und 285^ ff. das Diessenhofer Schwestembuch: 

[275^] Dis ist v5 dem wirdige geistlichen closter diessenhoflfen dz von recht 
haisset Sant katlierina tal by diessenhoflfen vnd ist brediger ordens. 

Schluß [320 ^J: vnd daz seilt sy ainer schwösler selber | Deo gracias. 

Schließlich d^^r bekannte Sinnspruch: Lugi schaidet fruntschaflF vil usiv. 

Die Hs. ist gut umi treu, dahtr in ZiveifelsfciUen öfter herbeigesogen woi'rlen; 
doch liat sie die ursprüngliche wlr-Form mehrfach, und sehr inkonsequent, in die 



XIII 



3- Person ahgemdert, wasi wir anfantjH migemerld haben; nachher üt z, B. 44^1. 
58, 13. Bfhü. 60,14. 7'2J8. 8(1,16. 90,11 186,14, 189 J. 192 J in den Eingiingm 
Sy batiend ge^H (64. l 2.3. 4. 86, 10, im Text syh wogegm 70, 8, TT, 6. 78, 9, 
84,14, 87,16, 88,15. 143,17. 183,18, 191,5 in dm Einfjängm Wir haftend 
heihehaltm id. 

3. N: StadtbibUotkek zu ifürnberg, Hs, Cent V 10, XV, Jh,, je eine Lage mn 
10 BIl. Papier von 2 BIL Pergament eingefaßt, Klein- Folio, iweispahig. Auf 
dem VorBetzUatt, Rückseite, steht: Item dz puch geliort in das Closter zu Sant 
Kath(?rein in nurberg prediger ordpn. Die Hs, efUhäÜ: 

Bl. 1—34 das Schwesternbuch von Tofi (einschließlich der Legende EUsaheis 
von Ungarn) mit vorauf gehefndmn Leben Elsbet Stagels, dieses verfaßt (d, h, tneütt 
aus dem Lämk Smos ausgesogen) durch quendam fratrem Turicensem de conventu 
Bassiliensi ordinis predicaioruin 1454 (Bruder Johamie^ Meier — Meijer, Meiger — 
geh, 1422 zu Ziirieh, seit 1442 Predige^ynonch bu Basel, vor 1458 Beichtiger in der 
Sl Michads-lmd zu Bern, 1458 Ins 1464 im St, Brigittenkloster zu Schönenstein' 
lach, um 1465 Klausner zu Gebweiler und Reformator der Dowinika^ierinnen zu 
Adelhame}}, Freihur g und Gebweiler, 1^0 und 74 in gleicher Eigemchaß zu (Jhur 
und Frankfurt a. M,^ 1478 in schwäbischen Fraumiklösteni, seit 1482 BeicJitvater 
snt Adeihausm bei Freiburg, f 1485*)). 

BL 84 — 89 das Schwesternbuch von Diessenhofen (Jieransgeg^en mm 
A, Birlinger, Alemannia XV [1887], 150 ffj 

BL 118 ff. die Stiftung des Klosters Ötenbach (Züridi) und Leben von 
acht Schwestern dasdbst (hgg. v. H. Zeüer- Werdmidier und J. Bäehtold, Zürcher 
Taschenbuch auf 1889, 213—274). 

Uns^ Tößer Büchletn erschint bei Johannes Meier nicht bloß vermehrt, sondern 
stellenweise anders geördnd, was mr weiter unten atmierken und im Texte nach- 
tragen, Bächtöld nennt nicht ganz zutreffend für das Ötenbacher Schwesterfd^uch 
den 'Wortschatz zürcherisali, die Vokalisatio^i baslerisch und den KofisonanUsmus 
nach dmn Nürnberger Dialekt gestaltet Die Vokalisatiön ist ebenso wie der Kon- 
sonantismus bei Johannes Meier fast rein mitteldctäsch, s, u. 

Wir bemUzeti die Hs, vielfach zur Terdherstdlung, 7nerke7i auch den Bilder- 



*) Prtgtr, GetcL d. dUck MtfBtik 11, 2^2. — Zürcher ToMdienb. 1883, 215, *- ZeUtckr. {. 
GescL d Oberrheins Xfll, 25St P, Jlberi, Jahcmne^ Met/er, ein oberdeuiMcher Chronüt da XV. Jh$. 
{wofithsi u>eitere Ltieratur über J. Meter mit Außühhmg uon /6" Schriften Mi.), — ZmlMchr. f. hoch- 
devtivM Mundarten !\ SO f. (woselbst ein Traktat att^ Unterh'nden, enth€dtefi im Chronicoti Fr> JöanttiB 
Meiori Tigurmi de PraedieatoribuB der Basier Univermtätsbibliotfttk^ müg^teUt üt\ hei Albert noch 
fehlend f wo nur S. 263 das Leben der Margaret üon Eensingen £U Unier linden verzeichnet ist). — 
Aiberi bringt ebd. aus der Leipziger B§. 1546, BL 202*, de» in Bern geschriebenen ' Atntsbtfches* und 
des 'Buehleins der Ergetsung* noch ein Seibiißeugni» Meiere bei^ wodttrch er sich ak A Schreiber und 
Bevorworter des T^ßer Schtteitertibuches bezeichnet', "S weiter Eljsabeth Stuglin in dem closter au 
ToasO| >Ta8 gnadonreichen fiel igen menaeben ei gewesen aige, fint titan hin und ber eio wenig 
m des Sensen bucb, aber icb bab ea 1454 zniamengeleöen nnd es geecbriben an d^n anfang 
des bucbfl der aweeteren leben von ToB&e, dae ü selber gemaehet hat/^ 



XIV 

schmiick (in reicliem, huniem Rankenwerk Initialen mit je 1 oder 2 NormengestaUm) 
in einigen hesondem Fällen an (vgl, die Schriftnachbildung). 

4. StadtbibUothek zu Zürich C 162, XV. Jh., Papier, enthätt Bl. 273^ — 274^ ein 
kleines StUck aus dein Leben der Margret Finkin (ain andächtige S. genampt margret 
fincklin)^ dem 3 Zeilen vorangehen, die den bei uns voranstehenden (8. 33) nicht eu ent- 
sprechen scheinen (Anfang: die d' göttlich bona trait), wie auch dem Schluß (274^ 
versumn' vff weit nemen enpf . . .) bei uns im Leben der Finkin nichts entspricht.*) 

5. Eine Sammelhandschrift des 17. Jahrhunderts (nach Sulser DKTfs. u.J S.4von 
Placidus Murer) zu FrausnMd (Tkurgauische Kantonsbibliofhek y 105, Fol., Pap.) 
enÜuUt (S. 30) einen Kurtzen Bericht von dem Anfang deß aoster Töß bei 
Zürch, nach der Darstellung Elsbet Stagels G 2^—3^, unten 13, 12—14, 2. 

S. 1 — [12] (von einer ersten Hand) die Gründungsgeschichte von Diessen- 
hofen (Katharinental); 4 SS. leer; 

auf 14 unpag. Seilen (zweite Hand) das Schwesternbuch von Diessenhofen, 
mit Berufung auf P. Henrici scripta oder buch für diejenigen Lebensbeschreibungen, 
die Heinrich Murer 1648 mitteilt, und die hier weggelassen sind; 

auf 1 Seite (zweite Hand) einen Kurtzen Bericht von dem Anfang deß Closter 
Töß bey Zürch, nach der Darstellung Elsbet Stagels G 2^—3^, unten 13, 12—14, 2; 

S. 615 — 637 (unmittelbar anschließend, aber vermtUlich aus einer größeren 
Sammelhs. stammend) eine Auswahl aus dem Schwesternbuch von Diessenhofen, 
bezw. Nachtrag der zwölf oben weggelassenen, von H. Murer aufgenommenen 
Lebensbeschreibungen einer Mitschwöster vor 200 Jahren, . . . derer Bücher noch 
alda zufinden und wir denen hierinen nachvolgen. 

Auf 25 unpag. Seiten: (L Blatt) eine farbige Ansicht von kloster Döss, 
gez, Hans Jeggli (nachgebildet bei H. Sulzer, DKT Fig. 4); dann (4 SS,; 
1. Hand): Gründungsgeschichte und kurze Chronik von Töß, fortgesetzt bis 1529 
(„teilweise eine Kompilation der Bosshartschen Aufzeichnungen", H. Stdzer, DKT 
S. 96 (16), Anm. 2); endlich, als Hauptstück (19 SS., 2. Hand): Gedenckhwürdige 
Thatten vnd Leben derc Seligen Closter Frawe zft Töß bey Zürch Prediger 
Ordens: das Schwesternbuch Elsbets in teilweise verkürzender Erneuerung, die 
einzelnen Viten alphabetisch nach den Vornamen geordnet, mit Übergehung der 
in scriptis P. Henrici zu findenden, so auch derjenigen der Elizabeth, Tochter 
Königs Andrea in Vngern; 

auf 3 unpag. Seiten (I.Hand): Gründungsgeschichte des Klosters im Bärenberg 
(Beerenberg an der Töß). 

Auf Greiih a. aa. 00. folgten von weitern Besprechungen des Werkes der 
Elsbet Stagd: 

F. Vetter, Ein Mystikerpaar des vierzehnten Jahrhunderts. Vortrag, gehauen 
in Bern 1876, in erweiterter Gestalt erschienen Basel 1882 (ein Auszug bereits in 
der N. Zürcher Zeitung, Feuilleton 1878). 

*) nach gef, Müteüung des Hm, Oberbibliothekars Dr. H. Escher, 



XV 



/: H. S. Dmiße, Seme, MimdieM 18/6, l IS. 142 u. ö, 

M\ Pref/er, OcschUhk der deutschen Mi/stik 11 ^ 5b\ ML 

J. Bikhhld, Qeschichtc der dnitsrhen LiUerattir in der Schreb (1888) 317 f.; 
Anmerkumjm S, uL 

F, VetteTj Lehrhafte Litteratur des 14. und IS. xlahrhunderls (Kürschner, 
Deutsche NaimmlUttei^alur XIIJ II, Gehüichm (1889), S. VII f, 24^—253 (Ein- 
gang und Me^m Sidmibrin). 

E, Schüler, Das mystiscJie Leben der OrderhsBchumtem m Töß hei Winterthur 
(Berner DissertattoHf Zürich 1903), 

Die letztere Arbeit beruhig tme meine eigenen einzelnen Yeroffenfliekungen^ auf 
einer unvolhiändigen Abschrift , die ich i, J. 1876 in Bern von der St. Galler 
Es, genommen habe. Eine Ausgabe der Stagdschen Schrift war, zusamufeti mit 
einer solchen Susos, anyeMmdigt 1876j77 bei dem Erscheinen der von J. BäcMold 
und mir herausgegebenen *BiMiothek älterer Schriflwerke der dmäscften Schwei^^j nt 
welchem Titel damals, ebefn im Hinblick auf Suso, der Ztisatz *nnd ihres Grefiz- 
gebietes' gefügt war. In dem Dnick mei^ws ^MysiikerpaarB* (1882) behielt ich mir, 
da eine Förtsetmng der ^BibliotheJc* über die fest versprochenen 6 Bände hinum (denen 
1892 nur noch ein 'Ergänzungsband ' folgte) bereits fraglich gewordeti war, wenigstens 
die VeroffefilUchung des Stagehühen SchwesternbueJies vor, die in der Arbeit 
Schillers 8. 7 als bevoräehend angekündigt werden konnte (vgl H, Sidzer, DET 96 
(16) ^). Die Absicht, diese Arbeit Schillers, die das Werk Elsbets insbesondere von der 
fsychologischm Seite würdigte, meiner Ausgabe als Teil der Einleitung ein^imrlmben, 
mußte aufgegeben werden, da die St. Galler Hs. zum Behuf der Vervoll^ändigung 
meifwr Abschrift lange Zeit nicht erhältlich ivar. Dafür habe frA in der Folge die 
genaium und voÜsiündigen Abschriften ihres damallgtn Benutzers Dr, K. Bihlmeyer, 
der im Zmammenhang mit seiner Ausgabe Susos auch eine solche des Schwestern- 
buchen plante, aber dann davon euriickiraf, für die jetzige Ausgabe mit benutzen 
dürfen: für diese seine Mitarbeit wie für seim Berücksichtigung meiner ältereti ttnd 
fast schon veralteten Ansjmiche sage ich ilim hiemit meinen besten Dank. 

Benutet ist ferner das Schwestembmh Ebbe^s in A. Hafner^ Das Dominikane- 
rinnenkloster Töß (Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Wirderthur 1879^ darin auch die 
einschlägige Stelle des Laurentius Bosshart, der jedoch nur im aÜgefneinen von der 
Frömmigkeit der Tößer Nonnen zu berichten weiß); femer in Heinrich Sulz er, 
Bilder aus der Geschichte des Klosters Töß (Neujahrsblatt der Hülfsgesdlschaft in 
WinierÜkur 1903, Winterthur o. J., bei uns angeführt als BOT) Ä ^4—39: Inneres 
Leben zur Zeit der Blüte, sowie in einer Erweiterung dieser Arbeit: Heinrich 
SuUer, Das DominikanerinnetMoster Töß. L Teil Geschichte (Mitteilungen der 
Antiquarischen OeselUchuft in Zürich, Band 26^ Heft 2, Zürich 1904y bei uns an- 
geführt als DKT) S. 96 (16) — 102 (22). 

Vö7i dem Leben der Prinzessin Misabet von Ungarn ist^ laiU einer Eintragung in 
die Hs. G, i. J^ 1868 eine Abschrift gesandt wordm an ^Theodor Bothai, Landes-Dep. in 
Ungarn' i ob sie dort zu einer Ausgabe dieser Legefide gedimd hat, iM uns unbekannt 



XVI 

Die St O all er Es. des Tößer SchtceiftembucJis, die mr unserer Atisgabe zu 
grtinde legen, stellt, im dortigen Dotninikanerinnenldoster geschrieben (dessen schöner 
Kreuzgang von 1507 noch heute a/n die Klosterzeit erinnert), eine genaue Wiedergabe 
des im Predigerinnenkhster zii Töß verfaßten Werkes der Eistet Stagel dar, mit 
allen Beziehungen auf den Ursprungsort, die allerdings durch den Miniator fast 
durchgehend getilgt, bezw. abgeändert, oder auch ganz unverständig entstellt siwL*) 

IHe Nürnberger Hs. von Bruder Johannes Meier hat zwar die Beziehungen 
auf Töß und die Wir-Form der bezüglichen SteUen aus einer noch uhkarrigierten 
Es. unverändert beibehalten; dagegen kennzeichnet sie sich als eine Erneuerung zum 
Gdyrauche der Predigemonnen Deutschlands einmal durch ihre Sprachformen 
(Mitteldeutsch des 15. Jh. mit ei, au, ew für mhd. u. oZani. i, ü, ü, — mit u für ft 
usw.) und sodann durch verschiedene Zusätze und Erweiterungen, sowie gdegenUiche 
Tilgungen und Umstellungen. Als Beleg für die Geschichte des Werkes und des 
darin lebenden und davon ausgehenden Geistes mußten wenigstens diese Abänderungen 
des Textbestandes angemerkt, bezw. aufgenommen werden. Auch für Unklarheiten 
und Fehler ist der Nürnberger Text beigezogen, wahrend eine durchgehende Ter- 
gleichung, die manchen Beitrag zur Kenntnis damaliger Sprache und Ätundart 
bieten würde, durch die Anlage dieser Sammlung ausgeschlossen war. 

Zunächst ist die ganze Einleitung von N (unten S. l—U) durch Johannes Meier 
hinzugefügt, an Stelle einer kurzem von G, worin von den Verdiensten des Prediger- 
Ordens, von der Gründung des Klosters Töß und dem strengen Leben daselbst, sowie 
von der Entstehung des Büchleins die Rede war (unten S. 12—16, nach O !• — 5V- 
Dafür bringt Meier (dessen Arbeiten wir durch kleineren Druck kennÜich machen) 

(tönten S. 1 — 3, 7) einefi Prologus über das Nonnenleben, Angabe seiner Ztdaien 
(Vorrede, Leben der Verfasserin, Nachrede, Register); 

(unten S. 3, 8— 11, 16) ein Leben Eistet Stagds, meist nach dem Seusenbuch: 

(unten S. 11, 17^11, 35) eine Schlußrede mit Gebet an Elsbet. 

Es folgen sodann die Lebensbeschreibungen der Nonnen, so zwar, daß von der 
zweiten an die Reihenfolge nach G eingehalten ist, daß aber als erste die der 
MechÜiüt von Stans vorausgelU, die mit ihrer stattlichen IJinge (G 78"^ — 55*, 
unten 8. 60 — 69) und ihrem eingelienden Anfangszitat wie eine ursprünglich 
selbständige Arbeit aussieht und in G erst gegen den Schluß hin erscJieint: unmittel- 
bar vor der ebenfalls sehr ausfiüirlictien (G 95^—114'^, unten S. 69 — 79) der 
Jüizi Schtdthasin und vor der Vita der ersten Laieiischwester Ita Stdzerin. Der 
Eingang der in G den Reigen eröffnenden Vita Itens von Wetzikon (In dem 
süssen namen Ihesu Christi so vachent wir hie an u^c) spricht aber dafür, daß 
O die ursprüngliche Anordnung der Verfasserin wiedergibt. Hierin stimmt iceiter- 
hin N mit G üierein; auch der Text ist im ganzen der von G: einige Abweichungen 



*) zB, 27a für diß kloster — korr, zu tßss für das kloster; 5Ö» hie inn — korr. xu 
tÖBs; 51^ wir . . unser gutten bild — korr, sy . . . ir gütteu bild (hier garnz meehaniäch vnd 
unverständlich) usw. Anderes (besonders die durchgehende unvollständige Korrektur von [W]ir im 
Anfang der Abschnitte) s. in den Lesarten, 



XVII 



in den Eingängen vßrrafen mch ah Ahandenmgeti dadurch^ daß det' hanfige 
einfacJte und sachgmmfie Beginn Wir hallend och ain . • swcster fnehrfmfi 
variiert ersdmnt; zB. 99^ (untm Ä 5o, G 35^): Auch halten wir; 29^ (unten S. 36, 
6 37^): Die selige swcster; 3ä^ (tmlen Ä 40, G 43*^): Es was auch; 34" (untmi 
S, 43, G 48^): Die selige swester; 35" (müen S. 45, G öOy: Auch was ein; 36** 
(unten S. 46, G 52^): Die selige swester; 37 '^ (miten S. 47, G 54^): Es was auch; 
37* (untm 8, 48, G 55^): Hie was auch; 46^ (unten S, 69, G 95^): Die selige 
swester; 56^ und 56^ (ufdm S, 83, G 122\ und S. 84, G — 134^}: Auch hatten 
wir; — offenbar in der Absicht, mehr Ähtpechslung in den sehr reicMieh geplmüeu 
Initialemckmuck £it bringen; eine Anzahl Kapitelanßnge mü W sind wohl aus 
demsäben (rrunde lediglich mit rotem oder Mauern Buchstaben W ohne Initialbild 
bezeichnet: N J7^ (unten S\ 30, G lO^J, 24"" (tmteti S. 29, G 26% 26" (unten 
S. 32, G 29^), 39^ (unten S. 35, G 35^), 34^ (unten S. 43, G 48^^}, 42- (unten 
S. 55, G 67% 35^ (unien & 62, G 120% 57^ (unten S. 85, G 125% 57^ (untm 
& 85, G 126% 

Die Einteilung in 33 KapÜd, die in N das Schwesternhuch (mit Ausschluß 
de3 L^etis der Prinzessin Misabet) aufweist, verrät sich als ttmtrsprünglich schon 
dadurch, daß sie auf ein dem Werke der Stagel nicht ungehöriges erstes Kapitel 
(Prolog *nit Leben der Verfasserin) aufgebaid ist, sowie dadurch, daß gelegentlich 
eine sdbständig gemeinte Yit^, une die der Bdi von Sure, nicht besonders gezählt, 
sondern mit der der Elshet Zolnerin bu defmelbeti Kapitel 15 gerechnet wird, Zusätze 
des Redaktors J, Meier sind offenbar auch die Vberschrifien seiner Kapitd: 
ziemlich nichtssagende trnd formelhafte Angaben des hAalts mit Nefinung der betr. 
Schwester^ eB, 42 "^ Von den hoche genaden die do got der herr tet Swest* 
Sophie von klingnaw. Das XXIllI G. gegenüber dem einfachen Titel mn G ff/*, 
unten 102^ ^ von der salgen S. Sophya vo klingenow. 

Als Kap. 34 ist sodann in N eine ^ Be^chließung* und — ztimeisi wieder nach 
dem Setisenbuch — ein Abschnitt über Muttet* tttid Vatet* des Seusen nebst einer 
Seklußpermahnung beigeg^en (unten 5. 95 — 98), 

Auf das Schu?esterrAuch, das nach dem Leben der Elsbet von CdUnkon 
(CeUikon Ü, Tdlikon N) in G (und V) mit eijiem einfachen Deo gratias, in N 
mit dem erwähnten 34, Kapitel und einem Explicit vi las sororum usw\ ahgeschlossefi 
ist, folgt m allen drei alten Handschriften die 'Legende* der Königstochter Eli sab et 
von Ungarn, und zwar in G auf der unmittdbar amchließendm (obwohl bei der 
[spätem] Paginatur als 150"^ statt 145'' bezeichneten) Seite 329"" ohne Überschrift, 
aber mit Leerlassung von etwa 6 cm der Kolumne {in auf derselben Seite mit 
der Oberschrift: Ton der sälgcn S. Elsbet von vnger vii edlen küngin), in N 
auf derselbefi Seite LXVIP mit der Vberschrifl: Hie fahet an die legende usw, 
(unten S. 98) und mit einer nach der Vorrede neu mit 1 beginnendmi Kapitd- 
Zählung (0 hat von einm* solchen nur einest Ansatz, indem am SeMuß der Ein- 
leitung (unien S. 99, 11) die Überschrift stdtt: Das ander Capp(i/ei]). Am Schluß 
wird nadi sämtllchm 3 Uss. (G 1B7^ ff., Ü 183 \ N LXXXU^^, mten 8. 120, 

Dest«die Tflxtfl dn lÜttslAlUra VL ^ 



xvin 

3 — 18) die von etlichen Leiden misslich oder zweiff liehen beurteilte ^ Legende^ verteidigt 
mit Berufimg auf ein Gesicht, das nach dem Tod der 'Königin' eine Töfier Nonne 
gehabt habe. Eine solche Verteidigung dünkt uns nidit in IHsbets Art; auch id es 
befremdlich, daß sie zwar das Leben der Prinzessin (deren Tod, 31. Okt. 1336, sie 
um 23 Jahre überlebte) beschrieben, dagegen die mit Prinzessin Elisabet besonders 
befreundete Schwester Elisabet von Baldegg, die 50 Jahre in Töfi lebte und später 
heüig gesprochen ward (Murer, Hdv. Sancta 367), mit Stillschweigen scÜte über- 
gangen haben. Leicht könnte Elsbet Stagel zu jenen Leuten gehört hohen, die der 
Verherrlichung ihrer einstigen Klosterschwester Königin Elisabet kritisch gegenüber- 
stunden, wahrend es wiederum Zeitgenossinnen gab, die diese wegen der Strenge 
ihrer Hofmeisterin, der Frau von Bussnang (unten 8. 101, 31), und der Harte ihrer 
Stiefmutter Agnes (S. 100. 101 ff. 117) als Märtyrerin zu betrachten geneigt waren. 
Nichts zunngt jedenfalls, die Stagel für die Verfasserin auch dieser Legende zu 
halten, wie wir dies früher (Mystikerpaar 53) sdbst getan haben. Geu?isse allerdings 
lediglich in O erscheinet^ Eigenheiten der Schreibung (Häufigkeit des Circumftexes, 
den wir im Text beibehalten hohen*) und der im Schwestembuch auf das Wort § und 
wenige einzelnen Fälle — Eigennamen wie Olli, unten 24, 21 — beschränkt isi) 
lassen vielmehr auf verschiedene Schreiber und wohl auch Verfasser der beiden 
Werke schließen. 

Es kommt dazu, daß gegen Ende des Schwestembuches Spuren einer fremden 
Fortsetzung oder nachträglichen fremden Bedaktion auftreten: 

G 128^ (unten S. 86, 31-^87,4) spricht die Stagel noch in erster Berson von 
sich als Verfasserin, zu der die Heldin der bez. Biographie, Elsbet Bechlin, kommt; 
in der unmittelbar folgenden letzten Vita, der der Elsbet von Cdlikon, heißt es 
(O 140\ unten S. 93,15 ff., vgl. 90,21; 91,5. 21 ff.), diese hätte die salgcn 
Schwester Eisbeten Staglinum die dis ales von ir schraib gebeten, sie im Alter 
zur strengen Beobachtung der Askese zu mahnen.**) 

um so eher wird man für die in den Hss. hierauf erst folgende Legende 
der Prinzessin Elisabet von Ungarn, wo nirgend von einer der Schwestern als 
Autorin die Rede ist, geneigt sein, eine andere Verfasserin als Elsbet Stagel anzu- 
nehmen. Für das letzte Kapitel des Schwesternbuches, für die Vita der Elsbet von 
Tdlikon (Cellinkon G), hat schon Johannes Meier wenigstens Ergänzungen ditrdi 



*) Der heutigen Mundart entsprechen die Verlangerungen vor r: w6r (= quis) i07,31'^ h^r 
(= ezercitüs) 115, 37, — Einfluß fremder Mundart könnten schwankende Formen wie bietzcn 
103, 2, überwunden 111, 25 sein, ebenso dür (= tür) 107, 36 {vgl, dagegen 108, 2), fnas drit 
115,19', Bechechzehen 118,4; gcsin 104,23, neben gewesen 104,32 und gewessen WS, 1 ist 
wohl auch sonst belegt. 

**) Dagegen sieht freilich nachher {G 144 «, unten 94, 32 ff.) die Beschuldigung der Schwester 
die dis von ir geschriben hat, ihre Pflicht als Krankenwärterin über gottesdienstlicher Übung ver- 
säumt zu haben, wieder ganz wie eine Selbstanklage der gewissenhaften Verfasserin aus. — G 113 « 
(unten S. 78, 99 und Anm.) sind, wie es scheint, die Spuren einer in erster Person erzählenden 
Autobiographie zu tilgen vergessen worden. 



XTX 

eine andäre Schwester vertnutet;*) einer Solchen tvird auch nmere Legende von 
Köniffin Elsbet stmischreibm sein. 

Mit dieser Legende der Primessin Elhabet ist Jokünnes Meier gegmither dem 
Text von G (und Ü) in benig auf die Aufeinanderfolge dm* Teile ziemlich frei 
verfaJiren. 

Seine Vorrede minächst setzt er zusammen L aus derjenigen von G (150^ — 
151^^ unten 98, 31 — 99^14): Betrachtung über die Fiikrung der Äuserwäfdien £um 
emgen L^en^ der X Meier noch den in G vieUeicht für die dort gelassene Likke 
van 6 cm bestimmten Text: Esto fidelis usw. vorangehen läßt, 2. aus einer 
spätem Stelle von G (152^—153^, unten 101 ^ 1—18): Betrachtung ilber das 
Wirken Gottes in dieser FürsUnj die der h. Mar gar et a von Ungarn an die Seite 
gestellt wird und an der sieh Gott besofiders wunderbar bezeugt hat). Zu Kapitel 1 
sodann ist vereinigt die ganze Torgeschichie von Elisabets Klosterleben, die in G 
durch die erwähnte zweite Betrachtung unterbrochen istj G 151^ — 152^, UTiien 
99, 14 — 1()0^ 22: Familiefigeschichte bis zu der Erbauung Königsfeldens und der Ver- 
bringung Etisahets nach Töß, U7id G 153^— 154^ unten 10119^102,3: Aufnahme 
ins Kloster Töß im 13. Jahr, Weihe des Altars der VerMlndigung Maria und der 
h, EUsabet; ^or^eitige Einhleidung der Primessin; dereft Hofmeisterin, 

Die Kapitel 2 — 9 bei Johannes Meier geben sodann die Darstellung von G bis 
zu der langen Krankheitsgeschichte der Heldin in der Anordnung des Originals 
ziemlich genau wieder: 

Kap, 2 ^ G 154^ — loff* unten 102,4—28: stürmische Brautwerbung Herzog 
Heinrichs von Österreich^ der in swaben land (G in dis land) kommt; Kampf 
und Sieg Elisabets, der Gott die Heimsteuer gibt, die er seinmn Sohne gegeben. 
(Hierauf folgt in G noch, ujiten 102, 28—103, 2: Achtundzwanzigjdhrige Klosterzeit; 
allgemeines Lob der Demut und wütigen Armut dieser Braut Christi), 

Kap. 3 = G 156^ — m8\ unten 103, 3—104, 3: Besuch der StiefmuUer Agnes; 
der Dürftigkeit Elisabets wird durah Verleihung Öningens gesteuert. Kur in 
Baden, Besudi in Königsfelden, Empfang in Zürich, Einsieddn, Töß. Klage über 
ihre Stiefmutter, Erneute Strenge gegen s-ich selbst, 

Kap. 4 = 9 158^— 159\ uiüen 104,4^21: Eifer im Beichten. Grober 
Beichtiger; dessen Beschämung. 

Kap. 5, vgl G 156^, utUen 102,33 ff.: Bei ihrer Zartheit fällt ihr manches 
schwerer als andet^n. 

Kap. 6 = G 169^ — 162\ unten 104,22—106,15: Dmnut. Beue über ver- 
botenes Beden. Verhalten beim Kapitel, bei Tische ttsw, Gebete und Andachten. 

Ktip.7 = G 162'-164\ unten 106, 16— 1(F, 22; Eigene deutsche Gebete; 
sieien Ave-Maria. 



*) N 67 ^ fittitn: Dis Capitel beduDcket micli [ich] hab nit ^äiick folet aus ijeechrlbs 
Swestcr P^tsbeth SUglhi bcöiind* ein ander Bweet' hat dar zu ffeloi^t vil es volpracbt- Vnd 
lägt vö d' alton awest' Ebbet he Tellikon vn toh irem gutte lebe. Das XXX iij. C. 



XX 

Kap. 8 = G 164^ — 167^, unten 107,23^108,36: Im Gebet sieht man ne 
ellenhoch über der Erde schweben. Gesichte van eweien, die sie betriibt haben. 

Kap. 9 = G 167^—168^, unten 109,1—28: Mitlidung. MiUrauer. Kranken- 
besuche. 

Kap. 10 ^ G 168^—171\ unten 109,29—111,12: Wunder: sie heiU durdi 
Berührung die lahme Hand einer Frati, löscht ein beim Bereiten von Bosenwasser 
in Brand geratenes Ofenhäuschen durch das in einer löcherigen Wanne herbei- 
getragene Wasser. 

Kap. 11 und 13 geben die in G S. 17P—183^ (unten lU, 13^ 117,15) 
enthaltenen Abschnitte in verschränkter SteUung wieder, indem Kap. U msommai- 
gesetzt ist aus G 171^ Unser her — 182^ der tod und 182^ Do sy nun 
— 183^ trostes (unten 111,13—116,30: Lange Krankheiteprüfungen, durdt die 
Elisabet zum Tode vorbereitet wird, und 116, 38— W, 9: Schönes Ende, Dank an 
die Schwestern), Kap. 12 aus G 182^ Do nun die zit — 182^ vatters land und 
183* Und in dem andacht — 183^ beraitet ist (unten 116,31—38: Letttes Gebet 
der ihres irdischen Vaterlandes Beraubten ton Aufnahme in das ewige Vaterland, 
bei geöffnetem Fenster, und 117, 10 — 15: Tod als Übergang ins bessere Leben). 

Dazu fügt J. Meier als eigene Zutat die Aufforderung, die selig Verstorbene 
um ihre Fürbitte anzurufen. 

Das 13. und Schlußkapitel J. Meiers entspricht den Seiten 183^—188'' in G 
(unten 117, 16 — 120, 18), doch mit wesentlichen Umstellungen. Es folgen sich hier 
von dem unten gegd)enen Texte: 

118, 20—119, 12: Eine Tößer Schwester wird am Grab Elisabets, nach Begdnmg 
des Dreißigsten, von zwei Krankheiten geheilt, eine andere vom Fieber (ritten) 
befreit; 

117,16 — 25: Klage des Konvents. Die Verstorbene bleibt 8 Tage unbegrahen; 
zur Leichenfeier kommt ihre Stiefmutter, der sie nachts erscheint^ was sie ihr aber 
gesagt, muß mit Agnesens Herzen sterben, da es nickt mehr gutzumachen ist; doch 
tut diese seither dem Kloster noch mehr Chiles als bisher; 

118,15 — 20: Wundertätigkeit der Verstorbenen im allgemeinen; 

118,1 — 14: Ihre alljährliche ganze Beichte; Zeugnis ihres Beichtigers; 

119, 13 — 120, 18: Übertragung der Leiche in ein „gehauenes Orab^', wobei jene 
nach 30 Wochen noch unverwest gefunden wird. Nach Abfassung der Legende 
erhebt sich vereinzelter Widerspruch; aber eine Tößer Schwester sieht im Traum 
einen Mann in bischöflichem Gewand vor dem Altar die Legende dem Konvent 
und einer Schar zur Messe dienender Herren vorlesen und die Wahrheit des 
Geschriebenen bezeugen. 

StaU der in G 188^ 189^ (unten 121, 11—19) noch folgenden Schlußvermahnung 
(die zu Gott erhöhte Königin um ihre Fürbitte anzurufen: vgl. den 2!usatz J. Meiers 
hinten- 117,15 unseres Textes) hat J. Meier hier eine andere, unmittdhar auf seine 
Leserinnen, die Predigerordensschwestei% berechnete: Das Leben dieser Königs- 
tochter soU den Nonnen, die aUe Vorteile des Ordens genießen, ohne solche Tugenden 



XXI 



SU iüen, ^n Yorbäd sän^ dem Anfangswort der Legende (Eslo Rdelis tistf\, s, o.) 
flachzustreben und die Krone des ewigen Leherv^ mi gewinnen. — Daran schließt 
J. Meier noch die MUeihing der Orabschrift ElisabeU. 

Aueh in der EHsabetenkgende ist wie im Sehwesternbtwh die Ordnung der Teile 
samt der Kapiteleinteilufig bei Johannes Meier unursprünglich; das Original kuUe 
diese nicht und jetie nach G, 

Hier in O verläuft nach der Vorrede die Erzählung der Vorgeschichte von 
Elisabds EJoster leben zwanglos mit eingestreuter Betrachtung: in N ist diese bei 
dem Erzälüer durch dm Schicksal der Königstochter hervorgertifene Betrachtung 
mit der Vorrede verbunden^ offenbar lediglich um die Ergähhmg nicht mi imter- 
breclien. Anch bei dm- zweiteft Umstellung (Meiers Kap. 11 w, 12) scheint das 
Streben nach Konzentration den Bearbeiter geleitet zu haben: er verspricht sich 
offetAar mehr Wirkung, indetn er das schone Gehet Elisabets unmittdbar vor ihren 
Tod rückt und den in G erst darauf folgendeti Abschied von den Schtvestetm vor- 
aufnimmt. Gans willkürlich offefibar sind sodann an die Zutat vom Anrufen der 
Fürsprache der Seligen die zwei an ihrem Grab geschehenen Wmider angereiht^ 
wozu die ursprüngliche Einleitung (Elisabet als Wmidertäterin^ IIS^ 15 — 20) dann^ 
nachdem erst die Geschichte von der Beisetzung Elisabeta und vom Besuch Agnesens 
nachgetragen ist, völlig vereinzelt und imverfniUelt nachfolgt. Die Mehrstellmi 
sodann (nach 117 j 15 und nach 120^ 16) ergeben sich aU Zusätze J, Meiers schon 
durch ihre seelsorgerliche Tendenz, 



Unser Tejd des Srhwestemhmhes und der Misabetenlegende gibt die Hs, G 
uneder^ mit folgeftdm Abweichungen von der tust. Schreibung einer-, vom fmitigen 

mhd. Schreibgebratich andrerseits: 

Mhd, anlautendes u, in G g^chr. v: gedruckt u (vnd, vflf, vn > 

und, ufF, un),*) 
n n h in G ,, h „ j (iar > jar). 

„ „ ie, in G „ je, ie, ye: „ ie, ye (jemer, iemer > iemer; 

yemer > yemer 4ö, 24)* 
,, ö (gam offenes e), in bisw, geschr. ä; in diesem Falle gedr. ä (nÄchl, 

geschlächt, Inkhen, sälig}.**) 

^^ k, in G geschr. e mid ä; gedr, e (wer [e], wert [= mArf, du wgere] 

75, 14. 15) und A (^Äch 57, S3)***) 

*) m = im i*i okimonnisch [heute noch achaffhau^erisch) == mhd. ät](e) : 12^7. 14,6. 2(K 20, S, 
34, t2. 35^ LI, 60, 2 L 35, S'}y2S\ ebemo und nicht uta zmummengesetttes Adj. ist wohi auch 
un&OTg 63^ 27 aufzufautn. 

**) doM I III sälig t>ermuilkh bereiU^ itie hetde in der 3Ia.t kutM gesprochen: daneben erscfteijti^ 
sicher mit kurzem ä und q, ealig 35, 4, eftlgen 35^ 26 u. ö.j aelgy 26^ 3. 

*♦*) Neben geb[e] €5, //j. 7/j, 13 1 bete 57,3. 78, /; stech, brech 74, 3; |^ebi*rd S't, 20; lemerlieh 
S8^27, wcneu €6^ 32 »iehen geliie, tkil ipri cj.J 5.9, 20. 6S, 14, lini^vüch rhS,27, g^ar bat! 50, /J; 
dicht nehm a&cb 57» 55; geaöche 57^ 2 L 



xxn 

JOd. Ö,m0 fetekr. 6;^ yedr. 6 (gMIkfa). 
„ dbyimG ge$d^r. ö: geAr. « (UHieh^ tAs8 > Ttes). 
yj a, in G geukr, anL t, m/. ü: gtdr, n (über, for). 
„ ia (ö) f]i G gewekr. omL ▼, M. u: gedr. A (ut,^ for). 
„ ei, tfi (r ^«»cAr. ai: jttlr. ai (am, hailig). *^ 
„ ao, tu G getckr. anL ▼, hd. ft: ^r. ft (tU > ibt, gftt). f) 
,, üe, tn 6 gesekr. atd. i, ML &: ^eclr. ü (fbet > Jkbet, gAtj). 
„ oa. m (r gtnehr. o: psdr. o (odi, og, bom [9g. u.fL12, 17]^ ^oben, firow). 
,j 5a, fM G geadir. 6, 6w; ^ecb*. 6, Aw (firAd 71, ID. 12, frftwlin JOO, 1^, 

bescb6wd 08, 36)\ daneben audi in G gesdir. und €&f. gedr.: o, ow 

(frode A3, 35, frowUn JOO, JO). ft) 

D^, tm es sdteint, der Mundart txm G gemäße Übergang vom wikd, ä m d 
wr nttt) ^ beibehalten: taiend 23, J9ff n^ftai ton, geton (= getin) 23^ 5. 32: ^ai 
23, d if€Am ston 24, 1, stond fiS, 2; gat 28, 2^. ^, 19 nAen goD 25, ä> lasen 
89,20 neben Ion 32,24, tmd neben an (= äneX 9. o. (dagegen han 4Mr>i); 
aifcft nattren 23, 2 fielen ander 18, 7. 66, 32. Die van späterer Hand herrßhremden 
Karrdcturen van hat m bat ^ 70, 35) ader bat (65, 8) sind nida amf g esm mm e m, 
sondern blaß unter den Lesarten angemerkt Der Mundart des Se kreä er s dagegen 
gehSrt der Übergang i > ie var r an: ieren ^. pass.) 73, 38, ieren (neben irren 
70,27. 29) 61, 14, wohl audi der Zwischemfakal in karaft 113,20, darnxft 118,6. 

Mhd. s, SS und z^ tz, in G zu s (an- und ndautend [ geschrieben) und seinen 
Verdappdungen (ss, ß) zusammengefallen, ersAeinen im DruA ob s, ss. JFiir 
3 steht in G — und im Drude — nadi langem Vokal bald das einfache, bald das 
doppdte s, letzteres öfter audi im Auslaut: wis (= wi5e, zusammenfallend mit wis 
= wisc, 38, 34) 31, 32. 34, 27. 39, 4. 43, 19. Ul, 19 (hier mit Circumfl. wfs 
geschr.j, aber wissen acc. pl. (= wi3en) 44, 24, tco das zureite f allerdings vom Miniator 
gestrichen ist, während 58, 12 Ton den wifen; ebenso gros 3S, 6, grofe o9, 21, bfts 
40,14, flos 31,8, nos 31,20, hies 29,30, lies (frt. ind. tmd cj.) 60,4. 19,17, 



*) HO, 37 erlceschint sUht Hatt etne» sekyndären ö ein oe ge^ckriehen, 
*♦) = mhd. int, iht, zB. 48, 27; daneben vot > unt (ü wM kurz, vgL alam, künsch < kusch) 
27, 9. 47, 19. 49, 18 und heute noch »chaffhau$erüeh nfint = mkd, niht, nicAtf. 
***) daneben vereinzeU a in schao, erschan 31,31. 33. 
t) aber häufig mit blossem u stund (prL von ston) 23, 21, 24, 18. 40, 34. 45, 20. 4S, S. 4S\ 16. 
56, 32 neben stund 14, 15. 17, 9. 23, 27; auch trug steht 54, 21. Vgl. ging neben sonstigen gieng ^S, .5'>. 
fr) In dem Ortsnamen Elgeo 25, 12. 40, 8, EUgu 82, 19. 21 {neben Elg6 24, 2S. 44, J» 
scheint mit co t derselbe mhd. Diphthong öu gemeint zu sein {ahd. Eilahgowa, heute n^ch Elggaa 
neben Elgg). 

Oi) vereinzelt vor m: abnoment 112, 18. 

§) Diesen Unterschied zwischen der jungem Zusammenziehung hau und den alten Formen 

wie st4n vdgl. halten die nordostalam. Mundarten bis in die Gegend Elsbet Stageis nock heute 

• •*» ■ * 

fest: BiL, gä, 14, m& (< mäne), cha (< koraen), aber hä; weiter sudlich sind & und ä zusammen- 
gefallen; weiter nördlich {in Schaffhausen) ist an zu u geworden (stü, gü, lu, mü, aber ha), was hei 
Klebet auf ön « äne) beschränkt erscheinL 




naiswas 55, 5, flis Öl, 12, flis% 30, 21. 34^ 16, fli^klich, fliseUichon 36, 7. 33. 
29 j 4, emsig 23, 14, emscklicb 62, 7, tascTi 89^ 20, Torlascnhail 23, 19, unmäsig 
25t 7^ fliefen 65, 50, süsikait 5i, 19, weÄe« grosse, grosser 58^5, 55, 23 y sass 59^ 38, 
hiess 55, 2, fliss ^3, 8. 19. 57, i. 45, 50, flissig 23, 23, flissklich 57, 5, über- 
mässeklich 20, 6^ süssenklich 55, 22, nach Kons, emsig 23 ^ 14, emseklich 67, 7 
neben emssig &7,4^ emssklich 29,22 {atick emschecklich 26^34). — ss däU auch für 
mhd, eiftfaches s im Aüb- und Inlaut: ross (= rose 42^ 22), böss, bössen 23 j L 
22, 16 (neben Usen 59, 20), huss 59, 38. 66, 2 (nehmt Iius 2CK ^h spiss 50, m 
(neben spis 20 j 19 und nebmieinander spiss nos 31^20), müss (— miuse) J6, 7, 
gelass (= golas) 30, 5, gewessen 118, 15. Immer mit ss (ff) erscheint der Orts- 
name töss, immer mit s dis und das, sofern letzteres fücht archaisttsdi durch die 
Abkürzung dz ausgedrückt ist, die u4r in das auflösen; auch die erUsprechends 
Abkürsunff wz (= mhd. waz), die nach bekamiter falscher Analogie auch für tnhd. 
was steht, ist in beiden Fallen als was aufgelöst. 

Das Schwanl^n zwischen ht und cht (moht 65, 1 neben häufigerem mocht) ist 
im Druck beibehalten, ebenso der ma. Abfall des atisL l nach ch, insbesondere vor 
Guttural: moch gon 51, 21, raoch gedenken 52^ 13, rech gehes 57, 15 (aber auch 
aodacb, do 24, 15, ai]dach beglrlich 105, 19^ moch mit 59, 36, rech spielend 19,34, 
gedaeh sy 25, 2 *). 87, 10, frag sy 55^ 40, folbracb sy 61, 20 *% versehniach 
umb 102, 37) ***) und ebenso das durch falsche Analogie an ausL ch, imbes. vor 
Gutturalf), angetretene i: ertrfcht gieng 75, 34, ertrich* tt) kumen 76, 30, 
ertriebt ttl) gesteket 78, 26^ geselleklicht gegen 105,6, gesacbt dich 25,5*), 
spracht do 34, 26, ocht elwenn 90, 7. Auf die heutige ma. Aussprache des st als 
seht dmirni Schreibungen it^e vermist 26, 17, erlost end 111, 10 hin. 

Die von G angewandten, im DrucJ: aufgdösten Abkürzungen (Striche über der 
Zeile) treten mmeid auf für n und m: vö, mesclie, weil; irolköen, erbafen; auch 
für d in vö und pieÜeicht in millideiies 70^1, wo wir allerdings die regeln^ Form -cndes, 
find wen 70, 5, wo wir die heutige alum. Form wend « mhd, wellenl) nicIU eifitu- 
sdzen getcagt habefi; für b in kumer 37,3, gedr. kumber, und in vim, gedr. ümb, da- 
gegen, wie es scheint, ßir m in darn 56, 20. 23, warü 34, 7, gedr. darum, warum, 
versehentlich darumb 33,14; für e in geborn 12,5. 75,1, ge^ir. geboren; ain- 
gebofnen 50, 8; 68, 31, gedr. aingeborenen, obwohl auch -rnn- moglidi wäre. — 
Einfaches n ist, wie es scheint, audi mir gu ergänzen in mi 38, 34, gedr. min 



: 



*) hier im, Druck üertchenüich t ergatnL 
**) 1^/ nocA gesellscbaff die ll'^^l; lata^ der 12,14; duok das i^^2\ Ahfali ^on ä: utidank 
(= imd d.) 115,29; im Worte: anren 105,17; gninlos lt4^24\ mäglkh im,ß. 
***) hier üt das a^efaiiefie t nacftträglicfi üi>ergt$cJtrietfen^ 

j) ma. auch »anst^ tB. in Scltaffhavsin Licht (= Hch, Letche)^ ichtfott. -licht (<; Hell); 
Weinhoid, Mhd. Gr. § 194, 

tt) das t nathir. üiterge^chrithen. 
ttt) das Wort gestridten und neu «rtrieh daneben gucltrid^n. 
I) Bat t käue wM tm Dtmek ideiben können^ 



XXIV 

(= mhd. minne), mieklich 36, 18. 22, mirich 28, 5, gemille 1?, 3, wogegen aller- 
dings miü 43, 1, miüender 33, 25 in Formen mit nn aufzulösen waren. Für no 
62 f 35 bietet das gleich in 36 folgende nun die richtige Auflösung. — Außerdem 
begegnen noch die üblichen Abkürzungen im Lateinischen wie oms = omnes, zps 
für Christus, sodann — regelmäßig als Titel und meist auch als Appellativ — 
. S • = Schwester; S bedeutet aber auch 'Sanctus^ und war nadi 23, 32. 24, 4 u. ö,, 
wo es ausgeschridfen erscheint^ als Sant aufzulösen. 

Der Schreiber von O hat die alam., noch heute geltenden -i der Endungen häufig, 
docfi nicht durchgehend, {als i, y) beibehalten, worin wir ihn folgen: küssy 26, 12, 
underliby 37, 12; hetli 56, 18. 65, 19 dicht neben befände 56, IT. 65, 21; aber 
befundy 41, 7 ; wölty, sölty, wurdy 27, 15. 16. 20; sogar bati 50, 15 aus bäte 
korrigiert; mit nüti 59, 19 und mit nuty 33, 5 gegen mit nute 56, 26. Aus dem 
voUen dienolind 44, 26 ist durch Korrektur dienetind gemacht und bei der Wieder- 
holung dinetind gesetzt. 

Auch die heute noch in der Nordostschweiz (als -ed, -id, -end) erhaltenen flek- 
tierten Dative des Infinitivs auf -end, -cnt sind in O und danach bei uns, obwM 
nicht durchweg, gewahrt: ze hörend 14, 2, aber in derselben Zeile ze sagen; zesechent 
vnd och ze essend 20, 20; zewürken* {das t nachträglidi zugesetzt) 12, 7; ze tuend 
23, 17. — Mo. ist femer das st. Prät. 2. 8g. Ind. aufi mit i- Umlaut: du wert 76, 14. 15, 
sodann allen als n. sg. m. 49, 12 (vgl. der 57, 9 u. Anm.), Aenso -ing für -ung in 
Abing 21, wonach auch manug belassen ist (die heulige Form ist -ig, in Sduiff- 
hausen -ing). Vermischung von Konjugationsklassen nach G bei schliege 65, 17, 
erzaig 104, 23 (oder Verschreibung für erzaigt?). 

Umlaut und Nichtumlaut (bei Synkope) im schw. Vb.: vbet, do vbt 20, 6. 

Zusammengesetzte Worte sind in G häufig getrennt, was wir durch (Ideinern) 
Zwischenraum wiedergeben: werkhus, redvenster, hobt küssy, hör hörn und her hörn 
34, 8. 39, 25, underliby 37, 12, über süss 41, 24; belassen ist lisl. Trenmmg von 
davon u. dgl. 37, 23. 25 u. ö. 

In G gegen unsern Gebrauch zusammengeschriebene Worte dagegen sind eben- 
falls durch kleinern Zwischenraum getrennt: ze sagen, zetünd. 

Absätze sind selten und durch große rote Anfangsbuclistaben (im Druck Fett- 
Schrift) ausgezeichnet. (Der Druck macht außerdem solche nach Bedürfnis: s. m. 
8. 17). LatdnsteUen, Eigennamen und einzelne Ausdrücke sind meist durcfi rote 
Unterstreichung (im Druck Sperrschrift) hervorgehoben; die Titel sind gam rot (im 
Druck fett). 

VereimeÜe Abweichungen unseres Druckes von der hsl. Schreibung (bei offen- 
baren Irrungen) sind durch Kursivdruck kenntlich gemacht. Doch bezieht sich das 
nicht auf jene durchgehenden Korrekturen des Miniators von G, die insbesondere die 
Beziehungen auf Töß, obwohl nicht gam vollständig, beseitigt haben (oben S, V*). 
Diese roten Korrekturen sind in den Apparat, nicht aber in den Text aufgenommen 
worden. Dagegen geschieht dies mit den schwarzen, vom ersten Sdir eiber herriilir en- 
den Besserungen, wobei die erste Lesart, wenn sie nicht bloße gleichgültige Ver- 



XXV 

Schreibung ist, im Apparat vermerkt wird: 59, 11 ma, korrigiert in herr; 13 als, 
nachträf/lkh getilgt. 

Da der Druck eigene Interpunktitm einführt, sind die in der Handschrift ^ur 
Gliederung verwendeten größeren Burhstahen, die meist auch tmniieit sind, nicht 
besöfiders gekminzeichnet worden: die Sckriftnaehbildtmg gibt eine ausreichende Vor- 
steilung davon. 



Vim den übrigen Hm. lieferte die Nürnberger (N) aUMn die Vorrede (S. 1 — 11) 
und den Beschluß (S. 95^98) des Bruders Johannes Meier ^mi 1454^ nihsi der 

ohgemidertmi Scklufiverfnahnung (S. ISO f.) desselben Abschreibers, Der in Nürftberg 
schreibende Zürcher eeigt in Mundart und Schreibung Abweichungen Vöfk O und 
dem Mhd.j die unser Abdruck der bez. Abschnitte tmdergiht: 

Mid. i > ei ey, wodurch tnkd, l und el zusaimnenfaüen (mein, sey — ein, 
heilig, heylig); dmh kormnen vereinzelt lyden Ij 7^ lichlfertrkeit 
1^ 11. 21 (daneben leichtfertikeit S, 2)^ beLtkemertia 1, 7 
(daneben böchlein, binlein 3, 2L 4, 12) vor. 

„ ü > au, zusamfnengefaüen »lit mhd. ou (auf, lauter, hauß, räumen), 

„ iu (d) > eu, eü, ew, ew, ew, Eusammengefallefi mit mhd. öu (fround 8,25^ 
Seosse ö, 7, teut^sch öftere Seüsse 4^ 19, eusserlich 9, 26, 
kreücz «9jio, ieücz 3,17, frewnd 5,33, krewcz 8,25, lewchl 
11, 10, ewr öfter, getrew 120, 20. 29. 34, fr§wnd 4, 7, lewlzsch 
5, 20; daneben tützsch t*» o,). 

„ ie > i (d. h. i) (liber 6, 5, 38, 23, nissen 121, 15, sich tage 9, 14; da- 
neben meist lieb 120, 35, ieckÜch 6, 31, geniessen 7, 16). 

„ 110 > u (d. A. ü) (rauler 5, 24, raul 6, 6, tun 6, 3% lug 9, 2, prüder 
4, 18)\ damheti ii (buch 1, 2, suchen 3,5, brüder, sg. 4,24, 
pL 4, 7); bei w verkürzte Schreibung: uow > w (rw 120, 25, 
rwlein 6, 28, neben unruwe 9, 6 und ru 10, 30), 

„ üe > ö, w (d. A, wohl u, nicht üe) (fügen 8, 14, niülich 8, 18, prüder 
pL 4, 7; frw öfter). 

„ ou > ou, au, aw (zusammengefallen mit itihd. ü), in Verbindung mit 
w: > aw (tougni 6, 29, urlaub 10, 26, trawiu 5, 15; frawe 
l, 5, getraweu 7, 13). 

„ öu > ew, EusammengefaUen mit nJid. iu (fröwd 5, 18), 

„ Ö und oe sind wenigstens in der Schreibung zusamtnengefallen (gönich — 
fröUch, Töss). 

„ u y oß n (wfmder 2, 16, jung 3, 30, nun 4, 31), 



*) einmal in f. geton ^, 25. 
DenU^bft Texl« d«s UtttuliJt«» VI. 



XXVI 

Mhd. ü > u, w (aber, für, lustlich 9, 25 neben für, lustlich). 
„ ä > 6, neben ä (worent 4, 14, geton 7, 19. 22 neben getan 7, 8, gedocht 
11, 14, dor ab 4, 27, genoden 1, 18, begnoden 10, SO neben 
genade 7, 22. 23). 
„ 8B > 6 (andechtig 2, JtO, were 11, 12, Sprech 10, 19). 

Neben diesem meist mitteldetdschen Vokalstand zeigt Johannes Meier in den 
Konsonanten die bayrische Schreibung p neben b im Anl.: puch 10, 6. 7. 8, pis 6, 13, 
furpas 6, 1. 13, pei 7, 4, pild 5, 33, ploss 5, 22, prüder 7,4 ti. ö; femer cz für 
und neben z, tz (leczen 8, 34, hercze 9, 6, geczogen 9, 28, uncz 8, 31). 

Absätze sind auch hier fast keine gemacht, die Hauptabschnitte durch farbige 
Initialen, eimdne Säte- und Wartanfänge durch rote Strichdung des Anfangsbuch- 
stabens oder der beiden ersten Buchriaben hervorgehoben. Wir aoemden hiefür FM- 
druck an, ebenso wie für die ganz roten Titelwarte, während rot unterstrichene ge* 
sperrt gedruckt sind, 

N ändert häufig im Nebensatee die Wortstellung nach modernem (wohl damaliym 
mitteldeutschem) Gebrauch: 

hatt gewonel 14, 12 — g. h. 
ab tisch gieng hungriger 14, 14 — h. a, t. g. 

das sy es von andacht tätt und von ainem minenden hertzen 27, 16. ü 
— d. s. c. V. a. u. V. e. m. h. t.; 
und im Hauptsatze: 

hftt sich vor aller verlasenheit mit fliss 27, 14. 15 — h. s. m. f. v. a. v. 
N war neben dem altem O in erster Linie für eine Ausgabe beizuziehen, weil 
es mit seinen Zusätzen und Abänderungen und in seiner mitteldeutschen Mundart 
ein wichtiger Beleg für die Wertschätzung von Elsbet Stagds Werk noch am Schluß 
des Mittelalters, sowie für die geistigen Zusammenhänge dieser Zeit ist, vermöge 
deren damals ein Zürcher in Nürnberg seifte Mitbürgerin dort einfüJiren konnte als 
swester Elysabeth Staglin von Zürich von dem closter Töss prediger ordens 
tflczscher provincie« 

Bern, im Sommer 1904, 

Ferdinand Vetter. 



Vorrede des Bruders Johannes Meier. 



[2<*/ In dem namen Ihesn Christi der ewigen wishait facht an der prologas oder 
die vorrede in das buch der seligen swestem prediger ordens von dem closter TOsse. 

Mundam servavi animam meam ab omni concupiscencia, Thobie 
tercio capitulo. Diso wort stand geschriben in dem bücli Thobie in der 
dritten underscheid, und die schöne andechtige jungfrawe Sara Raguelis tochter 5 
sprach si zu unserem herren in irem heimlichen bettkemerlin, do sy in grosser 
betrübt, kumer und lyden was; der meynung also ist: Reyn hab ich behalten 
mein sei von aller unzimlicher begirlicheit. Und sprach auch forpas me: Et 
nunquam cum ludentibus miscui me neque cum hiis qui in leni- 
täte ambulant: und hab nie mich vermischet under die da unzimlichen 10 
schimpff/^^/en sind, noch auch under die da in süntlicher lichtfertikeit wonen 
sind. 

Also mag auch wol ain ieckliche swester sprechen von prediger orden, die 
den heyligen orden wol und löblichen gehalten hatt von dem ersten ingang in 
den orden und in das closter byss an daz ende ires tötlichen lebens, so si 15 
under die heiligen und engel kumpt in dem himelischen hoff für den kunig 
der eren: Hundam servavi animam meam: Herre Ihesu Christo, dir sey 
geseit genad und danck und ewiges lob; wan von deinen genoden hab ich 
mein sei reyn behalten in der sorgklichen weit vor aller unzimlichen begir- 
licheit, und hab mich nie vermischet under die da mit unzimlicheit des schimpffes 20 
der Sünden umbgangen sind, noch under die da in lichtfertikeit des Schadens 
ir selbs eygen seien gewonet hand. 

Wie aber gar vil swestren in prediger orden in manigfaltigen clöstren und 
in mengen landen gar in grosser heiliger tapfferheit in dem orden gelebt hand, 

1. Stau der ursprünglichen Vorrede, O 1^—5^ [unten 12^16], bietet N die folgende Vorrede 
des Bruders Johannes Meier (1454) mit desselben Leben der Verfasserin, 

1 In bis 2,11 proyincie (Überschrifty Betrachtung Ober das Nonnenleben nach Tob. 3, und Um- 
gang JBU Schwester Elsbet): selbständige Einleitung Johannes Meiers. 5. ragnelis N. 23. Clöft*^; 
/. clöstem? 

4. 5. Tob. 3, 16. 8 bis 12. Tob. 5, i7. 

D«utsehe Text« des MitteUlten VL 1 



2 Vorrede Jofteumes Meiers. 

und laatter und rein ir sei Got von aller [2cJ unzimlicher begirlicheit behalten 
band, und sich behüttet band vor allen den die da in süntlicher leichtfertikeit 
gewonet band: des band wir gar vil gelesen in gescbrifft und auch von andren 
gebort sagen, wie in vil lenderen und swesterclöster gar manigfaltig-e bücher 

5 sein die da melden das beylig geistlich andechtig leben der seligen swestren 
Prediger ordens. Und soUiche gescbrifft oder bücber sind gemeinlicben gemachet 
von etlichen geübten geistlichen brüder oder swesteren prediger ordens, als si 
denn söUichs mit gar gütter gezeugniss von iren vorderen erfaren hatten oder 
auch mit ir selbs person das gemercket oder gesehen hatten. 

10 Und also hat auch getan die selige, weise, andechtige swester Ellysabeth 

Staglin von Zürich von dem closter Tösse prediger ordens tützscher provincie. 
In dem closter wonete sy under den swestren als ein Spiegel aller tngenden» 
das si mit fleis und sunder minn mit irem krancken leib diss gegenwürtig buch 
zesamen gefügt, geschrib/^<</en und gemacht hatt, das da zu einem teil seit von 

15 dem seligen leben etlicher vergangener seligen swestren ires closters Tösse, 
und was grossen wünders Got der herre mit inen würcken was, das do vil 
reisslicb ist zu andacht allen guthertzigen swestren. Und von deswegen das 
diss gegenwürtig buch färhin dester tröstlicher und dester nützlicher werde 
und das es auch dester ördenlicher und bas stände, darumb so hab ich, Got 

20 zu einem ewigen lob und allen swestren für die dis buch würd komen, ze 

7. brüd' so; wohl ^getneinsame Flexion* mit ewesteren. 12 In 6i« 17 swestren (Susoi 

menschen) aus Suso {Den. /, 142, Eins. 62<i). 17. swestren N] menschen Suso. 17 Und bis 3,7 
Explicit prologas (Angabe der Zutaten des Schreibers: Vorrede, Leben Elsbets, Nachrede, Register): 
selbständige Bemerkung Johannes Meierf. 

11. Staglin, als weibliche Bildung zu dem Oeschlechtsnamen Stagel, ist von Spateren (3furer, 
Helv. sancta 315. 367) zu Steiglin und Stehelein entstellt worden. Die längst ausgestorbene 
Familie Stagel in Zürich erscheint 1267 als Outläterin des neuerrichteten Augustiner- Klosters daselbst, 
wo sie ihr Begräbnis hatte {Leu, Helo. Lex. XVII, 491; Mijstikerpaar 52), Rudolf Stagel {vermutlich 
Elsbets Vater) 1314 als Zeuge bei der Aufnahme der ScJiwestern Sc ha fei i ins Kloster Otenbach, wo 
auch eine Nonne Elisa d et Stagel lebte, Otto Stagel und dessen Sohn Otto 1348 {wo/d Bruder und 
Neffe Elsbets) als Stifter einer JaJirzeit in Töß. *Ruodolfus Stagel am RindermarchC ist 1307 Zeuge 
neben 'Jacobus Nobilis de Warte' [bei Töß\ und ^Burch. Schaf linus\ 1313 werden Rudolf 
und seine Söhne Fridrich und Otto^ ''die Metzre\ durch Herzog Lüpolt mit der Fleischbank 
belehnt. 1292 erscheinen Rudolf der ältere und der jüngere; einer von ihnen hat eine Frau Mar- 
gareta: diese ist wahrscheinlich Elsbets Mutter. Einer der beiden Rudolf gehört 1306, ein Kunrat — 
der Bruder der Otenbacher Nonne — 1329 dem Rate an, ebenso ein Fridrich 1339. Spätere 
Glieder des Geschlechts: Leu, Lex. a. a. 0.; MystUcerpaar 52. Elsbet scheint die Tochter des Ratsherrn 
Rudolf und seiner Gattin Margareta, die Schwester der Metzger Fridrich und Otto gewesen zu sein, 
laut einer wahrscheinlich eigenhändigen Bemerkung in einer Abschrift von Betrachtungen des Bruders 
Johann von Ravensburg, die aus Töß durch Schenkung des Johann Friker aus Luzem 1378 ins^ 
Frauenkloster von Engelberg und von hier in das von Samen gekommen ist. {Mittig. Ths. v. Liebenau; 
Mystikerpaar 52): Gedenkent dvr gotS- [swester] Elyzabeten ftaglin ze tcez in dem klofter 
vnd ir vatter ßuodolfen, Margareten ir muoter, vnd drier ir bruoder, Fridrichef, Otten, vnd 
Ruodolfes. Gedenkent euch einef ßredierf hies Bruoder Johans von RauenTporg, von dem 
man vch [euch?] den meiften teil an dif bnoch gab. Elsbet sdieint um den Anfang des 14. Jahr^ 
hunderts geboren und um 1360 gestorben zu sein. 



Vorrede Johannes Meiern i Eiihet Stugä$ Leihen. 3 

trost, dise vorred gemacbet in dis buch, und in dem Anfang desselben buchs 
so hab Ich das heilig leben der obgenanten s wester Elsbethen geachriben, und 
die nachred oder die beschliessung diss bücheß, das es dester volkommener sey, 
hab ich anch gemachet, und das man der seligen swestren leben dester e finde, 
so man es sucht, m hab ich auch mit gehalten eappittelen ein regyster über die 
buch gemache t. 

Explicit prologOB. 



/>/ Hie bebt oder facht sich an das buch der swe»treE leben predige? ordeng 
von dem cloater tqe T^sse, das da leit tn tützschen land. Und yon ersten aa^ 
es von dem heUigen leben der seUgen ä wester Elysabeth Staglin: Das erste 10 
capltel. Die vorred in awefiter KlBbethen leben. 

Sapiens melier edificat domum suam; proverbiorum XIHL Diss wort 
schreibt der weise kunig Solomon in dem buch der sprtlchen an der XIITI iindf*r- 
scheide, und sSnt wol vor ge weissaget und werden t auch eygenlichen zugelegt 
der weisen fr a wen, ja der heiligen jtingftaweu, und swester Elisabeth Staglin 15 
von Zürich prediger ordens von dem cl oster genant T^/Sse, welch ^*JfV er wort 
meynung also ze teücz lauten tat: Ein weise fraw die ist auffrichten und bawen 
ir bauss. Diss hat wol geton die weise selige swester also das sie mit leben 
und mit ler das hauss irs closters wol aufgericht hat und doby auch manig 
ander closter in täwtzschem land mit dem lemunden ires guten lebens und mit 20 
der geschrift ir guten biichleiUi die si gemacht und zesamen gefügt hatt und 
auch gehauen und zu geistlicherem leben aufgericht hat. Und darumb das ir 
beserlicbes leben und . . . nit sei hlnsleichen, darumb so hab ich gedacht 
Got dem herren und seiner gesegenten muter zu einem lob und den menschen, 
besunder den swestren prediger ordens zu einer nützlichen besserung irs leben^ 2S 
2e schreiben das leben %vi einem teil derselben seligen sweeter Elisabeth, als 
vU [S^J ich das selb ersucht und erfunden hab. 



Hie facht an ir seüges leben. 

Dise selige swester EÜsabet Staglin die was bärtig von der st^t Zürich Con- 
Stanzer bistum von gutem riterüchen geechlechte. Und in iren jungen tagen 30 
do ward si Got dem herren geopffert in ein geistliches leben in prediger orden 
in ein closter genant Tösse. Und nach dem als ire kintliche tage sich vergangen 
hetten und in dem orden bestetiget was und gehorsamkeit getou und verheissen 
hat, do ward ir ördenliches wol geschicktes leben eigenlich geczogen durch 
die rechten mitel, also das si ward gar geistreicher vemüftigkeit und auch 35 

8 Hie bk 4,1 richten [Üherscfitift, B^traehiung über ^sbetg Lehm nach B-otn /J, ailgmneities Loh 
der Mrcherin Ekbtt und deren EintHtt ww Klmer): selbständige Ztttat Johannes Meiers. 12, S mä 
Miniatur'. Schwester Ehbei im Ordensgewand ^ auf hoehlehnigem KüÜieder sitsendt sahreiU {mit der 
Linken) in dm uor ihr auf dem I^ft Ikgefide liniierie Buch. N. J2* niüHer K 16 ► hier und tteiierkin 
(4,14} Toffo iV. 23, i/^er äi nach und (wo eine Lücke) mindestens ein Wort auigefaUeni sterben? 

12. Prüv. Sat. 14, L 



4 Vorrede Johanne» Meters: Elsbei Stagels Leben, 

wol koDd verstan hoche geistliche ding und ir leben darnach richten. Der 
edel ker den si nam zu Oot mit herczen und sei, was so kreftig das ir 
enpfielent alle weltliche süntliche üppige [S^] Sachen, do mit sich manger mentsch 
säumet seiner ewigen selikeit. Aber aller ir fleifi was stellen nach g'eistlicher 

5 lere, mit der sy mocht geweist werden zu einem seligen Tolkommenen leben, 
darnach alle ir begird rang. Si gewan kuntschaft etlicher weisen gelerten 
heiligen Gottes fröwnden, besunder der seligen brüder die da warent von irem 
heiligen prediger orden; under den gewan sy kuntschaft dess heilig-en hohen 
meisters bruder Erckardus, Ton dem, und auch von etlichen andren mer, si gar 

10 vil gtlter nüczlicher 1er enpfleng. Allso schreib si an, wo ir von sollichen seligen 
Personen icht lüstliches werden mocht, das sy und andre menschen gefürderen 
möcht zu gotlichen tügenden. Si tet als die gewirbigen binlein, die das süss 
honig aus den manigfeltigen blumen eintragend. Und wiewol das was das zu 
iren ß<^] zeitten vil seliger swester worent in dem closter Tösse, so was si doch 

15 mit beiliger furnemikeit die andren übertreffen, und lewcht gar clärlichen under 
in als ein spiegel aller tügenden. 

Nun lebte in derselben zeit ein vil heiliger man prediger ordens von dem 
covent ze Constantz; des namen geheissen was prüder Heinrich, und nach dem 
gemeinen namen so nennent wir in den Seüssen. Und nit allein was er über- 

20 treffen an hochen tügenden und an überswencklicher heylikeit, sunder auch so 
was er fümem an götlicher kunst der heiligen geschrifft und an Weisheit heil- 
samer 1er. Und das was in sflnderheit sein begird das er möchte heissen und 
sein ein diener der ewigen Weisheit. Do nun dieselbe selige swester Elisabet 
kflntsam gewan des selben heiligen brüder prediger ordens, do ward sy von 

25 Got mit grosser andacht ß^l zu seinem leben und zu seiner 1er getriben. Nun 
was aber dise swester gar ein arbeitseliger leidender mensch; darümb begen 
sy oft von im, das er ir etwass sagt von leiden ausser eigner enpündung, dor ab 
ir leidendes hertz ein kraflft möcht nemen, und das treib si vil zeit mit im, 
wenn er zu ir kom. Also zog dise swester dem guten bruder mit heimlichen 

30 fragen die weiss seines anvanges und fürganges und etlich übunge und leiden 
die er hat gehabt, aus. Nun west er ir meinung nit grüntlichen und sagt es 
ir allein zu einer pesserung in götlicher heimlikeit; also schreib sy alles an, ir 

1 Der bis 6 rang aus Suso(Den.I, i41 f., Eins. 61 <^. 62 o). 6. trang A^. 6 Si bis 10 empfieng 
{Verkehr mit Gottesfreunden aus dem Predigerorden, insbesondere mit Meister ^Erckardus*): selbständige 
Zutat Johannes Meiers auf Grund der Erwähnung von Ekkhart'Studien Eisbets bei Suso (Den. 14ö^ 
Eins. 63^: meister egghard). 10 Allso bis 13 eintragend aus Suso (Den. /, 142^ Eins. 62<i). 

13 Und wiewol bis 22 heilsamer 1er (Hervorhebung Eisbets unter den Tößer Schwestern, Einführung 
und allgemeines Lob Susos): selbständige Zutat Johannes Meiers. 16. Dieser Susonische Aufdruck 

schon oben S. 2 Zeile 12, s. d. 22 begird bis 23 Weisheit aus Suso (Den. 1, 13, Eins. 24 «). 

23 Do bis 26 mensch zusammengearbeitet aus Suso (Den. 1, 142, Eins. 62<*^ und Den, 1, 13, Eins. 24 <^). 
26 begert bis 5,6 wänte aus Suso (Den, I, 13 f., Eins, 24 cd), 31. Die EntscJnddigung, daß 

Suso die Absicht Eisbets nicht gekannt, ist Zutat Johannes Meiers, 

12. binlein] Die Vergleichung der gelehrten Nonnen, die sich von allen Seiten her Kenntnisse 
sammeln, mit fleißigen Bienen schon bei Aldhelm, De laudibus virginitatis (ed, GHes, Oxf. 1844) 
Kap. 4. (Ebert, Gesch. d. chr.-ktt. Litt. 587), 23. Ewige Weisheit, Aetema sapientia, ist Susos 

Ausdruck für Gott und Christus, 



Vürrtde Jchannes Meiers r Elshei StageU Ldrni^ Ö 

und andren menschen zn einem bebelfen, und tet das verborfenlichen vor im. 
Dar nach da er diser geistlichen diepstal innen ward, do bestraft er sy dar ümb 
und must es im heraas geben. Er nam es und verprant ess alles das im do 
ward, Do im das ander teil li""] auch ward und es auch verprant wolt haben, 
do ward es im underBtanden mit himelischer potacbaft von Got, die im do 5 
geschah, die das wänte Also macht sy darnach ein schönes puch darauss» das 
wir mit gemeinem namen nennent das Seussen puch. Aber von des wegen, 
wann er sy tiberleben was, do kam das selb puch darnach für in; do was er 
es richten zu einer rechten form, nnd schreib etliche gute dlnek mer dar zu in 
irem namen. Do die swester aber nochten het die ge&ehrift in sexsternen ver- 10 
porgenlichen in einem gebeym, do gab sy es ze behalten und zu verpergen 
einer ander swester in ein beschlossen laden. Also kom ein ander gute swester 
zu der die es behalten het, und sprach: 'Bia, liebe swester, was hast du ver- 
porgens götliches wunders in deiner laden? Lng, mir was heinnacht vor in 
einem trawm das ein jünger himelischer knab stünde in deiner laden [-^J, und 15 
hat der ein süsses seittenspil in seiner hant, das man nent ein röböblein, und 
do machet er auf ein geistlichen reien; der ward als reisslich das menigklich 
do von lust und geistliche fröwd empfieng. Ich pite dich, gib es herfur das 
du beschlossen hast, das wir andren es auch lesend. Sy sweig und wolt !r 
do von nit sagen, wann es ir verpoten was. 20 

In dem ersten anfang diser seügen swester Elisabeten wurden t if ein- 
getragen gar hoche, vernüftige, ilberswenckliche sinne von der plossen golhelt, 
von aller dingen nichtikeit, von sein selbes in das nicht gelassenheit, von aller 
püden pUdlossikeit und von manigfaltigen sollichen synnen. Die 1er was gut 
in ir selbs, aber sy kond im nit geton, wann liinder sölichem so möchte grosser 25 
verporgner schad ligen einfaltigen und anfahenden menschen. Also begert dise 
swester von dem seligen vater Heinrich, dem diener der ewigen Weisheit, daa 
er ir in söllichem /;>«/ ze hilff kerne und grobe 1er under wegen liesse und ir 
von hochen sinnen schribe. Er antwortet ir also: 'Rechte selikeit leit nit an 
schönen Worten, sy leit an gutten wercken; fragest dn aber nach söllichen 30 
hohen Sachen darch eines leblichen ervolgens willen, so rat ich dir doch das 
du davon lassest, und nim sölliches für dich das dir gemesse sei» wan du 
scheinst noch ein ungeübte swester, und nim filr dich das pild der frewnden 
Gottes, wie sich die des ersten mit Christus leben nnd leiden üpten, wann also 

6 Alfio bii 8 für !D {das *Seustnbuch^ komm! nach ElabetM Tod an Smo)i trgmztndt EuUU 
Johanne» Meier*, 8 do wue Am 10 nam©D, vffL Smo (Dm, /, 14, Emv. 24^); Elwas guoter 

lere ward och naeh ir tod in ir perBon von im darzuo geleit. 10 Do hü 20 was, vgL Su»ü 

(Den. 166 f, ^m. 6t/ ^) und Einieitung zu Suio {Den, /, 7, Ein». 23). 10. f weiten K 

10. ten «# noch am Bande naehgetragen A' 10» scxsterneiD ] In der Einleitung zu Suso (Den.I, 7, 
Eins, 23^ i«t von den quaterneo dies ersteo Binnerichen buoches die Rede. 12. einer and' N-^ 
t.i e. andern? 21 In hu 6J3 kaneten aus Suso {Den. i, 143—145, Eim. 62^-^) mit einigen 

Kur£ungen^ und mit Ahandernng dtf Stelkn^ kw der Verkehr EUhets mit Suso als em brieflicher be- 
xeichnei «1, s. unten 2fi f\ (Eins, tfl^*): Si schreib dem diener, 29. EtTi». 62^: Der diener 

schreib ir hio wüder also. 

16. röböblein] Den. /, 167 1 aftB. rebec, iL ribeba, dreisaitige Zither oder Oeige. VgL Zwing- 
Uana {Zürich 19Ö2) Heß B: 'Das Rabögli^ ein von Zmtngli gespieltes Musikinstrumen f. 



d 



6 Vorrede Johanmes Mekn: EUbH SiageU Leben. 

Wirt ein anfahender mensch gereisset und ftirpaaser geweiset in das nechst se 
komen. Wiewol das ist, das Grot der herr sölliches einem menschen in einem 
augenplick geben möchte, das pfligt er aber nit gewOnlichen ze ton. Es mnss 
aber gemeinlichen erlitten und erstritten und eramet werden.' 8y sprach zu 

5 im also: 'Liber vater, wissent, das mein begird ß^J nit stat nach klugen wortlen, 
sy stat nach heiligem leben, und das han ich mut recht und redlichen ze 
erfolgen, wie we das immer mag getan, es sei leiden, meiden oder sterben oder 
was das ist das mich zu dem nechsten pringen mag, das mos volhertet werden. 
Und erschreckent nit ab meiner krancken, zartten, fräwlichen natur, wann was 

10 ir gettlrent geheissen, das der natur we tut, das getar ich erfolgen mit der hilff 

Gottes. Und fahent an des ersten pei dem nidersten und weisent mich hindurch, 

als man ein junges schulerlein des ersten leret das zu der kintheit hört, und 

ess aber und aber ftirpaser weisse t pis es selber wird ein meister der kunsten/ 

Also vieng der heilig vater an und was die selige swester Elisabet an weisen 

15 zu einem anfahenden gutten leben, und weiset sy unter andern dingen das sy 
des ersten räumte ir gewissen mit einer ganczen lauter peicht, und also das si 
mit guttem [5^J fleiss der peicht rewte nach ir vermüglicheit, also das ir ir sünd 
vergeben würden von 6ot vor dem peichtiger, als der lieben sant Maria 
Magdalenen geschah. Auff disen heilsamen guten rat viel die selige swester 

20 mit begird und meint das ir der selb heilig vater der peste wer, das sy im 
peicht tet. Nu lagent die Sachen also das die peicht mit wortten nit mochte 
geschehen. Do nam sy alles ir leben herfär, das in der warheit rein und 
lautter was, und wo sy sich yendert hat nach irem sinn verschuldet, das schreib 
si an ein gross wechsln tafel und sant im die also beschlossen und pat in das 

25 er ir aplas Sprech über ir sünd. Also fügt es sich desselben morgens frü, do 
der heilig vater die tafel noch nit enpfangen hat und auch noch nit von der 
Sachen west und er an seinem andechtigen gepet was und nach dem gepet sieb 
saczt in f^^J ein stilles rwlein, do kam er in ein Vergangenheit der äussern sinnen. 
Do was im vor vil der götlichen tougni, und unter den andren ward im ein- 

80 geleuchtet, wie Grot die engelischen natur het gesündert in ir formlichen weiss, 
und wie er iecklichen also sein sünderlichen eigenschaft nach sünderlicher 
ördenlicher aussgescheidenheit hette geben, das do nit wol ist ze worten. Do 
er nun ein gute weil mit den engelischen Jünglingen himelische kürczweil het 
gehabt und im sein gemüt frölichen was von dem überflüssigen wunder das 

35 sein sei befunden hette, do was im vor in derselben gesicht wie das disse 

5. Eins. 62 c; Die tochter schreib im hin wider also. 11. an oder on N? 13. Eäbets 
Qleichnü vom Pelikan und die Antwort Susos {Den. /, 140/'.^ Eins. 02^, OSo) sind hier weggeblieben^ 
der Anfang des anschließenden Abschnitts {Den. /, /47, Eins. 6'^«*) liegt im folgenden stark verkürzt vor. 
16. laut' N\ /.: lautern? 19 Auff bis 25 sünd (etwas verkürzt) aus Suso {Den. /, 147 f^ Eins. fj3f»c) 
19. Auff u. s. w.] Abweichung von Suso^ wo diss bild (von Magdalena) von der tochter ins Herz 
aufgenommen und nachgeahmt wird. 21. mochte N. 25 Also bis 7,8 tun wolt (Qesidä 

Susos von Elsbet) ist aus einem spätem Briefe Susos (Den. /, 149 f. y Eins. 63^, 64 <^) hieher an den 
zeitlich richtigen Ort voraufgenommen, wobei in der Erwähnung Elsbets die Du-Form des Briefes in 
die 3. Person verwandelt werden mußte. 33. kwrczweil (mit über das w gesetztem Doppelpunkt) A*. 

32. Die Vorstellung von der besondern Art jedes Engels stammt aus Thomas von Aquino I. 
p. gu. 50. a. 4: Den. /, 149^. 



Vorretie Johann f» Mtkrtt Ehth^i Stayds Lehen, 



heilige swester Elisabet kerne eingan und far in stunde, do er sass ttnder dem 
engelischen gesind, und mit grossem ernsr so kniet sy nider für in und neigte 
ir antlücz auf sein hercz, tind also kniet si ein gute weil, das es die heiligen 
engel, die da pei stunden, pj^J [es] ansahen t Also nam der prüder wunder von 
der getürstikeit der s wester; doch so stund es ir also heiJiklichen an das er es 
ir giitlichen gestatet Und noch einer guten weil do richlet sy sich wider auf. 
Do ward ir antlücz so frölichen und so gnadenreichlichen gestalt das es künt- 
liehen ward das ir Got sunder genad hat getan und auch mer tun wolt, Do 
nun dess selben tages dem dien er der ewigen weissheit die peichttaffel ward 
und er sie aussgclass, do stand ze hinderst daran also: *Nnn falle ich sündiger ID^ 
mensche für ewr füss und pitten euch, das ir mich wider pringen in das götlich 
hercz und das ich ewr geistliches kint heiss in zeit und in ewikeit/ Ab der 
heiligen tochter wol getrawende andacht wart der selig vater hercziglichen 
bewegt und sprach auf zu Got also; *Eia, zarter herr mein, ich falle mit ir ftir 
dein tugenthaftige fasse und pitten dich das du sy erhörest. Sie sucht die 15 
reicheit/tf*7 des herrn in seinem knecht; lass sy geniessen ires gütten gelauben. 
Sprich ein tröstlich wörtlein zu ir, sprich also: Confide filia, fides tua te 
salram feeiti Dein guter gelaub hat dich behalten; und hab es stet an meiner 
etat, wann ich hab das mein geton und hab ir gewünschet ganczen aplas aller 
ir Sünden/ Also do diss alles geschehen was, do enpot er ir wnder pei demselben 20 
potten, und schreib ir wie ir begird were geschehen und wie es im alles were 
vor geoffent von Got und wie ir Got gcnade hette geton* Also ward sy vü fro 
und lobt Got, von dem ir die genad widerfaren was. 

Nach disen dingen allen do tröst und sterkt der heilig vater prüder 
Heinrich, der wirdig diener der ewigen weissheit, die selige swester Eisbeten 25 
mit manigfaltiger heilsamer geistlichen gutten ler, und pei sunder so sant er ir 
die pild und die ler der beilM*'^71igen altvetter» das do seit under andren dingen 
von grosser strenger hertigkeit und von raanigfaltigem abbrechen. Also meynt 
die gut tochter, ir geistlicher vatter hette ir das in der meinung gesant das 
sy nach der heOigen altveter strenger weiss irn leib auch mit großer kestigung 30 
Bolte Üben, Und also vieng sy an ir selbs abzebrechen und sich ze peinigen 
mit heren hemden und mit seilen und grewligen banden und mit scharpffen 
eissen negelen und des geleichen fil. Also do sy diss etwas zeittes hat getriben 

8 Do his 12 ewikeit au^ Su^q [Den. iiS, Eins. 63^), 12. ewres (SSer w ein Doppelpunkt) 
mii nachträglich gesfrichentm es ^V. 12 Ab Ais 22 vqq Got, etwas üerkürzt^ aus Smo {Den. /, t4ßf^ 
Eim^ tf^ctf), 13. getraw^fie A*; /.: getrawenden? 17. Conti de uew*] Die bei Suso voravsgthende 
Erwähnung der 'Heidin\ d. L des Eanaanitischen IVeiU» {Matth. /.>, ^2ff,}^ igt hier übergangen^ *■ unten. 
22 und wie bi$ 23 was: Zuiai Johannes Meiers\ ef^enso der Übergang im folgenden Absatz 24 Nach 
bis 26 glitten ler. 26 und pei sötider bü 33 fil aui Swo (Den, IM, Eim, 6äd ßßa) ntit 

selbständiger kurzer Zusammenfassung (27 das do seit bis 28 abbrechen) der bei 8uso üoHinhaliiich 
fnitgeteiiten Lehren der Attifäter. 33 Alao bis 9,18 minicklichen Oot {eerkurzi) aus Suso (Den. l^ 
157—160, Eins, ö'fifa^^-). 

18. Mat^. 9, 22 {vgl Marc. 5, 34 und LuL S, 48 ohne Con£de) £u dem hfuim*igen Weibe 
SA Kapernaum : vielleichi der Grund, weshalb Johannes Meier die vorherige Hindeutung auf das ahn- 
iicke Qe!tpra<;h mii der * Heidin^ {Matth, 15^ 22 ff. \ Luk, 7 ^25 ff,) weggetasBen hat, die ihm wie eine 
Vencechslung Voder erquickung vorkommen mtychte. 



8 Vorrede Jokamnet Meiert: EUbei Stapels Lebern. 

und er eein von ir innen ward, do verpot er ir es gancz nnd gar, nnd sprach 
unter andren Worten zu ir also: 'ünsser lieber herr Ihesos Christas sprach nit: 
nement mein crewcz auf euch, besonder: ieder mensch neme sein krewcz auf 
sich. Da solt nit ansehen ze erfolgen der altvetter strengheit noch auch mein 

5 herte Übung, da solt aber aass dissem allem dir ein fß*J krewcz machen, das da 
wol mügest erczewgen, also das die ontagent in dir sterben nnd mit leib lang 
lebest/ Das wandert aber die selige swester warttmb er ir das weren was 
and aber in sein selbs person die aller swersten, hertesten and grösten übang 
hatt. Do antwortet er ir and sprach anter anderen worten also: 'Die ausser- 

10 weiten frewnd Gottes band gar angeleich übong gehabt; wer kan aber das 
wander alles aassrichten, denn [das] der herr, der ein wunderer ist in seinen 
frewnden, und der von seiner grossen herschaft wegen mit mangerley weisen 
will geübt werden? Dar zu sint wir auch ungeleich genaturt. Das eines 
menschen gutter fug ist, das fügt dem anderen nit; lug aber ein iecklicher 

15 mensch mit fleiß zu im selbs und merck gar eben, was Got von im welle, und 
sei demselben genug und lasse andere ding beleiben. Wann, gemeinlich ze 
[7^J sprechen, so ist vil pesser bescheiden strenckheit ze füren wann unbe- 
scheiden. Seit dem mal das mitel mülich ist ze finden und es recht ze ergreiffen, 
so ist doch weger ein klein darunder ze beleiben, den zevil darüber ze 

20 wagen. Es geschiht dick, so man der nattur ze vil unördenlichen abbrichet, 
das man ir darnach ze vil unördenlichen muss wider geben. Aber soliches 
strenges leben mag den menschen nücz sein, die sich selber ze vil zart halten 
und ir widerspenige nattur auf iren ewigen schaden ze mutwilicklichen brauchend 
Das gehört aber dir und deinen geleichen nit zu, die da ir nattur ördenlicben 

25 richten sint. Gk)t der hat mengerhand krewcz, domit er sein freund kestigen ist, 

und dar ümb so versieh ich mich wol, tochter, das Got ein anderley crewcz auf 

deinen rücken wolle stossen, das dir noch peinlicher wirt denne semlicher band 

ke8tigung/7V sey. Dasselbe krewcz enpfahe gedultiklichen, so es dir wirt komen/ 

Also fügt es sich das darnach, do nit vil zeittes hin kom, do greiff Got die 

30 seligen swester Eisbete an mit langwerigen siechtagen, das sy ward an dem 
leib ein siech, dürre, dürftige uncz an iren tod. Sie enbot dem heiligen vater 
Heinrichen heimlichen wie es ir ergangen was, alss er ir vor het geseit. Kr 
cnpot ir hin wider und schreib ir also: * Wissest, liebe tochter, das Got nit allein 
hatt dich damit getroflTen, sunder hat auch mich in dir geleczet, wann ich 

35 niemant mer hab der mir mit söllichem fleiß und götlichen trewen beholffen 
sei meine püchlein ze volpringen alss du test die weil du gesunt warst. Und 
dar ümb so hab ich Got den herren getrewlichen über dich gepetten, möchte 



17/*. Über dieses Citat Susos aus B[or]nh[ardu8] (so Eins. 06 <^ am Rande)^ Epist. ad fratref 
de Monte Dei /, 2, vgl. Denifle, Seuse /, iöii^. 18/'. Nach Den. {Seuse A 156*) Citat aus 

Cassian, Coiiationes patrum II, 16. 24 Die bis 25 sint] Zutat Johannes Meiers. 31. ein 

siech ililrre dürftige] wold mißverständlich tastende Wiedergabe des allerdings unklaren ein siech- 
turftig bei Suso (Eins. 66<^y wozu Den. /, i55^c). 36. teft so K 37. ich ] bei Suso a. a. 0. 

erzäJilt von hier an der Hriefschreiber von sieh in der dritten Person (der diener u. s. ir.), vofur hier 
in der Wiedergabe Meiers die erste gesetzt ist. 

3. 4. MaäL W, 3S. 16. 24. Marc. S, 34. Luc. 9, 23. /4, 27. 12. Fsalm 67. 36. 



Vorrede Johannes Meier»: EUt6et Stageh Lehen, 



9 



es sein wille sein, daz er dir denne geeantheit gebe. Und do mich Got nit 
pald wolt (7^} erhören, lug do zümete ich mit Got eines iVewntlichen zürnens, 
und meinte ich enwolt© von dem minicklichen Got nit mer püchlein machen 
und woite auch meinen frölichen gewönlichen morgengruss von unmut wegen 
under wegen lassen, were sach das er dich nit wider gesnnt machte. Und do 5 
ich also in disser unruwe meines herczen nidergesass in iinsser csppel nach 
meiner gewonbcit, do entßnneken mir die sinne, und also dünekt mich, es kerne 
ein engelisehe schar hin fdr in die cappel, und sungen einen himelischen gesang 
mir ze trost, wann ey mich in sunderm leiden do westen, und fragten mich 
war ümb ich also trawrig were und nit mit inen auch sünge, Do seit ich in !€► 
mein unördenlich entrichtung» die ich von deinen wegen gegen dem lieben 
Got hettCj das er mich der pete deiner gesuntheit nit erhört bette. Do meinten 
die himelischen geist, die heill/^*'/igen engel, ich solte nit also tun und solte 
ablassen, wann Got hcte den sichtagen über dich verhenget durch das aller 
peste. Und das solte dein krelicz sein in disser zeite, da durch du sottest er- 15 
werben grosse genad hie und manigfaltigen Ion in dem himelreich. Darürab 
so piss geduliig, tochter meine, und nim es auf als ein freuntliche gab von dem 
minicklichen Got,* 

Also beleih disse selige swester Elsbeth ein ser grosser leib krancker 
mensch stet gar vil zeittes piss an Iren tod, und beleih in grosser danckberer 20 
gedultigkeit und wuchss auf in mannigfaltigen tugenden und in hohem heiligem 
leben. Also fügt es sich das ir geistlicher vater dick zu ir kam und ir s wache 
leidende person erlaben was mit götlicher gutter tröstung. Er seit ir etwan 
von seiner kintlichen andacht, wie er Got in seiner kintheit hette gedienet, das 
da gar lüstlichen zc hören [S<^J ist götlichem gemüt, und gar vil anders seit er 25 
ir; etwan von eüsserlichem leiden, etwan von innerlichem leiden und wie leiden 
geschaffen sei, wie nücz es sei, wie er des so recht vil gelitten habe. Auch 
etwen so wurdent si also auf gecEOgen in Got, da sy retten von ubertrefenlichen 

2. frtjwntlichen {nichi freTent liehen) A^ überdnmimmend mii Su*o a. a.O. 19 Also 6fes 22 
leben] der Übergang itt Zutat Jtyftannti Meter». 22 Also Aw 27 habe] kurze Zmammenfa&mmg 

dti«^^ wa» El/bei von Su^oa lefffn nach dessen mündlkhen MiUeüumjen ertfiAii M Suso (Den. I, 
1^1^224, Eim. 67^—87^^ vyi 67° t Von kintiichem anditcht einss iungen anTaheiiden 
menBclien; 70^: Von einem vil jemerlichan Hden^ dos im hier inn begegnete; 76' «: Von 
iuren Hden . . .) 27 Auch bU 10,4 lufft nach Suso (Den. I, 270, vgl 22ö, Eins. 99^]', der 
Eingang svglekh Bimteisung auf den Mali von Susoi IL Teil^ 2, Abteämig, Den, /, 2 25 ff. 

1 — 5. Sachlage, Stimnmng und Austkvck derselben kehren mif fallend ähnlich wieder im Leben 
Luthers f wo dieser hei der Krankheil Melancltthms Gott den Sack f}or die Türe wirft und Htm die 
Öhren reibt ^ uyeit ihm Melanvhthon noch it^eiier dienen müMei KosÜin^ Lutlter 11^ 536. 5 f. Die Ver- 
wand Itmg der dritten Fersott der Vortage in die erste zieht die Verwandlung von in der capell 
{Eim, 67°) in in nneeer c. nach sich, tta^ in der Meinung Johannes Meiers, der den votktändigen 
Suso vor »ich hatte, tcofd nichi nur bedetften soll: in der Kapelle der Dominikaner ^u Konstanz, 
sondern: in unser beider Kapelle; Suso hatte sich in seinem Kloster ein heimlich stat, ein 
c&pell (£iVM. 6'^**) auserwähtl und mit der AlH^äter Bildern und Sprüchen ausmalen lassen {Den. I, 
10 f 152 ff., Eins. 45^ f. )^ sodann die letzteren abgeschrieben und an die Freundin geschickt \ somit 
konnte ihn Jofmnnes Meier ihr gtgenMer wohl diese Kapelle vertraulich nnafler oappel nennen lassen, 
Meier wußte sicher, daß es im Predigerkloster m Konstanz nicht bloß eine Kapelk gab, die Suso aU 
«nMT« {des Kiosttfs) Kapelle hätte bezeichnen, kimnen. 



10 Vorrede Johatmes Meiers: EUbet SiageU Leben, 

hohen gOtlichen dingen, also das die selige swester sOllichen Rötlichen trost 
davon enpfleng, so si hört so minnicklichen iren geistlichen vatter von 6ot 
reden, das si sprach: 'Waffen, wie ist meinem hertzenl ich schwime in der 
gotheit als ein adeler in dem luflt!' 

5 Was aber die minicklichen schonen wort und red alle sein gewesen die sy 

warent reden, das stat zu guter mas geschriben an dem puch das wir heissent 
des Sensen puch, an dem andern teyl desselben puchs, das da anfacht: Confide 
filia uncz an das ende dess selben puchs. Er seit ir auch dick, was grosses 
nuczes und manigfaltiger gnaden verporgen ist in dem heiligen f8^J minigklicheD 

10 namen Ihesus, wie er den von grosser minne und andacht auf das fleisch und 
in das plut der prust seines herczen geschriben hette, und also den selben namen 
scheinparlichen auf seinem herczen trüge. Do gewan sy grosse andacht darzn 
und natte denselben namen mit rotter seiden auf ein kleines tüchlein in diss 
gestalt: . . ., den sy ir selber wolt heimlichen tragen, und machte do desselben 

15 namen geleich unzalichen vil namen, und schuff das er der selig vater Heinrich, 
der wirdig diener der ewigen weissheit, die namen alle auf sein hercz plofi 
leit und sie mit einem götlichen segen seinen geistlichen kinden hin und her 
santte. Also fügte es sich das Grot der herr der seligen swester kund tett, wer 
den namen Ihesus also pei im trüge und teglichen ein Pater noster sprech, dem 

20 wölte Oot hie gütlichen tun und wolte in begnoden an seiner jüngsten hinffart 
[8«J Do nun disse heilige tochter, die selige swester Blsbet, von irem geist- 
lichen vater, dem vil seligen man Gk)ttes, adellichen was geweiset nach gantzer 
cristenlicher warheit mit gutem unterscheid auf all weg die da endent in hoher 
selikeit, und si wol hatt ergriffen, als man es denn in der zeit mag haben: do 

25 schreib er ir an dem jüngsten brieff under andern dingen also: 'Nun dar, 
tochter, gib der creatur Urlaub und lass dein fragen fürpas sein; lose selbs 
was Got in dir sprech; du macht dich wol frewen das dir worden ist das 
mengem menschen vor beleibt. Wie säur es dir ist worden, das ist nun alles 
dahin mit der zeit; dir ist nun furpasser nit mer ze tun denn götlichen frid in 

30 stiler ru ze haben und frölichen ze peitten der stund deiner zeitlichen Ver- 
gangenheit in die volkamen ewigen selikeiL* 

Die swester sprach: 'Gelobt sei die ewig warheit, das ich von euren weisen 
leblichen Worten so schön beweiset pin des ersten beginnens eins anfahenden 
menschen und der ördenlichen mittel: meidens fS^J und leidens und übens eines 

85 zunemenden menschen und mit gutem unterscheid in tugentlicher weiss der 
aller nechsten plossen warheit. Darümb sy Got ewigklichen gelobt!' 

5 Was bis 8 pucbs ] selbständige Verweisung des Schreibers auf die von ihm benutzte QuelU 
8 Er 6m 20 hinffart nach Suso (Den. /, 223. Eins. 88c<i, mit Benutzung der früheren, Erzählung, 
Den. I, 27, Eins. 27^ cd), u. Der Raum (gegen V2 ^eile) für die rot einzuzeichnenden Buch- 

staben I H S (*o in Eins. 27c. S8ä^ vgl. Den. 223) ist leer geblieben. 21 Do bü 11,1G wilt nach 
Suso (Den. I, 300 f. y Eins. 105 ^c)^ jedoch mit Vorausstellung des ersten Absatzes, der bei Suso unserm 
zweiten (32 Die swester bis 36 gelobt) nachfolgt, womit einige Änderungen und Ejrweiterungen ver- 
bunden sind. 31. Die 5 letzten Worte fehlen und sind hier aus Suso (Eins. 105 c) ergänzt 

32. Die swester sprach ] abgeändert aus (Eins. 105 *) : Die tochter sach uff andächteclich und sp. 

33. leblichen, korrigiert in löblichen ffs.; aber Eins, hat leblichen (Den. lebendigen). 

3. Den. I, 270 'schwimme': eig. 'schwebe' (mhd. swime). 8. Den. I, 141—301. 



Vorrede Johannes Meierst Ei$bei StageU Lehen. 



11 



Also geschah es das sie ir hohes heiUiges leben pracht zu einem alierpesten 
endei und kürtzlichen darnach do ttam sy durch den tod ein vil seliges ende, 
also auch ir leben selig gewesen was, und ward do wirdigklichen bestattet und 
begraben in dem selben closter Tösse. Und nach irem tod do erzeigt unsser 
lieber herr offenbarlicben mit wnnderz eichen und miracalen di da ge schaben t, 5 
das er sy in der ewikeit seinen ausserwelten heiligen geleichet bette, als er sy 
in der zeit auch inen gel eichet bat in volkomenem leben. Also von göt lieber 
ordenung ftigt es sich under andren wundem das sy zehant nach irem tod 
erschein irem geistlichen vater, dem seligen prnder Heinrichen, in einer abge- 
scheidener gesiebt, und leweht in sne weisser watt [9^] wol gecziert mit liecht- lo 
reicher clarheit vol himelischer freüden. Sy trat hin zu im und zeigt im wie 
adelicben sy in die plosse gotheit vergangen were; das sah er und bort es mit 
lust und mit frewden, und ward sein sei ab disser gesiebt vol götliches trostes. 
Und do er zu im selber kam, do erseüfzet er inik liehen und gcdocbt: 'Ach Got 
wie selig der mensch ist der nach dir allein werben ist! Er mag geren leiden 15 
den du seines leiden s also ergeczen wtlt.' 

Also hat man nun wol mit kurczen Worten verstanden das heilig und hoch- 
wirdig leben dlsser seligen swester und das sy da mit erfolget hat das ewig leben. 
Und darümb, seit dem mal du nun pist vor dem anplik Gottes, so pit ich dich, 
ich armer sündiger prnder, vil selige mnter Elsbeth, das du mir von Got 20 
dem heren, den du so hercziklichen lieb hast gehabt, wellest erwerben das mein 
pi;esthaftiges sümiges leben ß^J gericht werde nach dem allerliebsten willen 
Gottes. Und als ich mein zergenkliches armes tötliches leben enphangen hab 
in der stat dovon dein wirdige persou iren zeitlichen ursprang auch enpfangen 
hatt, darümb so pit ich dein müterüche trewe das du mir erwerbest das ich 25 
das ewig untötlich leben nach meiner leczsten hinfart auch enphahen sei in der 
heiligen stat des himelischen leruaaiem, das du mit frewden enpfangen hast 
und ewiklichen da leben solt vor dem minikliehen anblick Gottes des herren. 
Und also pjtten wir dich alle, berr Ihesu Christe, du ewige weissheit, das du 
uns helffest das wir disser heiligen swester Elsbethen und ires geistlichen seligen 30 
vatters, deines getrewen dieners, und aller deiner lieben frewnden aeyent 
gemessen, also das wir e wicklichen dein göttliches antlüez werden schawen: 
Qnod nobis prestare diguetnr idem Ihesus Christus, eterna sapiencia, 
ß^J filius virginis, Qui cum patre et spiritn sancto vivit et regnat in 
secula seculorum^ amem 35 

Explicit vita aororis Elisabet Staglin composita atqne colleeta 
per quendam fratrem Turicensem de conventu Bassiliensi ordinis 
predicatorumj anno domini ^Pccccliiy, 



3. wa&] Dm zunächst Folgende: HeHattnng in Toß und Wunderieichen daselbst^ ist Zutat deg 
Schreihers ;eum lext bei *Siü*cp; themo die Hinumsung auf diue andren wunder ^ale ä und der 
Name des geistlichen Vaiers Zeüe 9* 7. volkoineln^S K 16. wilt ergetzeo 3u9o {Eing. 10^). 

17 ff. Der nachftdgende Beschluß f mit dem Gehet nn die selige muter od^ heilige swester Elsbet, die 
ihrem Zürcher Mitbürger awch eine Stätte im himmtischen Jerusakjn erifyerhen mögey ist tJcm Johannes 
Meier an die Steäe des hürnen JSehiußwtinsches bei Suso {Dm^^ Söi^ Eins. 105^] gegetit morden, 
31. aeyent am Hand für lasBeet« dm ungetilgt^ aher mit VerweisungsMeichen, in der ZeOe steht N. 



Yarrtde ELAH Stagek. 



;:** Sstote perfecli sicat pater xesitr cel-»«:;« p«rfe<iX5 «t^-ii r 
sooi TolkiiBKn szo als iver himesstber Tmiter TafkooK 
ässer &«lMr berr Ihesvs Christas, io «* «ff ertnch 
jungem uad masii odi mit inen al^ sn ssserveüeoL As* voc ikt sx ^ctit ^ 

S vvssen vcmI Bodi sood fe bo cwi werden hs a& äai j^v:~^;^bes la^^ Cmf -«ik 
er Bst iber ai^ ift and anziklxh oad afn wt^kt a!L>sr i^sAizmat&xuc mif ss 
nalärftebe rite anzifal e^ so est n ak iwag^Hi ümt tassat ^ fi&wrxnsu: ias 
er wi afe tot M jiares. 

Dte er aber <ias mc afaüs in ase Tunss^iEfissL ^swmD: iab^ soi&fisr se ? 

1& es och crffecJttrfict pevirket hat jss^i nxh aLfe nt vTirt>t. «iis znii;^ üssa is^ 
na^Knfich schovnt an cfefn brnaeoim mintsa^a fir. diih« ' Ji alhs- ^f^i^mamt 
valier Sant Dommico. der sadi GotlLes ^eluzt ipqi oae^ MOCXT jsirsi xl & 
ersten astapfin trat der faabf<en n^iCbadisfL. do ^ läBssiL hugeix. -irns iif 
satc der da ac^enOctt ^erkhtet äst narr der itaCgien jong«' leäesL 

L> Umi iL anfSL 5eib«i iLiil^«: ord-fz. «c Jrai a»»- -»■»-jr lecifai^ir sanc^ na isL n 

cimuisc^lträen '»fr dd ini: ir irrii^inicifc !!»:cj:iai '3ir»?i:kifn iUer i»*r itrscüniiiu: 
^?T^ 2-r: kr^rür^c p'ciitrJiec. sehmak pf*z«*c»Hr znti rcisi iJe it p^fctHrc. 35* püitais' 
31 IT*? als i»ir :2r3ii»:ii suiir il^e? ■»rr'.C!! •fmd'jrr^ :i:i«i znirruitir 3iaciit»!L 

Unii wiii ias fr fj:? ±is»*r h^s i»fr -jcliirh siz'ierjii in*: j^'vr-iiir^c i:=e ias? 
•fr ST 5fr krscici*a:t hai rir?«rct:i»i isf xuefoi ^üezthl 5üii?^«i inii r:f iirr»>m 
•firüiciar. iJ? ii»c laJiprü Sxz:: ?-»::fr ind ütf Iii^cüt ^ mrm wT Sii^t TTimi. 
TTTc iifn ijz jftlieri zi»f!ri?d: bilj«:!i sei li »j^rc ^«imaze*: Trariei. ^s st itni icci 

Ü J»:r Samt: uvHt uucHrxifien *t. 1*. Suc^ x *^i»«/r *jc»» - mrrusncTKn «n« -ma«^>«»^ur:L 

Trjik iiimistr: '>. il Ai^j 'i^: cwu inr- Firm'. Tfju Diiffnut 'S:fiulmu. uty. 7. 'r- Z. mt.r- JJl . .>^ 

1. ± JEcüCft. *. ^'* T TniTiTi* ^ rNMi^ «ix:» -/^it. J. ." inmx (nttm aon -sk- "STnanamn»* 

•jjän: ^insBiaiitimB länmör-irnj mne "^'muf^ciutatt, ^auita,'. -71. --^jfsr Jt Üf^MUfie^ 1 Ji 4 
•^jc Ä ^?ui iaät*mn;:;L*r!] -»m. ier ui :m*r r^^ibna in^fcir 5nQii»fr sr'vrxi^ — m < in»»: snlz*« -^ • J". 
J''. >' I. /. i2i. Pvu Jturtnr 'mir r^imm» -^«1 ii/7iirf<i 



Vorrede Elsbet Stagels: GrfinduDg von Töß. 13 

maniger hocher bailig in disem orden, die doch nit erhaben sint, die gemartret 
sint umb kristengloben, als sunderlich geschriben stat von in CXim, die in dem 
anfang des ordens gemartret wurdent. Och ist der andren bailigen {2^Jü\, 
baide frowen und man, die mit ir hochem leben hant verdienet das unser herr 
by ir leben und och nach irem tod als grosse zaichen durch sy hat getan das 5 
alles ertrich sich des wundren roöcht. 

Wie manigvaltiklich nun der mineklich Got hat gewürket mit sinen gnaden in 
disem haiigen orden in ieklichem cofent sunderlich, so hat er doch sunderliche 
lieby bewiset gegen disem cofent von angeng das er gestiflet wart, und iemer 
me tun wil, ob wir es mit linsren schulden nit verlierent 10 

Ee das dir hailig cofent angefangen ward, do sach man etwenn schAne 
wunnenklichi liechter schinen an der stat da dis kloster stat Nun was ain 
maller an der selben stat gesessen, und der ward ungedultig das er von siner 
mülly solt, und under stund es wo mit er kund. Und also hört er ain stim dry 
nacht nach ain andren, die sprach: /<?•/ * Warum irrest du mich an der stat, da 15 
ich selb rftwen wil?' Und von dir geschieht, und man och do gesach die schönen 
liechter, die von Gottes Ordnung hie schinent, do gewan er als grosse gnad das 
er willeklich von hinnen schied. Mit disen gaistlichen liechtem erzaiget unser herr 
das er die haiigen personen an die stat hat geordnet, in den er ewigklich lachten 
wil. Hie nach ward dis kloster angefangen nach XVIII jaren do der orden 20 
bestätiget ward, do von Gotes geburt warend MCCXXXIII jar, an sant Marx 
tag des ewangelisten, der was do an dem zinstag in den ostren. 

Wie säliklichen nun unser alten s&ligen schwestren band gelebet, das war 

2. in {ebmso Ü), l. ir? Oder nuL, wie noch keute m Zuridu ina vier = ihrer tfiere? 
7. mineklich] lieh am Rand ergänzt Ö. 9. cofent] daxu r. am Rande: t&ttj wtd vorher m 

der ZeHe difem m dem gewandeU G (gegen t5(T dem Connent Ü). 10. ob — schulden 

korrigiert in: ob sj es mit seh. Ö (Ü). 14. Annd $o O. 17. hie korrigiert m da G (hie 

auch Ü). 17. fchindent mit wUerpmiktiertem d G. 18. hiii§ korrigiert (r. am Rand) in 

däne Q {C). 

1. erhaben] heiäg geeproehen? 11, Zu den folgenden geeekiditiiekem Knd tagenhaften Beriehien 
t>gL die urkundliche QrundungtgeeehiMe bei H, SuLkt, DKT 86 (6) f. (1233 ErhmbmiM det Biiehofe 
tur Erbauung eine» Dominikanerinnenkioeten an der ToßbrOeke durch die Grafen Hartmann den altem 
und den jungem \ 1240 Schutzbrief da Biechof» für die von ihm geweihte Kirche samt Klo$ter)\ 
auch H. SuUer, BGTöf Über die ent 1245 erfolgU förmliche Emverleibung m den Predigerorden 
Den,, BGT 677; DKT 87 (7) ff. 12. Ganz ähnlich beridUet die Legende von der Gründung det 

Frauenklostert Katharinenthal (H». zu Frauenfeld g 105, t. Einl) 1242 (wona(^ diezet und Toß auz 
zwei um 1200 zu Wimterlhur entztandenen Franwen Closterlin, oder fil mehr Samlnngen hervor- 
gegangen wären): beim Hasenhanss m dem verwildeten Tal nächst Dießenhofen läßt Gott den 
Vorüberreisenden und -Schiffenden schone grosse kertsen, vnd heitter brennende liechter ehr- 
scheinen: auch wnrdent mehrmalen so nacht in disem gestentt nnd thal gants schneweise 
Schafflin gesehen, sich alda weittende. konte doch nimant wüssen, von wannen sie kemen 
und wider kertten, oder was dise ehrscheinongen betentetten. 20. 18 Jahre iukA Bestätig u ng 
des (Prediger-) Ordens {1215): 1233, s. o. zu 11. 22. St. Markus zonzt 25. Aprü\ Ostern ßd 

aber 1233 (nadk WeidenbaiA) auf 3, Aprü 



14 Vorrede Elsbet Stagels: Fromme Ubnngen. 

g^t und lustlich zehArend, aber es ist nit muglich alles zesagen, won ir hertze 
bran und ir leben lucht als krefteklich das es offenlich zaiget das das wort in 
iren hertzen fruchtber was, das da vor geschriben stat: ^Estote perfecti': 
Wessent volkumen als üwer himelscher [3^] vatter volkumen ist. 

5 Und won sy kantent wol das sy niemer volkumen mochtend werden un die 
dni stuk dar uff unser orden und ain ieklich volkumen leben gesetzet ist, das ist 
willige arm&t und volkumne gehorsame und rechte lutterkait: darumb hattend sy 
den aller grftsten fliss zA disen dingen und och sunder uf willige arrafit, won sy 
die als begiriklich lieb hattend, das sy hüttend mit allem fliss, das sy üt über- 

10 flissiges hettin an gewand ald an andren dingen. So och etwas von iren frunden 
etlicher gesendet ward, das gab sy in die gemaind. 

Och ward die regel und die gesetz und was sy in gehorsamy soltcnd t&n, als 
andächttiklich und als gantzlich von inen behalten, das sy da von in rechter lutter- 
kait ständen t Sy behieltend das wort das Sant Augustin in der regel schribet, 

15 das da ob allen dingen lutterkait bringet: 'Ir sAllent die irdischen ding lassen 

[^] und sond üwer hertz und üwer gemdtt uff haben zft himelschlichen dingen.* 

Ir hailige Übung was och als gar gross und manigfaltig von emsigem wachen 

und an hailigem gebett, und von hertzlichen trechen überflussent sy emssklich. 

Sy nament och als fil starker disciplin un die gesatzten zit, das etwenn nach der 

20 metty licht ir zwelff sament nament disciplin, und schlugent denn als gar fast, 
das ain grusseliche vor dem capitelhuss was. Etlich schlAgent sich mit yssnenen 
ketinen, etlich mit ainer gaislen, etlich mitt rekoltren. 

Sy warend och als gar senft und still an Worten und an werken das in dem 
tag als still in dem kloster was als ob es nach complet wer gewessen. Sy 

25 pflagent och kaines sunderwerkes, und sassent mit als grosser andacht in dem werk- 

huss das sy /4V hin flussent von trächen als ob sy in der mess werint gestanden. 

Sy warend och als gar gedultig in grossem gebresten, den sy hattend in spiss 

und von trank, won man gab inen do nit won zwürent in der wuchen win. Sy 

warent och als gar demütig an gewand und an allen dingen, und sonderlich die aller 

30 wirdigest in der weit warent gesin, die flissent sich die verschmachtest en werk zetün. 
Wie manigfallig ir hailig Übung was, joch der die by ünsren zitten sint gewessen, 
des wer zefil zu schriben; der herr der es als gewürket hat und dem es zu lob ist 
beschechen, der waist es alles wol und hat es geschriben an das lebent buch, da es 
niemer vertilget wirt. Darumb sy er yemer ewigklich gelopt und geeret A-M-E-N. 

I. hertze 0. 5. mochtöd am Rande nachgetragen 0. 10. -flissiges «o, auf Rasur\ doch 
vgl. 16, L 13. andächttiklich ] die beiden t am Schluß und am Anfang der Zeile 0. 17. von 
aus won korrigiert (r.) O, 21. hier fchlugent ohne o über u Q. 23. fenft 0. 23 das bis 24 
tag: die vier Worte (mit Verweisungszeichen in der Zeüe) am Rand nachgetragen Ö. 26. mess 
{so auch Ü): lies ness? Oder ist die Besprengung durch den Weihwedel beim Gottesdienst gemeint f 
26. werint korrigiert aus werent 0. 30. wirigoft O (wirdigoft auch Ü). 

II. in die gemaind 1 zum allgemeinen Besten, 15 f, wdirscheinlich freie Übersetzung von 
Augustinus^ Regula 2 {Migne /, 137 9 \ vgl. II, 960): Sursum cor habeant et terrena ac vana 
[oL terrena bona] non quaerant. 



Namenverzeichnis. 15 

[Nahmen der Seligen deß Closter Töß bey Zürch, so hierin zu finden: 

Adelheid von Frawenberg 57. 

Adelheid von Lindaw 131 [126]. 

Anna von Clingelaw 37. 

Anna Wansesellerin 51. 

Beli von Liebenberg 26. 5 

Beli von Lütisbach 129 [124], 

Beli von Schalchen 127 [122]. 

Beli von Sure 45. 

Beli von Wintherthur 43. 

Catharina Blettin 48. 10 

Elizabeth Bechlin 133 [128], 

Elizabeth von Elgow 126 [120]. 

Elizabeth von Jestetten 57. 

Elizabeth Scliefiflin 13. 

Elizabeth Mezzi bey Margreth Finckhin, 15 

Elizabeth Steiglin. 

Elizabeth Königin auß Hungern 150. 

Elizabeth von Zellikon 141 [136]. 

Elizabeth Zolnerin 45. 

Gertrud von Wintherthur 56. 20 

Gutta von Schonenberg 35. 

Itta Sülzerin 120 [U^]. 

Itta von Sulz 10. 

Itta von Tengen such bei Margreth Finckhin. 

Itta von Wezzikon 5. (Juliana Ritterin bei Margreth von Zürch.) 25 

Lucia Schultessin 101 [95], 

Margare tha Finckin 31. 

Margaretha von Httnikon 54 [48], 

Margareth von Zürch 35. 

Margreth Wülln 19. 30 

Mechtild von Stanz 84 [78], 

Mechtild von Wediswil 130 [125], 

Mezzi von Klingenberg 50. 

Mezzi Sidwibrin 23. 

Oflfmia von Munchwil 29. 35 

Sophia von Clingenow 71 [67]. 

Willi von Costanz 55.] 



14. Dieser Name üi am Rand nachgetragen. 



lif,] Die Hs, enthält hier ein epäUr eingeklebtes schmales Blatt (Hs, des 18. {f) Jhdts,), worauf 
das obige alphabetische Namenverzeichnis mit den Blatteiffem nach der Zahlung von O erscheint, die 
jedoch von 63 auf 67 tpringt und von uns hier [ ] berichtigt ist (wie dies auch im Text bis lum 
Ausgang des eigentlichen Schwestembuches, nicht mehr jedoch in der selbständigen Legende der 
Elisabet von Ungarn^ geschehen ist). 



16 Vorrede Ebbet Stageb: fintstehung des Bachleins. 

[5*] Won nun der sAss Grot von siner überflüssigen gAiy sich vor sinen 
frdnden nit enthalten mag joch in der zit, er mdss sich inen dik minenklicb in 
manigerwis erzaigen, das ir hertz ie me und me geraitzet werd: danunb hat er 
sich linsren schwestren gar dik und fil mit hochen und wunderlichen Offenbarungen 

5 erzaiget, das uns laider engangen ist untz an gar wenig, als uns aigenlich dunket 
das es nach der rechten warhait wer; won ir iekliche was da mit dem aignen 
gaistlichen g&t als bekümret das sy nit gedacht von ainer andren zeschriben. 

Und won unser herr von siner gdtti uns zebesrung noch ain klain bat 
behalten, da mit wir an ir hailig leben gemanet werdent, da von schribent wir 

10 von etlichen die vor uns warent und och by ünsren zitten sintt [5^J gewessen. 
Und doch gelobent wir das der als fil sy gewesen, mit den unser herr mit sinen 
gnaden sunderlich hat gewürkt und doch hie nit genemmet sint, als die von den 
geschriben stat. Das wir aber hie geschriben habent, das ist als w'vr es unser 
eltren hortent vor uns sagen und och von in ain tail geschriben was. 

15 Wer nun dis bdchly hAr lessen, der sol nit nach sinem aignen sin verkeren 

das dar an geschriben stat; wil er sich da von nit bessren, so ist doch billich, 
das er sich hüte das er davon nit bAser werd. Wir habent an disem btich 
vil abgelassen, das doch g&t zühArent wer. Och haben wir etwas hie an geschriboi 
das klain schinet; aber es ist et wenn vor Gott grAsser das da klain schinet, dem 

20 das vil gross schinet. 

2. entbaten Q, 4. offenbrungen Q. 7. gaÜtlichd, am Rand (r.) nachgetragen Q. 

9. schribent] t scheint nachträglich hinzvkorrigiert O. 13. vnfer korrigiert aus vnfren G. 

14. hortent ] das Wort am Rand nachgetragen G, 18. hörent ] t nachträglich hinzu- 

korrigiert G. 



Hl Von der salgen S Ite von >Fezzikon und was edeL 

/^ay In dem süssen namen Ihesu Christi so vachent wir hie anzeschriben 
von ainer schwester» die hies *S- Ite von T^ezzikon und was ain edly frow 
von frigem geschlaucht und wart gegeben ainem edlen heren, und do hat sy fil 
wirdikait, Sy hat och iren Üb in grosser Zartheit. Nun fügt es Got das sy ain witwe 5 
ward, und gab ir och den müt das sy wolt ain gaistlich mensch werden, Darumb 
kam sy dik her ze TAss, wie es ir hie gefiele. Nun gewan sy ain anfechtung^ 
was sy sach oder bort, das ir das gar übel gefiel und ir widei^em was, und sunder- 
Jich so sy des convent mfts sach» das widerstund ir als ser das ir antlüt und ir 
varw verwandlet ward. Doch von der hilf Götz do überwand sy ir herlz in disem 10 
grossen strit, und als sy selb sait das sy lich/^*7ter het gelitten das man ir 
das hobt het abgeschlagen, denn sy in das closter für, und von den gnaden 
Gottes do verwag sy sich aller ding als gantzlich das sy frilich ufFgab dem 
cofentt alles das sy hat, das sy ir selb nütz behüb, wie sy doch gross gut hatt 
Und do sy in dis klosler kam, do nam sy sich an, als fil sy zärtlicher hat gelebet 15 
in der weit, das sy als fil strengklicher lebet in dem kloster, 

Sy hielt Iren orden an allen dingen als volkumenlich als wir ie dekain 
Schwester sachent tun; sy was vll die erst in dem kor und hielt sich da mit 

L * S * 1 = Soror? od&r Schwester? L Awr und weüerhin vGEzikon Ö. 3. weaaikö N. 
7* her \tnd hie vom Min. ffistrichen Ö, feltli K 12. /, denn das? ho N {Ü me O). 

12. f. gen töfa i, K 12, L fÄr? füre A' (Mr Ü). 15. dis in das korr, (r.) 0, dz, N 

(dÜT C). 17. Die J&saUe sind hier und weiterhin gegen die He, {ß) gentachiy wa nicht großt 

Initiale» durch Fdidruck angedmOei eind^ 17* wir tn fy korr, (r.) Q (fj C). 



L Aii erste der Lebembuchreihungen erscheint in N die der MecftiftiU von Stan^, untere 
Kr. XX Vi erst auf diese folgte als drittes Kapiteij die un$rig€ mit der Überschrißi Von dem feligC^ 
lohen und heiligt fterheo fwest^ iten vo wejczikoti. Das 111, Der Eingang seigt^ daß diese 
Lebentbeschreihung die Reihe eröffnete, akü die Anordnung von ß die ursprüngliche ist (sie erscheint 
ebenso in Ü). — Die Freifterren von Weteikon waren Diensimannen der Grafen von Kihurg und 
Happerfmil, Zur Zeit der Gründung von Töß wird Ulrich von If'. ais Diener de$ Grafen Hart* 
utaftn von Kihurg genannt {I2i2)\ ein Ulrich war 1269 Johanniier zu Bubikon, eine Elisa bet 
^339 Äbtissin ^m Frattenmumtier in Zürichs Unsere Witwe Ita (Idda)t die spater wider Willeti 
I¥iorin ^u Toß gettordenf soU ihrem Ehemann^ einem von Landenberg^ die Herrtchaft ^'elsikoJi 
zugebracht haben. Leu, Helv, Lex. 

D«ut9cbe ToKt« du MiCtelLlters VL 2 



18 I. Ita yon Wezzikon. 

grossem fliss an naigen, an ston, und das sy gar endlich sang alles das sy kund, 
wie sy doch nit wol sang. Sy halt och grossen andacht ze gebett, und ain andar 
gebet, das sy tett gewonlich, das liess sy nit /Tay durch unmftss noch von siech- 
tagen, sy Sprech alle tag ain tusent Ave Maria. Und so ir joch gar lieb frund 
5 hie warend komen, so wolt sy doch niemer uss dem kor kumen e das sy ir ge- 
wonlich gebett gesprech. Sy ass och in dem reventar als steteklich das sy es 
selten iemer gewandlet, denn so sy zu ander geliess ald durch ander grosse redliche 
sach. Und won sy g&tter spiss hatt gewonet, so laid sy als gar fil gebresten und 
hungers von ungewonhait der spiss, das sy dik abtisch gieng hungriger denn so 

10 sy liber tisch sas, und das sy etwenn von hunger nit schlaffen mocht. Eüe mit 
was sy doch frAlich und wolgemütt, Sy was och als gar fiiissig an gemainen 
werken, sy wer ze dem venster ald wo sy was, das ir kunkel selten usser ir henden 
kam, Sy erzaiget och grosse demdtikcit /7V an manigen dingen. Sy getrftg 
niemer besser gewand won als es der covent gab, und das selb was dik als gar 

15 krank das sy fil bletz dar an machet. 

Es kam zeainem mal ain unser maisterschaft her; zu der ging sy haim- 
lieh und sprach: 4ch sorg, das «S* Ita von Wezzikon priorin werd; der 
bin ich hAlder denn dekainer Schwester; doch sprich ich von warhait das sj 
ze dem ampt unnütz ist und der cofent mit ir versumt ist' Und won er sy 

20 nit erkant, do wond er das es war wer. Und won sy dik vor mit maister- 
schaft was, do ward sy dik geeret von dem covent und von andren lütten 
und hat och fil wirdikait von ir gebomnen fninden. Dis gab ir fil kumers 
an ir hertzen und bat Got dik das er ain Wandlung an ir täte also das s; 
ain rechter verschmAchter und armer mensch wurde, und ir och gebe etwas 

25 /S«7 sunderlicher arbait zelident. Diser driger ding gewert sy unser herr 
folleklich, won sy gewan sölichen siechtagen das ir liden und ir ser un- 
vertragenlich was, und ward och von dem selben siechtagen als gar wider- 
zem das kum iemant by ir beliben mocht. Sy ward och als gar aiTn das 
sy von ir selb nit hat won das ir die schwestren durch Got gabent: etliche 

30 -vi« phenning ald als ir denn Got gnad gab; das entpfieng sy denn als gütlich 
und dankberlich das wir wol an ir marktend grosse andacht, das sy zu williger 
armüt hat. 

Wie gross ir arbait was und wie vil sy gebresten hat, das laid sy alles 
begirlich, das sy etwenn gedacht: 'Wess gebristet dir? du hast doch an dienst 



2. ain f. N. 5. hie gestr, (r.) O (Ü\ bei ir N. 5. kome am Rand nachgttr. G, 

6. refent' N (raffental Ü). 6. emßiglichn N. 7. Wo korr, in Den Ö, wan N. 8. gar 

am Rand nac/igeir. O, 12. redfenet' N, 16. in der Zeile vffer; am Rand korr. 

vnfer O (Ainer vff vnTfer mayfterfchafft Ü). 16. her in zu tös korr, O (Ü). 28. (von 

hier — Sy ward och gar arm — auf ZL 31 gesprungen — vnd in dem alle vermarcktend wir 
gancze gedultikait vnd groffe andacht — Ü), 30. vi f. N. 30. ir ] ing K 31. vfi als 

danknelich N. 31. a. das] a. die N (Ü), 33. f. doch als N. 



L Ita von Wezxlkon. 



19 



und an allen dingen din noldurftf Und kam ir ain ß^] an fechtung in, das 
sy unser herr nit volliklich hetti geweret ir beU. Und dis ward an ir also ge- 
wandlet: wie wol ir iemer gebettet ward, so was ir alle zitt als wie sy uff 
stainen lege. Won nun ir ser als unvertragenüch was» so wundretend sich dik 
die schwestren von ir gedultikait. Und das mocht sy nit liden das sy iement 5 
hetti für ainen gedultigen menschen, und sprach: *Wer waist wie ich in 
minem hertzen bin?' 

Sy ward och ze ainem mal in sieh selber gezogen, und dunkt sy das sy 
gar vil Stirnen horte vor Got im himelrich, und die battend alle sament mit 
grossem ernst und begird für ainen menschen; aber sunderlich ain stim die 10 
bat ungestidmeklich für die andren alte und bat das sich Got über sy er- 
barmety, und der stim ward geantwurt AW also: *Sy hat erbärmd funden, 
aber sy müss noch hl liden.' Do ward ir ze erkennent geben das sy der 
mensch was fiir die dise stimen battent, und das die ain stim das das ir enge! 
was. Aber wir gelobent von den andren stimen ^ das das die hailigen waren tt 15 
den sy sunderlich gedienet hat. Sy dunkt och ze ainem mal das ain sul von 
dem himel sich her abliess unlz für ir belt; die was als von wunderlicher 
varwen gezierd das sy nit davon gesagen kund» Und uss der sul hört sy ain 
stim, die retl gar trostlich mit ir, und sunderlich do ward sy gesichret das sy von 
Got niemer solt geschaiden werden, 20 

Sy dunkt och ze ainem mal das alle ire gütte werk fiir ünsern heren 
bracht wurdent, und die enlpfleng er als gar mineklich und als loblich das 
/ff*/ es unsäglich ist. Aber sy dunkt das ir als wenig wer das sy sich 
inneklich erschamt. 

Sy bracht ir grossen arbait und ir hailiges leben uff ain gut end. Und 25 
do sy an ir end lag und ietz hinzoch, do sach ain Schwester das ain schönes 
liecht recht als ain stem vor ir antlut erschain, und das es recht tett als es 
sich frowte mitt ainer spitender fröd. Darnach do sy begraben wart, do bettet 
ain Schwester spat an ainer stat da sy uff das grab sach^ und begert von 
hertzen das ir ze erkennend wurd gegeben, wie es umb ir sei stund. Do sach 30 
sy das in dem luft ob ir grab ain liecht schwebet, das was in der form als 
ain klainas schifly, und in dem schifly sach sy ain ander liecht, das was als 
ain sinwel kugel, und das was aber vil schöner und lächtender, und für liO^l 
rech spilend hin und her dar inn* Und das hat sy aigenlich da für das es ir 
sei wer, 35 



3. als f. M 9. gotes thrö in dem k R 14. t die so G N {Ü}. 14. die aio 

auf Ramr ö, 14. (dftfl daß f Ü). 15. von den] vmb die N. 17. von f, M 

18. urspr. vö gezierd, dann vö ^«ir, Q, 19. do f. N, 22. gmr f N. 27. erfchin mii a 

wlfer dem i 0; l. erechan? fcbein A' (erfchinfi Ü), 27. &. ob e, N. 30. gegeben f. N. 

30. vmb (?. 31. grab am Rand mjchgHr. G. 34. rech #ö Q. 34. fyWh N. 

2* 



20 IL Its Yon Sab. 



[H] Yon der saugen S- Ito yon Snlz. 

Wir haltend och ain gar s&lige sdiwester, die hies -S- Ita von Solz und 
was am witwe, do sy m kam. Und do sy noch in der weit was, im ander 
tag^t die sy fibet, do flbt sy sich sonder dar an das sy als gern armen läien 

5 gab das sy in ir hos hat Do sy ze ainem mal wolt nemen das sy dordi 
6ot geh, do sass der bös gaist vor ir und wert ir vast, das sy nit als nbermis- 
seklich Ton ir geb. Und do sy mftt gewan das sy in dis kloster wdt 
varen, des hett er sy och gemn erwendet, und gelichet sich in irs bichters 
gelichnus, der was ain gflter man, ain barftss, und riet ir mitt gantzer knfl 

10 das sy nit ze kloster [iO^] kem, und lait ir für vil arbait, die uf sy word foDen 
von den gebresten die sy liden mftst, da Ton sy in ungednltikait viel, und das 
sy dik treg wurd zA Grotes dienst, so sy mit ir selber den kumer mAst haben 
den ir ietz ir jnnkfrowen Tor trdgint Und sy verschmachet in und sinen rat 
gantzlich und verwag sich durch Gott alles des das sy hatt, und kam in dis 

15 kloster und lebet in williger armut, und in ainem strengen hailigen leb^i was sy 
bis uff ir end. Und als sy da Tor hatt gelebt nach der weit sitten nadi 
liplichem gemach, also lebt sy do in dem klost^ mit sunderlicher str«[ighait 
Und Ton grossem ernst den sy hat, do benftgt sy des ord^is straigi nit, 
wem das sy ain st&ti gewonhait hat das sy kalt wasser vor in die spis schntt 

20 e sy die [tl*J ass, und da Ton ward etlich spiss allso unlustsam ze sedient 
und och ze essend. Sy ftbt sich och ussgenomenlich an sunderlichem andacht, 
und da von ward sy och wirdig das ir unser herr sin gnad manigfaltiklich 
erzalget. 

Sunderlich do was sy als demütiglich gehorsam. Und in den zitten do 

25 der kor als gar eng was, do hies sy die priorin usser ir stAl gan und gab ir 
ain stat hinder dem alter. Und hie mit ward sy als ser angefochten das sy 
sprach das es ir wurs tity denn do sy von hus und von hof gieng, und was 
doch als gehorsam das sy nie wort da wider geret. Und do tet ir unser her 
als gAtlich hinder dem altar das sy etwenn dunkt das der kor als vol sAsses 

2. [WJir unvoUst. in Sy korr, (r. W sUttt des ausgelassenen S gesetzt) G. 3. f. zu in k. 

auf Rasur O, f. in das Cloft' kam N. 3. un ] on N, 7. dis 1 das S. 7. zv klofter 

am Rande nachgetr,: toff Ö, doch vgl, unten hei Ita Sulzerin, -Ar. XX VI. 8. gern G. 

9. gelichnos] geftalt A^. 9. i. d' pofs geiXt m. X. 10. ze ] in das N. 12. z. g. d. 

am Rand nachgetr. G. 15. nach kl. eingeflickt (r.) tdfT G. 19. hat am Rand nachgetr. G. 

20. e 8. d. a. f. N. 



1. Sulz scheint ein BurgstaU bei Stdtj Pfarrei Dgnhard, Landvogtei Kiburg^ geheißen t% 
haben. Ein Kiburgischer Dienstmann Hartmann Suizer ist nach Tschudi bei Näfels ( t-SSS) erschlagen 
worden, — Das Winterthurer GescJdecht Sulzer ist erst seit dem 16. Jahrhundert belegt Leu, 
Helv. Lex. Doch vgl. unten bei Ita Sulzerin, Nr. XXV L 



II. Ita von Stilz. 



21 



geschmakes war das sy es enkainen liplichen dingen [U^] kund geliehen* 
Etwenn sach sy och das der kor als vol liechles was das sy in ain gros 
wundrung da von kam. 

Man hat sy ze ainem mal 2e kelerin geseizetf und da von ward sy gar 
betrübet, won sy vorcht das sy von der unmüss ir andacht geirret wurd. 5 
Und do gieng sy in den kor und klaget es ünserm herren. Do trost er sy gar 
lieplich und sprach zu ir: *Man vindet mich an allen steten und in allen dingen/ 
Und hie von ward sy gar wol getröstet und enpfieng das ampt gütlicht uml 
unser her was ir als haimlich und tett ir als gütlich als er ie gelett* Sy sach 
ze ainem mal och ünsern herren als do er ain kindly was, und das er ze den 10 
schwestren gieng in dem kor, und so sy nigenl, so umbfing er sy, und weli nit 
tief naig, für die gieng /u^^y er, als er nit ze ir möchte gelangen, Sy sach och 
ze ainem mal, das unser frow in dem kor gar schon und wunnenklich umb gieng, 
und besprangt die zwo schwestren die dingnare sungent, und darnach alle 
die schwestren die in dem kor warent, und stund do enzwischent den 15 
schwestren die dignare sungent, untz man die collect gesang: *Concede 
nos/ Sy sach och ze ainem mal den covent in als grosser lütterkait das 
iegkliche Schwester von dem heren erlüchtett ward als ain crislall. Und hie 
von enphieng sy grossen Irost und gewan nüwe lieby xu iegkücher Schwester 
sunderllch, und begert an ünsern herren das er dem covent dik etwas sunder- 20 
lieber gnaden tete* 

Sy hat och die xr tusent mÄgt als gar lieb. //5*/ Nun hat ain provincial 
gehaissen das wir nit von in sungent als wir gewonhait hattend. Und do ainest 
an Ir tag wart ze metty und das ander zaichen geluttet ward, do sach sy das 
sant Ursula mit allen iren m^iglen in den kor gieng, und warent alle herlich und 25 
wol beklaidet, und do man die melti anfieng und man nit Ton in sang, do 
kerttend sy sich umb gar unwertsamklicb und giengend uss, Dar nach geliessent 
wir nie das ampt ab» 

Dar nach do sy unser her von diser weit wolt nemen, do erscban ir von 
siner Ordnung ain sei gar wunneklich und gar schon, denn das sy ain klaines ao 
schwartzes flekly uff dem füss halt, und das was da von das sy Irem engel nit 
gedienet hat, und sait ir das sy schier sterben solt und das sy mit [is^j 
ir zehimelrich solt varen. Und also starb sy kurtzlich darnach mit ainem 
hailjgen end. 



iJ. wüilrüg G. n. gi«ng mä ühcrgtMchrkbmtm e, dugtgtn vinfing imd 12. gieDg G. 

14. beidemal dignare N. 23. wir heidffnai (f. u. sw.) korr. in fy O, 23, in um Rand 

fiochgtir. 0. 24, das {nach ey) f, N {urspr. avigefaiien), 25* gieng 1 gän X, 

27. 28. gelielTent wir korr. in gelielT der conft G. 29. weit korr. rmt yelt. 2*j. enchati 

MQ G; vgl. ü. S. 19,23 (©rfchan hier mich Ü), 

16. den Vtsptrguang Dignare nie laudare te virgo encratA mit dan ReMponamtim Da mihi 
Tirtutem contra hoatea tuüB. 



22 ni. Ebbeth Schefflm. 

[ui] Von der silgen 8- Elsbet Seheffliiu 

Wir haltend och ain sälge junge Schwester, die hiess -S- Elsbet Schäflin, 
mit der Anser her sin gnad YoUeklieh tailt, das ir leben (rffenbarlich «rzaiget mitt 
tagenden and mit hailiger flbang and odi an offenbanmg der gnad. und die 

5 gnad fieng er an mit ir worken, do S7 noch in der weit was. Won sy gewan 
als grossen ernst zA gaistliehem leben and mAst das als mit grosser arbait ge- 
wmnen, and do sy der bös gaist nit yerirren mocht des gaistlichen lebens mit 
maniger grosser widerwertikait and anfechtang, die sy Ton iren fronden laid, do 
trowt er ir dardi ainen besessnen menschen [iS^] and sprach: *Nan far echt do 

10 hin, ich will dich füllen'; do sprach sy mit getarstigem hertzen: *Nun mikss das 
gewaget werden.' 

Und do sy in das kloster kam, do verhängt unser her dem bissen gaist als 
fil sines gewaltes ober sy das sy mit manigfaltigen grossen arbaitten gepinget 
ward, and doch also das er der sei nit rflrt, zegelicher wis als wir lesend tod 

15 dem säKgen lop, ober den och unser her Ton sonderlicher min verhängt das er 
schw^nrlich von den bössen gaisten gepinget ward, und hie mit hat sy och unstf 
her sanderlich geeret, won das grAst lob das man ainem gfttten menschen hie 
in diser zit geben mag, das ist das man von ainem sprechen mag das er aiD 
lidender mensch sy. 

20 Das erst liden das sy angieng, das was das sy als gar [lim] vil unrftw laid 
von angewdrm an ir Hb das es recht anvertragenlich was, and das sy och als 
grosser siechtag an gieng, das sy etwenn ain halben tag lag in ainem geschwinden. 
Und davon kam sy in sölichen lünden das man wond das sy ainen schweren 
siechtagen het, und hie von ward sy vi! verschmächet. Dise arbait laid sy alle 

25 in dem ersten jar, do sy in dis kloster kam. 

1. Überschrift steht 4 Zeilen weiter oben am Rand\ zu Beginn des Kapitels ist nur elsbet 
scheffll wiederholt O. Initiale W: Nonne knieend vor der gekrönten S. Margareta^ die den Kreuzes- 
Stab dem Drachen in den Schlund sUckt N. 2. [W]ir unvollst, korr. (r.) in S[y] G. 12. das) 

diß N. 14. rütt ö, rOrte AT. 16. schwerlich O. 21. ef nachträgt, eingefügt G. 

22. zu gAfwinde {mit Verweisungszeichen) am Rand: od' amacht N, 23. zu lamde {so, mit 

Verweisungszeichen) am Rand: od* leimüt N. — zu der Form lünden vgl. unten O 39^ lund. 
25. dis korr, in das Ö, das A'. 



1. Elsbet Schefflin und ihre Sdiwester (unten S. 23,14, 25,15) gehören einer längst ausgestor- 
benen 2^rcher Familie an, die bei den Augustinern neben den Stagel u. a, ihre Grabstätte hatte. Zwei 
andere Schwestern Schaf eli wurden 1314 ins Kloster Otenbach aufgenommen, wobei Rudolf StageL, 
der Vater Elsbeis, Zeuge war, der bereits 1306 mit einem Johans Schaff eli oder Schäffh\ 1317 mü 
^Burch, Schaflino' urkundet (Mystikerpaar S. 52), Die Ratsangehörigen des Geschieektes sieh bei 
Leu, Helv. Lex. XVL Heinrich, des Rats 1333, wird bei der Regierungsänderung 1336 für einigt 
Jahre verwiesen-, dagegen erscheinen als Ratsherren 1336 und 1337 Johannes d. ä, und d. j. Ein 
Meister Johannes 8ch, war 1271 Chorherr, ein Ulrich 1285 Leutpriester zum Großen Münster, 



ItL Elfibeih ScheäTlb. 



23 



Darnach liess och der böss gaist sin iibly gen ir nit ab und erschrakt sy 
dik mit manigen dingen. Etwenn fand sy naltren und sölich gewürra an ir belt 
ligen in dem dorrmitter, Ze einem mal was sy kellerin; do kam der bös gaist 
7,ü ir in den keller und sy vertraib in getdrstiklich, und band da ain crucifix dar 
ton /My, das er dester minder gewalt da hetty. Sy nam och dik vil streng 5 
disciplinen, und in dem tet er ir och vH laides. Etwenn knüwet er neben t sy 
und schlug denn über die tnassen fast. Sy hielt den orden in allen dingen, und 
den gantzen fliss vieng sy an, do sy erst in das kloster kam. Won als da vor 
geschriben stat, das sy als gar siech was in dem ersten jar, doch hielt sy also 
Jr schwigliehy das sy es selten brach durch ir krankhait willen. Darnach ze 10 
allen zitten und an allen stetten so reit sy wennig. 

Sy bat och nit alain fliss ze grossen dingen, sunder och an den minsten so 
hfit sy sich. Sy namt enkain Schwester mit ir rechten namen, sy sprÄch Schwester 
darzü, joch ir lipliche • S -, Sy was och gar emsig an andächtigem und 
/ijo/ grossem gebet. Und in dem zit do sy pornerin was, wenn ir denn die 15 
mdss ward, so gieng sy in den kor ald sy sprach by der port ir gebet t. Sunder 
werk kam ir niemer in ir band. Sy hat och mit niementt usswendig zetünd. 
Ir Wandel was och gar senft und mineklich gen allen den schwestren und hüt 
sich vor aller verlasen hait mit fliss, und an allen werken markt man wol das sy 
es von andacht tAtt und von ainem min enden hertzen. So sy ettwenn hinderred 20 
hortt, so sy das nit gebessren mochte so stund sy ufT und gieng dannen; won sy 
erkant wol das es ist ain Zerstörung des hertzenfrides und götlicher min. Was 
man ir fis^/ befatch, da was sy als gar flissig zu das uns dik dunkt das es gar 
über ir kraft wer* 

Der coventt was och ze ainem mal in kumer von alns urliiges wegen, und 25 
tatend die schwestren gemainlich Sant Margreten gebet t, und das wist sy nit. 
Und do in der cumplett ward und sy under dem covent stund, do kam ain gar 
schönes liecht geches als an blik schoss, das es etlich schwestren wol sachent und 
och etlich usser lütt: die forchtend das der kor enbrunnen wer Und do das 
liecht vergieng, do wistend die schwestren nit, die das liecht haltend gesechen, 30 
was es mainte* Aber die salig schwester erfraget recht in ainer geche was 
gebettes der covent hett geton. Do ward ir gesait: Sant Margrethen. Do strakt 
sy sich uff der stat vor /i^*»/ allem dem covent mitten in den kor und tetl och 

1. Vbel (Mißverftändnü) AV 3. tonnen t* A'. 4. dtß Jtorr. attä dem G. 4, und band 

^ und wir babeti; gtaü hand fnißv^ständikh hangt ttnd nach dar da4 ton getilgt N (band wig- 
gttoMrn und r. hat Cy überge^chriehm Ü). 10. fweige N* IL wenig Wer wenig G\ 

dit Auflomng trsdmni nnsichtt. 15. pomerin G\ i, poi-tnerin? {to N, porttnerin Ü)* 

16, 17. VöUcze werck kom^t N (ftmd' we*ck kam C'). 28, an) ein N, 32* strakt] 

ftraflft iV. BB. den] d^m A"^. 



25, urldges] mahrftcimnlich dm Streite» auf dem Toßftid tm Kampfe zwüchen den Anhängern 
Jd&lfi vm Nauau und Jtbrecht$ t?o/i Hab96urgi tgL unten hei Jutzi Schukheißin {Q fOS^ff.}. 



24 III* Elsbeth Schefflin. 

das selb gebett. Und do sy ufif wolt ston, do was sy alls krank das sy zwo 
schwestren denen mftstent fören, und do was sy by xiii wuchen in sAlidier 
krankhait das man wond das sy ainen schweren siechtagen hetty. Und damacb 
sait sy das sy Sant Margret bestrafet het, das sy ir gebet nit hat geton, und 
5 das sy zft ir was kamen in ainem als wunnenklichen liecht das es ir ze über 
kreftig was und enkainen andren siechtagen hat. 

Sy sass och ze ainem mal in dem kor nach complett: do kam ain als 
wunnekliches kindly durch den kor gegangen, und do es zt ir kam und als gar 
mineklich was, do sprach sy: ^Ach min liebes kind, wer [le^] bist du?' Do spradi 

10 es gütlich zt ir: ^Ich und die drivaltikait sind ain ding, und als gewarlich das 
war ist, als war ist das du von mir niemer geschaiden solt' 

Ir was ze ainem mal ain ampt befolchen; do dunkt sy das es über ir kraft 
wer. Und doch gedacht sy: *Her min, nun wil ich von minnen gehorsam ao, 
als du Ton minnen dinem himelschen vatter gehorsam wollest sin.' Und do sj 

15 darnach in den kor kam an ir andach, do naigt sich unser her ab dem grossen 
crütz das an dem lingen kor stat, recht tiefif herab gegen ir, und an dem selben 
yerstflnd sy wie danknem ünserm herren ir gehorsamy was. 

Von grosser lutt//7a/erkait, in der ir hertz stund, do ward ir och etwenn 
ze erkennent gegeben wie rain und wie lutter etlich schwestren vor Got stftndent 

20 Ze ainem mal, do sy an irem gebett was in dem refentar und die sälig Schwester 
J^li von Wurmenhussen och da an irem gebet was, do sach sy das die selb 
Schwester Elli also lutter was als ain eristall. Do fragt sy sy darnach was sy 
der zit bettety; do sait sy ir das sy vor krankhait der zit nit möchte getün, won 
das sy sich demütiklich für ünserm heren naigt, und gedacht: 'Herr min, künde 

25 ich nun getftn das dir loblich wer, das tatt ich gern.' Und do verstund sy das 
Got das erbietten als danknem was. 

Sy was och ze ainem zit ufif der kapeil [n^] an ir gebett, und do sacb 
sy das die sälig «S- Ellsy von Elgö vor dem schönen bild unser frowen 
knüwet und das ir Hb oben dem gürtel als lutter was als ain kristall, und sach do 

30 in der lutterkait ires libes ain liecht, das was so schön und so klar als ain 



2. dene mit Strich über n und e; /. denne? 5. zq am Rande nadigetr. G, f. N. 15. andacli 

so Q. 18. lutt I tterkait Q. 21. 611i G. 24. vnser G, Auflösung unsicher; ebenso vnßer K 

25. tatt 80 0. 27. zit am Rand nachgetr, G. einer z. iV. 29. oben d., en durchstr, (r.) G, 
ob'thalb d* N. Die Korrektur in G beruht auf dem schweizerischen Gebrauch von ob als Präposition. 

21. Wunnenhuseen] Dieses Geschlecht erscheint in alter Verbindung mit Töß: die erste SchenkuRif 
an das Kloster^ 1239, geschieht durch die Grafen von Kiburg im Auftrag ihres verstorbenen Ministerialen 
Heinrich von Womhausen oder Wurmhausen ; sie betrifft Güter auf der Hochebene südlich von Kiburg 
{zu Luckhausen^ Wolfgruben, Agasul, Erisberg), wo noch heute der Name Womhuseräcker an einem 
ca. 2 ha großen Landstrich haftet, 1260 erhalt Töß Güter {u. a. auch in Wrmenhufen) zu Ltheti, 
die früher Peter von Wornhausen gehört haben. Für die Güter derer von Womhausen gibt Toß 
jährlich dem Bischof von Straßburg, als Lehensherm dieser Güter, 10 Pfd. Wachs. Ebenfalls l2C*f 
erhält es von Peter von Womhausen den Zehnten zu Dorf, Sulzer, BGT 9 ff.; DKT, 28. Elg*^ 

s. S, 25,12 und Nr. XXVII (ö 120^» ff.). 



II L ElBbeth SchefiTHu. 25 

lüclitende sunn, und das selb Hecht für recht spillend und sich fröwend in ir, 
und ward ir ze erkennend geben das das ir sei were. Und do gedacht sy: 
*Gesac/t dich Got, selgy Schwester!* und gedacht do; *Ach ich arme Sünderin, 
wie stal es umb dinn selT Und in der selben stund do sach sy im Hb in der 
selben luUerkait und ir sei in der selben klarhait und in spilenden fröden als sy 5 
die vor genamten Schwester gesächen hat. Dise gesteht weret ain gut wil an 
ir^ ijs^f und hie von enpfieng sy unmäsigen frosl* Die gnad besehach ir nach 
meti» und also belaib sy an irandacht untz das der covent über tisch wolt gon. 
Nun hflrenl hie ain wunderliche bewerung von der gaistlichen gesicht. In 
der selben stund do kam ain red in den cofent von dir gnad recht als och ir 10 
besehen was, und dise red was ze dem ersten komen von Schwester Eilinun 
von Elgeo der legen Schwester, die was ain usgenomen gütt mensch* Und do 
man die darumb fraget» do sprach sy: *Ich lognen nit, ich hab es gesait, aber 
es kam mir von nie kainem menschen für/ Nun hat die selig schwester Elsy 
Schaflin ain lipliche schwester hie, und die wundret itH^J sich das es als offen 1& 
was, und straft sy darumb das sy es iemen heti gesait. Do sprach sy: 4ch geret 
hüt wort mit niemen und kam hüt nie ab dir stat\ und sy wond das sy nit 
daran weri, und wider sait es offenlich. Darnach do fragt sy die selig schwester 
Jüai Schult hasin gar ernstlich darumb, und sy wolt irs nit sagen und lognet 
sin- Darnach über etwe vil zit do kam sy zu ir und wainet hertzlich und sprach: 20- 
'Ich bin als innenklich betrübet das ich als unwar han gesait, won alls das 
du von der sach hast gehört, das ist ales war, und waist doch Got wol das ich 
es nie menschen gesait, wie es joch für ist kumen/ 

Als nun dis usserwelt mensch erzaiget mitt iren haiigen //.9a/ werken das 
die götlich min bran in irem hertzen, also erzaiget sy es och mit ainem minenk- 2*> 
liehen jamer und mit begrrlichen wortcn die sy rett nach dem tod* Und do sy 
an irem tod lag, do müst man ir singen sissy wort von dem himelrich. Und 
als ain zitt für kam, so sprach sy begirlich: *Nun bin ich aber dem lod nAchen' 
Mitt ainem andächtigen end schied sy von dir weit zfl der ewigen selikait. 



iivj 8 Margret WilUn. ao 

Der milt Got, der sin gfilty manigfaltiklich erzaiget dar an das er sin gnad 
niemen versagen mag der sy mit rechtem ernst suchet — won das hat er 
sunderlich bewist an unser Schwestern ainer, hies schwester Margret Willi n, 

2. a, gedach — ge/acht 0, gedacht — gefach K 4, im ifcofr. am ir O. 9. der tor. 
aic# die; /. dir? lü, dirl diß* K IL eUinun, dünn nun gctstr. (r,) 6, ellinen R 

12. legen | l»yg A^ 15. fchaffli A; 15. hie korr, in (r,) da G. 16. geret ] gc fweAfr. G, 

18. die selig /: M 19. fchult auf Rasur Q. fchtiltheint N, 19. SchullhuBin ] #. ti. Nr. XX F. 
31. Der ] tmtialß D mijf Ntjnne im Nemd, Jnnt und SthuUem nackig in der rechitn Hand eint Geißel N. 

30* Wim i^i noch hmiU mn häuügtr GmtMtcht$num€ in der deuUchtn Sdmeiz {nach £«m, iietp, 
Lex.i in Bem^ Appenzeif, Qrauhfintfen^ MiWtannn). 



26 IV. Margret Willin. 

und 119^] die was in iren jungen tagen als liechtes und emsthaites lebens das 
man sprach das kaini in dem kloster ir gelich weri. Und do sy noch do in 
g&tter jugent was, do gab ir unser herr gnad, das sy ir altes leben ze mal 
yerschmahet und kert sich samhaft ze Got, und das beschach in als kurtzem zitt 

^ das die schwestren in ain wunder da von koment, und fieng als ain strenges 
leben an das sich ir kaine in dem closter geliehen mocht 

Ir gen&gt nit an des ordens strengi, den sy flisklich hielt: sy arbait sich 
noch fil grösslicher, das wir doch nit alles ze Worten kunent bringen. Aller ge- 
sellschaft gab sy ain friges urlob; Des redvensters und aller ussrer menschen hat 

10 sy kain acht, und 120^] joch gen iren aignen brftder, den sy in ünsrem orden 
hat, gen dem hielt sy sich usserlich. Sy schwaig vil nach alwegen, das sy nimer 
wort geret. Sy hatt ain hobtküssy von velwen und ain hertty hurt under ainero 
alten strat. Aber als vil stain als so man ainen estrich lait, also was ir bett, 
da sy an rftwet. Sy trftg ain herin hemd an mltt grulichen knöpfen und ain 

15 starken ysnenen kettenen umb iren lib. Sy nam zwischent tag und nacht dry 
disciplin mit ainer gaiselen, die sy darzfi gefnimt hat. Sy as wenig spiss und 
trank selten win; so sy aber etwenn win trank, den yermist sy, das er 
we/^OVnig kraft hatt. Sy wachet och als emsklich das man achtett das sy 
dik kum ainer yigili lang schliefif. 

^ Und ze ainem mal do sach sy ain gesiebt, das sy dunkt wie unser her durch 
das tormentar wurd gezogen, als im die Juden tattend, do er gefangen wart 
Und dis was ain als gar gemerliche gesiebt das es ir als gruntlich zehertzen 
gieng das sy für die stund nie wolt geschlafen. Und so man complet gesang, 
so gieng sy nider und stund denn ufif an dem ersten schlaff, so etlich schwesti:en 

25 noch nit nider warent, und bettet denn in dem tormitar untz das man den kor 
entschloss, und /2i«7 blaip denn für sich in dem kor nach metty. Und so es als 
gar kalt was, so nam sy iren strat umb sich und kam nit uss dem kor. Etwenn 
salzt sy des schaprens kugelen uff und lait den wil dar über, und also gieng sy 
och in dem tag gar dik und vil nach alwegent verhenket untz ufif die ogen. Ze 

50 ainem ainigen mal was sy vor prim zitt nider gangen, und do zeprim ward, do 
stund unser hervor ir und sprach: 'Dir zlt stund ich vor gericht: so list du hie 
und schlafest.' Wenn man zewerk lut, so gieng sy bald in das werkhus und 
span denn flisklich, und was denn iemer da wer besehen, sy hett ir ogen nit dar 
kertt, und runnend ir die trächen von grosser [2if>] andacht recht emschicklich 



1. "leböf" vnd ernfthaftes G. 7. flifklich am Rand nachgetr, O. 8. wirG; 

^ufzuiosen: wier? 8. kuSet 0\ aufzulösen: kunnent? 11. gen am Rand nachgetr. 6. 

11. nimer] ni am Rand nachgetr. G. 12. "hertty" ain G. 17. vermift «o Ö. 18. we|ig6. 
33. iemer nachtr. durchstr. (r.) G. 

23. Die kanonischen Hören sind: Matutina und Landes um Mittemacht, Prim um G^ Ters 
um 9f Non um 12, Vesper um 3, Complet um 6 Uhr. 



IV. Margret Willm* 



«7 



Über ir wangen. Und so sy erst die glogen hört, so gieiig sy bald wider in den 
kor. In dem sumer nach dem tisch segen so nam sy vor letltchem bild in dem 
kor ain veni und lait sich denn uflf ir hurl und r&wet untz ze non. Sy übt sich 
och daran das sy ze kainem venster uss sach, El wenn versÄchtend sy die 
jungen schwestren und tatenl als sy ain wunder sechint: so kert sy ir ogen 5 
niemer dar. 

Dis streng leben ftbt sy dik nn sunderlichen Irost, das sy ir selber etwenn 
ain zil satzt, das sy gedacht: *Nun bait nit won untz momJ So man sy etwenn 
straft umb ir herles leben, so sprach sy: *Ich müs es tun: won lies ich lint ab, 
so wurd ich es schier als ab/^S^ylan/ Won sy nun nitt hpliches trostes hat, do 10 
trost sy linser her doch dik süsslich mit im selb und sunderlich mit siner liep- 
lichen gegen würlikait» als er in dem kor stetiklich by uns ist Got und mensch. 
Won dis was Ir gewonhait, so sy nit in dem kor mocht sin; so was sy aber by 
dem kor, won so sy by dem confent solt sin. 

Ze ainem mal vernam sy das man unsern heren in die kilchen wölty setzen, 15 
das er alwent da sAIty sin. Do ward ir klag und ir jamer also gross das sy 
tätt als ir hertz in irem lib wölty brechen, und das die schwestren von ir grossen 
klag hertzlich wurden t wainen. Sy hat och sunderlich andacht ze ainem bild als 
unser herr vor gericht stund, (22^} und bat in denn gar inneklich das sy an 
dem jüngsten gericht genAdeklich gerichtet wurdy. Und do sy ze ainem mal in 20 
dir bett was, do wart ir gar gütlich geantwurt von Got: *Du bist ietzt gericht als 
du gericht solt werden/ 

Sy bettet och gewonlich vor unser frowen bild in der capell da die dry 
kling stant. Und do sy ze ainem mal gar andächtiklichen da bettet, do trosl sy 
unser frow süsseklich und sprach gar mineklich zft ir: *Min kind, du solt wissen 25 
das du von mir niemer geschaiden solt werden/ 

Man hatt ze ainem mal ainer siechen Schwester unser heren geben: also schoss 
er von ir mit andrem griitichem ding, und do bewiset sy och ires herlzen begird 
und trank es als beben dekl ich uss als [23*>] ob es der best kleffner wer gesin. 

Ir strenges und ir haiiges leben bracht sy an ir end. Und do die zit kam 30 
das sy unser herr zd im nemen wolt, und man ir unerschrokenlich sait das sy 
sterben solt, do lachet sy gütlich und schlug an ir hertz und sprach wolgemütlich: 
*Das ist das herlichest leben das ie wart!' Und also schied sy seliklich von dirr 
weit. In der selben nacht do was ainem ussren menschen, der von ir Übung nit 
wist, in aim trom, wie sy uff ainr hurt uff dem aller luttresten wasser enweg für, 35 
und ist geloblichen das ir sei für sich zu Got füre» 



8, Baut G. 11. ludetlich 0. 11. ow liplichen korr. G. 13. cöfent 

um Band durch kor erseUif in der Zeik (r.) ^e^ir. 6. nit mocbt in dem kor beleihe» X 
20. gericht, dann et einffeßkkt 0, 29. Mtait kleftuer von ipüterer Hand wia «Vi eine um dir 

iTiien ff and gela^Mne viel umitere Lücke e%nff€»chnebtn (?» kleffoer mk RandglotBC wel A^ 

29* Klävner in der OsUchntm^ noch jetist i Traubemorte ^nd IVdn von Ktavent Chia^enna, 



28 V. Mezzi Sidwibrin. 

[V] Von der s&lgen S- Mezzi Sidwibrin. 

Wir haltend och uss der massen ain sAsse sälige Schwester, die hless 
Schwester Mezzi Sidwibrin und was gftttes allter do sy in dis kloster kam, und 
was [23^] aber gar güttes lebens do sy in der weit was, nnd was als gar ain- 

5 t;altig und schlecht ze allen usswendigen dingen, und hat aber ain gar minricben 
süssen gaist gegen Got, und das zaiget ir usswendiger wandel an Worten und an 
werken. Und recht als sy von natur ainyalt was, also Abt sich och die gnad in 
ir. Wie sich aber die gnad uswendig zaigte an ir, da von wend wir ain klain 
schriben. 

10 Sy hatt sunderlich die gewonhait das sy sich in dem kor naigt fär unser 
frowen bild, und lag denn und sach über sich als ain mensch das kainer ding 
acht hat won Gottes alain. Und so sy die schwestren etwenn fragtent, won sj 
als vil vor unser frowen bild was, ob sy kainest mit ir rette: so sprach sy usser 
aim ainvaltigen sin: ^Sy rett dik [24^] mit mir und lachet mich an: so hat ich 

15 mit irem sun als fil ze tdnn.' Sy luff och etwenn in dem kor in der cumplet 
umb, recht als sy nit sinn hetty, so man das Salve regina sang, und schlftg 
denn an die schwestren von rechter gird und sprach: ^Singent, singent: Gottes 
mfitter ist hie!' Und hattent es die schwestren da für das sy ir erschinen wer, 
won dem warent ir geberd wol gelich. Nun was sy als gütter ainfaltikait das 

20 sy wond (als sy dem gelich tet) das menklich ze mftt wer als ir, und daramb so 
verbal sy sich etlicher ding nütz nit. Und ze ainem mal, do die wuchnerin 
besprangt in der antifone, do sach sy unser frowen mit ir umb und umb gan, 
und das sy ainer ieklichen Schwester naig, und do sprach sy mit lutter 124^] stim 
und zaiget es och mit der band: *Wichent, wichent! Gottes mfttter gat selb umb!' 

25 Sy was och als begirig Gotes wort zehörent, und mocht man denn als gar 

licht gebredyen, das ain als gross wunder in ir ward das sy es uswendig er- 
zaiget. Etwenn sties sy nebent sich die schwestren die by ir sassent, und 
sprach: 'Lose, lose! hörest nit, wöle wunder!' Und sass also dik und wundret 
sich mit worten und mit geberden. Etwenn zarttet sy och den heren die als 

30 wol bredgetend, gar lieplich. Und sunder do bredget ainest der provincial in 
dem advent als wol von dem wort Ecce das es ir als nach zehertzen giensr 
das sy von rechter gird zetusent malen ecce las. Sy sach och ainest ze wiche 
nicht das dem heren der da bredget, ain hüpsches kindly uff /2J«y der schos 
sas. Sy gieng och etwenn von überflüssiger gird in die stuben und sprach zu 



2. (W]ir unvollständig in S[irl geändert (r.) O, 3. allter so Cr; /. altera? so X (f ). 

3. dis in das geändert O N, 5. ain waltig G. 15. als fil {mit Verweimngszeichen) am 

Rand nachgetr. Q. 22. antifne Q, antiph^ N. 30. zu bredgetend (mit VerweUungi- 

zeichen) am Rand vii (wohl irrtümlich) 0. 33. wiche nacht so 0, 33. vff i| vff ö. 



1. Sidwibrin: das Maskulinum wäre Sidweber — als Familienname uns sonst nicld 
bekannt und vielleicht nur persönlicher weiblicher Zuname, 16. Salve regina ] auch unten S. 47. 



Y- Mezzi SidwibriD. 



29 



den schwesiren: *Kinder, kinder! Ihesus ist unser!' Etwenn sprach sy och zÄ 
inen mit lutter stim: 'Ist Ihesus yene hie?' So sy denn etwenn sprachent; ^Nain 
er\ 50 wolt sy och da nütz nit zetünd han. 

Sy hatt och sunderUch gnad darz& das sy sich als fliseklichen ftbl an g*?* 
mainen werken. Und so sy sass und span, so was sy als voll andacht das sy 5 
recht hin floss, und sass denn und rett mit ünserm heren, als da niement wer 
denn er und sy* Etwenn sprach sy: 'Herr, ich wil dir sin getrüwen das du mir 
umb ieklichen faden den ich spinn« ain sei gist\ und runnent ir denn die trehen 
recht genuchsamlich über ir /^J*/ wangen. Etwenn fieng sy an besprechen süssy 
wörlly als; Propter Syon non tacebuni, und was ir denn als rilich zeniftt 10 
das sy recht schlug mitt den henden, das es erhaL Etwenn fieng sy an und 
sang sussy liedly von ünserm herren als frölich und als wol gemütlich in dem 
werkhnss under dem cofent. Und sunderlich do sang sy ain lied gar begirlich, 

das sprach also: 

Wises hertz, fluch die minm 16 

die mit laid mfis zergan, 

und las dich in dem besten finden, 

das mit frAden mag bestau. 

ob du falscher min bist: der 

li dich ab; Got laide sy dir* 20 

Wie sdss als ir leben was, das kan man nit zeworten bringen. Won als vi! 
das ir mund überflos von süssen worten» ir ogen gussend uss recht emssklich 
die süssen min/^^Jo/trehen, und mit Worten und mit wandel tett sy recht als 
niement wer denn sy und Got, Etwenn sprach sy von grosser min; *Herr, werist 
du Mezze Sidwibrin und wer ich Got, so wöIt ich dich doch Got lassen sin und 25 
wölt ich Mezzi Sidwibrin sin/ 

Ir haiiges leben bracht sy ufif ain gUttes end. Und doch do sy sterben soll, 
do sprach sy: 'Ach das wir ze dir stund alle nit sorgen! T 

i^ij Von der säligen S Beli von Liebenberg. 

Wir hattend och ain gar selige Schwester, die hies Schwester Beli von Lieben- 30 
berg, die was ain witwe do sy ze kloster kam, und was gar ain weltliche frow 
die wil ir wirt lebet. Nun fAgt es sich, das ir wirt starb, das sy grosses liden 



6. "rett" vfi O, BpSter vB por rett etngefticki^ ab^ vn hmier rett g» fügen ver^esien. 

9. ftD avsgefalien ö, siehi K 10. t^cebo iV. 15 bu 20, die Veru ntcht ahge»em G N, 

15. min Cr. la befton 0. 19. der] /, ir? d' X 20. L leide &'? leide fi M 

aO. [W| ir fini^UaL m Sir geändert ö, 32. da» i. so G N; /. do L? 



10. Jen^, 62 y i\ Propter Sion non tacebo^ die Abänderung in tacübunt (G) geht vieäeicia 
auf den iänTgischm Gebrauch einzelner Frauenkiöiter surüek 28. Die Edlen mler Freiherr^ 

von Li'ebenbirg, ah Erb ■ Untersvhenken du StifU Einsiedein teilweüe auch Schaken von Liebenberg 
genannt, stammen entweder ttm emer Burg bei Mmchük&rf oder einer suchen hei ZeU im Toßiäl 



30 VI. Bell von Liebenberg. 

an gieng, won er was in dem bann, und getorst man inn nit begraben, won das 
man in also hin satzt in das bain/^^Vhus. Und da gieng sy alle tag hin und 
satz sich alle tag zft im untz das sy ainen salter gelass. Und also sach sy das 
gar yil wiirm uss dem bom fielent, und das wag sy als fast das sy gedacht: 
5 *We, warzfi ist ale din zftyersicht worden!' und satzt do festiklich in ir hertz 
das sy numen ze der weit wAlty. Nun was ir mfttter gar ain sälige frow UDd 
was in Bürgenden gesessen, und dar fflr sy zft ir. Nun was do der bredger 
orden noch do da unerkant. Und kam ain brftder dar, der hies brüder Aquillus, 
und was der ersten brftder ainer die in tüsches land koment. Und do sy io 

10 sachent, do wundretend sy sich ab im, was lutes er wer. Und do sy vemament 
was ir orden was, und sin bredge hortent, do enpfiengend sy in mit grosser 
wirdikait in ir hus. Und also loset dise selge Schwester sinen Worten und folget 
[27^] sinem rat als fil das sy fiir dis kloster kam. Won dis kloster was do er- 
haben zebuwent, und sassent die ersten schwestren noch by der bn#g in ainero 

15 klainen hüsly. Also sass sy xxx jar vor disem kloster. Nun hat sy ain ainiges 

tochterly, das hat sy Got geopfret, und also tett es sin etter wider iren willen 

zft der weit. Und der frowen tochtren komend fünf her und sy selb, und do 

kam och do disy selig Schwester her in, und lebtend alle tugenlich und säliklich. 

Diser sälgen Schwester was unser herr gar haimlich mit sinem sunderlichen 

20 trost. Sy lag fil jar von alter und von krankhait in dem siechhus, und doch so 
was sy gar flisig zegebett und ze andacht, das sy das durch krankhait nie ablies. 
Sy hat och die xi tusent megt sunderlich lieb. Und do ze ainem mal an ir 
hoch/27 Vzit ward, do was sy sunderlich krank, won sy was iiii wuchen stetik- 
lieh gelegen. Und an ir tag vor metty do was ir wie zft ir wurd gesproch^: 

25 'Stand uff und gang ze metty!' Also wart ir als wol das sy uff stund, und nam 
zway grosse bftch uff sich, da sy mety an las, die ir ungewonlich warent ze tragent 
Und do man das ander zaichen zemety lut, do sach sy des kores tür uff gon 
und sach die xi tusent mägt in den kor gon, ye zwo und zwo sament, und 



1. in n. G, 2. satzt] dcL$ zweite t zugeflickt O, 8. aqnUlnB G {der Name nicht 

ausgezeichnet), aquiUus N. 13. korr, in: f. zu töIT fiir das kl. 13. W. dis ] korr. 

in: das. 14. "fchweftren" erften Ö. 14. brug] bürg Ö, pürgge N, 16. etter] Ärarr. 

in vatter G-, so N (Ü). 18. tugelich so G. 

{Leu, Helv. Lex.). Über Berta (Beii), Witwe Ritler Heinrichs von Liebenberg, der als Anhänger 
Kaiser Friedrichs II. im Banne gestorben, und über Liebenbergische Vergabungen an Töß von 1241 
{mit der Bestimmung, daß die Witwe Berta des Ritters von Liebenberg in lebenslänglichem Besitzt 
der bez, Güter bleiben solle) und weiterhin vgl. IL Sulzer BGT 11; DKT 86{6)f, 93{13). 1291 
genehmigt Graf Hartmann von Habsburg die Vergabungen seiner Ministerialin an das Kloster Toß^ 
worunter sich Güter in Dorf, WaUalingen, Nußbäumen^ Neuforn, Büttenhart, Loa und Bremüo 
befinden; damals scheint Beli von Liebenberg gestorben zu sein. Ebend, 87(7), — Bei Plaeidus 
Murer {Frauenf. Hs. y 105) heißt diese Nonne ^ Beli oder Barbara von Liebenberg* {ebenso weiterhin 
bei Beli von Schalken, Beli von Sure, Beli von Lütisbach), 8. bredger orden] der 12 IJ 

vom Papste bestätigt ward. 14. brug] die Toßbrücke, vgl. oben G 2^, S. IS, 12 und Anm,^ 

und H. SuUer, BGT 39. J7. frowen] nämlich der Mutter Belis? 



VL Bell von Liebenberg^ 



31 



10 



m 



nigent den schweslren an ielwedrem kor, und giengent och denn für sy ston und 
nigent ir gar gütlich, und trüg ain ieklichy ainew grünen balnien in der band, und 
luchtend die bletter als die tüchtenden sternoen, und gieng ain als gar uss der 
massen süsser schmak von den balmen /2S^} und was der glantz als gar wunnek- 
lich und der süss schmak als zart das es unsäglich ist. Und also giengent sy 
in dem kor bin und ber, untz das die mety uss kam, sich frftwend mit groser 
fröd. Und die selig Schwester Beli ward als gar durch gössen mit gnaden das 
sy recht hin flos von gcnuchsamen trechen, und ward ir hertz also fol Mden 
von der über flüsigen gnad und wart also sAssklicb gesattet von dem götlichen 
geschmak das sy in fil zites wenig spis nos, 

Sy begert ocb als inneklich das sy etwas bekantnus möchte haben \^on der 
hajtgen driraltikait. Und do ze ainem mal wart, do dunkl sy das sy uff ain als 
gar wunnekliches schönes feld gefüret wurd, und giengent dar uff als mineklich 
und als seltzen lütt 128*^], und stundent als lütselig blfrmen dar uff und giantztent 
al zesament recht als ain lulter gold. Und was da uff dem feld ain also wunnek- 
lieber luttrer brunn und was der dryfalt und flos alwegent wider in den Ursprung, 
und was das wasser als süss das es unsäglich was. Also wer sy gern da beliben, 
do wart zt ir gesprochen: 'Es sol noch nit sin: du müst e fil liden.' Und 
doch blaib ir der süsikait als fil das sy wol Uli wuchen was das sy wenig 
spiss nos, 

Sy sass och ainest in dem werkhus an ainem fritag vor imbis und betletend 
die scbwestren als gar andächtiklich, und begert sy das sy gern bety gewist 
wie fil seien des morgens von der scbwestren gebett erlöst werind. Also sach 
sy iiii schöne liecbter» und förend die ze dem fenstter uss. Und do ward zu I29^j 
ir gesprochen: *Djs sind iiii üwer scbwestren die büt von üwrem gebett 2b 
erlöst sind. Aber die seien die alle tag von üwrem gebett erlöst werdent, 
der ist ain unzalichy menge. Und also kam ain sei, die hört sy etwas sunder- 
lieh an und sprach; 'Frow, Got dank und Ion üeh; ich bin von üwrem 
gebett erlöst/ 

Ir selig leben bracht sy uff ain gut end. Und do das zit kam das sy sterben 30 
solt, do erschan ir unser herr und unser frow und sichretend sy das sy niemer 
in kain wis sölt kumen. Und do versucht der bÖs gaist ob im icbt werden möebt, 
und kam zu ir gar grülich, und schan als lang das im das hobt untz an die tue 
gieng. Also erschrak sy als gar übel von siner grüUchen angesicht; doch 
sprach sy mit geturstigen wortten; 'Far enweg, fareowegl du macht mir nit 3& 
geschaden!* 



20 



2. ainem G. 
33. fchan io G. 



8. (leraeD Q. 



18 a. ö. 6 MO G. 



31. erfchaii $c Q. 



1. sn letwedrem kor] d. h. dm tu äeidm Seiten det ihcr€S MÜsmden Nonnen? 



32 Vn. Ofinjra ron MOnehwil. 

[viij Ton der salgen [st^i 8- Oftmya von MünehwlL 

Wir haltend och ain hailt^ s&lge Schwester, htes Schwester Ofmya too 
Münchwil, und was der ersten schwestren aine in disem oofent, und was Ton 
irem tagenthaften hailigen leben den schwestren als lieb und ab wert das man 

h sy in groser erwirdikait hat Und in der wurid unser herr ussgenomenlidi mit 
sinen sonderlichen gnaden, won sy och ires hertzen begird gantslich an in bat 
gekert Won das zaiget ir selig leben foUikltch das die götlich min ir hertz also 
hat erfdllet das sy usren trost gar hat TerschmacheL 

Wie sAsseklich Got mitt ir würkt, das mugent wir nit wissen denn gar aklain. 

10 Sy flbt sich als gar inneklich in rechter andacht und davon ward ir hertz ab 
foll götliches trostes und sflssikait das ir die weg sflss warent [SO^j und lidit, 
die gemainlich andren hert sind. Sunderlich hat sy die gnad: so sj zebidit 
gieng, und sy gedacht das der bichter an Grottes statt sass, so wart ir als gar 
mineklich zemftt das sy etwenn nit gebiditen kund ze der zit Sy knöwet och 

15 ainest Tor dem altar, und sait man ir das ir mftter komen wer (und wem sy 
fer Yon ir gesessen was, do kam sy licht selten zu ir), und do getet sy nie dem 
gelich, won das sy fär sich an hrem gebet was. Und do wurdent ir ussreo kreft 
als gar ingezogen, und ward der gaist als kreftig das sy ward schwebe in 
dem luft. 

20 Sy wart och als gar siech vor ir tod, und hat sunderlich die krankhalt das 
sy die spis nit mocht behaben, und da von getorst man ir nit Ansem hereo 
geben, und hat [S(^] aber als hertzlichen jamer nach im. Und do aincs tages 
ward an ainem grosen hochzitt, do wolt sy die Schwester die ir pflag, nit by ir 
Ion. Und do in der mess ward, do gewan sy aber als grosse begird nach 

25 ünserm herren. Und do sy also lag und ir begird hat uff gerichtet mit gantzem 
ernst, so sieht sy ain liecht, und in dem üecht lies sich ain schöne zwechel uf 
ir bet für sy. Also gedacht sy: *Ach herr, was maint dis?' und sieht aber uff 
und sach noch ain schAners liecht, und in dem liecht lies sich ain schAne patten 
nider uff die zwechelen. Also gedacht sy mit andächtigem hertzen: ^dnser herr 

30 wil sich recht über dich erbarmen*, und ward ir gird noch do grösser gegen Gott 
Und do sy in dem jamer was, do kam ain als wunneklich liecht [31<^J das sy 
dunkt wie alle die stub erlüchtet wurd, und in dem liecht lies sich linsers herren 
fronlichnam nider uff die paten. Also wart sy gar unmassen fro, und doch was 



1. von f. O. 2, Wir karr, in Sy O. 2. haiige am Rande naehgetr, O, f. S. 

3. nach cofent (r.) eingeflickt: t6££ O, 11. foll am Rande naehgetr, 0. 20. wart ] 

urapr. wz, geair, G, ward N, 24. aber am Rande naehgetr. 0. 

1. Münchwil, jetzt Münchwilen bei Simach im Thurgau^ nach Leu, Heiü, Lex, eine ehemalige 
Burg, van der ein Bitter Diether 1249 belegt ist; Offmya (Euphemia) v, M. ist nach ihm 1248 ge- 
storben. 



yil. Ofmja TOD MüncliwiL 



VIII. M^gret Finkm. 



33 



sy in sorgen; won sy wist nil wie er ir werden solt. Und do kam ze dem 
fierden mal das aller schönest Hecht das sy for ie hat gesechen^ und in dem 
kam ain zweswe hand und gab ir ünsern heren re^ht als sy in zedem altar hetty 
enpfangeni und do ward sy als fol gnaden und trostes, do ir pflegerin kam^ das 
sy wol sach das ir naiswas gnaden was beschechen, und sy wolt sy mit nuty 
erlon sy mftst ir sagen was ir geschechen wer. Und won sy ir als getniw was, 
do sait sy ir es, also das sy es niemen sagen sölti, die wil sy lebte, Dis ist uss* 



ivLii] Ton der salgen 8 Margret Finkin* 

[3i^] Sy quis non vivet in justicia, ille non potest manere in 
sapiencia. Wer nit lebet in der gerechUkait, der mag nit wonen in der wishait 10 
Es spricht der hailig Sant Bernhard: ^Got ist ungenem, was du würkest, ob 
du das versumest das du schuldig bist.' Dis wort hat wol ze herlzen gelait die 
Sc\lig und gnadenrich Schwester Margret Finkin; von der haiigen wandel und 
Übung wend wir ain klain schriben, darunib das ir gehugt nitt vergessen werd. 

Wie sy uns doch nit mit Worten ze erkennend gab das gut das unser herr 15 
mitt ir wurkt, so zaigt doch ir hailiger wandel und ir dorchnechtig leben wol 
das die ewig wishait iren schätz in sy hat verborgen. Won iry wort und iry 
werk warent also geziert das sy allen den die ir war namentt ain raitzung 
[32*^} gab zeGot. Aber wie gar ir hertz gerichtet was uff götliche haimlichy, so 
hat sy doch den grösten fliss wie sy die regel und die gesetzt ordenlich 20 
fol brecht an allen stuken, klain und gros^ won sy was recht aJs ain luchtender 
Spiegel alles dis cofentes an ordenhaftem leben. 

Dis usserwelt mensch kam in dis klosler, do sy v jar alt was, und lebt untz 
uff Lxx jar tugentlich und Sclliklich in strengem leben mit menger hailiger dbung. 
Mitt wie grosser minnender begird sy geflissen wer den orden an allen stuken 25 
ze haltend, da von wer fil ze sagen, won das fleng sy an in iren kintlichen tagen. 
Sy was steteklich in dem kor, also das sy selb verjach das sy by allem irem 
leben nie [32^] zit versumple, es wer denn redliche sach, mit urlob. Sy hat och 
gewonhait das sy allwegen for metty uff stund licht ain vigily lang, und las denn 
iii patter noster, als unser her Jhesus Christus bettet t uff dem berg; das erst 30 
der ellendikait so sin zartes hertz hat» do er sich verzech aller menschen gesell- 

2, Hecht om Rande nachg^, Q. 3. zwefwo JO Q. 8. (Tincsklin hier, 9päter 

fiackin Ü.) N fügi bei: Vn von Swefter Elfbeth von det meczie. Vn von Swefter Iteo von 
tüngen. 9. in vor B&p, tsta Venehm gei&. Q. 22. 23. dis in dea^ dia in das korr. (r.) Q, 



8* Fink: em aus^morbene* Qeachhüht der Stadt Zürich \ du Mai« mt itli und ivi^der 
Mit 1343^ wo ein RiUger F. kht; einige deä QeichlechU Chorherren mm Qroßm Münster, Leu, 
Ifeiü. Lejo, 

DentidiB Tflit« d«i Mittelalten VJ. 8 



34 VIII. Margret Finkin. 

Schaft, und in allen sinen nötten unbehulfen von allen creaturen wolt sin; das 
ander der grossen nott so sin eilendes bertz hat, do er gieng uss dem schirm 
sins himelschlichen vatters in allen den unmilten liblen gewalt siner Agenden; 
das dritf das er gieng uss dem trost des haiigen gaistes, also das sin martter 
5 und liden kam uff das aller höchst. Mitt dir betrachtung gieng sy umb untz an 
die mety; nach der metty wachet sy stettiklich, und so man sy fraget [S3*] 
warum sy als stätiklich wachety, so sprach sy: ^So ich mich etwenn leg, das ich 
rftwe, so ist mir wie ich du hörborn hör blasen die die engel blasen söllent an 
dem jüngsten tag, und denn kan ich nit rüwen und ston wider uff. 

10 Von dem das sy den saltter gelernet, untz an iren tod gelies sy nie tag sy 
Sprech ir zit, joch an dem tag do sy starb; und do sy an dem tod lag, do mftst 
man ir alwegen ab dem bett hellfen, so sy ir zit solt lesen, un alain an dem 
tag do sy starb. Sy was och emsklich in dem refentar und fastet stet die regel 
fasten. Und do sy von alter und krankhait nit me fasten mocht, so ass sy doch 

15 in dem refentar mit den kinden, die von jugent assent. Ze gemainem werk was 
sy als flisig: wenn man ze werk lut, so was sy berait in das werkhus ze gan. 
Latin leren ald schriben und sich andäch-/35Vtigem gebett geben, das was ir 
State unmfis, denn alain so sy von gehorsami etwas mtst ttn. Aber die gnad 
hat sy usgenomenlich, das sy als lüttseliklich von Got rett das es gar begirlich 

20 von ir zehörent was. Ir wandel, ire wort, ire werk was als still und senft und 
da by yerntinftig und beschaiden, also das sy under den schwestren wandlet als 
ain irdescher engel. Und so och etwenn ain gerdsch in das kloster kam ald das 
kloster etwa enbran, so verwandlet sy nit ir geberd noch die stat da sy an ir 
gebett was. 

25 Ir klegt och ze ainem mal ain mensch ain liden das es hat: do hies sv m 
gedultig sin und spracht do: 'Weder ist dir lieber, das unser herr zft dinem end 
kum und das du niemer in kain wis kumist, ald das dir Got dis liden abnem?* 
Do erwalt dis mewsch das besser, /54«7 und belaib im och das liden, und doch 
ward es im von ir süssen trost fil gelichtret, won ire wort warent also sicher 

30 das der mensch aigenlich da für hatt Got hett ir es kunt geton. 

An fil dingen tett sy wol gelich das sy wist die ding die andren liiten ver- 
borgen warent. Sy ward och an ir tod gebeten das sy etwas saiti, uns zebess- 
rung, der gnaden die Got mit ir hat gewiirkt. Do antwurt sy fil usserlich und 
sprach: 'Was sol ich üch sagen? mich dunkt des recht gnüg das mir Got die 

35 gnad gab das mich nie verdros was ich tun solt, das zu dem orden hört, won 
das es mir alwegen begirlich und frölich was zetftn.' 

Ir haiZges leben bracht sy uff ain selig end, und hat ir leben in söllichen 
tugenden vertriben das sy gröslich geklegt ward von den schwestren; won es 

6. mtty Q. 7. "etwen" mich G. 8. du statt des sonstigen die nachtr. korr. aw dx; 

ebenso 5 Worte weäer die aus dz O. 14. vn unederholt G. 20. ire {vor werk) aus ir 

ergänzt G. 23. etwa am Rand nachgetr, G, 26. fpracht so G, 28. mefch G. 

30. dz nachtr. ergänzt G. 34. "fagen" vch G, 37. haiges G. 



VIII*. Elebet von der Meäi, VIIP», Ita von Tüngen. IX. Gütte von Sebdnenberg. 35 

ist [34^} uozwifel: unser herr lies den cofent gemaintich geniesen ir hailgen lebens. 
Won das hat och der gütt klossner von Veit he im gesait: die wil sy lebte, das 
dir cofent behül sfllt sin vor aller grosser betrübt. 

Dise salig Schwester Margretha die hat och ir anen in disem kloster; die was 
gar ain sälger mensch und hies ^ 

fnii^j S Elsbet von der Mezi, 

Und un ander manigfaltig tugent die sy hat, do hat sy sunderlich die tugend: 
so sy ain ampt hat^ so tett sy ietlicher Schwester sunderlich also gütHch als ob 
sy kainer nüt nit me täte* Uns sait och ain alte Schwester, die by iren zitten 
was, das sy kellerin was, und das man noch do als wenig wins hat, und das ir 10 
unser herr die gnad tett, so sy elwenn lang uss ainem schenkfass geschankt, das 
es doch all wegen foll was. 

Uns [35aj sait och die selb alt Schwester das och ain sälige Schwester by 
iren zitten was, die hies 

ivimj S* Ita voE Tungen iß 

und was als gar haiiges lebens, und sunderlich do was sy als gar senft und sdss- 
mutig das sy under den schwestren wandlet als ain senftes tiibly, und das sy 
also emsiklich schwaig das man wenig yeraer ir st im gehört, und tett ir der bös 
gaist als fil laid das er ir etwenn trowt er wölt sy fiir die port uss tragen und 
in die T6ss werfen, Sy sait uns och das sy ze ainem mal turst, und do sy lang 20 
uss ainem kopff getrau k, das er doch all wegen t fol was. Unser herr wurkt 
süssenklich mit ir mitt nianigfaltigen gnaden, und do die zit kam das sy sterben 
soll, und des die schwestren nit wistend, do rftft sy inen fil senftiklich hin zft 
und 135^] sprach: *Kinder, ich wil sterben,* Und do erst der cofent kam, do ver- 
schied sy senfteklich, als och ir leben was gesin. 25 

fW Yon der salgen S Gütten von Schoneiiberg. 

Wir hattend och ain andre sÄlge Schwester, hies Schwester Gutta von 
Schönenberg, und übt sich mit raanigen hailigen öbungen. Sunderlich do bort 

4. amen K 4. Zu kloeter nachgetr. (r.) tÖff G, 6. Auf elÄbet foigt: MehthJlt, 

(r.) durchitr. Q. 6. Mezin, dm n {r.) dureh^ir, K 7. mftüigfatig G. 8. 9, 13 (2mal). 

27 (2 mal) ßr achwester die Abkürzung *S' wie m dm Cberxchrißen G (sg auch imit g^kgent- 
iich im Text). 19. unpr. gaiit aJÄid; als fiJ am Rande nachgetr. G. 20. ^ns tmm Min. 

in in korr. Q. 25. fenfeklich 0. 26. von f\ G. 27. [Wtir in Si korr. (mw, u, r.) Q. 

7. Ein Oetehlechi Vor der Met Mg haite in ZÜTteh im iS. Jahrhunderi mehrere Maisherren, 
im !4. einen Chürherm zum Grüßen Müneter {ZeUy Heh^ Lex.}* VieUmchi ist von der Mezi eine 
Entiieäung. 15. Tüngen, j. Thiengen: Städtchen und Schloß im {badiic/ten) Kletigau. 

26. Au* einem früh autgestorhenen Geichtechi von Schonen&erg in Zürich #(awmto Johannee, 1480 
Aht eu Kappdx mm emer Burg Schonerüterg bei Sttigen im Thurgau^ die mn den Appenseiiem zu 
Anfang de4f 15. Jahrhunderis terelsrt ward, ifind ein IVemer 1209 und ein Johann 1269 beiegL 



36 OL Gitto Ton SohSnenberg. X. Mirgret Ton ZfiridL XL Aniui von KHngnmw. 

sy Qottes wort als begirlich das ir etwenn von andacht an d^ brege gebrasL 
8j bettet och als gar and&chtiklich« und ze äinem mal do was sy in inneUidier 
betrachtung ünsers harren marter, und do sach ain andre sälge Schwester das 
ain als wunenkliches liecht ob ir schwebt recht als ain lichter stem, und das sy 
5 das liecht umb geben hat. 

[xj Ton der sälgen -S- Margret Yon Zürich, fss^j 

Wir hattend och ain ussgenonmy s&lige Schwester, hies Schwester Margret 
von Zürich, die hat als gar fll gütter Abung mit wachen und mit emsigem gebett, 
und von hertzlichen emsigen trehen was sy under irem antlut als sy gescfawullen 

10 WOT. Sy was och als gar siech das man sy m4st uff amem stfll tragen, und 
doch was sy allwegen st&t an iren s&ligen dbungen. Die s&lig Schwester sach 
dik wunderÜche gnad die Gott mit andren s&lgen schwestren wurkt, und wir 
band es aigenlich da für das och unser her fil wundere mit ir wurkte. Aber 
das wolt sy uns nit sagen von etwas sunderlicben sachen, das sy dar zfl zwang. 

15 Won sy nun als fll gewainet, so befalch man ir ze dem adfent ünserm herra 
das bftdly ze mächen [36^] (als wir gewonhait band im gaisUichen ze machen ain 
hus und alles das des er mangel hat, do er uff ertrich was), und do sy ze ainem 
mal mit hertzlicher andacht wainet, do erschau ir unser herr gar mineUlcb, als 
er ain kmdly was, und sass in ainem b&dly vor ir, und als sy ainen trehen t&- 

SO gos, der ward bald ze ainem schönen goldknApfly und fiel in das bädly, und 
schlftg in das zart kindly mit dem hendly unden in das bädly, und was das als 
gar mineklich schön anzesechen das sy grossen trost davon enpfieng. 

Dise hailig Schwester sach och etwenn ain andre sieche Schwester, hies 
Schwester Juliana Ritterin, das sy recht lutter und durch lachtet was, und das 

25 ir lib wol ainer elen hoch in dem luft schwebt. 



[xij Von der salgen -S- Anna Ton Slingenow. isr^j 

Wir hattend ain ussgenomne sälige Schwester, hiess Schwester Anna von 
Klingenow, und was recht ain luchtcndes liecht an hochem leben, won ir 
hailige gegenwürtikait was ain sunderlicher trost gemainlich allen den schwestren. 

1. brege so G (= bredige). 4. lüchter so O. 7. [W]ir in S\j] korr. Q, 9. hertsen- 
lichö, en nacfUr, gestr. Q. 14. vnß in in (sto. «. r.) korr. G. 16. bädlj r. für betiy 

korr. G, 19. ir am Rande nachgeir, G. 22. gar am Rande nadigetr. G. 24. d€u erste 

dz am Rande naehgetr. G. 27. [W]ir tn Si korr. {sw, «. r.) G. 

6. Wohl eine BürgerUehe^ nach ihrer Vaterstadt benannt. 26. Kling nau^ ein 1251 

dwreh ükridi und Walther von KUngen gegründetes Johannäerhaus^ jeUt Städtehen und Schloß an der 
untern Aare^ vermutlich Heimatsort einer BOrgerUehen; vgl S. 38,26 ti. 39,20. Eine Sophia von 
KUngnau unier Nr. XXIII. 



XI* Azina TOD Kiingnau. 



37 



Ir hailig leben fleng sy in ir jugent an, und hat grossen fliss zu den dingen mit 
den sy ufif das aller bist möcht kumen, Sy was ain haimlicher gelrüwer fimnd 
ussgenomner gütten lütten. Sy hüll sich flissekJich vor unmüssen und vor kumber 
zergangklicber dingen. Andächtig und emssig gebett, lesen und latin lernen und 
wie sy den orden andächieklich behielt: hie rattt bekumret sy sich flissklich. Sy 5 
was och in ir jungen tagen als entzünt mit der gütlichen lieby das ir als begir- 
lich was von Got zeredent, das sy et wenn [Si^} in dem winter in den bomgarten 
gieng, und sass da als lang und rett mit etlicher seh wester, so sy uff wollend 
sto», das in das gewand gefroren was« 

Darnach lait unser her grosses liden uff sy, das sy untz an iren tod nie 10 
gesund ward. Und doch so ir kain underliby wart,, so was sy flissig in dem 
kor, und so sy nit ston mocht, so sass sy in irem stül und sang. Sy hatt och 
als grossen andachl zu gemainen werken das sy fil nach alwegen an dem bett 
span, und hatt denn vor ir an der kuncklen geschriben disy wort; 

le siecher du bist, ie lieber du mir bist, If 

le verschmächter du bist, ie neeher du mir bist. 
Ie ermer du bist, ie gelicher du mir bist, 

Dise wort sprach sy dik begirlich» und sy sait das Got ze ainem menschen 
[38^} dis Sprech, Aber wir gelobent aigentüch das sy der mensch was, 

Die schwestren saitend och gemainlich das sy als emssklich schwaig das sy 20 
selten ie üppig wori gerett, und gab ir aber Got die gnad das sy recht hin flos 
von übersüssen wortten, und was das als gütt von ir ze hörend das die hertzen 
da von recht in ain bewegung komend; won ire wort Aussen t uss ainem f ollen 
hertzen, als geschriben stat; Von überflüssikait des hertzen redet der mund* Und 
won die schwestren Got ze allen zitten by ir fundent, da von warent sy gar dik 25 
by ir jung und alt Und so et wenn aine ain upig unnütz wort in bracht, so 
sprach sy: *Ach nun bist du das ferly von dem Gottes wort zerstört wirt!* 

Sy rett och sunderlich gernn von der haiigen leben und ir marter, [SB^] und 
so sy etwa was da man nit von Gott rett, das was ir unlidig. So hatt sy ain 
gewonhait, das sy Gottes wort als gefügklichen in bracht das ander red recht 30 
geschwigen ward, Sy was och ain gelrüwe nachfolgerin irs haiigen vatters Sant 
Do mini CO, sunderUch an der ussgenomen tugent das sy ain als getrüwes mitt- 
liden hatt mitt allen menschen. Won das saitend die schwestren begirlich von 
ir: wenn sy mit kainer betrübt zfi ir kamend liplich ald gaistlich, das sy all wegen t 
getröstet von ir giengent Sy kund och niement also betrüben, wer der selb S5 

3, kßmer 0; h knmbet üdtr kniumer? 9, ftond Ö, IL kain (r.) ergänzt su 

de kam Ö, nach H. 15. 16, 17. dk Zdk nicht abgesem G. 18. 19. $o (r.) kort, aun 

dz fy g. E, a. m, fprach 6. 21, wor Ö. 26. ynnutz am Rande nachgetr. mit Ein' 

ichitbunyszeichen f?. 



24 Matth, i^ß^i Lvk- ß,^: Ei abundantia cordis ob loquitur* 



38 2^ Anna von Klingnao. 

mensch uff der stat zft ir kamen umb trost libs ald sei, sy wer als bekümbret 
mit im gesin als ob er ir nie nutt hetty geton. Mitt disen iiii dingen Tertraib 
sy fil nach als ir zit: mitt gebett ald von Got reden [39^] ald lesen der bailgen 
leben, und das sy betrübte hertzen tröste. 

6 Wie manigfalt ir haiige libung was, das kunend wir nit zft Worten bringen. 
Won do wir dis schribent, do was ir haiiger lund als gros als ob sy kurtzlichen 
von hinnen wer geschaiden, und was es doch wol uff xxxvm jar. Und do wir 
hortend ir folkumen leben, do bettend wir och gern etwas sunderlich Offenbarung 
von ir gewist der ding die Got durch sy hat erzaigt. Do hortend wir grosse 

10 klag von den schwestren, das sy inen nit weit sagen an irem tod, und kam das 
von etwas sunderlichen Sachen darzfl; denn das sy in sait alain das sy gesichret 
wer das sy von Got niemer solt geschaiden. Doch fundent wir ain wenig wie 
sich ir unser herr etwenn erzaigt hat. 

Dem cofent was ze ainem mal schad [39^] beschechen, und des nam sy sich 

15 an, und hie von wart sy betrübet, das sy sich ze fil mit bekümret hat, und gieng 
in den kor und gedacht das sy gern iren bichter het gehebt. Und also sieht sy 
ünsem herren vor ir hingon, und was in der gestalt als sy hat gehört von 
Feronica dem bild, und sach sy an mit ainer ernsthafter gesiebt und sprach: 
*Nun bin ich doch der an dem es alles stat.' Ze ainem mal do warent die 

20 schwestren in sunderlichen sorgen. Do sprach sy frölich: ^Gehabend üch wol, 
uch sol nut geschechen. Mir hat getromt wie der allerschönest herr vor dem 
altar stund, und hat sich gegen dem cofent gekert und gab im sinen segen, und 
trost mich das uns nüt solt geschechen /4007. Do sprach ich: "Ach liber herr, 
wer sint ir?" Do sprach er: "Ich hais reparator", das sprichet in tusch: ain 

26 wider bringer.' 

Ain gftttes schwesterly, hies Lüki, das kam dik von Elingenow her zfl 
ir. Und do es zu ainem mal uff dem weg was, do kam ain als groses ungestümes 
Wetter das die hirten ab dem feld zu fluchend. Und es ruft allso unser herren 
an, und manet in der min so er zu der sälgen schwester Anna hatt Und also 

80 ging sy und ain kind, das mit ir gieng^ von Büilach untz her an die strass, das 
sy nie dester nesser wurdent. Also sprach das kind: 'Sist du nit, wie fast es 
hatt geregnet, und uns nütt ist beschechen?' 

Dise Schwester Anna hat och die geu;onhait das sy sich täglich ünserm 
herren befalch in dis dry wis: ßO^] das i in die min und in den frid, als den 

85 unser herr uff ertrich bracht, das u als er Sant Johannes sin mütter befalch, 
das m als er Sant Petter die kristenhait befalch. Do wart also zu ainem mal 

7. 8. 9. 12. wir korr, in £y (r.) G (Ü). 26. klingenowe, dann das Schiuß-e gestr, O, 

26. her gesir. (r.) Q. 28. zu gestr, (r.\ als Beziehung auf Tofi 0. 30. her (r.) tin^^- 

jffunktiert; am Rand (r.), mit Einschiebungszeichen: zu toff O. 38. gemonhait 0. 34. den 

(nach als) am Rand nachgetr., mit Einsehielmngszeichen G. 

30. Bülach, Städtchen ungefälir halbwegs zwischen Töß und Klingnau. 



SL Anna Ton KHtignau^ 



39 



zu ir gesprochen: *Du soll bitten, als die dryfaltikait ain ding ist, das du also 
ain ding werdist mit lins/ Sy dunkt ze ainem mal wie sy ir engel in das feg- 
für fürty; also hat sy also grosse erbärmd über die seien das es unsäglich ist, 
von der wis die sy sach. Und sprach der engel zt ir: *Nun dunket dich diss 
gar grosse arbait, und doch, die wil du hie bist, so verdienest du kainen Ion/ 5 
Und do yergass sy aller der arbait die da was, untz dar an das ir umb die 
stund nüt Ion es soU werden» 

Sy bat och gewonhait das sy sich allwegent gern in ir andacht ftbl, als 
denn die zit was [4^^]. Und ze ainem mal in den winnächten do sass sy in 
dem kor und gedacht nach ünsers herren kinthait, und do sach sy das aller 10 
mineklichest kindly u£f dem alltar gon, und was sin herly als ain gold, und wenn 
es trat^ so erschuttend sich im die löckli, und gieng ain ussbrechender schinender 
gkntz von sinen ogen, das sy dunkt wie aller der kor erlüchtet wurd. Also 
wer sy gern z4 im gegangen; do was sy als durch gössen mit andacht das sy 
von über kraft nienen hin mochl kumen. Und do sy in diser begird was» do IS 
hüb sich das kindly uff und gieng in dem luft in der höchy als der altar was, 
und kam zu ir und satzt sich uff ir gewand, als es von ir gespraittet was. Und 
do sy es von [4i^] ir grossen begird wolt umbfachen, do sach sy sin nit me. 

Es was och ain gdtty klosnerin by Klingenow und hies von Endingen, 
die hat sy nie gesechen, und doch gab sy unser herr ir gaistlich ze erkennend, 30 
das sy brftder Berchtold iren bichter all ir gesch&ft kund sagen, und sait im 
das sy sy gaistlich hat gesechen in dem spiegel der gothait, und das ir Ion soll 
sin by den höchsten im himelrich* Sy verjach och ainem gar gälten haiigen 
menschen, dem sy^sunderlich haimlich was, hies Schwester Willy von Costentz, 
das sy etwenn in die innerkait kam, der ir ain her hörn an den oren helt ge- 2S 
blassen, sy het es nit gehört. Da gedenk ain ietlich mensch wie fer sy müst 
gezogen sin von allen liplichen sinnen und gesenkt /i^«/ in die grundlosen gothait. 
Da sy sfilliche wunder schowet die man mit kainen wortten gesprechen kan, sy 
mocht wol sprechen mit dem silgen Sant Paulo: Ob ich in dem Hb wer oder 
nit, das wais ich nit: Got waist es woL 30 

Do nun die zit kam das Got ir sei wolt setzen in ain stätes ewiges beliben 
da, da sy so dik mit hertzlicher gird gewonet hat, do gab er ir ain gar strengen 
tod. Nun wolt er sy sinem aingebornen sun geliehen und zoch ir och under 
inwendigen trost. Und also manet sy ünsem heren gar dik sines lidens. Do 
sprach ain Schwester zu ir; 'Schwester Anna, du ermanest ünsern herren als 35 



19. Oher- und Unier- Endm^m, Dörfer in der Nähe von KUngnau. 21. ViäieidU rftfr 

D&minikanm' Berih&id, der in der /. Häifie du /*. Jh$. die Saminft coafesaoruni deM Mianr^es 
von Freihur^ verdetä^cfäe { Stint nni/. Populäre Literatur des rom.'hanon. Rechts 1867^ S. 5tft — ^%19\ 
W. Wackernagel, D. altd. H$§. der Ümv.-Bibl. z. Basel ISStl, S. ß2; — V&^utung von Dr. E. Bihl- 
meger)l Eine Ahhandlung ^Joaiinb Hobusti Summa' herein Nicolam Breichii de Chur 1449 'Paduo 
in Epiac opal i Pal 1 acio ' ahgeachriehen . Et. der Sohth urner Kantamhihl 24 . Wiilivon Konstan»^ 
«. u. Nr, XX, 29. 90. //. Kor, i2^2: Sive in corpore, neicio; sive extra corpos, nescio; Deoa seit. 



40 ZI. Aniui von KUngnan. XII. Beli von Wintertnr. 

dik sines lidras, und wenent die schwestren es sy ain ongeduIL' Do 142^] sprach 
sy: *Owe, da ist mir als we das midi dunlct wie mich in ieklichem gelid ■ 
messer schnidmt.' Do sprach sy: ^Gedenkest du nit das du Got dik gebetten 
hast das er dir an dinem tod geh ze enpfinden des lidens so er an sinem tod 

5 hat?' Do geschwaig sy. Und über ain wil do kert sy sich recht bald umb und 
sprach: ^Omnis spiritus landet dominum' und lag do gar senfteklicb, nntz 
das sy verschied. 

Nun hat sy die sälig Schwester Elli von ElgA die laig Schwester gebetten 
das sy sy nach irem tod lies wissen wie es umb sy stAnd. Und do sy in d» 

10 sibenden uff der kemnaten betet nach ir gewonhait, do kam sy in ainem als 
schönen liecht das sy dunkt: hett sy sy angesechen [4^]^ es wer ir tod gesin, 
und floch bald zfl irem bei Es lag och ain Schwester in ainem strengen ritten, 
und von grossem geloben trank sy uss ir hobtschidelen, und ward ir des ritten 
zemal biks. 

15 [XU] Ton der s&lgen -S- Beli Yon Wintertnr. 

Wir hattend och ain gar s&lge Schwester, hies schwester Beli von Winter- 
tnr, und was der fll alten schwestren aine, und was als gar ordenhaft und als 
strenges lebens das sy stätiklich die regel fasten fastet Und wie man noch do 
nit won zwirent in der wuchen win gab, so wolt sy doch irem alten lib nit ent- 

ao üben, won das man nit kund gemerken das sy an ainig mal in dem siech hus 
wer. Un [^^J ander hailig dbing do las sy gewonlich alltag nach metty amen 
salter. Sy genflgt och nit gemainer disciplin, won das sy och sich mit rekolten 
schlftg. Sy hat och ain gewonhait, das sy niemer in den bomgarten kam, und 
so die bom als schön blftgtent, so kund man nit gemerken das sy ir ogen yemer 

25 dar gekerte. 

Von irem hailigen strengen leben warent ir die schwestren als genädig das 
sy wol xz jar supriorin was. Und so denn ettwenn ain schwester uss dem 
werkhus wolt gon und benedicite nam, so sprach sy fil gAtlich: 'Benedicite, 
das sprichet: wol sprechen, und davon solt nut reden won das gut sy. Und so 

30 du getftst das du bedarft /44«/, so gang her wider in.' 

Do sy nun von disem ampt gelediget wart, do befalch man ir erst das sy 
gesellin wer, und dis wolt ir etwas wider sin, won sy het sich gern in ain rfiw 
gesetzet, und doch was sy gehorsam. Und ir selber ze ainer behelfung do haft 
sy ain brieffly an ir ermel, dar an stund: ^Als fil der mensch sines aignen willen 

85 ussgat, als fll nunpt er an folkumnem leben zfl und nit me.' 

6. olB spc O, 6. dnm Q, 16. [W]ir unvoüständig in S[y] korr. (r.) O. 20. zwUehm 
dz und man ur$pr, fy, dann geitr, (bw. u, r.) G, 22. rekolten so 0\ ^= rekoltem (vgL Mhd, 

Wb. III 31^), 81. ampt uniersir. (r.) G, 

6. A. 150,6. 8. wUen Nr. XXVIL * 15. WM eine Bürgerliche mu der Tofi 

benaMarten SUuÜ. 



Xn. Bell von WiDtertur. XIII. Elibet ZolDerin. XIY. Bell von Sure. 



41 



Und won ir leben als hailig was, so ist geloplich das unser her fil mit ir 
würkte. Sunderlich ze ainem mal, do sy an irem gebett was nach der melty, 
do sach ain andry sAlgy Schwester das sy umbgeben was [U^] mit ainem 
wunnenklichen liechti und das der götlich gaist all ir kreft allso in sich gezogen 
hatt das ir hailger Üb in dem liecht und in dem lufft schwebet, Sy las ge- 5 
wonlich och alle jar dem haügen David ainen salter» das ir end süss wurd. 

Und do sy an irem tod !ag, do lag sy als sy kaines seres befundy* Und 
do sy ietz sterben seit, do sprach ain schwesler: 'Sy züchet hin/ Do sprach sy: 
*Wer züchet?' Do sprach die Schwester: 'Das tünd ir.* Und sy erschmiret und 
sprach: 'Des müs ich lachen!' Und recht bald do der cofent kumen was, do lO 
verschied sy senftiklich und gütlich. 



[xiii] Von der salgen S- Elisabet Zolnerln. 

[45<^] Wir haltend och ain gar haiige schwester, hies Schwester Elisabet 
Zolnerin. Mitt der wurkt unser her fi] güües. Won das sait man uns von ir 
das sy als fil gnaden hat das sy sich ir müst weren^ das sy ir sinn behüb. Und lä 
das unser her gar miniklich in ir wonety, das zaiget ir usser wandel merklich, 
Sy was gar stilK Ir wandel was süss und sanft, und ret gar wenig» Und so sy 
in dem kor ze den zitten stund, so runnend ir die trechen recht emsklich über 
ir Wangen ab. Och sait man uns das ir gaisl etwenn als gar ufifgezogen wery 
in Got das ir üb etwenn in dem luft schwebete* 20 



[XIV] Ton der salgen -S* Belinuiii. i^^i 

Die götlich min ist ain gezierd aller lügend, und wo das für der gÖtlichen 
min brinnet, da mag es nit verborgen sin: dis ist aigenhch bewert an der 
übersiissen Schwester Belinum von Sure, die Gol sunderiieh damit geziert hat 
das sy ain als süsses minriches hertz hat ze aller zit das ir wandel und ire 25 
wort foltiklich zaiget: sy bran in göllicher lieby* Und davon mocht sy anders 



12. {czollerin Ü.) 
9pBier belinQ 0.) 



13, (W]ir unvoiUtändiff in S[j] kürr. (r.) G. 



21. (beliDiDunii 



12. Züller oder Z&llntr, ein MureheHscftu Ad^geschUchL Konrad von Bock gmannt ZoUer 
üi (259 de^ Rati '^m Geschlechtern^. Leu, Heiv. Lez. 21. BtU (Belinum, -an ut Datiü 

einer vollem Nom.-Form Belinay vgl Eil i nun S. 25^11; Staglinum S, 93,5)^ Z£. 24 von Sure 
genantüi vermuilich am dem Dorf Suhr hei Aarau, wöiier atlerdings auch ein ed/ex öeechleehi 
stammte, auM dem Harn 1297 Müherr von Worh, Harn Ji^7 Burger von Bern war. Leu, Helv. 
Lex, 24- 25» Doä EpOheton süsa, dbersüss aU Oj^^^oron su dem Namen »o» Sure gewähU? 



42 XIV. Bell von Sure. 

trostes nit geliden, won unser her bat sy so lieblich gewent mit sinem zarten 
trost das ir fremder trost ruch und hert was. Und davon so ir etwas bescbach 
das sy mficbt ban betrAbt, so klegt sy es niement, won sy gieng zu irem ainigen 
lieb, von dem sy liebes ß6<^] und laides ergetzet ward. Alles das sy von orden 

5 tftn solt, das tätt sy als gar begirlich und als frölich das foUeklich an ir bewert 
ward das die min nit arbaitete, wie sy doch dik den orden mit krankem lib an allen 
dingen strenklich hielt; won friege min hat das recht das sy mit lichtem mftt 
trait schwere bürde. Sy was och fil nach allwegent als wol gemüt das sy recht 
gieng als sy fliegen weit. Und sunderlich.so sy zekor solt gon, das was ir als 

10 begirlich das sy etwenn kum uff den herrt ald das ertrich zefollen tratt. 

Mit wie grosser sunderlicher sdssikait Got in ir wurkte, das ist unsäglich, 
won ir leben was recht hin fliessend von min und süssikait. Etwenn [46^J wainet 
sy als hertzklich, imd so man sy denn fraget was ir wer, so was es nünt anders 
won jamer nach Got. Sy sait och ainer Schwester das sy niemer verdruss und 

15 ir allwegen zites gebrast. Derselben Schwester gab sy ain 1er und sprach: 'Hab 
Got lieb und dien im mit ernst, und wissist das ain mensch Gott in ainem jar 
mit min vnd ernst als nach mag kumen das im Got den Ion git, darum er licht 
XXX jar mdst leben imd siner angesicht enberen.' Und das ward merklich an 
ir bewert. 

20 Sy lag och vor irem tod wol ander halb jar das man sy müst tragen, und 
was damit als frölich imd rett als gar sAsseklich von Got und bran under irem 
anlut recht als ain ross. Und do sy m disem ge/47a7minten siechtagen lag, do 
sprach ain Schwester zft ir: ^Du bist recht minn siech.' Do sprach sy uss amem 
follen hertzen: *Das wer mir laid, wer das kain min won unser her.' Sy hat och 

25 als grosse begird nach dem tod. Nun lag in der zit ain andre Schwester an dem 
tod; die ret och gar girlich von dem tod, und also wainet sy gar hertzlich und 
sprach: *Sol ich nit wainen das Sebach vor mir zehimelrich wil?' Do sy nun 
in disem siechtagen lag recht als sy kaines seres befundy, do flrt man ainen 
guten artzet zu ir. Do sprach er sy hetty kainen siechtagen, won das ir hertz 

30 begriffen wer mit ainer unmessigen min und mit ainer sennung waiswarnach, das 
es über all ir kraft wer und das es ir tod müss sin. Sy mocht ß7^] wol sprechen: 
In Christi amore langueo volenti dolore 
(Ich siechen in der min mins herren Ihesu Christi mit willigem ser). 

Do nun die zit kam das unser her ir begird wolt folbringen, und sy 

35 schier sterben wolt, da lag sy als sy kaines seres befunde. Und sait uns die 

Schwester die by ir was, das sy als gütlich verschied als sy lachety, und das 

was zimlich, won als ir leben fil nach ain sterben was gewesen und sennung 

nach dem ainigen gut, das ir do die begirlich stund, in der sy mit im veraint 



10. den herrt ald nachträglich am Rand O. 11. "füffikait" funderlicher O. 34. Zwischen 
und und sy über der Zeile do nachgetr. (r.) Q. 31. 32. 33. Die Zeilen nicht abgesetzt Q. 



XIV. BeH van Sure. XY, EathArina Fletin. XVI Margret vod Hünlkon. 



43 



so!t werden, ge wandlet wurdi in ain fröd, won die g&tlich minn sterker ist denn 
der tod. 

|!j DiSj^usserwelt mensch was wol uff xxx jar, do sy starb, und hat ir blugent 
jugent verzert in götlicher inwenndikait* [48^} 



ixv] Von der sÄIgen -8* Kathterina Pletin- s 

Wir haltend och ain gar sälgy Schwester, hies Schwester Katherina Pletin, 
und hat ain als strenges leben das es zewundren was das es ir alter lib geliden 
mochl, mit stätem fasten und wachen und mit emsigem gebelt, und nani darzil 
als starke disciplinen das man ir etwenn sach iren kranken rügen rot von blftt, 
und das man das blflt an ir gewand sach, so sy es von ir laiL Sy sehwaig och 10 
gar fil, und gantzlich schwarg sy den advent und die fasten. Diser säligen 
Schwester was ainest befolchen das sy zu dem tor soll gon. Und do sy ze 
ainem mal dar gieng, do was es nasses wetter und hat sy zerbrochen schlich^ 
und hie von ward sy etwas ßs^} gemüget. Also gedacht sy: Got git dir niemer 
kainen Ion umb dise gehorsami; du tftst es als gar unwilleklich. Also trosl sy 15 
unser her gar gfitlich, und das sy iren Ion darum nit verloren hett. 

Es kam och ainest ir engel zu ir fiir ir bett, und bracht ain sei mit im und 
bat sy das sy für die sei bett. Do sprach sy: *Wer ist die sei? Do namt er 
sy und sprach: *Ich bin ir engel und sol sy in die wis füren/ 



/ZF// Von der salgen S^ Margret von Hiinikon* ao 

Wir hattend och ain junge sälige schwester, hies Schwester Margret von 
Hünikon, und nach manigem hailigen dienst, den sy ünserm herren hat geton, 
do verhangt unser her von siner gAtty das sy wol vn jar gar siech was. Und 



6. [W]ir unvQÜständig in 8[y] korr. (r.) G. IL Tn am Rand nachff^agm mti Ein- 

9chi€bungucichm G. 2L [WJir unvolkiändig m S[yl korr. (r,) G. 



5. Plete (Äet Leu feläend): ein Winterihwer GescJikcht, dag 13S9 in Benelamgen m TZß erscheint. 
Am 10. AuguMt d, J, vernichtet Frau Ursula Plete ^ des Stephan Plete WUwe^ auf ein Gut Brmten- 
fnaite ^ gumten des Ehster» Töß^ dem dastelhe ak Eigen .$tir Au^ateuer für ihre Tochter Sa f in a iU>er- 
geben worden . In einer gleichzeitigen Urkun de vereichten S a fin a^ Enabeta und Stephan^ Kinder den 
wd. Stephan Plete von Winterthttr, auf aäe Rechte an dem ffof ßreitenmatte eu gumten de» Elosten 
Tüß, dem dtrstlhe ah Awttietter Safinens übergeben mt\ Peter Plete ak t%f der Einder siegeh 
neigen dem Schultheißen {Siaatsarchiv Zur ich ^ Regeiten von 7*äß). Eatharina Plete ist mM eine 
äUere Verwandte und Vorgängerin Safinens. 20. Hünikon^ Dorf bei Neftenhach und Name 

eines ehemaligen Edeleiize» zwischen Neftenhach und Dorf , dessen Sprossen Leu als *öuUäter von Töß* 
kennt {vgL 8. H^Mff.^ u^onadi der Vater nnsrer Margret vier Töchter in Toß hat und nach seinem 



44 XVI. Margret von Httnikon. 

do die zit /4^7 kam das sy unser her irer langen arbait mit im selber wolt er- 
getzen, und do sy erst verschaiden was, do was die s41ig Schwester EUi yoo 
Ellgö in dem kor an ir gebet, als es Got wolt. Und also erschan ir aines fromeo 
ritters sei, der was vor etwe langem zit tod, imd was sin sei zehimelrich, und 
5 dise sei was als übermässiklich schön und frowt sich recht mit ainer spilenden 
fröd. Und do fragt sy warum sy sich als hertzklich frowte. Do sprach sy: *Da 
bin ich hüt gegAnlichet von dem vatter und geeret von dem sun und geminnet 
von dem haiigen gaist, und fröwet sich hüt alles himelsch her mit mir, und dise 
fröd han ich von Schwester Margreten von Hünikon, die erst von diser [49^] 

10 weit geschaiden ist, won ich der in dis kloster halff, und wistind alle menschen 
den trost den sy davon entpfiengend, sy staltind mit allem fliss darnach das 
sy iren frunden in klöster hulfind.' Und in dem selben do sach sy Schwester 
Margretten sei in ainem als unmässigen liecht das sy dunkt wie aller der kor 
erlüchtet wurd, und was fil seien by ir. Und do dunkt sy wie sich der himel 

15 uff tätte und die seien alle mit ir in den himel fdrind. Und do sy do uss dem 
kor gieng, do sach sy das sy tod was, und was ir hertz und ir ogen als erfüllet 
von dem unmässigem liecht in dem sy ir sei hat gesechen, das sy ^wol acht tag 
darnach wenig kain Schwester an der gesiebt erkant. 

An diser säligen Schwester hat unser herr erzaiget wie lieb im föO^j lidenl 

20 lüt sind, won sy von iren kintlichen tagen ain lidentder mensch was. 

Der säligen Schwester Margreten vatter was dis klosters sunderlicher firund 
und tett siner tochren iiii her in, und was disem cofent als gar diensthafL Und 
nach sinem tod do erschan er siner Schwester in dem schlaf, und sait ir das im 
sin dis cofent getruwer dienst als unmässig wissen ald pinn hety abgenomen, und 

25 sprach do: 'Wistind alle menschen was gnaden in davon beschech, ob sy disem 
cofent dienetind, sy dinetind sich selber ze tod.' 



1. Das er von irer ist nachtr. zugesetzt G. 2. do eingeflickt G. 10. dis in 
das korr. (r.) ö. 12. im kl. G. 21. dis in des korr\ am Rand: töff (r.) G. 

22. thochre G, das erste h unterpunktiert G. 22. her unterpunktiert und dar darOber- 

geschrieben (r.) G. 22. difem unterpunktiert und dem darübergeschrieben (r.) G. 24. des, am 

Rand dis G. 24. wissen: das zweite s durcJistrichen und unterpunktiert (r.) Ö. 25. difem 

unterpunktiert und dem darübergeschrieben (r.) G, 26. dienotind, dann o unter punktiert 
und e übergeschrieben G, 



Tode noch seine Schwester zur Guttätigkeit gegen Tbß mahnt); ein Heinrich von Hünikon ttar 1310 
zu Winterthur seßhaft und ward Bürger von Zürich. Eine Witwe Willeburga von Hünickhon 
('deren Slam: nnd geburtshaaß war das Adenliche Schloß Hünickon, zwischen dem Dorf 
Nefftenbach, vnd Schloß Henckhartt vnfer von Winterthur gelegen: vnser zeyt verstortt*) 
vom Schwesternhaus in Winterthur war 1230 mit dem Frieder Hugo von Dießenhofen die erste 
Gründerin des spätem Katharinentcds im Hof der Truchsessen von Dießenhofen, laut der Gründungs- 
geschichte in der Frauenf Hs, y 105, s, Einleitung, 3. s, unten Nr, XX VII. 



XVJI. M«22i von Klifigecberg. 



45 



[Kviii Von der salgen 8 Mezzi Ton Elingeiiberg. 

Wir hallend och ain gar tugenthafti Schwester, hies Schwester Mezzi von 
Klingenberg, und was sengerin, und hat /^ÖV als grosse gnad, so sy mess 
anfieng, das ir die trechen recht genuchsamklich iiber ir wangen runnent Die 
sillig Schwester sach ze ainem mal, do zwo schwestren disciplin nament, das ain 5 
wunnekliches kindli umb sy Itif und zunt in mit ainer kerlzen. Sy sach och ze 
ainem mal das ainer andren Schwester, die hies Schwester Gisla, ain als wunnek- 
liches kindli nach gieng von dem altar unlz das sy in iren stül kam* Die selben 
Schwester sach sy och ze ainem andren mal, das sy als erlüchtet und geziert 
was ze dem hertzen als sy ain wunnekliches fürspan vor ir het Sy enpfing 10 
och fil sunderlicbes trosles von unsers heren iiden, und sunderlich so sy mit 
ir betrübt zu ir kam, und sprach: *Wi6tind alle menschen was sy trostes 
en/5iaypfiengint, sy kertind mit ir üden in das liden unsers heren.* Ir beschach 
och ze ainem mal naiswas: also ward si angefochten das sy etwas darzfi sprach, 
und do sy ir Schwester darnach fraget wie sy sich darinn hielt, do sprach sy: 15 
*lch gieng und nam ain als gut disciplin^ untz das mir der zorn wol vergieng/ 

Do dise s&Iig Schwester von hinnen geschatden was, do hört die sÄlig 
Schwester Margret von Zürich gar fil stimen singen, aber aine sang usgenomen- 
lich wol und frölich dise wort: 'Ich far uff von der trurikait zu den fröden, und 
von der klag zik den obresten frflden*, und do verstund sy das, das es ir sei was 20 
und das sy ze himelrich für* 

Dise sälig schwester Margret von Elingenberg hat och ir seh wester hie 
inn, die was och ain flissige dienerin unsers heren Ihesu Christi: das sachend 
wir wol an manigem hailigem dienst [5i^j^ der sy doch dik kumerlich ankam, 
Sy geschüff das der altar in der capell gewicht ward und das man das 25 
nacht liecht und die kertzen dar git. Und nach irem tod tromt ainem usswendigen 
menschen wie sy sy sich gon in zwaigen guldinen schüchen, und sprach: *Sich, 
die schüch han ich von den tritten die ich tett do ich sch4ff das Hecht in die 
capell/ Wir band och fil nach alle unser gttten bild von ir; fil tüscher bücher 
hat sy gefrümet. Aber ob allen dingen so hat sy den besten fliss zft dem kor» 30 



1. fa!g§G. 2. [Wlir in Si kt^, (r.) 0. 7. am andre G {Ü)\ einer andren M 

7. Gifila ) (fifia Ü). 14. nflifwz zttkchen zwei »eahrechien Sirtvhen G. 22. hie in am Rand 

m zu törr kort, (k) G, 2L mt in fy korr. (r.) G. 29. Wir unitrpuriktieri und ty 

darühergeBchriehm (r,) G. 29, vnfer unt^punktieri und Ire darüberge^hrieUfi (r.) O {ftier die 

Ecrrekiii^ vclikommen »innloi). 

L Mezzi oder Margret (EL 22) t)on Kting^nhery enütmnmt wo!d dem $päi4iT «o mächtigen 
Hautt, deis&i Stammburg über dem Timrtal hm Wigoltingen statt. Ulrich war 1242 Landric/tter 
im Thvrgau\ vxffi GekÜichen gehören dem Gcicitkcht an: Konradf um itöü Abt Vön JUerkeiiigen lu 
S€fuxffhausen\ Beinrich, 1244 Domherr xn Chur\ ein zweiter Heinrich, 1211 Bropst ^m Großen 
Müraier in Zürich vnd su Ä Stephan in Kontianz und ieü 1294 Bischof dmdhit\ ferner Johanne»^ 
1290 Proptt £u Biichofe^äi; Ulrich, 1B07 Dtmherr zu Konstanz und Chorherr n/m Großen Müntter, 
— Ein Jihredd und ein Ulrich sind 1298 mit König Addf erschiagen worden. Im, Hdv. Lex* 



46 XVUK N. N. von Klingenberg. XVIII. Anna Wansaseller. 

won sy was obresti sengerin. Sy sang selb untz an iren tod, and ward darzt 
aller der kor von ir wol gerichttet. Und tet ir och Gott die gnad, so ir etweuD 
sunderlich we was, so sy denn in den kor kam und metty sang, so wart ir bas. 
Un fil ander hailiger Abung so hat sy sunderlichen andacht zu f52aj den haiigen 
5 fünf minzaichen, und eret sy mit irem gebet und mit fünf strak venyen, 
und tett ir denn der böss gaist gar fil laides, das sy etwenn dankt wie ir gross 

) müss umb das hobt lüffind und ir in den mund woltind schlieffen, and so lag 
sy doch still an der veni. Sy verstund ainest ales das man sang und las, und 
kund doch nit latin in tuscht verston. Sy hat och drü ding fil begert: das erst, 

10 das sy der tod in ünsers heren dienst begrif; das ander, das sy willeklich sturby: 
das drit, das sin hailiger fronlichnam ir jüngste pfrftnd wurdi. Und diss ward 
sy foliklich geweret. Sy kam der tod in dem kor an, und lag wol nun tag also 
frölich und ret als gar unerschrokenlich von dem tod, und wolt nit liden das ir 
iement von [52f>j dem leben saiti. Sy verjach och das sy ain gantzes jar alle tag 

15 ir sünd bat gewainet und gerüwet mit sölicher bitterkalt das sy ir gemner ir 
hobt von irem Hb het gelon schlachen. Der driten gebet geweret sy och Gol, 
won sin hailiger lichnam was ir jüngste pfründ. 

[XV inj Von der salgen S Anna fFansaseUer. 

Wir hattend och ain andre sälge Schwester, hies Schwester Anna Wansaseller , 
20 und was gar aines süssen senften wandeis. Sy hat och sunderlich gnad ze an- 
dächtigen süssen gebetten, und hat och dis ze ainer geu;onhait das sy och dik 
süss vers uss dem salter sprach und och minekliche wörtly von ünserm heren. 
Sy hat och die tugend das sy armen lüten als gar gütlich tett; fil tagend hat 
sy an ir, da von [53^] fil ze sagend wer. Sy was och als demütig, und wag ir 
25 gebresten als gross das sy ünsern heren nitt getorst gebitten das er zu ir end 
kem. Nun hat sy die geii^onhait das sy gar dik bettet vor dem antlüt das vor 
dem capitelhus hanget, das selb gebet das da by geschriben stat: *Salve 
summe deitatis'; und so sy an den vers kam in dem stat: 'Te salato milies\ 

4. "ander" fil G^ 8. ales: das e nachträglich eingeflickt G, 8. vH las am Rand 

nachgetragen G, 11. korr. aus: fy Hnen hailigen G. 18. manfafeller (r.) G; aber im 

Texte selbst wanfafeller (manfar 17, aber im Texte wanfaf eller). 19. [W]ir unvoliständig in S\y\ 

korr, (r.) G. 26. gemonhait Q {vgl S. 38,33). 28. miles; dann i darüber nachgetragen G, 

18. Bei Murer: Wansaseler, Wanschelerin, In einer Urkunde des Zürcher Staatsarchivs 
von 1360 ^ verzeichnet in den Regesten des Klosters Töß, erscheint der Name Wallaselier, tras 
wofä auf den heutigen Ortsnamen Wallisellen (zwischen Winterthur und Zürich, 820 Walaselda, 
1172 Walasellon, 1260 Walaselde, Zürch. ürkundenbuch L III) zurückgeJit. Bei Leu, Helv. Lex. 
heißt der Name dem gegenwärtigen Ortsnamen noch ähnlicher Wallisseller\ aus diesem ausgestorbenen 
Geschlecht Zürichs habe Heinj, einer der Pfleger des Spitals, i. J. 1279 beim Aufbruch zur WaUfahrt 
nach San Jago dem Spital reiche Vergabungen gemacht. Außerdem kennt Leu Edle von WaiüsseUen 
als ehemcdige Küchen- und Kellermeister der Grafen von Kiburg: einen Rudolf und einen Uhridk 
1229, einen Konrad, Ammann des Stifts Fraumünster 1335. 27. 28. Salve summe deitatis . . . 

Te saluto m Uli es ist als Strophenanfang weder bei Chevalier, Repertorium hymncHogicum^ noch bei 



XVI IL Anna WaniafleUer* 



SIX. Eine eilende Sebweaterp 



47 



Ich grilss dich tusent stund, so naig-t sy ir hobt gar andächtiklicheDj und sprach 
sy dik mit begirigem hertzen. Und do sy och ze aineni mal also bettet, do rel 
das antlüt ünsers heren mit ir und sterket sy und sprach: *Du soll mich bitten 
das ich dir din sünd vergeb, als ich sy an dir erkenn, und das ich dir min marter 
geb ze eren, als ich sy erlitten han, und das ich dich miner ßs^j mütter befelch S 
und sant Johannesen, als ich sy ain andren befalch^ und das ich selb zft dlnem 
end kum.' Hie von enpfieng sy unmässtgeii trost und folbracht ir leben säüklicli 
untz uff ir end. 

Nun hat ir getrüwe gespil, die sdlig Schwester Lucia^ unser frowen gelesen 
tusent Salve regina über ir beder end» und hat ain ander gebet angefangen, lo 
das ir unser her hulf das sy vor Schwester Annen sturb, und des gewert er sy. 
Und der stund do man sy begrub, do kam Schwester Anna der tod an, und 
starb an dem fünften tag, und nam das schönest end das wir an kainer schwoster 
ie gepachent. Sy erzaiget mit worten und mit wandet das sy ain grosse minek- 
liche Zuversicht hat zu Got und och da by ain demütigi forcht* Etwenn ß^^} ret 15 
sy gar trostlich und sflsseklich, und die vers sprach sy gar begirlicb und dik: 
'Quoniam mille'. Her, vor dinen ogen sind tusent jar als ain tag; *Quoniani 
suavis*, her, wie süss und wie senftmütig und wie foll erbärmd du bist allen 
den die dich anrüffent! Und so man sy ünt mögen wolt mit red, so sprach sy: 
*Wcs bekümrent ir mich? So ich noch hüt für gericht mfts und ich Got red müs 20 
ergeben umb alle mine wort und werk, so w^irt sin gnüg,* Sy rel och recht untz 
das sy ietz verscbaiden wolt, und do man sy fragt ob unser herr da gegen würtig 
wer, do hilb sy fr hobt uff und ir hend und laiL die hend zesamen andAchteklich 
und naig tief. Und do fragt sy die priorin ob iinser frow och da wer- Do 
gab [H^} sy es och ze verstennd als och vor, und machet do ain beschaiden crülz 25 
und lail ir hend ordenlicb über ain ander und verschied bald an der selben 
stund. Und ward ain grosse andachtige bewegung under dem cofent, won er 
gegen würtig was. 

ixix} Ton aln^r salgeii S die was eilend. 

Wir hattend och ain sälge Schwester, die was gar eilend, also das sy wenig 30 
trostes hat von iement inwendig ald usswendig. Und die selb Schwester was ze 
ainem mal siech, und do ainest ward an dem hailigen tag ze winnächten, do bat 
sy die stech maistrinen das sy ir ze cristmess hulff. Und des vergass sy, und 

8. die ^ner Worte vftierHtricitm (r.) (?. 10. die iaimnUehen Worte nkht wie §onit durch rote 
Unieritrekhunff hervor^ehohefi 0, 13. wir vnvoikt in ty korr. Ö. 24. priorio (r) unterür. 0. 
26. "ordenlicb" bend G. 21, grAffe andächtig© io O. 29. ain sSlge G. 30. |W]ir uiwoU- 
tiändig in S[y\ korr. (r.) 0* 31, xwiiehen n und d nttehtr, {imümlkh) ein i oben eingefiickL 

Drtpei, Ämtiecta kymnica zu ßmien, auch nkhi su enischeiden^ oh die Brudutiücke mis einer Si^uenM, 
einem l^aiierium oder etnim Rosarium Btcmmen (nnch MiUeihinff von Dr. J* Werner in Zürich), 

9. Lucia {JüUi} Schultheiß in? unten Nr. XKV. 17. P^aim 89,4. 17—19. Psaim 85^, 



I 



48 XUL Eine MmO» Bdnrester. ZX. WiUi von Koartans. XXL Gertrat yoü Wiatartm. 

also begert sj tBr inneklich das sy in dem kor wer by dem cofent, und &e 
begird kert sy ze ünserm heren« Und do sy in disiss^jem iamer lag, do sadi 
sy ainen wölken ob ir, und in dem ain minenkliches Undli, als es erst gebora 
wer; das kert sieb gar zarüicb umb und umb, bot ir die bendly und die fUi 
5 und lies sy sin zartes libli recht wo! durch scho wen und sprach zA ir: ^Do, mm 
schow mich und nüss mich nach aller diner begird.' Und hie yon wart sy gar 
inneklich getrost 

fxxj Yon der salgen S- Willi Yon Kostentz. 

Wir hatend och ain s&lge Schwester, hies Schwester Willi von Eostenx, 

10 und kam in dis kloster, do sy m jar alt was. Dis s&Iig mensch hat fll togol 
und balliger Übung. Aber sunderlich erzaiget sy das Got als süsseklich in im 
hertzen woneti, damit das sy als gern und begirlich von im rett und och bort 
reden; und das sy denn also gebort, das behftb sy untz das sy uns ain schta 
bikch gemachet. Sy was och gar eilend, das sy wenig trostes hat von iemeni 

15 Ir wandel was och als senft und als ballig. Und do sy an ir alter kam und 
von krankhait in dem siech hus lag, so was ir als not wie sy enbiss, und Ott 
denn in den refentar und satzt sich nebent die leserin und loset begirlich dem 
Götz wort. Und do ir von allter an dem sinn abgieng, do bat sy doch Got also 
in sich gezogen das sy des nit vergass, und so sy ander ding nit yerslftnd: so 

20 man denn von Got ret, das markt sy und hftb sich hin zft und loset begirlich. 
Und so man sy fragt etwas von im, so antwurt sy gar sdsseklich. Und so sj 
kum ret, so man denn Ihesus sprach, so naig sy andächtiklich. Sy laid fse^j odi 
als gar grossen schmächen siechtagen gar gedulteklich, und vor irem tod kurtz- 
lich in der nacht do sprach sy zfl ainer Schwester: 'Hie gat ain als hüpsches 

25 kindli.' Und die Schwester erwachet, und do sach sy ob ir bet ain liecht schinen 
als ain schöner stem. Sy mocht aber des kindlis nit gesechen. Und darnaeh 
do sprach ain scbwester zfl ir: 'Schwester Willi, was unser her üt hübsch, do 
er by dir was?' Do wolt sy ir nut sagen, won das sy gar minenklich sprach: 
'Er was lütsälig, war er ie kam.' Und dar nach schied sy säliklich von dir weit. 

80 ixxij Von der salgen S Gertrnten yon Wintertiip. 

Wir hattend och ain tugendhafli sälge Schwester, hies Schwester Gertrat 
von Wintertur, die was als gar erbarmhertzig über arm lüt das sy recht was 
genamt ain mfltter der [56f>j armen und ain sunderlich fründ ünsers heren 



9, [W]ir unvoäUändig in S[y] korr. (r.) G. 22. vor ret üi redö ffCBir. (r.) 6, 

23. als gutr, (r.) O. 28. won Ins gar: diese vier Warte am Band nachgetr, O. 31. [W]ir 

umfoUstöndig in 8\j] korr. (r.) O, 



8. Sie iit bereue erwähnt aie VertrauU der Anna von KUngnau, Nr. XL SO. woMeim 

Bürgerin der NaMarstadt Wmterthur. 



XXI. Gertmt von Wintertur. 



SXI*. Ebbet von Jeetettea. 



49 



fründen. Und was ir ward gegeben, das gab sy ales gantzlich von ir den armen, 
das uns dik dank das ir ir notdurFt gebrest, Sj dunkt sich selber unwirdig 
das sy den armen frftlich gab. Sy dunkt och das es ir ain grosse uner wer 
gewesen, ob man ünt nach irem tod hinder ir fund. Sy hat also gar fil sunder- 
licher tugent an ir das es zelang wurd zeschribent* Sunderlich so hat sy das 5 
Gloria patri in als grosser er: wa sy och in dem kloster was, so sy es las alt 
hört lesen^ so na ig sy, 

Sy sach och dik gar schön und wunderhch gesiebten* Sunderlich ze ainem 
mal an dem stillen fritag do las sy den salter mit dem corent, und giengeot ir 
die ogen zH licht kum ains Ave Maria lang, und do dunkt sy wie /57a/ ain 10 
langer zierer herr das refetar uf gieng, und was im aller sin üb foll wunnden, 
und was allen berunnen mit blüt, und was das gar ain erbärmklich gesiebt Und 
also gieng er hin uff ston für die schwestren die den psalter in der gemaind 
lasent, und sprach gar senfteklich: *Mit disem gebet werdenl mir min wunden 
gehailet.^ Aber etlich schwestren lasent nit mit der gemaind: gen den tit er nit 15 
dem gelich. Und do verstund sy wie Idblich im der gemaind gebet ist. 

Dise silig schwesler hat als sflsseklich gelebt das ain grosse klag zd ir 
begrebt was, und fand man wenig ünt hinder ir, do sy gestarb, won sy was 
mit den armen^ und davon ward sy vor Got richer denn ob sy ain künkrich 
zeselgret hetti gegeben. 20 

Das och der 

ixxi^j 8alge * S Eisbeten von Jesteten 

gehiigt nit vergessen werd /^57V, so schribent wir ain klain, daby man erkennen 
mag wie rain ir leben was, won die die bi iren ziten waren t, sachent wol wie 
manigfaltig sy sich übt, wie grossen fliss und min sy hat zö dem cofent und zü 25 
dem orden, also das der kor und aller der cofent von ir gerichtet ward. Ain 
Schwester sach sy sunderlich ainest, das ir lib erlüchtet was, das sy wond sy 
brunn; aber sy verstund schier das es ir von gnaden was* 

2. vna am H4ind wi diu seh weiteren korr. (r.^ mü Vcrweiming^zeicheti) 0, 2, dank #o G, 

4. "fil " gar 0. G. die laieinischtn ^Vorte nicfU ausgezeichnet (K 6. ocli mit Zeichm 

am Rand nachgetr. G. 6, Mer siund zuerst, jtUt (si£f. und r.) gUilgii kor we, 10. die 

iaUinisühen WorU nicht ausgezeichnet G. IL cor herr^ (r,) durchstrichtni mä. 12. allen 

MO {fnundartlich} G {Ü)^ aW N. 12. vor gar, (r.) dvrchitridieu: als. 23. £Elgö to G^ 

22. D^ Name steht ohne Jhsat9 und kdiglich r. untergtrichen im Texte^ hezm, von J. gehiigt am 
Rande Ü. 24. Das erste die au» dir {in der Vorlage wir?) korr, (*i^,) ö. 27, "aine«t" 

runderlicb G- 



22. von Jettetten nannte sich ein früh antgestorhenes Geschlecht zu EÜrich^ das avs Jestetten 
im Ktetlgau dorthin^ sowie nach Schaff hausen und EgHsau gelangte. Bemhart von Jestetten stund im 
Sempacherkrieg gegen die Eidgenouen; Dorothea war 14S2 ÄUi9mn vu S^iennis. Leu^ ffelv. Z««. 
Deiitache Tejte d«s MltteMtere VL 4 



50 XXII. Adelheit yon Franenberg. 

[xxu] Yon der salgenS- Adelhait Yon Frowenberg. 

Nemo potest venire ad me, nisi patter, qui misit me, traxerit eum: 
Niement mag kumen zfl mir^ er werd denn gezogen von minem himelschlichen 
vatter. Dise wort mag man aigen/^^«/lich verston und merken an der silga 
5 alten Schwester Adelhait von Frowenberg, und ofFenlich merken mit welen 
simderlichen gnaden der himelschlich vatter in ir hat gewürket, und wie er sj 
im selber ewiklich hat usserwelt, und wie mineklich er sy gezogen hat durdi 
sinen aingeborenen sun von iren kintlichen tagen. 

Dise sälig Schwester Adelhait von Frowenberg was aines fryen herrai 

10 tochter, und nach der weit gewonhait do gabent sy ir fründ ainem edlen hemn, 
bi dem ir wirdikait gross und manigfaltig was. Doch lies unser herr sin werk 
nit, das er in ir so lieplich wiirkt, und gab ir die gnad, wie fil sy wirdikait hat, 
das sy damit alwegent ain bitterkalt und ain bestrafung hat, und [58^] das ir 
hertz alwegent nach dem ainigen g&t ainen statten jamer trftg, also das st 

15 niemer gelies under tag ald nacht sy Hati Got von gantzem hertzen das er ir 
von der weit hulf; mficft es anders nit sin, das er über sy verhängte das sj 
usssetzig wurd, das sy och also von der weit kem. Und wie das sy unser herr 
ur begurd nit bald ge werte, do lies sy doch nit darumb ab sy übt sich angebet! 
und an manigfaltigen tugenden. Von dem das sy xiiii jar alt was, do las sy alle 

20 tag ünsers heren v min zaichen, ieklicher wunden l pater noster vor imbis, 
und so sy dis gebet vor imbis nit mocht getfln, so was sy das mal un die best» 
trachten ze ainer bftss. 

Sy übt sich och an grosser demütikait und an den werken der [59»j erbarm- 
hertzikait mit grosser minender begird. Sunderlich do hat sy sich aines menschen 

25 angenomen, der was als ungestalt das man in zech er wer feltzieeh, und dem 
tett sy al sölich dienst die im sin aigni mütter nit wolt tun. Und diser mensch 
was als gar ungestalt das er menklichem widerstund zesechen, und den handlet 
sy als gar emtzklich nach siner gird das ir die hend etwenn grülich unrain 
wurdent, und was ir doch von grosser gird als lustig das sy recht dankt wie 

80 sy mit Got umbgieng, und was das davon, won unser herr ir dik in dem bild 
sölicher lüt erschinen ist. 

Und do sy sich alsus in sölicher tugent so manigfaltiklich übt, do wolt sy 
unser herr im selber noch nächer ziechen und ir begird erfüllen, und verhangt 
das ir wirtt [59^] starb. Und doch do wolt sy unser herr versuchen und beweren, 

36 und wolt ir begird nit follbringen un sunderlich liden, won ir fründ die woltend 
sy mit rechter krafl han bezwungen das sy ainen andren edlen lutsäligen herren 

1. Vchthilt N, 15. bäte korr, in bati O. 17. sy (vor unser) am Rand nachgetr. 0. 

29. korr, Inftlich, dann lieh wieder gestr. Q. 34. doch so G. 

1. Frauenberg: der Name fehU bei Leu. 



XXII« Adelheit yon Fraaanberg, 



Öl 



hetti genomen. Und von der emsigen bet wegen ir fründ und von den üblichen 
gnaden so an dem Herren was, und das och unser herr wolt das sj strit, do 
wart sy als fast angefochten, e das sy sich überwunnd, das ir gar we geschach, 
und doch so half ir die götlich gnad das sy sich der weit gar verwag. Nun 
was ain gar gftte schwester in der stat ze Wintertur, die bat gar ernstlich für 6 
sy, das ir Got her in hulf. Und des tags do man sy anlait, do dunkt sy wie 
ain schöner stem von dem himel {60^j sich uff ünsem altar nieder lies. Und 
hie von wundret sich die schwester und kam her: do fand sy sy vor dem altar 
liegen. 

Wie hatliklich sy lebt von der stund untz an iren tod^ da von wer fil 10 
zesagent. Sunderlich do was sy als gar demütig das es zewundrent was* Sy 
hat och sunderlich flis das sy sich nit fil bekümret joch mit irem aignen kind, 
das sy hie inn hat: so das etwenn sin novizenmaistri schlftg fil übel, so gesprach 
sy niemer wort, und geschach ir doch gar we etwenn davon, Sy hielt den ordon 
flissklich als fil sy kund oder mocht. In dem kor was sj Qisseklich, und so man 15 
ir die vers ze den ziten schraib oder was sy singen solt, das folbraeht sy txiit 
groser begird, und hat ain stite gewonhait, das sy [Sö^j in der meti vor dem 
lecchtor sass und zunt als der minsten kinden ains. Sy gieng och gar flisseklich 
ze refentar mit krankem üb* Und was sälten kain ding so klain^ das die gemaind 
nit hat, das sy des iemer welti versuchen. Sy fastet och gar flisseklich, und so sy 20 
joch etwenn von krankhait kum moch gon, Ze gemainen werk was sy fil nach 
al wegen t die erst, und Span denn als gar emsklich das ir sich dik die finger 
erhM)ent, Und wie fil sy über das gemain wuchenwerk span, das gab sy doch 
alles ze wuchenwerk* So sy och etwenn als fast turst das ir ir hertz in 
irem lib möcht getorret sin, so woU sy doch nit ze unrechter zit trinken* So 25 
man über tisch solt gon und sy denn als übel fror, so sties sy ir füss in haisse 
eschen, das sy ir bald warm wurdint /^^y, das sy sich nil ze tisch sumte. Was 
sy kund ald mocht getftn in der gemaind ald kainer schwester sunderlich, wie 
schmäch och das werk was^ so erbot sy sich doch demütiklich, begirlich und 
frfilich darzft. Und sunderlich tet sy ainer armen schwester gütlich, die den 30 
andren widerzem was, und tet ir sunderlich etlich dienst die ir niement tun 
woU, und geschach ir doch dik als we davon das ain grosse bewegt in ir 
ward. Sy hat och ain stäte gewonhait, das sy nach meti wachet an irem gebet* 
Was sy von usswendiger Übung mocht getUn, das tet sy als flisklich das man 
wol mocht merken das sy üblichem gemach gar hat wider sait* Und davon 35 

3, "faät" ab 0. 5. Bchwester groß gudiriehen und (r.) unierUrkhen G. 6, ber geiiigt 

(rO und zu in am Rande dz kloBter n&chgetr. G. 7. i^n£emgeti^i und den dttfubergefchr. (r.) G. 

7. nieder $o G. B, wundret korr. (r.) am wundretet G. 8. schweiter korr, [r,) um 

fchweftren G, 8, -zu her am Rand nachgeir, (r-, mü Vtrweitunfftteichm)i zn to£f. 9. Hegen 
*o Qf, 13, hio inn: hier krnne naehträgiicht Änderung 0. 21* moch «o Q\ vgl u, fi$,l2. 

24, och am Rand (sw., mit Verweieungiteichen) nachgetr. 0. 28, kainer ergänzt (r,) m 

dekainer ö. 32. "als we" dik Ö. 

4* 



52 XXn. Adelheit von Fraaenberg. 

ward sy wirdig [61^] das unser herr ir hertz enbrant inwendig mit snnderlicher 
hitziger begird. 

Sunderlich do hat sy alwegent grosse min und andacht zA ünsers harren 
kinthait, und erholt sich unser frowen dik and&chteklich, das sy ir möchte zfl hilf 

5 sin kumen, irem ainigem lieb. Sy begert mit hertzlicher minender begird das 
aller ir Hb gemartret wurd dem süssen kindli ze dienst: sy begert das ir ir but 
wurd abgezogen ünserm herren zA ainer windlen, ir adren ze fedemly im zft 
ainem rAkli, und begert das ir marg gebülfret wurd im zA ainem mflslin, und 
begert das ir blAt vergossen wurd im zA ainem bädli, und ir gebain yerbrennet 

10 wurd im zA ainem für, und begert das ir flaiseh alles verschwanet [62^] wurdi 
für alle sünder, und gewan denn ainen hertzlichen jamer, das ir ain tröpfli wer 
worden von der milch, so unser frowen enpfiel, do sy unsem herren sogt. 

Wie manigfaltiklich sy sich Abt an balligem leben und an hochen tugenden, 
davon wer fil ze sagen. Aber sunderlich so hat sy iii edel tugend an ir, mit 

15 den sy ussgenomenlich lucht und in den sy wirdig ward und och behielt alle die 
gnad die Got in ir wurkt: das was emsige ainikait, folkumne gedultikait und 
wäre demütikait. 

Do nun das zit begund nachen das sy unser herr schier von diser weit woH 
nemen, do wolt er sy och sunderlich beraitten und noch höcher gnad mit ir 

20 wurken, und verhangt das sy wol ain halb jar vor irem tod [62^] an etica lag 
mit als grossem ser das es wunder was. Und dis arbait laid sy als andächtik- 
lich und als frAlich das es Got alain in ir wurken mAst. Und wie we ir was, so 
gebaret sy doch gar gAtlich gegen den schwestren und lobt Got umb iekliches ser 
sunderlich, und das sy ünt solt liden siner marter zelob. Und do sy in disem 

25 siech tagen als gedultiklich lag, do erschan ir der bös nider aller gfttter werken 
in ainem bild ainer Schwester und sprach: 'Du bist als gedultig und sprichest 
als: "Herr, gib mir me!" Er git dir das dir Got ergas. Du soltest dich übel 
gehan und Got an schrigen, das er dir bas gebe.' Und do verstund sy sich [63*] 
schier das es ain unrechte Schwester was, und sprach: 'Fluch, du bSsses fustAch! 

30 Ich will minen willen gen in Gottes willen. Won du dich nit in Gottes willen 
woltest naigen, darum mAst du siner angesicht enberen ewiklich', und wolt in 



12. vnfer ohne ü-Zeichen G. 19. bekaitten Q. 23. "gÄtlich" gar G, 

26. fchwfter G. 28. vnd bis fchrigen zwischen den Zeilen nachgetragen G. 29. bisses: 

Nachahmung einer fremden Mundart? 

29. Diese Verwünschung {^ arger Wischlappen^) ist wohl zugleich eine Anspielung auf das Fufi- 
tuchy mit dem Heinrich der Seuse einst von seiner Zelle aus einen mutwilligen Hund im Kreuzgang 
hat spielen sehen und das er als Vorbedeutung seines Leidens sich aufgehoben (Denificj Seuse I, 84): 
es kommt auch in einem Briefe an BUsbet Stagel vor, der er es einst als Sinnbild der Oottergd>enheit 
hat schicken wollen (Briefbuch, hgg. von Preger Nr. III, S. 32), sowie in einem andern an eine 
Dritte gerichteten (ebd, Nr. II, Ä 27-, Mystikerpaar 62). 



XXn, Adelheit von Franenberg* 



53 



do mit ainem stab geschlagen ban. Do wuchs er vor ir angesichtf unlz er fii 
nach an die tili schlug, und verschwand und lies ain michel hüwlen und nichlen 
hmder im uss. 

Und darnach kurtzlich vor irera tod do gab ir unser herr ain sunderliches 
unmäsiges liden^ won er och mit sunderlichen gnaden zft ir wolt kumen. Und 5 
dis liden was ain als starkes ungewonliches gesucht das alle ire gelider davon 
zerschütet /55*/ wurdent, und das aller ir lib für als sy uss dem bet wÖlt fallen, 
und weret das von non untz ze vesper. Und dis lait sy in sölicher geduUikail, 
wenn sy by ir selber was, des sy es alwegent ünserm herren zelob uff trüg siner 
hailigen marter» 10 

Und dir selben nacht do was ir als gar we das ir zwo schwestren wachetend, 
und also gelag sj ain wil gar still und sprach do gar andächteklich: '0 frow 
aller der weit küngini himelrichs und erlrichsr und sprach do gar inneklich: 
'Gern, frow, gern*, und sprach do aber mit ainer sennlichen stim: *0 wie was 
das so kurtz!' und wainet do gar inneklich, und do sy die schwestren fraglent IS 
ob ir als we wer, do sprach sy: 'Gond von mir {64<^} durch Got: ich bedarf üwer 
nütz nit.* Und sy naigtent sich als sy schliefind, vor ir nider, und darnach über 
ain gute wil do rieht sy sich uff und hat ir hend andichtiklich und begirlich uff, 
und tett recht als ain mensch der sich hertzlich gegen ainem ding fröwet, und 
lait do ir armen gar zärtlich über ain andren, und trukt sy gar mineklich und 20 
begirlich an ir hertz recht als ain mensch der mit MI icher gird den andren an 
sin hertz truket* Und do sy das ain gut wil getraib, do sprach sy inneklich: 
'Mineklicher her min, zerris mir hend und Mss, hobt und hertz und alle mine 
gelider!* Und dar nach über ain wil do wainet sy als gar hertz/^4fiyklich als ain 
mensch das von grossem jamer wainet, und tet recht als sy schrigen weit, und 25 
do dis ain gtt wil geweret, do sprach sy zu den ii schwestren gar götlich und 
frölich: *Kind, schlaff end und sind min unsorg*' 

Und darnach do ging der schwestren aine zli ir, die was Ir alwegen sunder- 
lich hold, und die ermanet sy gfltlicher lleby, das sy ir saiti was ir beschechen 
wir, und sait ir die wort die sy gehört hat Und hie von ward sy gar betrübt 90 
und wolt ir es gern han versait, und gelobet ir sy wolt ir gegen Got zft gut tÄn 
alles das sy möcht, und nach langer red, e sy es ir sagen wolt, do gab ir die 
Schwester ir trüw ß5^} das sy es by ir leben niemen sagen wölti. Und also 
sprach sy do als ain mensch das sich von fröden nit me enthalten mag: 'Was 
wilt du me? unser her und unser frow warent hie!* Und die Schwester fragt 35 
wie sy ir erschinent. Do sprach sy: 'llnser frow was by mir e unser her, und 
trost mich gar gütlich und sprach: *'Gehab dich wol; ich und min kind wend din 
ewiger Ion sin; du mtlst aber noch fil liden/' Und davon sprach ich: "Gern, 
frow, gern!'* Do sach ich ir nit me, und do sprach ich: "Owe, wie was das so 
kurtz!"' und wainet do. Und do frag sy sy wie sy ünsem her^ sech. Do sprach 40 



5. gadeix Q. 



IL Vn ohne Zeidim ß. 



17. fchli^fin 0. 



40. frag $0 0- 



54 XXIL Afltolhoit toh Fnmnherg, 

sj gar kleglich: *Wie ich den sach, das kamt von minem herts^i niemer*, und 
wainet md sinacli: 'Ich sach in an dem crütz mit blfltinden wunden, und 
flchwdit [65^J ob mir emiten ob dem bett, und stund unser firow by im and Int 
ataien arm über das crütz gelait, und lies sich unser her ab dem crütz und 

5 umfleug mich gar lieplich, und trukt mich gar gAtlich und lieplich an sin götliches 
hertZi und sprach gar sAseUich zu mir: ^Gehab dich wol, ich wil din ewig& km 
sin." Do sprach ich gar inneklich mit gedanken: ^^Owe, her, wenn?" Do spradi 
er gar mineklich: *'Du mftst noch me liden." Und davon sprach ich: ^'Her, 
zerriss mir hend und ffis, hertz und hobt und alle mine gelider: das wil ich gen 

10 lidenl" Und do hüb sich unser her wider uff und warent im alle sine wunden 
▼erhallet, und sprach zu mir: '^Sich, du hast mir alle min wunden verhailet fee*] 
mit dinen min brechen, die du dik hast gelon von erbärmd miner mart» und 
mit dmer gedultikait, das du din arbait als frAlich und als gedultiklich lidest 
miner marter ze lob." Und do sach ich sin nit me.' Und die Schwester fragt 

15 ob die wil unser firow da wer. Do sprach sy: *Das kau ich dir nit gesagen, wqd 
min min ward zu Got als gros, und ward mm hertz und min gemüt mit sölichen 
ttMea durchgossen: der zu der zit tussent schwert durch mich hei gescUagen, 
ich het mn nit enpfunden. Do ich aber ünsem heren nit me sach, do sach ich 
unser flrowen, die was als gar schAn beklaidet und was als mineklich anzesecheo 

90 und als zartlu^ und als gütlich geschaffen das [66^J alle zungen da von foleklidi 
nit kündint gesagen. Und den mantel den sy umb trug, den zertett sy und lies 
mich ainen himelbrwen rok sechen, den sy an hat, und sprach: ^^Sich, den rok 
trag ich von dir, das du dinem cofent als getrülich werketest", und sprach do 
gar lieplich: ^'Won du mir min kind als gar getrüwlich hast hülfen züchen, so 

26 wil ich din begird erfüllen und wil dich trenken mit der milch mit der ich min 
hailig trut kind sogt", und gab mir ir rainen zarten brüst in minen mund. Und 
do sach ich ir nit me. Und do mir dise unsäglich sAssikait enzogen ward, do 
ward min jamer also gross das ich do also fast ward wainen.' 

Und do fragt sy die Schwester was unser frow mainte, das sy sprach: *Won 

80 du mir min kind als getrüwlich hast hülfen züchen.* Do sait f67*j sy ir die 
begird die sy zu ünsers heren kinthait hat, als da vor geschrieben ist, und das 
ir das so genem was. Und do sy dis gesait, do was ir hertz als gar gesterkt 
von der grossen gnad, und was als foU fröden und sdssikait das sy sprach: 
^Blich dunkt ich gieng wol war ich wAlt', und was ir sei als durchgossen mit 

85 götlichem trost das sy sprach: *BIir ist alle die weit in minem hertzen als un 
mist, und sässe min ainiger sun for mir, den ich gar lieb hat, und alle die firünd 
die ich ie gewan, ich kerte nit min og dar, das ich sy s&ch.' 



8. her, mtir VerseUfunffiseidien, am Rand naehgetr. G. 21. trug 90 O. 21. sertett, 

das T nachirägUch eingesehobem Q, 32. ''dz" ir G, 36. for mir am Rand mit Ver- 

weinrngiseiehen nw^etragen Q, 



XXnL Sophia von Klmgoau« 



56 



Nach dir gnad lebt sj fü nach vi wtichen in frAden und in irost. Etwenn 
ward ir jaraer och als gar gros das sy gar hertilich wainet- Und also schied 
sj (67^ säUklich von diser weit mit ainem hailigen end. 



fXJiw Von der salgen S Sophya Ton Elingenow. 

Wir hatend och ain haüige gftte Schwester, hies Schwester Sophya von 5 
Klingenowe. Die kam in Iren jungen tagen in dis kloster, und do sy erst in 
dis kloster katn^ do fieng unser herr bald mit ir an mit sunderlicher gnad würken» 
und wurkt mit ir ussgenomenlich süsseklich untz an ir end. Aber wie wir des 
nit gantzlich kunend wissen, doch wend wir etwas davon sagen. Do sy des 
ersten von der weit in dis kloster kam, do gab ir unser her die gnad das sy 10 
grosse erkannt nus hat gegen ir selbs gebresten, und das sy mit bitterkait und 
mit serigem hertzen emseklich ßS'^J moch gedenken und betrachten und och 
wainen ir sünd und das verloren zit das sy in der weit uppiklich vertriben liat, 
und fett ir das als we und gieng ir das als nach zu hertzen das sy das darnach 
Terjach etlichen schwestren^ die ir haimlich warend, das sy das jar alles vertraib, 15 
also das sy enkaines andren dinges gelust noch enkainer kurtzwil begert, won 
das sy an ir ainikait wer und bitterlich wainety, und was ir hertz alle zit als 
beweglich ze wainen, so sy joch by den schwestren mftst sin in dem kor ald in 
dem werkhus oder anderswa, das sy sich nit enthalten mocht, wte laid es ir 
iemer was, sy milste wainen. Und das bezugtend och die schwestren die in 20 
dem kor by ir stündent, das [68^J sy als genuchtsamklich wainet das sy fil 
wmider dik sachend, so sy naig, das ir die trechen uff die erd enpfielend. 

Do sy das jar mit als großer bitterkait vertriben hat, was trostes sy do von 
Got enpfieng, davon sait sy entlich niemen nüt, e sy an dem tod lag und schier 
sterben wolt. Do kam ain Schwester zft ir, der sy lang sunderlicb haimlich und 25 
hold was gesin, und die och dik an ir befunden hat das sy von Got getröstlet 
was, und bat sy fliseklich das sy ir durch Gott saite wie der trost wer den sy 
Ton Got enpfangen hat Und des antwnirt sy ir und sprach: 'Wiste ich das es 
Gottes will wer, so saite ich dir wol etwas. Nun enwaiss ich des nit: davon 
mag ich dir (69aj ietz mit gesagen, Kum nun schier her wider; was denn Gottes 30 
will ist, das sag ich dir.' Also gieng die Schwester von ir und haltet untz das 
man complet gesang und recht nacht wart, und kam aber do zd ir und fraget 



5. [W]ir tnuN^lfil in Stj] Jbofr. (n) G. 6. KliDgenowe: dta Schluß-Q getilgt (r,) O, du 

hmdm Namen hier ohne jede Hervürhdhung 0^ 6. 7. 10. dis m das Jtorr, (r.) G. 12. mocli; 

ein t erst nacMr. (p,) zugeim^ vgl S. ^,2; 5t,2l\ 57J5[ 59,36 {auch 34,26-, 53,40*, €1,20). 
20. w^tTte Q. 21, feh. "in dem kor" di« b. i. 0; die VergeUvng v<m in dem kor könnte <xueh 

90 gemeint #ein, daß ee hinter ir eu »etsen wäre. 



56 XXm. Soplik Yon KKiigiMHi 

sy wes sy aeli mit Got beraten hetü. Do sprach sy: ^Richte mich uff nnd g3> 
mir Wasser in den mnnd, das ich reden mug: so sag ich dir das da gen 
hArest' Do das geschach, do hftb sy an zesagen nnd si»ach: *In dem andren 
jar nach dem do ich gehorsami geton hat, ze dem hohzit der haiigen winkten, 

5 do yerainet ich aines tages nach der meii in dem k(^, and gi^ng hinder des 
altar, nnd lait mich do an ain veni, and wolt sprechen min gel>ett nach [&^] 
miner gewonhait Und in dem gebett do kam mir zesinn min altes l^ien, vrie 
fil nnd wie lang zit ich in der weit appiklich vertriben hat Und sundariicfa do 
begand ich betrachten and wegen die nntruw die ich Got da mit erzaiget hat 

10 das ich des edlen and des wirdigen Schatzes miner edlen sei, dorch die er an 
liailges biftt vergos an dem crütz and die er mir in so grossen tniwen befoldieD 
hat, das ich der so ungAtlich gepflegen hat, and das ich sy mit so menig^ sund 
and untagent entrainet and vermasget hat, also das sy angefellelich mid wid^zem 
mikste sin sinen gAtlichen ogen, die im e so wol gefiel. Und von disen gedenken 

15 kam ich in als grosse ruw das min hertz foU ward bitters and nn^wonliches 
/70a/ seres, and wüch^ das ser als fast an mir das mich duncht das ich aines 
liplichen seres and schmertzen befunde, recht als min hertz ain lipliche wanden 
hetti. In disem schmertzen ruft ich mit klagenden sünftzen minen Got an und 
sprach: ^'We mir, we mir, das ich dich ie erzürnt, min Got! Möclite ich das 

20 erwenden, darum wAlte ich mir erwellen das ain grub hie vor minen ogen were, 
die gieng antz an das abgrund, and darin geschlagen were ain pfal, der uff 
gienge antz an den himel, das ich mich an den pfal iemer sölte winden untz an 
den jangsten tag: die arbait wAlte ich gern liden, darum das ich dich, minen Got, 
nie erzürnet het!" Do ich in disem willen und /7ö*7 in diser begird was gegen 

25 Got, do begund das ser und der schmertz der mir zehertzen was, als fast 
wachsen das mich des wolt dünken das ich mit nute das liden möcht, won das 
min hertz enzway müste brechen. Do gedacht ich: Stand uflf und sich was Got 
mit dir tun well. Und do ich uflf gestund, do was der schmertz als gross und 
die überkrafl des seres also das mir alle lipliche kraft und aller sinn engieng, 

30 und fiel mines ungewaltes nider und kam in unmacht, das ich weder sach noch 
enhort noch sprechen raocht. Und do ich als lang gelag als Got wolt, do kam 
ich wider und stund uflf; aber zehand do ich uf gestund, do gebrast mir und 
fiel aber in unmacht, und also geschach mir /7i«/ aber zft dem driten mal. 
Und do ich do zA mir seber kam, do begund ich sorgen, ob ich an der stat 

35 dekain wil belib, das die schwestren über mich kement und inen wurdint wie 
mir gesehen was. Und darum begert ich von unserm heren das er mir so fil 
kraft gab das ich möchte komen etwa an ain haimliche stat, da min niement 



5. /.: V. ich mich? (so Ü). 11. vor in ist als gestr, (r.) G. 13. vng. vn, die zwei 

Worte am Rand naehgetr. G, 16. wuch G, 17. fchwertzen G. 20. ogö am Rand 

nachgetr, G, 26. wachen G. 34. feber so G {ma.? wie heute zürch, sßb? vgl unten J8,57). 

36. gefcben so O. 36. ynferm ohne ü-Zeichen 0. 



XXIII. Bopilia von Klitigiiau. 



57 



innen wurdi, wie es mir Joch ergieng. Und also stUnd ich uff, und mit grossen 
arbaiten kam ich für den altar und gestund do und sprach zA ünsertn heren: 
^*0 her min 6ot, nun bete ich dich gern gnaden: nun erkenn ich mich selber 
gantzlichen un wird ig aller der gnaden so du dekainer creatur uff ertrich tost, 
und achten mich selber unwirdiger und schmäeher vor dinen ogen denn ainen & 
wurm, der uff dem fTi^j ertrich schlichet, wen der erzürnt dich nies so han ich 
dich erzürnet über alle mass; davon getar ich nit gebitten, won das ich mich 
gantzlich ergib an din götlich erbärmd.'* Und do ich das gesprach, do naig ich 
und gieng für mich in der tormitar für min bet; do dunkt mich das ich aller 
haimlichest wer. Und do ich für das bet kam, do was ich als gar krank das lO 
ich gedacht: dir gebristet aber; du solt ain wil rüwen. Und also machet ich 
ain crütz vor mir und wolt mich legen rüwen und las den vers: In manus 
tuas. Und do ich den gelas, do sach ich das ain liecht kam von himelrich, 
das was unmass schön und wnnneklich, und umbgab mich das und durch lucht 
und durch glast mich allensamenl, und ward min hertz {72^/ rech geches ver- 15 
wanlet und erfület mit ainer unsäglicher und ungewonlicher fröd, also das ich 
gar und gantzlich vergass alles des wider möttes und seres das ich da vor ie 
gewan. Und in dem liecht und in den fröden do sach ich und enpfand das 
min gaist ufgenomen ward von dem hertzen, und ward gefürt ze dem mund 
hoch in den luft, und ward mir da gegeben das ich min sei lutterlich und aigen- 2a 
lieber sach mit gaistJicher gesiebt denn ich mit liplichen ogen ie kain ding geseche, 
und ward mir alle ir gestalt und ir gezierd und ir schonhait foUeklich erzaigt. 
Und was wunders ich an ir säch und erkante, das kündind alle menschen nit ze 
Worten bringen.' 

Und do manet sy die seh wester aller trüwen, und bat sy /72*7 mit allem 25 
ernst das sy ir saity wie die sei geschaffen wer. Do antwurt sy und sprach; 
'Die sei ist ain als gar gaistlich ding das man sy ze enkainen liplichen dingen 
aigenlich geliehen mag. Doch won du sin als ser begerest, so gib ich dir ain 
gelichnus, by der du ain wenig verston macht wie ir form und ir gestalt was. 
Sy was ain sinwel schönes und durch luchsendes liecht, gelich der sunnen, und 30 
was ainer goltfarwen röti, und was das selb liecht so gar unmas schön und 
wunnenklich das ich es zft nüti geliehen kan. Won werint alle sternen die an 
dem himel stond, als gross und als schön als die sunn, und glastind die alle 
in aini der glanlz aller möchte sich nit geliehen der schonhait die an miner 
sei was» und dunkt mich 173<'J das ain glantz von mir gieng der alle die weit 35 
erluchte, und ain wunnenklicher tag wurde über alles ertrich, und in disem 



3. bete #o O, 6. erzurt G. 9. der #o Gt mundartliche VeriDecAaiung von Nominaiie 

und Jfi^usativ*^ 15. alleiiramtöt {Btuemng um allenfamt) ö. 15» min G. 15. rech 

m G\ vgl moch S.61,2!; 55,12, 16. verwanlet to Ö. 28. begereet: das letzte © nacht-, 

oben eingefiiciä G. 30. Idehende« Q. 



58 XXIIL Sophia von Klingnmtt. 

Uechtf das min sei was, sach ich Got wunneklich lachten, als ain schdnes liecht 
lüehtet nsser ainer schAne lüchtenden lucernen, und sach das er sich als mine- 
klieh und als gAtlich zA miner sei (ftgt das er recht geainbart ward mit ir und 
sy mit im. Und in diser minenklichen ainbarung ward min sei gesichret joa 
5 Got das mir alle min sünd vergeben werind lutterlichi und das ich als rain und 
als lutter wer und als gar un all masen als sy was do ich uss dem toff kam. 
Und hie von ward min sei als hoches mAttes und als gar frAdenrich das sy dunkt 
das sy alle wunn und alle fir6d be/T^Vsessen het, und ob sy wunnsches gewalt 
hettii das sy doch nit me möcht noch kund noch vrfllte me wünschen. Und do 

10 min sei in diser frAd was, recht geches do sach ich das sich ain gaist uff hAb 
von der erd, und begund der zA mir nachen. Und ward mir ze erken^id geben 
das es ain sei was von den wisen, und hilf von mir weite begeren. Und do sy 
mir begund nachen, do bort ich das sy rAft ain klegliche stim und begert hilf 
und sprach zA mir: "Edli und wirdigi sei, bit Got fiir michl" Und dunkt mich 

15 das mich das ain klain wAlt iren. Do illt ich und bat minen Got das er mir 
den gaist abnem, das er mich an miner frAd nit ierte, und zehand do ensach 
noch enhort ich sin nit me. Damach do sach ich ds^ sich der himel uff tet 
ob mir, und das wunne/74«/klich gret von dem himel herab giengent untz an 
die stat da ich was, und hört da fil stimen baidi engel und haiigen, die rAftend 

20 von dem himel herab zA mir mit lutter stim und sprachent also: ^Gesach dich 
Got, hochgemAte sei, was dir Got gAtes hat geton und noch tAn wU!'* Und 
davon ward min sei aber do me erfüllet mit unzallicher frAd. Und do ich ietz 
in der besten und obresten firAd was, do begund sich min sei wider nider lassen, 
als Got wolt, und kam über den lib, da er vor dem bei lag als ain toder lich- 

25 nam, und ward ir frist gegeben das sy nit zehand wider in den lib kam, won 
das sy ob dem lib schwebet ain gAte wil, untz das sy sin ungestalt und ungetoni 
wol ge/74Vsach. Und do sy in recht wol geschowet, wie tÄdlich und wie jemer- 
lich er was und wie im hobt und hend und alle gelider tagend als ainem toden: 
do gefiel er ir gar übel und dunkt sy gar ungehür und schmäch. Und kert ir 

90 gesiebt bald von im wider an sich selber. Und do sy aber do sich selber an 
sach und sich als schAn und als edel und als wirdig fand weder den lib: do fAr 
sy ob im spilend mit sAUicher frAd und wolnust, die alle hertzen nit erdenken 
kündint Und do ir ietz aller b^st was und sich mit der obresten wolnust niettet 
ir selbs und Gotes, den sy mit ir geainbart sach: do kam sy wider in den lib, 

35 sy enwist wie. Und do sy wider zA dem lib kam, do ward sy diser frAlichen 
beschAwd nit berobet, won das sy noch do in dem lib [75aj wonend sich seber 

8. wnfiTches G. 18. gret van gleicher Band in eine viel weitere Lücke kineingeeckrieben; 

darüber als Erldänmg (r.): ald ft ||| rimen G. 33. das e von beft taUerjmnktiert ynd a 

diirüberffeickrieben (r.) G. 36. berobet: das o darübergeeckrieben G. 36. feber so G; 
vgl S. 56^34, 

20. 21. Gesach dich Got: vgl, Noikere kesah in got, Oraff IV^ 148: beatosl SekweieerietA 
Gse-Gott, 'Gott segne* (eig. 'sehe*). 



XXin. Sophia von KÜngnau. 



59 



und Got in ir als lulterlich und aigenlich schowet als do sy von dem Hb ver- 
zuckt was. Und die gnad weret vin tag an miri und do ich zum ersten wider 
kam, und ich innen ward das ain lebender gaist in mir was, do stund ich ufF 
und was der frÖdenrichest mensch, des mich donkt, der ie ward uff ertrich, Won 
ich achtel alle die fröd die alle menschen ie gewunnend ald iemer mugend ge* 5 
winnen untz an den jüngsten tag, als klain gegen miner fröd, als aines klainen 
müglis klewh ist gegen aller der weit. Und von der überflussi der unmässigen 
fr6d do was min Hb als licht und als schnell worden und als gar un allen 
bresten das ich die acht tag nie befand ob ich ainen lib hat, also das ich ie 
ka/7^Viner liplichen krankhait innen wurdi klain ald gross^ also das mich nie 10 
gehungret noch geturst noch Schlafes begert, und gieng doch ze tisch und zebett 
und ze kor, und gelichet mich do den andren, durch das min gnad verborgen wer, 
das ir niemen innen wurd. Und do ich die viii tag als wunneklich vertraib, 
do ward mir die gnad gezuket, das ich der gesiebt miner sei und Gottes in 
miner sei nit me hat, und do befand ich erst das ich ainen lib hat. Und 15 
darnach zehand do ich der gnaden berobet ward, do begund ich in mich selber 
gon, und begund betrachten wellich die gnad was die mir wider faren was, und 
wie unwirdig ich der was, und verhangt Got über mich das ich in ainen zwifel 
fiel, das ich mit nüti mocht geloben das Got ainem als sündigen menschen ie 
sflÜch I76<fj gnad getÄte, won das es von den bösen gaisten wer. Und hie von 20 
üel ich in also grose trürikait das ich gantzlich un alle frdd und un allen trost 
was, und wist minen kumer niement uff ertrich, und wolt och ich niement da von 
nit sagen, und also was ich lang in untrost und in grosser biterkait mines 
hertzen, untz das sich Got über mich wolt erbarmen. Do gefügt es sich das ich 
aines tages ze dem fenster kam, und do hört ich das ain usser mensch ret mit 26 
unser Schwester ainer, und sprach: "Wissent ir nit, was wunderlichen ding ist 
beschächen ünsrem wachter ze Wintertur? An ainer sunderlicher nacht, do er 
gewachet hat unlz vor tag, do begund er uff warten gegen dem himel, ob es 
tagen wölt, und sach ob dem /76'V kloster ain liecht uff gon, das was als gar 
schön und als wunnenklich das in dunkt das sin glantz über alles ertrich luchte SO 
und ainen schönen tag machete, und schwebt das lang ob dem kloster, aber fil 
hoch in dem lufl, und lies sich do wider nider uff das kloster, und sach er sin 
do nit me, und ist gross wunnder under den lütten was es mug sin/* Und do 
ich dis gehört, do ward min hertz recht erfület mit frflden, und sprach zt mir 
selber: "Gesach dich Got! do was dir doch fil recht." Und dise fröd entwaich 35 
mir dar nach nie, wenn ich mich verhaimlichen moch mit Got.' 

Irs hertzen süssikait marktend wir an menigen dingen wol So sy in dem 
werkhuss sass by dem cofenl, so sang sy dik gar süssi wflrtli von ünserm ^7*7 



23. "in vntroft" lang 0. 27, waehtero, dann n finm-punkiiert G. 27* Wintertar; 

tnr nachir. oh^n emgtftieki Q, 35. eutwaeh; i oben emg^ßlicki G. 36. moch io G\ 

t?gL Ä 57,J5. 37. wir unvoüstündig m ti korr, (r. und #»•) G, 



00 ZXm. Sophia von KliognML XXIV. MeehthiH Toa SteniL 

heren, und das bortent die schwestren denn gar begirlieh und gem. Wenn wj 
och fenfltrerin was, und so man denn Intt, so sprach sy von überoiteig« 
fSUi ires hertzen andacfat: 'Bait, lieber min her, ich kam bald.' Sy begert odi 
lang üt das sy Got befinden lies etwe fli unser frowen s^res. Und do sy se 

^ ainem mal an irem gebet was, do befiEmd sy recht geches aines als unmis^gen 
seres das sy dankt wie ir ain nagel geches darch ir herts geschlagen war, und 
ward ir als we das sy recht lat schre un anderlas, nnd mftst man sy in das 
siechhus tragen, und sorget man das sy wAIt sterben. Und do begert sy uns« 
heren, and do ir der priest er ünsem heren in den mand bot, do was ir als man 

10 ir bald den [77^] nagel ass dem hertzen zach, and an der selben stund was sj 
genesen, und doch sprach sy das sy sAliches seres befunden hetti das es mesoa 
mensch begeren sdlti. 

llan gab och ainest dem cofent ainer band ops, das sy gar gern ass, and 
des selben mals sass sy ze tisch nebent ainer Schwester, die hat ir niuswas getoo 

15 das sy betrflbet. Also gedacht sy: Du solt recht diser Schwester dis ops gen 
und solt ir mit danken das sy dich betrAbet hat. und do sy es der Schwester 
bot, do bot sy ir es wider, und do ward sy als fast mit angefochten, nnd nam 
es doch wider. Und do sy m den kor kam mit dem cofent mit dem tisch segen, 
do sach sy dfus unser her yon dem altar herab gieng wunneklich und scboD, 

SO und gieng ztk ir und umbfieng sy und trukt sy gar zärtlich I78*j an sin hertz, 
und danket ir das sy durch sin min der Schwester lieby hat erzaiget die sy tot 
betrübet hat 

Nach fil hocher gnaden die ir unser her hat geton, do schied sy mit auiem 
hailigen andächtigen tod hin zegot 



25 fxxivj Ton der sülgeii 8- Mächthilt Yon Stanz. 

Ecce relinquimus oronia et secuti summus te etc. Unser her sprichet: 
'Wer alle ding lat, der sol sy hundert falt wider nemen, und darzft das ewig 
leben.' Und dis ist ussgenomenlich bewert an der haiigen und alten sälgen 
Schwester Mechthildt von Stanz, die an allem irem geläss foUeklich erzaiget 

3. vor bald em (r. und sw.) durchstridienea fehler G, 16. mit mit Zeichen am Rand 

nachgeir. 0. 23. "geton" hat G. 26. famns Q, 29. dU Namen nickt au^ 

gtsseichnet 0. 29. (und 67,34) Mechthildt so O. 

25. Von Stans oder Stanz: 1) ein ausgeetorbenes OeechledU su Lueem {Wemi von Sians 
vermitteU 1348 eine Marktttreüigkeü zwischen üri und 8chwyz\ 2) das ausgestorbene Adebgeschlecht 
der Meier von Stans^ vielleicht Besitzer der Burg Stans (Hartmann von Stans 1331 Landammann und 
Bitter). Leu^ Helv, Lex.^ wo Mechthilt von Stans {bei Murer 365) zu dem zweiten dieser OeechledUer 
angeführt wird. Mechthilt ward nach ihrem Ableben in VeUheim und BOlach noch als HeOige verehrt 
und vielfach zu ihr gebetet (Greith, Mystik 456; B. Sulzer DKT 101 (21) W). 26—28. nach 

MaUh. 19,29; die Stelle ist (unvollrtän<üg) lateiniseh und deutsch ang^ührt in N. 



XXiy. Mecbthüt ?on Staus, 



61 



das ir sei allen trost diser weit hat versprochen, und darum begegnet ir och das 
ainig gftl, das Got selber ist, in als rilicber wis das in ir /7S*/ ward uff walten 
ain brunn des ewigen lebens. Do dis usserwelt mensch des ersten in dis kloster 
kara^ do hat sy niement sunderlichen der ir trostlich oder behulfen wer Und 
won sy als ain frölich hertz hat, do tet es ir gar we, und doch do kert sy es 5 
an den heren alles trostes, und begert das er sy trosty, und das tet er och 
folieklich, als hie nach ir hailig Übung geschriben stat. 

Wie haihklich und ordenlich sy lebt an allen dingen, von dem das sy in dis 
kloster kam untK uff ir end, davon wer gitt und lusHich ze hörend. Aber es ist 
unmuglich ze schribent, won wie man wol ain klain mag wissen von iren hailigen 10 
u SS wen ewigen Übungen, so kan doch niement wissen noch (79^j gesagen wie 
in brunsteklich ir hertz und ir gird alle zit in Got was bekert. Alles das sy 
in gehorsami tftn solt, darzü hat sy als grossen andacht das sy enkain sach des 
geieren mocht, Sy was och als emseklich in dem kor das man nicht kund ge- 
achten das sy ie zit versumte, sy leg denn zebetL Wenn man ze werk lut, so 15 
gieng sy bald uss dem kor in das werkhus, und so man erst lut, so gieng sy 
behendeklich wider in den kor. In dem refentar was sy emseklich, und so sy 
et wenn zegros überkrafl hat, so gieng sy ain mal ald zway in die siech Stuben, 
und so sy erst hat gessen, so gieng sy wider an ir haimlichi. Was man sy 
ingehorsami hies tön, das folbracht sy schnelleklich, won sy hat allen iren willen 20 
I79^j zemal in willige gehorsame genaigeL Sy was fU jar gesellin ze dem fenster, 
und so sy denn erst in den crützgang kam, so hat sy vergessen was sy gesechen 
ald gehört hat, und kert denn bald wider an ir ersten andacht. Sy was och als 
miltes hertzen: so sy ainen betrübten menschen sach, mit dem was sy betnlbt; 
mit dem getrösten was sy fro. Alle ir zit vertraib sy als gar mit Got das man 2^ 
sy selten iemer gesach by iement, als doch etwenn gut lüt tünd durch ain be- 
helfung ir selbs. Und wie sy von natur frölich was, so hat sy sich selber doch 
allso nber wunden das sy enkainer fröden diser weit begert* An dem firtag was 
sy stetiklich in dem kor, denn so sy in gehorsam! anderschwa was. Sy tet 
recht [sm} als das kind das siner mütter von zarten niemer gern uss der schoss 30 
kumet. 

Wenn sy nit zebett lag, so hat sy ain stete gewonhait untz an iren tod: 
das sy allwegent vor meti und vor prim uff stund, und wackt sy ir engel all- 
wegen ze disen zitten. Und so sy etwenn als krank was das sy von hertzen gern 
het gerüwet, so tet er ir als not das er sy recht stossen dar zu bracht das sy uff 35 
mftst ston, und gewan denn als grosse gnad das ir hertz recht inbrunstig ward. 
Sy nam alle tag cc venien und dar zft xsx starker venien an blossen 



3, 8. dis kl. vom Min, nicfu geändert G. IL Tlfw^Digeo G. 13. d^: dz; darüber 

(r.) e geschrieben G, Vgl 65^27. 14, wi am Hände nachgeir. Q. 20, folbrach; das t nocAlr. 
übergfichr. G, vgL 2ii 55^12. 2L redf^nfter N. 24. vor hertzö^ {sit. und r) durchsir.^ 

andacht O. 34* «twen am Randj ohne Vermeiminyszeichen^ nachgetr. \ Einschiehungssteäe unsicher. 



62 XXIY. MeehiUlt Ton 

knüwen. Etwe fll jar gieng sy in den kor ze der sit do sjr der engd waeU, 
und do begond sy der täffei ab dik erschreken in ab nian/90i|;!ger wis das sj 
do tor irem bett behub. Etwenn ramret er mid schweglet; etwenn tett er ab 
er das gewelb weit niderwerffen ald feilen. Sy kam och gar fll und 4ik nadi 
6 alle hochzit sonderlich nach complet in als gross andacht das sy lut ward waineo. 
Ainikait jond schwiglichy minet sy ¥on hertzen. Des iages so sy anaem 
heren enpfieng, und alle firitag den advent und die Ceisten schwug sy emseUidL 
Und wenn sy gesellinn was, so was sy es forhin lang, das sy denn ledig wu 
und das sy das zit zemal geschwigen möcht sin. Sy ftbt sich och emseUich an 

10 ünsers heren marter mit hitzigem ernst, und hat sin liden ir herts und kreft 
also durch gangen: wenn man ze tisch lass etwas von ünsers heren fSfj liden, 
so ward ir hertz als bewegt das sy für das nütz nit mocht essen, and kam in 
ain innekliches wainen, und kam yon überflissiger andacht als gar von ir selber 
das man sy darnach über etwe lang, so der cofent abkam, dennen mftsst fAien. 

15 Dis geschach ir dik yon unmässigem innbrünstigem ser das sy hat von ünsers 
heren marter, das sy nngewaltig ward aller irer kreft Und sunderlich in der 
martter wuchen so getorst sy selten iemer zu den schwestren kumen, won es 
geschach ir fll nach alle tag, und an dem stillen fritag, so sy zu dem crütz gieng, 
und wenn sy ünsem heren enpfleng, und gar dik nach cumplet, so mikst man 

ao sy mit kraft uss dem kor fftren, als sy fSi^j wer gefallen. Sy vergoss och als 
fll trechen von überflüssigen gnaden das sy ain tfich als gar durch f alt das man 
kum ains flngers brait truken fand, won das man es wol hety gewunden. Wenn 
sy ünsem heren enpfleng, so hat sy als fll gnaden und sflssikait das ir recht 
gebrast, und der Schwester die ir acht bat, der gab sy ain zaichen, so sy ir an 

25 ir hairoliche solt helfen, und belaib denn da untz ze non und ass denn ain fll 
klain und gesach des tags niemer mensch gern by ir, und was ir alle süssikait 
diser weit als bitter als ain wurmftt. Sy was och sunderlich zA ainen ostren als 
durch gössen mit gnaden das sy von der mitwuchen untz an den haiigen tag ze 
nacht nie geass noch getrank. 

80 Hie foUendet [82aj ir hailig Übung, und fachend an die ussgenomnen gnaden 
und wunder die der her der natur übernatürlich mit ir wurkt. 

Do dis rain usserwelt mensch erst her in was kumen und sy alle die weit 
hat gelon durch Got, als da vor geschriben stat, das trüg sy ünserm heren ab 
adelich uff und sprach mit inneklichem hertzen: 

85 *0 her min Got, nun han ich durch din liebe gelassen alle dise weit und 
alles das mir zelieb und zetrost möchte kumen; nun bit ich dich durch din gdt- 
liehe erbärmd und durch din unzallichen güti das du min trost wellist sin, won 
du waist wol das ich nienen trost uff ertrich han.' 

5. cnmplt Q. 8. goBellin O, 21. Dz ey am Rand ohne ZeMen nackgetr, G. 

27. "difer weit" Amkait O. 32. "menfch" vITerwelt Q. 32. her getOgt (r.) tuwi 

nach in dtarch Zeichen am Rand ds klolter beig^tigt O, 35. na G. 



XXIV. Mechthilt von Staus. 



63 



Und also bat sy ünsern {83^J heren mit gantzem ernst und mit emssiger 
begird und mit unsäglichen unraassigen trechen umb sin gnad. 

Und darnach kurtzlich an ainer nacht nach mety, do sy zb irem bett kam, 
do kam ain gar erbrer lütsäliger her und mit im ain michel her von herren, und 
trüg der heren ainer ain gross crütz, das was als lulter als ain kristall, und der 5 
sprach gar gütlich zA ir: 

'Schwester Mezzi, du solt dir nit fürchten: dir mag nütz geweren. Gang 
mir nach geturstiklich un alle forcht!' 

Und gieng do der selb her vor mit dem herlichen crülz in den kor, und gien- 
gend im die heren all nach gar schon und sungent gar andächttiklich das gesang 10 
das man an dem stilen fritag f83^/ singet, und gieng sy inen nach untz in den kor* 

Und do gieng der ain herr hin uff zu dem alltar und hftb das crütz uff gar 
hoch, und die andren heren sungent gar wunneklich und knüwetend ze ieklichem 
vers nider und nigent als man tut an dem stillen fritag. Und do ir hertz hie von 
in grossem wunder was, do sach sy uff und sach das sich unser her von dem IS 
himel herab liess an das crütz das der her trüg, recht als er och an der martter 
stund mit allen sinen zaichen, und sy stund ver von ünserm heren- Und unser 
her sach sy an mit ainer minenklichen angesicht und sprach gar gütlich zft ir: 

^Schwester, gelobest du, das ich gewarer Got und mensch bin?* 

Do sprach sy: 'Genad, f83f>j her, ich gelob es wol/ 80 

Do sprach unser her: *So gang herzu T 

Won der heren was als fil das sy nit hin zft mocht kumen, und do sy 
unser her hin zft hies gon, do wichend sy all untz das sy für ünsern heren kam. 

Und do stall sich unser her gar ernstlich und sprach zfl ir; ,Schwesler 
Mezzi, begerest du kaines trostes won min?' 25 

Do sprach syi *Genad, her, nain ich/ 

Do sprach unser her gar süseklich: *Sit du nun kaines trostes gerest denn 
minen, und allen andren trosl will Ion faren» so wil ich dich selber trösten und 
wil dich trösten mit minem hailigen lib und mit minem hailigen blüt und mit 
miner hailigen sei und mit miner hailigen gothait, und wil [84^} dir allen den 30 
trost gen den ich minen Üben jungern gab an dem grossen dunsttag, und solt 
wissen das ich diner sei und dines libs selb pflegen wih Ich han ntement so 
Heb denn ich diu getrüwe won mir selber alain» und solt das wissen das dir 
tnines trostes niemer sol gebresten; won was dich widerwertiges an gat, so ker 
nun in diu hertz: da findest du mich mit allem trost und mit allen froden, 35 
Min fil liebe und min vil sälige, du solt wissen das das himelrich din aigen ist, 
wenn du von diser weit schaidest. Ich gib dir minen ewigen segen** 

14, tille G, 24. vnfer ohne ü- Zeichen G. 25. 27. begerest und genad her (r,) 

unter Str. G. 29. troften hier so G, 36. mi am Rund mit Zeiche naehgttr. G. 

32. 33. *icA habe zu niemand eine iokhe Liebt in« ich sie dir zutraue, aii (ich iie) mir aliein 
{stäfnueff d, h. mir aUein traue ich eine »oiche Liebe *w, «c/e ich sie dir geg^ mich mtraue und 
mie ich Mie $omt gegen niemcmd hege? 



64 XXIY. Mechthilt Yon Stans. 

Und den enpfieng sy frölich und g&telich, und do für unser her von ir uff 
in den himel und fttrt ir hertz und ir sinn mit im [84^]^ das ir für des mal 
götlicher gnaden und bimelscber sennungen selten ie gebrast, won ir hertz das 
enbran als gar von der gegenwirtikait ünsers heren das sy nit kund genügen 

5 dar an das er ir sei und ir gemüt durch gössen hat mit siner gütlichen 
sdssikait: sy begert och von grund ires bertzen das er ir geh liplichen ze 
enpfinden etliches siner y minzaichen, das sy das ser durch sin liebi trAg 
und im sines lidens ain klain da mit dankete. 

Und do zft ainem mal ward an sant Katherinatag und sy och vor mely 

10 an irem gebet was, do ward sy verzuckt und gefürt in ainem schi£F über ain 
gar schAnes wasser, und kam do uff ain gar wites schAnes feld, das was recht 
foU der aller schAnesten wunneklich/^J«/esten bltUnen, und da sach sy gar fil 
lütsäliger und wuneklicher lütten, die hattend alle wisse klaider an und warent 
also frAlich geschaffen das sy grossen trost von inen entpfieng. Und do sy hin 

15 zA inen kam, do wichend sy ir gar wirdiklich und machetend ir ainen weg, das 
sy enzwischent inen hin gieng, und do sy allso emitten uiider in gieng, do bort 
sy ain süsse stim von dem himel, und die sprach gar zärtlich zft ir: ^Schwester 
Mechthilt, du solt wissen, das Got din begird erhAren wil, und als du begert 
hast das er dir geh siner zaichen etliches ze tragen, des wil er dich nun geweren. 

20 Und du solt sin zaichen zft dem bertzen enpfachen, und solt du das tragen durch 
sin liebi die wil du lebest.' Und [85^] alzehand do befand sy der wunden ser zft 
dem bertzen, und do hftb sy den schapren uff und Iftget: do sach sy und enpfand 
das ir hertz durch wundet was, und sach das die wund wol in der mass wit 
was als aines mans finger gross ist, und sach das sy als tieff was das ir die 

25 tieffi untz an den rügen gieng, und zwen rüns, ainen von wasser und ainen von 
blftt, davon fliessen. Und do gedacht sy: 'Ach, wie solt du dis iemer haimlich 
getragen ?' und bat ünsern heren gar inneklich das er ir die wunnden usswendig 
abnem und ir aber das ser zft dem hertz liessi: das wolt sy gern tragen. Und 
zehand do sy das begert, do knüwet ain engel vor ir und hat ain himelfarwes 

30 werkli in siner band und [86<*] lait ir es gar zärtlich in die wunden, und recht 
zehand do was die wund ussnen zeraal hail. Aber das scharf ser belaib ir untz 
an iren tod, und was aber ir ser und ir pin zft ainer zit fil grAsser denn zft der 
andren. 

Aber do zehand do sy wider zft ir selber kam und ir ser als gross was, do 

35 Iftget sy aber zft dem bertzen, und sach das die wund ussnen hail was, und sach 
aber die rünss des wassers und des blftttes, als es von irem bertzen gerunen 
was. Und do man meti lut und sy och wolt lesen, do was ir ser als unmdssig 
und als unvertragenlicb das es über alle ir kraft was. Und do sy sich nit me 

3. fenungen ö; vgl 8, 66,33, 11. "feld" schönes G, 15. wichtend, das n 

awradiert G. 28. hertz so G, 34. wider mü Zeichen am Rand nachgetr, G. 

36. wassers: d<u Schluß-s von anderer Hand zugesetzt. 



XXIV, MechtbiJt von Stans. 



65 



enthalten moht, do ge/^6*/prast ir von Überkraft, und schre als lul das der 
schwestren fil zft ir kam. und do wolt sy in nüt sagen^ won das sy sprach: 
'Mir ist als gar fast we!' Und do fürtend sy die schwestren an ir belt, won sy 
was Sclliklieh und hailikHch min wund: won Christus hat ir hertz enzundet in- 
brünsteklich mit sinem götlichen hertzen. Das mag man offenlich merken das 
sy wol mocht sprechen das, das man von dem hochen lerer Saot Äugusti^uis 
liset: Vulneraverat Caritas Christi cor meum: 

Die min Christi hat min hertz verwun^, 

und ich wird niemer me gesund 

e ich getrink von dem götlichen runst 10 

da die lebenden brunnen Qiessent 

und sich alle minende herlzen ergiessent 

die sich im alain gebent: 

den IS7^J git er hie fröd und der^ ewig leben. 

Und wie ir unser her ze der zit nit geh won das ain zaichen zu dem I5 
hertzen: do mocht es doch wol also gesehen von siner gnad und von über kraft 
des brinnenden seres das ir hertz trtg, das das uswiel und schliege in hend und 
in föss, das den och kreftteklich des seres und der min zaichen gegeben ward: 
won das sait man offenlieh das sy die v min zaichen helti, und dem warent 
ach ir geberd wol gelich, Ir gang was als j&merlich als sy zt iedem tritt 20 
sunderliches seres befunde. Sy mocht och kain kreflig werk mit den henden 
lün, und joch klaine ding; sy mocht nit ain schüschel getragen, und l^y mocht 
der hend och nit gebiegen, das sy die ßnger in die band laite. Och sait ain 
Schwester: do sy ze ainem mal die band uff hatt gegen der sunnen^ das sy ir 
durch die band sach* Sy verjach och selber grosses seres in henden und in 25 
füssen. Aber das ir die zaichen gegeben wurdent, als das zaichen zu dem 
hertzen, das sprach sy nit. Och ist es nit alain gelophch das ir hertz, hend und 
füss verwundet werint: es ist gar geloplich das alle ire gellder und ir kraft gar 
durch gangen und verseret werint, do sy befintlich innen ward wie scharpf- 
lich ir schfipfer und ir ainiges lieb durch sy verwundet ward. Das aber das 30 
durch schnident ser das ir hertz Irflg, ir alain da gegeben ward, das sol uieraen 
wenen [SS^^j; won der mit sinem götlichen hertzen ir hertz liplich verwunndet, 
der verwundet och ir gemüt galstlich mit der brinnenden hitz siner götlichen 
min, und ie grösser das liplich ser ires hertzen was, ie sterker und inbrinsliger 
was gaistlich die minnbewegung ires gemiltes, und also hat sy arn stetes in- 35 
fliesen in den Ursprung dannen sy geflossen was. 



L Biobt hier #o 0. 6. Aüguatin [ miaa am Schluß und Anfang der Zeäe 0. 7—14, die 
Zeilen nkht abgueut 0. 8. bat vtm späterer Hand mit ä-Zewhen verahen. 8. ver- 

wundet Cr, 12. vor alle frgän^e'^ in ? 14. tlerl ] der 0. 16, gesehen so G. 

16. YO G. 21. henen G, 23. hend och ffiU Verweisungaseichm am Bande nachgtir, G. 

27. dz spr. Q; außuiment des? Vgl 74,36. 



66 XXIV. Mechthilt von SUn«. 

Do darnach ward an dem ersten fast tag, do ward sy als gar krank das 
man ir in das siech huss betet, und der selben fasten do erzaiget ir unser her 
sunderlich alle die marter die er ie erlaid von dem das er gefangen wart, mid 
wie er gefangen ward, untz das er ab dem crutz genomen ward, und sach [S8^], 
5 do er in siner marter stund, das aller sin lib und sin antlüt als schwartz was 
das er kum ainem menschen gelich was. Und hie von kam ir hertz in als gar 
über grosses ser das es über alle ir kräft was, und das sy es nit möchti han 
erliten, won das sy unser her trost, und sy ie under wilen an sach mit ainer als 
lieplichen und gütlichen gesiebt das ir hertz gesterket ward. Und do er ir 

10 erzaigt wie er ab dem crutz genomen ward und unser frowen an ir schoss ward 
gelait, do was sin lib und sin antlüt als gar jemerlich das sy sprach das niemen 
davon folliklichr sagen möchti. Sy sach och das unser frowen ser als gross und 
über schwenklich was das es ir menschlich kraft nit me mocht erliden, won [89^] 
das ir von groser Überkraft geschwand von dem mitliden das sy von unser 

15 frowen hat, und och mit ünserm heren. Und als es unser her wolt, do kam ir 
siechmaisterin und bracht sy wider. Und hie nach do begert sy gar innenklicb 
an ünsern heren, das er ir gebe etwas ze befinden des seres so unser frow hat 
an siner marter, und des gab ir unser her folleklichen ze befinden, und von dem 
überschwenklichen grossen ser ward sy als gar krank das man wond sy wAU 

20 sterben, und ward geölet, und mocht weder essen noch trinken won als wenig 
das es über mensche kraft was. Sy wolt aber nit trinken won wasser ald ain 
klain milch, unnd [89^] das selb das sy nos, das mocht nit by ir beliben, und 
zoch sy unser her m als hoche über-natürliche gnad das sy drizechen wuchen 
und ain jar lag fil nach alle tag von non untz ze vesper, das sy als gar ver- 

25 zukt was das man kum das leben an ir mocht gemerken. Und so sy in dir 
verzukung was, so was ir antlüt als gar wol geton, und was als gar güth'ch und 
lustlich anzesechen das man da by markt das sy lebt. Und so sy wider kam, 
das geschach allwegen mit ainem hertzlichen wainen, und da von was fil wundrung 
under den schwestren und von gelerten lüten, ob ir dis von siechtagen ald von 

80 gnaden beschäch. 

Und under disen zitten do kam ain wiser artzet her: dem ward ir wandel 
[90a] gesait, und do er ir audren gegraif, do sprach er sy het enkainen siech- 
tagen: sy het ain grosse sennung nach ainem übergriflFenlichen ding, und were 
alle ir natur als fast dar uflF gedennet das da von alles ir blüt zu dem hertzen 

85 was gesigen, das es dem hertzen zehilf kern, und sprach: *Es ist als unmuglich 
das sy das begriffen mug darnach sy sennet, als unmuglich mir ist das ich 
begriffen mug das das gras grün ist.' Und des verjach sy selb das es 
also wer. 



21. menfche so G, 22. vöd hier G. 24. Iflg G, 31. her (r.) dwrckstr. und 

am Rand (r., mit Verweisungszeichen) zu jn beigefügt G, 36. scnet ö, vgl, S, 6*4,5. 



XXIV. Mechthüt von Sto&fl. 



67 



Und in der selben zÜ do kam brÄder Wolf ran unser proBncial zfi ir, und 
hles sy der gar ernstlich das sy sich sin werte. Und sy was im gehorsam und 
ßfßj tet es, und do ward sy als siech und ward ir als we das man gar an ir 
verzwiflet und ir alle zit der sei warttet, und ir ain og recht lod was. Und 
daroach an der ufffartag do kert sy wider und begund sich wol bessren, das 5 
sy darnach fil jar zekor und zerefentar gieng. Und hienach fragt sy die priorin 
wie ir die wil wer do sy also lag. Do sprach sy: *Ich was in als grossen und 
hochen fröden, die menschlich sinn nit gedenken mag. Und das ich also wainet, 
so ich wider kam, das geschach mir davon das ich dannen scAaiden mtlst. Und 
der mich nit heti gehaissen das ich mich der gnaden gewert heti; Got heti ßi^j IQ 
die wunder mit mir begangen da von iemer ze sagent werf/ Und doch wie das 
nit beschach, so mag sich doch ain ieklich rain hertz wnndren und gedenken 
was überflüssiges wunders ir sei schowet, do sy in das grundlos gut so emsklich 
und so gantzklich gezogen ward, won es ist geloplich und nit zwifelich: sy wer 
jne und och aigenlicher in dem himel denn uflf dem ertrich* So ain gut mensch 15 
zu ainem mal mit siner Vernunft in Got gezogen wirt, dem werdent alle ding 
bitter und alle die weit ze eng: wer mag denn gedenken wie überflüssig ir sei 
von dem lebendigen brunen gelrenket wurd, do sy drizechen wuchen und ain 
jar fll nach alle ßi^J lag in ain als hoch es schowen gezogen ward! 

Es geschach ir och nit alain in dem zit, sunder fil dik da vor und dar nach, 20 
so sy an ir gebet und an ir haimlichi was, won das ward bewert damit das man 
sy etwenn fand also ligent un alle uss wendige bewegung. Und zi ainem mal 
do kam ain Schwester über sy, die ir andacht nit erkant, und schult ir wasser 
under die ogen, und wond ir wer geschwunden. Und do sy ir als fil getet, do 
kam sy zft ir selber und sprach fil gütlich: 'Ir sond mir es niemer nie gelün,' W 

Sy was och zu ainem mal in irem stül und hört ain gar schönes und süsses 
gesang, und waren! die wort: 'Sanetus, Sanctus' mit *Alleluia*, und do ß2^J kam 
sy in ain wunder und gieng her für: do sach sy das es alles schön lütsilig heren 
warent und stundent nebent dem altar, ze ietwedrer siten ald ort des altars zwelf, 
und als sy ain wenig gesungent, so nigent sy gegen ain andren gar andähtiklich, 30 
und do sy uss woltent gon, do gieng letlicher sunderlich für sy ston und naig 
ir gar wirdeklich, und den sach sy denn nit me, und also taten sy all nach ain 
andren* 

Disi aller säugest Schwester Mechthildt hat ires brtders tocher hie inn. 
Und do sy für die gar ernstlich nach irem lod bat, do dunkt sy wie sy gefürt 95 

9, fclaiden O, IL sageot: das t tiachir. tugesetzi. 18- braue G\ 18. vor 

getreDket anfanglich got| gutr, 27. Seaot' {dann Sah, ge^irkhenl Scant* G. 29* Debe&t 

dem allar nacMr.y mit Verweigungs^cichm. am Rande nachgetr. 0* 34. tocher io^ gdbesiert für 

(r. und j^tt. gestrichenes) tochren G. 34. hie nac/tir. (r.) dvrchariehm und nacA iß durch Ver- ' 

mäsungsMcidim am Rande (r.) de cl öfter nathgtir. G, 



1, Bruder Wolfram, I^omnmatprii^ du Jh-edigerordem fiir Schttahen: H. 8uher, DKTB8{Sy 

5* 



68 XXIV. MechthUt von Stana. 

ward uff ain schöne haid, und was ain [92^] ring mit schönen wunnenUichen 
mägten da. Und do ward ain still in den ring gesetzt under die mi^ und in 
den stfll ward sy gar wirdiklich gesetzt. Und also gieng Schwester Hemme ir 
mftm ab dem ring fdr sy ston, und sprach frölich zu ir: ^Nun sich mich an und 

5 sich was firöden ich han, und fröw dich mit mir: won dise fröd han ich von dirf 
und sprach aber do: *Fröw dich und fröw dich! won wistist du was fWden 
und eren in der ewikait dir berait ist, du frowtist dich iemer mel' Sy dunkt 
och ztl ainem mal wie in dem refentar ain tisch wer gerichtet, und was der 
fol himelscher mägt, und sass sy ob inen allen ze/Pd«7 tisch, und kam unser firow 

10 gar schon und Sant Eatherina mit ir, und brachtent fil himelbrot und gabent 

den megten allen und och ir, und do sy das himelbrot ge essen haltend, do kam 

sy in als grosse gnad und sdssikait, und belaib ir die sflssikait wol ainen monel 

Do nun die gemint zit kam das ir unser her ir gantzen tniwen Ionen woU, 

do bat sy die priorin, ob ir unser her kain gnad täti, das sy das ze erkennen 

15 geb. Und do man ir die tafel geschlftg und der cofent komen was, do erzaiget 
sy das unser her und unser frow da werind und Sant Eatherina, die zi tusait 
mägt, die [93^] x tusent ritter, und sprach do zwurent: ^Omnes, omnes!' do 
maint sy: alles himelsch her. 

Und hie under hat sy das aller jämerlichest geberd etwenn, und ersehnt sidi 

20 aller ir Hb, und segnet sich denn gar dik. Und denn zehand so hat sy die hend 
gegen dem himel uff, als sy Got lobte. Und darnach do kam sy wider, und sait 
mit beschaidnen wortten alles das sy vor gezaiget hat und das sy nit gelfen 
mocht, das unser her und unser frow und alles himelsch her by ir was; der 
tiefel erzaigt sich ir och, und das sy denn die jämerlichen geberd hetti. Sy sait 

25 och das unser herr mit dem cofent ingieng und mit dem cofent zu ir kam, und 
gab ir da mit zu verston: wa der [94^] cofent ist, das och er da ist. Und do 
ward sy gefraget wie sy in gesechen hety: do sprach sy das sy in in siner 
gdnlichi gesechen hety, und das sy da von nit gesagen kündi wie rilich und wie 
überwunneklich die gesicht was. 

80 Und darnach lebt sy etwe fil tag, und verschied mit ainem hailigen end, und 
für ir edly sei zu dem der sy hie sinem aingeborenen sua, ünserm heren Ihesu 
Christo, gelichet hat ussgenomenlichen. 

Do wir dis von ir geschribent, do sprach ain fil alti Schwester: *Es ist nit 
der hundertest tail von ir geschriben, das ir Got geton hat.' Sy sprach och an 

85 irem tod das sy das für ain als grosse gnad heti als kaini [94^] die ir Got ie 
geton heti: das sy nit wisti das sy ie hofart enpfieng von den gnaden die Got 
mit ir wurkt. 

Und nach irem tod do erzaigt unser her offenbarlich das er sy in der 
ewigkait sinen hailigen gelichet hat, als er sy inen och in der zit gelichet hat 

3. der Name nicht hervorgehoben G. 7. "ift" dir berait G, 17. zwirent: über i em 

n gesetzt O. 20. zehand mit Vertoeisungizeichen am Rand nachgetr, 36. gnaden: das a (r.) 
oben nachgetr. G. 



XXIV* MechthiJt von Stana. 



XXV. Jützi Schulthftain. 



69 



an hochem und an folkumnem leben. Und von siner Ordnung do erschau sy 
ainer schwester» und hies die das mau sy getriilich sölte anrufen und sy ermanen 
der lieby die sy hat zd den hailigen t minzaichen, und das man die sunderlich 
silte eren, und das unser her den menschen wfllte eren der sy anrftfte : das hat er 
erzaiget offenlich daran das er {Bö^/ mengen menschen hat erlöst von arbaiten 5 
libs und hertzen. Ain erbri frow gab zv^aigen menschen die den ritten hattend, 
ze trinken ab ainen klainen har ires hares, den gieng er baiden ab* Ain andri 
frow hat ainen schweren siechtagen an ainem armen und bestraich sich mit irem 
bar, und ward ir bas. Ain erbri frow von Wintertur bracht drü opfer, und sait 
das sy iren wirt von grosser not hat erlöst, und das sy wol wisti das sy es heti 10 
geton. Ain erber man von Felthain, dem was als we das im kum der autem 
ward, und wolt recht tod sin, und ruft sy an und enthiess sich zfi irem grab: 
do ward im bas. Unser knecht ainer was gar siech und las ir sechs hu/^^^7ndert 
patter noster und bestich sich mit irer erd, und genas. Unser schwestren 
band och sicherlich gesait das sy inen etlichen siechtagen hat abgenoraen den 15 
sy lang hattend gehebt. 



[ixvj Von der sälgen *S- 3üzi Scliulthasin, 

Wir hatend och ain s&Hge scbwesler, hies Schwester Jüzi Schulthasin: 
die kam in iren jungen tagen in dis kloster und übt sich an manigfaltigen tugenden, 
das zelang wer zeschriben: won wir des zegfttter mass zeschriben habent wie 20 
der her der natur übernatürlich mit ir wurkt von gnaden« Doch sol man 
zwaiger dingen nit vergessen, da by man ßß^J ain tail merken sol; die min und 
och die hftt irs hertzen, Sy hat sich aller ir fnind also gar verwegen das sy 
wol uff XXX jar was das sy nit zu dem fensler gieng. Sy hat och von minen 



13. Vnfer durch^ir, (r.) und Ir (r.) darüberffetetei G. IL befismich G. 14* vnTer 

durcMr. und die (r) darübergaeizi G, 18. [W]ir in Sy korr. (r.) G. 19, dis: über 

dem i ein K (r.) Q, 



11, J"«tef VeUhem^ hd WifUerthttTt wo Töß mi 1358 einen seiner drä Eircheruätet {Nüfom^ 
Veäheim nnd DätUikon) besaß. Inkorporation durch den BUchof von KoTi^tünSj 12. De^mber 1358, 
in der Jbsicläj 'den Ihch der Frauen m bestem, deren Zald beständig tma hundert beträgt* 
(coatinao centuni monnialee vel elrea). 1428 war sodann rfer Leutpriester Heinrich Ifiiter v&n 
Veäheim Guttatier von TBß. K Suher, BGT 16:^ DKT91 {il\ 92 (12). 96 (Iß). 17. Schult- 
hasin; ein Jühans Sculihais, Bürger ^u ^interihur^ amitt am 28. Äug, 1337 bei einem Kauf du 
Klosters Toß um einen Acker eu l^intertkur als SteUvertreter des Schultheißen. Züricli, Staatsarchiv, 
Regesten* SchulihaSj Schulthasin ist woftl m a . (jetH noch t* B. tli urga utsche) Monophthofigierung 
fWÄ »i, ei ^ft. — Jutzi »«rrf in der Fraumif. H$. {wie hei Murer) als Luc ia udedergegeben {ebento 
bd H, Sukf^, BGT32y Vitknehr wohi zu Jutta? — Das Zürcher Geichleclii Schultheß iü 
nach Leu erst seit 1594 belegt. 



70 XXV. JttUi SchulthMin. 

ain als mitlidennes hertz: so ain mensch zt ir kam mit lieb oder mit laid, so 
wainet sy mit im als ain kind. 

Die sälig Schwester sait uns an der zit do sy wond das sy sterben s61t 
6ot züainem lob und uns zfi ainer fumemung an gftttem leben, das Got manif- 

5 faltig wunder mit ir begieng, der wir hie ain tail wenn schriben, als fil wir 
kunnend; aber nach der rechten warhait, als sich ir Got folleklich dik und filzt 
erkennend gab, so mag es niement ze Worten [96^J bringen als es ist, wen das 
alain sy sprach also, der ales das sölt schriben was Got wunders mit ir bei 
geton sunderlich in siben jaren, das das nit möchte geston an ünserm metibikch. 

10 By dem ersten do Got sin grossen gnad an ir würken wolt, da lait er 
grossen siechtagen uff sy, das wir wondent sy wölt sterben, und das was ir gar 
unlidig, und als gar wider ir hertz das sy fil gfttter lut bat das sy Got bättind 
das er sy lenger lies leben, und darzft gewan sy als grosse hertikait in irem gebet 
und ze allem dem das sy solt tun, das sy fil kumers und grosse betrAbt da Ton 

15 hat Und dis klegt sy ainer gar glitten Schwester, die trost sy gar miltekM, 
[97aj und bat sy das sy irem rat dar an folgete und das sy alle tag xv patter 
noster les in der er ünsers heren marter, und so wölt och sy allen den ernst 
den zy gelaisten möcht, an ünsern heren keren, das er ir zehilf kern. Und dis 
tet sy fil zites, und von der erbirmd Gottes do begund ires hertzen hertikait 

20 etwe fil verwandlet werden in am sftssikait, das es ir gar begirlich ward, und 
dunkt sy das des gebettes ze lützel wer^ und lies es ab und fieng do an und spradi 
alle tag Ix patter noster und Ix 'Laudate dominum omnes gentes' und 
Ix * Gloria patri', mit betrachtung unsers heren marter, und fieng an als unser 
herr uff den berg gieng untz das er zu himel für. [97f>j Und zu disem gebet gewan 

25 sy als grossen ernst, und kert ir hertz und kraft sogar dar uff das de kain 
üppiger gedank in ir hertz kam, oder in dem gebet iemer wort gesprech, das sy 
etwenn dunkt das es von Überkraft ir tod müst sin. Und so sy darinn geirret 
ward, so fieng sy es aber fernen an, und so sy von unraässiger krankhait ald 
von dekainer sach geirret ward das sy es des tags nit mocht getün, so tet sy 

30 es aber nachtes. Und in diser Übung gab ir Got alle zit nüwe gnad und sunder 
erkantnus, das sy an ieklichem uff das aller hAst kam, und das sy nit höcher 
möcht kuraen. Und sunderlich so ward ir min als gross das sy willeklich {9s<^] 
gern wolt haben gelitten alle die arbait die ie kain mensch gelaid, und das ir das 
ain frölich ding wer gesin das sy mit Got sölte haben gelitten alle die marter die 

35 er durch uns gelitten hat. Und von disem ernst so ward ir dik als we das sy ge- 
dacht das sy ab der stat niemer lebendig kern, und hie von gewan sy etwenn forcht: 



1. mitlidefies so G. 5. weü so G. 8. ir nachtr. durch VorseUung von m ni mir 

verwandelt (unrichtig) G. 11. wir in £y geändert {sw. und r.) G, 17. les fMcfify^. can Rand 

(mit Vertteisungszeichen) beigefügt, 19. erbarm d: d nacktr. oben zugefügt G, 23. vnfer 

ohne ü-Zeichen, mit nacfitr. zugefügtem s. 35. hat mü v (oder ä-Zeicfien?) darüber (= h&t 

oder hat?) G (spätere Hand? vgl. S. 65,8). 



XXV. JtiUi Sclitiltbasiii. 



71 



ob sy also sturb, das sy an ir selber schuldig wer. Und disen kumer lait sy brüder 
Hugo dem Profincial für: der was ir bichler. Der sprach also: wer das ir 
dis besehäche von dekainer usswendigen iibung, das Terbutt er ir slrenklichen, 
Do sprach sy das es ir nit wider für won von inwendigem ernst und von grosser 
min ßB^J die sy zft Got hat. Do antwurt er ir und sprach: das wölt er ir 5 
crloben, und sturb sy also, so weit er Got für sy antwurt geben. Und sprach 
do: *Sterb, so sterb\ und davon ward sy getrösttet und gieng ir die forcht gantz- 
lich ab. Und also nam sy zu alle tag an gnaden und an mtnen, und ward ir 
linsers heren marter also silss, so sy betrachtet und bekant was güles ir und 
allen menschen beschechen was von siner marter, uud so ward ir fröd so gross 10 
das sy dunkt das sy in ertrich noch in himelrich nit me fröden bedörfte* 

Und do verhangt Got ain grosse anfecbtung über sy, das sy dunkt und es 
aigenlich da für hat das sy Got niemer 199<^} sölte beschowen. Und da von kam 
sy in als grose verschmicht ir selbes das sy den himel nit getorst ansechen, und 
das sy sich unwirdig dunkt das sy das ertrich trflg. Und dis weret an ir tag 15 
und nacht also das ir niemer underlibung ward, won als lang das sy ztl ir rechten 
notdurft ain wenig ass und schliefl\ Und in diser grossen not und arbait do 
geliess sy nie ab an disem genamten gebett und an ir andacht und ir ernst, den 
sy zu Got hat, und nam als fil me zu an göüicher min das sy folliklich den 
willen gewan: sÖlte sy untz an den jüngsten tag leben, das sy doch ir Übung 20 
und iren ernst niemer wölte ablon gegen Got, wie ßn^} sy do enkain zfiversicht 
hat das es Got genem wer von ir^ und doch von der miltikait Gotes so kam ir 
alles das ze gut das ir begenet. Also was sy sach ald hört, da von wuchs ir 
min zti Got, und lobt in in irem hertzen iemer. So sy ainen menschen sach frö- 
lieh gebaren, so gedacht sy: 'Gesach dich Got! Es ist billich das du frilich 25 
sigist, won Got hat dich darzA geschaffen und geordnet das du niessen solt die 
ewigen fröd und Gotes angesjcht, des ich armer mensch unwirdig binT Dise pinn 
laid sy von dem das man Äüetuia lait, untz an den grossen donstag vor meti: 
do was ir als gar we, won sy was ain nüwer ritt ankumen zu dem siechtagen 
den sy e hat, und was als gar krank das sy das [Wö^j gebet nit hat geton in 30 
dem tag, als ir gewonhait was, won sy hat den siten das sy es gern teil in 
dem kor, dik so sy als krank was das man ir kum in den kor gehalf, won ir 
gewonhait was das sy es nienen anderschwa folbracht, und das hat sy des 
tages ab gelon von unmässiger krankhait. 



4. in wen | igem 0, 
28 alta O. 30. ^e* 

33, daa syl 'fy' ds Öf. 



fo nachtr übtrgttühr, G. 23. beg*net O. 27. pin G, 

3i. fiten ow Rand für mn ytiiigU» Wort (fy?) in der Zeüe. 



2. Bruder Hugo von Staufen^ Luemmttr in Ktmt^tam^ längere Ztit BHchivüttr in Toßi 
K Stäser^ DKTS8 (S)\ er scheint ako auch Provintiaiprior ffeworden zu «etrt. Oder üt der General 
det Ordens Hugo von Vauctmatn 1333—41 {Denifk^ Sev$el, 20; Mystiker paar :'f9) gemeint? 
Vgl 6\ 7SJÖ. 28. Das AHeluia (h in- J legen, deponere alleJulai f?i«tVi Kuurai vm 

Jmmenhawen 7429^ S. 299, 



72 XXV. J&tn SekttltliMiiL 

und do in der nacht ward Tor metti, do rieht sy sich off an dem bett mid 
wolt aber dia gebet tAn: do gebrast ir, das sy nit me mocht, und dodi wolt ej 
nit ablcm und fleng es wider an, und do hört sy ain stiniv die spnudi gar 
minenUich z& ir: 'Da sott rftwen, und sott mich dich Ion wisen wes du bitten 
5 solL* und do erschrak sy und forcht das es ain trognos wer. Do 8i»adi aber 
die stim [lOO^J die selben wort, nnd do scbwaig sy und loset, nnd do sprach aber 
die stim: *Du solt bitten omb din Tergessen siind und nmb din ungesaiten sänd 
und nmb din nn^kantten sünd und umb die sünd die du nit xeworten bringeo 
kanst, und solt denn bitten das du mit im am ding werdist, als er und der 

10 vatter ain ding was 6 das er mensch wurd, und solt bitt^i das niemer kain 
nuttel zwischent dir und dem yatter werd, und solt bitten: als er hüt ain xüfamft 
ist worden und ain ewige spis aller der kristenhait, das er also din zflkmift wefd 
und ain ewige spiss, und solt bitten das er selber asft dinem end kam nnd dis 
alles Fol bring und ewii^lich bestiL' Hie fiOfj Ton rapfleng sy grosse nnd un- 

IS m&ssige frM und gewan kraft an hertsen und lib; doch do dunkt sy sich selber 
nnwirdig der gnaden und des trostes, das sy nit gantz sicher mocht sin db es 
Ton 6ot wer. Und do die mety für kam, das sy aber alain an Ir rftw bdaib, 
und do sy in diser sorg was, do bort sy ain stim ob irem hobt, die sang ab 
unm&sseUiche sflsse tusche wort das beide stim und wort sich kainen liplicfaeD 

SO dingen gelidien mAchtent und do rieht sy sich uff, und wolt loss^i ob sy der 
wort ieht gemerken künd, und do begund ir die stim feren, das sy kain wort 
mocht begriffen, und war sy sich hin k^ nach der stim, da dankt sy das es 
anderschwa fioi^j wer. und do gedacht sy: Her Got, ich kan nit erdenken was 
dis mug sin, won din ewige gflty, das du mich wilt sichren das ich enkainen 

25 zwifel hier an haben sei. Und do bort sy nit me der stim, und do ward ir die 
anfechtung gantzlich benomen. Und hie nach gieng alle tag nüwe wnnder und 
nüwe erkantnus Gottes m ir uff, das sy lutterlich erkant und sunderlich alle die 
wunder die Got ie gewurkt m himelrich und uff ertrich. 

Sy was och als wis in der stim das sy er kant und kund alle kunst, es wer 

30 in der geschrift oder von usserlicben werken: das kund sy bas denn alle die 
maister die ie da Ton gelemetend von ieklichem sunderlich. Sy erkant och 
lutterlich wie das [102^] ewig wort ze flaisch was worden in der magt lib. 

Sy erkant och lutterlich in weler minn er das tett, und wie gross die sälikait 
und das hail des menschen was von siner geburt. Und schowet aigenlich 

85 wie wir sine gelider worden smd und zft im gef&get und geheftet als die est an 
den bom. 

Sy erkant och was der mensch gnaden hat von schöne, von wishait ald 
weler band gnad er hat, das die wider an Got fallet, so der mensch stirbet, als 
es och von im geflossen was. 



9. mit im am Randj mü VerweimmgiMeiehen, nachgetr. O. 22. hin am Rand mü Ver- 

weiiungsuidien naekgeir, O. 82. zeflaisch (r.) unientr, O. 



XXV. JütEi Schnlthaam. 



73 



Sy erkant och in wellicher nminung er di^ alten und die nüvven e gab, und 
wie er dis tel dem menschen zenulz und //02V zehail nach dem allerbesten und 
nach dem aller höchsten, das kain engel noch enkain hailig noch enkain creatur 
kainen höchren noch besser weg möchlind finden, und wie wir alle ain andren 
gelich sind und recht ain ding sind, und wie der mensch schuldig ist dem andren & 
alles g&ttes als im selber. 

Und die erkantnus die sy hat an allen den dingen die Got ie getett und 
noch tun wil, das was Ir sunder lieh an ieklichetii als offen als den engel im himel- 
ricb, und schowet es als lutterlich als sy es nach disem leben in der ewigkait 
schowen solt. Und wenn dise erkennung für/^io^^ykam von ieklicher, so gieng sy 10 
für bas, das ir hertz nie dar gestund , noch das sy nie enkainen trost dar an 
gewao, won als es nie geschechen wer. 

Sy erkant och sunderlich wie Got in allen dingen ist und in allen creaturen, 
und das kain ding folhracht mag werden, won da Gottes gegen wirf ikait mit siner 
kraft mos sin, joch an liplichen dingen. 15 

Sy erkant och wie Gott ist in ainem ieklichen gressli und in ainem ieklichen 
blümh und löber, und wie er allenthalben umb uns unnd in uns ist. 

Sy erkant und kund in der stunden alle künst und iekliche sunderlich, nit 
sament, won von ainer in die andren uf das aller [103^^] höchst. Und das kund 
sy alles bas denn alle die maister die ie da von gelernetend, 20 

Zu ainem mal do sass sy an irem bett in grosser krank hait, und kam in so 
grosse min und gnad, und kam Got so nach, und begert so grosser ding von Got, 
die überschwenklich gross warent» und do sy in der begird was, do hört sy ain 
slim, die sprach; *Was waist du ob dich Got darzü erweit hat?' Do sy die stim 
erhört, do erschrak sy so gar ser das sy in so gar grosse verschmächt kam ir 25 
selbes das sy recht zenüte ward, und erkant das sy schmecher was denn le 
kain wurm wurd, und das sy von ir selber nit hat won sünd. Und in diser 
grossen verschmächt ir selbs do erkant sy doch was Got was, und fand [lO^j 
enkain stat in ir selber noch in hell noch in himelrich, der sy dünkte das sy 
wirdig wer, won allain in dem grnnd der hell. Da saczt sy sich in ain ewig 30 
beliben, won sy was mit Got als gar verainet das sy nutz nit mocht wellen won 
das Got woU. In dem ding belaib sy untz mornent in der mess; do bort sy 
aber ain stim inwendig, die sprach und gab ir lutterlich zu erkennen das vor 
gesprochen wort, das ir in dem gebett ward, das er und der vatter ain ding was 
6 das er ie den manschen geschüff ald selb ie mensch wurd: das das nit anders 35 
ist won das er ain will und ain min ist, das och sy allso mit im ain will und 
ain min solt werden* Und do kam sy in. [liM^J ain stet beliben und veraint 
leren willen mit im. 



1. *%: 0^ 8, ir an ieklich; *©m (mt.) mngeftkkU an guir^ (r.) und mü VermeimngE- 

mehm funderlich an an den Hmd guüM G* 17. vüd G. 33. erkem G\ bioß für erkenn 

perichriehm? 3a. ^ so 0. 



74 XXV. Jtttsi Schnlthasin. 

Sy erkant och das Got nüt verborgen mag sin und das das minst m^gli — 

das dius sin f&sslin nit mag gesetzen, Got schowe es lutterlich. Und als unmo^ 

lieh das wer das ain mensch dem andren in das og stech und im das uss brech 

das es des nit wiste: noch dusent stund unmuglicher wer das Grot nit aDe 

5 dinge wiste. 

Sy erkant och lutterlich wie er lins sinen fronlichnam gab, Got und menseb, 
und in welicher min. Wie gross die erkantnus was und die wunder und die 
gnad die wir da von enpfachent, da von kund sy nit gereden, das sy doch do 
lutterlich schowet. Und erkant wie ain ieklich mensch [lOSaj Got entp&chet 
10 aigenlich als er ist Und erkant das ain ieklicher mensch nach dem jüngsten 
tag, so wir zft himelrich kument, als aigenlich hett Got und mensch als es in hie 
enpfachet von des priesters henden, und aber aines fil me und fil mineklicher 
denn das ander, als fil och sin min hie grösser was. 

Sy hört och zu ainen mal ain stim in ir, die sprach: ^Bitt das du wonist in 
15 mir als ich in diner sei.' Sy ward och zu dem selben mal in das himelrich ver- 
zucket: da sach sy Got und menschen, als er ist, in sinem thron, und sach zwoi 
bredger in wissen klaidern bredger gewandes for im ston, und stundent tot 
sinem antlüt und wundretend sich und fielend denn nider und lobtend [i05^] Got 
und stundent denn aber uff und schowetend aber wunder an Got. Und do sy 
ao dis gesach, do gieng sy och hinzu, und wolt och haben gesechen als och sy; wir 
sy denn gieng, nebent oder was ztl vor, so mocht sy doch nie gesechen das sy 
sachent, won er hat allwegent sin zwessme für sy, das sy sin antliit nie gesach. 
Diser gesicht was nit me. 

Darnach schowet sy lutterlich das tussent tussent jar im himelrich nit sind 
25 won als ain ogen buk. Sy sach och in Got alle ding. Sy sach och und 
schowet das man un underlas nüwe wunder in Gott sieht, und das die wunder 
sind ewigklich stett. 

Sy erkant och wol die engel und die seien für ain andren, und erkant wie 
die haiigen die marter durch Gott [i06<^] littend, was er inen gnaden gab und 
50 wie er es an inen follbracht. 

Sy erkant och die grossen wunder die er geton hat an den kindlin die 
Herodes in sinem namen tott: den gab er so grosse gnad das sy by den 
höchsten sind. 

Sy erkant och das hunert dussent seien nit als fil liplicher stat bedurffent 
55 als ainer nadlen spitz. Wie dik sy in himelrich kam ald wie es bescheche das 
sy disse wunder lutterlich sach, das sprach sy: 'Ich enwais das nit: Gott waist 
es wol.' 

Sy schowet och luterlich was das ist: Got sechen von ogen zu ogen. Hie 
von kund sy nit me gesprechen. Sy schowet och lutterlich und erkant wie der 

19. denn G. 24. nach sy urspr.-. dz, (r.) durchstrichen G. 34. hunert io G. 

36. dz n. G: aufztdoaen des? Vgl. 61^13^ wo dz in d«z korr. ist. 



XXV. JütEi Schultbäiin. 



75 



sun geboren wirt ewigklich von dem vatter [iOß^h das alle die fröd und die wunn 
die da ist, die litt an der ewigen geburt. Wie sy furer kam in das ewig wessen 
Gottes, da von kund sy nit me gesagen noch enwist sin och nit, won sy verlor 
sich selber da so gar das sy nit enwist ob sy ain mensch wer. Darnach kam 
sy aber wider zu ir selber, und was ain mensch als ain ander mensch, und mftst S 
do geloben und alle ding tftn als ain ander mensch. Und das tetl ir als we, und 
was ir min und ir jamer als gross das sy dik versticht und alle ir kraft daran 
lait ob ir icht werden möchte: so ferret es ir allwegent, das sy es nit gefachen 
mocht. Und do sy in disem j aroer was, do kam sy zÜ irem bichter brAder 
Hugo dem pro/^/07«/vincia], und sait im mit grossem jamer wainend das Got so 10 
grosse wunder mit ir geton hat, und das ir das nun so gar enzukt wer. Do 
sprach er: 'Du wainest gar ungeslümklich: wie sol es Got von dir vergftt han? 
Wer das das du es mit Sünden verloren hettisl, das lies Got niemer er gebe 
dir es ze erkennent» Wer es och von den lütten, so wert du do under den lütten 
als nun. Wer es och von krankhait: werlich, so wert du do krenker denn du 15 
ietz sigist. Du solt Got allen dinen sin und din begird geben, und solt in uss 
dir Ion tun sures und süsses, wie er wiL* Und dis folget sy im als fil sy mocht. 
In disem jamer hört sy aber ain stiro, die sprach: 'Du solt alles din leben richten 
nach dem globen, und solt wissen [I01^}^ das ist das aller sichres t und das aller 
best/ Und do erkant sy lutterlich das der glob grösser ist denn die sicherhait 20 
und die schowung die sy hat gehebt, und do rieht sy alles ir leben nach dem 
globen. 

Und also hat sy siben und zwintzig jar vertriben, das sy uff den globen 
wurkt, und tbt fil das doch was über ir krafl und och gar uji allen menschlichen 
trost» In dem selben zit do geschach ir och dise gnad die ich hie schriben wiL 25 
In den siben jaren do Got dise wunder mit ir wurkt, do was sy v jar das sy 
nie in kain stuben kam noch nie kain wil by den lütten belaib, da sy sich es 
behütten mocht. Und zfi ainem mal was es gar kalt, das die Schwester die ir 
pflag, die bat sy mit [W8*^J ernst des sy ir in die stuben Hess helfen, die wil die 
schwestren zu vesper werint. Und won sy so gar krank was, so folget sy ir, 30 
das sy sy in die stuben fürt zu dem offen. Und sy sprach do zft ir pflegerin: 
^Nun gang du zu vesper und las mich hie, das Got etwas lobes da von be- 
schech\ won es was ain hailiger tag. Und do sy also alain belaib, do sach sy 
das unser her ingieng, und was in den jaren alß er uff ertricht gieng und 
bredget, und gieng mit im Sant Johannes und Sant Jacob der grösser, und sy 35 
erkant sy sament und doch by sunder ir iekliches antlüt. Und sy fürten t in als 



jfttie^. G* 31, foite, düM e radkri G. 3 h 

vgl S, 76^0. 



30. wereiät: über dm Mitmk e ein i 
fprach" fy G. M. ertricht *ö Q\ 



76 XXV. Jtttn SchalthaniL 

ainen heren, des sy sorgetend, wer in begegneti^ und haltend [iOS^j in umb- 
schlagen mit den armen mid ainen arm binden, den andren fornen. Und do sy 

I allso inkoment, do liessent sy in uss den armen, und er gieng fdr sy ston und 
sprach: *Nun schow, wie min leben uff erdtrich was!' Do schowet sy lutterlich 
5 das er so jämerlich was: sin ogen warent in gefallen, und sine wangen warent 
so jemerlich von liberschwenklicher grosser arbait die er laid, und do sass er 
nider und kert ir den rügen, und do er nider wolt sitzen, do erkant sy das er 
als gar mdd was von grosser arbait das sin rüg und alle sine gelider er- 
krachettend, und recht in im selber griss grämet. Und do er nider gesass lio^]^ 

10 do sass Sant Jobanns und Sant Jacob zft im. Und nach dem do sach sy, als 
es sin solt, das die schwestren uss und in giengent und doch nie kaine gespracfa: 
*6ot grüss lieh' ald *Was wend ir?* Und das stund so gar yerschmäcblich und 
also gar ellendklich das es alle hertzen nit kündent betrachten. Und so die 
schwestren also uss und in giengent, so stftndent die junger uff; aber unser her 

15 sass still. Sy sach och das ünsers heren klaid und Sant Jakobs klaid gelich 
was, und warent innen rot; aber Sant Johannes klaid was nit innen rot; es 
was aber ussnen als ire klaider. Die junger warent gar wol mugent an dem 
lib. Und do sy in diser beschöw was [109^]^ do kam ain Schwester und ret mit 
ir und bracht sy wider, und do sach sy nit me. 

20 In den selben siben jaren wart sy zft ainem mal verzukt in das himelrich^ 
und do sach sy herab uff das ertrich, und erkant und schowet das alles ertrich 
als klain ist als klain die stat ist die ain band bedeken mag, wider alles ertrich: 
als klain ist alles ertrich mder das himelreich. 

Sy erkant och lutterlich das ain ieklich stem als brait ist und als gross als 

25 ales ertrich zft ainem mal. Do wolt sy bitten fdr ainen grossen sünder; do kam 
sy in ainen zwifel das unmuglich wer das das an im follbracht möchte werden 
des sy über in gebetten wolt han. Und von dem zwtfel kam sy in ain ungird 
/iiO«7, das sy über den menschen nit gebitten mocht. Do begejrnet ir Grot mit 
als grosser erkantnus, als er ist Got und mensch in himelrich, und sprach zft ir 

30 gar mineklichen: 'Darum bin ich uff ertrich kumen und bin recht darum hie das 
ich trüg alles das ir wellent.' Hie von enpfieng sy als grose fröd und süssikait 
das sy vergass aller creaturen ze dem mal. 

Damach zft ainem andren mal, do sy och an irem gebett was, do erkant sy 
lutterlich von unser frowen wie gross die fröd ist die sy vor allen creaturen 

35 het an Gottes menschait Wie aber die sei unser frowen mit götlichem wessen 
verainet ist, des erkant sy recht nüt. Ob unser frow mit [liOb] lib und mit sei 
zft himelrich sy, das erkant sy och lutterlich. Aber es ward ir kurtzlich benomen, 
das sy von warhait aigenlich nit kund davon gesprechen, won des das sy es 

2. hinen und d übergeschrieben. 27. zwilfel G, 28. bcgnet ö. Vgl 71,23, 

30. darum (beidemal) hier so G, 30. ertricht: doi t nachbr. oben sugefUckt ö; vgl S, 75,34 tt. 

S, 78,26. 



XXV, Jützi Sehatthfttm. 



77 



sicherlich dafür hat das sy unser frowen da sech liplich. Und darnach kurczl ich 
in dem selben zit, do ain breger da von gar wol breget, do erkaot sy es aber 
lutterlieh die stund, und dar nach nit me. ZA alnem mal in dem summet do 
gieng sy in dem bomgarten und sach die sunnen an mit andacht irs hertzen, und 
in ainem ogenblik do bekant sy und begrajf Gottes als fil, und wer es icht lenger 5 
geweret umb ainen puneten, sy wer an der {iii^J stat zersprungen, won das sy 
ir sinn mit allen iren kreflen wider zoch; won ir ward als we das sy sprach 
das ir kain gnad ir kreft nie so fil benem, won sy noch do liptich verstantnus hat. 
Damach in dem zit do der strit vor Wintertur geschach und das urlug 
ward versünet, do ward ain turner genomen gegen Zürich, und sorget man das 10 
der ^e heisslich und ze riectilicb wurd, und davon ward ain Schwester gar fast sy 

a "Itttterlich" aber G. 7. "zoch" wider G, l(X (duruer ü). H. ze bafflicb 

vnd ze ricWich; dann korr* hairflich — riech lieh; tndlhh alles gestrichen und in obiger Ftumng 
(zeheiaslich vu zeriechUeh) mii VeriteiMungi^eicIien utäen an die Seüe geschrieben G. (ze haifTHcli 
vnd £e rilich Ü)^ 



10. Der Streä vor Winierihur üi dai Treffen bei S, Georgen am Feld mr W»n/«tAur 1292^ in dem 
Hug von Werdenberg- Rkeineck tnit den Bürgern Winierthuri dk Zürcher Manmchaft teik vemichiet€, 
teiU gefangen nalifn\ nach Stumpf war ein siegreicher Kampf der Zürcher auf dem Toßfeld tJora«- 
gegangen {iL Sulser BOT 19). Die Sttftang*geichicfä4 i>on Töß in der Frauen f. Mm. g 105 (vgl 
Einlmiung) erzMU diemen Btreii {ttach ^Ckrontcon WeUngense^} und seine SchUchiung {nach ^StvmphJ 
/l'i 33, VIj 17 \ vgL mßerdem laurenttus Böxhart, Suher BGTJ) folgendermaßen: 

ÄDDo t292 an ff den IS tag ApriJlen geeach [so] ein harter Btr^it zwUeebent denen von 
Znrich &o keiser Aoldpho [$o] von NasBOW, all waren kei&er anhiengent, vnd denen von 
WinterthuT vnd mithelffeten Österreich er on ao da im znsatz lagend, ea hertzog Albrechteo 
yon Oatericb vndertlmnen, vnd gern k eiser gewesen wäre aiteh sich wider keiner Adolph anff 
lenete vnd kriegte ein harter streit auff dem Toserfeld aueent Winterthur. Die Zürcher 
lagent im ersten atreit gewaltigklich ob. aber anB vngewarsamkeit ynd der feinten liat^ 
wnrdent sei vber fallen vnnd geschlagen, vnnd ob sei sich die voo Zürich beßamleten was 
der schaden geschehen also zugent die vberigen mit groaem schaden und iamer heim, vnd 
wnrdent bei 80 zu Toß in ein grab begraben vnnd die vberigen Znrich geinert. Also 
banwten die von Wlnterthur etn Capel an^ die Hofetadt so S Jörgen Cappei h eiset Im velt, 
Tnnd stifftend ein pfmnd da hin. 

Anno 1293 war ein nehtung gemacht zwnachend den Zenrcheren vnnd den leatten dea 
Gotthans Toß, von wegen des achadena, den inen die Znrcher in vergangenen krieg vnd zng 
für Winterthur gethon hattend. Darumb mnaten die Znrcher 15 pfund pfennig geben aulf 
S, Otbmars tag, iarlich. 

In der «cA anschließenden Erzählung Eäbet Siageis wird JMtsH Schultheiß wohl nicht 'gemahnt^ 
ihr Gebet bei GoU einzulegen für einen Turntr^ der nach Zürich ^ur Bestrafung weggenommen 
itard" {GreOh^ H. Suso 151; M. Suker, BOT Ii2l)\ vielmehr gchmnt eine Schwester in Töß von einem 
nach detn Friedensschluß in Zürich abgehaltenen l^urnier neue Feindseligkeiten befnrchtei und des- 
halb die ßchuUheifiin um iJire Fürbitte gebeten zu haben^ Diese mll sich, nachdem sie wegen des 
Krieges so viel gebetet^ nicht mä solchem Spiel abgeben^, aber eine Stimme Gotiet hält ihr vor^ was sie 
alles vor jenen Weltkindem v(/raus hat-^ sie sieht dann GoU seihst auf seinem Throne sitzend tind vor 
ihm die Menschen den irdiscfien Sorgen ntgekeltrt^ aber gleichwohl mn Gott geliebt und beschulst: 
darum soll auch sie ilir Gebet ihnen nicht weigern. Darauf unterbleibt das gefUrchtele Turnier, 



78 ^XV. JttUi Schalthmain. 

bitten das sy Got mit ernst darüber bete. Des wolt sy nit tfln, und sprach mit 
herten Worten sy hett gnftg gebetten über den ernst, und wölt mit hm 
mtltt willen schall nun nit me sich bekümren. Und die Schwester fiii^J liess nit 
ab: sy gieng ir alles nach und bat sy mit grossem ernst; do ward sy ie herter und 

5 ie herter. Und do sy die hertikait gewan das sy nit me über die sünder woH 
bitten, do sy do an ir gebett kam: do gewan sy als grosse hertikait das sysich 
selber nit erkant, und das sy och nit wist ob es Got was ald war sy sich keren solL 
Do hört sy ain stim, die sprach hertiklich: * Alles das Got mit dir ie gewurktald 
mit dir ie getett, das ist sin und nit din.' Do erkant sy das sy gar blos was 

10 aller der gnaden und des gftttes so Got gelaisten mag. Und do sy in der schäm 
stfind so gar blos, do wolt sy von schäm hinder sich tretten: do hat sy alles 
fil2<ij ertrichs nit als fil das sy ainen fftss möcht gesetzen. Die stim lies nit ab 
und sprach: *Got hat dich geordnet und gesetzt in dis leben; da hast du alle 
ding un allen kummer: du hast glitte gessellschaft — des band sy nit; du hast ze 

15 allen ziten gfttt bildung und 1er — des band sy nit; niement stellet uff dich — des 
hant sy nit Sy pingent sich wider ain andren, und wil aines für das ander 
sin — du hast din lipliche notdurft un alle sorg; es ist dir alles for berait — 
des hant sy nit; du hast Got, wenn du wilt — des hant sy nit: er ist inen gar 
frönd, won aines das ziichet das fil2f^j ander zu sünden.* Do ward sy noch 

20 innrer verzuket in sich selber, und do sach sy Got, als er un himelrich ist, Got 
und mensch, und sach in untz über sin brüst. Wie mineklicb sy sin antidt sach, 
das möchtent alle zungen zft worten nit bringen. Sy erkant da die grossen min 
die er zft dem menschen hat: wie ungemessen und wie gross die ist, das ist 
unmuglich das das iement zft worten kunn bringen. Sy sach och do das die 

25 liit alle for ünserra heren warent, und hattend alle die siten gegen im gekert, und 
hattend ir antlit in das ertrich gesteket, und sftchtent als klainlich uflF dem ertrich 
[il3aj recht als der nadlen sftchet, und hattend Gottes kain acht, wie nach er 
inen was, und er hat sin zwessrae so gütlich und so mineklich ob inen und 
sprach zft mir: 'Nun sich wie recht lieb sy mir sind: bitt für sy.' Da was aber 

30 enkain bitten noch nit, won Got schowen; do was der gesiebt nit me. Doch 
belaib ir an irem hertzen als grosse fröd das sy lang darnach grossen trost 
davon hat. Der selb turner ward wendig, das da nie nüt geschach. 

Von diser gesicht hat sy als fil gnaden und sftcht ires trostes als fil dar an 
das sy alle ir kraft dar ufiF dannt das ir diser gesicht joch ain ogenblik möchte 

35 fii3f>j werden. Und dis wider für ir etwenn ain ogenblik: so ward sy also gar 
fro und so sicher das sy dunkt das zwischent ir und Got nichtes nit wer, und 



14. "da" hast O. 26. vorher: ertricht, dann gestrichen und ertrich neu daneben ge- 

schrieben G; vgl. S. 76,30, 

29. mir: Spur einer zu gründe Hegenden Autobiographie? 



XXVI. Itm Suberia, 



70 



SO es ir nit mocht werden, so gewan sy so grosse tmrikait und jamer darnach 
das sy begund erkennen das es sy ieiren wolt, und erkant das sy nit won Iren 
Irost und Iren nutz daran sucht, und das sy nit geware min noch GoHes lob 
daran steht. Und do gab sy es Got als aigeDlicb uff, also das sy es von Got 
memer niemer me begeren wöit, und niwet sy das sy es ie getet, und also 5 
lebt sy darnach das sy hat sures und süsses, wie Got wolt 

Und nach irem sdligen leben, in dem sy gelebet hat dik mit jamrigen 
hertzen nach dem ewigen gütt {n4<^j des ir gaist befunden hat, do nam sy unser 
herr uss disem eilend, das sy es in der ewigkait folleklich nusse un end. Dar 
hellff uns Got allen durch die liebi siner kind und tnser geminten schwestren, 10 
Amen, 



I ÜU 



fxxvi} Von der i&lgeii S- Ita Siilzerin der laygen. 



Der gut Gott hat och aigenlich erzaiget das er nit alain riwen wil by den 
die er dar zu geordnet hat das wir uns alain innren gaistlichen dingen söllent 
geben : er hat sich och den schwestren gar lieplich erzaiget die er darzü geordnet 15 
hat das sy dem cofent getrulich dienetind. Und wie der gar fil ist den unser 
her gar gütlich hat geton mit sinen gnaden, doch {lu^j so schribent wir Ton 
etlichen sunderlich. 

Wir hattend ain gar sälige schwester, hies seh wester Ita Sulzerin: der 
hailiger wandel und Übung zaigent aigenlich das Got mit sinen gnaden folleklich 20 
in ir wonet und och fil wunders mit ir wurkt, des wir doch nit won ain klain 
wissent. 

Dise sÄlig schwester hat zu ainem mal ein grosse an fechtung, das sy unserm 
heren anderschwa loblicher gedienen möchte denn hi in disera kloster it Töss. 
Darum hat sy fil strjtes mit ir selber, ob sy hie wölt beliben* Und do sy zu 25 
ainem mal in der kuchi was, do kam ir aber ir anfechtung; do gedach sy; 'Her 
min Got^ un dinen willen wil fiis^j ich mit tun.' Hie mit gedacht sy das sy 

12. vor der KapMüherßckrifti {r.} Von den layen achwestero N. 2S. Tnfarm hier 

MO G. 24. difem cofent M kl, d&nn cofent ald durchür. (r.) G. 25, D&ntm Aiw 

m G, 25. hie in da gmndtft (r*) Q. 26. gedieh m 0\ egl S. Sl^tS u, d. 

12. Dim€ LmemchweiUr Ita Sui serin iM ßdmfalli von der retchm Wüme Ita i»on Suh 
(Ä 20 ff.) £u unierMcheiden, Ein Heinrich Sulzer^ Unteramtmann m Kiburg^ nitzt am S. Aug. t349 
m Her sog AibrechU üot Oderreich Kehthof ^ WinUrUmr $v Gerichi ^eim Verkauf ein^ Guies an 
Eioiter Toß\ deraibe heurkundei die Übergühe einer Mühle su Oberwinkrihur durch die Eloiterfrauen 
SU Tofi an die MüMerin zu Oberwinierthur. Am 2. Märe 1358 gebieiei Hersog Rudolf vom Oiierreidi 
dem Rudolf Sutser, Vogt zu Kiimrg, oder teinen Nachfolgern^ dem Gnadenbriefj den sein Vater 
dem Khiter Totz wegen des ihm im Kriege f?on den Zürchem und deren Eid^enouen sugeßgten 
Seftadene erteilt habe, Folge su leisten. 



80 XXVL Ito Solzerin. 

brinnend glftt in die hend nem: brannte sy die giflt, das ir das ain urknnd wer 
das Got ir leben anderschwa genemer wer denn hie. Mit disem geding, das sj 
mit Got hat, do graif sy in das für, und fult ir hend bed foU frischer glftt, ODd 
sass ain wil und stflnd do uff und gieng in den krdtzgang und hat allwegent die 

5 glitt in den henden. Also forcht sy das die schwestren uss dem kor gieogest 
und es sechind, und iait die glftt in den schapren, und trukt sy do fast an sicfa, 
und do sy wider in die kuchi kam, do hat sy weder an den henfus^jden noch an 
dem schapren kain zaichen, ob ir ie kain für dar in kumen wer. Und do gewan 
sy gantze sicherhait das Got ir leben nien als loblich wer als in disem kloster. 

lOj Dise Schwester dunkt och zt ainem mal das ir Got als frömd wer. Das klagt 
sy der sälgen Schwester Willinum von Gostentz: die trost sy mit sässen and 
mineklichen Worten und sprach: sy sölt von Got vergftt haben siner gnad. Hie 
mit gieng sy an ir bet an ir haimliche, und kam in als hoche andacht das es 
über alle ir kraft was, und sprach denn mit lüttem lachen: ^Hör, herr, hör! ich 

15 enmag recht nit mel' So sy das ain wil getraib, so brach es denn zft ainem 
lütten wainen fll6(^J, Zfi diser gnad und fil höcher kam sy gar dik, da von wir 
doch nit gantzlich gesagen kunnend. Zfl ainem mal do lag sy siech, als sy laof 
vor irem tod tett, und zft ainer zit do sprach sy zft ainer andren s41igen Schwester, 
die och in dem siech huss lag: ^Schwester Anna, uns kumet ain artzet und ain 

20 artzetinl' und zehant do sachent sy bed das unser frow kam uff dem esellin, als 
do sy Joseff in Egipto fftrt, und hat das kindli in der schoss und fftr zft ina 
beden und Iait ietweder ir band uff ir hobt, und an der selben stund do wurdent 
sy gesund von grossem siechtagen. 

Von der emssigen Übung in der [116^J sich dise sälig Schwester an allen 

25 gfttten werken ftbt, do ward sy manigfalteklichen angefochten von dem tufel, der 
da ist ain nider aller tugent. Er nam ir dik ir pailemoster und zerbrach es alles 
und warff ir die ringly under ir bett und Hess ain ringly nienen by dem andren, 
und so zwang sy in denn das er sy alle zesaraen mftst lessen und ir sy in ir 
fenster legen. Und hie by mag man wo! merken wie gewaltig sy sin an andren 

30 Sachen was, das ir och grösslicher möcht han geschadet. Zu ainem mal wolt der 
cofent ünsem heren enpfachen, und sy ftbt sich in grosser andacht. Und do 
[Il7aj in der mess ward, do erschan ir der tüfel als ain schöner herr, und tett dem 
glichen als er unser herr wer. Also ward sy betrogen alle die mess, untz das 
sy die bewerrd anfieng. Und do sy zft dem altar wolt gon, do sprach er: 'Wes 

35 bedarfft du des? ich bin doch gegen wirtig hie by dir!' Do sprach sy: *0 her, so 
ist doch die gnad der gemaind als gfttr Do verschwand der tiiffel. Und do sy 
ünsem heren enpfieng, do ward sy gesichret das sy von dem bössen gaist niemer 
me betrogen solt werden, und ward ir in der gnad erzaiget das Gottes lichnam 
die sichrest gnad [ii7f>j ist die der mensch in disem leben mag enpfachen. 

2. defi hie unterpunktiert (r.) G, 11. von den Namen ist der erste nicht ausgezeichnet G. 

14. hör = hör auf: Schwz, Idiot. II, 1573, 27. ringlj: 7 aus i korr. G, 



XXYL Ita Sulzerin. 



81 



Es beschach och zu ainem zit das sy wuchnerin was in der kuchin. Und 
aines tags, do sy nach der melty den haffen gesod und in der kuchi gelett was 
sy bedorftf do was es dennoch gar fn\. Also gieng sy uff die capell an ir ge- 
bett» und ubergoss sy do Got mit so hocher gnad das ir gaist von irem Üb ge- 
zukl ward, und ward ir do zu erkennenl geben sftlliche wunder von Got davon 5 
wir nit geschriben kunnent. Under andren wundern das sy schowet, do ward 
ir foUkumenlich zft erkennent geben die lutterkait ir sei. Und do die sei wider 
tt dem IIb solt kumen, do schwebet sy lang ob [tis^j dem lichnam, und schowet 
wie schmAch und wie unedel er was und wie tddmig als die erd, und wie adel- 
lich die sei von Got geflossen was. Und do sy wider zu dem kranken lib ge- 10 
füget mftst werden, das tett sy als gar ungern und gedacht: *Owe! mfist du zil 
dem grüUchen lib wider faren?* Und also kam sy wider zA ir selber und was ain 
mensch als och e, und gieng wider in ir kuchi. 

Unser herr raitzct sy mit mengen dingen, das ir gird dester grösser wurd. 
Sy sach zu ainem mal ünsem heren, do in der priester uff hftb, in der form als 15 
ain kjaines kindli, Sy was och ztl ainem mal als maslaidig der spiss das sy 
nit gern ass (tis^j^ und gelust sy naiswas als gar fast, und das sach sy ain 
Schwester essen, und doch überwand sy sich selber gantz da. Und do in der 
nacht ward, do erschan ir unser her in dem dormiter in dem bild als ain alter 
her, und hiess sy mit im in das refentar gon und salzt sy über ainen tisch, und 20 
stund er für sy und fieng an Gloria in excelsis und sang es alles uss mit 
ainer also rilichen stim das sy muglich dunkt das es ales ertrich hetti gehört, 
und darnach sprach er zft ir: 'Schwester Ita, wilt essen?' Do sprach sy: '0 her, 
ich han die masslaide, das ich nil gern iss,* Und do woU ir unser her erzaigen 
das im danknem was das sy sich an dem abent (lt9^J an der spiss hat über- 25 
wunden^ und lait ir ain wisses brot für, und do sy des brotes erst versucht, do 
vergieng ir alle ir masslaide, die sy vor dik hat gehebt, und gieng sy für das 
mal niemer me an. 

Sy was och zA ainem mal als siech das man sy in das todbet lait, und do 
sy sich beseret, do wer sy gern wider an ir rechte betstat gelegen. Des woltend 30 
ir die schwestren nit helfen und sprachent sy wer z4 krankp Und do die 
schwestren zu mess giengent, do kam unser her und unser frow und die haiigen 
engel, die pattriarchen und die profeten, die xii botten» die martrer, die 
bicbtter und die haiigen ra&gt und betenden t iiiBf^J ir^ und do die schwestren 
von mess koment, do fundent sy sy an der stat da sy for gelegen was, e sy 35 
siech wurd- 



8. lib nacAir, am Remd migeßgt G. 13, - E ' G. 

hervorfffhohen G. 32» giengent naehtr, am Rand sugefugi. 

nichi hen?ofg€hobm G* 34. betedent m G, 



2L dk laidnkchm W&rU nicht 
33. botten, {mt$ Versehen) 



7— 12. Zu diesem Ekelgefühl nach einer V^zückung vgl Deniße in Bm. f. dt A, 2i^ 4^5^; 
wem Mgitiksrpaar S. 5ß und MutpüU S, llft. 

Deatictie Text« dei HltttUKer« Vi § 



82 XXVL lU SabMrin. XXVII. EUi Yon Elgao. 

Sy saeh oeb zft ainem mal in der cumplet das sich ain schönes wuimek- 
liches liecht von dem altar herab lies durch den kor nider uff iekliche Schwester 
sunderlich, als sy in ir stdlen stundent« aber uff aine fil klarlicher denn uff die 
ander, und wele Schwester in ir stftl nit was, uff die schan och das liecbt nK. 

5 Sy sait och ainer Schwester zft ainem mal was das wort Jerusalem betute. 
Und als fraget sy die Schwester wer ir es hetti gesait, do sprach sy in ainer 
gehe und von überfölli aines sdssen hertzen: *Do ich [120^J manigen sAssen 
harten klang han gehört, do bort ich och das. Und da by mugent wir merken 
wie dik ir minender gaist gezogen ward in die himelschen Jerusalem in amem 

10 luttren schowen, won das erzaiget ir usser wandel foUeklich das ir hertz und ir 

gemAt emssklichen wonet in ewigkait, wie sy doch mit dem lib wonet in der zit 

Ir säUig leben folbracht sy uff ain sälig end. Und do man sj begrfib, do 

bewiset unser her vor aller der lütt gegenwirtikait das das ewig liecht in irem 

hertzen hat gelüchtet, mit diser wunderlichen geschieht. Es was des tages als 

15 fil ungewitters [i20^jy und do die schwestren die kertzen trügent ob dem grab, 
do erlaschent sy recht gantzlich, und dar nach schier un aller menschen hilf do 
enbrunnent sy als krefteklich das das wachs recht nider flos. Und hie von 
wundretent sich die lüt die es sachent. 



[XX VW Yon der salgen Schwester EUi you EUgnn* 

20 Wir hattend och ain andre sälige laigen Schwester, hies Schwester Elli von 
Ellgü, mit der unser her och gar sösseklich wurkt, und gab ir och fil zu er- 
kennent der gnaden, so er andren schwestren tett. 

Dise sälig Schwester kam in dis kloster do sy xim jar alt was, und fieng 
bald [121a] an ünserm heren zft dienent mit grossem fliss. Sy lait gar ir ussren 

25 sorg und unmflss dar an das sy dem cofent getrülich gedienete, und darum was 
sy wol uflf L jar in disem kloster, das man nit kund wissen das sy ie kaines 
andren werkes begunde. Sy pflag do des gadems und der seien alain, das sy 
kain helferin hat, und dar an was sy den schwestren als gar trostlichen und 
was als milt, und erschoss ir doch als das wol da mit sy um gieng. Wenn sy 

80 den cofent bericht des er zft der zit bedorft, so ilt sy mit begird in den kor 
untz für den altar, und lait denn ir hand uflf den altar als sy gedächte: 'Lieber 
her, möchte ich dir nun nächer kumen, das täte ich gern', und goss [I2if'j denn 
recht bald als fil trechen das sy recht uflf der erden schwebetend. Sy hat grosse 

19. schweßter hier nicht in • S • abgekürzt G. 20. [W]ir unvalUt. in S[y] korr, (sw. u. r.) G. 

23. dis in das korr. (r.) O. 26. dlfem in dem geändert {sw. u. r.) G. 

19. VgL S. 24,28, 26,12. 40,6. 44,3 {Zeitgenossin der Elsbet Scheffiin und der Anna von 
Klingnau). Ellgu (wolU < EllgÖu): j. Elgg, ma. Elggau (< Eilahgowa), Städtchen bei 
Winter thur. 



XXVH. Elli von ElgÄn. XXVIII. Bell von Schalken. 



» 



arbait mit dem cofent, und dar zft arbait sy sich grösslich och mit fasten und 
mit ernsthaftem emssigem gebett. Sy wachet stäteklich nach meti und vor meti 
als lang das sy licht kum zwatger vigilien lang schlieff, und bettett denn als 
mit grosser andacht das es nit zwifel ist, aller der cofent genusse ir grösslich 
gegen Got* Sy hat och sunderlich grosse gnad^ über die siinder und über die 5 
seien zt bittend, und kamenl denn die seien recht emssklichen zu ir und rettend 
mit ir und sy mit inen, Sy bat och sunderlich für ainen weltlichen heren» der 
lebt in als {122^} grosser wirdikait das es umb sin sei ungewärlich st(i.nd, und 
unser frow sichret sy das er durch ires gebetes willen behalten wurd und das 
er aber gar ser verschmächt wurd, und das geschach im och* Sy sach och 10 
ainesi an aler engel tag, do der cofent ünsern heren enpfieng, das iekliche 
Schwester, so sy von dem altar gieng, als durch lüchtet was als ain kristalh 

Ir hailig leben zaiget folleklich das die götlich min in irem bertzen bran, und 
das sy klaine sorg hat umb alles das zt irem lib gehört. Sy hat das wort wol 
zt hertzen gelait: Querite primum regnum dei etc., Söchent des ersten das 15 
rieh Götz» und alle andre ding werd/i^^J^yent ücb zftgeworffen. 



(xjvinj Von der salgen 8 Belli toh Schalken 
der laig Schwester, 

Wir hatteot och ain andre sälge Schwester, hiess Schwester Belli von 
Schalken, und lebt in disem kloster von iren kintlichen tagen untz uff ir end 20 
tuglich und sAliklich, und hat den aller bessten fliss das sy den schwestren in 
dem reffentar wol kochite, und manet och die andren von grosser andacht darzft, 

Sy hat als grosse [I23^j begird zH dem cofent: wenn sy sich zH im mocht 
gefAgen, das was ir ain sunderlichi fröd und trost, Elwenn so sy die mfts hat, 
so gieng sy in den refentar, so man zfi tisch las, und loset begirlich. Wie fil sy 25 
unmÄss hat, so bettet sy doch recht emssklich und wainet och als genucht- 
samklich als ob sy in dem kor wer gestanden* Sy nam och gar stark disciplinen. 
Sy faslet och regel fasten unlz an iren tod, und was wol xxx jar das sy nie un 
mal getrank, sy fasteti ald enbiss, und hat denn als grosse pin von turst. Und 
do sy och zu ainem mal also fast turst, do gieng sy an ir gebet und enschlieff 30 
ain klain, und dunkt sy das ain minenklicher {i23^J köpf mit dem aller luttresten 



16. etc. ] et ee G. 

dtni geändert G- 



19. [W]ir m Sy gtanderi (r,) G. 
21, tuglich io G. 



20- diTeiD nach^. (r. u, tw.) 



18. Schalken^ Schale hin ^ "ein Dofflein in der Pfarrei Wüdherg, Uihaeise mr Lmd^^gUi 
Kümrff^ ieilweiMe -rwr Lnndvogtei Greif en^te gehörig* {Leu), äum der ehemaligen Burg äa8eih*t<t au* 
der em Harinmnn 1267 Difnstmann des Grafen Hartmann von Kiburg, eine Elisabeth 1275 ÄbiiMin 
tu Scktnnis war, dürfte «twcrc Ktoiierkoehin woM kaum stammen, 27. in dem kor, pgL i4,27 

in der mes^ {und Anm.\ was hiedurch bettätigt wird. 



84 XXVm. BeU and XSTIU«. Biehi Yon Schalken. XXIX. Bell Ton LütisiMch. 



brunnen für sy bracht wordi, und sprach do ain stimm gar sftsseklich z& ir: 
^Trink des wassers so von minem hertzen flos.' Also trank sy begirlich, and do 
sy zft ir selber kam, do was ir turst gantzlich dahin. 

Sy hat och ain sälge schwester hie inn disem kloster, die hiess 

5 [zxviiH -S- Bichl, 

die pflag der siechen von ir jugent untz an iren tod mit grossem fliss und an- 
dacht. AI wegent zft meti gieng sy umb zft ainer ieklichen sunderlichen . Tag und 
nacht was sy inen diensthafft willeklich und frölich. Sy hat och fll hailiger 
Übung mit wachen, mit fasten und mit andächtigem gebet. Sy lag zft ainem mal 

10 an irem bett [124^^] und schlieff, do die sälig schwester Mechthilt von Hoff hin- 
zoch, als es licht Got wolt (won es ungewonlich ist), und do hört sy gar schon 
singen. Also erwachet sy, und do hört sy das sy tod was. Do yerstund sy das 
die engel ir sei zft himelrich hattend gefdrt mit dem schönen gesang. 

Do dise sälig schwester Riebe von diser weit säliklich geschied und sy uff 

15 stund, do sprach ain stim zft schwester Iten Sultzerin: Tetin ir alle als Richi 
von Schalchen, o was üch grosses nutzes dar an geläge, so ir ain zit anfiengint, 
das ir denn andächteklich gedächtind was unser her zft der zit durch üch laid! 
Amen.' 

[mh] [XXIX] Yon der sälgen 8 Bell Yon Lütisbacta. 

20 . W\T hatent och ain gar sälge alte schwester, hies schwester Beli von Lutis- 
bach, die erzaiget die min so sy zft Got hat, an fil strengen und hailigen 
Übungen. Und sunderlich do hat sy grossen andacht zft der muten mfttter unsere 
heren Ihesu Christi, und las ir gewonlich alle tag m fünflzig Ave Maria. 
Nun wolt unser liby frow erzaigen wie genem ir ir dienst was, und do sy zu 

25 ainem mal in dem siech hus an irem bett lag, do erschau ir die aller schönest 
frow die ie menschen og gesach, in ainem schnewissen klaid, und satz sich recht 
haimlich zft ir nider zft dem bett. Do [i25a] wundret sich die sälig schwester 
Beli von der un massigen schflni diser frowen und wer sy wer. Do gab sich 
die milt magt zft erkennent und sprach: 'Ich bin din mfttter von himelrich, die 

80 du dik geeret hast, und dis wis klaid hast du mir gemachet mit dem engelsch- 
lichen grfttz, den du mir als dik mit andacht sprichest.' Hie von ward sy 
recht durch gössen mit fröden, und sait der milten mfttter gnad und dank das 
sy iren klainen dienst als danknemlich hat enpfangen. 

1. und ] vn G. 4. hie in gestr, und am Rande (mit Verweisungszeichen, sw.) in de kloster 
nachgdr^ aber wohl erst infolge der Korr. des MinüUors O, 9. "mit" und G. 20. [W]ir tu 

Sy geändert (r.) O. 26. fatz so G, 



19. ^Leutisbachj Lütisbach, Lütschtbach, ein Dorf in der Pfarrei BoUingen in dem Bemtrischen 
Amt Ober-Simmental,' Leu, Helv, Lex. 



XXX. Mechthilt von Wediewil. 



XXXL Adelheit yon Lindau. 



85 



Nun woll sy die milt mütter noch merer raitzen zti irem dienst in diser wis, 
woö sy dunkt in der gesiebt wie unser frow nienen ermel an dem klaid hetti, 
und hie von wundret sy sich und [126^] begert zu wissent von unser frowen 
was es mainte> Do sprach sy gar mineklich zu ir: *Dü sprich est mir alle tag 
m fünftiiig Ave Maria; nun solt du mir noch ain fünflzig sprechen: so han ich 5 
ain folkumen klaid von dir.' Und dis 1er enpfieng sy dankberlich von iinser 
lieben frowen, und flais sich fdrbaser noch merer zu irem dienst und zft dem lob 
ires aingebornen kindes ünsers Heben heren Jhesu Chris ti* 



[xxK] Von der salgen 8 MecW/iilt Ton Wediswll. 

Wir hattend och ain andre tugentsame Schwester, hies Schwester Mecbthüt 10 
von WediswiK Über die verhangt unser her von sunderlicher liebi grossen 
siech tagen vor irem tod, und sunderlichen [t26<^} in dem hobt hat sy als unsag^ 
liebes liden das ir es die schwestren emsseklichen müstent heben nun vor irem 
$er. Und sunderlich hat sy zu ainem mal als gross liden das sy es unserm 
heren klegt. Do wolt sy der herr alles trostes nit ungetröst Ion und erschan 15 
ir in siner marter, als er mit der dürnninen krön gekrönet was, und lait sin ver- 
wundet hobt für sy uff das bett und sprach do gar mineklich zu ir: 'Nun schow 
wie mir min hobt verwundet was durch din liebi, und betracht ob mir wirser 
sy gewessen ald dir!' Und hie von entpßeng sy als unmäsigen trost und ge- 
dultikait das sy dar nach nit so 61 trostes wolt [12G^] han das ir die schwestren 20 
das hobt hettin als for, won das man ir es hinder sieb müst binden mit ainem tüch. 



[xxxij Yon der sälgen S- Adelhait von Lindow. 

Wir hatend och ain gar sälige laigen Schwester, hies Schwester Adelhait 
von Lindow, und was wol hundert jar alt, do sy starb, und was recht gantz- 
lich erblindet, und lag wol iii jar vor irem tod zH bett in sMlicher gedultikait 25 
das ir pflegerin das von ir sait das sy sy zu ainem ainigen mal nie ungedultig 
gesach, und bettet als gar emsklich das sy ir pflegerin fil nach al/i27aywegent 
betend fand baidi tag und nacht, und was als frölieh das sy dik hübschi liedli 



9. meehilt hkr O. 10, [W]ir in Sy gtündett (r.) 6\ IL Wediawile; doM Schluß-e 

wiierpuiikikri {wm.) und gestr. (r.) G (weldirwü ttntf weldiffwil ü). 14. unferm hier $q G, 

23. [W]ir m Sy geändert (r.) G. 

9. Wädenamii am Zürchergeei hier jedenfalk dm DGrf\ nickt dit gleichnamige herMmie 
Burg. 22. Lindau hei lUnau^ eitern . Landvogiei Eihurg. Auch ein Dörfchen in der Pfarrei. 

Küfinacht {hm Zik-ich) ßArt dii^en Namen, Leu^ ffelv. Lex. 



m 



g6 XXXL Adelheit von Lindau. XXXH. Eltbet Bechlin. 

sang Ton ünserm heren wol gernfttlich. Etwenn rett sy och als gar mineklicfa 
mit Got recht als er vor ir sesse in gegenwurtikait. Etwenn sprach sy: 

^Ach lieber her, du bist min vatter und min mfttter 
und min Schwester und min bruder; 
5 ach her, du bist mir alles das ich wil, 

und din mütter ist min gespil.' 

Unser her was ir och gar haimlich mit sinen sundren gnaden, also das st 
selb veijach das sy etwenn unsern heren und die haiigen sächi. Sunderlich lü 
ainem mal was sy als gar frölich geschaffen, do ir dienerin nach der meti zi ir 

10 kam, das sy wunder nam was ir wer beschechen, und fraget sy [127^1 darum. 

Do sprach sy wol gemütlich: 'Was solt mir me sin? unser her und unser frow 

warent by mir und band mich getröstet, das ich niemer von inen sol geschaiden.' 

Ain andre Schwester lag och ainest by ir in dem selben siechhus da sy lag: 

die bort das sy ainest mit lutter stim ruft und sprach: *Ist iement hie, der stand 

15 uff bald: unser her und unser frow und alles himelsch her sind hie gegenwirtigH 

Dis mftst sy mit gaistlichen ogen sechen, won sy gesach mit den liplichen nil 

Sy lert och zft ainem mal ain andre laigen schwester die antiphon Ave 

Stella matutina und sprach do zu ir: ^Nun lern sy dester gemer, won üns^ 

frow hat mich sy selber gelert.' Und dis [12%^] sond wir bilich geloben, won sy 

20 tet och sunderlich unser firowen, der muten kiinginen, manig gross und andächtig 
gebet Damach do unser her sy ires getrüwen langen dienstes weit mit im 
selber belonen, und sy mit ainem hailigen end von disem eilend geschaiden was, 
do erschau sy ainer schwester in dem schlaff, und sprach mit ainer frölichen stim 
den vers: 'Quam magna multitudo dulcedinis tue, domine!' o her, wie 

25 ist die manigfaltikait diner süssikait so gross, die du hast behalten denen die 
dich fürchtend! Do sprach die schwester zu ir: *Verstast och du was das be- 
dutet?' Do sprach sy begirlich: *Ja, won ich bin da, da ich sin alles befunden 
han!' 

[12%^] Dar helff uns Got allen! Amen. 



80 [xxxu] Ton der salgen S- Elisabet Bechlin. 

Mich hat begird zu ünserm heren das ich im möcht gedienen an sinen 
fründen. Das fügt er mir also das mir zu sinn kam zu schriben von gütten und 
s41gen schwestren Übung und von sunderlicher Offenbarung der gnaden, so unser 
her tet, der ich dik fil vor mir hört sagen. Und do ich aines tages sass und 

2—6. du ZeUen vnabgesetzt 0, 17. antiphon] an" G, 20. kunginen manig tmfer- 

strichen {ohne Grund?) G. 81. Mich] /.: Ich? (so Ü). 

24. Ps. 30^20. 30. Der Name erscheint bei Leu nicht, — heute noch im Aargau (Bächli). 



XXXIL EUbet BticMin. 



87 



schraib von üßsren sälgen schwestren, als man an disem Mch wol gehöret hat^ 
do fi^t es sich von geschieht das die lugenthaft Schwester Elisabet Bechlin 
zi mir kam. Nun het ich gern etwas von ir gewist, und bracht es mit bedachten 
[129^J Worten darzft das sy mir ward sagen. 

Do sy nit won viii jar alt was, do was ir in dem schlaff wie sy unser Heben 5 
frowen vor ir sAche, und sy gieng bald zft ir zehand: do enpßeng sy die rain 
magt under Iren mantel als zartUcfa als ain mütter ir hertz liebes kind, und sprach 
zA ir: 'Sich, uss disem mantel wil ich dich niemer gelasen.' Do ward ir kint- 
liebes hertz also gesterket mit gnaden: so ir darnach etwas wildikait begegnet^ 
als sölichen kinden von natur an ist, so gedach sy zu band: 'Ach, wilt du unser 10 
frowen uss dem mantel fliehen?' Darnach do sy x jar alt was, do dunkt sy wie 
sy ir [129^] vatter zu der weit welti tun- Do gieng sy zft im recht keklich und 
sprach: 'Vatter, du solt wissen: und gist du mich zt der weit, ich wil an dem 
jüngsten tag uff dich schrigen!' 

Dar nach do sy xi jar alt was, do kam sy in dis kloster, und dienet Got 15 
also Mlich und willektich das sy also was gesin uff lxü jar in disem kloster, 
do sy mir dis sait, das sy nie so fil armüt noch arbait gelaid das ir ie rüwiger 
gedank in ir hertz keme, ienen anderschwa zu sin. Do sy mir dis hat gesait, 
do bat ich sy fil ernstlich und wolt sy nit erlon sy müst mir fürbas sagen. Do 
sprach sy fil ainfaltikhch: 'Kanst du mir icht sagen war zu es gÄt sy?* Ich 20 
sprach: ^Ja. Es beginnet ietz die götlich min /I30^j an fit stetten erWscben in 
der menschen hertzen, und mÖcht ain mensch über fil zites etwas hören, das es 
gedächt: *'Wie lebst du sus! nun wilt du doch och zu himelrich: warum stellest 
du nit darnach das dir och Got sin gnad gebf 

Do sprach sy: *So wil ich es Got ze ainem loh sagen, also das du es ver- 25 
schwigist die wil ich lebe. Ich was zÄ ainem mal gar siech; do ward z4 mir 
gesprochen: ^Won du mer lipliches trostes hast gehebt denn Schwester Margret 
Finkin, da von müst du dis arbait liden/ Hie mit ward mir zu verstent geben 
das ich ir gelich solt werden an dem Ion, In demselben zit ward ich als tob 
das man mich in grosser hfit müst han und fil arbait, und do mir der sinn wider SO 
fiso^j ward, do was ich etwe fil zites das ich nit wist mit gütter beschaidenhait 
wenn ich recht oder unrecht tet, und das was mir ain als pinliches liden. Hie 
von lost mich Got, und gab mir alsölichen trost das ich do lang zit was, das 
mich kain ding raocht betrüben. Hie nach was ich aber wol xmi tag in dem 
forgenamten liden, und in dem selben zit ward der cofent ünsern heren nemen, 85 
und do ich ünsern heren hat enpfangen und ich in ünsern stil kam, do gedacht 
ich an ain wort, hat mir der gut lüppriester von Bichlense gelert sprechen^ wenn 



10. gedach iö G; vgl 7$,SÖ. 15, dia i>i das geändert {r.) G. 

und dafür am Rand (#».) der 8[chw«Äter] emt^eMelst G. 20, "aAgen" 



17, lüir durchsir^ (r.) 
icht Q. 



37. jeUt Bichdsee^ See und Dorf am Fuß dti Schaumher^a. 



88 XXXn. Ebbet Beddia. 

ich nit gnaden bet, und das was also: *^Her« ich ermanen dich das din hend und 
din hertz gegen mir offen stond, und das du mir [isi^] diner gnaden nit yersagen 
macht" Zfthand do ich dis gesprach, do hört ich das ain stim recht in mir 
sprach: ^^Was wilt du das ich dir tdg?" Do sprach ich: das er mir selb geh zft 
5 sprechent: ^'O herr, ich wil das du dich niemer von mir geschaidisL" Do sprach 
er: ^^Das wil ich tftn; ich wil mich niemer von dir geschaiden." Do ward min 
hertz und min lib von sinen gnaden also gesterkt das mich das liden sider nie 
berftrt hat; mir gehiess och niement das ich gelebeti. Nun bin ich uff Lxzm jar 
komen, und das wil ich von sinen gnaden han; won mir gebrast sider nie trostes. 

10 So mir joch etwenn etwas geschach, so ich mich denn nit won zft im kert, so 
was es enweg.' 

Do sy mir dis gesait, do het ich gern etwas me gewist Do sprach sy [131^]-. 
*Ich kan dir nit me gesagen: mich dunkt wie ich als fil und als gnftg het das 
ich in sider nie nütes sAliches wolt bitten.' Doch sait sy mir darnach das sy 

15 ainest dunkt wie sy ünsem heren sech, als er ain kindli was, von dem altar 
herab gon, und hat ain sidin rökly an in der farw als ain bruner samet, und 
gieng zft ir gar haimlich, und satzt sich uff den bank der vor ir stund. Also 
sprang sy uff von rechter gird als ain mensch das von im selber komen ist, und 
zukt in und satzt in in ir schoss, und sass sy an die stat da er gesessen was, 

20 und tet im so sy iemer gfttlichest kund, won alain das sy in nit getorst küssen. 
Also sprach sy von hertzlicher min: ^Ach hertz trut, getar ich dich geküssen?* 
Do [132a] sprach er: ^Ja, nach dines hertzen gird, wie fil du wilt.' 

Sy was och zft ainem mal siech, und dunkt sy wie unser frow zft ir kem 
und bracht ir aber ires kindes nit. Do sprach sy: *Ach frow, wo ist din kind? 

25 gang recht und bring mir in.' Damach in dem advent dunkt sy aber wie unser 
frow kem und bracht ir ir liebes kind und gab ir es an ir armen und sprach: 
'Nun nim in und tft im wie gütlich du iemer wellist.' Und dis was ain als 
mineklicher anblik, und aber sunderlich so was im die kel under dem kinn als 
zart und als mineklich. Do ward sy gefraget ob sy in icht kusti, als da for stat. 

30 Do sprach sy: *Ja zwar, er hat mir es doch [132^] erlobet!' Dis sait sy für ainen 
trom; aber es ist geloblich das sy in Got entschlaffen wer. 

Was ir unser her lieby erzaigt mit sus getonen dingen, das enpfieng sy dank- 
berlich; aber sy stalt nit fil mit gebet darnach, won sy sprach: 'Der sichrest 
weg den ain mensch mag han, das ist das er sich vor sünden hdty und sich 

35 an tugenden übe.' Ir was och zft ainem mal wie das gross crutzifix an den 
gräten lag, und warent ünserm heren die ogen zft geton, und sang aller der cofent 
Gloria in excelsis Deo, und do sy sungent Gratias agimus, do dett er sine 
ogen uff und sach an ietwedren kor und sprach mit ainer ernsthafter stim: 
'Warum nigent ir üch nit und lobent und [I33a] dankent mir umb als fil arbait 

3. vor recht ein zu gestr. (r.) Q, 8. ber&t Q. 35. mal mit Verweisungszeiehen 

am Rand nachgetr. 



XXXII. Ebbet Beehlin. 

die ich für üch und durch üch erliten hau?* und naigt do sin hobt uff ir hobt, 
und gieng sy do der siech tag in dem hobt an, als davor geschriben ist. 

Des selbes jares hat der cofent grossen gebresten an win und an körn, und 
hat sy dafür das das von undankberkait gesehen wen* Ainest, do sy kelerin 
was» do starb ir brUder. Nun het sy siner sei gern fast gehulfen. Also ward 5 
sy siech an ainem bain» das sy nit tne kelerin mocht sin. Also was ir wie ir 
brüder kern und hies sy lü dem tor gon und sprach: 'Ich han dir ainen artxel 
bracht/ Und do sy dar kam» do stund ain Jüngling da in sehne wissem klaid 
und trüg ain büchsen uff im mit ainer edlen salb und salbet sy recht wo), und 
ward ii33^J also gesund das sy noch do fil jar kelerin was. Also gedacht sy IQ 
das der Jüngling ires brüders engel wert und siuer sei die gehorsami nütz weri, 
so sy sich ze dem keler übt. 

Sie hat och den guten heren Sant Blas&i sunderlich lieb, und was ir zA 
ainem mal, wie sy für sinen altar giengi, als er hie vor was, und sach in for 
dem altar ston in bischoTflichen klaid, und warent im die füss bloss, und sy IS 
fiel bald für in und kust im die Mss und stund do wider uff* Do sprach er zu 
ir: 'Enüw nider und enpfach den segenT und sprach do zu ir: 'Nun hab alwegen 
jamer und begird zu den dingen darzü du geschaffen bist/ Do sprach sy: '0 her, 
ich weri von gantzem hertzen gern [iSi<fj da/ Do sprach er: 'Das sott du an 
Got lasen wenn er das tftn well, und solt aber du allwegent jamer und begird 20 
darnach han.' 

Dise sÄlig schwester hat vor allen dingen sunderlich ain fridsames rainriches 
hertz gen Got und gen den lütten, und was sy gutes tett, das tett sy Got frilich 
zft lob, und sprach; ^0 her min, was ich tun, das gib wem du weihst, und bis 
du mir alain hold : daran han ich recht gnttg/ Sy hat och sunderlich ain Übung, 25 
das sy die xl tag als unser her in der wüst! was, alle tag mit ir andacht zft 
im gieng und mit sunderlichem gebelt, und nam im denn sin füss in gaistlicher 
betrachtung in iren bissen und durch wärmt im sy [f3i^J recht wol: hie von 
enpfieng sy fll gnaden und andacht. Und ztl ainem mal do sassent elwe fll 
schwestren by ain andren, und retend och davon das unser her in der wüsti 30 
was, Do sprach ain schwester: *Ich kan als wenig mit im in der wüsti/ Do 
sprach dise sälig schwester Elisabet Bechlin: ^Nun kan ich da gar wol mit im: 
ich nim im da sin hend und sin fiiss und werm im sy in miner schoss. Dem 
hobt kann ich nit getfln: das har ist im als verwalken das ich im enkainen rat 
kan gettin/ Sy sprach och: *Unser her hat sich mir mit sinen gnaden dik 35 
früntlich erzaiget; aber mineklicher und begirlicher ward er mir nie, er wer mir 
als begirlich in der wüsti. Er gab mir von sinen gnaden, do ich [iSf^oj in der 
betrachtung was ze ainem mal und vor minen ogen hat die grossen demütikait 



1, v&r ir hobt üt lin broat r, durchitr. G. 3. felb^B »o G. 3. und (v&r an) ] vn 

Mer {?, 10. fy (das xweiie} mit Verweütmffixeichen am Rand liacfig^agen (r. 33- "fft£f'' 

Hq G* 35. ünler unferstr. (r.) O. 33. vn mit Verweifunffizeichen am Rand nac%«lr. 0. 



90 XXXII. Ebbet Bechlim XXXUL Ebbet Yon CeUinkon. 

die er von minen erzaiget durch lins an der stund do er von dem bftss^i gaist 
versucht wolt werden, — und er zaiget mir die stain mit den in der bAss gaist 
versfleht, do er sprach: ''Sigest du Gottes sun, so sprich das die stain brot 
werdint", und gab mir ze entpfindent das liden und die not so er do von himger 

5 hat Des ward ich entpfintlich inen von siner vätterlichen gAti/ 

Ain Schwester klegt ir zfl ainem mal das sy nit als fil trostes von iren 
fründen heti als sy gern hett gehebt und ocht etwenn not dürftig wer gesm. 
Do rett sy als gar trostlich mit ir das sy wol von ir getröstet ward, und riet ir 
[135^] gar ernstlich das sy sin an unsem heren kern, und under andrer red do 

10 sait sy ir das sy och zfl ainem mal mit söllichem liden versuchet ward: do ging 
sy zfl flnserm heren und bat den mit ernst das er ir darinn zft hilff kern« Dfö 
gewert er sy all zfl band unser lieber her, und ward von sinen gnaden wd 
getröstet an dem hertzen, und sant ir zfl hilff den gedank wie er sprach zt 
Levi: *Verwig dich dines vatters erbes und weltliches g&ttes: ich vdl selb din 

15 sin.' Und do verwag sy sich willeklich durch Got aller liberflüssikait, und uns» 
her liess ir darnach ir notdurft nie gebresten. 

Do nun die sälig Schwester [i%6»] Elisabet Beklin fil zites and&chteklicfaen 
Got gedienet hat, do schied sy von diser weit mit ainem säligen end. 



[XXXIII] Yon der salgen S- Elsbet Yon GellinlLon. 

20 Die sälig Schwester Elsbet von Gellinkon kam in dis kloster do sy vi jar 
alt was, und sy sait der Schwester die dis schraib, das wol uflf xxx jar was 
das der orden bestettett was und dis kloster hie töss wol xviu jar gestanden was. 
Und als sy alt was an dem orden, also hat sy das an ir das ietz laider von 
unser fil, die in gaistlichem leben sind, ist alt und verworfifen und [ise^j aber 

25 den menschen Got fil genem machet, der es an im hat: das was dis: sy was ain 

minerin der strengikait und arbait, des libes armflt und eilend, und fil nider- 

trächtig ald klain geachtet in der lüten ogen; die stuk diser tugent hat sy an ir. 

In grosser strengikait ward sy in ir jugent erzogen, und in söllicher armflt 

das uns ward gesait: do sy fil jung was, das sy do dik zfl refifentar mftst gon. 



7. ocht 80 Q. 12. er mit VerttemingBzeichen am Rand nachgetr. G. 13. gedenk 

in gedank korr. (r.) G, 14. leui (?) G. 17. beklin hier so G. 22. dis kloßer 

hie in das klofter korr, (r.) G. 28. erzogent G. 



14. 15. Freie Ausführung nach Marc. 2J4, Luk. 5,27 (MaUli. 9,9). 20. Tellikon Uest 

Ny Cellikon Ü und die Frauenf, Hs.; H. Sulzer schreibt Zellikon oder Köllikon BGT S0\ 
DKT 98 (18), Letzteres wäre der Name eines Dorfes und einer ehemedigen Burg im Aargau zvfisckem 
Aarau und 2jofingen; von den Edeln dieses Namens war Budolf 1360 des Rats zu Zofingen. 



Ebbet V0& CeUinkoD, 

so man den andren kinden etwas koft, das sy nil hat zu vergelten. Darnach, do 
sy elter ward, do lait iinser herr als grossen siechlagen uff sy das sy dik gedacht 
das sy an dem bett tod fanden wurd, und in disem und in fil andrem siechtagen 
was sy fil lieblos, als //57a/ sy Qot im selber alain haben wolL Sy was och als 
eilend das sy nil wist ainen alnigen menschen der sy an horti. Sy sait uns 5 
selb das sy mer den l jar was das sy nie weder ze fenster noch ze der port 
gef ordre t ward. Sy was och als arm das sy wenig icht hat, won das ir die lut 
durch Got gabent. 

Sy hat grosy min zu der armftt: sy het anders gnig gewannen^ won sy 
kund gar wo! schriben und schraib gern gftti ding und begert kaines gegen* 10 
wiirtigen lones davon; so ir aber etwas davon ward, so gab sy es alles an bild 
in den kor, das der cofenl gemainlich davon getröstet wurdi* Und sunderlich 
do frumt sy das gross crucifix das wir haben t, mit grosser andacht, und hat 
och fil kuni//^^7^;ers da mit, und ward ir ain mess bracht über mer nach der 
lengi als unser herr was, und ligent in dem selben cnitz xxx stuk bailtums. Die 15 
selb miltikait folget ir nach an irem alten So sy etwenn nil won v 3. hat» 
der gab sy zwen ald dri von ir, und etwenn, so sy nit won ainen hat, den gab 
sy durch Got. Es gieng zft ainem mal ain schwester umb in dem kloster und 
bat ainem armen menschen das almüssen. Do hat sy nit pfennig und zoch ain 
tüchly ab dem hobt und sprach; *Nim hin, das ist wol aines 3^, wert.* 20 

Sy was och zu ainem mal gar krank; do fragt sy die schwester die dis 
alles von ir schraib, wie ir wer. Do sprach sy kleglich: 'Ich sorg das ich disen 
siechtagen verschuldet hab.' [i^S<^I Do sprach die schwester: *Liebi, wa mitf Do 
sprach sy: 'Mich bat ain armer mensch das ich im ain tüchli geb; des wolt ich 
nit tun, won ich hat als wenig und hat im och da vor aines geben.* Ir was als 25 
frftlich von ir ze geben was sy hat, und was aber ir selber gar karg, joch ir 
grossen notdurft zft nemen* Sy lait irem lib klainen zart oder fliss an, und was 
doch dik krank und joch gar siech» Sy sait ainer schwester das sy nit wisti 
das sy ie hün gekofti ald andren win denn der cofent trunk, wie siecb sy ie 
ward. So ir es die lüt durch Got gabent, so nam sy es gar dankberlich und 30 
ass es, und etwenn, so sy als gar krank was^ so kofl ir die siechmaisterin 
//JA*/ hünr, und wond sy denn sy werind ir durch Got geben. So man sy 
etwenn fragt ob sy etliche spiss essen wölti, so sprach sy: 'Ich sol es nit essen: 
es ist mir zu hert/ Ain schwester fragt sy ainest was sy in dem siech huss 

3. andrem f. w. f. fil mü Vertöeimngiteichm am Rand nachgtir. Q. 13. wir m fy korr. 

(r*) G. 16. d] in pfenDi(n)g aufzulösen? 20. d] in pfenninga aufmi&ien? 

15. Ym ähräkker ein^äi/iicher Sthreii/eriaii^keü der Nonntn von öimÖoch htrichm da» dorii^ 
S^hweMtemhuch: K Stäzer^ DKT 98 (IS), A£b Schreiherinnen ttertfen fi^i unt noch Mesm von 
Klingenbertj (die thmfaUi bild ^tMiiftei hat, S. 4^,25 f\ 29) und WilH von KoMtcms (S. 4SJ3f,) 
kervorffdtoh^n. 




92 yy^TTT. Ebbet Ton CelUnkoii. 

esse, 80 man ir nit von der gemaind gebe, won sy ir selber als wenig icht behlU). 
Do sprach sy gar bluklich: 'Ich iss fil wunder gern brot.' 

Sy was och aines mitlidendes hertzen und trostlicher wort^i gen den 
schwestren die in liden warent, und sprach et wenn: 'Grot tAt dir es zft heitz 

5 lieb und als sinen usserwelten kinden.' Sy kam ainest zft ainer Schwester, die 
ainen schmechen und wider wertigen siechtagen hat, und sprach zft ir: ^Ifir ist 
recht wie ich es vor Got gesechen und och gehört hab [t39^] das er dir dis 
liden darum hab gegeben das du im nit endrunist und du sin ledig aigen sigist\ 
und sprach ir die wort als sicherlich und begirlich das die Schwester wol daToo 

10 getröstet ward. Ir was gar unlidig, so sy bort das sun mensch mit unserm heren 
geding wolt han umb kainen Ion siner gftten werken, und sprach denn: 'Do 
soltest es Got zft hertz lieb tftn.' Sy kund ander Inten gftti werk und tugent 
gar hoch wegen, und was aber sy gftttes tett, das achtet sy gar klain. Sy hasset 
alle Wollust und liplich gemach und minet Grot von hertzen. Ain Schwester was 

15 zft ainem mal mit ir in der schweren schuld; do sprach sy: *Ich han alle min 
tag begert das ich die selben bftss tragen sAlti unverschüldt/ 

Sy hat och vor andren tugenden zft der gehorsami als grossen andacht und 
zft [139^^] allen den stuken des ordens und sunderlich zft den zitten, das sy die 
in dem kor begieng: do sy joch gar alt und krank was, do gieng sy alle tag z& 

20 meti. Do sy by den nützig jaren was imd in dem siech hus lag, do wer sy 
ungern in dem kalten winter oder in dem sumer zft meti uss dem kor gewessen. 
und won sy von allter wenig gesach ald gebort, so stiess sy sich etwenn, das 
sy sich fast gewursset, und verirret dik, das sy nit wist wo sy was, und lies 
doch darum nit ab sy wolt alle tag zft meti gon. Und kurtzlich 6 sy in das 

25 todbett kern, do hat sy ain Schwester gebetten das sy ir alle tag saiti, so man 
meti luti, won sy nit wol gehört; des vergass die Schwester zft ainem mal untz 
das die meti gesungen ward, und do sy für den kor kam, do gehftb [140^] sy sich 
als kläglich das wir sy nit getrösten kundent, und wolt och für das nit an ir 
rftw gon. Ir gewonhait was das sy dik vor meti uflf stund und gieng denn bald 

30 in den kor, so man erst das erst zaichen lut. Und sait uns ain Schwester, die 
och gewonlich, so man das erst zaichen lut, in den kor gieng, und do sy ainest 
in dem advent in den kor kam, do was der kor als fol guttes schmakes als in 
dem summer die rosen schmekent, so ir fil ist an ainer stat. Also gieng sy in 
dem kor hin und her, und wundret sy was es möchtti sin, und do sy für 

35 Schwester Eisbeten stftl kam, do was der schmak da als stark das sy sicher was 
das er von ir kam, und was och niement in dem [ii(ß>] kor; won uns sait och 
ain tugenthafti Schwester Gepe sälig von Tetingen das ir die sälig Schwester 
Mechthilt von Costantz saiti das sy die selben schwester Eisbeten ze ainem 



3. mitlidendes »o G. 7. "gehört" och G, 20. nützig so G. 24. e so G. 

30. vns gestrichen (r.) G. 32. fchamakes O, 37. die Namen nicht hervorgehoben G. 



mal in der nacht vor irem bet sach ston, und was ir lib als durchlüchtelt das 
ain so wonnenklicher schin von ir gieng, das enkain stat in dem dormiter was 
man heti ain nadlen ab der erd gesechen ze nemen. 

Do sy nun als fast baidi von alter und krankhait begund abnemen^ do bat 
sy die s&lgen Schwester Eisbeten Staglinum^ die dis ales von tr schraib, so 5 
sy sächi das sy sich jenen nider liessi an ir gemach ald mit iement zH red kern, 
das nit von Got wer, das sy sy denn maneli, und so sy denn nit won für sy 
stund, so gieng sy bald mit ir von dannen, [Ui^] So sy och siech was, so sy 
denn gar klain wider kam, so iUt sy bald in den kor und in das refentar* 

So sy dennocht als krank was das uns wunder nam das sy es erliden 10 
mocht, was dise sälig Schwester gMter werken fürbracht: darzfl mftst die gitlich 
min ir helferin sin; won sy hat ain klaines kurtzes libli als ain kind, und hanget 
ir fil jar das hobt herab, das es den achslen gel ich stund« Sy hat och fll sunder^ 
lieber gnaden zt ünsers heren marter und sprach: unser her kund recht kain 
mass; aber wir farent gar fer under mass; wir rürrent kum ain zipelin der mass. 15 
Sy tett och emsseklich als grossi gebett ünsers heren marter. Und do sy als 
alt ward das man ir das hobt kum ob den achslen mocht gesecheri, so [Ui^] sprach 
sy etliches tages etwe dik v miserere in crütz wis. Und so wir etwenn 
sprachent wir mflchtind als kum also strengi gebet getün, so sprach sy: ^Ir söltind 
an mich alUen stok sechen, was ich getün mag; versuch tend ir üch, unser her 20 
kem üch darin zti hilf/ Und die andacht und die min die sy zu ünsers heren 
marter hat, die zaigt sy an ir jüngsten z\t Won do sy ietz sterben wolt, das 
was an dem stillen fritag, do warent etlich schwestren by ir^ do man das ampt 
begieng in dem kor, und las ir die sälig und tugenthafl greffin Schwester 
Ädelbait von Neuenbürg den passion Sant Johannes vor. Das verstund sy 25 
gar wol^ und do sy die worl las, als unser her sinen gaist sinem himelschen 
[H2^] valter nffgab, das sy do ir armen von ain andren zertentt in crütz wis, 
do sy noch do licht ain stund kum lebt* Sy frowt sich ires eben menschen 
tugenden und gülten lebens: wenn sy ain junge Schwester sach die sich tüssklicb 
und ernstklich zft dem orden und zu gebet hielt, da gewan sy als grossen trost 30 
von und ward in als hold und frowt sich sin so begirlich, won sy minet Gotes 
lob und gaistlich leben von hertzen, und tett ir fil wunder we so sy kain un- 
ordenhafli sach ald icht under uns uff stund das untz dar nit gewonlich was: 

5* Sta^Unuxn; da^ um maehir. (r.) durchätr. und («wO tmierptinktiert G. 10, deunoclit] 

ocht {mit Verv^etninffizeichenf 8W.) am Rand nadigetr, 10. dz ty 4n&^ dann vne gtitr. (#«?,, um 

naehirägtich im Sinn des MiniaiorM die H'^ir-For/n su imeiiigen) G. 13* achlen G. 17. ge- 

feche G, 18, wir in die fchweftren korr. G. 19. wir m fj korr.^ dann wißder wir 

üherguchriehen, iw. G* 23. vor ampt »Uht bereits amt (^« %en vergeuen) G. 33. Amt 

und weiterhin (S. 94,20. 2L 30 [?]) die Wir- Form vom iViniaior beibehalten 0. 

5. eälgen; vgL Einieiiung. — Zu der Form Staglinum vgl, S. 41,21 und Anm. 25. Die 

To^d^r die»es gräflichen Geschiechtg wsr nur vorübtrgeliend im Khätm', nach H, SuUer BG T 29. 



94 XXXm. Ebbet yon Celliiikon. 

das klegt sy fil hertzklich, won sy wist wol in wellem grossem fiiss und andacht 
/i4^V die schwestren warent in der nüwi des ordens, und das sy wenig staltent 
uff iren nutz oder gemach, won das sy Got dienetend frdlich, doch in arraüt und 
in gebresten, und war nament wie der orden und die gesetzt strenklich tod m 

5 allen wurd behalten, also das etlichi under in was die sprach: e das sy wAhi 

sechen den orden fil libergon und dar zu schwigen, sy wdlti 6 ir leben yerlieren. 

Do dise sälig Schwester nun uff das alter kam wol uff nutzig jar ald darüber, 

do ward sy recht als ain kind von m jaren und mocht nit gon und kund noch 

enmocht nit reden und erkant och wenig schwestren. Und das joch von Got 

LO ain wunderlichi gnad was: so man ir etwas von Got sait oder p43^j las, so 
tett sy als begirlich darzft und hftb sich recht uss dem bett uff, das sy der 
Schwester nachen mdchti komen, und so die Schwester nit me las, so rAft sy 
begirlich: ^Me, me!* So man ir och die hochzit vor namt, und man sy denn fragt 
was man zft ieklichem begiengi, so kund sy es wol gezaigen oder gesagen. Sy 

L5 sprach och das Ave Maria dik begirlich, und so sy kam an das wort Ihesos, 
so rAft sy etwen dik: Rhesus, IhesusI' Äin Schwester zaiget och ainest z& 
dem hertzen und sprach: ^Du sottest dem Ihesuslin gütlich tftn: es lit recht 
da in dem hertzen.' Also fieng sy ain gewonhait an, das sy fdr das mal dik ir 
armen begirlich über ir hertz trukt recht als sy in lieplich umb fienge, und dunkt 

iO [l43f*J uns dik das ir Got als nach wäri und merer mit ir zft tftn faeti denn do 
sy alle ir beschaidenhait hat, wie wir doch in dem zit fil gfttes bildes von ir 
nament, die wil sy alle ir sinn hat: do ret sy dik begirlich von der erbärmd die 
unser her erzaigt dem Schacher an dem crdtz an dem stillen fritag und allen 
christten menschen, und wie die wirdig sei linsers lieben heren Ihesu Christi 

i5 zft der vor hell kam, wel gross wunder von frflden da ward: dar zft was ir 
unmas begirlich zemftt. Und fftgt ir es der barmhertzig Got, als sy alwegen 
sunder andacht hat zft dem tag und zft der stund, das sy an dem haiigen stillen 
fritag starb uff mitten tag fiUaj^ als es die bredger achtetend und sprachend es 
wer wol uff die selben stund als unser her verschied an dem crütz, und 

M) wend es aigelich da für han das ir sei un mitel kern für die beschöw Gotes. 
Won als sy dik lieblos was gewessen by irem leben von den lüten, also was sy 
och an dem tag ires todes, da laider schuldig an was die Schwester die dis von 
ir geschriben hat: die was do ir dienerin, und wist nit das sy krenker was denn 
zft ainer andren zit, und Hess sy alain ligen untz sy fil nach den salter hat ge- 

J5 lessen mit dem cofent; do kam sy zft ir und hftb sy uff und lait sy wider nider 
und gab ir zft essent, das sy wenig kain verstantnus an ir bekant, untz das sy 
ietz begund hin ziechen; do ward fi44^J sy als besint und als wol gehörent: so 
sy von Got ir vor ret, das sy darzft tieff naig, und gab ir zft verstend das sy 

4. gebraten G. 5. E G. 5. "fy" dz O. 6. e G. 7. nützig so O; vgl. S. 92,20. 
8. jaren (r.) unierstr, G. 30. wen G, 30. aigelich so G 30. (beschöwd Ü), 

30. wend eher 1. (wii) als 3. (die bredger) Person. 



Riebet yoq Cellinkon. 



Beschloß* 



gern ir arbail und den tod wolt liden linserra heren zft lob, als er och des tags 
starb umb das hau alles menschtiches künnes. Und zertand ir armen, als da 
Tor geschriben stal, und won sy dem tod als nach was^ so was wo! zft merken 
das es ain sunderliche gnad von Got was, won sy davor dik wenig rechter be- 
schaidenhait hat. Hierum sy gelobt der milt Got, der die gedult der armen nit 
lat verderben, won das er sy wider wiget mit ewigem Ion, 

Das ir sei aber alzehand für die beschöw Gottes kern, do sy von diser weit 
schiedj das ward ainer Schwester erzaigt in söllicher wis^ das sy nit zwiffel dar 
an wolt han. Deo gratias! 



Beschlu/s, 

Ein beschliefiung dis hucheSf nnd von der seligeB f^aweD, der mntter dea dieuers 
der ewigen weißheit. Das Maderst ^^d XXXIIII capitel. 

U na queque arbor de fructa suo cognoacitur (Luee sexto). 
ünfler lieber herr Ihesus Christus hat gesprochen In dem heiligen 
ewangdio das ein iecklicher panm werde bekant von seinen fruchten, als 
ob er wölte sprechen: wo die frücht gut sind, do sol man wol den paum der 15 
selben frucht auch für ILXV^J gut scheozen und nemen. Und das ist auch 
das unfler herr am einem andern end spricht: Arbor bona fructus bonos 
facit (Math ei septimo), Ein gutter paum tut gutte frucht Und diß ist 
wol scheinbar an dem seligen fruchtbaren gntten paum, an nnßenn beihgen 
vater Sant Do mini cos, der do gar vil grosser gntter frucht getan hat, dar 20 
nmb er manigfaltiklichen wol ze loben ist. Und seit dem mal das er so vil 
frucht, das ist so vil gutter geistlicher seliger andechtiger kinder in einem 
einigen closter seines ordens hat gehabt: wie fil meinest du das denn ge- 
weßen seint In andern manigfaltigen clöstem und conventen seiner geistlichen 
kinden, der prüder und swester predlger ordena, die da weit und preit und 25 
manigfaltiklichen zerpreittet sind in alle land der ganczen heiligen cristen- 
heit? Und dar umb so wirt uns zu einem gntten flX V^/ exempel diß edeln 
panmes frucht von Got für gehebt, do er spricht (deutronomii xx); Sume- 
tis vobis fructus arboris pulcerrime, Ir werden euch selbs abprechen 
die frücht des aller schönsten paomes. Als Got der herr sprechen wölte zu 3a 



2, kund; dann d ^$trichent aber dtm Wort unergänst gelauen*, vgl. S, 102^22 kdunes. 
2. zertackd sq G; pgl S* 93^27 zertaDtt. 14, EwaDgüo A^. 



10. wolt hau ] hier hängt N {LXUIM) ein ktztes Kapitel des Schwesternimcftei an (verm^äiich 
fräe Zidai J. Meier* mit Benutzung du Seui^ibuche* der Stagel^ Den. Settäe /, 37). 




96 I^i® Matter des Sensen. 

aUen prüdem und swestem prediger ordens: Brechent euch selbs ab dk 
fracht, das ist: lugent und nement war das selig leben das die ersten prüder 
und swestem gehabt habent in aller andacht und heilikeit, nnd ir auch also 
sollichen seligen exempel nach leben seit, das ir wirdig and von recht 

^ werdent genant die gutten und lebende frucht des aller schönsten panms: 

des lieben eures vatters Sant Dominicus, der do ein miniklicher paum ist, 
und alle seligen prüdem und swestem prediger orden sint die gutten Mcht 
Ja er ist auch ein seliger rebstock oder weinstock, als man von im singet: 
Felix [LXVc] yitis, de cujus surcula tantum germen rednndat seculo! Da 

10 seliger wein stock, von des perhaftigen aufschießenden würczen so vil s&m^ 

der weit bekimet ist 2c. Nun spricht auch die ewige warheit Christus in dem 
heiligen ewangelio also: Facite arborem bonam, et fructus ejus 
bonum bonum. Ex fruchtu enim arbor agnoscitar (Mathei in), 
Machent einen gutten paum und auch seine fHlcht: wann auch von da 

15 frucht so Wirt der paum bekant. Difl gepot het wol verpracht prediger erden 

in dem das die felige frawe, des dieners der ewigen weißheit mutter, die ds 
vil gutter pild und exempel nam und enpfieng von dem seligen leben der 
heilligen prüder und swester prediger ordens — imd also ward si von 
prediger orden gemachet zu einem gutten paum, und ir frucht ist ir sun der 

20 diener: die selbe frucht ward auch gut, und von diser edlen fmcht so ist 

auch der paum bekant [LXV^] worden. Aber wie und wer diß edel frucht 
sei — das ist: wie heilig der wandel und das leben des dieners der ewigen 
weiflheit sei, der do was ein pmder prediger ordens — das ist in tentsch 
geschriben von der seligen swester Elßbeth Staglin, und nennent wir es niit 

25 dem gemeinen namen des Seußen puch, und das selb puch ist gekert 

von einem andechtigen brader Cartewser orden von teutsch in latein, als 
denn das in geschrift haut unßer brüder die prediger ze Basel und auch ze 
Ntirenberg. und darumb sol pillichen bekant werden von dißer edeln 
frucht dißer gutter paum, wann dißer paum hat prediger orden gar ein 

80 nütze frucht pracht. Ja ich mag diße selige fraw auch g-eleichen einer 

prinenden latternen, die da gehabt hat ein dar leuchtendes liecht, das der 
cristenheit und besunder prediger orden wol darliehen gezun/ZX F/«ydet und 
geschinen hat. Und dar umb das ir vil andechtiges leben zu nnßer bessenmg 
werde gekeret, so wil ich Got ze lob in einer kürtze von irem seligen leben 

85 ein wenig hie sagen. 

DIße andechtige frawe, dez dieners muter, der nam geschriben sei in 
dem puch des lebens, die lebte all ir tag Got in großer andacht, und von des 

5. lebende so N. 13. fruchtu so N. 14. feine mü Verweisungszet'c/ien am Rand 

nachgetr, N. 14 f. wan bis frucht mit Verweisungszeichen am Fuß der Seite nachgHr. S. 

23. 26. teusch, dann t oben eingeflickt N. 



27. 28. In Basel ist über den Verbleib dieser Hs, eines lateinischen ''Seusenöuchs^ nichts bekannt 
(gef. Mitteilung von Oberbibliothekar Dr. Bernoxdlt)\ in Nürnberg findet sich das Werk toeder in der 
Bibliothek des Germanischen Museums noch in der Stadtbibliothek (gef, Mitteilung der letztem). 



Die Matter dea SeuBen. 



97 



I 



wegen das si sunder gnad und andacht zu dem heiligen prediger orden hett, 
dar iimb tet si Got das ze lob das si iren sun, Heinrich genant, tet in 
prediger orden, do er dreizehen jar alt was, und het in in sol icher mas 
geczogcn in cristenlicher geistlikeit das er behüb seinen glitten leimnnden 
eines cristen liehen lebens vor Got und ILXVI^J vor seinen engelen und auch 5 
vor den menschen, und dar nach ward er gar ein heiliger mensch, als denn 
das pueh seines lebens weisL Aber die fraw sein selige muter was ein vil 
große leiderinn, und dis kam aller meist von der widerwertigen ungeleichet 
die si YOn ir hauswirt betten. Si was %^ol Gottes und het auch gern dar 
nach götlichen gelebt: do was er der weit vol und zoch mit strenger hertikelt 10 
dar wider, und dar umb so viel manigfultiges leiden hie Äwischen. Si het 
aber gar ein gntte löbliche gewonheit: das si alles ir leiden das ir begegnet, 
warflP in das pitter leiden Christi, und also do mit über wand si ir eigen 
leiden. Ein gtlte Übung het si xxx jar: das si nie geließ, so si stund zu 
meß, si erweinte sich pitterlichen von hertzenlichen mitleiden das si von 15 
unßers herren marter het und seiner (LKVh] getreuen muter, und geschach 
auch sse einer zeit das äi von unmeßiger minu die ei ze Got hat, minnesieh 
ward und wol xai wochen ze bette lag, also jamerig und senende nach Got 
das sein die arczet küntlichen innen wurden und gut pild dar ab nament 
Do si nun ir leben in söUcher mas und in andern manigfaltigen tugeuden 20 
verpracht hat und große begird zu dem ewigen Got und dem himelreich 
bat, do wolt auch der miU Got ir begird genungk sein* Also fägt es sich 
das si ein mal ze äugender fasten gieng in das münster, und in dem selben 
münster do stund auf einem altar die ablößung unßers herren mit beschnitte- 
nen bilden. Und von andechtigem betrachten des wirdigen leidens Christi 25 
hinderkam si etwas in enpfintlicher weis der groß smercz den die xarte 
muter Gotea het unter [LXVl^j dem kreutz, und do von der not geschah 
dißer gutten seligen frawen auch als von erpermd, das ir hertz etwas er- 
krenckte enpfintlichen in irem leib, das si von amacht nider seig an die 
erden* Und do man ir heim gehalff, do lag si siech untz an den stillen 30 
IreitÄg ze non, an der selben stund do der sun Gottes Iheaus Christus 
durch unöer Sünden wUlen an dem fron crentz starb: do starb si auch under 
dem do man den passion sang, und nam ein vil seilig end, also auch ir 
leben selig gewesen was. 

IN den selben zeitten do waz prüder Heinrich prediger ordens, ir leip- 35 
ücher sun, der do genant Wirt der diener ü^v ewigen weißheit, ze Cöln ze 
schule, und si erschein Im zchant in einer gesicht und zeigte im den großen 
Ion den si von Got enpfangen het, und sprach lLXVn<^] mit groöen frewden: 
*Eia, kint meines! hab Got lieb und getraw im wo!; er let dich mit nit In 
keiner widerwertikeit Lug, ich pin von diser weit gescheiden und pin nit 40 
tod, besunder ich sol ewiklichen vor Got lebend Bi kost in müterlichcn an 
seinen mund und gesegnet in müterlichen und verswand. Er vieng an ze 
weinen und rüfFt ir nach und sprach: *0 getrewe und heilige muter, pis mir 
getrew gegen dem muten GotT 



8. vngeleichot ^q N. 40. von diXer — pio tnit Venceisvn^szeichm am Rand nudigeir. N. 

DEüUchn T«*te d«» Mitl«Ult«Ta VI, 7 




98 Dor Vater des Sensen. — SehlaßTermahnaog. — Königin Elsbet. 

DEs dieners leiplicher vater was ze mal der weit kint gewefien. Doch 
so richtet er sein leben vor seinem tod in solicher mafi daz er auch erwarb 
die genad Gottes. Und do er starb, do erschein er noch seinem tod seicem 
sun dem diener der ewigen weifiheit. Sein engstliches fegfeür und wo mit 
5 er daz aller meist verdienet hett, zeigte er im mit einem [LXVII^] jemer- 

liehen anblick, und sagte im ans gescheidenlichen wie er im solte helfen, 
und das tet er mit kintlichen trewen. Also do erschein er im aber ober 
etwas zeittes dar nach, und sagte im wie er ledig worden were. 

Nun hand wir an dißem pnch wol verstanden wie andechtiklichen in 

10 aller heillikeit nnßer alt vordem lieben müttem uns ein gut exempel der 

selikeit hand vorgetragen, auf das das wir inen auch nach volgen nach dem 
pesten in haltung unßers heilligen prediger Ordens ; und als si rein 6ot dem 
herren behalten habend ir seien von aller süntlicher begirlikeit, also 
sülent wir auch rein behalten Got dem almechtigen sei, hercz und gemtt, 

15 das wir auch mit gutter concziencz zu Got in unßerm gepet mit der seligen 

junchfrawen Sara sprechen mugen: Mundum servavi animam meam ab 
omni concupiscencia. Rein hab ich mein sei, herr Ihesu Christo, dirze 
einem lob behalten von aller unzimlicher unreinikeit mid Sünden. Das wir 
nun in solicher maß leben in behaltung aller tugenden des heiligten prediger 

20 orden, also das wir durch die götliche genad nach difiem leben erfolgen das 

ewig leben, das verleih uns allen Got vater, sun imd heiliger geist! Amen. 

Explicit vitas sororum ordinis predicatorum monasterii Töss 

provincie Teuthonie. Hie hat ein end das puch der swestem leben 

prediger orden des closters Töss in teuschem land. 

25 [XXXIV] Hie fahet an die legende des lebeng der hochwirdi^n junck- 

frawen swester Elsbethen, herr Andreas tochter des knng^es von Ungarn, 
die da was ein swester prediger ordens in dem closter se TOsse in 
tettczscher province jc. 

Esto fidelis usque ad mortem, et dabo tibi coronam vite. Der 

30 almechtig Got . . . 



//.5r>«7 Der ainvaltent Got, der mit sines gewaltes kraft von aigner fryliait 
siner überfliessenden güti ain creatur nach sin selbes bild schöpfen wolt, die er 
entpfenklich wolt machen von gnaden des waren gutes, das er von götlicher 

5. v'dienöt (e nachtr. zugefügt) N. 7. 8. aber — im mit VenoeUungszeidien am ohern Rand 
nachgeir, N. 11. so N. Das zweite das zu tilgen? 16. Mundum so hier Ny dagegen richtig oben l:^ 
nach Tob. .?, i(l 29. in dein Anfangsbuchf^taben E das Bild einer Dominikaner- Nonne {in tteißem 

Rock und schwarzem Mantel mit Kapuze^ die weiß unterlegt ist)^ in der Rechten ein rotes Buch^ in der 
Linken ein Scepter, aus einer weißen Lilie und zwei roten Rosen bestehend, links neben sich einen roten 
Wappenschild ohne Bild mit Krone darüber, um das Haupt einen Strahlenkranz N. 31. Hier und 

weiterhin ist die auf Bl. 63 (unrichtig Gl) beginnende falsche, ältere Seitenzählung der ffs. O d» 
Schwestembuches, die wir bei unserer Benutzung derselben i. J. 1870 bis 144 berichtigt hatten^ bei- 
befialten, daher hier diese ZäJilung eine scheinbare Lücke (Sprung von 144 auf 160) aufweiM 
31. almeclitig N (ainig Ewig Ü). 31. eigener reicher N. 



KÖDigin Elebet. 



99 



ewiger natur hat und ist, der hat sich och gewirdiget von angeng her das er in 
der grundlosen wishait siner viUterlichen fürsichtikait allen sinen üsser weiten hat 
geordnet und nlf gelait alle die wis und die weg mit [läO^j den er sy beraiten 
wi], zu entpfachent das unzerganklich gut leben das sy in der fröJenriuhen 
süssikait siner minenklichen angesieht ewigklich mit im besitzen s611ent. Das hat 5 
er inanigfaUiklich bewart an einen haiügen und an sinen aller liebsten fründen, 
den er in diser zit hat uff gelait zc tragen das schwer crütz maniger hand lidung, 
das er in och in dem eilend diser weit mit allem sinem leben hat vorgetragen, 
won da mit wil er sj bringen uff das zil da sy begriffent das erb das er in 
vorberaitel hat in dem himelschen vatterland, ieklichem sunderlich nach der 10 
wirdikait, als es von der göllichen Ordnung ewigklichen fürsechen ist* 

/i^^V Dis hat unser her och folleklich bewiset an der hochgebornen künginen 
Elsbelen, des edlen und wirdigen fürsten tochter küng Andres, der von adel 
und von erb gewaltiger kung zft Unger was. Won es ist menklichem zu wissen 
das des wirdigen und durchlüchten fursten Andreas, kling zu Ungers, tochler, I5 
des driten des namen — der hat ain frowen, die hies frow Fenn und was 
geborn von Gecilie — den baiden gab Got ain tochter» die ward genami 
Elisabet* Do die geborn ward, do waren t etlich lüt von Costentz da ze Offen 



2, ÜBserwelten u, ö, ; m dieser Legende x^t G häufige Anwendung de* Citcumfle^es^ den mr 
heihekalien, #. d.EtnÜg. 4. gilt G, ewig N. 8. a. feinö heilige IN, IK cb] er (Ü), 
üs N, 13. Ebbeten, 13. andreB» U. vngor, 15, vngersi 18, offeoi 100,3. ofterrich mcht hervor- 
fjtfhohen^ wahrend 13. edlen, 13. fu raten toeliter, 14. 15* kung, 15. tochter, 16. frow rot unter- 
ütriehen sind 0. Wir geben dme Hermrheimngm wieder^ hthen aff&r auch die Eigennamen durch* 
(fchmd hervor. 14 Won bis 100,22. T^ka folgt in N ersi auf 101,18 als Beginn eine* ^sten 

Knpiieiäj wgsh die Übertcftrtßt Wie die Eule fürst in vö irem vtitcr lanct gefäret ward in fwaben 
hmd. vil in das Cloft' gen töffe kam, vü legt do predig* orde äö. Das * j • Capitel. 
l(j. fenn G (t/), fenin N~ 17, Cecilie vn wai ein heidinen gefein. Der gab N, 



li. Zu der fotgmäen Fatnilienffeichichie KlisabeU non Ungrirn vgl Greith^ ff. Sm& {Kath* Schw. 
BU. 1860^ S99ff.^ nach Lgehnownky, Oeechichte de$ Erzhumen Mabnburg I] Damberger^ Sgnehron. 
Oeseh. XU w. a.); Snher, ßGT26, DKT Ith'i {2:iy, Uchdi, QueUenbiJch £. Schtteizergesch. //, 2f*2~2rj. 

König Andrea» II L t?t>fi Ungarn^ genannt der VenelianeTj der teilte Sproß de^ ffatiseä Afpad^ 
war der S(^m des Prineen Stephan (etnee ffaibbruders Konig Ladiäaü IV.) und der Vmetianerin 
Thomas ina Mauracena. Er heirateie um t2Bt die polnisc/ie Prinieann Fenna oder Fennema, 
Tochter dee Herzogs ^inmütyii von Cnjavien aus dem Gesehkrhte der Pjaden {aho nicht *von Cecilie*). 
SU hatten zwei Töchter^ \ömim die allere, umteri Elisabeth zwischen 1292 und IH geboreji sein wird^ 
da Fenna 1295 an den Fohjen der Geburt einer zweiten Tochter stark Die FeMlicfd^eiten, mornit 
diese zweite JYinzes»in begrüßt worden «ein solt (Greit/i naift Damher ger XII, 49 f), erzählt EMet 
Stagely die eich auf einen Atigenzeugen der Feste zu Ofen, Mnllber den TBss^ beruft {ein Chtinrat 
Tot »er «r#cA«'nl am 4. April IMO als Eigenmann dc^ Kloster» zu 1^4«, Zürcher Staatmrchivj 
Regetten} wohl ricfdiger zu der Gehurt der ersUn Tochter^ unserer EÜsabei^ die als Erstgeborne die 
recfitmäßige Thronerbin von Ungarn war und bereits als kleines Kind dem jungen König fVenzel von 
BShmen (also ni(M einem ff erzog von Taiger') verlobt ward. Noch !205, wenige Monate nach dem 
Tode Fennas und der ztceiten Tochter^ vermaldte sich Andreas abermals, mit Konig Albredtts Tochter 
Agnes, Da diue seine zweite Ehe kinderlos hltebf war bei Meinem Tode 1301 Elisabet seine einzige 

7* 



100 KdnigiD EUboi 

in der stat gegewürUg« der hies ainer Waltter der Toss; der hat och siner 
tocbter kinden zwo [151^] in ünserm kloster: der sait uns von grossen eren und 
firAden die da was; besonder sait er das man zft allen toren win mnb susl 
scbankt aller menklich, riehen und armen, als ob es winbrunnen werint, und 

5 all glogen wurdent gelAt und un ander grosse herschaft die da was. 

Damach ward sy vermächlet ainem heren von Paiger, und über etlich zil 
do ward dem ktinff von Unger des rAmschen küngs Eüng Albrechtz tochto' 
frow Agnes von Osterrich gemächlet. Do die gen Unger kam und etwe fil 
zit da was gesin, do lait sy dem heren für und bat in das er ir gundi das 

10 frowlin hin uss ze fftren gen Win, das man es zug mit ires bi%d/'/52«/er8 kindcD. 
In dem do start) der küng; do yerhies sy den lantzheren zA Unger sy weit 
das frAwlin geben hertzog Hainrich von osterrich, und verbiess in och sy 
weit ir geben ir hainstür zu dem heren; das was zft drigen malen hundert 
tusent guldi. 

15 In dem do ward küng Albrecht, frow Agnesen Tlitter, erschlagen ton 
hertzog Johannes, sines brftders sun. Dd fflrt sy mit ir küng Andreas 
tochter heruss in Schwaben land. Und bede von laid umb Iren heren den kung 
von Unger und och umb iren vatter do ergab sy sich under ain gaistlich leben 
barflkssen orden und buwt das kloster zft Edngsfeld, und do zwang sj das 

20 frAwli [15^] das es och gaistlich mftst werden. Do ward ir ires aignen willen 
nit me denn das man sy lies alle klftster schowen in Schwaben: do wolt sy in 
kaines denn in dnser kloster zft Töss. 

1. töff N (toIT tf). 2. het ewü tocht' ze toITe N^ zwo z& tdss im kl.: nadOr. Änderung 
in (finer dochf kind ij zu töff im doft' Ü). 2. ins gestr, (r.) ö, fM N. 5. vn yn 0, 

vn AT; lies: nn (ohne) und streiche und? 10. win so 0, wien N {Ü), 10. kind N. 

15. erfchlage am Rand nachgetr, 0, 22. dnser in dz geändert 0. 22. den gft tofT A". 

Hierauf folgt in N du Stelle unten 101,24—27, 101,19-^23, 101,28-^102,3. 

Erbin. Aber ein Teil des Adds /latte bereits 1300 einen Urenkel König Stephans L oo» Ungarn, 
Karl Robert von Neapel aus dem Hause Anjou, zu Agram krönen lassen, wahrend der Konig Shtkl- 
loeißenburg und Ofen beliauptete; nach seinem Tode wurden die Witwe Agnes und deren Stiefioehter 
EHsabet auf der Königsburg tu Ofen so hart gefangen gehalten, daß die Königin, um ihren Unierhak 
Mu bestreiten, ihre Kleinodien verpfänden mußte; i/ir Bruder Herzog Rudolf Heß die Gefangenen durch 
den Marschall Herman von Landenherg befreien und nach Wien fuhren, wo sie bis zur Ermordung 
Kaiser Albrechts {1308) blieben. ( Von diesen Schicksalen der Prinzessin weiß oder erzähä Elsbet Stagel 
nidiis.) EUsabets frühere Verlobung ward offenbar aufgehoben', das nun ganz verwaiste, etwa S jährige 
Kind ward {was auch E. Stagel erwä/tnl) dem Herzog Heinridi von Österreich {Bruder ihrer Stief- 
mutter, geb. 1299, f 1327, s. S. 102,4) versprochen. Der Tod des Familienhauptes 130S schniä 
sodann für die beiden Frauen alle weltlichen Pläne ab. Agnesens Mutter EHsabet stiftete an der 
Stätte seines Todes Königsfelden; Agnes kam dahin 1309; wohl im gleichen Jahre hun ihre Stief- 
todUer ins Kloster Töss, wo sie 15-, vielleicht 17 jährig {Mystikerpaar S. 51; jedenfalls nicht 13 jährig 
wie bei E. Stagel 101,19) eintrat und 28 Jahre (102,28) lebte, somit bei ihrem Tode 1337 {6. Mai) 
43' bis 45jährig {nach N 41jährig, unten Anm. zu O 183^) war. Agnes starb zu KonigefMen 
11. Juni 1364. 



Königio Elsbet. 



101 



Von den i^naden Götz do ward uns der wirdi^ schätz behalten, des wir Got 
iemer ze loben und ze danken habenl^ won Got der aliraachtig hat mit sinen 
wundern merklich erzaiget das er sy im selber z4 lob und nit der weit zu frfiden 
geschaffen hat. \^on der wellen l wir fürbas sagen, nier dem zft lob und zu eren 
der da was ain lerer der tugenden uff crtrich und nun ist ain loner der lugenden 5 
im himelrich, und das och alle die da von gebessret werdint die es ver//^>ynement, 

Won recht zu glicher wis als unser her das land ze Unger und sunerlich 
den haiigen orden der bredger hat geziert mit der haiigen und der wirdigen 
frowen Sant Margreten, die och von dem selben geschlecht geboren was: also 
hat er och dis iand und denselben orden und sunderlich dis kloster zft Töss 10 
geerct mit diser edlen fürstinen, umb die wir die unergrünten nilltikait Gotes 
imer zu lobent habent, das er uns die gnadenrichen gab ir küngklichen person 
ie gertlcht ze geben und zu zufügen der gaistlichen gemainsami dises cofentes. 
Aber wie sy von dem rät des haiigen gaistes und von der fiirkomenden Ordnung 
{iü3^} sins göthchen willen in dis kloster ist koraen von ainen so feren kungkrich, 15 
das wer wol grösUch zeverwundren, won das man es dem geben sol der den 
gewalt und die wishait mit dem willen dar lait : der wolt dis werk selber wiirken 
mit der kraft siner gnaden, do die zit konien was das er es fügen wolt. 

An der selben zit do was die edel küngin in dem drizechenden Jar, do sy 
ünserm cofent under das joch der gehorsami befolchen und gegeben ward nach 20 
aller gewonhait des ordens, und och sy sich selber demütiklich darzü naigt, und 
sieh verwag, was Got und der orden mit ir wölti, das sy des gern gehorsam 
w^Ölti sin. 

Dise edel kiingin was (t^ti^l die erst frow der vor fron altar in der nüwen 
Stift ie der orden angelait ward. Und do ward der allar gewicht in unser lieben 25 
frowen er Annunciacio und in Sant Elsbethen er, die och ain küngin von Unger 
was und ain lantgreffin von Türingen von Hessen land» die ir fründ was. 

Do dise tugendhaft küngin xv wuchen gaistlich was gesin, do gebot ir 
stüffmütter das man sie mftst wilen vor dem zit und das sy gehorsami mftst ge- 
loben; do naigt sy sieh demötiklieh darzü, Ir stüffmüter nam och ain frowen 30 
von Bussnang, küngRfidolfes Schwester tochter, uss dem kloster zu Friburg 
das man {154^] nemt ze Sant Katherinen; die gab sy ir zu ainer hoffmaisterinen 



1. VHS in in geandtrt G. L wir in sy gtändtri CL 2-3, Mü diesem Satt: An dißer 

Etsbetli^ hat er feine wund' mereklich© e neiget schließt N wieder an ^mem Tt^t S. 99 J 4 an, 
2. hat tnä ä-Zeiehen darüher G. S. au* B^erkÜch karr. G, 7, gUcbcr mit Verwti^ngäzeichen 
am Band beigefügt G, 7. fiineriich to ö. 10. dk in dz ffmndert G (da ü). 11* umb 

bis 13, cofeutea fehlt K 13. geändert in (r. u. äitJ.): der gaiitlichftit des orden zu t^sM Cu 

15. dis i» dz geänd. O. 15. ainen #o G. 20, geänd. in dem c. tösÄ O, 25, ^u atift über 
der Zeüe zugefügt (n): m tfisB. 

9. Margareta von Ungarn: ihr Leben fdgt in G (tmd U) auf dasjenige der Prinzessin 
Eliiahet', siefi Einieihtng und unten G lSff<* Annu 27. frdnd: ihre Muhme: Tochter Kömg 

Andreas I. von Ungarn^ f als Landgrafin üon Thüringen und ffeam 1231. 



102 Königin Elsbet. 

und zu ainer pflegerinen. Die was ain als grimme herte frow das sy ir als fil 
hertikait an tett das wir kainen zwifel dar an habent das sy der martrer gnoss 
sy von liden das man ir an tett. 

Nun fügt es sich das hertzog Hainrich von Ostericb in dis land kam und 

6 sy sieht. Do was sy gewilet und ward im fast versait; er weit aber nit ablon 
und wolt zu ir gegenwirtikait komen, und kam her in dis kloster, und do er 
sach das sy gewilet was, do ward er als gäch das er ir den wil ab dem hobt 
zoch, und warflf in uflf das ertrich und trat daruff, won er hat [155^] ain gantzes 
wol gefallen und begird zu ir lütsäligen person, won die was wol geschikt, und 

10 er hat ain gantzes wol gefallen an ir und zu ir gemachelschaft, won ir lib was 
wol geschikt und adelich von antlit, von gelidern und och von allen fröwlicben 
gnadrichen wisen und geberden. Darum ward er gar ernstlich mit ir reden, und 
bat sy das sy noch so wol tett und mit im hain gen Österich für; er wölt sy 
nit lassen engelten das sy ain gaistlichi und gewileti frow wer gesin. Do ant- 

15 wurt sy das sy sich darum wölt bedenken, und gieng in den kor für ünsers 
heren fronlichnam, und fiel uflf ihre knü und bat Got das er [155^] ir sinen aller 
liebsten willen zu erkennent geb, was sy dar inn getftn möcht, Do ward ir des 
ersten für geworflFen sy möcht es wol getftn, won sy ain frow was lüt und lantz 
und ain rechti erbtochter des küngkrich zu Unger. Da wider zestund do gab 

20 ir Got zft erkennent das sin liebster will wer das sy in diesem kloster belib und 
arm und eilend durch sinen willen wer, als och er arm und eilend was durch 
sy und alles menschliches künnes willen. Und do gab sy iren willen gantzlich 
in den willen Götz, und beschach ir da durch als we das sy lag zu gelicher wis 
als sy tod wer, und schoss ir das blftt zemund und zenas uss. Und do man 

25 sy wider bracht, do sait [i56f^] sy dem heren ab, das sy nit mit im wölt; sy 
w6It hie ain armes leben füren nach der Ordnung Gotes. Do gab ir der himelsch 
vatter die hain stur die er sim aingebornen sun gab: das was eilend, hden 
und armüt. Sy hat gelebt xxviu iar, also das der cofent gemainlich und manig 
mensch sunderlich dik grösslich von ir gebessret ward, won ir gaistlich leben hat 

30 ainen als gnadenrichen anfang das der schwestren hertzen dik wol da von ge- 
bessret wurdent und och gar wol getröstet. 

Sy hat ainen gar demütigen und gi\tlichen wandel gegen dem cofent an 
Worten und an werken, und tett willeklich [156^] was man sy an mütett, wie 
doch das wer das sy zu irem grossen adel och von jugent und von natur ain 

35 als zartes hertz hat das ir joch gar klaine ding dik inneklich wo tattent. Sy hat 
och in grosser rainikait ir leben vertriben und die weit mit aller ir geziert gantz- 
lich verschmach umb iren heren Ihesum Christum, den himelschen gespuntzen 
aller rainer und demütiger hertzen. Sy hat och gelebt in grosser armüt und hat 
fil gebresten an zitlichem gut. 

4. hier in N Kapitelüberschrift: Wie herczog Heinrich vö OftVeich füchet die Edle kunigin 
fraw Elifabet. vn fi habe wolt zu d' heilige Ee. als fi im v*trewtet was. Das • ij • Capitel. 
6. in dis kl. ] geändert in dz kl. töff G (Ü). 37. v'fchmach 80 G, 



Kdni^n Elibet. 



103 



Und es ttgl sich zt ainem mal das ir sLüffmAUer zu jr kam, und do zemal 
was sy als arm das sy nit gowandes hat won ainen gebietzlen gebletzet rok, 
den sj an trftg. Do fiel sy ir in die schoss und sprach zu ir: ^Schwester, 
scheinest du dich nit das ains /iö?«/ küngs tochter von Unger, aiu rechti 
erbtochter, also schwachi klaider antrait?' Da vor hat sy nit me järlicher gült 5 
denn drisig Schilling haller. Darnach ward ir erworben von der herschafl von 
Usterich ain hoff, ist genemt Öitingen, der galt xl mütt kernen, zelibding. 

Darnach fügt es sich von grossem siechtagen das ir die arlzet riettend das 
sy sÖlt gen Baden farcn. Do nam sy demütiklich urlob von dem maistter breger 
Ordens zft dem bochen capitel Do sant sy unser kloster mit erwirdiger gesel- 10 
Schaft gen Baden» Do ward ir gar fil geschenkt und so fil grosser eren erbotten 
von den lantzheren und von den umbsessen, die ir wirdikait und ir //57»y 
armflt wol erkantend» Och lud sy ir mütter von Baden gen Küngsfeld, und 
lies sy schowen ales ir klainet, das ir ir vatler von allen landen gebracht hat, 
und gemaint sy mit aines haller wert nie. Die hertikait tett ir wirs denn ir tett 15 
schaiden von ires vatters land, 

Do für sy von dannen mit eilendem und betrAbtem hertzen* Nun was man 
zft Zürich wol wissent das sy ze Baden was gesin, und haltend grosse begird 
zu ir baide die stat und unser orden, won sy wisstend wol und erkanlend wol 
das sy die wirdigest person was die do zemal lebt, und ain kunginn von allen 20 
iren fier anenen, und och von ires gfttten lebens und hailigen lündens wegen, der 
erschollen was durch l!5S^} alles land. Do begertend sy sy zesechend und sich 
in ir haihgcs gebet zu befelchenl» Do kam sy zft inen, und beschach ir grosse 
er von der stat und och von ünserm orden: das was von gnaden Gottes ain er* 
getzen ir zarten edlen nalur, Damach fürt man sy zu unser lieben frowen gen 25 
Äinsidelen, das sy ir selbs dester bas vergess. Dannen ward sy do wider her 
in unser kloster ze TAss gefürt, und ward enpfangen von ünserm kloster mit 
grossen fröden und erwirdikait, als bildlich was, und do sait sy ünsren schwest- 
ren: wer die gros er nit gesio, sy wer sin in grosse krankhait gefallen der grossen 

1. hier in N Kapitelüherachriß: Wie die hochf^epome fürftin Elifabeth lebt in fo großer 
Rrmut Tn von großem fiechtagö* das it der meift' des ordenj Vn da« geoeral Capitel erlaubet 
zu den paden xe fare. Das iij CapiteL 2; gebiVcatö Ü, 7. OringS Q (dringen Ü}} 

iat — Oringen fehlt N. Der Name üi in G {und Ü) eniiteUi am Öningtn (Dorf mit Ähtei bei 
Siein a. Rh.): H, Suizer, EGT 27. In einer Urkuntie von 1342 erscheinen auch Eit/enkuie di^i 
Kloiter» Oningen zu Neufom ah Verkäufer eines Weiriffartens an Kloster Tofl. Zürcher Staatsarchiv 
Regelten. 10. ^nfer unvollitändig korrigiert in difer [so] G\ nach klofter zitgueizh t'jff (da« 

cloft" dßfT Ü). 19. sü ir am Rand nachgetr. G. 23. groffe; dm e nachtr. geHlgi G. 

24. Er O, 26, her geitr. (r,) G, 27. ^nfer unvoUit. korr. in df., dann wieder üher^ 

geschrieben G. 27. ^nfenn Jfcom in d^m^ dann wieder übergeichr. G. 28. vnfren unvotht. 

korr. in ^s den, dann wieder Ohergetchrithen G. 

14. ir vatter: wM der Vater Elshets^ König Andreas, Ein kostbares Diptychon mn griechischer 
und venezianischer Arbeit^ das Andreas »einer eufeiien Gemahlin aus Venedig gebracht und hinterlasMin 
hat, befindet »ich §iä der Aufhebung KÖnigsfeldem in Bern {jetst im Historischen Museum). 



104 Königin Elsbet. 

untrüwen so ir ir stüflfmütter tett. Und hat sy formals ain ernsthaftes strenges 
leben gefürt, do fieng sy dar nach [i58^] noch ain fil ain strengers hailgers 
leben an. 

Dise hochgeboren edel küngin Schwester hat die gnad und min das sy gar 

5 dik und lutterlich bichtett mit manigfaltigen trechen, und gab aihvegent irem 
bichler zu erkennent alles das ir hertz bekumret. Nun fügt es sich zu ainon 
mal das uns gar ain grober bichter ward gesendt ze ainem hochzit. Und do 
der cofent gemainlich gebichtet, zu dem kam sy och und gab im demüteklich zft 
erkennent ir schuld und die bekümernus die sy hat in zitlichem liden und 

10 eilend. Do was ir wirdige person im unerkant, und fragt sy gar gröblich wie 
sy hiess. Do antwurt sy gar demüteklich: *Ich haiss Schwester Elsbet von Oflfen.* 
Do fragt er sy [i59<^] och ob sy dannen geboren wer. Do antwurt sy: 'Ja ich'. 
Da antwurt er: 'So macht du wol ain arbetsälig lident mensch sin, das du so 
fers lantz bist herkomen in dis eilend.' Also gab sy im sich nit me ze erkennent, 

15 wer sy wer. Sy gieng in den kor für den altar und ergab sich dem der ain 
trflster ist und ain helfer aller hertzen, und ergab im och alles das ir anlag. 
Darnach do ward der bichter fragen, do sy von im geschied, wer sy wer. Do 
ward im gesait das sy die wirdig küngin Andreas tochter wer. Do erschrak 
er gar übel und bat ernstlich das man in für sy liess. Und do er für sy kam, 

20 do strakt er sich uflf die erd für sy, und bat sy mit grosser demüt das [159^] sy 
im es lutterlich durch Got vergeh, und das tett sy. 

Dise gnadenrich künginn ist och gar ains demütigen' wandeis und lebens 
gesin und erzaig ir grossen demütikait dik an fil dingen. Och so sy etwenn an 
verbotten stetten ald ze ungewonlien zitten garet hat mit den jungen schwestren, 

25 und denn etliche Schwester dar kam die sy entsitzen soltend, so tet sy recht 
als erschrockenlich und als forchisamklich als die andren, und gieng denn zehand 
danen. Sy gieng och gar begirlich und gern zu kor, und stund da dik mit un- 
slaten und gebaret doch frölich, darum das niement ir krankhait markti und 
man ir es deslerbas gundl. Sy ist och dik demütiklich joch in [iryOaj geniainen 

30 capiteln gestanden und hat ir schuld gesprochen vor der priorin. 

Sy hat och dem cofent dik gar demütiklich und gütlich ze tisch gedienet, 
und tett das als begirlich das ir laid wer gewesen ob dekaine raangel het ge- 
hebt, das sy ir möcht han gebessret. Sy flaiss sich och das sy die schüschlen 
selb usstrüg, so sy die schwestren von in gesatztend, und sy etwen markt das 

1. ernfthaftes mit Verweisung szeichen am Rand nachgetr. O. 2. ain getilgt (sw.) ; aher vieil, ma. 
Pleonasmus. 4. hier in N Kapitelüberschrift: Wie dio feiige Swcfter Elifabeth fo andeclitik- 

lichen vn mit trehnen ir peicht tet. vnd fi ze einem mal vö eine groben peichtig' als vntroft- 
liche aus gerichtet wa'd. Das iiij Capitol. 20. den herd ald uflF die erd, sodann den bis äff 
unterpunktiert 6. 20. und ] vn G, 22. hier in N Kapitelüberschrift: Wie fleilTiklichC« £i zw 

Cor gieng. vn wie diemüttiklichen Ci fich gegen dorn Conuenttö hielt, vü ir fchuld fprach 
in geraeinö Capiteln. vn wie mit groffem fieiß Ci den fweft'n zu tifch dienet. Dz • v • Ca. 
24. ungewonlien] zwischen i und e etwas ausradiert: wohl ch (um eine ma. Form herzu f^tellen)^ 



Königin Ebbet 



105 



ir die schwestren nit gern wollend muten etliche ding zetiVnd: so wainei sy 
inneklich darum, und vcrschmachet die er die man ir tett und die sy ir damit 
crbutend. Wen sy och selb ze tisch sass, so hielt sy sich als deniüliklich das sy 
nit wolt noch begert [t^ußj das man ir sÖUiche er erbul an den dingen die zu 
irem lisch gehorlend, als man doch bilich und gern hei gelon. Sy tett och als 5 
geselleklichl gegen allen den schwestren die mit ir ze tisch sassenti sy werind 
jung ald aJl, das sis mit ir gdtllchi und mit ir lügenden recht zwang das sy 
uss ir schüsslen mit ir müsLend essen. Uns sait och die Schwester die ir wol 
xxnu jar in der kuchi und an sölichem dienst gepflegen hat, wie sy ir mit spiss 
ie getelt ald was sy ir gab, das sy ir darum mit ainera worl oie dester ernst- 10 
lieber getelt» sy wer joch gesund ald siech; sunder sy hat demüteklich vergüt 
das ir unser her fügL Hie by ist wol zemerkent wie demüt//6^/*/lig sy och an 
andren sachen was, da von wir dik grosse bessrung und gut bild namenL 

VoD (rem andaditigen innigen gebett. 

Es ist och gut und nütz zewissent wie begirlich sy sich übt an anddchligem 15 
und strengem gebet. Aber sy bat die gewonhait: was sy gutes tett mit gebet 
ald mit anren dingen, so flais sy sich mit ernst das sy es also zu brecbte das 
n lernen t da von ze red hei. Doch niocht sy es nit gantzlicli verbergen, wir 
sechind sy dik in gantzer andach begirltcli beten, und dik mit krankem üb tel 
sy als streng! gebet das wir uns da von wundretent das sy es erliden mocht. 20 
Ellich schwestren sachent och, so sy an ireni gebet was, das ir denn //^/*/ 
die trechen recht genuchsamklich von iren ogen flussenl. Aber sunderltch an 
dem stillen fritag so erzaiget sy grossen andacht und ernst. Sy nam des 
selben tags fierhundert venien, unsers heren marter zu eren, und was 
och denn den lag über gantzlich un alles trinken, uad hie von ward ir als 25 
we das sy darnach etwe lang fil dester krenker was. Wir fundenl sy och 
eiwenn in dem kor, das ir in dem gebet geschwunden was und das man sy 
also dannen tragen müst. 

Sy hat och sunderlich grossen und begirlichen andacht zu unser frowen: 
das zaigt sy an mengen dingen wol, won sy dienet ir mit flissigeni ernst Aber BO 
sunderlich zft der dult als !m2^} der engel unser frowen verkunl das sy Gotes 
müler soll sin, der fröden und der eren ermanel sy sy dik mit hertzlicher begird, 
und bettet ir denn der fröd zti lob ain m * Ave Maria mit als fil venien, und 



6. -Hcbl «0 G. 13. fachen; am Band dafür digen 0. IL hier itatt der unmgen 

in N die Kapitetülterichrift: Wie andechtiklichü Ci fieh bielt au dem karfrei tag mit voiiui. Audi 
von dem gepet dAB H tet zfi dem Hochzeit anüei&cio. vn dem iidveiit vn in tV wejnnacht 
nacSit als IhefuB gcponl ward. Das -vi- CapiteL 15. Ee] Eea 0. 18. J9, wir fechind 

korr, m mü fech G. 19. andach ^0; vgl. ohen 87,10. 102^37 und Eint. 26, wir fundent 

gfandtrt in WJl fand (/. 28, alfo nachtrat^fich mii iWwemtngazeieficn am Rand zugefügt 0. 

33, d' frende ze ere vn ze lob ein taufet S (Ü me G), 




106 Königin EUbet 

darnach ze ieklicher dult unser frowen so bettet sy ain -m • Ave Maria nul 
• in * venien. Sy Abt sich och sunderlich in dem advent mit ernsthaftem erzaigen 
ires hertzen andacht, won denn so bettet sy gewonlich siben tasent ÄTe 
Maria mit als fii venien in der er aller der stunden die unser her in dem 

5 rainen üb siner süssen zarten m&tter beschlossen lag. 

Und so denn der hailig tag zewinnächten kam, so ging sy zemeti an etliclie 
haimliche stat in dem kor die ir dar zft fügt [i62^}^ und stund da an ainerstat 
untz das die lang meti gantzlich üss kam, und bettet denn stend ain - m • Ave 
Maria ze lob der haiigen gehurt und der waren hilf die unser frow allen 

10 mepschen an dis weit bracht. Darnach so bettet sy denn durch das jar un ander 
gebet xxxim tussend Ave Maria zelob und ze eren allen den jaren und dem 
zit das unser her uff ertrich was. Sy sprach och etwenn, so die jungen schwestren 
durch kurtzwil zft ir giengent: ^Kinder, ich wil gon etwas für senden m das 
künftig land, so ich selber darkum, das ich es den find', und gieng denn in 

15 den kor und bettet da gar ernstlich. 

Sy Abt sich och gar fil an schönen und nützen tuschen gebetten, die sy 
also mit ires hertzen andacht und gütter be/^/ö5«/trachtung also zesamen hat 
bracht und gefüget, und och ieklichen sin als wol underschaiden das die ma- 
nungen gar begirlich ze bettend warent. Sy hat sunderlich gnad, m patter 

20 noster zebettent in diser wis: das erst dem almechtigen gewalt ünsers heren, 
für den alle menschen zegericht müssent kumen, das ander siner rechten ge- 
rechtikait, mit der alle menschen gerichl werden sölent, das drit siner grund- 
losen erbärmd, mit der alle menschen behalten sölent werden. 

Sy hat och zegewonhait vii Ave Maria ze betten mit disen manungen: 

25 Die erst: Ich ermanen dich, raine frow, Gottes mütter, alles des güttes 

zu dem dich Got geschaffen hat allen menschen für das ewig übel, da wir in 
gefallen [ißS^] warent, und bit dich, milti mütter, das du an mir vertribist alles 
das übel das mich diner gnaden geieren mug. 

Das ander: Ich ermanen dich aller der lutterkait zu der Got din menschlich 

30 hailiges leben geordnet hat von anfang der weit für alle die finsternus unser sei, 
und bit dich, raine mütter Gottes, das mir mit diner hilf erwerbist das liecht 
rechter erkantnus und rüw aller miner sunden. 

1. ain -m-] j tauffSt N. 3. vij hund*t N (vij m Ü). 4. der ftanden wiederholt 0. 
8. ein taußent N. 16. hier in N Kapitelüberschrift: Wie die feiige kuoigin dichtet auffer ire 

eigne finne • iij • schöne v'manüg mit • iij • pr nr • auch vij • andechtigo v'manüg mit vij aue 
maria zu vnß' liebe frawe. Dz vii- Cap. 16. "fil" gar G. 19. manugen G; vielleicht 

mundartl.? (heute ist alam. -ung meist zu -ig geworden), 30. vufer ahne ü,- Zeichen G. 

32. "ruw" aller {Umstellung^ wohl irrtümlich) G. 
_ 

3. Die Zahlangabe {7000) in G {und Ü) stimmt mit der wofd zugrunde liegenden Berechnung 
(0 Monate zu 30 — bezw. 6 davon zu 31 — Tagen zu 24 Stunden = 6660 Stunden) besser iiberein 
als die in N {700). 



Köaigin Ebbet. 



107 



Das drit: Ich ermanen dich aller diner minn da mit Gol diu hertz orfult 
gen des menschen ewigen hail für den grossen zorn unser schuldi und bil dich, 
gnadige frow, das du mir gebist ain m inendes hertz alle zit ze haben t gegen dir 
und dinem kind umb alles das gut so wir von dir enlpfangen haben!. 

Das fierd: Ich ernianen [ifA^j dich aller der wirdikait mit der sich die h 
gfitlich drifallikait naigt in dinen mäglichen lib für die grosen verschmächt unser 
verdienten schuld, und bit dich, frow aller eren, das du mir vergebist alle 
die uner die ich mit Sünden dir und dinem kind ie erholten han- 

Das -V': Ich ermanen dich aller der demAlikait in der dir Got in disem 
leben underlenig ist gewesen für unser verfall nen hoffart, und bit dich, mfltter lo 
alles gutes, das du mir mit diner gnad helffist, minen willen mit gantzer demät 
ze naigen gegen dir umb das hail miner sei 

Das »VI-: Ich ermanen dich aller der sicherhait die du by Got ewigklich 
enpfangen hast, uns zft erwerbent gantze sicherhait des ewigen lebenns, und 
bit dich, frow alles gowaHes, das du mir mit //ß4*/ diner hilf erwerbist ganlze 15 
begerung in minem hertzen des ewigen lebens. 

Das *VU': Ich ermanen dich, frow, aller der zft versieht die uns Got an 
dir gegeben hat unser sei und ünserm Hb für die ewigen ferzwiflung, und bit 
dich, milte mütter, das du min begerung ansechist und mich behdtist vor 
zufallenden schänden und vor künftigem übel nun und iemer ewigklich, Amen* 20 

Mit s6]lichen gebetten bekümret sy ir gemiltt und lait fil ir zites daran, won 
sy erkant wol das alle ding üppig sind un alain die zil Got wisent, 

Das aber ir gebet Gol genem und loblich wer, des haben t wir an etwe (il 
dingen glitte urkünd, Sunderlich zft ainem mal do begert ain alltc sdige Schwester 
von etwas sach wegen ze redent itßf**^} mit der tugentrichen küngen, und sucht 25 
sy lang in dem kloster hin und her, und ze jungst do kam sy in den kor und 
fand och da niement. Hievon wolt sy aber fürbas gegangen sin, und do sach 
sy neben t dem altar ain Schwester ligen an ainer veni vor unser frowen bild, 
und sach och das sy me denn ainer gantzen eilen hoch von dem ertrich uff er- 
haben was und in dem luft schwebt, und do krüwet die alt Schwester nider 30 
und wolt gern warten w§r die schwestcr wer die sy in der gnad sach. Und 
darnach über ain stund do kam die wirdig fürsltin von dem altar herabgangen, 
und do sprach die Schwester zft in 'Ach lieby frow, wo sind ir gewessen? 
Ich han üch als fil gesucht/ Do antwurl sy ir und sprach: 'Ich was //'?^V hie; 
bedurfist du min, so red mit mir was du wellist.* Do sprach aber die all 35 
Schwester: 'Nun gond für die dür üss, so kum ich och.' Und das lett sy darum 



6. mHglichen «o ö. 8. kind «?(( Vtni^imngizmchm am Rand nackgeir. G. H. zwüchen 
hast und utia stdti froWj dann getilgt G, IL lebefia 0\ liut 1 ebenes? 18. vnfer «o G, 

23. hkr in N Ka^^üetahtfschrifii Wie genem vti walgefolUg ir gepet dem alm echtige got were. 
D;e merckot an dpn nach gefchribe fAchn. Das -vüj* Capitel. 25. knngen ao G, 28. veniS: 
doM e giür. (n) G, 28. vnrer $o G. 30. krdwet ao G\ itesi kniiwet? SL vn ö. 



108 Königin Elsbet 

das sy gern wolt wissen ob iement me in dem kor wer gewessen. Und alUo 
tet sy die tür zft und nam ain Hecht in die band, won es was spat an ainem 
abent, und gieng umb in dem kor, und fand das kain mensch me in der zit da 
gewessen was won alain die sälig frow. 

5 Es fftgt sich och zft ainer zit das ain mensch der edlen künginen etwas 

hat geton das sy betrübt, und darnach über etwe fil zites do starb der mensch, 
und nach sinem tod do erschau er ainer Schwester in ünserm kloster und spradi 
also zu ir: ^Ich bit dich mit gantzera ernst das du gangist zft der künginen, 
und nim ain veni for ir, und bit sy das sy [166^] mir lutterlich durch Got ver- 

10 geb alles das da mit ich sy betrübet hat, und bit sy och das sy Got für mich 
bit; won recht als lutter der wiss schnä ist, so er von dem himel fallet, also 
schön lutter gat ir gebet uff für Gotes antlit.' 

Ain ander mensch hat sy och betrübt mit etwas sach, und kam och nach 
dem tod zft ainer Schwester, und wackt sy von dem schlaff und namt sich selber 

15 mit rechtem namen und sprach do: ^Ich bit dich durch Got das du noch hat 
dis tags gangist zft der künginen, und strek dich deraütiklich für sy uff das 
ertrich, und bit sy durch Got das sy mir vergeh, wo ich sy ie betrftbti.' Damach 
do erschau aber der selb mensch ainer andren Schwester und sprach: ^Ich müss 
selb zft der künginen komen, das ich ir benem das ich sy betrübet hat.' Do 

20 antwurt [166^] die Schwester und sprach: *Sy ist als gar krank das sy es nil 
erliden mag.' Do sprach aber der todt mensch: *Ich sol nodi mag sin nit über 
werden, won ich mftss in der wis sin untz das ich sy selber gebitt das sy 
lutterlich min fründ werd.' Und des verjach die tugentrich küngin selb darnach 
das ir der selb mensch in dem kor erschinen was. 

25 Die hoch geborn fürsltind hat och die gewonhait, wenn sy als kreftig was 

das sy vor krankhait mocht in dem dormiter geligen, so hat sy andacht das 5y 
alle tag der ersten schwestren aine was die zft unser frowen meti uff stund, 
und lett das mit söllichem fliss das die andren dik gftt bild an ir naraent. Und 
zft ainem mal da sach ain Schwester ain gesicht in ainem trom, die was also: 

30 Sy dunkt des, so die schwestren [167^] zft unser frowen meti uff stundent, das 
denn ain ieklichi Schwester ain klaines gelteli in der hand . . ., und so sy unser 
frowen meti anflengent, so ward ain ieklich wort zft ainer schönen berlen, und 
fielent denn in die gelteli, und do es an die wirdigen frowen kam, do sach sy 
das ir von ieklichem wort zwo durchlücht berlen wurdent und fielent och in ir 

35 gelteli, und da by verstund die schwester wie genem unser frowen ir dienst 
was, den sy ir dik so begirlich tett, und joch dik mit krankem lib. 



7. fnferm in dem korr., dann wieder übergeschrieben G. 11. vor wiss zuerst: blitzg f 

[ergänze: schinet?], dann (r.) gestr. G. 15. 16. hut dis nachtr, übergeschr. G. 25. fürfttind 

80 G. 31. vn am Rand mit Verweisungszeichen nachgetr. (7; vorher fehlt noch hat oder dgi 

33. fielet am Rand nachgetr. G. 35. nach schwester [S.] sind die Worte vn da b}' bif 

Slchwesterl wiederholt G. 



KSnigin Ebbet. 



109 



Die edel künginn hat och die tugent der mitlidimg foleklich gegen alle 
menschen die inbetribt und in liden warent* Und so sy joch etwas Ungemaches 
an dem herlxen hat gegen etlichen menschen, und denn der selb mensch zi ir 
kam in sincr betrübt und ir klegt lieibj sin liden und sy bat umb Iren rat ald 
umb ir hilf, so bekümret sy sich als gelrüwlich damit als ob ir der mensch nie 5 
kain laid heti geton. Sy sait och selb etlichen schwestren das ir in allem irem 
leben nie mensch so laid getette, het er des selben tags ald mornent gütlich 
gegen ir geton^ sy het im es lutterlich vergeben, als ob es nie wer geschechen. 

Es geschach och dik, als es unser her wolt, das unsern schwestren ir lieben 
fründ siurbent, und so die salig künginn sach das sy sich als übel gelifibent, so 10 
wainet sy gar inneklich mit in, und von rechter mitliduwg so ward sy dik als 
fast davon bewegt das es ir gar we teU und och etwenn fil dester krenker ward. 
Und won wir die gewonhait wol an ir erkanttend, davon so woltend fidsaj ir die 
schwestren etwen damit schonen, also das sy nit gern zt ir giengent, die wil ir 
grosse betrübt nüw ald gegen wirt ig was* Und wenn sy das sach, so gieng aber 15 
sy selb demüteklich zfi inen, so sy icht vor krankhatt ienen mocht, und klegt sy 
denn gar getnilich umb alles ir ungemach, und das sis desterbas getrosten möchte, 
so gab sy in sunderlich gebet der fninden seien die sy denn verloren haltend* 
Sy erzaigt och das werk der erbarmd dik demütiklich an ünsren siechen schwestren, 
zu den sy von ir grossen tugent selb in das siech hus gieng, und ret denn gar 20 
miUeklich und gütlich mit in, und hat och grossen fliss wie sis nach irem Irustcn 
möchte innen bringen das sy men ir liden gern hette gehulfen tragen» und gab 
in mit ir getniwen red wol zli erkennend das ir von hertzen laid [tfmj was aller 
der kumer den sy denn haltend. Sy hat och grosse mittlidung und erbärmd 
gegen allen eilenden und armen lütion, und wa sy den ir hden ald ir gebrestcn 25 
möcht han gebessret, des was ir hertz alle zit berail mit ganlzer begird. Von 
disen und von andren gütten werken die die götlich gnad an ir wurkl, so haben t 
wir unsern heren fil zelobent umb ir sdlig tugenthaft leben. 

Das och ir leben Got selber in siner fürsichtikait geordnet hat, das ist sicher- 
lich zu wissend, und das habent och gut lut dik und fil hie gesait und och her SO 
enbotten das sy unser her zfi hocher sulikait und zu grossem Ion geschaffen und 
erwelt hat, und ist nit zwifel daran, der almächtig Got gab sy joch by irem leben 
etlichen lüten also zu erkennent das sy ir gegen liftif'»/ im geniessen sollen und 
mochtend. Das ward sunderÜcb bewdrt an ainer armen frowen, die hat wol 



L hier in N KaptUiübenc/trift: Wie die Telige kujiigin ein fo niitleidig hercz het geg§ 
dtJQ betrübtü menrclie. Däö - ix ^ CapitI 7, fo laid am Rand jtachgetr. G. 9. vnaern 

w den getindtrt^ dann wieder ühergeschrieben G (dtjn Ü). Ih mitlidug G. 13, wir in tf 

geändert^ dann wieder ühergeschrieben G (£y t/). 14. nach selionen üt wolt«d (r.) etngeßicMi G 

{iTTtümlich}. 15. gieg am Rand nachgetr. G. 19. vnfren in vne den geänderij dann medt^ 

ühergeschriehen G (den 0)* 29, hi^ in N Eapitelüberidtrißt Wie der almeclitig gut in irem 

leben durch die (?] zekhen tet. Das ^ % ' CapiteL 30. ri* hie am Eandf mä Verwei9Ungi- 

seichen, (r.) zm tU£ Q. 



110 Königin Elsbet 

xxxx jar ain lame hand gehebet, und was des arms und der hand als gar un- 
gewaltig das sy in den zitten allen nie kain werk da mit getetL Und nadi 
disen jaren do kam ain stim an ainer nacht und sprach zft ir: ^Da soll goo zi 
der künginnen von Unger, und solt sy bitten das sy dir din hand berAr: so 

5 wirt sy gantzlich gesund,' Die frow gedacht das es ain tnignus wer, und kert 
sich nit daran. Und an der andren nacht do kam aber die stim und ret die 
selben wort mit ir als och vor. Und do wond die frow das sy gen Ung« 
müste gon, und gedacht das sy das niemer gen tftn möchte, und [169^] da tod 
hat sy aber kain zft versieht dar zft. Und do an der dritten nacht ward, do 

10 kam aber die stim und sprach zft ir: *Du solt gon zft dem kloster zft Tiss. 
darinn ist des küngs tochter von Unger, und bit sy das sy dir din hand ber&re, 
so wirst du gesund.' Und do kam die frow her, und sait wie die stim zt 
m malen mit ir geret hat, und begert mit grossem ernst trost und hilf von der 
edlen künginen die ir unser her erzaigt hat, und do giengent die schwestroi 

15 zft ir und saitend ir die red. Do erschrak sy da von, wen sy was noch do gar 
jung, und sprach demütiklich: sy erkanti wol das sy sdlichi werk nit an hortiod, 
und tett es von hertzen ungern; doch erhaltend sy die schwestren das sy iren 
willen [i70<^] darzft gab, und gieng selb zft der armen frowen und begraif ir die 
hand, und bat ünsern heren das er sy ires globen lies geniessen und ir zehilff 

20 kem. Und das gebet erfult unser her, und machet der frowen hand recht 
gantzlich gesund, die flertzig jar ain erlamtes gelid was gewessen. Und darnach 
do bracht die selb frow etliche ding her die sy mit der hand gewürket hat, nach 
dem und sy ir gesund was worden, zft ainem gewaren urkünd des zaichens das 
unser her durch die waren lieby der erbarmhertzigen künginen hat geton an 

25 ir nach allem irem trost. 

Die wirdig Fürstin wolt sich och zft ainem mal ergon in dem bomgarlen mit 
ainer sälgen Schwester. Nun hat ir junkfrow in den zitten ain [no^j brenn ofiFen 
gemachet in dem bomgarten an die ringmur, da sy der sälligen künginen rosen 
uflf brant, won sy von ir krankhait wegen des Wassers wol bedorft. Und do sj 

30 in den bomgarlen kam, do wolt sy och gesechen wie es der junkfrowen ze- 
handen gieng: do fundent sy niement da, und sachent och das das hüssli das 
mit holtz über das brenöflfeli was gemachet, gantzlich was enbrunnen. Do 
sprach die Schwester die by ir was: *Liebe frow, ich wil bald gon nach üwer 
junkfrowen, das sy kom und das für lösch.' Des antwurt ir die tugentrich 

35 künginn und sprach: 'Das solt du nit tftn, won § das ir herwider kemint, so 
wer es alles verbrunnen: wir söllent gon wasser bringen, das Mrir es wol er- 
loeschint.' Nun hatend /i7/«7 sy kain geschier darinn sy das wasser tragen 

8. gen tun G: Verschriftdeutschung von getün? mit Anlehnung an das ul. gon, gen f?<>r In- 
finitiven nach Verben der Bewegung? (gatün [?] Ü), 12. her in gen tolT geänd. G (gen töff Ü). 
22. HtaU her (so nadi Zeile 2) steht auf Rasur und über der Zeile; gen töff O (gen töff Ü). 
27. "offen" bren O. 35. ö] •€: G. 37. erloeschint] hier oe statt ö geschrieben G. 



Königin Elabet. 



111 



inftchlind, won das ain bösse wann da lag, die was och ain tail verbrunnen, und 
was dar zu von alter als fast zerfailen das sy zu kainen dingen gehelfen mocht, 
won das man kolen ald elwas verworffens dings darin trftg. Und also sprach 
die salig kiingiDn: 'Wir s61lent dise wannen nemen und das wasser darinn 
her tragen,' Das denkt die schwester nit muglich, und sprach es möcht nit ge- 5 
I schechen von der Ali und grösst der löcher die darinn warent. Aber die tugenthäft 
künginn lait an dem demütigen werk ir Zuversicht an Got, und gelruwet im das sy 
es mit siner hilf wol gelAn möchte, und nam die zerbrochnen wannen, und giengen 
2Ü dem Wasser und schapftend es darin und trftgent es ainen [17 1^} langen veren 
weg, und erlostend das für gantzlichen da mit das oifenhüssli umbgeben was* 10 
Hieby verstunden t wir nit anders denn das üaser her durch ir liebi sin gnad 
wunderlich an diser sach erzaigen wolt, als er och in andren dingen telt fil, 

»Unser her hat sy mit sinen gnaden loblich gcxierti won wie edel sy von 
geburt was» so was sy doch noch fll edler von manigfaltigen tugenten, mit den 
sy sich liebt Got und den lütten; aber sy was alier edlest davon das sy den 15 
ffisstapfen ires Schöpfers mit rechtem liden nach gieng untz uff ir end. Und 
darinn erzaiget sy fil grosser gediiUikait, wie es doch dik was über alle ir krafl. 
Und als sy von Got er weit und geschaffen was zt hocher silikait, also hat er ir och 
geordnet die wts in der er sy beraitten wolt das ungebresthaft war lt72<^} gut 
zu entpfachent, das sy nun ewigklich niessen sol. Und das fieng er mit ir an 20 
mit grossem eilend» in dem sy ir leben von ir kinthait uff hat vertriben, won sy 
was eilend des landes und der lüt dannen sy geboren was, und wisset och wol 
das sy iemer also beliben solt und mäsl. Und won sy jung und gar zarter natur 
was, da von gieng es recht über alle ir kraft libes und hertzen, won als fil sy 
es mocht mit Got überwunden, der da ist ain starker hellfer in allen nötten und 25 
ain wiser lerer in allem zwlffel und ain süsser trost in aller betrübt; der gab 
och ir von dem iiber wallenden brunnen siner gnaden, das sy sich durch in ver- 
wegen mocht der unslütten fransmütikait diser triegenden weit und aller der 
herschaft in der sy geboren was. Doch fiel ir lil2^] dik nienig widermüt in, 
da mit ir eilend geschweret ward, des sy doch kain ergetzen von niement begert 30 
noch sucht, won von dem alain vor des ogen tusent jar sind als ain tag. Und 
won sy Got so folleklich ergetzen mocht und wolt aller zerganklicher dingen, 
davon wolt in och nit benügen von ir ires gaistHchen und eilenden lebens und 
och maniger gütter Übung die sy hat: er tett recht als ain man der im selber 
ain hüs hat an gefangen zebuwent und es och nach sinem willen beraiten will, 35 
das er mitl iröden iemer darinn wonen mug, und graiff sy noch fürbas an in ir 



6, grj^ffe G\ miß^ersUmden aus dSam, grflaai (gröffe tf), 11. wir in fj geändiriy dann 

wieder ühergesühfieben (K 13, ffiar in N Kupüelüber^chrißi Wie fi dem leben fpi tiacii voiget 
mit große eilend vml ianerlichem trang ires berede - vn vä den fweron vngehorten ricuhlftgä 
die n vö jögent aaff vnez an ir ende leid. Daa x\ Caii. 22, und (por wiaeet) 1 vn (?. 

28. (franfmülikait auch Ü). 



112 Königin Elßbet. 

jugent mit maniger band krankhait und mit manigem grossen und schweren 
siechtagen, [HS"] der wir doch nit aller ze Worten bringen mugent noch kunnenl, 
won das man wol da by erkennen und merken mag das des zites wenig wenig 
was in dem sy Got inwendig ald uss wendig un sunderliches liden ie lies. 

5 8y was unlanges zit in disem kloster gewessen do sy zft dem ersten mal ain 
sunderlicher siechtag angieng, von dem sy grosses ser hat usswendig an dem 
lib, und daran lag sy etwe fil zites gar kranklich. Dar nach do sy in das •nn* 
jar by uns was gewessen, do sant unser her ainen grossen schweren sichtagen 
über sy; der was also das sy gar dik ain lange wil geschwunden lag, und der 

10 siechtag schlag ir denn och in die gelider und brach sich denn uff in dem ge- 
schwinden, und das ward denn ain als unlidig und angstliche not das alle die 
in grosse betrübt kom/i75»7ent die es sachent. In disem grossen liden lag sy 
als emsklich, und nam och als kreftiklich an ir zft das man dik sich ires leben 
verwag, und die ir pflegerinen warent, die mftstent als stetiklich by ir sinn und 

15 iren arbaiten warten das inen kum die stund werden mocht das sy zft ir rechten 
noiurft die spiss genemen möchtind. Und in dieser kleglichen not und roanig- 
faltiger arbait lag sy von pfingsten untz zft Sant Eisbetten dult, also das sidi 
der siechtag alle zit m^ret an ir und och all ir liplich krefl abnoment 

Und do nach aller heiigen tag wart, do gieng sy der siechtag als gar stark- 

20 lieh an das sy recht gantzlich kam von allen iren sinnen, also das sy weder gtt 
noch übel noch kain ding verstund, und sprachent die arzet das sy den selben 
[ü4<^] siechtagen in allen tuschen landen nie me gesechen hettind an kainem 
menschen, won alain an ir. 

Und do sy in diser grossen bitterkait, die sy hat an lib und an sinnen, 

25 im gantz tag gelag, do erschan ir die hailig frow sant Eli sab et an ainer 
nacht nach der meli und sprach also zu ir: 'Wie slat es umb dich?' Do ant- 
wurt sy und sprach: ^Mir ist gar we, und sunderlich in dem hobt da han ich 
die gröstten not.' Do sprach aber Sant Elisabet: 'Du hast nit diner sinn, und 
dar zft hast du uu sicchtagen zu den dir kain artzet gehelfen mag; won was 

30 dir zu ainem gut ist, das ist dir zu dem andren schad, und doch so solt du der 
artzet rat haben. Aber won du von minem geschlächt geboren bist und ich 
dir von Got gftttes schuldig bin, so han ich den gewalt von unsrera heren das 
//74V ich dir din sinn sol und mag wider geben, und das dir och bas wirl an 
dinem grossen siechtagen, und solt wissen das von hüt über xiiii tag min tült 

35 ist: hinnen dar müst du fil liden.' Und do lait sy ir die band uflf das hobt und 
gab ir die sinn wider. Dar nach sach sy sy do zemal nit me, und do die 
schwestren en(;achetend die by ir warent, do hat sy alle ir sinn folleklich wider. 



3. wenig wenig so G. 4. in dem bis vffwedig mit Verweisungszeichen am Rand nach- 

getragen G. 4. un 1 vn (irrtüinl.) G. 4. "lies" ie G. 8. für uns steht in cnif E<ifur 0. 

13. lebe so G. 32. vnfrem so G. 37. ermachetend G. 



K^ni^in Elflbet. 



113 



und sail in das ir niüm Sant ElisahcL by ir was gewesen, und wie sy niit ir hat 
gerel^ und das sy ir och die sinn hat wider pegeben. Do lobtend sy Got und 
Sant Elsbelen von gantzem hertzen. 

Dar nach do ward ir liden hl grösser denn es da vor ie was gewi&ssen, und 
der siechlag gieng sy do fd slrenkücher an denn er vor ie hat ton. Und do 5 
das vjii tag geweret, do erschan ir die sälig frow Sani /iTJ^y Elisabet und trosl 
sy, und sail ir das ir grosse arbait schier gelichlret soll werden. Aber sy müst 
den siechlagen die nachgenden viii lag noch pinhcher liden und krenker werden 
denn sy da vor ie wurd. Und das gcschach och, won der unlidig siech tag 
gieng gy do als seh wdr liehen an, und ward ir not und ir liden als gross und als u> 
manigfaU das die lüversicht irs lebens Jag alain an der miltten hilf Got^ und 
der haiigen frowen Sant Eisbeten. 

Und do sy dise grosse martter und die angstlichen not aber die wuchen 
gelaid innwendig und usswendig an dem lib und au den sinnen, do erschan ir 
?M dem driten uial die sali ig Sant Elsbet an irem lag vor nieti, und sail ir das 15 
sich der iiJü^j stech tag in aller wis des selben tags kreftiklicher und slarklicher 
s^ilti an ir üben denn er davor ie getÄte, und das ir och denn gnad sölli ge* 
schechen, und das sail sy aber den die by ir warent. 

Und do vor tag ward, do ward ir als ungestüniklich we das es über alle ir 
karafl was, und das Iraib sy unU wo! uff den tag, Upd do vor der vessper 20 
ward, do gab ir unser her so fd kraft das sy recht in ainem unsinn uffstund 
und in den kor gieng für den altar. Und do kam aber der siechlag, und übt 
sich an ir in allem irem hb und in allen iren gelider mit s<*)lUcher kraft das sy 
recht irs ungewaltes nider fil, und die äthwestren die ir gewartett haltend, die 
kamenl ir zehilf, und also lag sy vor dem allar unsechen, unh&ren, un sprechen, *25 
unlz das /!7f;^j der cofent vesper gesang. Und do sy in diser unsaghchen not 
was, do foUbracht die hailig frow^ Sant Elsbet an ir das sy ir och gelobt und 
verhaissen hat, und nam ir ab die ungewon liehen marter des schweren siechlagen. 
Dar nach zehand do kam sy wider zu ir selber und sach uff und sprach zu ir 
pflegerinen: *Hais mir bald ain bad machen t' Und do das geschach, do trüg 80 
man sy uss dem bad an ir bet, won sy hat ir kraft als gar verloren das sy da 
VI ganlz wuchen lag, das sy für das bell nie kam. Darnach begund sy sich wol 
bessren, also das sy gar dik mochl zfl kor gon und dem cofent dienen und 
andri gut! werk tun. Aber sy ward nach disem ^iechtagen nie guntzen lag recht 
gesund unlz an iren tod fi76^j. 35 

Dis grossen und manigfalligen notl und arbait hat sy also erliten und 
überwunden das nie ungeduUig wort von irem mund gehurt ward. Darnach über 
etwe fd zites do gieng sy als grosse krankhait an zu dem hertzen das sy gar 



10. und (vor ir)] vn (L 
Vertchreihunq für verlöre) G. 
D«iit»cb0 Text« de» MlttelAlters VL 



17. "defi" och (h 
3ü. noIt] fiai trmeät 



20. karftft to G. 
t eingeflickt G. 



3L verlorne (wM 



114 Königin Elsbet. 

dik]^lang geschwunden lag, und das sy och dik fil zittes was das sy ain wort nil 
reden mocht. In diser krankhait engieng ir etwenn die gehörd und etwenn die 
gesicht, und was doch als gedultig das sich davon ze wundrent und wol ze 
bessrent was. Sy lag och darnach an ainer sucht gar kranklich aines mals, and 

5 recht gäches do ward ir als gar we das man wond das sy an der stunnd ver- 
schaiden weit. Und do sy ain gftt wil also gelag, und die schwestren in grossen 
angsten //77«/ warent das ir bald ire recht geschechind, do kam sy wider und 
sach das die Schwester die ir pflag, gar inneklich wainet. Do sprach sy iil 
gütlich zft ir: ^Gehab dich wol! Got lait kain liden uff den menschen, won das 

10 er wol waist das er es getragen mag.' Und von der gedultikait die sy in den 
grossen nöten erzogt, do ward die Schwester gar wol gebesdret. 

Darnach do was sy och zu ainem mal siech, und aines tags do kam ain 
Schwester zft ir und klegt sy umb ir krankhait Da antwurt sy und sprach: 
'Ich bin gern siech, darum: wa ich den orden nit halt als ich sölt, das unser her 

15 das ersetz mit dem liden und mit den arbaiten mines siechtagen.' Und das 
was och siner grundlosen und ungemessen gdti wol zft getniwen, won sy bid 
gedultiklich gr//77Yosse und manigfaltige krankhait, und lait demdteklich fil wider- 
wertikait hertzen und libs,- das wir doch nit alles geschriben kunnent, won das 
sy unser her mit emssigem liden sinen üsserwelten fhinden folleklich gelicfaet, 

20 und daran ir selten ie entlibet ward, untz uff das zit das ir Got das untAdlich 
leben geben wolt umb dis kurlz schmertzlich pinlich leben. 

Aber ^ das zit erfiilt wurd das ir unser her geordnet hat in disem zer- 
gangklichen leben, do sant er manig wunderliches arbaitliches ser mit siechtagen 
an sy, und das geschach wol im jar vor irem tod. Das erst dassy do an kanu 

25 das was der fierlägig ritt: den hat sy gar strengklich, und ward davon als krank 
das sy in grosse arbait kam. Und do sy das etwe fil zites geJaid, do begund er 
ir sölli//78«/ch gebresten zft bringen das sy von gesuchten dik gar schwärlich 
gemügt und gepinget ward in iren gelidern. Darnach über etwe lang kam sy 
ain tödlicher siechtag an, von dem sy die grflssten bitterkait laid und serliche 

30 not die sy davor in allem irem leben ie erlitten hat, und das was ain winden 
und kriimen in dem IIb. In disem siechtagen kam sy dem tod als nach das man 
ir alle ire recht tett, und das wir och alle zit ires endes wartetend. Und der 
artzet, der ir krankhait lange zit hat erkennet, der sprach: 'Under drigen dingen 
mfts etliches an ir geschechen: aintweder sy mfts sterben ald erlamen, ald aber 

35 der siechtag mfts von ir schweren.' Und dis ward och alles an ir war, won sy 
erlaid es alles nach dem aller [178^] bittresten. Aber der milt Got, vor des an- 
gesicht ewigklich blügent die loblich marter siner haiigen, der wolt sy noch 
wirdeklicher beraiten in die gesellschaff die mit warem trost in iemer werenden 



19. 22. vnfer so G. 23. do fät er mit Verweisungszeichen am Rand nacfigetr, G. 32. wir in 
mä geändert, dann wieder übergeschrieben G (man und warttett Ü). 37. bKigent die lobliclu'O 
niartrcr, dann korr. loblich und marter, aber vermuüidi bl&gent in blftgt mu korr. V€rge$sen A'. 



K5ni|E^in FJflbet 



nr> 



frflden mit im richsn«»nt, und gab ir tVist, das sj do zc mal nit starb; aber alle 
ir tiatur und Ire gelider waren* darnach alle zit in sterbender not mit serlicher 
bitterkalt; won der selb siechtag begund sich zerlon in allen iren lib, und sonder- 
lieh da die gelaich der gelider zesamen gtengcnt, und hie von ward ir not und ir 
liden als gross das sy von ir selbs kraft nit mocht kumen üsser dem bett, won 5 
dar man ir mit arbaiten küm gehalf* 

Und do sy in disen grossen arbaiten ain gantzes jar was {ilB^} gewesson, also 
das sy nie gfttte stund gewan, und sich der siech tag alle tag meret mit nüwem 
ser, do lag sy ainer nacht nach der meti an irem bett, und entpfand recht g*l*ehes 
das ir die kraft gegeben was das sy kaines seres noch siechtagen enpfand an 10 
kainer stat ires übs. Und do stand sy fil haimlich uff und lait selber ire klaid 
an, won die schwestren schlieffend all die by ir warent, und gieng allain mit 
Gottes hilt in den kor und kam für den altar. Aber was unser her da mit ir 
mainte ald was ir gesch^che, das verjach sy nit. Und do sy da was gewesseh 
als lang Got wolt^ do gieng sy hin wider und fand sy aber ^ille schlaffend und 15 
lait sich wider an ir beü, das es nie mensch inen ward //7.'>Vi won das sy es 
selber kurlxlich vor irem lod sait etlichen schwestren* 

Darnach gelag sy reehl gantzlich zebett, also das sy für das mal nie 
füssdrit me getett untz an iren tod» won dar man sy höh und lait, und erlametehd 
ir die fäss und die bain und och darnach die hend, und ward ir selbs als gar 2o 
ungewaltig wo! n Jar vor irem lod das sy ab ainer sitten an die andren ir selber 
nit gehelfen mocht. Dise überschwenkelich bilterkait wuchs alle zit an ir mit 
xuanigfaltiger not, won der siechtag begund an ir üssbrechen und von ir schweren 
an etwe maniger stat ires Hbs, und das was ain als unlideliche marter das es 
recht über alle ir menschÜche kraft was, und dis schw^*ren übt sich als fast an 25 
ir liHii^} das sy davon et wenn x löcher mit ain andren hat in irem lib. In diser 
sertichen not sprach sy dik mit hertzlicher begird: 'Her ich lob dich und sag dir 
gnad un dank, das ich mrner gelider und alles mines tibes durch dich sol un- 
gewaltig sin, also och du diner gelider und dines libes an dem crütz ungewaltig 
wollest sin durch mich* 30 

In disem sieehtagen was die edel künginn zu ainefti mal als krank das wir 
es ai genlich da für hattend das sy sterben wölt* Und do kam ain mensch her, 
der was besessen mit dem bissen gaist, und der ret fil von ir, das sy Got als 
zu grosser sAlikait geschaffen hat, und sprach under [tsm} andren worten: 'Ist 
das sy es mültett an ünsern heren, sy niniet ainen rob mit seien üss dem fegfür^ 35 
des sich alles himelsch hör fröwet** Aber der almachtig Got, der das zil ires 
lebens in siner gAtlichen wishait gemessen und geordnet hat, der wolt iren Ion 
noch manigfaltiger machen. Und von sinen gnaden do lebt sy dennoch me denn 



14, 'inatte" ir n. 20. gar mit VerweimngtMeithen am Rand nachgetr. (h 3L wft in fy 

geämteri, dann wieder übergeschrieben G (fy Cf). 32. »kxM Her, yHU iicker da^0tandin hat, isi 

lü in eingeieut O {»ü in Ü)^ 34. \\kli über ft ein e guüzi (r») Q, ' 

8* 



116 Königin Ekbet. 

ain gantzes jar, und aber also das sich ir übliche krankhaft mit grosser bitlerkait 
zft allen zitten meret an allem irem lib. Mit disem serhchen schmertzen was st 
allenthalben umbgeben in so überschwenklichem liden das es niement ze werten 
kan bringen. Und alle die spis die sy nös, die raüst man ir in den mund geben 

5 [l8i^] als ainem kind, und das nam sy gar demdteklich und gdtlich von ir nidresten 
junkfrowen, die ir kochet. Und so die mit unsubren klaidern zft ir gieng, als 
sy denn och in der kuchi gegangen was, so getett sy doch niemer dem gelich 
das es ir wider st And, als es joch von ir grossen krankhait wegen wol geloblich 
wer gewessen. 

10 Nun fügt es sich ainer nacht, do die hoch gebom küngin in grossen on- 
kreften lag, das das Hecht erlasch das gewonlich vor ir alle nacht bran. Dnd 
do sy das gesach, do erschrak sy da von, won sy als krank was, und wackt zwo 
ir junkfrowen, und sait in das das Hecht erloschen was, und bat sy ain anden 
bringen. Do warent sy mdd und haltend [iSi^] fH mit ir gewachet, und ent- 

15 schlieffent als bald wider, das sy es nie tattend. Und do sy das sach, do ge- 
dacht sy an die arbait die sy mit ir hattend, und schwaig mit demütiger ge- 
dultikait und befalch sich ünserm heren. Und darnach über ain lange wil do 
erwachetend sy von in selber, und sachent das das Hecht schöner und kreflik- 
lieber bran denn do sy es von erst angezündet hattend. Und won sy vor wol 

20 hattend gesechen das es erloschen was, und do un aller menschen hilf so fast 
bran, davon gelobtend sy do sicherlich das es von sunderlichen gnaden ünsers 
heren geschechen wer der tugentrichen frowe zft trost, als och der gronlosen 
miltikait Gottes und der min sines vit//S^«/terlichen hertzen wol gezam, won sv 
lag un alles entliben in zünemender not alle zit, won der streng siechtag erwand 

25 nie, untz das an ir natur alles das verdarb da das leben möcht ienen kain stat 
funden haben in ir zebeliben. Und das lait sy och als vernünfteklich zft hertzen 
das sy selber sprach: 'Ich bin darzü komen das ich des begeren mfts dar ab 
alle menschen erschrekent von natur: das ist der tod.' 

Do nun die zit kam das sy Got von dem eilend diser zit weit nemen, do 

30 bat sy ir ain venstcr ufiF tun by ir betstat, und sach den himel an und rftft begir- 
lich zu Got und sprach: 'Her min Got, min Schöpfer, min erlöser und min ewiger 
be/^/8^Vhalter! sich mich hüt an mit diner grundlosen erbärmd, \xr\d enpfach mich 
in din ewig vatterland von dem eilend diser weit durch din wirdiges liden und 
durch dinen biterlichen tod, und las mich geniessen das ich also von diser weit 

85 schaid das ich nit kan wissen das ich mensch ie gesäch das mich von sip an- 
gehört!, sid dem mal das ich geschied von mines vatters land/ Do sy nun in 

1. mit oben eingeflickt (r.) O. 22. frowe so G. 22. grunlofen so O. 29. hier in S 

Kapitelüberschrift: Wie aDdechtiklichen Si (tarb. Das -xii* Capitel. 32. bejbehalter G. 

32. und] vn G. 

35. 36. von sip angehorti] die Stiefmutter und das österreichische Hersogsh<ius (Herzog 
Heinrich oben 102,4) rechnet die aus ungrischem und polnischem Geblüt stammende Frinz€8$in also 
nicht zu ihren Gesippten, 



Königin Elsbet ^^^^^^^^^^^^ 117 

disem pinnlicheR schmerizenn lag des todeSf und das zit komen was das sy Got 
mit im selber ergetzen wolt alles des das sy von ufiFgender jugent durch in 
ver mitten, geton a!d gelitten hat, und do gab er ir das aller schonest minek* 
liehest end, umb das wir Got iemer ft^-^^J zu lobent habent. Sy hat nit alain 
gantze Vernunft und erkantnus gen dem orden und dem cofenl, dem sy an der 5 
jüngsten stund ires lebens danket aller der eren und der zucbt und des g&ttes 
so ir von in ie geschechen was: sy erzaiget och grosse min und andacht die sy 
tu Got bat, den sy in gantzer Zuversicht mit hertzen und mit sinnen an rAfl 
timb die hilf slner götlichen erbärmd und sines gegen wirtigen väterlichen trogt es. 

Und in dem andacht schied die wirdig sei von dem durch martreten lib, und lo 
für, als wir gedingent, von der grossen armüt diser zergangklichen weit in den 
waren richtum, von disem iamerlal in die ewigen fröd fiss^j^ von der krankhait 
des todlichen lebens in die ungebresHichen gesundhait» von dem eilend dis un- 
sichren lebens z4 der vAt erheben bainmftt des bimelschlichen riches, da sy ewigk- 
lich besitzen und niessen sol das erb das ir von angeng der weit beraitel ist. 15 

Do nun die edel gnaderieh tugendhaft künginn verschaiden was, do ward 
gTossi klag und geschrai von gemainem cofent, als billich was, und do ward sy 
enthalten vin tag uff dem ertrich, und kam ir stüffmütter und was fruraer lüt 
warent, do man iren tod vernam. und do in der nacht ward, do kam sy an* 
sichteklichen zfl ir stüffraütter für ir beUstat, do sy lag, das sy ir hoffjunkfrowen 20 
hortend und sacbent {iS4<^j und die vor ir lagen!, und der schin ires gaistes was 
lutter und wis, und schwebt zwaiger elen bocb ob dem ertrich; was sy aber mit 
ir retti, das wolt sy niement sagen, won das sy sprach es niilsl by irem hertzen 
sterben, won sy ktmd es laider nun nit gebessren. Und darnach tett sy untz an 
iren tod ünsrem kloster TÖss fil me gnaden und gittes denn sy vor ie hat geton, 25 



1- fehert^efi G. 6. "d«Dket" hm leti^ ß. 10* nach UV Ziuaisi do fi dj jar alt wsa N 

(ftftti U). 12, ricbttam io G, 14. haüniit G. nach 15 in N h(er foi^tnde Erw^üerumfi 

iLXXXII^^): Do Bölknt wir ai an ruffen uod pitton, dae ai uiia genad eT/LXXXil^JwefhG 
nmb Got. Wunn do er pei irem leben den leutten gnade tete durcb ir liebe, so sdllent wir 
im wo] gctrawen das si uub nun noch jiaa gegen Qot gehelffen müge. 16. hier in N 

EaptieMUferichrifit Wie der milt got die hochgepome kunigin Eret vn wird iget mit zeichen 
nach irem tod. Das ^xiij- Capitel 2b. dem kl. T. auf Rmtif^ thnn über dem rfa^r ^nfrem 

wiederfiergtsieUi G. 

25. Vgl H, Suktr, DKT 1U3 (23) f.: 135 J Siiflnng von Jnhr^eüen ßt osferreichisc/tf Ner^ö^ 
mmi derm Fatniitm auM dem Ertrag dir öüur Marcftrtin und Wtti^km ; tS^iB Scht^ikung des K^ten- 
sal£€^ von Velihe^im iamt den Kinkünfien^ die Kihartf von der Kirche dmdbit mu fordern halte. *Z» 
dieter ISHO aÜen LundmffUn im Thurgau und den Vögten auf Kiburg ulhU msr Kenntnis gthraehten 
Schenkung hatte Agnes ihren Vaiter Radotf bev*ogen {SiaaiMarchip Zürich, Akten Toß Nr, 2f^S)J' — 
Töß fültrte aus iMnHarkeit das ungarist-ht iJoppetkreiii im Happen. — Dit Verfatserin {Blsbet Staget?) 
ffeuttt im ieUten Satze einen Geiinnwngettevhsd Agnesens an, auf die Ate vonsit u^gen früherer Karg- 
hat gegen das Khstcr und immeiUiith gegm Prifuessin EÜaahei^ das ^Asdiefihrödel des ffUerreichiick' 



^8 Königin Elsbet. 

Die gnadenrich künginn hat in irem leben die gewonhait das sy alle jar 
ir gantzen bicht tett in grosser begird und andacht die sy z& Got hat« dar um 
das sy sich im dester bas genäcben und verainen möchte. Und das sait ir bichier 
nach irem tod selber von ir das sy das wol uff sechschzehen jar hat [t84^] geton, 

5 und so sy Joch nit wol etv^enn darzft beraitet was oder zfl andren zitten licht 
mer gnaden darzft hetti gehebt, und won sy aber unsicher was wie es darnadi 
gestanden wer umb sy, so zwang sy die g6tlich min als ver darzft das sy ir 
hertz kreffteklichen kert von allem dem das sy dar an geiren mochL Und so 
sy och etwenn als krank was das sy zebett lag, so lies sy es doch darum nit 

10 under wegen, und hies sich zft dem bichter tragen, und bichtett denn als andäch- 
tekiich und als lutterlich das ir bichter, der ain wol gelerter man was, gar wol 
davon gebessret ward, und nament och unser 3chwe3tren dik daran gütt bild by 
ir, allso das [i8S^] sy dester gerner gantze bicht tatend, und och dester me 
emsttes und begird hattend, das sy sich darz& beraiten und gefdgen möchtind. 

l& Die edel kungin, als sy was gewessen aines milten mitlidenden hertzen mit 
den betnlbten in irem leben, das selb erzaigt sy och nach irem tod folleklich, 
won es ist ze wissent das sy mengem menschen zft hilff ist komen das sy bat 
an ger&fl in haimlichem liden und betrübt. Sy hat och den lüten abgenomen fil 
grosser krankhaitten des libs und der gelider: gesucht, krankhait des hobtes, der 

20 ogen und der gehörd, und den ritten und ander krankhait. Und die barmhertzi- 
kaijt irer milten hilf erzaiget sy och an unser schwestren [i85^] ainer kurtzlich 
nach irem tod. Die hat etwa manigen siechtagen die ir gar schw^ warent, 
aber sunderlich do hat sy n die ir gar schwer warent, und also gieng sy z4 
der säligen künginen grab dar nach do man ir drisgost begangen hat, und er- 

25 manet sy alles des lidens so sy von iren kintlichen tagen ie erlitten hat, und 
enthies ir das sy ain gantzes jar alle tag wölt gon zu irera grab mit gebet, und 
ob sy von ir erhört wurd, das sy gern schaffen wölt das es von ir wurd ge- 
schriben. Und mit der hilf ünsers heren do gewert die sdlig künginn die 
Schwester irer bet folleklichen, und nam ir die siechtagen baid recht gantzlichen 

30 mit ain andren ab. [1SG<*] Aber aüi miracul. 



6. daruzü G (vielleicht doch, trotz darzu in der vorherg. u. der folgd. Zeile, als mundartl. Form 
zu halten? < darezü, das e durch n zu u gefärbt*^ oder ''farbiges SvarahhaktV wie karaft bei der 
gleichen Schreiberin oben 113,20?). 16. folleklich mit Verweisungszeichen am Rand nachgetr. G. 

17. 18. hat gerüft an, dann an vor gerüft oben eingeflickt und das erste an zu tilgen vergessen (/. 
20. vn den ritten mit Verweisungszeichen am Rand nachgetr. G {stellt in der Zeile Ü). 

Ungar kchen Hauses\ nicht gut zu sprechen ist (H. Sulzer, BGT 28^)^)). Das Schuld gefUhl Agnesens, 
das die Verfasserin andeutet, hatte seinen Grund jedenfalls niclU in der Blutrache für Konig Albrecht 
(Greith a. a. O.), woran sie unbeteiligt war: auch die Güter aus dem Hause des Königsmorderg Rudolf 
von Wart, die T^ß erwarb, verdar%kte es nicht der Huld Agnesens oder Elisabets, H. Sulzer , BGT /'>, 
DKT90 (tO); der Kirchensatz von Dättlikon ward üim als Ersatz für die im Kriege zwischen Herzog 
Lüpolt von Osterreich und Ludwig dem Baiern erlittenen Einbußen von Bischof und Papst einverleibt 
IS44 (H Sulzer, BGT /5; Zürcher Staatsarchiv, Regesten). 



Königin Ekbel. 



119 



Tns sait och ain andre seh wester das sy ainen strengen ritten bat, der kam 
sy ie an dem andren tag an; von dem ward sy als sehwärlich gemügel etwe ßl 
ziles das sy da von gar krank was- Und aines lages do gieng sy mit unstalen 
in den kör, und do sy das grab ansach da die wirdig fürstin in lag, do kam 
recht g^ches die begird und der andachi in ir hertz die edlen künginnen 5 
ze bittend umb ir gnad und hilf, das sy ir den ritten abnem» und ermanet sy alles 
des lidens so sy ie erlaid, und aller der fröden und des gutes so sy von Got ent- 
pfangen hat und iemer ewigklich mit im niessen sölti, das sy sy lösti von item 
{186^J siechtagen, und enthies ir das sy ain gantzes jar alle tag zfl irem grab 
mit gebet wölti gon. Und unser her erzaigt aber, als er dik me hat geton, die lo 
grossen lieby die er zft der sälgen frowen hat, und nam der Schwester den ritten 
als gantzlicb ab das sy do zemal nie kainer krankhait me da von entpfand. 

Es fügt sich och ?A ainer zit do die erlich und gnadenrich frow etwe fil 
zites in dem ertrich gelegen was, do wolt man ir ain gehowes grab machen, 
und die stain warent also gewürket das ir edets gebain ob dem ertrich darinn 15 
rftwen soll, als och irem künklichen adel und ir haiükait wol gezimt [isr^^j. Und 
do das grab berait was, do grub man sy üss dem ertrich, da sy xxx wuchen inn 
was gevvessen, und do man sy herüss bracht, do begertend die schwestren von 
grosser liebi die sy zft ir hattend, das sy sy gesechint. Und des getorst man in 
nit gerat ten, won ir lib von grossem und langem siechtagen als gar zergangen 20 
was: do sorget man das sy licht ain tail zerfallen wer. Und also tattend sy 
den bom haim liehen uff, und fundent das alsus ir Hb und ire gelider als gantz 
warent das joch do ir hüt noch do nie gebrochen was, wie doch ir gewand an 
irem lib was erfötet. Und itS7i'j also noment sy sy getursteklich by den armen 
und nidnen by den füssen, und htlbent den wirdigen lib uss dem bom in den 25 
stain, also das weder irem hobt noch kainem irem gelid nütz gcschach noch och 
nie entwaich noch entlediget ward. Dis was von Got wol zewundren, das der 
lib, der by dem leben von unlldigem siechtagen dik an so mäniger stat ge- 



1. [¥]d& in K« ffiänderi G. 3. Und ] yn O. 5. küngiiltien G. 10. vnfer io G. 

13. £es Q^ 16. vnd ir bailikfiit mit Verwctmin^seeichen am Hftnd {r.) nachgfir. G. 18. und ] 
vnd vn 0. 26. öch fnä Verwekungs^ikhm am Rand nachgeir&gm Ö. 38. fo fo m* 0. 



14, Von ditsem 'gthauenen Grab\ da» man der Frimuun Eiisahel in der Ki&MerkircIit ^od dem 

Erdreich'' (15) trrichieU^ glauben wir den NaupUeit, die Flafie, in der [S. f22) i/eifofgmden Nach- 
hitdung m'edergeben *« Mnneti. Die Nachrithten über diem Grabpiaite hat J. R. Rahn summtnen- 
tjeBieiii in DKT II {Dm Domimkamrinnmkl&hter TogM. IL Teil Seine Bauten und WaudgemäidCt 
in: Minlgn. d. Aniiguar. Getelisck ia Zürich LXIX, Zürich W05) S\ t33: med^mtfßndung I59S, 
Wiederatifitälung im Chor SG02 üder IßOH^ Veneisurtg ujüer die Kanzel i7Ö3. BamaU wM ist 
durch die Erneuerung der Kirche die uritprüngliche GrahatäUe im Chor voUendf in Vergtä^enheit ge- 
raten^ »0 dmß die mit der Brhehung der Geheine {I77(f) beauf (ragten Abgeeandkn Maria ThertMO» und 
der Regierung t^on Zürich auf dem nunmehrigen Standort de« Grabiteim keine Gebeine mehr fanden 




120 Königin Elsbet. — VerteicBgnng d%r Legende. 

brochen was, das den nach dem tod das fücht ertlich in so fil zittes nit gefdlet 
noch gebrochen hat. 

Do nun dis legend mit grossem fliss geschriben was, und aber nach etlicher 
lütt Worten die ieklicher materi ir wis und ieklichem ding sin üss richt//^««/tuDg 

5 wol geben kunnent, was etlichen lütten do misslich darzü ze mftt, die alain ir 
menschlich krankhait an sachent und aber nit zu hertzen laitent wie Grot mit 
der frihait siner gnaden wunderlich mit ir gewürkt hat. Davon sait uns ain gar 
erbre sälge Schwester in ünsrem kloster hie ze TAss ain gesiebt, die ir nach der 
säligen künginnen tod in ainem trom erzaiget ward. Sy dunkt das der kofent 

10 in dem kor wer, und do sach sy das gar fil heren in den kor giengent, und 
warent all mit söllichem gewät angelait als die spulgent zetAn die da bellffer 
sind zft der mess; under den allen was ain [18S^] gar erwirdiger her, der was 
angelait als ain bischoff; der trfig dis bftch in siner band, und do sy alle für den 
altar koment, do gieng der selb herr für die sidelen ston, und kert sich atn tail 

15 gegen ünsers heren fronlichnam und och ain tail gegen dem cofent, und las dis 
legend ald buch alles sament öffentlich, und sprach do mit lutter stim: *Was 
hie geschriben ist, das ist alles war, und noch fil me das nie von ir geschriben 
ward.' Und do was der gesiebt nit me, 

3. grlTem O. 5. wz etliche ldtt$ i?i«f Verwemmgtzeichen am Ramd nachgetr, G (ttekt m 

der Zeile Ü). 5. misslich ] zweiff liehe N. 7. vns so 0. 13. böch mü VenteUumg*- 

zeigen am Rand nachgetr. O. 18. me fehU G, scheint ausgefallen^ mer N (me Ü), 

(vgl. Gerbert, De translatis Habsburgo-Austriacorum principum eorumque conjugum cadaveriims p. 10; 
Müller, Merkwürdige Überbleibseln von AUer-T kümmeren der SchweiU, IIL Teil, Zürich 1775, S. 7, 
tnit Abbildung-, Werdmüller, Merkwürdigkeiten 159; Greith, Suso 408-, Rahn, Gesch. d. büdd. Künste 
582 Anm.i *'der angebliche Grabstein der Königin Elisabet/i von Ungarn^', mein Mt/sdkerpaar S. 50\ 
H. Sulzer, BGT 283). In den Fünfzigerjahren des 19. Jhs. soll der Stein unter dem Fußboden der 
Kirche vergraben wieder aufgefunden worden sein (Angabe eines Hrn. Rieter bei Rahn a. a. 0.)\ 
Greith sali aber noch, wie er 1860 berichtet, unter der Kanzel den ^Denkstein mit dem habt- 
burgischen Wappen in zierlichem Laubwerk\ sicher denselben, der nach der Verwandlung der Kirche 
in ein Fabrikgebäude {in den ersten Fünfzigerjahren) in das Rietersche Landgut bei Winterthur und 
1898 in das Landesmuseum, zu Zürich (Raum IX) gelangt ist. — ^ach Laurentius Bosshart ward 
Elisabet von Ungarn ^begraben nebend dem fronaUar im kor ze toss in eim erhaben grab^ darauf 
stund geschriben . . .' Das Weitere feldt. Der heutige Stein zeigt außer den Namen der Evangelisten 
keine Inschrift mehr-, aber diese (vgl. unten S. 121, 22 — 26) kann auf der Platte des dazu gehörigen 
Tischgrabes gestanden haben. Als Deckel eines wirklichen Sarkophags kann er nicht gedient haben, 
seiner geringen Große wegen {1,7 15 > 0,66 m; die Länge des jetzt dazu neu angefertigten Sarkophag*, 
Rahn a. a. O. 134^, beträgt nur 1,64 m; eine darin begrabene Person könnte höchstens 1,45 m lang 
gewesen sein). Wenn er von unserm ^geltauenen Grab* stammt, so beruht offenbar unsere Erzählung 
von der Übertragung des SO Wochen hindurch wunderbar erhalten gebliebenen Leichnams aus dem 
^Baum^ in den ^ Stein* (unten ZI. 25 f.) nicht auf unmittelbarer Beobachtung oder Berichterstattung, 
sondern es hat sich im Kloster diese Wundererzählung an das vielleicht über der eigentlichen Gruft 
errichtete Kenotaphium trotz seiner Kleinheit angehängt, was bei einem neben dem FronaUar auf- 
gestellten und näherer Untersuchung entzogenen Detikmal durchaus denkbar ist. Denn dort stund 
doch, zur Zeit da die Biographin Elisabets schrieb, laut üirer eigenen Angabe das 'gehauene Grab, 



f 6c K t uij y #rm A hu uQg. 



121 



In N hier statt unserer Schlußverttmhnung die folgende lLXXXlin^<^^]i 

Ntm Dement war, aller getrewsten geswistrigeten : seit dem mal sich so 
diemttttiklichen und tugen reichlichen gehalten hat ein söliehe junge, schone^ 
zarte sweeter, die da eines gewaltigen, reichen, edlen kuniges tochter was 
und ein rechter erbe aller lenderen des ganczen kunig reiches ze Ungarn, 
und doch des ordens armut und großes leiden so gedültiklichen gelitten hat, S 
das allen swestern wol ein pild und exemplar sein sol, die da niessent des 
Ordens gemach, also das [LXXKlIII^j si mer rw habent denn ob ei lebten in 
der welt| und doch sollicher tugentreicheit, diemut, geloflenheit und gedult 
nit habent: dar umb in pilMchen diße selige swester Elsbet, die löbliche 
künigin für gehebt wirt 2ti einem pilder, die da so getrew, fest und stark an 10 
Got geweßen ist in armut, eilend, gedult, versmecht, diemut, undergang und 
ander tilgenden, also daz si nun ge krönet ist mit der krön des lebens, als 
die wort sprechent die an dem anfang dißer legende geschriben Stent, die 
Got wol zu ir sprechen mag: Esto fidelis uaque ad mortem, et dabo 
tibi eoronam vite. Biß stet, fest^ getrew und starck pis an den tod, so gib 15 
ich dir die krön des lebens. Also süllent wir auch tun, mein lieben s westreu, 
das wir habent grtintUche diemut, götliche mynne, gedult und ander tugent 
pis in den tod: so -w^rlLXXXIV^J^^m wir mit dißer diemüttigen, leidenhaffti- 
gen, gedultigen swester von Got auch gekrönt mit der krön des ewigen 
lebens. Das verleihe uns allen die heilige drivaltikeit: vater, sun und 20 
heiliger geist. Amen, 

Biß ist die umb geschrifft und das epithaphium daz umb ir grab ge- 
schriben ist: Anno domini MCCC° xxxvj, pridie kalendas nouembris objit 
aoror Elisabeth ftlia Ülustnssimi principis domini Andree quondam regia 
Ungarorum, soror ordinis nostri, ducens laudabilem vitam in isto conventu 25 
Thös xxTÜj, annifl, hie sepulta juxta mayns altare. 



der Prmstmn^ tmd am dim^^en Zmt ttammt die irhaliene Grahptaiie^ an dir — nach MäteüuTtg 
von DtTekior Dr. Lehmann vi^m Lande^fnuMetim — 'Form und Größe der H'uppcnschiiiie enUehieden 
auf die er^U Hälfte des 14. Jhs. htnweisen\ trotzdem die ürnomenitk ohne die St^hilde ^dem Ende 
des 14, oder i(^ar dem Anfang des IfK Jhs.^ ^wsuifprec/ten träre. Daß man den Stein der lÜn^eMin^ 
den dk Biographin doch neben dem FronaJtur ak ein itaUiicht^ '^^erk gtMhen hat, $ehon Md nach 
meiner ErsteUung wiederum erneuert hättet i*f kattm ansumhmen; daß der erhaltene dem andern 
mit Tfiß in Verbindung Hehenden OHede der ungariicken Konigsfamitiey at/f weiche die Wapfien 
deuten, d^ k der Käm'gin Agnei (t er§t 1364 1)^ mtm Dank für die dem Eioster erwiesenen H'Maten 
als Kenotaphivm erriehtet worden Ht^ iH sehr tinwahrsvkeiniith^ da ein solches Deftkmal im Verlauf 
der Jahrhtmderte get/^ß auch einmai^ und vermulüeh Öfter als da» Uirer Stieftochter, eru'ähnt tüorden 
wäre\ auch war die Verehr mtg für Agnes in Toß wenigaten^ zeitweise nicht sehr groß: vgL (^en 
S. 101,30 ff. 103,13 ff. 104 J. injSff. — Wir halten also die Platte S. 122 ßr den Rest des 1337 
im Chor der Klosterkirche errichteten Grabmals der Prinzessin EÜsabet (\ 3L Okt. 13'Sß}, der dann 
1103 aus dem Chor unier die Kanzel ver setzt und neulich ins Landesmusmm verbracht worden ist. 
Die Platte hat du Form eine$ flachen Üiebek, dessen Rand ringsum von wdlenjormigen Biattrmnken 
umzögen ist^ während die beiden Flachen mit symmetrisch angeordneten Ranken geschmückt mnd^ deren 
üußeriit Windung jeweiien eines der vier Evangelistenieichtn umrahmt^ währmd je inn^halh der 



122 



Scb] uß V er m&h n u n g< 



Gol der da ist ain beloner aller siner hailigen und ain erh6cher alktl 
demAUgen rainen liH9<*j hertzen, der unzwil och hat dise iugenthaflen deraAligeii| 
künginnen erhi'»chl by im selb und ir geben für die xergangklichen richtitiii 
iemer werenden schätz der ewigen glori, die sj mit hochen f roden nun ewigk-* 
5 liehen nissen ist in iemer vver^nder sicherhait. In diser gnuchtsamen fnlkomen* 
halt Stilen t wir sy an n\ffen und bitten das sy uns gnad er wer b umb ünserj 
hereOt won sitdemal er by irem lebenden Üb den lütten durch ir liebi so 
gnad telti so sAlent wir im wo! getrüwen das sy uns nun fil basser by im 
hellfen mug, und sy och gern erhiren wil. 

2* vnz wil; ii^' wn awifel? (vncÄwiffeU Ü). % ricUtam 90^ ry/. Seile. If'Jf 

5* wereotider 6. 9. hierauf in G l Spalte leer {für die UherncJiriß dex folgenden Leh&u da 

ff, Ma^gattla VQn Ungam)\ nur ^anz unten (r*): Dz erft Capitel. — In N fotgi auf die dort dm 
Schluß machende Gralm*hrift {oben ZL 7 — 10] der Beginn des Schmmternl/uckea t?on Dießenhiifem ma 
dff Oherschrißi Hi« fachet odiT hept an die vor rede in das puch d' ftiff'Eiiog^ vm dm Jebeai 
der Xwert'H das cloltera getiatit dieHenhoffeD ^dig* ordens in teficftfcher p[ro]ain^e. 

itiitteläim Windung ein Wappen in der MSchüdfarm de» 14. Jh». iehnt. Diete Fto^^n Acz^v^Awoi (fifl 
Werk als ein Denkmai des ungarischen KÖnigsltauses aus der ersten Häiße dee XI l\ JahrinrndeflL * 
Der Wappenschiid mit den 3 roten und 4 weißen Balken Andet sieh — /aifl gütiger Mitieiks^ 
Dr. Leitmanns — auf den goldenen Wappensiegeln Künlg Emmerichs^ tVM-- 120^^ and Jadrtas U. 
S2(/5 — 12S5 {ahgehildet ük dem zur M^enniums- Landesausstellung erschienenen Werke üSer die kittßr. 
Denkmäler Ungar m^ Bd. /, S. 20 f). Das Patriarchenkreuz des andern Scliüdts iegegnU so ekm 
Zutaten in dem Wappensleget Andreas IlL, 1290 — tSOi (a, a. O. S, 2S\ wahrend et sjioter geteiim- 
lich auf einem Dreiher g und in halhierietn Wappenschild e heraldisch links neben das äitere Wappm 
f^esiellt erscheint. 

Wir haben für die Aufmdime der Platte und dit Erlaubnis^ dieselbe hier miedermtgeäe^ der 
D^elUhn des Schweizerischen LandesmvseumSy und für die Bereitwillvjkeity dieses jeden faUs /Ir die 
Ge^hichte tind Kunstgeschichte von Töß sehr wichtige Denkmal hier auf^un^^hmen^ cÄer fi-^isßmekm 
Akademie der Wissensdmften unsem besten Dank anssrnprechen. 



Platte des Fürsttngrahes von Töß fmaltrscheinlkh von einem Tüchgrah der Primessin 
Eiiaaht(t tmn Ungarn, f f^VU*), jettt im Schweieerischeri LfttidfAmuseum zu ifwnVA 



Namenverzeichnis. 



Agnes von ÖBterrich^ Königin 

van Ungarn 100, 8. 15. 

(101, 29. 103, 1. 13. 104, 1. 

117, 18 ff.) 
Ainsidelen 103, 28. 
Albrecht, römucher Konig 

100, 7. 15. 
Andreas, Andres, König von 

Ungarn 98, 26. 99, 13. 15. 

100, 16. 104, 18. 121, 8. 
Anna 80, 19. 
Aquillus, bruder 30, 8. 
S. Augostinlns] 14, 14. 65, 6. 

Baden 103, 11. 13. 15. 20. 
Basel 96, 27. 

Bassiliensis, conyentns 11, 37. 
Bechlin (Beklin), Elisabet 
86, 30. 87, 2. 89, 32. 90, 17. 
Berchtold, brüder 39, 21. 
S. Bemhart 33, 11. 
Bichlense 87, 37. 
S. Blassi 89, 13. 
Bullach 38, 30. 
Burgenden 30, 7. 
Bnssnang, frow von 101, 31. 

Cecilie 99, 17. 

Cellinkon, Elsbet von 90, 19. 

20. 92, 35. 38. 
Costentz, «. Rostentz. 

David 41, 6. 

S. Dominicus 12, 12. 37, 31. 
32. 95, 20. 96, 6. 



Egipt[us?l 80, 21. 

ElgÄ (Elgeo, EIgft, Ellgft, 
Ellgft), Elli von 25, 11. 40, 
8. 44, 2. 3. 82, 19. 20. 21. 
Ellsy von 24, 28. 

Elsbet (Elysabeth, ElBbeth) 
Staglin, 8. Staglin. 

Elsbet (Elisabet, Elsbeth), 
Königitochter von Ungarn 
98, 26. 99, 13. 18. 104, 11 
(E. von Offen). 121, 8. 

S. Elsbet (Elisabet), Land- 
graßn von Thüringen 112, 
17. 25. 28. 113, 1. 3. 6. 15. 
27. 

Endingen 39, 19. 

Erckardus, meister 4, 9. 

Felthain, «. Veitheim. 
Fenn, Königin 99, 16. 
Feronica 38, 18. 
Finkin, Margret (Margretha) 

33, 8. 13. 35, 4. 87, 27. 28. 
Friburg 101, 31. 
Frowenberg, Adelhait von 

50, 1. 5. 9. 

Gisla 45, 7. 

Hainrich von Osterrich, hert- 
zog 100, 12. 102, 4. 

Heinrich, der Seüsse 4, 18. 
5, 27. 7, 25. 8, 32. 10, 15. 
97, 2. 35; «. auch Seusse. 



Hemme 68, 3. 
Hessen land 101, 27. 
Hoff, Mechthilt von 84, 10. 
Hugo, brÄder 71, 2. 75, 10. 
Hunikon, Margret von 43, 20. 
21. 22. 44, 9. 13. 21. 

S. Jacob (Jakob) 76, 10. 15. 
Jerusalem 11, 27. 82, 5. 9. 
Jesteten, Elsbet von 49, 22. 
Johannes, hertzog 100, 16. 
S. Johannes (Johanns) 38, 35. 

47, 6. 76, 10. 16. 93, 25. 
Jop (Hiob) 22, 15. 
Joseff 80, 21. 

8. Katherina 68, 10. 16. 

S. Kath er inen k lost er in Frei- 
burg 101, 31. 

Ratherinatag 64, 9. 

Rlingenberg, Mezzi (Margret) 
45, 1. 2. 3. 22. 

Rlingenow 38, 26. 

Klingenow (Rlingenowe), 
Anna von 36, 26. 27. 28. 
38, 83. 39, 35. Lüki von 
38, 26. Sophya von 55, 4. 
5. 6. 

Rostentz (Rostenz, Costentz, 
Costantz, Constanz), Willi 
(Willy) von 4, 18. 39, 24. 

48, 8. 9. 27. 80, 11. 99, 18. 
Mechthilt von 92, 38. Con- 
stanger bistum 3, 29. 

Riingsfeld 100, 19. las, 15. 



124 



Namenverzeichnis. 



Levi 90, 14. 

Liebenberg, Beli von 29, 29. 

30. 31, 7. 
Lindow, Adelhait von 85, 22. 

23. 24. 
Lucas 95, 12. 
Lucia 47, 9. 

Liitisbach, Beli von 84, 19. 
20. 21. 28. 

S. Margret, Margreth 23, 32. 

24, 4. S. Margret von Un- 
garn 101, 9. 

S. Margreten gebett 23, 26. 
Maria Magdalene 6, 18. 19. 
S. Marx, der EoangeliU 13, 

21. 
Mathens 95, 18. 96, 13. 
Meier, Bruder Johannes 1, 1. 
Mezi, Elsbet von der 35, 6. 
Münchwil, Offmya (Ofmja) 

von 32, 1. 2. 3. 

Neuenbürg, Adelhait von 

93, 25. 
Nürenberg 96, 28. 

Offen 99, 18. 104, 11. 
Oningen 103, 7. 
Österrich 100, 8. 12. 102, 4. 
103, 7. 

Paiger, Baiem 100, 6. 
S. Paulus 39, 29. 
S. Petter 12, 23. 38, 36. 
Pletin, Kathterina (Katho- 
rina) 43, 5. 6. 

Raguel 1, 5. 

Ritterin, Juliana 36, 24. 



Rudolf, römischer Konig 101, 
31. 

Sara 1, 5. 98, 16. 

Sch&f lin (Schefflin), EUbet, 

Elsy 22, 1. 2. 25, 14. 
Schalken (Schalchen), Belli 

von 83, 17. 19. 20. Richi 

(Riebe) von 84, 5. 14. 15. 

16. 
Sch6nenberg, Gütte (Gntta) 

von 35, 26. 27. 28. 
Schnlthasin, Jdzi 25, 19. 69, 

17. 18. 
Schwaben, Schwaben land 

100, 17. 21. 
Sobach 42, 27. 
Sensse, Seüsse, Heinrich der 

4, 19. Das Senssen pnch, 

des Seoßen pnch 5, 7. 10, 7. 

96, 25. 
Sidwibrin, Mezsi (Meue) 28, 

I. 3. 29, 25. 26. 
Solomon 3, 13. 

Staglin, EUbet (Elßbeth, 
Elysabeth) 2, 11. 3, 2. 10. 

II. 15. 26. 29. 4, 23. 5, 21. 
6,14. 7,1.25. 8,30. 9,19. 
10,21. 11,20.30.36. 93,5. 
96, 24. 

Stanz, Machthilt (Mechthildt 
Mezzi) von 60, 25. 29. 63, 7. 
25. 67, 34. 

Sulz, Ita von 20, 1. 2. 

Sulzerin, Ita 79, 12. 19. 81, 24. 

Sure, Beli von 41, 21. 24. 

Tetingen, Gepe von 92, 37. 
Tcuthonia, Deutschland 98,23. 
Thobias: bücHThobie 1,3.4. 



Thomas, Sant 12, 23. 

Tdsae, T688 1, 3. 2, 11. 15 
3, 11. 16. 32. 4, 14. 11, i 
17, 7. 35,20. 79,24. 98, a 
24. 26. 100, 22. 117, Ä 
120, 8. Thös 121, 10. 

Tftngen, lU von 35, 15. 

Turicenaia, frater 11, 37. 

Tdringen 101, 27. 

Ungarn, Unger 98, 26. 99, li 
100, 7. 8. 11. 18. 101, 7. 26. 
102, 19. 103, 6. 110, 4. 7. 
120, 22. üngari 121, 9. 

Veltheim (Felthain) 35, 2. 
69, 11. 

Waltter der Toss 100, 1. 
Wansaseller, Anna 46, 18. 19. 

47, 11. 12. 
Wediswil, Mechthilt von 85, 

9. 10- 11. 
Weszikon, Ite (Ita) Ton 17, 

1. 8. 18, 17. 
Wülin, Margret 25. 30. 83. 
Win 100, 10. 

Wintertur 59,27. 69,9. 77,9. 
Wintertur, Beli von 40,15. 16. 

17. Getrut von 48,30. 31.32. 
Wolfran, brüder 67, 1. 
Wurmenhnssen, Elli von 24, 

21. 

Zolnerin, Elisabet 41, 12. 

13. 14. 
Zürich, Zürich 3, 16. 29. 

77, 10. 103, 20. 
Zürich, Margret von 36, t^. 

7. 8. 45, 18. 



Wortverzeichnis.*) 



ainbaren vb, vereinigen 58, 3. 

34. 
ainbarung f. Vereinigung 58, 

4. 34. 
ainig adj, einzig; das ainig 

gut = GoU 61, 2. 
ainikait f, Einsamkeit 62, 6. 
ainvaltent adj. einfach, einzig? 

98, 31. 
aklain, s. klain. 
alleluia, s, legen, 
allwegent adv. immer 39, 8. 
allwent, alwent adv. immer 

27, 16. 
alt (= ald) conj. oder 49, 6. 
alter m. Altar 20, 26. altar, 

alltar 20, 29. 32, 15. 33, 3. 

38, 22. 39, 11. 45, 25. 51, 

7. 8. 56, 6. 57, 2. 60, 19. 

63, 12. 67, 29. 30. 82, 31. 

88, 15. 89, 14. 15. 104, 15. 

107, 28. 113, 22. 115, 13. 

120, 14. 
altvatter m. {M) Patriarch 

7, 27. 
amacht /•.(ilf) Ohnmacht 97,29. 
an {ma. < ain?) ort. ein 

23, 28. 



an[e] tit., d. pL anenen {E)^ 
Ahn 10:^,21. 

angeng ». ? (E) Anfang 99, 1. 
117, 15. 

anlut, antlut, antlit n. Antlitz 
42, 22. 46, 26. 47, 3. 66, 24. 
74, 22. 75, 36. 78, 26. 

an mütten vb. (E) c, acc, der 
Pers. w. d, Sache, einem zu- 
muten, von einem verlangen 
102, 33. VgL muten. 

ansichteklichen €uiv. {E) sicht- 
barlich 117, 19. 

antipbon, antifone f. Anti- 
phone 28, 22. 86, 17. 

arbets&Iig (<C arbeit-) adj. {E) 
sorgenvoll, elend 104, 13. 

dBo adv. (M) = also 12, 21. 

ander (< ftder) 18, 7. 66, 32. 

ausgescheidenlichen adv. {M) 
ausdrücklich, ausführlich 
98, 6. 

balme m. Palme 31, 2. 4. 

begenen (<: begegenen) be 
I gegnen 71, 23. 
: behalter m. (E) Retter 116, 32. 
< beliben: subst. inf n. = ein 



ewig, stet b. Ausharren, 
Ruhe? 73, 31. 37. 

berle f (E) Perle 108, 32. 34. 

beschaidenhait f. Vernunft, 
gute Sinne 94, 21. 

beschnitten adj. (M) ge- 
schnitzt? 97, 24. 

beschöwd f Anblick 58, 36. 

beserlich adj. {M) zur Besse- 
rung dienend? 3, 23. fgL 
bessren 102, 29. 31; bess- 
rung 105, 13. 114, 4. 11. 

besprengen v6., den Weihwedel 
führen 28, 22. 

betstat, bettstat f {E) Bett- 
statt 116, 30. 117, 20. 

betten c. dat., das Bett bereiten 
19, 3. 

bewegt f. Bewegung, Wider- 
willen 51, 32. 

bewerrd f ? 80, 34. 

bietzen vb. (E) < bdetzon 
flicken 103, 2. 

bildlich adj. (E) = billich 
(117,17, bilich 105,5) 103,28. 

bletz m. Fleck, Flicken 18, 15. 

bietzen vb, (E) mit Flicken 
besetzen 103, 2. 



*) Die mit dem Beisatz '(ilf )* versehenen Worter und Formen sind dem {mitteldeutschen) Texte 
Johannes Meiers von 1454 (SS. 1^12. 96,10^98,30. 120, 19 -- 121, 10) eigentümlich, die mü 
^{Ey bezeichneten dem {durch die häufigen Langenbezeidmungen von dem Haupttext sich unter- 
scheidenden) Leben der Königin Elsbet (Ä 98—121). Vom WortschaU sind die auf das Kloster 
und das Klosterlehen bezüglichen Ausdrucke besonders berücksichtigt und ausgiebig belegt. 



126 



Wortverzeichnis. 



blikschoBS n.Blüzürahl 23,28. 

bluklich adv. schucfitem, ver- 
legen 92, 2. 

bom m. Totenbaum, Sarg 30, 4. 
119, 22. 25. 

bomgart[e] m. 37,7. 40,23. 
77, 4. 110, 28. 30. 

b688 adj. {E) schieeht, schad- 
liaft 111, 1. 

brege f. Predigt 36, 1. 

bregen vb, predigen 77, 2. 

breger m. Prediger 77, 2. 
103, 9. 

brenn offen m., bren6ffeli n. 
(E) Brennofen 110, 27. 32. 

bülfren vb, zu Puher ver- 
wandeln 52, 8. 

capitel hus n, Kapitelhaus 
46, 27. 

collect f. KoUekte, Altargebet 
21, 16. 

complet, complett, cnmplet, 
cumplett /*. Komplet, abend- 
liches Gebet 14, 25. 23, 27. 
24,7. 26,23. 28,15. 55,32. 
62, 19. 

criatmefls f, Messe am Christ- 
tag 47, 33. 

crutzgang s, krützgang. 

danknem adj. dankenswert, ge- 
nehm 24, 26. 

danut s. dennen. 

denen adv. von dannen, fort 
24, 2. 

dennen, vb., prt» dannt, dehnen^ 
strecken, ricliten 78, 34. 

disciplin f. Bußübung 23, 6. 
26,16. 40,22. 43,9. 45,5. 
16. 83, 27. 

dormiter, dorrmitter, tormen- 
tar, tormitar «., Dormitorium 
23,3. 26,21. 26,25. 57,9. 
81, 19. 93; 2. 108, 26. 

drisgost m. (E) dreißigster 
(Tag) nach dein Todestag 
118, 24. Vgl. sibende. 

dult f Fest 105, 31. 112, 17; 
tult {E) 112, 34. 



dunsttag, donstag, grosser, 

Hollendonnerstag 63, 31. 71, 

28. 
durchfallen vb. {prt durch- 

fult) fällen, durchnässen 

62, 21. 
durch martren vb. (E) durch 

Martern ersdiöpfen 117, 10. 

ele f Elle 36, 25. 

eilend adj, heimatlos, enterbt 
111, 22. 

eltren plur. tant. Vorfahren im 
Orden, ehemalige Ordens- 
schwestern 16, 14. 

emiten adv, (<: enmitten) 
mitten 54, 3. 

emsig, emssig adj., emseklich, 
emssklich, emsklich adv. 
fleißig, beständig 112, 13. 
114, 19. 

endlich, entlich adv. voUr 
ständig, ganz und gar 18, 1. 
55, 24. 

engelschlicher grutz m. Ave 
Maria 84, 30. 81. 

entheissen vb. geloben {E) 
118, 26. 119, 9.; sich e., 
eine Wallfahrt geloben 69, 12. 

entliben vb. (E) unterbrechen^ 
aussetzen 114, 20. 116, 24. 

ent pfenklich adj. empfäng- 
lich, teilhaftig 80, 33. 

enzüken? enzuken ?: pt. pf. 
enzukt entzogen 75, 11. 

erarnen vb.{M) verdienen 6,4. 

ergetzen vb. (E) c. gen. etwas 
vergessen machen, ersetzen, 
wofür entschädigen 111, 32. 
117, 2. 

ergetzen, subat. inf. n. [E) 
Ergetzung 103, 25. 111, 30. 

erheben, sich vb. geschwollen 
werden 51, 23. erhaben, 
ptc. pf. heiliggesprochen 13, 2. 

erschiessen vb. ausschlagen. 
wol e. gelingen 82, 29. 

erechinen vb.: prt. erschan 
21, 29. 31, 31. 86, 18. 44, 
23. 52, 25. 69, 1. 80, 32. 



81, 19. 84, 25. 85, 15. 9«, 
23. 108, 7. 18. 112, 25. 113, 
6. 14. Vgl. schineo. 

crschmiren vb^ lächeln, mf- 
lachen 41, 9. 

estrich n». Fußboden mü Stet»- 
Pflaster 26, 13. 

etica f. (<r hectica) Sckmiad- 
ewAi 52, 20. 

etter m. Okeimj Vetter 30, ]t> 

f s. attch V. 

fedemly n. Fädehen 52, 7. 

fegfür ». Fegefeuer 39, 2. a. 

feilen vb, niederwerfen 62, 4 

feltziech (<r feltaiech) adj 
aussätzig 50, 25. 

fenster n. /) {Rede-^) FauUr 
69, 24. 2) Fenstemisdtt 
(Nische überhaupt?) 80, 29. 

fenstrerin f* die am Rede- 
fenster Auskunft gibt 60, 2. 
Vgl, gesellin ze dem feii> 
ster. 

feren, ferren vb. fem uxrdea, 
sidi entfernen 72, 21. 75, 8. 

ferly n. Ferkei 37, 27. 

fölli f Fälle 60, 3. 

fransmütikait f. {E) zu vrast- 
munt stf. StandhaftigM. 
Herzhafligkeit, vrastgemonde 
adv. herzhaft (Mhd, WB III 
S95b)? Oder zu fransisch 
= franzosisch , fremdartig, 
Schw. Idiot. I, 1311? 

frieg (< fri) frei 42, 7. 

fritag, stillerÄTor/reita^ 62, IS, 
63, 11. 14. 94, 23. 27. 28. 

fronlichnam m, Fronleichnam 
46, 11. 74, 6. 120, 15. 

frümen vb. zubereiten, zureclu- 
machen, anfertigen 26, 16. 
45, 30. 

fründ m. Freund, befreundä^ 
versöhnt 108, 23 ; Vericandter 
109, 10. 

fründ adj. verwandt 101, 27. 

füllen vb. = nüid. viÜen, 
sehinden, geißeln, strafen? 
22, 10. 





Wort Verzeichnis. ^^H 


^^^WBr ^M 


furapflti n., Spanf^ Schließt 


liete die Bemnnmg GG, 14. 


gAnlichi /; (Sehreihf für gM- ^^B 


am Kkiä 45, l6. 


07, 24. 105, 27. pt. pf. ge- 


lichi) ilerrlichkeit 68, 28. ■ 


fiiBsdnt m.{E) FußtriU 115,19^ 


schwunden, heimtßtlm 112, 


H 


fustüch {Schreihf. f. fustiicb) 


9. 114, 1. 


haimlichi f. heimische Behau- H 


n,Fußtu€h 52,29 (vgLAnm,). 


»uh»t das geschwinden, Be- 


»vng 61, 19. H 




umßiioiigkeit 22,22. 112,10. 


hainimit {< heimnt) f {E) H 


gich udj. ßähiümuf 102, 7, 


gesehen vLz gesach dich Golf 


Heimat 117, 14. ■ 


[^^die] gethe, gehe f 


'Goti hat dich angaehen'l 


hainstiir f.lE)i= heim-) Aum- H 


SehneUi'gkeit: in ftiner g., 


Neil dirl 25, 3. 5S, 20. 21 


Mteuer 100, 13. 102, 27. ■ 


p/Siziwh, Bofm 23, m, 82,7. 


(ü .inm). 59, 35. 71, 25. 


hfl ua Wirt tn. (^/) Hmmlterr H 


PTJichea, göches örfü. pBtziwh 


gesellin, geaelHn» f. Dmkü* 


97, 9. ■ 


113, 5. H5, 9. 


niuin ? Dienerin ? 40, 32. 


heben vL, pH. cj. 3. pL hettin ■ 


gftdem n, ? H'VinpewiflcA; des 


62, B\ gesell in ze dem 


( Vermischung von heben und H 


gädema und der seien pfle- 


fenater 61, 21 = fenstrerin. 


haben, mie noch hmite aiam.) H 


1 gen 82, 27. 

1 gohijgt, n. ? Gedmhinii 33, 14. 


geeicht f {E) Oemht, Vitlon 


haken 85, 13. H 


120, 18. 


heinnacht adv. {AI) heut nacht, ^^^B 


49, 23. 


gespuntzle) m. Brmtligam 


heunt 5, 14, ^^^^ 


gojeren « geirren) trren, 


102, 37. 


heiaslich adj. hitzig 77, IL ^^H 


hindern 61, 14 


gesi'icht ». Gliederschmerz 53, 6. 


herd m. (£) Erdhoden 104, 20 V 


gelaicb li. (£) (?e/^ife 115,4, 


114, 27. 118, 19. 


(nff den herd ald uW d\M H 


gelÄBB ?i. 7>j«, Benehmen 60, 29. 


gcewistrigeten n, pL (M) Ge- 


erd). Vffi berrt. H 


gelfen üä, prahlen 68, 22. 


»ckwater^ Schiteüem {An- 


herhoro, h^r hom, Heerhorn^ H 


geloßenheit ^. (i>/ ) GüUetf^ehtn- 


rerfe des Schrifhieliers an die 


Poiatine 34, 8. 39, 25. ^Ä 


heii 120, 26. 


Nonnen) 120, 19. 


her in adj. hären 26, 14. ^^^H 


gel teil n. (E) kkiner Zuber 


getüratikeit /'. (M) Kühnheit 


heriy ». Härchen 39, IL ^^^H 


(noch ma. Gelte, GeitltVi 


7, 5. 


herrfc m. £rrfe 42, 10. VgL herd, S 


SüAw. IdiQt II, 2Sl) 106, 3L 


gotuTstikl ich , geturiteklich 


himelfdr|w| adj himmelhtau H 


33. 35. 


adv. kültnlidi, helterzt 23, 4. 


64, 29. ■ 


gemaind f. Gesamiheii der 


HO, 24. 


hinderkomen vb. (M) m^ Akk, ■ 


Nonnm ? 14, IL 49, 13. 15. 


gewarlich adü, vmhriieh, su- 


d. Fers., üherkommen^ üher- H 


16. 51,19.28. 80,36. 92,1. 


certäuig 24, 10. 


iräliigen 97, 26. ■ 


gemerlich = jetnerlich üdj\ 


gew&t[e] ». {E) Kleidmg 


hinal eichen eb. {M) hin- ^^H 


jämmerlich 26, 22. 


120, IL 


schleichen, mch verlieren 3, 23. ^^H 


gern esse adj. {3f\ an ff erneuen 


gewirbig adj. {M) tätig, arbeii- 


hobtkÜMj n, Kopfkissen 26, ^^B 


5, 32. 


mm 4, 12. 


^M 


gen adv* vor in f. nmh t^L d. 


glesten vh. {pH. cj. 3. pi^ 


hobt schidel f. Schädel 40, 13. ^^H 


Bewegung i gen tön {E) 


glast ind) gUimen hl, 33. 


hochzit n. Festlag 104^ 7. ^^H 


110, 8? Oder < getnn? 


Gottes frewnd m. {M) GoUef- 


hoffjunkfrowle) f (E) Hof- ■ 


genächen, »ich vh. {E) *icA 


freund 4, 7, vgL frewnd 


fräulein 117, 20. ^^| 


nähern igeietig) 118, 3. 


Gottes 5, 33. 34. 


ho0'mfttstQrin f (E) Erziehen ^^H 


geanchgÄin adj. reiehHek, ttre- 


grät? gret? tn.? f.? Stufe, pL 


^^1 


mend 31, 8, 


gret 58, 18, grÄten (dat.] 


hik hörn, #. her hörn. ^^^| 


genuchsflmlich adv. in Fülle, 


88, 30. 


hnnert (= hundert) hundert ^^H 


siromu>ei8€ 29, 9. 105, 22. 


grJBB gramen pL knirsekmi 


74, 34. VgL sunerlich. ^^H 


geruBch n. Geräusch, Alami 


76, 9. 


hurt f. Reisiggißeckt 26, 12. ^^H 


34, 22. 


grandios, adj, (^mnlos £) ii«- 


27, 3. 35. ^W 


geachier (<: getchinre) ». {£) 


ergründlieh 39, 27. 116,24; 


ho wen t^. ^ gehowes grab {E) ^M 


Gmchirr, Gefäß 110, 37. 


da^ grundlos gnt Goü^l, 13. 


Grahmtd aus gehauenen Stet- ^^^M 


geschwinden 1*6., unpert. c. 


gruBseliche suft^t Grausen, 


nen 119, 14. ^^M 


dfji. mir geeehwindet, ©er- 


grauiliches Hören 14, 22. 


huwlen vL heuien 50, 2. ^H 



128 



Wortverseichnis. 



icht ftron. etwa», wohl 72, 21. 

88, 29. VgL üt. 
ienen adv. irgend. 
icren (•< irren), geieren vb, 

e. gen, {E) irren, hindern an 

106, 28. (geiren 118, 8.) 
innerkait /*. Vereinken in sieh 

geliuU, Entrückung 39, 25. 
inwenndikait /*. Inneriichkeil, 

Andachi 43, 4. 

kaiDeat « keines) keinmal, 

memaU 28, 13. 
karaft « kraft) (E) 113, 20. 
kelerin, kellerin f. Keüer- 

meisterin 21, 4. 23, 3. 35, 

10. 89, 4. 6. 10. 
kemnate f. inneres heizbares 

Gemacht 40, 10. 
kestigung f, (M) Kasteiung, 

Selbstpeinigung 7, 30. 
klain adj.: ain klain, einwenig 

28, 8. 49, 23. 61, 10. 79, 21. 

aklain dass. 32, 9. 
klainet n. Kleinod 103, 14. 
kleffner m. Klamer Wein 27, 

29. 
klewli n. Klaulein 59, 7. 
klosnerin f, Klausnerin 39, 

19. 
klosBDcr m. Klausner 35, 2. 
köpf, kopflP m. Schale y Becher 

35, 21. .S3, 31. 
kor m. Chor der Kirche 17, 18. 

18, 5. 20, 25. 29. 21, 2. 6. 

11. 13. 15. 23, 16. 29. 33. 
24, 8. 15. 26, 25. 26. 27. 
27, 2. 3. 13. 28, 10. 15. 
30, 28. 33, 27. 37. 12. 38, 
16. 39, 10. 13. 41, 18. 42, 9. 
44, 3. 45, 30. 46, 2. 3. 12. 
48, 1. 49, 26. 51, 15. 55, 
18. 21. 56, 5. 59, 12. 61, 
14.15. 16. 62,1. 63, 9. 11. 
71, 32. 80, 5. 82, 2. 30. 
83, 27. 92, 21. 27. 30. 31. 
32. 34. 93, 24. 104, 15. 27. 
105, 27. 106, 7. 107, 26. 
108, 1. 3. 24. 113, 22. 33. 
115, 13. 120, 10; linger kor, 



linke Choruite der Kloster- 
kirche zu Tofi 24, 16; iet- 
wedrer kor, beide Chorseiten 
und Sängerchore 31, 1. 

krützgang, criiUgang m. 
Kreuzgang 61, 22. 80, 4. 

krdwen vb, (E) kauern? 107 
30; Fehler für knüwen? 

kugelte] f. Kugel 19,33; Ka- 
puze 26, 28. 

knmerlich adj. adv. mü/isam 
45, 24. 

küng, dry: Kapelle derselben 
27, 3. 4. 

küngen (< küngin) (E) Köni- 
gin 107, 25. 

küntlichen adv, {M) deutlich 
97, 19. 

küntaam f. {M) Kundsame, 
Kunde 4, 24. 

layge {s. auch lege) Laien- 
Schwester 79, 12. 

leblich adj, {M) lebendig, prak- 
tisch? 5, 31. 10, 33. 

lecchtor n. Lectonum, Lese- 
puU? 51, 18. 

lege, laige, layge : legen scb we- 
ster, laigen Schwester Laien- 
schwester 25, 12. 82, 20. 
86, 17. 

legen vb.i das Allelaia legen 
71, 28 (u. Anm.) 

legend[e| /. {E) Legende 120, 
3. 16 (legend ald buch). 

leiderinn /*. {M) Dulderin 
97,8. 

leidenhafftig adj. {M) leidbe- 
drückt 121, 2. 

lemund m. (31) Leumund 3, 20. 
Vgl. lund[e]. 

leserin f. Vorleserin bei der 
MahlzeU 48, 17. 

lichnam: Gottes 1. Fronleich- 
nam 80, 36. 

lieben, sich vb. (E) c. dat. 
sich beliebt machen 111, 15. 

lucerne /". Leuchte 58. 2. 

lücht adj licht 36, 4. 

liindfe], Idnden m. {g, lundens) 



Leumund 22, 23. 38, 6. Uö, 
21. 
liippriester m. Leutpriester 
87, 37. 

müglich « m&gtlich) <u(/. (£) 
jungfräulich 107, 6. 

magt f.z die xi toaent megt 
(in&^) 30, 22. 28. 68, 16. 17 

mainen (gemainen?) vb. (E) 
trs,j Sachobj. durch mit e. i. 
ausgedrOckii Liebe beueisn 
durck, beschenken mä 103, 15. 
{fVeOeretUwicklung der Be- 
deutung von Mhd. WBIl, l 
/07* 4; vgl. noch mhd. einen 
verehren mit). 

maistenchaft f. Vorsteher- 
scha/t, VorgezeUU 18, 16. 2iJ 

mal n.i an mal cmßerhalh der 
fesigeseteten Zeilen? 9;^,2Ä,'^. 

martrer m. Märtgrer 102, 2. 

maae /. fleck 58, 6. 

maaalaide /. Überdruß, Ekel 
vor dem Ezeen 81, 24. 27. 

mesa /. Meeze (14, 27 gegen 
die Hz,, vgl. eu 83, 27), 

mess n. Maß 91, 14. 

meti, metti, mety, metty j. 
Matutin, Mette 26, 26. 34, t-. 
40,21. 41,2. 46,3. 01,17. 
33. 56, 5. 61, 33. 6.3, 3. 04. 
9. 71, 28. 72, 1. 17. 83,2. 
92, 20. 21. 24. 26. 27. '2iK 
106, 6. 108, 27. 30. 32 (unser 
frowen meti). 11*^,26. ll^J, 
15. 115, 9. 

meti buch n. ein {besondere 
großes) Buch zum (lebmuih 
bei der Mette in Töß f^- 
stimmt 70, 9. 

minn bewegnng f, liehtrollt 
Erregung 65, 35. 

minnesich adj. (M) liebeftkrank 
97, 17. 

min wund adj., liebe^urund 
65, 4. 

minzaichen, die fünf, Wund- 
male 46, 5. 50, 20. 64, 7. 
65, 18. 19. 69, 3. 



11 
1 


Wort verzeichn la . 


129 ■ 


mlsslicb adt\ (E) vencMedeni- 


pildor m. f i^) For^örf, oötäiM- 


ringmnr f. (E) Bingmauer des ^M 


ii(A, kritüch 120, 5. 


/«rAer Memeh 120, 2B, 


Klöitere 110, 28. ■ 


moment adp. (E) kigs darauf 


pingen iJ^, peinigen 22, 13. 16. 


rittje] m. Fieber 40, 12. 13. ■ 


109, 7. 


78, 16. 114, 28. 


69,6. 71,29. 114,25. 118, ■ 


tnnm f. {£) Muhme 113, 1. 


pinn /: fta», Strafe 44, 24, 


20. 119, 1. 6. 11. ■ 


DiBten V*. {E) c. dat. d. PetM. 


71, 27. ' 


ritter, die x tuaent 6S, 17. H 


zumuten j an^mnen 105, L 


pinnllch adj, (E) peinlich 


roh m. iE) Rauh 115, 35. ■ 


115, 35. V(fl anmütten. 


117, h 


rdböblain n. (Mj Saiteninetru- ^M 


iiiuttwill[e?] MuiwiUe, Spid 


pomerin f. Pförtnerin 23, 15. 


ment 5, 16; s, Anm, ^M 


78, 3. 


port f, Pforte 23, 16. i 


rueblen *?ä. mehem, brüUm ^M 




prim f* prim zitt /'. /Vm» 


53, 2. ■ 


nacht liecht n. Naädlichi 45, 26. 


erste Morgenstunde 26, 30. 


runa m. Fluß, Erguß 64, 25. H 


naiBwas pron. eiwai 33^ 5. 45, 


61, 33. 


65, 10. H 


14. 60, 14. 81, 17. 


priorin f Pri^n 47, 24 67, 6. 


^H 


natter f. Nüäer 23, 2. 


68, 14. 


aalter, saltter (vgL paalter) ^M 


nisaen vb. (E) < nias«en, ge- 


proTincial* profineial m. Vor- 


m. Psalter, Psalm 30, 3. 34, H 


nieuen 121, 15. 


getetiier äner OrdenMprm>in£ 


10. 40, 22. 41, 6. 46, 22. ■ 


non f. None, neujiie Togm- 


28, 30. 67, 1. 75, 10. 


49, 9. 94, 34. ■ 


munde 27, 3, 53, 8, 62, 25. 


psalter tn. Ptaiter 49, 13. Vgl 


aamhaft adj. gantlich 26, 4. ^| 


66, 24. 


satter. 


sehall m. lattie Fröhliebkeit ^M 


Dovken maiatri f. Novhtn- 


pnnct[6] m. Punkt, Augenhlick 


78, 3. ■ 


mmxierin 51, 13. 


77, 6. 


Bch apren < aehaperfin, fr^. ^M 


nun adv. /) nm 17, 7; S} nur 




cbaperon, m. Mantel mit ^M 


(< nuwan, niht wan) 24, 


recht rt.; ire recht (E) die 


Kapuze 26, 28- 64, 22. 80, 8. ■ 


25. 63, 35. 85, 13. 


ihr gebührenden Sterhtmkra- 


Bt: henken vb. als Badegesehenk ^M 


nnntf 9. nüt. 


mente 114, 7. 


geben 103, 11. B 


mit, fron. nkhUi mit tiutj^ 


red vßDiter n* Redefentter 


echenkfaaB n. O^aß zum Au»- ^^^^ 


mii ni^tm 33, 5; nuDt 


26, 9> 


schenken 35, IL ^^M 


42, 13. 


regel fasten f, pL, Fas^n der 


achif Ij f». Schiffchen 19, 32. ^^B 


ndt^lg «^ iiuB2]g, nmnmg 92, 


Hegd 34, 13. 14. 40, 18. 


Bchimpffen {ßt) =^ ludere 1,9. ^H 


20. 


83, 28. 


achiuen vb.: prt ächan 31,33. ^M 


niiwi f Nffuheitj ersUr Anfang 


reie m. {M) Reigen^ Tanzweise 


82, 4. Vgl. erachinen. ^M 


94, 2. 


5, 17, 


acbinak m. Geruch 12,19. 31, ■ 




reiesen vh. (M) reiBen^ anregen 


4. 5. 92, 32. ■ 


offen m. Ofen 75, 3L 


6, 1. 


acbmeken vb, (inir.) riechen ^M 


offen büsili n, (E^ Öfenkäm- 


Teiielich adj. {M) reisend, ein- 


{inir.) 92, 33, ■ 


chen^ im Baumgarien des 


ladend, förderlich 2, 17. 


Bchonen vb. {E) c. dat. und ^M 


Elosier» siehcnd 111, 10. 


rekolte f.t Waehholder 40, 


mit; einen mit etvxu ver- ^M 


ops 71. Öbii 60, 13. 15. 


22 \ rekolter m.t daudhe 


%chonen 100, 14. ■ 


ordenhaft adj. ordenggemliß 


18, 23. 


sebdachel f. Schüssel 65, 22. H 


33, 22. 40, 17. 


reventar, refentar, reffentar, 


104, 33. Danebem achibael H 




rsfetar n. wi. Refektorium 


105, 8. ■ 


paten; patten f. Pttten&j 


18, 6. 24, 20. 34, 13. 15. 


schwach adj^ gering 103, 5. ^H 


Sehüu0i 32, 28. 33. 


48, 17. 40, 11. 51, 19. 61, 


Bch weglen vL die Pfeife spielen ^M 


patternoflter n. /) Unserpotm-^ 


17. 67, 6. 68, 8. 81, 20. 


62, 3. ■ 


2) RotenkranM aui kleinen 


83, 22, 25. 90, 29. 


acbweren,schwer6n { < awörn) H 


Ringen zum Btim de* Unser- 


riechUch adj. ? 77, U. 


vk (E) schu^^m 114, 35. ■ 


tfoiers 80, 26. 


richsnen oä. herrechen 115, 1. 


115, 23. 25. ■ 


pMod f F«rjor^«^, Speite 


richten oÄ. kiten^ in Ordnung 


Bcbwjglkh^r f. Schweigsamkeii ^M 


46, IL 17. 


hatten 49, 26, 


{ais Bußübung) 23, 10. 62, 6, ■ 


DntKh« Toxte du Mltt«lalt«ii V 


L 


^^H 



130 



WortverseichniB. 



schwimen vb. (M) schweben 

10, 3. 
schwinden vb. impers. vgl ge- 
schwinden, 
seb « selb) pron, selbst 56, 

34. 58, 36. 
seigen » mhd, sigen vb. (M\ 

sinken 97, 29. 
sei f.: der sei warten, mifs 

Ende warten 67,4; der seien 

pflegen, für die Totenämter 

sargen 82, 27. 
selgret n. Vermächinis für das 

Seelenheü 49, 20. 
seltzen adj, seltsam, wunderbar 

31, 14. 
sengerin /. Vorsängerin? 45, 3. 

46, 1. 
ser n. Schmerz 19, 4. 41, 7. 

42, 28. 35. 52, 21. 23. 56, 

16. 17. 25. 29. 57, 17. 60, 4. 

6. 11. 62, 15. 64, 21. 28. 

31. 32. 34. 37. 65, 17. 18. 

21. 25. 31. 34. 66, 7. 12. 17. 
19. 112,6. 114,23. 115,9. 
10. 

serlich adj. schmerzlich 114, 29. 
115, 2. 27. 116, 2. 

sexstern f. (M) Sextern, Bogen- 
läge 5, 10. 

sibende f. siebenter (Tag) nach 
dem Todestag 40, 10. Vgl 
drisgoBt. 

8idel[e] f. (E) Sitz, Chorstvhl 
120, 14. 

siech hus, siech huss n. Kran- 
kenhaus 40, 20. 48, 16. 60, 8. 
66,2. 80,19. 84,25. 86,13. 
91, 34. 92, 20. 109, 20. 

siechmaistrin /. oberste Kran- 
kenpflegerin 47, 33. 66, 16. 

siech 6tub[e] /. Krankenstube 
61, 18. 

siech tag[e], sich tag m. (M) 
Krankheit 9, 14. 18, 26. 27. 

22. 22, 24. 24, 3. 42, 22. 
28. 29. 48, 23. 52, 25. 66, 

32. 33. 70, 11. 71, 29. 80, 

23. 89,2. 91,2.3.23. 103, 
8. 112, 2. 6. 8. 10. 19. 22. 



29. 34. 118, 6. 8. 9. 28. 34. 

114, 15. 23. 29. 36. 115, 3. 

10.23. 116,24. 118,22.29. 

119, 9. 20. 28. 
sinwel adj, rund 19, 33. 
sip /. (E) Verwandtschaft 116, 

35. 
sorgklich adj. (M) sorgenvoll 

I, 19. 

spnlgen vb. (E) pflegen, ge- 
wohnt sein 120, 11. 

strak adj. stramm, scharf, stark 
46, 5. 

strat, m. Teppich (als Lager) 
26, 13. 27. 

stnb[e] /. Stube 75, 29. 31. 

stüffm&tter /. (E) Stiefmutter 
101, 29. 30. 103, 1. 104, 1. 
117, 18. 20. 

snmren vb. trommeln 62, 3. 

snnerlich adv., ma. für snnder- 
lieh (so 101, 10)? besonders 
101, 7. Vgl. hunert 74, 34; 
anren 105, 17. 

siinftzen vb. seufzen. 

supriorin f, Subpriorin 40, 27. 

tafel /. (Metaa-?) Tafel zum 
Zusammenrufen des Konvents 
durch Anschlagen 68, 15. 

tue, tili f Diele, Decke 31, 33. 
53, 2. 

t6dmig adj. totengleicfi, nach 
Verwesung riechend 81,' 9. 

tormentar, tormitar, s. dor- 
miter. 

tötlich adj. (M) todähnlich, 
dem Tode bestimmt 1, 15. 

II, 23. 

tougni /. (M) Heimlichkeit, 
Mysterium 6, 29. 

tracht f. Gang bei der Mahl- 
zeit, Speise 50, 22. 

trügnus /. Betrug, Blendwerk 
110, 5. 

tübly n. Täubchen 35, 17. 

taglich adv. < tugentlich? 
83, 21. 

tumer m. Turnier 77, 10. 
78, 32. 



übergriffenlich adj. über ofir 
Begriffe, unbegr^Uek 66, 33. 

überswencklich, dber- 
schwenklich, übersehwen- 
kelich adj, (M) Obersckwesg' 
Uehj übermäßig 4, 20. 5,22. 

115, 22. 116, 3. 
dberwünden vb. < überwin- 
den, dberwinnen, über- 
winden 111, 25. 

ftbing «ikbang) C^ü^ 40,21. 
übly /. BoeheU 23, 1. 
uffgeben vb. abtreten^ onAew- 

stellen 17, 13. 79, 4. 
umbsessfe] m. Umwohner 103, 

12. 
un < ftne prp. 12, 7. 14, 6, 

20. 20, 2. 27, 7. 34, 12. 

35, 1. 7. 40, 21. 50, 21. 35, 

53, 27. 58, 6. 59, 8. 21. 

74, 26. 75, 24. 78, 14. 17. 

79, 9. 27. 83, 28. 94, 30. 

100, 5? 105, 25. 106, 10. 

107, 22. 112, 4. 113, 85. 

116, 20. 24. 121, 12? 
andergang m. (M) SelbstOtung 

120, 29. 

underliby f. Unterbrechung, 
Aufhören der Krankheit 37, 
11; underlibong f. dau. 
71, 16. 

anderscheid f. (M) = capitn- 
htm 1, 5. 

anders ton vb. (3f) verhindern 
5, 5. 

ungebresthaft adj. (E) nie ver- 
sagend, unvergänglich 111, 
19. 

uDgebrestlich adj. (E) das- 
selbe 117, 13. 

ungeleichet f. (M) Ungleidh 
heit, verschiedene Gesinnung 
97, 8. 

angetoni /. Häßlichkeit ö8, 26. 

ungewalt m. Ohnmacht', mines 
angewaltes, meiner nicht 
mehr mächtig 56, 30; irs 
angewaltes 113, 24. 

ungewdrm n. häßliches Ge- 
würm 22, 21. 



WortverzeichniB. 



131 



ongird f. Abneigung^ 76, 27. 

unlidig adj, unieidlich j un- 
erträglich 118, 9. 

onmacht, /. Ohnmacht 56, 30. 
38. Vgl, amacht. 

nnordenhaft adj. nicht ordens- 
gemäß 98, 82. 88. 

unördenlich adv, {M) in un- 
geordneter Weise S, 20. 

unsinn m. (E) Bewußtlosigkeit 
118, 21. 

uiiBtat|e] /*., d, pl. mit nn- 
statten Unbequemlichkeit y 
Mühe 104, 27. 119, 3. 

dnt, tf. üt 

antencheid m. (M) Unter- 
scheidung 10, 23. Vgl. ander- 
scheid f. 

QDt^lich, antötlich o^^*. (M) 
unsterbUdi 11, 26. 114, 20. 

ontroBt m. T\rostlosigkeit 59, 28. 

nnvertragenlich o^r. ifiier<ra^ 
ficA 19, 4 22, 21. 

anwertsamkUch €uiv. un- 
fremuBiek 21, 27. 

anz wil {E) bis msr (heutigen) 
Zeä (oder Sehreibfehler?) 
121, 12. 

üppig adj. (E) überflüssig^ eitel 
107, 22. 

orkiind f. (E) Kunde, Beweis 
107, 24. 

urlüg n. ? Krieg 28, 25. 77, 9. 

oser, uBser adj. äußerlich, 
körperlich, weltlich 82, 8. 17. 

assbrechen « üz- brühen) 
aufleuchten 89, 12. 

UBserlich adv. auf äußerliche, 
weltliche Weiset 34, 33. 

usBwendig adj. äußerlich 
(Gegensatz gu geistlichen 
Übungen) 51, 34. 71, 8. 

aswallen, prt. cj. 3. sg. uBwiel, 
überkochen 65, 17. 

Ät, lint =: icht {s. Einl.), irgend 
etwas 27, 9. 47,19. 49,4.18. 
52, 24; adv. wohl 48, 27. 

velwe f Weide, Weidengeflecht 
26, 12. 



yem[e] f., pl, yenien, venjen 
Bußübung durch Kniefall und 
Hinwerfen des Leibes (/Vo- 
stration) 27, 3. 46, 5. 8. 56, 
6. 61, 37. 106, 2. 4. 107, 
28. 108, 9. 

yerainen vb. 1) einsam werden, 
allein bleiben 56, 5; 2) ver- 
einigen 73, 87. 76, 36. 

yerfallen vb. (E) zu Falle 
kommen: yerfallne hoffart 
107, 10. 

yergaDgenbeit f. (M) Ver- 
gänglichkeit? 10, 30. 31. 

yerhenken vb,: pt. pf yer- 
henket, versehleiert, verhüllt 
26, 29. 

yerlasenheit f. WeltUddceü? 
23, 19. 

yermasgen vb. beflecken 56, 18. 

yermiBchen vb. vermischen: 
prt. yermist 26, 17. 

yerschwanen vb, schwinden 
machen, verzehren (ma. 
< -aweinen)? 52, 10. 

yersprechen vb. a. acc. ent- 
sagen, verzichten auf 61, 1. 

yerwalken vb. verfilzen 89, 84. 

yerwanlen, yerwandlen vb. 
verwandein 17, 10. 57, 15. 

yerwegen, sich, c. gen. ver- 
zichten auf 17, 18. 20, 14. 
51, 4. 69, 28. 90, 14. 15. 
101, 22 {sich in etwas er- 
geben). 111, 27. 112, 14 
{yocirain verzweifeln). 

yerziLken: pt. pf. yerzukt, yer- 
zuket, y erzucket verzückt 
66, 24. 25. 74, 15. 76, 20. 
78, 20. 

y erzuknng /. Verzückung 66, 26. 

yesper, yessper f. Abend- 
stunde, Nachmittagsgottes- 
dienst 53, 8. 66, 19. 75, 30. 
82. 118, 20. 26. 

yigili, yigily, pl yigilien /. 
Vigüie, Nachtwache 26, 19. 
38, 29. 83, 3. 

yolberten vb. (M) ausharren, 
durchfuhren 6, 8. 



waiflwarnach {für naiswar- 
nach?) adv, nach irgendetwas 
42, 30. 

wann[e] f (E) Wanne 111, 1. 
4. 8. 

warheit, ewige /. (M) die 
Ewige Wahrheit, Seusescher 
Ausdruck für Gott, Christus 
96, 11. 

weder g. für Oleichsetzung 
zweier verglichener Gegen- 
stände: wie {nidU: als) 58, 
32. 

Weisheit (M), wishait, ewige 
f. die Ewige Weisheit, Seuse- 
scher Ausdruck für Oott, 
Christus 1, 1. 4, 23. 7, 25. 
11, 29 (M). 38, 17. 96, 16 
(M). 97. 36 (M). 

wendig at^. abgewendet, rück- 
gängig gemacht 78, 32. 

weren, geweren (= wirren) 
c. dat. hindern, Sdtaden tun 
63, 7. 

werk n. klösterliche Bandarbeit 
26, 32. 34, 16. 

werk hns, werkhns, werkhoss 
n. Baus für klösterliche Band- 
arbeit 14, 26. 26, 32. 34, 16. 
40, 28. 55. 19. 59, 38. 

werkli n. Flocke Wergs 64, 30. 

wider adv, zurück: wider 
komen zu sich selber kommen 
59, 2. 3. 68, 21. 114, 7. 
wider bringen zu sich selber, 
zum Bewußtsein zurück- 
bringen 76, 19. 

widerzem adj. zuwider 17, 8. 
18, 27. 51, 31. 

wil /. (E) Zeit: unz wil (?) 
121, 12. s. unter wil. 

wil m. Schleier 26, 28. 102, 7. 

wilen vb. als Nonne einkleiden 
101, 29. 102, 5. 7. 14. 

winden vb. auswinden {ein 
nasses Tuch) 62, 22. 

winnächten, win&chten f. dat. 
pl. Weihnachten 89, 9. 47, 32. 
56, 4. 

wirser adj. cp. übler 85, 18. 

9* 



182 



Wi 



wit, wttcl.fl. witseii, wiaen 

f. ianf4, Em 84, 27. 89, 

4. 48, 19. H 34. 58, 12. 

108, 28. 111, 19 (?) 
wl% wti /. WmH 118, 16. 
wol otf».: 10 wol db, M gfU 

{g^aUg) mm 102, 18. 
wolniut /• Gemfi 58, 82. 88. 
wnelieiiwerk »., vorgmehrw- 

ktm W oök m mrheU 51, 28. 

24. 
wuehnerin f. du du Woekm^ 

dimuie Aar 28, 21. w. in der 

kuehin 81, 1. 
waader, wiiiuid«r n. Nmgkr 

59,88. 
wafHen vh. veHäMen 92, 28. 



dM erst 1^ d4»i 



92,81. 

lartea, Mrtten «6. 
UeUmm 28, 29. 81, 8a 

sertenneii «A., prt lertand, 
pL pf. aertentt, mubreifm 
98, 27. 95,2. 

siechen «6. /) sMiii. 2) mi- 
rfidbsn 82, 9. hin siechen, 
vendmdm 19, 26. 41, 8. 9. 
. 94, 87. in sieh selber ge- 
sogen werden, w Btttack- 
kmgf Selbtioergt$»mMi esr- 
«Mfli 19, 8. nff gesogen 
sin^ MTsfidbl mrs 41, 19. 

sipelin: ein s. der msss? 98, 
15. 

dt, süt ». ?; so den Sitten, 
MU iMw eofyffcensMMM (je* 



JETor«» 41, 18. CL 

15. M. 
sAkea, Eoken? «6. f) es adk 

Miehm 88, 19. ^ «sMUi 

(€me Onmde) 58, 14. J) etf- 

rfidboft (<!«• Geul mu im 

Leibe) 81, 5. 
AYeXw^VerämderUdikeU.Wm' 

dd 12, 7. 
swediel /. 7lM*tee* 83, 26.29. 
zweewe, swesome odj. /. 

« seswe), dU^ redhu (iTW) 

88, 8. 74, 22. 78, 28. 
swintsig (< swensig), ««» 

jn^ 75, 83. 
swirent, xwurent, swtost 

od«, emmmal 14, 29. 40,19. 

68, 17. 
sworent, e, Bwirent 



Berichtigungen und Ergänzungen. 



Seite 7, Zeiie 1 v. u. Voder erqnickung lies: oder Verqaickung. 
mal, das lies: mal das (u. ö, das Komma tu tilgen), 

24^ 28 u, ö, die Abkürzung «S* im Texte in Schwester aufzulösen. 
gewonhait, so find sin; so lies: gewonhait: so und sin, so. 
zet&Dd lies: zetünd (u, o. das zc vom fleht. Inf. zu &ennen). 
iiii lies: Uli (u. ö. röm, Zahlen statt der Buchstaben zu setzen). 
Jhesns lies: Ihesus. 
geriisch lies: gerdsch. 
nach gothait setze Komma. 
Da lies: Da, und kan, sj lies: kan. Sy (die Es, hat großes D 

und S, aber ohne Interpunktion vorher). 
nnsorg Ues: an sorg, 
ainen Ues: ainem. 
ainen Ues: ainem. 
des lies: das. 
jamrigen lies: jamrigem. 
mit lies: niit. 
Jhesu Ues: Ihesu. 
Sie Ues: Sj. 
iar lies: jar. 
der Anmerkungen^ nach Staatsarchiv setze Komma. 



21, 


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13 


23, 


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14. 


27, 


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34, 


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28 


53, 


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27 


69, 


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79, 


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7 


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n 


27 


85, 


» 


8 


89, 


n 


13 


102, 


n 


28 


103, 


n 


6 



Zu S. 4, Zl. 4^2 von unten: Dasselbe Bild in einem Leben des h. Antonius, Us, der StifisbihUothek 

in St. Gallen 597 ^ S. 3: ynd tet recht als dz ymli tvt dz von einem bl^mS vff den 

andren flyget yn jekliches fyfßkeit ys fyget AlTo nam er och yon jeklichem 

etlicher hand gf t bild. 
Zu S. 59y ZI. 28 ob es tagen w61t: gegen Osten kann er allerdings nicht geblickt haben, wenn er 

gegen Töß hin schaute, das von Wintertur aus wesUich liegt. Offenbar ein kleines Versehen 

der Verfasserin. 
Zu S. 71, ZI. 3 V. u. Hugo yon Vancemain: vgl. BihUneger, Zur Chronologie einiger Schriften 

Seuses, Hut Jahrbuch 1904, S. 177. 180 ff. 
Zu S. 100, ZI. 1 Waltter der Toss aus Costentz: ein Thoman Toßel oder Töfiler erscheint im 

Jahr 1413 als Leibeigener des Klosters Stern a. Rh. bei Konstanz: Isaak Vetter, Geschieht- 

Büchlein der Stadt Stein, hgg. 1904, S. 96 f. 



Drack von O. Bernstein in Berlin. 



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